The Ring of Fire - USA März 2020

Autor: Jan-Geert Lukner. Alle Rechte am Text und an den Bildern liegen beim Autor.

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Eigentlich hatten wir einen Flug nach Denver buchen wollen. Wir wollten es gern nochmal mit Montana probieren. Leider erwiesen sich, obwohl Lufthansa Ende 2019 immer wieder Angebote nachlegte, ausgerechnet die Flüge nach Denver als sehr teuer. Vermutlich macht sich da die nahe Wintersportregion oberhalb der Stadt bemerkbar. Statt dessen lachte uns ein mit 592 Euro ganz erschwinglicher Flug nach Seattle an. Nach Montana käme man von dort auch.

Allerdings hätte man von Seattle nicht ganz so viele Richtungen offen wie von Denver. Wenn Montana wegen Tau- oder Schlechtwetterlage ausscheiden würde, hätten wir immerhin die Möglichkeit, nach Kalifornien in den Frühling durchzustarten. Wir zogen dafür sogar eine Zeit lang den Amtrak Zug "Coastal Starlight" in Erwägung. Man hätte den in einer Woche im Januar zum Preis "Zwei zum Preis von Einem" buchen können. Da sich das Angebot aber nur auf die Fahrt, nicht aber den Couchette-Aufpreis mit Mahlzeiten erstreckt, hätten wir für die Zugfahrt Seattle - Los Angeles und zurück im 2-Bett-Couchette nochmal dasselbe abgedrückt wie für den Flug von Deutschland. So viel ausgeben, nur um sich auf eine Richtung festzulegen? Och nö, davon nahmen wir schnell wieder Abstand.

Und das war auch gut so. Zwar wuchs bei uns immer mehr die Lust auf Frühling in Kalifornien statt Restschnee in Montana, aber gerade deshalb befassten wir uns immer mehr mit einer faszinierenden Gegend, die praktisch auf dem Weg nach Kalifornien lag, und von der man in Deutschland kaum etwas hört. Eine Gegend, die von Feuer gestaltet wurde. Hier liegen die Cascades, das Kaskadengebirge. Dieser parallel zur Westküste führende Gebirgszug wird durch eine "Postenkette" von Vulkanen, die markant und kegelförmig alle paar Meilen schneebedeckt aus den eh schon hohen Bergen aufragen, zu etwas Besonderem. Die Kaskaden sind Bestandteil des "Pazifischen Feuerrings", der einmal in Hufeisenform um den Pazifischen Ozean herum führt. Wir hofften, zwischen dem Staat Washington und dem nördlichen Kalifornien einige vom Feuer erschaffene Motive mit Vulkanen, Lavazungen, Kraterseen, aber auch mit Canyons und imposanten Brücken zu finden. Gedanklich waren wir nun immer mehr in der Richtung unterwegs.

Allerdings muss ich die Erwartungen doch wieder bremsen, denn wir haben konsequent nach Bahnmotiven in den Cascades gesucht. Und dazu benötigt man fahrende Züge und passendes Wetter. Gerade ersteres ist in der Gegend nicht ganz einfach...

Unsere Motivkarte, eine persönliche Google My Maps Übersicht, wuchs und wuchs, nützte uns am Ende jedoch gar nichts, weil sie eine Woche vor unserem Urlaub ohne jegliche Vorwarnung vom Google Drive verschwunden war. Das sind dann wieder so die Momente, wo man das ganze moderne Zeug verflucht und sich klassische Analogtechnik wünscht (die zugegebenermaßen andere Nachteile hat...). Klar, der Fehler sitzt bekanntlich immer vorm Rechner, aber ich weiß wirklich nicht, was mein Fehler gewesen sein könnte.

Egal, man hatte sich so ausgiebig damit befasst, dass das meiste im Kopf war. Und so näherte sich der Beginn der Reise. Geprägt war die Zeit vom Corona Virus, der nun auch immer mehr Ansteckungen in Deutschland verursachte. Der Gesundheitsminister sprach inzwischen von Epidemie, doch die USA gab sich bei dem Thema noch ziemlich gelassen. Am Abflugtag hieß es in den Medien, dass man sich in den USA ein Einreiseverbot für Italien "vorstellen" könnte, aber erstmal nicht und mehr auch noch nicht. Und so ging es am frühen Morgen des 27.2. los...

Donnerstag, 27.02.2020

Bereits um 4 Uhr klingelte der Wecker. Mehr als vier Stunden hatte ich definitiv nicht geschlafen. Um 4.45 stand ich an der Bushaltestelle. Bus, S-Bahn und Einchecken klappten wunderbar. So war ich dann ganz schön überrascht, als vor der Sicherheit eine lange Schlange war. Ging aber schön zügig. So blieb mir noch hinreichend Zeit für ein ordentliches Frühstück. Beim Boarding gab es ein mir bis dato unbekanntes Konzept, bei dem erst die Leute mit Fensterplätzen und dann erst die anderen boarden konnten. Auch das klappte schön zügig.


Nach der Sicherheitskontrolle konnte ich das Frühstück genießen. Wenn man es sich selbst zusammenstellt, ist es auch nicht gar so teuer. Zu diesem Zeitpunkt herrschte pure Vorfreude auf die Tour. Von den bevorstehenden Unwägbarkeiten wusste ich ja noch nichts...

Nachdenklich wurde ich erst, als alle im Flieger saßen, die Abflugzeit näherrückte und vorüberging und sich nichts tat. Null Geschäftigkeit. Nur vorn im Führerstand liefen paar Gelbjacken rum. Um 7.40 dann die ernüchternde Durchsage: Das Navigationssystem war defekt. Man wartete jetzt auf einen Laptop, um die Software neu aufzuspielen. Und das würde dauern. Voraussichtlicher Abflug mit +60. Na goil! Uns wurde versprochen, dass jemand mit einer Anschlussliste durch käme und man evtl auf den nächsten Flieger wechseln könnte, aber ich habe niemanden durchkommen sehen. Und nein, ich hab nicht geschlafen. Der nächste Flieger dürfte ja auch schnell ausgebucht gewesen sein. Einige, die nach vorn gelaufen waren, kamen bald zurück und bestätigten das. Andere verließen den Flieger komplett. Für mich gab es nur eine Möglichkeit: Warten. Mit +60 gäbe es ja noch eine gewisse Chance auf den Anschluss. Ich hatte 1h55m Übergang.

LH007 Hamburg 7.30+65 - Frankfurt 8.30+65

Und immerhin wurde die Verspätung nicht groß erhöht. Also, die Betonung lag dabei ganz eindeutig auf dem "groß". Bereits ab 8.20 bemerkten wir Aktivitäten, die Türen wurden in Flight-Position gebracht, die Gelbjacken waren natürlich verschwunden. Aber es daaaaauerte alles ewig. Irgendwann ab halb rollten wir endlich rückwärts von der Parkposition weg. Dann wieder waaaarten. Dann ging es laaaaangsam zum Beginn der Startbahn. Immer wieder wurde abgebremst. Dabei hatten wir eine Parallelfahrt, wirklich Tragfläche an Tragfläche, mit dem 8.30-Flieger nach Frankfurt. Und der wurde dann auch noch vorgelassen...

Aber irgendwann waren wir in der Luft. Nach dem Service kam die Hinweisdurchsage für alle, die ihre Anschlussflüge nicht mehr erreichen würden. Meiner wurde gar nicht genannt. Und irgendwie beruhigte es mich, dass als Alternativverbindung Flüge angesagt wurden, die noch vor unserem Seattle-Flug starten sollten. Ich entspannte ein wenig. Diese ziemlich schnell vorgetragene Verlesung der Alternativen war dann auch der einzige Kundendienst in dieser Hinsicht, der vorgenommen wurde. Wobei es schon interessant war, wie einfach da weltweit jongliert wurde. Zu irgendeinem Kaff in der Karibik mussten die Leute nun über Mexico City fliegen, nach Miami ging es halt über Washington. Für zwei Anschlussflüge wurden Direkttransfers ab Flugsteig angeboten.

Wir kamen in Frankfurt gaaanz weit hinten am Flugsteig zu stehen. Als das laaaangsame Aussteigen so weit war, dass auch ich das Flugzeug verlassen konnte, sollte gerade das Boarding für den Anschlussflug beginnen. Hoffentlich hatte ich nicht zu weit zu laufen. Zunächst ging es dann aber eben wirklich den kompletten Gebäudefinger durch bis in zentralere Gefilde. Rollteppich, kein Rollteppich, Rollteppich, kein... Gefühlte zehn Rollteppiche (neumodisch heißen die wohl "People Mover", oder?) später kamen die berühmt-berüchtigten Fahrstühle. Muss ich jetzt etwa noch durch den langen Tunnel laufen? Die Wegweiser zu den Z-Gates wiesen geradewegs auf die Fahrstühle, zum Glück aber auf die nach oben. Dort oben kam sogleich eine Fragebude, wo ich von einer LH-Dame gefragt wurde, ob ich in den letzten 14 Tagen in China gewesen sei und ob ich ESTA oder Visum hätte. Das war harmlos, genau wie die gleich darauf folgende Passkontrolle. Ich hatte niemanden vor mir. Und zwei Gates weiter stand ich auch schon am Abfluggate!

Und da tat sich - - - genau gar nichts! Einige Leute hatten zwar schon eine endlos lange Schlange gebildet, aber irgendwelche undeutliche Durchsagen klangen nach technischen Problemen. Ganz genau verstanden wir - Yannick war nun auch am Gate eingetroffen - das alles nicht, denn wir hatten es uns erstmal abseits des Gewühls vor dem Gate auf der anderen Flurseite bequem gemacht. Letztendlich hatte man wohl ein Stück Teppichboden in der Kabine austauschen müssen, weil es unter Wasser gestanden habe. Wat det nich all gift! Mit ebenfalls einer Stunde Verspätung ging es dann aber los...

LH490 Frankfurt 10.30+60 MEZ - Seattle 12.20+60 WCT

Unser Platz im Flieger war dann aber topp. Im A330 hat man bei LH an den Fenstern nur Zweierbestuhlung, so dass wir niemanden neben uns hatten. Man konnte aufstehen wie man wollte. Ganz ausgebucht war der Vogel auch nicht. Unten gab es fast nur Wolken zu sehen, weshalb wir uns mit der Aussicht dann auch nicht länger beschäftigten. Im Bordprogramm hatte ich mir bald paar Filme als Favoriten abgespeichert. Erst gab es die Literaturverfilmung "Deutschstunde" nach Siegfried Lenz, wo ich besonders die Darstellung der tristen, aber doch so unheimlich schönen kargen Küstenlandschaft beeindruckend fand. Der Film spielt in Nordfriesland, quasi zwischen Dünen und Wattenmeer. Mit dem zweiten Film hoffte ich, mich auf das Zielland einstellen zu können, doch hatte ich nicht dran gedacht, dass der US-Film "Drei Engel für Charlie" zumindest am Anfang in unserem wunderschönen Hamburg spielt, später dann an weiteren europäischen Orten. Egal, war auch schön und jedenfalls unterhaltsam. Durch die Verspätung hatten wir jetzt aber auch gut Hunger! Es dauerte noch ewig, bis wir vom Bordservice unsere Essensschälchen gereicht bekamen.


Der Anschluss hatte geklappt! DIESE Unwägbarkeit liegt hinter uns. Und von den anderen, die uns so bevorstanden, wussten wir ja noch nichts... Erleichtert kann man sich deshalb die nächste Mahlzeit im Flieger schmecken lassen.

So weit hinten war natürlich keine Auswahl mehr. Am leckersten sah eigentlich das "Sonderessen" aus, das eine Inderin auf der anderen Seite gereicht bekam. Das roch lecker indisch... Später gab es noch Eis und ein Baguette, außerdem konnte man sich jederzeit Kräcker holen. Bei der Einreise nach Grönland gab es endlich mal den wolkenfreien Blick auf die Eisberge. Das war schon spektakulär. Doch bald kamen wieder Wolken...


Daaaa sind wir jetzt!


Nördlich der Ortschaft Ittoqqortoormiit, also rund 200km nördlich von Ittoqqortoormiit, verlassen wir langsam das Europäische Nordmeer bzw die Grönlandsee...


...und gelangen über viele Bergspitzen...


...in das Innere Grönlands.

Ich fand, die zehn Stunden waren wirklich gut auszuhalten. Ich hätte noch länger gekonnt, als wir uns von Kanada her über die schneebedeckten Rockies Seattle näherten. Wobei die Wolken wirklich erst ganz zum Schluss aufrissen. Da hatten wir aber noch einen schönen Ausblick auf die Stadt! Und für mich als Hamburger war es natürlich eine sagenhafte Genugtuung, mit unserem Airbus in der Hauptstadt der US-amerikanischen Boeing Industrie zu landen.


Da der Flughafen Seatac zwischen Seattle und Tacoma liegt, haben wir beim Überflug über Seattle noch gut Höhe. Die schneebedeckten Berge im Hintergrund müssten zum Nationalpark rund um den Mt Olympus gehören. Erst dahinter folgt die offene See.

Die Wege in dem verhältnismäßig kleinen Flughafen sind nicht so weit, und so standen wir bald an der Immigration. Die Hälfte der Beamten trug Mundschutz. Bei dem internationalen Publikum ist das verständlich... Leider wurden alle Ausländer noch vor den uns aus Denver bekannten "Einreiseautomaten" in Richtung Schalter abgezweigt. Da vor uns offenbar eine Emirates-Maschine angekommen war, hatte sich eine längere Schlange gebildet. Bald kam allerdings ein Angestellter und lud alle Leute, die mit ihrem Pass schon mal in den Staaten gewesen wären, ein, doch durch den Teil für Einheimische mit Nutzung der Automaten zu gehen. Somit lichtete sich die Reihe etwas. Ich musste blöderweise stehen bleiben, da mein Pass nagelneu war. Yannick nutzte das Angebot.

Und irgendwie ging es gar nicht vorwärts. Offenbar waren jetzt wirklich nur noch die Problemfälle vor mir - bei fünf zuständigen Schaltern. Erst als drüben bei den Einheimischen gar keiner mehr stand, wurden wir Hinteren in der Schlange ohne Halt durch die Schalter geführt (war ich jetzt drin? *g*). Es ging um alle Häuschen rum und in den Wartebereich der Einheimischen. Hier kam ich bald an die Reihe. Für mich als Pass-Neuling gab es mal wieder den großen Fragenkatalog von einer ansonsten eher unfreundlich-wortkarg wirkenden schwarzen Officerin. Dann war ich wirklich drin. Mit der unterirdischen Monorail ging es ins Hauptgebäude, und vor diesem fuhr bald der Shuttlebus zum Car Rental Village ab. Das war ganz schön weit zu fahren, ein Areal nördlich der ganzen Flughafensiedlung. Der ganze Stadtteil hieß Seatac.

Die Ausleihe bei Budget klappte wunderbar zügig. Da alle Schalter beansprucht waren, kam der Filialleiter persönlich für uns und fragte nach unserem Begehr. Wir erhielten einen schön hohen Mazda CX5, der allerdings noch sehr neu war. Hinsichtlich der Reifen war das gut, hinsichtlich etwaiger Gefahr von Lackschäden natürlich weniger.

