Copyright by Jan-Geert Lukner
Die hier geschilderten Beobachtungen wurden April / Mai 2002 gemacht. Sie haben keinen offiziellen Charakter und es wird keinerlei Gewähr für die Richtigkeit der Angaben gegeben.
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| Ein Normalspur-IC nimmt oberhalb von Thavmakos die Steigung aus der Thessalischen Ebene in den nördlichen Gebirgsabschnitt. |
Im Internet ist leider zur Zeit kein aktueller Fahrplan verfügbar. Immerhin stimmten die mit "2001-2002" beschrifteten Fahrplanheftchen, die an OSE-Bahnhöfen ausgegeben werden, weitestgehend mit der Realität überein (soweit wir es überprüfen konnten; wir waren nur auf dem Peloponnes und auf der Magistrale südlich Domokos). Hier eine Kurz-Auswertung des aktuellen OSE-Fahrplanheftchens, für nähere Einzelheiten bitte Mail an mich:
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| Ein GanzMavag hält auf der Fahrt von Athen nach Kiparissia kurz in Agios Ilios. |
Auf der Schmalspur gibt es planmäßig nur noch ein einziges lokbespanntes Zugpaar. Es handelt sich um das Paar 302/303 Piräus - Kiparissia, das noch mit der großen sechsachsigen Alco (Reihe 9100) gefahren wird. Lediglich bei Ausfall von GanzMavag-Triebzügen können weitere Alcos zwischen Piräus und Kiparissia sowie Mitsubishi-Loks zwischen Kiparissia und Kalamata zum Einsatz kommen. Soweit das Zugpaar Patras - Kalamata wie geplant als GanzMavag fährt, entfällt sogar das Umsteigen in Kiparissia. Ansonsten würde eine Alco den Part an der Westküste und eine Mitsubishi mit zwei Wagen den Part auf der Südspange übernehmen. Dies konnten wir einmal beobachten.
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| Am Freitag-Abend war eine GanzMavag-Doppeleinheit von Athen nach Kiparissia gefahren. Diese kehrte am Samstag-Vormittag zurück und wurde bei Diakopto aufgenommen. |
Die Strecke Piräus - Tripoli - Kalamata mitsamt der Abzweige nach Nafplio und Loutraki sind wie schon seit Jahren fest in der Hand der MAN-Zweiteiler (Reihe 6520). Lediglich einmal konnten wir beobachten, dass ausnahmsweise ein GanzMavag nach Loutraki fuhr.
Nach dem, was in den Lokreport-Ausgaben 3 und 4 /2002 über die Fahrzeugsituation der Peloponnesbahn zu lesen war, muss während unseres Aufenthaltes der Bestand außerordentlich gut in Schuss gewesen sein, da wir außer dem einen oben geschilderten Fall keine lokbespannten Ersatzzüge zu sehen bekamen. Im Gegenteil: Am Freitag waren mehrere IC-Garnituren und sogar eine GanzMavag-Leistung als Doppel-Set im Einsatz! In den letzten drei Jahren wurden übrigens alle Schmalspur-MAN-Fahrzeuge (also ICs und die Zweiteiler) mit blauen Stoff-Sitzbezügen ausgestattet.
Auch auf der Normalspur konnten wir einen VT-Ersatzzug beobachten. Nach Chalkida, wo sonst ausschließlich MAN-Zweiteiler hingelangen, war eine 471 mit drei Wagen (zweimal ozeanblau/beige, einmal rot!) unterwegs. Die Stylida-Züge bestanden noch immer aus Drei-Wagen-Garnituren (mit gelegentlichen Wochenend-Verstärkern). Zuglok auf der Hauptstrecke war die Reihe 471 und auf der Nebenbahn Lianokladi - Stylida eine Baby-Alco (die 223). Die Schnellzüge auf der Normalspur wurden durchwegs mit Reihe 471 gezogen und boten einen sehr bunten Anblick. Die Wagen sind rot/weiß, grün oder auch noch oft ozeanblau/beige lackiert. Leider sind die Wagen häufig beschmiert, so dass wir keine einzige graffitylose Garnitur fotografieren konnten.