Wir hatten inzwischen unsere Planungen mit den Wettervorhersagen abgeglichen. Heute und morgen sollte noch topp Wetter sein, dann würde erstmal ein Einbruch kommen (woher kenne ich das bloß?). Na ja, wobei der "Einbruch" noch auf hohem Niveau, also immer noch mit Sonnenchance, stattfinden sollte. Jedenfalls fühlten wir uns gut beraten, den morgigen Freitag als Foto- und nicht als Fahrtag zu nutzen. Daher bot es sich an, mit der Columbia River Gorge, also dem engen Tal des Columbia River anzufangen. Eigentlich hatten wir die gar nicht auf dem Zettel, weil die Gegend schon reich dokumentiert ist. Aber schöne Motive hat es dort jedenfalls, und es würde optimal am Weg liegen, da die uns interessierenden Strecken praktisch dort beginnen.

So hatten wir uns also das Motel6 in The Dalles gebucht. Vier Stunden Fahrt sollten noch gehen, auch wenn wir wegen der Verspätung erst um 15 Uhr loskamen. Google Maps empfahl uns einen kleinen Bogen und Umweg nord- und ostwärts, da der reine Autobahn-Weg via Portland wohl ziemlich staugeplagt sein sollte. Das war dann auch jedenfalls ein sehr schöner Weg. Es ging geradewegs in die Berge hinein. Weiter oben lag teils noch gut Schnee. Über Ellensburg ging es nach Toppenish, wo wir die Autobahn verließen und über einen Highway, nein, DEN Highway 97, der in diesem Urlaub zu unserer Heimat werden sollte, wieder richtig schön über die Berge zum Columbia River Valley fuhren. Leider war die Sonne untergegangen, als wir die Autobahn verlassen hatten. Der Blick auf die von der tiefen Abendsonne beleuchtete und anfangs skandinavische, später karge Berglandschaft war wunderbar. Aber wir wollten nur noch ans Ziel kommen.

Als wir in The Dalles im Motel 6 angekommen waren, waren wir wirklich nur noch erschlagen und müde. Dennoch hatten wir uns auf einen Besuch bei Dennys gefreut - der war noch drin! Um 21 Uhr war dann aber wirklich Schluss. Hinter mir lag ein 26-Stunden-Tag. Nur noch ins Bett, und weg war ich...

Freitag, 28.02.2020

Trotz aller Erschlagenheit am Vorabend war ich wegen der Zeitverschiebung um 3 Uhr wach. Nun zeigte sich ein Fehler in unserer Taktik. Für die erste Nacht sollte man nicht Motel6 nehmen, da kann man sich auf dem Zimmer nämlich keinen Kaffee machen. Egal, ich hatte noch etwas Starbucks aus der Flasche von gestern, der reichte. Ich hatte noch den ganzen Reisebericht von Frankfurt bis hier zu schreiben. Das tat ich erstmal und legte mich um 5 nochmal für ein Stündchen hin. Nach sechs gab es ein Käffchen von der Rezeption, wobei ich mal wieder die falsche Kaffeesahne erwischte. Vanillearoma, na lecker. Der Spaziergang zur Rezeption hatte mir aber die erfreuliche Erkenntnis gebracht, dass klarer blauer Himmel herrschte. Das erfreute die Seele, da machte auch das Vanillearoma nichts.

Kurz zur Örtlichkeit: Wir befinden uns im Columbia River Valley. Ok, das ist sehr lang, aber wir waren in dem auch in Deutschland von Fotos bekannten Abschnitt, in dem es dem Columbia River als einzigen Fluss gelingt, das Kaskaden Gebirge in Richtung Meer zu durchbrechen. Unser Übernachtungsort The Dalles liegt am Südufer und damit in Oregon. Der Fluss bildet die Grenze zwischen Washington und Oregon. Beidseitig des Flusses verlaufen Bahnstrecken. Am Nordufer die BNSF und am Südufer die UP. Hier wird kein gesellschaftsübergreifender Richtungsbetrieb praktiziert. Das heißt, dass jeder auf seiner Trasse fährt. Wir wollten uns heute um die BNSF kümmern, die hier rund um The Dalles bzw dem auf der anderen Flussseite im Staat Washington gelegenen Dallesport einige bekannte Motive hat.

Bei Mägges nahmen wir uns paar McMuffins mit, reisten über den Fluss nach Washington ein und zogen zu den möglichen Motiven am Horsethief Statepark. Wir hofften einen schönen Blick mit dem Mount Hood zu finden. Vulkane waren ein großes Thema bei den Reisevorbereitungen gewesen, und der Mount Hood kam mit seiner Schneespitze einfach wunderbar. Beim Hin und Herschauen verpassten wir allerdings zwei Züge aus der falschen Richtung, die man immerhin hätte nachschießen können. Den einen konnten wir noch von weitem machen, der hatte schön helle Wagen. Nun denn, immerhin konnten wir dort herrlich entspannt vor großartiger Kulisse frühstücken.


Beginnen wir doch gleich mit einem Vertreter für das Motto der Tour: Es ist der Mount Hood, der den markanten Hintergrund für einen Güterzug darstellt, der sich am Nordufer des Columbia Rivers westwärts verpieselt.

Wir hatten noch gedacht, ob man den bald anstehenden Amtrak beim Statepark machen könnte, doch da der Park wegen Winters geschlossen war, hätte man ein ganzes Stück zu Fuß reinlaufen müssen, und da waren uns die Motive für potentielle Ostfahrer dann doch wichtiger. Somit warteten wir einfach mal weiter an dem schönen Panoramaparkplatz. Dort konnten wir nicht sagen, dass es nicht rollen würde. Drüben am anderen Ufer kam wunderbar fotogen ein Double Stack Train ostwärts durch. Bei uns kamen weitere Westfahrer. Der erste zudem ohne Schlusslok. Der zweite immerhin mit Schlusslok und vor dem Eintauchen der Sonne in ein größeres Schlonzfeld.


Ein Zug geht noch bei Sonne, während das nahende Schlonzfeld den Hintergrund schon zu schattet.

Abgesehen vom Schlonz im Hintergrund war ich dann doch etwas am hadern, weil man Zug und Mount Hood perspektivisch doch sehr weit auseinander hatte. Das nun erstmal herrschende Wolkenfeld und die Belegung der eingleisigen Strecke durch den Westfahrer nahmen wir einfach mal zum Anlass, bischen in Richtung Westen zu kundschaften. Zwar konnte theoretisch in Dallesport unbemerkt durch uns mit einem Ostfahrer gekreuzt werden, doch käme der sicherlich eh bei Wolke.

Hinter Dallesport hatte die Straße einen Bogen des Tals abgeschnitten, so dass wir dem Zug wieder deutlich voraus waren. In den Bahnhof Lyle fuhr von Westen gerade ein Hi-Railer ein und machte "unserem" Güterzug platz. Wir fuhren noch voraus bis Bingen, drehten dann aber wieder um und konnten sogar noch rechtzeitig auf einen Felsen mit Blick auf den Rowland Lake klettern.


Ein Getreidezug ist auf der BNSF westwärts unterwegs und passiert zwischen Lyle und Bingen den Damm, der den Rowland Lake vom Columbia River trennt.

Wir setzten uns nun ein kleines Stück nördlich des Rastplatzes Chamberlain Lake an eine Kurve mit Uferblick auf unsere diesseitige BNSF-Strecke. Da konnte man schön ungestört im Gras sitzen - mit untergelegter Jacke natürlich. Lange brauchten wir diesmal gar nicht zu warten. Nun tauchte endlich mal ein Ostfahrer auf!


Hätten wir jetzt schon das Motiv von gleich gekannt, wären wir für ihn dorthin gefahren. Immerhin spiegelt sich der Ostfahrer schön - ebenfalls zwischen Bingen und Lyle.

Erst sprangen wir nach Zugdurchfahrt ins Auto, um dem Zug zu folgen. Das brachen wir aber bald wieder ab, denn wir wären geradewegs in den dicken Schlonz hinein gefahren, während hier westlich von The Dalles bzw dem diesseitigen Dallesport der Schlonz nun abgezogen war. Deshalb suchten wir nochmal den Rastplatz westlich von Lyle auf, von dem aus man einen topp Ausblick für Ostfahrer mit einem der kleinen Tunnel hätte. Wir hofften, dass jetzt der Bann gebrochen wäre und weitere Ostfahrer auftauchen. Aber abgesehen davon, dass man wunderschön im Gras sitzen konnte, tat sich erstmal gar nichts. Später dann wieder das übliche: Bei uns zwei Züge von hinten ohne Schlusslok im Blockabstand, drüben auf der UP herrlichste Containerzüge im perfekten Licht. Yannick ließ einfach mal seine Drohne rüber fliegen. Wie man die Distanzen doch unterschätzt - laut Anzeige der Fernsteuerung waren das "mal eben" 1,3km.


Mit Hilfe von Yannicks Drohne ärgern uns die Züge am anderen Ufer nicht mehr so, können wir sie doch auch fotografieren. Ein schöner Containerzug jagt auf dem Südufer des Columbia Rivers ostwärts.


Oder auf dem großen Damm östlich des Memaloose State Park.

Etwas Hoffnung machte uns, dass der zweite Westfahrer auf unserer Seite offenbar vor der Einfahrt Bingen stehen blieb. Das roch nach doppelter Kreuzung! Wir blieben mal sitzen, auch wenn das Tunnelportal in unserem Motiv am zuschatten war. Und wir sollten recht behalten, sogar noch weitaus mehr als erwartet! Es kam nicht eine Fahrt, nicht zwei und auch nicht drei entgegen! Satte vier Fahrten folgten nun von Westen! Nun mag man die Frage stellen, wie im vermutlich zweigleisigen Bahnhof Bingen zwei Westfahrer mit vier Ostfahrern gekreuzt haben konnten. Einen Hinweis für des Rätsels Lösung will ich geben: Die vier Fahrten tauchten bei uns im Sichtabstand zueinander auf! Es waren die reinsten Goggomobile auf Schienen, eines kurioser als das andere...


Eines der vier Schienengoggomobile. Etwas mehr hätten wir uns für diesen tollen Ausblick schon gewünscht...

Immerhin sah das nach Überführung aus und nicht nach bevorstehender Streckensperrung für Arbeiten. Wir stellten uns für Westfahrer auf, denn das Licht war nun langsam rum. Dazu ging es paar Felsnasen ostwärts. Wir waren uns sicher, dass nun der Run der Ostfahrer losgeht, damit auch den Nachmittag über wieder alles aus der falschen Richtung kommt... Da hatten wir der BNSF aber zu viel Bosheit unterstellt. Es ging einfach so weiter. Bald tauchte von Lyle der nächste Zug auf, mit dem wir diesen Blick nun topp machen konnten.


Von Lyle her rollt der nächste Westfahrer auf den langen Damm, durchfährt dann den Felsen...


...und kommt hier wieder zum Vorschein.

Dann konnten wir ja nach etwas Neuem schauen. Da sich nur ganz knapp östlich von uns die Wolkengrenze festgesetzt hatte, war uns die Richtung gen Westen vorgegeben. Mit einem kurzen Getränkestopp in Bingen erkundeten wir nun, was westwärts dahinter kommt.


Bingen. Einfach nur mal eine amerikanische Kleinstadt - mit Mietwagen und blühenden Osterglocken.

Das Tal wurde wieder enger. Bald reihte sich Tunnel an Tunnel. Als der Wald jedoch überhand nahm und es langsam flacher wurde, drehten wir um. Eine nagelneue Schienenschleifmaschine bewegte sich langsam westwärts. Wir hofften trotzdem auf einen nachfolgenden Güterzug und warteten am Bahnhof Cook. Tatsächlich tauchte bald ein Containerzug auf. Die Container waren aber keine normalen. Die sahen sehr heruntergekommen aus. Wir vermuteten, dass es sich um den Müllzug handelte, der hier fahren soll.


Der Müllzug fährt geleert zurück nach Portland, hier im Ausweichbahnhof Cook. Zum Glück ist er nicht so schnell wie der Schulbus, der schon mal in den Wolkenschatten vorgefahren ist.

Nun ging es wieder ostwärts. Wir kamen an einem Signal vorbei, das nun ostwärts grün war. Hinter Bingen wurde aber westwärts Fahrt signalisiert. Weil es dort so schön war, suchten wir mal wieder den Panoramaparkplatz vor Lyle auf. In Lyle stand ein Kesselwagenzug westwärts im Bahnhof. Keine Ahnung, weshalb der stand, aber so konnten wir noch bequem unsere Felsen beziehen. Der Zug klappte noch im wunderbaren Abendlicht. Nur der Nachschuss war blöd - einerseits wegen Wolke, andererseits wegen falschrummer Schlusslok.


Gleiches Spiel wie vorhin, diesmal mit Ölzug. Erst auf dem Damm...


...und dann zwischen den Felsen.

Es wurde frisch, fast fühlte man sich genötigt die Jacke wieder anzuziehen... Um 17 Uhr war die Sonne in einer großen Wolke verschwunden und wir beschlossen zu fahren. Allerdings nicht direkt, sondern mit Umweg über den alten Highway 8, der ein Stück oberhalb des Tals durch die Felsen führt. Bei der Fahrt die alte Straße hoch entdeckten wir einen tollen Blick auf den Damm durch den Rowland Lake. Bald kam der nächste Westfahrer - immerhin mit passender Schlusslok. Da konnte man eine kleine Gegenlichtigkeit ausprobieren.


Gegenlichtblick auf den Rowland Lake.

Auf dem Rückweg sahen wir - nunmehr nach Sonnenuntergang - den zweiten Ostfahrer des Tages, der sich daran machte, in Lyle mit dem x-ten Westfahrer des Tages zu kreuzen. Zurück in Oregon, also auf der anderen Flussseite in The Dalles, gab es einen Supermarktbesuch. Einen Wein aus der unmittelbaren Umgebung fanden wir zwar nicht, wohl aber einen sehr würzigen Chardonnay aus Walla-Walla, einem County etwas östlich von hier. Dann tanken. Nirgends eine Info, was der Wagen denn überhaupt tanken wollte. Wir probierten es mit Unleaded. Komischerweise waren alle Tankstellen jetzt mit Bedienung. Selbstbedienung war verboten.

Für heute Nacht hatten wir das Cousins Country Inn gebucht. Das hatte mich eigentlich auch schon bei der Buchung für letzte Nacht angelacht, doch da war kein Zweibettzimmer mehr zu haben. Heute schon. Und seit 14 Uhr freuten wir uns auf das Abendessen im angeschlossenen Restaurant. Nach dem Check-in ließen wir uns auch gar nicht lange Zeit und liefen rüber. Das Restaurant war voll, aber der Service war auf den rustikalen Bar-Bereich (bezeichnet als "Saloon") ausgedehnt worden, wo wir gut Platz bekamen. Auf den Tischen standen Eimerchen mit Erdnüssen. Die Schalen wurden einfach auf den Holzfußboden geschmissen. Über unseren Köpfen führte eine holzgezimmerte Modellbahn entlang, auf der aber kein Betrieb war. Bei der Bierauswahl gab es einen tollen Service: Wir durften erstmal paar Biere probieren, bevor wir uns entschieden. Yannick nahm ein sehr kräftiges Helles, ich ein schön malziges Dunkles. Dazu ein wunderbares Steak, herrlich!

Und konnte Oregon Wyoming schlagen? Dort hatten wir auf der letzten Tour das beste Steak genossen. Ich würde sagen: Oregon war phantastisch, aber Wyoming bleibt in Führung. Es bleibt spannend! Zum Nachtisch ließen wir uns auf dem Zimmer den Wein schmecken.

Samstag, 29.02.2020

Die Wettervorhersage sah so aus, dass es hier oben nun einbrechen sollte, dass es ab der Kalifornischen Grenze aber paar Tage mit schönem Wetter geben solle. Und genau dort runter erstreckte sich der Bereich, um den wir uns kümmern wollten.

Es gibt entlang der Westküste zwischen Portland und San Francisco bzw Sacramento nur zwei Nordsüd-Strecken, wie so oft eine von der BNSF und eine von der UP. Ein kleines Stück verlaufen beide sogar zusammen. Während die UP-Strecke von Portland stramm südwärts startet und bis Eugene durch relativ dicht besiedelten Ballungsraum führt, müssen die BNSF-Züge zunächst ein Stück am Columbia River ostwärts fahren. Erst ein Stück östlich von unserem momentanen Aufenthaltsort The Dalles zweigt deren Strecke, die als "Oregon Trunk" bezeichnet wird, in Wishram südwärts ab, und zwar zunächst durch eine völlig unbewohnte Gegend, die sich hier südwärts erstreckt. In Chemult treffen beide Strecken zusammen, verlaufen bis Klamath Falls gemeinsam (BNSF hat hier Trassenrechte auf der UP Strecke) und dann getrennt weiter südwärts. Die UP hat wieder die westlichere Verbindung, die über Redding nach Sacramento führt, während die BNSF einige zig Meilen östlich über Keddie parallel führt.

Uns interessierten vorrangig zwei Streckenabschnitte, nämlich der "Oregon Trunk" der BNSF von Wishram am Columbia River runter nach Bend und Chemult sowie die "Shasta Line" der UP südlich des gemeinsamen Streckenabschnittes, also südlich von Klamath Falls. Während auf dem Oregon Trunk wohl ganz wenig und sehr unkalkulierbarer Verkehr sein soll, hatten wir die Info, dass auf der Shasta line zwar auch sehr wenig Verkehr sein soll, dass dort über den Tag verteilt aber doch bischen was ginge.

Deshalb und auch wegen der Wettervorhersage lautete das Konzept also, heute entlang des BNSF Oregon Trunk südwärts zu fahren und vielleicht ein wenig zu kundschaften. Das nächste Hotel hatten wir in Mount Shasta (City) gebucht - schon mal für zwei Nächte. Dort gibt es übrigens noch eine weitere Strecke, die dafür sorgt, dass trotz des von UP und BNSF gemeinsam genutzten Abschnittes nördlich Klamath Falls durchgehend zwei Strecken von Nord nach Süd verlaufen. Und zwar führt hier die Nebenbahn der CORP (Central Oregon and Pacific Railroad) von Black Butte (das ist gleich bei Mount Shasta) nordwärts nach Eugene. Auf dieser 2007 sogar partiell über den Siskiyou-Pass stillgelegten und 2015 wieder reaktivierten Strecke sollte unseren Infos zufolge Mo-Fr ein Local fahren, von dem wir grobe zeitliche Richtwerte hatten. Wir hofften also, in der Gegend bischen was zu tun zu bekommen.

Zurück zum Hier und jetzt. Noch sind wir in The Dalles. Wegen der heutigen Wetteraussichten hatten wir uns morgens Zeit gelassen. Erst gegen 7 schaute ich mal aus dem Fenster, wo dann doch erstaunlich viel Blau zu sehen war. Egal. Wir gingen erstmal frühstücken. Ich nahm Pfannkuchen und Ei mit Schinken. Yannick hatte sich die große Portion Pfannkuchen bestellt und bekam einen so großen Stapel, dass er dahinter fast nicht mehr zu sehen war. Ich sah gerade noch seinen erschütterten Blick im Angesicht der Portion. Ich sag jetzt aber nicht, wieviel dann wieder zurück gegangen ist...

Nach dem Losfahren sahen wir drüben im Bf Dallesport den Müllzug ostwärts stehen. Da die Sonne gerade recht erkläklich schien, erwarteten wir den Zug einfach nochmal auf der Flussbrücke. Leider war der Mt Hood, den man hier schön im Hintergrund hätte, von Wolken verborgen. Das Foto klappte tatsächlich mit Sonne und wir fuhren nochmal zu unserem Frühstücksparkplatz von gestern voraus. Auf dem Parkplatz stand der Sheriff mit seinem Auto, nahm aber keine Notiz von uns. Der Zug ging leider nicht bei Sonne.


Blick von der Straßenbrücke in The Dalles über den Columbia River auf den Müllzug der BNSF, der gerade den Bahnhof Dallesport verlassen hat.

Das war dann aber auch schon unser Abstecher nach Washington. Wir setzten uns auf den Highway 97 (erst nachträglich gesehen: Dieses Stück war der Highway 197!) und fuhren südwärts. Was für eine herrliche Fahrt. Es ging hügelauf und -ab. Von den Kuppen hatten wir grandiose Weitblicke. Die Wolken zauberten ein Muster aus Hell und Dunkel in die Landschaft. Zu Yannicks Leidwesen "musste" ich immer wieder für Labis anhalten.


Ein kleiner Abstecher von der Hauptstraße führt uns zum Dufur Community Cemetery, einem einsam in den Hügeln gelegenen Friedhof.


On the road: Der Highway 197 ist herrlich zu fahren.

Die Oregon Trunk line, die wir ja auch nebenbei erkunden wollten, verläuft das erste Stück südlich des Columbia Valleys völlig ohne parallele Straße durch den Canyon des Deschutes River. Dabei macht die Bahn fast jede Windung des Canyons mit. Das Streckenstück musste spektakulär sein! Ein ganzes Stück weiter südlich führt allerdings auch ein Weg durch den Canyon. Den wollten wir uns nun mal anschauen. Dazu bogen wir in Tygh Valley auf den Sherar's Bridge Highway ab. Der führte bald spektakulär durch eine Schlucht in den Deschutes Canyon hinab. Man mochte kaum glauben, dass man gleich auf eine Bahn stoßen würde.

Aber da war eine Bahn. Und selbst hier, wo auf paar Kilometer Länge die Straße mit durch die Schlucht verläuft, war die Motivfülle schon atemberaubend. Man hätte hier Massen von Zügen benötigt, doch rechnen konnten wir mit keinem einzigen. Nachdem wir einem jungen Mann geholfen haben, der uns vom Straßenrand mit seinem Batteriekabel angefuchtelt hat, und ihn mit etwas Batteriestrom sichtlich glücklich gemacht hatten, fuhren wir den Fahrweg nordwärts in die Schlucht hinein. Die Felskulisse war einfach nur der Wahnsinn. Bei den Twin Bridges, über die die Bahn dann doch mal eine besonders enge Flussschleife abschneidet, drehten wir um. Natürlich wären noch tausend Motive gekommen, aber was nutzte uns die Erkenntnis?


Wenn doch mal ein Zug käme... Im Deschutes Canyon bei Sherar.

Wir konnten nun auch südlich der Hauptstraße noch weiter durch die Schlucht fahren. Auch hier natürlich Motiv an Motiv. Bei Maupin stießen wir wieder auf den Highway 97 (nein, 197!). Wir wunderten uns etwas über die in sehr kurzen Abständen aufgestellten und nagelneu wirkenden Blocksignale. Andererseits sahen wir keine signalisierte Ausweichstelle. Maupin hatte zwar einen kleinen Bahnhof mit weiteren Gleisen (in einem stand sogar ein Schienenschleifzug, der Licht an hatte!), aber mit ihren Gleissperren sahen die nicht nach Kreuzungsmöglichkeit aus. Es waren auch keine Ausfahrsignale vorhanden, sondern nur immer wieder diese Blocksignale.


Und nochmal der Deschutes Canyon zwischen Sherar und Maupin.

Ohne große Bahnsicht ging es nun auf dem Hwy 97 (erst 197, dann aber wieder mit dem 97 zusammentreffend als 97) stramm südwärts. Immer wieder eröffneten Hügelkuppen gigantisch weite Blicke. Die Straße war topp ausgebaut und gähnend leer. Um so größer war der Kulturschock in Madras, ab wo ordentlich Verkehr herrschte. Wir schauten zum Bahnhof, wo wir wiederum zahlreiche Nebengleise, aber kein Kreuzungsgleis und keine Ausfahrsignale vorfanden. Ähnlich verhielt es sich auf den nächsten Dorfbahnhöfen. Am nördlichen Ortsrand von Redmond liegt die Prineville Junction. Hier zweigt die City of Prineville Railway ab. Deren Lok stand passabel in der Sonne, so dass wir das intensive Licht hier auf der rund 700m hohen Hochfläche doch noch für ein Bahnbild nutzen konnten.


Die Lok der City of Prineville Railway steht übers Wochenende in Prineville Junction abgestellt und wartet vermutlich auf den BNSF Local am Montag.

Zwischen Redmond und Bend herrschte nun richtig viel Verkehr. Der 97er ist hier vierspurig, und auf allen vier Spuren reihte sich Auto an Auto - allerdings nicht stehend, sondern zügig fahrend. Es ist so eine Wohltat, wenn alle die zugelassene Geschwindigkeit fahren und niemand rast oder rumbummelt. In Bend hatten wir die freie Auswahl zwischen allen Burgerketten. Da wir nun schon fast 48 Stunden im Land sind und noch nicht bei Wendy's waren, wurde das jetzt nachgeholt. Es war erstaunlich, wieviel Hunger man schon wieder hatte...

Im Vorbeifahren entdeckten wir im Bahnhof sogar einen südwärts bespannten Zug! Strax bogen wir ab und schauten uns das genauer an. Ja, da standen die zwei Loks des Local und ein südwärts bespannter Manifest. Aber da niemand zu sehen war und die Lichter aus waren, blieben wir ganz entspannt und fuhren weiter. Vermutlich Wochenendruhe. Doch wir sollten schon noch angestachelt werden! Am südlichen Ausgang aus der Stadt kam uns nämlich tatsächlich ein nordwärts fahrender Güterzug entgegen! Ja, ein fahrender Zug auf dem Oregon Trunk!

Da wir uns nun einem unserer Haupt-Wunschmotive näherten und der Himmel gerade in dem Bereich großflächig blau war, beschlossen wir, uns das anzusehen. Zwar war das Licht achsial, aber wir würden ohnehin warten müssen. Über einen mit vereistem Schnee bedeckten Waldweg ging es in den Wald hinein. Am Ausweichbahnhof Lava, nunmehr signalisiert, wie es sich gehört, trafen wir auf die Bahn. An der mussten wir nun noch ein gutes Stück nordwärts laufen - erst auf einem Parallelweg, später auf dem Schotter. Es ging aus dem Wald raus, und ein großartiges Panorama lag vor uns! Der Ausweichbahnhof heißt nicht von ungefähr "Lava". Wir fanden unzählige Motive. Fehlte nur der Zug... So warteten wir also eine Stunde meist in der Sonne, doch nichts kam. Und all zu ernsthaft rechneten wir damit ja auch gar nicht.

15:50: Wir haben eine Stunde gewartet. Jetzt ist unser Ultimo erreicht, schließlich haben wir noch ein Stück zu fahren. Yannick kommt schon mal langsam von seinem (weiter entfernten) Hügel zu mir gelaufen. 16:00: Auch ich mache mich an den Abstieg von meinem Hügel. 16:01: Wir stehen mit wenigen Sprüngen wieder auf meinem Hügel! Das Einfahrsignal war angegangen! Oben orange, unten rot, Einfahrt ins gerade Gleis. Das war nun etwas blöde, weil jetzt gerade eine Riesenwolke vor die Sonne gezogen war und es eigentlich ein idealer Zeitpunkt für den Abbruch gewesen wäre. Aber nun mochte man nicht zurücklaufen. Denn erstens käme der Zug vielleicht ja doch bei Sonne und zweitens hätten wir sonst bei der Schotterwanderung den Zug von hinten erwarten müssen.


Das Warten hier im Lavafeld ist Stimmung pur! Als wenn die Landschaft schon nicht mystisch genug wäre, sorgen die Wolken für immer neue Beleuchtungseffekte!

Also warten. Blöde war, dass wir im Hotel nur bis 21 Uhr einchecken können. Das war nun allerdümmst! Da standen wir an diesem Hammermotiv, das Einfahrsignal versprach einen Vorgang, doch die Zeit verrann und nichts passierte. Spätestens 17 Uhr hätten wir los gemusst. Allerspätestens!


Es handelt sich um eine Lavazunge, die der Newberry vor rund 1300 Jahren "ausgespuckt" hat. Obwohl die Lavazunge so alt ist, ist sie ungewöhnlich kahl.

16.45: Die Sonne kommt wieder vermehrt raus. Wenn wir es zum Hotel schaffen wollten, hätten wir nicht mehr lange. Aber verlässt man ein Hammermotiv, von dem man wegen des geringen Zugangebots nicht weiß, ob man überhaupt nochmal die Chance hat, bloß weil das blöde Hotel Rezeptionsschluss hat? Wieso kommt man immer in solche Zwickmühlen? Wir waren inzwischen so weit, dass wir uns gewünscht hätten, dass das Signal nicht angegangen wäre.

17:00: Wir stehen hier immer noch. Jetzt können wir beim Hotel nur noch was per Anruf regeln. Aber so, wie die Szene gerade beleuchtet ist, will man nicht gehen. 17:11: Das Signal hat nach über einer Stunde von Einfahrt auf Durchfahrt geschaltet, das orange Licht ist grün geworden. Da muss sich was nähern! Und die Sonne ist wieder hinter einer kleinen Wolke. Bald schattet zudem das Motiv zu. Es ist einfach nur noch unglaublich... 17:15: Zunehmend sicher hören wir einen schwer arbeitenden Diesel. Ein Wettlauf gegen die Schatten beginnt. 17:23: Der Zug kommt tatsächlich laaaangsam um die Ecke gekrochen! 17:27: Der Hauptschuss ist im Kasten. Der Lokführer hornt zum Gruß und wir klatschen uns ab. 17:29: Die Sonne ist verschwunden, der Nachschuss geht nur noch mit der "gewissen Helligkeit". Was für ein Wahnsinn!


Wir können es kaum fassen, dass der Zug nach all den Widrigkeiten immerhin noch in Sonne geklappt hat. Unmittelbar vor Sonnenuntergang hat er sich auf der BNSF Oregon Trunk Subdivision von Bend auf die Passhöhe hochgearbeitet und nimmt dahinter, kurz vorm Bahnhof Lava, langsam an Fahrt auf.


Die Drohne wurde etwas vorgeschickt, weil dort noch am meisten Sonne hinkam. Der Zug befindet sich sichtlich an der höchsten Stelle des Passes.

Uns war kalt, und so ging es schnurstracks zum Auto. Das Navi prognostizierte als Ankunft 21.28, nun ja. Den Hotelanruf wollten wir uns für Klamath Falls aufheben. Die Fahrt durch zunehmende Dunkelheit war schon mega anstrengend. Ich hatte heute Mittag auch nicht geschätzt, dass man noch dreieinhalb Stunden zu fahren hätte... Dennoch war die Laune nach DEM Bild eben hervorragend. Es war noch etwas Verkehr, aber die wenigen langsameren Fahrzeuge konnten relativ schnell überholt werden. An einer Stelle sah man plötzlich blaues und rotes Funkeln vor einem. Da waren zwei Autos frontal ineinander gekracht! Meine Güte, sah das übel aus! Der Verkehr wurde einspurig über einen Parkplatz vorbeigeleitet. Die Straße schien uns in dieser Gegend auch ganz schön glatt zu sein. Wir mussten vorsichtig sein. Zum Glück war der glatte Bereich bald wieder vorbei.