Schmalspur-Güterverkehr konnten wir nicht beobachten. Allerdings mühte sich an einem Montag ein leerer Bauzug mit einer schäbigen 9400er (Mitsubishi) und "geleckten" Flachwagen von (Kalamata - ?) Zevgholatio nach Tripolis ab. Der Zug fuhr etwa 20 km/h und benötigte für das genannte Stück den ganzen Vormittag. In Tripoli stand eine Alsthom (Reihe 9200) bereit, um nach den Mittagspersonenzügen den nunmehr länger gewordenen Zug in Richtung Korinth zu befördern. Zu welchem Zweck in Tripoli noch immer eine 9100 stationiert ist, war uns unklar. Allerdings machten die Gleise im Güterbahnhof einen recht blanken Eindruck. Gibt es hier doch noch Güterverkehr??? An einem Freitag hatte sich ferner eine Alco mit paar Bauzugwagen um ca 10 Uhr von Korinth in Richtung Argos aufgemacht.
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Das war Glück: Auf der Schmalspur-Gebirgsstrecke, die planmäßig ausschließlich von MAN-VTs befahren wird, tauchte dieser Bauzug mit Mitsubishi-Lok auf. Er befindet sich auf dem Viadukt von Manari zwischen Zevgholatio und Tripoli.
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Auf der Normalspur konnten wir folgende Beobachtungen machen: An einem Sonntag tauchte plötzlich am frühen Nachmittag an der Nordeinfahrt von Ag Ioannis (Gbf zwischen Athen und Piräus) aus Richtung Larissa-Bf eine MLW mit einem Begleitwagen auf. Und am 1. Mai (Mittwoch) konnten wir eine Art FbZ beobachten, der aus Richtung Norden kommend um ca 10 Uhr Athener Stadtgebiet erreichte. Er bestand aus einer MLW, zwei IC-Wagen (einer davon mit Schwenk-Schiebetüren!), einer IC-VT-Garnitur und ca fünf geschlossenen Güterwagen.
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| Auf der Nebenbahn Argos - Nafplio rollt ein MAN-Zweiteiler seiner Wege. |
Tja, und dann war da noch DER Güterzug. Es ist traurig aber wahr: Auf der Magistrale Athen - Thessaloniki konnten wir nur einen einzigen Güterzug bei Tageslicht beobachten! Dieser verkehrte aber regelmäßig (MO-FR) und passte auch zu Aufschreibungen aus den letzten Jahren. Am häufigsten fuhr er in einer Trasse, die Domokos um ca 18.15 erreichte. In Aggie ließ sich der Gz dann um ca 19.00 von IC 61 überholen, der gleichzeitig mit IC 42/48 kreuzte. Einmal fuhr der Gz allerdings schon zwei Stunden früher. Von Domokos bis Bralos oder sogar Tithorea bekam der Zug eine Vorspannlok (MLW), die die Woche über in Lianokladi stationiert ist und als Lz gegen 16.00 Domokos erreicht, um sich vor den Gz (Zuglok ebenfalls MLW) zu setzen.
Der Gegenzug durchfährt das Gebirge übrigens wahrscheinlich am sehr frühen Morgen, jedenfalls gibt es von vor drei Jahren die Beobachtung, dass ein nordwärts fahrender Gz vormittags zwischen Larissa und Thessaloniki auftaucht. Oben genannte Vorspannlok wurde übrigens am Sonntag hinter einer 471 mit dem N 1520 nach Lianokladi überführt.
Da wir nur auf dem Südabschnitt der Magistrale waren, haben wir an Elektrifizierung nur das Stück Tithorea - Inoi (ausschließlich) und nördlich Domokos (einschließlich) mitbekommen. Beide Gebirgsabschnitte sowie das gesamte Athener Stadtgebiet südlich Inoi sind noch frei von Fahrleitung oder vorbereitenden Arbeiten!!! Die Neubautrasse Lianokladi - Tithorea mit dem Kallidromon-Passtunnel ist an einigen Stellen schon mit Brückenbauwerken oder planierter Trasse präsent, doch an anderer Stelle fehlen sogar noch Einschnitte.