Ärgerlich war später, dass wir in Klamath Falls auf eine Tankstelle am Ortsausgang hofften, die Tanken aber offenbar nur nördlich des Ortes lagen. Da mussten wir nochmal ein ganzes Stück zurück. Positiv war hingegen, dass wir auch ohne Anruf eine SMS vom Hotel bekommen hatten, die uns verriet, wie wir unsere Zimmerkarten aus dem Schlüsselsafe bekommen. Das Problem war also quasi verpufft. Gut, dass wir es gewagt hatten.

Bei der Einreise nach Kalifornien gab es auch hier eine Kontrollstelle. Wir wurden lediglich gefragt, ob wir Früchte dabei hätten. An die Bananen auf der Rückbank hatte ich dabei gar nicht gedacht... Das letzte Stück durchs dunkle Gebirge wurde ein anstrengender Kampf gegen die Müdigkeit. Aber kurz nach 21.30 hatten wir es geschafft. Hunger hatten wir zum Glück nicht mehr, so dass wir uns im Motel Shasta Inn direkt bettfertig machen konnten.

Sonntag, 01.03.2020

Unser Einstieg in den März 2020 war ein kalter. Wir hatten im überheizten Zimmer die laute Heizung (Klimagebläse) ausgemacht. Da die Nacht draußen aber ordentliche Minusgrade brachte, wurde es im Zimmer auch bitter kalt - jedenfalls bis ich die Heizung wieder anschmiss. Aber besonders gut geschlafen hatte ich nicht. Im Gegenteil, ich hatte mir vermutlich (auch gestern Abend schon, wo es auf den Felsen zum Schluss sehr kalt geworden war) einen aufgesackt. Der wenige Schlaf und die Erkältung brachten ein gewisses Schwächegefühl, aber immerhin kein Fieber.

Auch Yannick war etwas angeschlagen. Deshalb und aufgrund doch noch reichlich vorhandener Wolken entschieden wir uns, es ruhig angehen zu lassen. Ab 8 machte die Rezeption unseres Hotels Shasta Inn auf. Wir beschlossen, erstmal dort den Verwaltungskram zu erledigen und direkt um weitere zwei Tage zu verlängern. Zu tun hätte man hier definitiv genug. Der Rezeptionist lud uns dann noch auf paar selbstgebackene Waffeln ein. So konnten wir uns den angedachten Besuch in einem Diner oder bei Mägges schenken. Wobei ich ja ganz ehrlich lieber was Herzhaftes gehabt hätte...

Wir waren jetzt im 1100m hoch gelegenen Mount Shasta, das auch, um nicht mit dem Berg verwechselt zu werden, Mount Shasta City genannt wird. Erst (aber nach der Hotelbuchung) hatten wir uns noch gefragt, ob man nicht besser ein Hotel in Weed gebucht hätte, das wenige Meilen nördlich und damit auch wenige Meilen dichter an unserem Einsatzgebiet liegt. Am Ende hat es uns in Mount Shasta aber wunderbar gefallen; das ist ein netter und sympatischer Urlaubsort zu Füßen des großen Beherrschers der Gegend. Und die "Straße der Köstlichkeiten" von Weed lag eh auf halbem Wege zwischen Weed und Mount Shasta City - unweit des UP Bahnhofs Black Butte.

Einer der südlichsten Vulkane der Cascade Range ist der Mount Shasta. Er ist zwar mit 4322m Höhe über dem Meer nicht der höchste, vielleicht aber der optisch eindrucksvollste Vulkan der gesamten Kaskaden-Kette. Wenn man hier Urlaub macht, muss man sich vergegenwärtigen, dass dieser Berg einem ständig über die Schulter schaut, auch wenn man zig Kilometer entfernt ist. Laut Wikipedia gilt er sogar als der größte unter den Kaskaden-Vulkanen. Bei einem Durchmesser von 27 km wird ihm ein Volumen von 350 Kubikkilometern zugerechnet. Neben der großen Ausdehnung ist es die Höhe zwischen Basis und Gipfel, die ihn so imponierend macht. Von der kleinen Ebene, in der Weed und der Lake Shastina liegen, sind es ca 3350m Höhenunterschied bis zum Gipfel. Zum Vergleich: Der Ätna in Sizilien ragt 3323m aus dem Meer. Der Mount Shasta hat zuletzt vor rund 200 Jahren Aktivität gezeigt und wird von Seismologen überwacht.

Den Berg mal mit Zug im Bild zusammen zu bringen, sollte die Herausforderung für die nächsten Tage sein. Dass das gerade im Winterhalbjahr nicht einfach ist, war uns im Vorhinein klar, denn südlich des Berges führen die Verkehrswege steil durch das Waldtal des Sacramento River abwärts. Offenere Landschaft findet man eher an den nordwestlichen Flanken des Berges.

Als wir gerade ins Auto steigen wollten, dröhnte ein bergwärts fahrender Zug am Hotel vorbei. Wir wollten jetzt ja eh in die Motive fahren. Warum also nicht versuchen, dem Zug voraus zu kommen? Bergauf würde der nicht schnell fahren. Am Mt Shasta hingen noch ganz schön viele Wolken. Aber der Viadukt oberhalb von Hodlum wurde immer wieder von der Sonne erfasst - das konnte man vom Highway aus sehen. Wir stachen einfach mal einen Weg rein. Der führte uns dann auch direkt bis zum Brückenkopf. Wobei der Weg teils sehr steinig war, so dass man nicht sehr flott fahren konnte.

Aber als wir im Motiv standen, war vom Zug weder was zu sehen noch zu hören. Vielleicht hatte der auch noch Behandlung in Black Butte, also Absetzen von Wagen oder Vereinigung von zwei Zugteilen, die auf dem steilsten Stück ab Dunsmuir getrennt gefahren waren. Das Panorama, das vor uns lag, war allerdings erste Sahne! Lange tat sich nichts. Und die Wolken machten es ebenfalls spannend. Wir liefen nochmal etwas weiter in den Talkessel und dann einen Hang rein. Der hatte aus der Ferne gut begehbar ausgesehen. Das Durchkommen durch die Büsche erwies sich dann doch als extrem mühsam. Aber wir fanden einen wunderbaren Ausblick auf die Brücke. Erst war nun länger Wolke, doch dann riss es wieder stärker auf. Und dann erst ließ sich der Zug blicken. Wir hatten nur einen Tröt in der Ferne gehört.


Da waren wir glücklich: Sonne war keine Selbstverständlichkeit an diesem Vormittag, als der UP Manifest mit seinen vier Loks den Dry Creek Trestle zwischen den Bahnhöfen Hotlum und Andesite betrat!

Wir waren begeistert! Haken dran! Mit dem Auto fuhren wir nun auf die andere Seite der Brücke und erklommen dort einen Hang. Der war aber sehr bewaldet, und nur mit Mühe fanden wir zwischen dem dicken Gesträuch einen einigermaßen freien Ausblick auf die Brücke. Wir wollten gerade wieder verschwinden; das war eher ein Motiv für die 6x6-Fraktion. Doch wie wir gerade am Verschwinden waren, sah ich ganz hinten, zwei Kurven weiter, eine bunte Kette durch den Wald gleiten. Der einzige Containerzug dieser Strecke war im Anmarsch - weitaus früher als erwartet.


Aus der Gegenrichtung gab es den einzigen Stacktrain, der hier tagsüber fahren soll, auf dem Dry Creek Trestle. Das Ende des Zuges befindet sich noch im Bereich einer der Lavazungen, die es hier natürlich auch gibt.

Nun wollten wir mit dem Auto den Weg zum Bahnhof Hotlum fahren und von dort an die Straße zurück. Der Weg hatte es nun richtig in sich! Yannick lief auf besonders steinigen Gefälleabschnitten voraus, räumte Steine weg und dirigierte mich milimetergenau. Immerhin schafften wir es so tatsächlich ohne Aufsetzer. Wir hatten wirklich einen topp Wagen bekommen! Die Bodenfreiheit war phänomenal!

Zum Glück fuhr sich der Weg hinter dem zweiten kritischen Abschnitt wieder besser, so dass wir zur Hauptstraße zurück gelangten. Wir wollten vor dem Mittagessen noch etwas weiter kundschaften. Dazu fuhren wir bei Bolam nochmal rein. Der Weg war gut, aber trotz einigen Kilometern auf dem Bahnparallelweg abwärts fanden wir so recht nichts. Daher sollte nun der nächste Programmpunkt eingeläutet werden: Mittagessen! Wir waren uns gerade einig, dass wir zu Taco Bell wollen, da hornte es hinter uns. Wir mussten am BÜ in Bolam erstmal einen Bergfahrer durchlassen. Vorn hing die rote "The Kitty" Lok dran. Wir wollten versuchen, den Zug einzuholen. Hinter der Passhöhe kurvte die Strecke nordwärts mal nach Süden, da würde man schon was finden.

Das wäre vielleicht auch richtig gewesen. Den Strich durch unsere Planung machte uns nun aber ein Gegenzug, der in Grass Lake auf der Passhöhe Durchfahrt hatte. Die hatten den "The Kitty" bereits in Andesite an die Seite genommen. Für den Talfahrer glaubten wir zwei mögliche Motive weiter unten zu haben. Deshalb ließen wir vom Bergfahrer ab und fuhren dem Südfahrer voraus.

Nun sollte es aber richtig unerfreulich werden. Da unten, schon im Speckgürtel der Stadt Weed, waren nun wirklich alle möglichen Zuwegungen in beide Motive "Private Property". Das erste Mal auf dieser Tour kamen wir mit unseren "Lieblingsschildern" in Berührung! Mit viel Hin und Herprobieren verdödelten wir viel Zeit. Letztendlich liefen wir vom Bahnhof Black Butte den Bahnmeisterweg rein. Das war aber noch ein ganzes Stück. Und natürlich kam uns der Zug unterwegs unfotografierbar entgegen. Das war nun doof.


In der Lavazunge nördlich des Bahnhofs Black Butte. Die UP lässt das Städtchen Weed links unten liegen und steigt an der Flanke des Mt Shasta in die Höhe. Diese Lavazunge ist ziemlich stark bewaldet.

Wir liefen aber trotzdem bis ins Motiv. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Der Ausblick mit dem Mt Shasta im Hintergrund kam auch gut, allein es fehlten die Züge. Und was waren die Bäume gegenüber älteren Fotos von dieser Stelle gewachsen! Mehr als drei Loks durfte ein Zug hier gar nicht haben. Bemerkenswert fand ich auch, dass der Berg gar keine geschlossene Schneekrone hatte. Ich erinnere mich an Bilder aus dem Juni, da war die Spitze komplett verschneit! Eigentlich hätte ich hier auf 1200m Höhe sogar noch Wintersportbetrieb erwartet... Und es wehte ein eisiger Wind. Genau das richtige zur Pflege unserer Erkältungen... Wenn die Sonne schien, ging es. Aber wenn der Wind losstürmte, war es echt nervig. So hofften wir darauf, dass das Motiv möglichst schnell zuschattet, damit wir gehen konnten. Als es endlich so weit war, liefen wir den langen Weg zurück.


Da reden wir den ganzen Tag vom Mount Shasta, und ihr habt noch nichtmal ein Bild von ihm zu sehen bekommen. Da isser: Leicht verborgen hinter Wolken und einem Mauerblümchen (oder eher Felsenbusch?). Keine Sorge, weitere Bilder werden folgen!

Ggf könnte man auch im Bf Black Butte ein Bild mit Mt Shasta im Hintergrund machen. Dort angekommen, war keinerlei Aktivität erkennbar, außer vielleicht, dass die Zwischensignale im Bahnhof rot leuchteten. Aber das tun sie vielleicht immer. Gerade nicht mehr rechtzeitig kam uns die Idee, dass doch unten in Weed die Loks der CORP gut im Licht stehen müssten. Wir fuhren runter. Die CORP zweigt im Bahnhof Black Butte über ein Gleisdreieck ab und führt in mehreren Kehrschleifen runter nach Weed, das die eigentliche Stadt ist. Black Butte ist praktisch kein Ort. Der Bahnhof ist nach dem ihn überragenden Vulkankegel des Black Butte benannt. In Weed standen die Loks tatsächlich schön vor der Kulisse des Mt Shasta abgestellt. Leider war die Lokfront schon nicht mehr ganz schattenfrei.


Und in Weed unten gab es die abgestellten CORP-Loks vor dem Mt Shasta - leider schon nicht mehr ganz schattenfrei...

Die CORP unterhält hier ein gut verzweigtes Netz an Anschlussgleisen für ein Holzwerk. Was könnte man da abends tolle Aufnahmen vor der Kulisse des Mt Shasta machen! Nun ja, am heutigen Sonntag standen bei der Central Oregon & Pacific Railroad die Räder still. Wir beschlossen, uns morgen ein wenig um diese Secondary Railroad zu kümmern.

Den heutigen Abend beschlossen wir bei Taco Bell bzw mit einem Salat aus dem Supermarkt auf dem Hotelzimmer. Bei Taco Bell wurden wir an den Bestellautomaten von einem Mann ziemlich unverständlich angenuschelt. Erst so nach und nach bekamen wir mit, dass er uns einen Vortrag über die Schlechtigkeit solcher Bestellautomaten hielt, dass das Job-Killer wären. Wir sparten uns den Vortrag darüber, dass wir bei Bestellung am Automaten eher das bekommen, was wir haben wollen, weil es da zu keinen Missverständnissen kommt. - Es tat wirklich gut, mal etwas früher mit allem fertig zu sein. Und gerade nach dem fies kalten Nachmittag wurde auf dem Zimmer erstmal die Heizung in die Höhe gedreht. Dass hier auf der UP nicht viel los ist, wussten wir ja. Schade war nur, dass wir beide Züge am frühen Nachmittag nicht umsetzen konnten und dass die beiden Südfahrer überhaupt anscheinend Stunden vor Plan waren. Aber über die beiden Fotos vom Viadukt freuen wir uns riesig. Hier hatten wir viel Glück - vor allem mit der Sonne.

Montag, 02.03.2020

Durch das gestrige frühe Zubettgehen bekam ich immerhin sechs Stunden unterbrechungsfreien Tiefschlaf. Und von drei bis sechs dann der übliche Wechsel. Damit konnte ich heute etwas wacher in den Tag starten als gestern. Zur Liste unserer physischen Einschränkungen muss nun aber ein dicker Knöchel genannt werden, den Yannick sich gestern vertreten hatte. Ein Gel, das ich zufällg dabei hatte, hatte aber auch den Schmerz bis zum Morgen etwas gelindert.

Wir starteten erstmal zu Mägges in Weed. Es gab keine Bestellautomaten, und prompt bekam ich nur einen statt vermeintlich bestellter zwei McMuffins. Da hatte sie mich wohl falsch verstanden. Das bemerkte ich aber erst in Weed am CORP Bahnhof, wo wir eine Dreiviertelstunde vor vermeintlicher Abfahrtszeit des Local unseren Beobachtungsposten bezogen. Die Loks standen dort noch genauso wie gestern. Wir frühstückten in Ruhe (war bei mir ja eine schnelle Sache *schnief*). So viel zu dem Thema, das wir gestern Abend bei Taco Bell hatten. Der Kaffee schmeckte immerhin für US-Verhältnisse ganz gut. Um 7.42 kam Bewegung auf. Zwei Mann bestiegen die Loks und schmissen sie an. Kleiner Kaltstart offenbar, anscheinend können die Loks das ab.


Im Bahnhof Weed werden die Loks der CORP angeschmissen.

Um 8 Uhr setzte man sich in Bewegung. Da das Züglein auf dem Schenkel des Gleisdreiecks stand, der von Black Butte ins Holzwerk führt, musste man erstmal zurück setzen und zog dann in die Ausfahrt vor. Von dort stieß man allerdings nochmal zurück in den Holzanschluss und gabelte paar vornan stehende Holzwagen auf. Dabei kam die Fuhre sogar richtig ins Licht.


Die CORP Loks holen noch paar Wagen aus einem Anschluss- bzw eher Abstellgleis. Zu diesem Zeitpunkt wussten wir noch nicht, wie das Personal auf uns reagiert. Um es nicht gleich mit denen zu verderben, querten wir erstmal nicht die Gleise. Später sollte sich das als völlig unbegründet erweisen: Tf und Rb, die sich in ihren Tätigkeiten von Tag zu Tag abwechselten, zwei Typen mit Sonnenbrille und Pferdeschwanz, waren super locker drauf und bald war man immer mal wieder im Schnack mit denen.

Mit dem Licht war das allerdings so eine Sache. Es waberten riesige Wolken- oder Hochnebelfelder vor der Sonne. Aber für einen kleinen Moment hatte es gereicht. Nun zog man wieder zur Ausfahrt. Da hinten der Zugschlusssender gesteckt war und der Rangierer auf der Lok geblieben war, gingen wir von der Ausfahrt Richtung Strecke aus. Das Problem ist nun, dass die Hinfahrt komplett aus dem Licht kommt. Sonne auf der Front war also nicht zu haben. Vor Gazelle mussten wir noch eine gute halbe Stunde auf das Züglein warten, doch dann bekamen wir ihn immerhin dreimal.


In der S-Kurve vor Gazelle zeigt sich das Züglein schön vorm Shasta. Na ja, außer der ist in Wolken eingepackt... (Zaunpflock digital geext)


Hinter Gazelle.


Noch weiter hinter Gazelle. Hier dient uns ein Erdblubb als erhöhter Standpunkt. Offenbar war die Gegend mal sehr heiß und die Erdoberfläche bildete Blasen, die später beim Erkalten als kleine Hügel stehen blieben; wir werden noch mehr davon zu sehen bekommen.

Da die Fuhre nun aber strax Kurs auf geschlossene Bewölkung nahm, gaben wir den Plan der weiteren Verfolgung einstweilen auf. Zwar konnte es sein, dass die Wolken Situation zur lichttechnisch interessanteren Rückfahrt günstiger wäre, aber darauf konnte man sich nicht verlassen. Was hingegen sehr eindeutig war, war der Umstand, dass es südlich vom Mount Shasta komplett sonnig aussah. Deshalb fuhren wir in die Richtung. Ab Weed hat man südwärts die Autobahn, den Cascade Wonderland Highway. Schöner Name für eine Autobahn, oder? Ich hatte in der Gegend des Shasta Lake einige Motive im Hinterkopf. Hier hätte ich gern unsere Motivkarte gehabt, aber die war ja nun dank Google verschwunden.

Gemütlich ging es auf der Autobahn südwärts. Yannick hatte die hervorragende Idee, vor dem Eintauchen in die Wildnis noch bei Subway zu halten. Eine Filiale war nämlich eine Ausfahrt vor unserer in einer Tankstelle untergebracht. Das war nach meinem Minimalfrühstück genau richtig. An der Abfahrt Salt Creek Road ging es dann endgültig runter von der Interstate. Der Name der Ausfahrt sagt schon alles: Hier gibt es einen Bach, aber keine menschliche Siedlung weit und breit. Der Viadukt war klasse, wobei man sich ziemlich weitwinklig stellen musste. Hier auf nur noch rund 300m Höhe war die Sonne wunderbar wärmend. Nachdem man sich den Weg durch die Exkremente eines kleinen Zeltplatzes bzw dessen Bewohner gebahnt hatte und den Hang ein Stück runtergerutscht war (J, zum Glück nur eine Schürfwunde), konnte man herrlich oberhalb des Ufers sitzen, speisen und einem Angler zuschauen.

Nur für Yannick wurde es etwas hektisch. Etwa eine Viertelstunde nach dem Essen war von Norden ein Tröt zu hören. Die etwas beengte Szene schrie natürlich nach einem Drohneneinsatz. Er jagte das Fluggerät hoch, doch nichts tat sich. Bald gingen wir davon aus, dass der gehörte Zug in Lakehead in die Kreuzung gegangen ist. Deshalb flog Yannick über den See ans andere Ufer, um einen Nordfahrer machen zu können. Doch auch dieser kam und kam nicht. Bald sank der Batteriespiegel und die Drohne musste an der steilen Geröllböschung gelandet werden. So halb auf dem Rucksack und halb auf der Hand gelang die Landung. Der Intermodal von Süden, der dann doch irgendwann kam, war vorher kein Stück zu hören gewesen, so dass die Drohne für den unten blieb. Immerhin hatte er sogar zwei Schlussloks; das sah immerhin nach was aus - wobei der nach Kreuzung südwärts fahrende Intermodal genauso aussah...


Südlich Mount Shasta geht es runter in die Wälder. Am weit verzweigten Lake Shasta führt die Bahn über einige Seitenarme per Viadukt, hier etwas nördlich des Ausweichbahnhofs O'Brien. Von Bildern kannten wir hier unterhalb des Viadukts eine direkt in das Wasser führende Bachbrücke der alten Straße, doch war zu dieser Jahreszeit der Wasserspiegel so hoch, dass die Brücke vollkommen überflutet war.


Die Drohne sieht etwas mehr...

Die Brücke hatten wir nun gesehen. Nun hatten wir noch eine andere Brücke für Nordfahrer. Da war das natürlich doppelt blöde, dass der Nordfahrer eben durchgekommen war, zumal es gerade der Intermodal gewesen war, auf den wir an diesem Motiv gehofft hatten. Auch in dieser Richtung war er Stunden früher unterwegs als wir gedacht hatten. Immerhin konnte man an der anderen Brücke wunderbar in der Sonne sitzen und es war warm. Als wir um 13 Uhr hier ankamen, meinten wir schon, dass man es hier gut die viereinhalb Stunden bis Sonnenuntergang aushält. Mal schauen, ob es wirklich so kommt...

Nach rund zwei Stunden war ein Südfahrer zu hören. Das war nun nicht das, was wir brauchten, entsprach aber den Beobachtungen von gestern. Yannick ließ natürlich seine Drohne steigen, denn der Blick von der anderen Seite und aus der Höhe war auch klasse, das hatte ich schon mal gesehen.


Die Brücke bei Lakeshore gab es nun - jedenfalls von unten - nur als Nachschuss.

Leider war der Zug so dermaßen langsam und Yannick so früh gestartet, dass die Drohne zu fiepen anfing und zurück wollte. Yannick konnte das noch ein wenig aufschieben, aber nicht genug. Der Zug ließ sich eeewig Zeit. Als er dann endlich da war, hatte die Batterieanzeige der Drohne vom gelben in den roten Bereich geschaltet. Immerhin hatte sie noch ein Foto gemacht - im Nachhinein betrachtet war das das wichtigste... Aber die Drohne war nicht mehr steuerbar. Hilflos musste Yannick auf seinem Display mit ansehen, wie sich die Drohne nun einem selbst gewählten Landeplatz näherte. Und der war auf einer völlig unwegsamen und abseits aller Wege liegenden Halbinsel. Das war ja nun mal blöd gelaufen...


Mithilfe der Drohne gibt es dann doch noch ein Bild des Zuges von vorn - wenn auch unter großen Opfern... Die Bahn quert hier den Haupt-Seearm, der einstmals der Sacramento River gewesen ist. Ganz weit hinten ist die Querung eines weiteren Seearms zu erkennen. Und ganz ganz hinten schaut noch der Mt Shasta hervor.

Wie nun aber die Drohne bergen? Yannick konnte über die Bahnbrücke auf die eine Halbinsel laufen, musste dann aber immer noch um eine weitere Bucht mit unwegsamem Ufer herum laufen. In der Bucht trieb ein Fischer mit seinem Boot. Ob der helfen konnte? Den Fischer als Fährmann zu nehmen, konnte an den steilen, felsigen Ufern scheitern. Yannick lief jedenfalls über die Eisenbahnbrücke los. In dem Moment hatte der Fischer wohl genug gefangen und machte sich auf den Heimweg - leider unbemerkt von Yannick, der nun tatsächlich einmal um die Bucht laufen musste. Was für ein Alptraum!


Die örtlichen Gegebenheiten: In dem Gelände ganz rechts war die Drohne gelandet. Den Seearm links konnte man auf der Straßenbrücke queren, dann über die Bahnbrücke, dann musste man aber einmal komplett um den kleinen Seearm herum laufen, der sich noch ein ganzes Stück ins Land zog.

Als Yannick nach 40 Minuten immer noch nicht drüben auftauchte, begann ich mir ernsthaft Sorgen zu machen. Ihm konnte ja sonstwas passiert sein. Und bald wurde es dunkel. Auf Nachrichten reagierte er nicht, Anrufe blieben auch unbeantwortet. Ich war gerade drauf und dran, einen Kanufahrer mal zu bitten, in der Bucht nachzuschauen, da rief Yannick zurück. Die Bequemlichkeit des Weges muss wohl bischen zu wünschen übrig gelassen haben... Nach gut einer Stunde tauchte er endlich drüben auf. Nun musste nur noch die Drohne gefunden werden... Die war gar nicht am diesseitigen Ufer der Halbinsel gelandet, sondern nach hinten irgendwo. Das hatte Yannick dann zum Glück über die Drohnen-App (Flugverfolgung) nachvollziehen können. Einen Zug verpasst hat Yannick übrigens nicht. Es kam die ganzen vier Stunden kein Nordfahrer. Um 16.55 war die Brücke im Schatten.

Zurück war Yannick bedeutend schneller. Bereits nach 25 Minuten kam er über die Brücke geflitzt. Wie er mir dann erzählte, war meine Sorge nicht ganz unbegründet gewesen. Er hatte Schwierigkeiten, einen sandigen Abhang hoch zu kommen und wäre fast ins Wasser gerutscht. Immerhin hatte er drüben was zu trinken bekommen. Da hatte eine noch nicht angebrochene Flasche Wasser auf der Wiese gelegen. - Prima! Nachdem das Abenteuer überstanden war, ging es zügig über die Autobahn nach Mount Shasta City zurück. Die Fahrt über den Cascade Wonderland Highway war in dieser Richtung wirklich eindrucksvoll, denn viel früher als erwartet tauchte immer wieder die noch von der Abendsonne beleuchtete Krone des Mount Shasta vor uns auf, dabei war der Berg doch noch soooo weit weg! Im Hotel musste sich Yannick erstmal frisch machen, bevor wir zum Essengehen starteten.

In einem Supermarkt kauften wir vorher etwas ein. Es gab Trockenfleisch aus der Region, außerdem die dringend benötigten Vitamin C Brausepülverchen. Dass wir für die Packung 16,99$ bezahlt haben, fiel uns erst hinterher auf... Beim Tanken dann mal wieder die ZIP-Code Problematik, ich sag da nichts mehr zu... Für das Abendessen hatten wir das Black Bear Diner ausgesucht. Wir hatten gedacht, dass es eine örtliche Gaststätte sei, doch drinnen erfuhren wir, dass man bereits 134 Filialen habe, dass dies aber die allererste gewesen sei. Es gab Salat, Steak und Bratkartoffeln. Für den dazu gereichten mit Käse und Bacon überbackenen Griesbrei war aber kein Platz mehr...


Black Bear Diner macht gerade Werbung damit, dass man auch abends Frühstücksgerichte bekommen kann. Nun denn, was man hierzulande halt so frühstückt... War lecker, aber doch büschen viel...

Dienstag, 03.03.2020

Das Konzept lautete folgendermaßen: Erstmal in Weed schauen, was die CORP-Loks machten. Die standen um 7.15 noch friedlich auf ihrem üblichen Abstellplatz, was jetzt nicht sooo verwunderlich war. Dann zu Mägges, wo ich das mit den zwei McMuffins deutlichst betonte und zur Belohnung sogar den Aktionspreis "2 for 4" bekam. Mit allem zogen wir zum nahe gelegenen Bahnhof Black Butte und frühstückten in Ruhe, während die Signale dunkel waren.


Am Bahnhof Black Butte gibt es auf einem Nachbargrundstück das Black Butte Center for Railroad Culture. Da ist unter anderem dieser Caboose ausgestellt, aber noch viel mehr. Die Website von denen bietet auch eine ungefähre Übersicht über das aktuelle Programm an Planzügen auf den Strecken (UP und CORP), wobei halt die UP-Züge immer wieder Stunden früher unterwegs waren. BBCRC Website.

Nach dem Frühstück entdeckte Yannick in der Webcam des Bf Dunsmuir, die man auch bis zu vier Stunden zurückspulen kann, dass vor einer Viertelstunde ein Bergfahrer abgefahren sei. Ok, der hatte noch den steilsten Abschnitt mit den Kehrschleifen vor sich, aber iiiirgendwann würde er kommen. Dunsmuir liegt unterhalb von Mount Shasta im Sacramento Valley und ist der Amtrak Halt für diese Ecke. Leider kommt der Amtrak "Coastal Starlight" hier in extremster Tagesrandlage durch. Nur der Nordfahrer geht an den längsten Tagen bei Sonne - dann aber wirklich mit einem Hauptmotiv, DEM Mount Shasta Blick schlechthin: Cougar!

Natürlich wollten wir das Motiv auch haben - auch wenn es um diese Jahreszeit nur mit dunkler Front geht. Aber das war schließlich das Motiv, durch das ich auf diese Gegend aufmerksam geworden bin. Da wir dort oben noch nicht gekundschaftet hatten, fuhren wir mal direkt hoch, auch wenn der Bergfahrer sicher noch ne Stunde brauchen würde. Die Entscheidung erwies sich als goldrichtig, denn auch heute galt das Gesetz, dass der Intermodal jeden Tag früher kommt. Wir konnten es gerade noch mit hängender Zunge auf eine Anhöhe schaffen, hatten dann aber ein schönes Panorama für den Talfahrer.


Mit dem hatten wir nun noch gar nicht gerechnet: Der Intermodal rollt zwischen Grass Lake und Andesite bei Cougar abwärts.

Nun mussten wir allerdings befürchten, dass die Züge erst in Black Butte kreuzen. In Andesite taten sie es jedenfalls nicht und das Kreuzungsgleis in Hotlum erschien uns vorgestern bisken kurz für ausgewachsene Güterzüge. Egal, es war herrlich hier oben, der Shasta präsentierte sich strahlend weiß vor blauem Himmel und Seitenlicht hätte man ja noch ne Weile. Offenbar hatte es oben am Berg neuen Schnee gegeben; die Tage zuvor war der Shasta eher grauweiß gestreift.

Die Züge sind hier ja sooooo langsam. Wir hatten seeehr viel Zeit das Panorama zu genießen. Irgendwie konnten wir den Grundsatz festmachen, dass Züge, die man noch nicht vorher gesehen hat, früher als erwartet kommen (Regel Eins), und Züge, von denen man weiß, dass sie im Zulauf sind, ewig brauchen, bis sie da sind (Regel Zwo). Aber mit diesem Wissen konnten wir uns nicht beklagen, denn gegen 10 tauchte der Nordfahrer auf.


Bei Cougar lässt sich der Shasta am besten mit Zügen umsetzen - je früher desto besser.