Den Schrankenposten geht es offensichtlich an den Kragen. Auf dem Peloponnes sind bereits Massen von neuen BÜ-Halbschrankenanlagen (die Schrankenbäume sehen verdächtig deutsch aus...) in Betrieb, die zunächst eher technisch nicht gesicherte BÜs ersetzt haben. Leider sind die Einschaltstrecken teilweise derartig lang, dass der durchschnittliche griechische Autofahrer in den Schranken lediglich einen Hindernis-Parcours sieht.
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Die Alco zieht ihren D 303 soeben über einen der neuen BÜs bei Kardama (nördlich Pirgos). Nicht überall stehen allerdings derartig viele Warnschilder und -kreuze mehrerer Generationen beieinander.
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Schlecht scheint es um den Zustand der mit zwei Zugpaaren bedienten Strecke Kalonero - Zevgholatio (Peloponnes-Südspange) zu stehen. Gerade auf dem landschaftlich reizvollen Steigungsstück oberhalb von Kalonero schleichen die Züge im Schritttempo über ein katastrophales Rasengleis. Leider muss man sich die Frage stellen, wie lange der Ring noch ein Ring sein wird.
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| Es handelt sich nicht um eine Zugkreuzung, sondern um abgestellte GanzMavag-Einheiten im unwegsam gelegenen Spitzkehrenbahnhof Sirtis. |
Weil nach dem zweiten Weltkrieg die Brücke über ein Seitental fehlte, wurde in dieses Seitental oberhalb Achladokampos eine Spitzkehre hineingebaut. Diese wurde erst 1972 überflüssig, als ein neuer Betonviadukt das Tal überspannte. Damals wurden die Gleise der Spitzkehre allerdings liegen gelassen. Sie blieben über eine Weiche am Nordende des neuen Viaduktes an das Streckengleis angeschlossen und dienten daraufhin als Abstellplatz für ausgemusterte Fahrzeuge. Vom Betonviadukt konnten die Fahrgäste der Personenzüge jahrelang zwei endlose Ketten von Güterwagen und sogar Dampfloks und Triebwagen beobachten, die sich in dieses Seitental hinein zogen.
Bei unserem Besuch waren allerdings unerwarteterweise beide in die Spitzkehre führende Streckengleise frei von Fahrzeugen. Einige Güterwagen-Überreste entdeckten wir unterhalb der Gleise am Abhang; die haltbareren Wagen sind hingegen nach Achladokampos überführt worden, wo sie nördlich des Ortes mehr oder minder zerlegt ins Gebüsch geschmissen wurden. Im Kopfbahnhof der Spitzkehre (irgendwo las ich mal den Stationsnamen Sirtis) standen jetzt beide Bahnhofsgleise voll mit den vor vier Jahren ausgemusterten vierteiligen GanzMavag-VT-Einheiten. Der Bahnhof Sirtis ist übrigens auf Wegen nicht zu erreichen und besitzt kein Bahnhofsgebäude. Es gibt dort lediglich ein Haupt- und ein Umfahrungsgleis.
Die Weiche, über die die Spitzkehre an das heutige Streckengleis angeschlossen ist, wurde übrigens auch betrieblich genutzt: Eine Kreuzung war wegen Verspätung vom benachbarten Eleochori zu dieser Weiche verlegt worden. Der eine VT ist 50m weit in das Spitzkehrengleis hinein gefahren, hat den Gegenzug vorbei gelassen und ist daraufhin in das Streckengleis zurück gekehrt, um seine Fahrt fortzusetzen.
| Wie dem auch sei: Griechenland bietet dem Eisenbahnfreund einen riesigen Abwechslungsreichtum. Ob es sich um komfortable Intercity-VTs handelt, die auf imposanten Gebirgsstrecken schon mal einen einsam an der Felswand klebenden Kloster-Haltepunkt durchfahren können (Trachis südl Lianokladi, links) oder um das Gebirgsbähnlein, das sich von Diakopto mittels dreier Zahnstangen-Abschnitte durch wilde Schluchten hinauf nach Kalavrita kämpft und dabei zahllose Tunnels, schwindelerregende Galerien und imposante Brücken passiert (unterhalb Kalavrita, rechts). |