Erfreut darüber, dass das tolle Panorama geklappt hatte, liefen wir zum Auto zurück. Bereits auf dem Weg hörten wir hinter uns ein Tröten, das nun wieder näher kam! Da hatten die doch tatsächlich in Grass Lake schon wieder gekreuzt. Mit dem Zug konnten wir nun genau gar nichts anfangen. Wir fuhren wieder talwärts. Der Plan war nun, nach Hornbrook an der CORP zu fahren und die Rückfahrt des Local von dort zu nehmen. Die müsste gut ins Licht laufen. Irgendwann vor Weed hatte Yannick allerdings die gute Idee, den Talfahrer, den wir noch vor Andesite wieder überholt hatten, im Bahnhof Hotlum zu nehmen. Ich dachte, ich müsste den steinigen Weg zügig hoch fahren, doch griff hier wieder Gesetzmäßigkeit Zwo, und wir mussten auf den eben gesehenen Zug schon wieder eine Viertelstunde warten. Ein Hi-Railer machte es derweil spannend, denn er näherte sich auf dem Ausweichgleis immer wieder ein kleines Stück unserem Auslösepunkt. Letztendlich ging aber alles gut.


Ein talfahrender Manifest (gemischter Frachtenzug) begegnet im Bahnhof Hotlum einem Hi-Railer. Hotlum ist der Name von einem der vier Hauptkrater des Mount Shasta. An allen Bahnhöfen stehen abseits der Gleise auf kurzen Schienenstücken Kesselwagen hinterstellt (hier links der führenden Lok). Vielleicht als Löschwasserreservoirs?

Nun aber runter zur Nebenbahn. Es war jetzt nach 11. Dennoch - und weil es kein großer Umweg war - wagten wir den Kontrollblick in den CORP-Bahnhof, ob die Loks auch wirklich weg wären. Schock: Die standen noch da! Der Local war heute gar nicht gefahren! Aber gerade war man dabei, irgendwelche Dinge an den Loks zu richten, wozu auch zwei Techniker mit Auto vorgefahren waren. Aber bald verschwanden die und die Loks wurden angeschmissen. Auf Nachfrage erfuhren wir, dass das Holzwerk heute keine Wagen beladen bekommen hätte und deshalb ausnahmsweise die Fahrt nach Hornbrook (und von dort weiter Richtung Medford) ausgefallen war. Man würde jetzt aber paar Anschlüsse im Stadtgebiet bedienen und anschließend in Black Butte paar Wagen von der UP abholen. Das war auch mal ganz interessant.


Um den östlichen Anschluss des Holzwerkes zu bedienen, muss die Rangierfahrt mitten in einem Wohngebiet zwischen Wohnhäusern und der Grace Community Presbyterian Church in eine Spitzkehre fahren, von der sie ins Werk zurück drückt.


Der Hof der örtlichen Feuerwehr wird auch gequert. Die schmucke Farbgebung der Loks ist übrigens die des Mutterkonzerns Genesee & Wyoming, der in den USA zahlreiche Short Lines betreibt, der aber auch weltweit tätig ist. In Europa ist er mit dem EVU Freightliner vertreten, dessen Class 66 ja jetzt auch diese Lackierung bekommen.


Hoch über Weed erreichen die CORP Loks als Lz den UP Bahnhof Black Butte.


Nachdem alle Wagen (von zwei UP-Zügen an zwei verschiedenen Tagen) eingesammelt waren, ging es vor Kulisse des Mt Shasta wieder auf die eigene Strecke.


Von der Drohne aus war das ein richtig tolles Motiv mit dem Mt Shasta im Hintergrund. Wir beide sind auch ganz klein drauf, während die CORP Eisenbahn wieder auf ihr eigenes Netz raus fährt. Der UP Bahnhof Black Butte wird nur bei Bedarf bedient, wenn also Wagen zu übergeben sind.

Leider war der Lichtstand noch nicht so ganz gut geeignet, um Bilder mit Mt Shasta im Hintergrund zu machen. Aber bischen was ging. Nachdem der Zug aus Black Butte raus war, erwarteten wir ihn in Weed, weil man da am ehesten mit dem Mt Shasta was machen können sollte. Hier wurden wir gemäß Regel Zwo wieder auf eine extrem lange Geduldsprobe gestellt. Wir hatten uns einfach ins Gleisdreieck gesetzt. Bald bekamen wir Gesellschaft von einem etwas schräge wirkenden Typen, der sich 10m von uns entfernt ins Gebüsch setzte und sich mithilfe zweier Wasserflaschen erstmal der Körperpflege widmete. Immerhin laberte er uns nicht an. Erst nach anderthalb Stunden tauchte endlich die Fuhre auf - nunmehr allerdings nur noch halb so lang. Das muss man nicht verstehen, oder?

Es begann weiteres Rumrangieren, wobei wir immer wieder auf eine Mt Shasta fähige Bewegung hofften. Nebenbei beobachtete Yannick immer wieder die Webcam Dunsmuir, ob vielleicht der nordfahrende Intermodal mit Schlussloks käme. Doch von dem Zug fehlte - ähnlich wie letzten Sonntag - jede Spur. Die CORP stellte ihre Loks bald ab und das Personal machte Feierabend. Leider standen dabei Wagen auf der Westseite, so dass Fotos ausschieden. Wir fragten den Tf nach den Planungen für morgen und bekamen bereitwillig Auskunft. Die vier zwischen Black Butte und Weed "verschollenen" Schüttgutwagen waren übrigens zum Anschluss des Mineralwasserabfüllers "Crystal Geyser" gegangen. Schüttgutwagen zum Miwa-Händler? Ja, die Wagen beinhalteten Plastik-Pellets, aus denen die Flaschen hergestellt werden.

Tja, wieder mal ein wunderbarer Nachmittag bei diesem topp klaren Licht, und es schien wieder mal kein Programm mehr zu geben. Wir fuhren einfach mal unseren Highway 97 ins Gebirge hoch, vielleicht würde man ja doch noch einen Zug oben am Hang entdecken. Und diese Straße war einfach nur wunderschön, wie wenn man in Norwegen von Dombås aufs Saltfjell fährt und plötzlich diese Weite vor sich hat. Dazu die Musik der Tour abspielen, und es macht einfach Spaß. Musik der Tour war passend zum Tourmotto "Feet of flames" von Michael Flatley. Einen Zug sahen wir allerdings nicht, jedenfalls nicht über uns am Hang. Aber Yannick entdeckte in der Webcam Dunsmuir, dass sich ein bergfahrender Manifest nähert.

So richtig die Stellen fielen uns für den nun nicht ein. Den hätten wir mal gestern an der Stauseebrücke gebraucht! Wir waren schon drauf und dran, im Bahnhof Black Butte eine banale Streifung anzufertigen, da erkannten wir von der Hauptstraße aus einen schönen Bergblick mit Bahn davor. Kurz gedanklich überschlagen, ob der Zug dort noch vor Sonnenuntergang durchkommen kann, Ergebnis positiv, also rein da. Wir fuhren auf eine wilde Fläche, von der aus man zig Gestaltungsmöglichkeiten hatte. Und diesmal muss man fairerweise sagen: Regel Zwo griff nicht, der Zug ließ uns nicht gar so lange warten...


Ein Manifest kämpft sich an der Flanke des Mount Shasta am Rande einer Lavazunge in die Höhe. Die Passhöhe wird in Grass Lake erreicht sein. Neben dem 4322m hohen Hauptgipfel ist auch der Mt Shastina zu sehen, einer der vier Hauptkrater.

Das war dann doch noch ein schöner Tagesabschluss. Immerhin hatten wir vier Züge auf der UP bekommen, kein schlechter Schnitt! Somit konnte es zufrieden zum nächsten Programmpunkt gehen. Nachdem wir mittags nur das Trockenfleisch gegessen hatten, sollte es jetzt zum Essen in den Bahnpark Dunsmuir gehen. Dort konnte man in einem Speisewagen essen. Das war dann auch richtig klasse eingerichtet. Ich nahm den "Conductor's Burger", der war absolut topp. Yannick hatte etwas, was ich als amerikanische Spezialität bezeichnen würde, "Pulled Pork". Das fein zerfaserte Fleisch mit Soße schmeckte auch richtig gut. Aber warum kann man da nicht paar Brokkoliröschen oder grüne Bohnen einbauen und auf die Hälfte des Käses verzichten? Egal, wir waren begeistert, nicht zuletzt auch wegen der leckeren Biere, die hier angeboten wurden.


Abendessen im Bahnpark Dunsmuir. Sehr zu empfehlen!


Mein Conductor's Burger.


Yannicks Pulled Pork auf Pommes.

Mit einem Einkauf (aha, Mt Shasta City hat auch einen richtig großen Supermarkt!) ging es um 20 Uhr zurück aufs Hotelzimmer. Da gab es dann noch bischen Schreibkram zu erledigen.

Mittwoch, 04.03.2020

Das Konzept für heute war folgendes: Wenn es irgendwas früheres für Cougar gäbe, würde man das nochmal machen. Das würden wir ja über die Kamera Dunsmuir mitbekommen. Ansonsten würden wir bereits die Nordfahrt des CORP Local verfolgen. Und es passte tatsächlich. Als Yannick unmittelbar vorm Aufstehen virtuell nach Dunsmuir geschaut hat, fuhr von dort ein Bergfahrer ab! Das war ja genau das, was wir uns gewünscht hatten. Allerdings fuhren wir dann doch nicht nach Cougar, weil auch etwas anderes da war, was wir uns nicht gewünscht hatten. Über uns hing eine schwere, dicke Schlonzepampe. Und den Mount Shasta nun bei Halblicht vor grauem Himmel zu nehmen, darauf konnten wir mal gut verzichten. Da hatten wir das gestern dann doch besser hinbekommen.

Da wir nicht schon wieder Lust auf McMuffins hatten, beschlossen wir, erstmal in Ruhe im Diner zu frühstücken. Das wollten wir immer schon mal, richtig so mit ständig Kaffee nachschenken, wie man es aus Filmen kennt. Allerdings ist es schon Wahnsinn, was einem da für Portionen angeboten werden... Nun ja, man muss ja nicht alles aufessen. Immerhin gab es neben den Ham&Eggs mit Bratkartoffeln noch sehr leckeren Toast für Marmelade usw. Und der O-Saft war klasse! Vom Black Bear Diner konnten wir bald den Nordfahrer vorüber fahren sehen. Dann trat Regel Eins in Kraft. Der südfahrende Intermodal war schon da - noch wieder früher als gestern!

Danach ging es uns nicht nur wegen der Stärkung besser, sondern auch aufgrund der Tatsache, dass der Schlonz offenbar laaaangsam in südlicher Richtung abzog. So sollte das Nebenbahnprogramm heute hoffentlich mal klappen. Nachdem gestern als Abfahrzeit 7.30 bis 7.45 genannt worden war, hatten wir jetzt um 8.15 eigentlich nicht damit gerechnet, die Loks noch hier anzutreffen. Doch als wir am Bahnhof Weed ankamen, hatte sich noch genau gar nichts getan. Wir warteten einfach mal. Um 8.30 begann es auf den Loks zu leben und man begann den Zug zusammenzubauen. Und der Schlonz zog immer mehr nach Süden ab. Der Tf entschuldigte sich sogar, dass man nun doch später dran sei als angekündigt. Das war wohl entsprechend umbeauftragt worden. Wir entgegneten nur, dass wir in Deutschland bei der Bahn arbeiteten und solche Zwänge gut kennen. Er wollte dann noch wissen, ob wir in Deutschland für die Genessee & Wyoming (also Freightliner) arbeiten würden. Das mussten wir nun leider verneinen.


Diesmal von der anderen Seite des Gleises an unserem Beobachtungspunkt bei U-Haul; Die Loks gabeln noch paar Wagen aus dem Abstellgleis neben dem Holzanschluss auf.

Wir fuhren voraus. Am Ende der Hinfahrt waren wir beide erstaunt, wie oft wir den Zug dann doch zumindest mit halbseitig ausgeleuchteter Front erwischt haben. Und wir freuten uns, einige wirklich schöne und vor allem abwechslungsreiche Stellen gefunden zu haben. Wir nahmen die Fuhre nochmal mit dem Shasta-Blick vor Gazelle, auf der Brücke über den Shasta River vor Montague, beim Rangieren in Montague, einem netten kleinen Wildwest-Städtchen, im vollen Gegenlicht vor dem Mount Shasta nördlich von Montague und dann noch zweimal im Tal des Klamath River. Hier wurde die Landschaft deutlich hügeliger.


Hinter Edgewood geht es über die weite Pläne. Nein, der Mt Shasta ist nicht in weite Ferne gerückt; das da hinten ist der nächste Vulkan in der Postenkette, der Mt McLaughlin (2894m).


Der Shasta dominiert hier natürlich weiterhin die Gegend.


Vor Montague wird der Shasta River auf einer hölzernen Trestlebrücke gequert.


Bei den Rangierarbeiten in Montague. Die ersten zwei Wagen, die ja gestern von der UP in Black Butte abgeholt wurden, haben ihr Ziel erreicht. Sie enthalten Dünger für einen örtlichen Farmer und werden an der Ladestraße bereitgestellt.


Auf die hier abzweigende Flat Iron Rail (vormals Yreka Western) werden keine Wagen übergeben. Die ist zwar im Prinzip nicht stillgelegt, aber der Betreiber soll aus irgendeinem Grund von den Kunden boykottiert werden. Das erfuhren wir aus dem Net, aber einer der CORP-Leute bestätigte dies.


Hinter Montague. Hatte jemand geglaubt, der Shasta wäre inzwischen in größere Ferne gerückt? ;-)


Langsam hat sich die CORP-Strecke hinab in das Tal des Klamath Rivers gesenkt und kurvt nun durch die Hügel auf Hornbrook zu.


Ebenfalls kurz vor Hornbrook.

In Hornbrook zog der Zug einmal komplett durch den Bahnhof und blieb so am Nordende auf dem geraden Gleis 1 stehen, wobei die Loks schon auf der Einfahrweiche standen. Nun war wohl erstmal Päuschen angesagt. Es sah so aus, als ob der Zug aus Medford schon dagewesen und wieder zurückgekehrt wäre. Andere Loks waren jedenfalls nicht zu sehen, und ein Wagenpark, der von der Zusammenstellung der Wagen verdächtig nach einem möglichen Gegenzug aussah, stand quasi auf "Gleis 2 Südseite" im Bahnhof. Die wenigen anderen Gleise waren mit Abstellwagen vollgestellt. Die CORP-Strecke führt hinter Hornbrook weiter über den Siskiyou Pass. Die Streckenführung ist sehr spektakulär mit vielen Kehrschleifen. Dem Überflug per Luftbild zufolge dürfte das aber alles sehr bewaldet sein. Deshalb hatten wir jetzt noch keine Ambitionen auf den Abschnitt aufgewendet. Wir hatten ja auch gedacht, dass sich in Hornbrook beide Züge treffen würden, aber das war ja nun offenbar nicht der Fall.

Wie man sich doch irren kann. Aber die Irrtümer steigerten sich erstmal noch und schlugen in Frust um, als angefangen wurde, die Wagen ins Nachbargleis ("Gleis 2 Nordseite") zu rangieren (so weit, so gut, aber:) und nun die Loks zu trennen! Wir hatten ja schon mitbekommen, dass es mit der einen Lok Probleme gegeben hatte. Nun sollte offenbar die hinwärts hintere Lok mit den Wagen weiter nach Medford gehen. Das bedeutete, dass wir gleich auf der schön ins Licht fahrenden Rückfahrt eine falschrumme Lok vor dem Zug hätten! Neee, oder? Kann denn nicht einmal was klappen wie gewünscht? Die falschrumme Nordlok hatte sich wieder auf Gleis 1 gestellt.

Ok, bevor ich jetzt an so einem schönen Tag weiter Frust verbreite, will ich die Sache auflösen: Aus Richtung Pass näherte sich nun doch der Gegenzug! Und der brachte eine Tauschlok mit. Dass für den kein Einfahrgleis mehr zur Verfügung stand, machte nichts. Die Wagen wurden draußen stehen gelassen. Die zwei Zugloks plus Tauschlok setzten sich vor die kaputte Lok mit den Wagen für Medford. Die auf dem Nachbargleis stehende falschrumme Lok gabelte sich nebenan ihre neue Partnerlok auf und ging mit ihr an die draußen stehenden Wagen für Weed. Somit hatte der Südfahrer wieder sein normales, Heck an Heck gekuppeltes Pärchen. Die Sonne ging wieder auf :-)


Der Zug aus Medford ist da! Zwei SD40-2 und die Tauschlok für den Süden lassen die Wagen vor der Einfahrweiche stehen und rollen an den Gegenzug.

Nun wurde auch nicht mehr lang gefackelt. Der Südfahrer durchfuhr den Bahnhof ohne weiteren Halt, und danach machte sich auch der Nordfahrer auf den Weg. Als Zugloks aus und in Richtung Pass kamen übrigens SD40-2, also Sechsachser, zum Einsatz. Wir überlegten kurz, ob wir vielleicht doch den Nordfahrer noch etwas verfolgen sollten, ließen von dem Gedanken aber wieder ab. Immerhin war der Südfahrer schön lang, und paar Motive hatten wir uns schon überlegt.


New kid in town: Die 2063 ist nun mit der 2068 zusammen für Weed zuständig und beschleunigt den Zug gen Süden ohne weiteren Halt im Bahnhof, während nebenan der Nordfahrer abfahrbereit steht.

So fotografierten wir am BÜ Dennis Lane, nördlich Snowden mit Weitblick, paarmal in der langen Geraden zwischen Grenada und Gazelle sowie nochmal mit Weitblick südlich Gazelle.


Das Züglein hat den Klamath River bereits verlassen und arbeitet sich am Willow Creek entlang auf die Hochebene vor.


Hinter Ager wird die Landschaft offener; die Hügel sehen schon wieder verdächtig nach Erdblubbs aus.


Die Drohne wurde mal wieder flügge und überwand die Distanz zur Strecke, so dass sich diese tolle Perspektive ergab.


Nun ist der Zug in der Ebene zwischen Grenada und Gazelle, wo es auf einer ewig langen Geraden topp ins Licht ging. In der Ferne ist neben anderen Erdblubbs der Mt McLaughlin zu erkennen.


Der Zug ist nicht sooo schnell; immer noch zwischen Grenada und Gazelle.


Auch der Bahnhof Gazelle wird von einer basalthaltigen Blubberblase überragt.


Eine Farm in Edgewood. Ratet mal, welcher Berg das im Hintergrund ist! ;-)

Dann schauten wir nochmal am Bahnhof Weed, ob was mit Mount Shasta im Hintergrund gehen würde. Und tatsächlich: Man schob mit dem ganzen Zug ins Holzwerk, und zwar nicht in den Anschluss von gestern, sondern in den westlicheren. Hier kann man zumindest spitz stehend etwas mit Mt Shasta arrangieren. Das taten wir dann auch.


Oben im Holzwerk.


Und bei der Ausfahrt aus demselben.

Es ging hin und her, offenbar verzweigt sich das Gleisnetz weiter hinten im Werk noch etwas mehr. Da liefen wir natürlich nicht rein. Unsere beiden Freunde von der CORP hatten nun jedenfalls nach der langen Fahrt nach Hornbrook auch hier noch viel zu tun. Die beiden wechselten sich übrigens tageweise ab, der eine Tf, der andere Rangierer, und am nächsten Tag umgekehrt.


Ein letzter Shasta-Blick im Bf Weed.

Zum Schluss musste man auch noch in den anderen Holzwerk-Anschluss mit der Spitzkehre. Da es jetzt stramm auf 18 Uhr zu ging und die Schatten dominierten, ließen wir mal ab und fuhren nochmal nach Dunsmuir zum Eisenbahnpark. Besonders freute ich mich auf das schmackhafte, frisch gezapfte Bier, ein Bier aus Redding, also aus der Nähe. Dazu gab es Steinpilz-Ravioli mit Hähnchenbrust. Das war auch klasse. Ich hätte ja auch gern das Pulled Pork probiert, das Yannick gestern hatte, aber nach so einer Koma-Kalorienbombe stand mir einfach nicht der Sinn. Aber das heutige Programm durfte ein wenig gefeiert werden. Wir hatten nicht nur die Quantität unserer Fotos massiv erhöht, sondern auch einfach nette Motive gefunden. Für die Nebenbahn waren wir zudem genau zur richtigen Jahreszeit hier, denn im Sommer wäre das ein ziemliches Hochlichtprogramm gewesen.

Auch wenn ich es jetzt nicht ständig schreibe, aber wir waren beide massivst erkältet. Das hatte den ansonsten wunderschönen Tag vielleicht eine Idee beeinträchtigt, weil man einfach geschwächt war. So waren wir dann auch sehr froh, als wir wieder auf unserem großzügigen Zimmer in Mount Shasta waren. Zum Glück hatten wir kein Fieber, so dass wir auch nicht ernsthaft auf uns bezogen an Corona dachten. Wenn man mal in der Öffentlichkeit husten musste, schaute niemand kritisch. Erstens schienen hier viele erkältet zu sein und zweitens war das Thema zu diesem Zeitpunkt offenbar hier in Hinterwaldistan noch nicht wirklich angekommen. Das sollte auch für unseren weiteren Reiseverlauf durch Wildnis und maximal Kleinstädte gelten. Erst am Ende in Seattle sah man wieder Gesichtsmasken.

Donnerstag, 05.03.2020

Die Nacht war aufgrund der Erkältung nicht sehr schön. Aber sie war lang genug, um zwischen den Hustenphasen vielleicht doch noch genügend Schlaf bekommen zu haben. Morgens wachten wir bei strahlend blauem Himmel auf. In der Webcam Dunsmuir tauchte nur leider nichts Passendes für uns auf. So konnten wir ganz in Ruhe unsere Siebensachsen zusammenpacken, denn wir waren uns einig, dass nun auch mal ein Tapetenwechsel sein durfte. Zumal das Shasta Inn nicht nur Vorteile hatte: Die Dusche war ein einziger Strahl, und die Zwischenreinigung fand auch eher nicht statt.

Zur Abwechslung testeten wir mal das Frühstück von Burger King, denn die Mc Muffins hingen uns etwas zum Hals raus. Aber das Schinken-Käse-Rührei-Croissant war nur eklig und der Kaffee nicht auf dem brauchbaren Niveau von Mägges. Egal, kleine Stärkung musste sein. Danach fuhren wir hoch an des Shastas Flanke. Von unten kam zwar immer noch nichts, doch von oben konnte man um diese Zeit ja auch gut mit Zügen rechnen. Und wie schon geschrieben, war es einfach nur herrlich, diese Straße in die offene Flanke des Vulkans hochzufahren.

Wir überlegten, nochmal von Bolam an die Kraterzunge ranzufahren - in der Hoffnung, dass da was ginge. Bis Bolam war es kein Problem, von dort bahnparallel testeten wir diesmal den Weg auf der anderen Seite der Bahn, der sogar gut befahrbar war. Im Zielgebiet trafen wir punktgenau zum südfahrenden Intermodal ein, doch hatte der hier noch gar kein Frontlicht und eigentlich auch kein Motiv. Dumm gelaufen.

Von unten war in der Webcam noch immer nichts zu sehen gewesen. Schade, ein Bergfahrer wäre hier nämlich ganz gut gegangen. Glaube ich wenigstens. Da wir hier komplett am Rande eines riesigen Fönwolkenfeldes herumkrebsten, traten wir lieber wieder den Rückzug an. Schade, alles nicht so einfach hier. Zurück in der Zivilisation fassten wir angesichts der nun massiven Schlonzerei ringsherum den Entschluss, einfach mal die Straße zum Mount Shasta hochzufahren. Bischen Sightseeing kann ja auch nicht schaden. Die Straße wandt sich komplett durch die Wälder in die Höhe. Auf 2087m Höhe war Schluss. Hier oben kamen wir in den Schneebereich, und ab einem kleinen Parkplatz an einer Lichtung mit Blick auf den Berg war die Straße nicht mehr geräumt.


Dem Shasta mal etwas auf die Pelle gerückt... Immerhin befanden wir uns nun in der Schneezone.

Es war so gleißend hell, dass wir kaum gucken konnten. Wir liefen noch die gesperrte Straße ein Stück weiter rein, doch die verschwand bald wieder im Wald. Für uns ging es zum Auto zurück und wieder runter Richtung Zivilisation. Unten nun großes Überlegen: Was machen wir jetzt? Als Tagesziel liebäugelten wir mit Redding. Auf dem Weg dorthin hatten wir noch eine Rechnung mit einer Flussbrücke offen. Warum nicht trotz gewisser Schlonzerei am Himmel dort nochmal einen Nachmittag gemütlich am Seeufer verbringen? Gesagt, getan. Diesmal waren wir sogar schon um kurz vor 12 dort. Da sollte doch wohl was gehen?

Zwei Stunden später. Ja, schön ist es hier. Man kann prima Stein- und Stöckchen-Wurfspiele spielen oder sich einfach auf dem Boden ausstrecken. Nur der Zugverkehr ist ausbaufähig. Es tut sich überhaupt nichts. Dummerweise fängt nun der Schlonz an das Licht zu dimmen. Wir überlegen, einem etwaigen Südfahrer vielleicht nach Redding voraus zu fahren und mit dem großen Viadukt was zu machen. Aber erstmal muss überhaupt was kommen.

Und dann kam was. Der Intermodal aus der falschen Richtung. Ja, das ist der Zug, den wir vor vielen Stunden mehr schlecht als recht bei Bolam fotografiert hatten. Heute war er also zu einem ganz massiven Regel Zwo Fall geworden. Hier gab es ihn also wieder eher schlecht als recht von hinten. Und nun? Hinterher? Hinterher! Der würde sich in Redding gut auf dem Viadukt machen.


Und wieder an dieser Stelle ein Zug aus der falschen Richtung am Lake Shasta.

Tja, aber zur Autobahn musste zunächst eine lange 25mph Zone durchfahren werden - und zwar entgegen der eigentlich beabsichtigten Fahrtrichtung, so dass wir erst zeitgleich mit dem Zug die große Brücke über den Stausee befuhren - wir oben, der Zug unter uns. Außerdem - hatte da gerade in einer Ausweiche ein Gegenzug dringestanden? Hätte man also doch besser weiter am Seeufer von Lakehead gewartet? Wir waren uns nicht sicher, hatten nur leere Containertragwagen gesehen. Die konnten auch abgestellt gewesen sein. Egal, weiter! In Redding gab es dann leider so viele rote Ampeln, dass wir zeitgleich mit dem Containerzug an der Brücke ankamen. Wir hatten keine Chance mehr! Und es wurde der Beweis erbracht, dass Regel Zwo dann auch schnell wieder außer Kraft tritt...

Immerhin fand Yannick heraus, dass eine Stunde nach dem Intermodal noch ein Manifest durch Dunsmuir gekommen war. Uns blieb nichts anderes übrig, als auf den zu warten. Erst mochten wir uns gar nicht mit unseren Kameras am Flussufer niederlassen, weil dort eine Frau gerade dabei war, sich zu waschen - und zwar am ganzen Körper! Wir gaben ihr zunächst Zeit sich anzuziehen, aber sie kam und kam nicht zu Potte. Frau im Bad halt ;-b Irgendwann wurde es uns zu riskant, abseits des Ufers zu warten. Da raffte sie dann auch bald ihre Habseligkeiten zusammen und verschwand. Etwa eine halbe Stunde später kam immerhin der Zug!


Ein Manifest quert auf dem Redding Trestle den Sacramento River. Das besondere dieser Brücke kommt aus dieser Perspektive aber leider nicht raus: Der Viadukt ist satte 1325m lang und überspannt einen guten Teil der Stadt. Das war auch so ein Punkt, der mich bei der Planung sehr beeindruckt und mich animiert hatte, mich mit der Gegend "zwischen Oregon und Kalifornien" mal näher zu befassen.


Zum Glück haben wir ja die Drohne. Aus deren Perspektive ist die lange Gerade des Viaduktes über der Stadt gut erkennbar. Die Brücke wurde 1939 gebaut, als die Strecke wegen des Baus der Lake Shasta Staumauer mit daraus resultierender Flutung diverser Täler umgelegt werden musste.

Und wir wollen uns wirklich nicht beklagen: Zwei Minuten nach der Durchfahrt hatte sich die Sonne erstmal in einen großflächigen Mumpf verabschiedet. So hatte also heute doch noch ein Bild geklappt! Yannick hatte zwischenzeitlich noch einen weiteren Zug Richtung Süden in Dunsmuir entdeckt. Aber der würde noch lange brauchen. Wir nutzten die Zeit, ein wenig am nördlichen Viaduktkopf herumzuschauen. Denn nur dort hätte man die Chance im Gelände auf das Höhenniveau der Brücke oder höher zu kommen. Die Straßen oberhalb konnte man allesamt vergessen. Da reihte sich Grundstück an Grundstück - und zwar von der wohlhabenderen Sorte. Aber von der Hauptstraße unterhalb des Viaduktkopfes führten zahlreiche Spuren in die Höhe. Da sollte was gehen. Wir waren aber zu faul das zu testen. In Redding hatte uns nun übrigens vollends der kalifornische Frühling begrüßt. Büsche blühten in allen Farben und die Leute trugen kurze Hosen.

Ob am nördlichen Viaduktkopf des Redding Trestle oder an unserer Brückenstelle bei Lakehead heute Mittag: Eines hatten diese Stellen gemeinsam gehabt: Man hätte einen Nordfahrer gebraucht. Und auf der Webcam Dunsmuir war kein solcher mehr aufgetaucht. Da hatten wir vorhin im Ausweichbahnhof O'Brien vermutlich doch nur Absteller gesehen. Insofern hatten wir mit unserer Fahrt nach Redding wohl doch alles richtig gemacht...

Wir stellten uns nun nochmal für den nächsten Zug ans Flussufer, doch die Eisenbahn tauchte nicht mehr auf, bevor die Sonne in einem endgültigen horizontnahen Modder versank. Nun ging es mitten durch die Innenstadt zum Red Lions Hotel, einem gigantischen Komplex. Wären wir in Kroatien, hätte ich gesagt: Der Laden ist aus Titos besten Jahren, aber "sozialistischer Stil" und USA schließen sich ja per se schon aus...

Nach einer Phase der Regeneration fuhren wir in die Straße, ach, was sag' ich, ins Stadtviertel der Köstlichkeiten. Da wäre sogar ein Inder gewesen, aber den haben wir zu spät gesehen. Wir waren fixiert auf Panda Express. Erst wollten wir dort dinieren, dann haben wir es uns aber aufs Hotelzimmer mitgenommen. Das war doch irgendwie gemütlicher.

Wenn man die Liste der Kalifornischen Städte so durchgeht, fällt vermutlich niemandem Redding ein. Die Einwohnerzahl liegt auch nur bei knapp unter 100tsd, so dass man vermutlich noch nicht von einer Großstadt sprechen darf. Aber für uns beide war es eine Rückkunft in die Zivilisation. Nach einer Woche bei den Hinterwäldlern kamen wir nun in den Genuss einer pulsierenden Universitätsstadt. Da das Wetter erstmal komplett abstürzen soll, können wir den morgigen Tag für paar Besorgungen nutzen.

Freitag, 06.03.2020

Das Zimmer war wirklich topp, auch wenn wir mal wieder die "Pförtnerloge" bekommen haben, also das erste Zimmer am Gebäudeeingang. Als abends ne ganze Jugendgruppe auf die Zimmer verteilt wurde, schwante uns schon übles, aber von denen war dann nichts mehr zu hören. Überhaupt war es herrlich ruhig im Hotel - bis auf meinen Husten jedenfalls. Erst morgens wurde es lebendiger.

Wir ließen uns nicht stressen und liefen gegen 9 erstmal zum Frühstück. Dafür unbesehen 10$ zu bezahlen, war vielleicht etwas riskant, aber wir vertrauten einfach darauf, dass es einen ähnlich guten Eindruck macht wie das ganze Hotel. - Nun ja, jetzt haben wir den Blick in den Frühstücksraum geworfen und sind wieder ins Zimmer zurückgekehrt. Wir hatten noch Bananen da...

Die Stimmung war nicht die beste. Auch wenn wir kein Fieber hatten, so waren wir durch die Husterei und Schnupferei sowas von geschwächt, dass man alles nur wie durch eine Wand wahrnahm. Hinzu kam, dass die Wetterberichte nun auch nicht gerade klare Richtungen vorgaben. Weiter südwärts brauchten wir offenbar nicht zu fahren. In Kalifornien sollte es erstmal richtig düster aussehen. Für den Norden waren sich die Wetterlügis aber auch uneinig. Aber da sah es noch am besten aus. Wir beschlossen, einfach mal nordwärts zu starten.

Aber erstmal standen paar Besorgungen an. Es ging als erstes zu Walmart, wo Yannick paar Mitbringsel organisieren wollte, während ich draußen auf dem Parkplatz die schöne Luft und die noch diffus scheinende Frühlingssonne genoss. Wenn man doch mal hätte kräftig durchatmen können, ohne gleich wieder einen Hustenreiz zu bekommen... Wir hatten aber auch zwei Dinge für die Reise mit auf die Einkaufsliste gesetzt: Erstens musste der dämlichen Erkältung nun mal mit der Chemiekeule zu Leibe gerückt werden. Dafür fand Yannick einen Zweierpack Hustensäfte, einen für tags und einen für nachts. Wenn die so gut wirken, wie sie fies schmecken, sollte uns geholfen werden können. Zweitens brauchten wir eine Kratzerpolitur fürs Auto. Die Wege am Mount Shasta bzw die Büsche an deren Rändern hatten ihre Spuren in Form zahlreicher Linien hinterlassen. Noch hofften wir, dass die meisten Linien nur Dreck waren.

Deshalb ging es nach dem Walmart-Besuch auch erstmal in die Autodusche. Schön, dass es hier auch diese praktischen Selbstreinigungsboxen gibt wie bei uns. Ok, vermutlich gab es die hier schon zehn Jahre bevor sie in Deutschland eingeführt wurden... Wir schmissen unser ganzes Kleingeld ein und konnten hinterher sehen, welche "Kratzer" abwaschbar waren und welche nicht. Nun ja, das sah schon viel besser aus, aber paar Linien waren noch da. Da würde die Politur jedenfalls zum Einsatz kommen.

Wir waren nicht weit von der Autobahn entfernt, und so ging es dann gegen 11 zügig auf dem "Cascade Wonderland Highway" aus der Stadt raus. Beim Shasta Lake kamen wir auch wieder am Ausweichbahnhof O'Brien vorbei, wo wir die Bestätigung erhielten: Dort standen die Containertragwagen noch immer. Die waren abgestellt, sind sogar auf dem Google Luftbild zu erkennen. Somit war unsere gestrige Entscheidung, nicht länger auf Nordfahrer zu warten, jedenfalls richtig gewesen. Um 12 futterten wir bei Burger King in Mount Shasta zu Mittag, dann verließen wir die Region auf demselben Weg, auf dem wir hierher gekommen waren. Es ging in Weed auf den Highway 97, und diesen nun wieder an der Flanke des Mt Shasta in die Höhe. Oben bei Bolam fuhr ich auf eine Siesta ein Stück in die Botanik hinein. Das Schläfchen nach dem Essen tat gut und weckte die Lebensgeister. Yannick hatte sich zwischenzeitlich mit der Politur an den verbliebenen Kratzern zu schaffen gemacht. Das Ergebnis vermochte zu überzeugen. Ich war positiv überrascht!

Mit einem letzten Blick zurück auf den Berg, der uns nun paar Tage in seinem Schatten beheimatet hatte, zogen wir weiter. Immer nordwärts, immer den Highway 97 entlang. Die Fahrt verlief sehr angenehm. Es war zwar gut Verkehr, aber man kam flott voran. Hierzulande wird nicht gerast, aber auch nicht unnötig gebummelt. Vor Chemult zweigten wir mal kurz ab, um uns einen Bahnübergang anzusehen. Dies war der Abschnitt, der von UP und BNSF gemeinsam genutzt wird, und wir hatten widersprüchliche Infos, wem dieser Abschnitt gehört. Am BÜ-Kasten stand UPRR. Ok, dann wussten wir das jetzt auch.

Chemult ist nicht nur ein wichtiger Amtrak-Bahnhof mit krassem Neubau-Bahnsteig, von dem direkt in den Bus nach Bend umgestiegen werden kann, sondern Chemult beherbergt auch wichtige Tankstellen. Also, für uns waren die jedenfalls heute wichtig. Sonst hätten wir nicht weiterfahren können. In Oregon darf anscheinend nicht selbst getankt werden. Die dienstbare Dame kam sofort raus und fragte nach unserem Begehr. Außerdem erfuhren wir, dass sie Schnee erwarte. Ja ja, das frühlingshafte Redding liegt weit, vor allem rund 1200 Höhenmeter, hinter uns. Abgesehen von dem Neubaubahnsteig und den Tanken beherbergt Chemult übrigens fast nix...

In Bend hatte Yannick erneut was auf dem Einkaufszettel. Es gibt da einen Laden für Bodydüfte und so'n Zeugs, und nur dieser Laden führte ein Produkt, das seine Schwester unbedingt haben wollte. Also, genau den gewünschten Duft gab es zwar auch nicht mehr, aber Yannick, der mit seiner Erkältung eh nichts mehr riechen konnte, suchte halt einen anderen aus. Erdbeer-Vanille würde ich sagen. Sowas hab ich lieber als Torte, aber die Geschmäcker sind verschieden... Interessant fand ich allerdings die Mall, zu der der Laden gehörte. Hier waren die Läden nicht um einen riesigen Großparkplatz herum gebaut worden, sondern es war ein verwinkeltes Einkaufssträßchen auf dem Gelände einer alten Fabrik errichtet worden. Das authentischste daran war, dass vor den Läden nicht genügend Parkplätze zur Verfügung standen, was einige Leute nicht hinderte, einfach auf der Straße auf das Freiwerden eines solchen zu warten...

Es war nun 17 Uhr. Wir beschlossen, dass wir noch bis zur letzten der drei aufeinander folgenden Städte Bend - Redmond - Madras fahren konnten, also nach Madras. Wir buchten ein Zimmer im "Inn at Cross Keys Station", was auch immer der Name bedeuten mochte. Um 18 Uhr trafen wir dort vor dem trutzigen Gebäude ein. Mal kein Motel style, sondern ein richtiges Hotel! Auch hier bekamen wir eine bessere Pförtnerloge mit Fenster auf den Parkplatz unmittelbar neben dem Eingang, aber das Zimmer war ansonsten ok. Na ja, vielleicht bis auf die Tatsache, dass man den Vorhang am Fenster nicht schließen konnte. Falsch! Später wurde ich gewahr, dass da noch ein dritter Vorhang war, der sich auch komplett schließen ließ. Zum Abendessen ging es - mittlerweile im Regen! - nein, nicht zum Inder für ein Chicken Madras, sondern mangels Inder zum Black Bear Diner, hier in deren siebte Filiale. Im Gegensatz zu Filiale Nr 1 in Mt Shasta City schenkte man hier keinen Alkohol aus. Schade, auf das Bierchen hatten wir uns gefreut. Das Steak tat aber jedenfalls gut. Abends konnte man zweimal Güterzüge fahren hören.

Samstag, 07.03.2020

Die Nacht war hustentechnisch etwas besser als die letzte. Da wir früh ins Bett gekommen waren, dürfte es genug Schlaf gegeben haben. Wir ließen uns Zeit und observierten gegen 8 mal das Frühstücksbuffet. Das machte gar nicht mal einen schlechten Eindruck. Es gab auch Rührei und diese helle Hackfleischsoße. Jetzt hab ich auch deren Namen: Sausage Gravy. Ein anderes Bild vom Hotel, dass einfach aufgeschrieben gehört, war das Personal: Offenbar war eine gewisse, sehr ordentliche Leibesfülle bei der Einstellung Vorraussetzung gewesen. Die beiden Herren von der Rezeption und die Aufwärterin vom Buffet wirkten in ihrer Erscheinung fast wie ein Geschwister Terzett, das reich proportioniert, aber auch unheimlich motiviert und mit guter Laune den Laden schmiss. Sehr sympatisch!

Und danach? Da ging es wieder ins Bett! Einfach nochmal eine Runde Augenpflege betreiben. Große Sonnen"gefahr" sahen wir nämlich nach den Vorhersagen für heute nicht. Gegen 10 bliesen wir dann aber wirklich zum Aufbruch. Der Highway 97 ist, wie wir von der Hinfahrt ja schon wussten, nördlich von Madras nicht mehr so voll, führt landschaftlich eindrucksvoll oft als Höhenstraße durch, nein, über die Berge und ließ sich hervorragend fahren. Was wir auf der Hinfahrt gar nicht so genau bemerkt hatten, war, dass die auf The Dalles zuführende Variante der Straße gar nicht Hwy97, sondern 197 ist. Der 97iger verläuft weiter östlich. Erst fuhren wir den bei der entsprechenden Gabelung auch rein, doch da sich hier zunehmende Aufrisse in der Bewölkung zeigten, planten wir nochmal um zu einer kleinen Siesta in der Deschutes Schlucht.


Kurz hinter der Gabelung verläuft der Highway 197 schnurgerade über die Anhöhe und eröffnet weite Blicke.

Auch wenn wir dort nicht ernsthaft mit einem Zug rechneten, so sollte man dort doch einfach herrlich entspannt sitzen können. Und man hätte ständig die Mööööglichkeit, dass vieleeeeicht doch ein Zug käme. Also fuhren wir nach dieser Entscheidung zur Gabelung zurück und dann die herrliche 197 hoch droben auf den Hügelrücken bis Maupin.


Der Blick vom 197 zur Seite fällt in das Schluchtensystem rund um den Deschutes Canyon.

Nach Maupin ging es natürlich steil abwärts. Allein der Blick von oben auf den Speicher am Bahnhof in dem engen Tal, ach wenn man hier doch mal einen Zug bekäme... Wie schon auf der Hinfahrt erwähnt, hatten wir die Info, dass es auf der Oregon Trunk Subdivision im Schnitt vielleicht drei Zugpaare gäbe, die aber zu allen Tages- und Nachtzeiten kommen konnten. Wir fuhren nun durch den Deschutes Canyon bahnparallel abwärts. Hinter jeder Krümmung schrie einen ein neues Motiv an. Erwähnte ich das schon auf der Hinfahrt? Ach egal, kann nicht häufig genug betont werden. Wir querten dann auch noch die kleine gelbe Landstraße "Sherar's Bridge Highway" und stellten uns an den Twin Bridges an den Rand. Was für ein Panorama!


Der Ausblick von unserem Pausenplatz. Wenn doch hier ein Zug käme...

Es gab bisken Nickerchen. Während der ganzen Zeit standen wir übrigens in der Sonne. Hier über dem Schluchtensystem hielten sich die Wolken ganz gut fern. Als an dem Panoramaabschnitt zu unseren Füßen das Licht allmählich zu spitz stand, konnten wir noch längst nicht von der Schlucht lassen und beschlossen, den Schotterweg noch ein Stück weiter hinein zu fahren.

Das Tal wand sich hier extremst. In einer Krümmung, in der die Schlucht talabwärts mal komplett gen Süden führte, stießen wir endlich mal auf einen Ausweichbahnhof, und zwar komplett signalisiert, wie es sein muss. Natürlich leuchtete da jetzt nichts. Als wir uns jedoch der anderen Ausfahrt näherten, sahen wir plötzlich beide Asigs in Richtung Columbia River Valley rot leuchten! Hmm, war das mal wieder irgendeine andere, abweichende Schaltung? Wir waren jetzt gespannt auf das Esig aus Richtung Columbia Tal. Und siehe da: Oben grün, unten rot! Da hatte einer Durchfahrt!

Wir hatten auch sogleich eine passable Stelle ausgemacht, wendeten das Auto und warteten einfach mal, was passieren wird. Eine halbe Stunde später. Manchmal dauert es länger, bis etwas passiert. Die Wolken nehmen wieder zu, das Licht wird spitzer. Der Fluss rauscht unentwegt. Ein Zug jedoch nicht. Vielleicht kommt ja auch bloß eine Stopfmaschine? Weitere zehn Minuten später glauben wir, Motorengebrummel zu hören. Diesmal ist es kein Flugzeug oder Pickup eines Anglers. Der Zug kommt!


Da kommt tatsächlich ein Zug um die Ecke! Der Manifest erreicht im Deschutes Canyon den Bahnhof Oakbrook.

Wir waren gedanklich natürlich auf eine Verfolgung eingestellt. Der Zug konnte doch nur langsam sein bei den ganzen Windungen? Falsch! Der war ganz schön zügig unterwegs! Auf der Schotterpiste gaben wir alles. In der Ausfahrt aus dem Ausweichbahnhof Oakbrook konnten wir den Zug ein zweites Mal nehmen.


Hinter Oakbrook hatte der Zug mal wunderbares Seitenlicht.

So groß die Freude über das Auftauchen eines Zuges hier war, so sehr wuchs auch das Bewusstsein, dass er für die vielen ins Auge springenden Hauptmotive einfach zu spät unterwegs war. Und an den wenigen Stellen, wo die Strecke so kurvte, dass der Zug gutes Seitenlicht haben konnte, musste auch noch die Sonne durch die Wolken scheinen. Das schönste Foto entstand dann sogar von der gelben Hauptstraße aus.


Sicherlich das schönste Bild der Trilogie: Der Zug passiert einige kleine Stromschnellen in der Schlucht, die Sherar's Falls.

Der Zug war gerade durch und wir wollten in den weiteren Parallelweg durch die Schlucht nach Maupin durchstarten, da näherte sich doch glatt ein Ausflüglerauto aus der anderen Richtung, das auch in die Schlucht abbiegen wollte. Und zwar ein Ausflüglerauto, das viel Zeit hatte. Und Vorfahrt! Genau diese Sachen hatten wir ja nun gerade nicht! Na ja, er ließ mich zum Glück bald vorbei. Aber es nutzte alles nichts mehr. Weder vor noch hinter Maupin ging etwas, das war alles viel Hetzerei für nichts! Später sollten Yannick und ich uns in den Haaren liegen, ob der Zug eben nun "Flasche halbvoll"(Y) oder "Flasche halbleer"(J) gewesen war. Den Hammermotiven der Schlucht wurde diese Zugfahrt um diese Uhrzeit leider nicht gerecht... Andererseits war es schon toll, hier überhaupt einen Zug erlebt zu haben (auch noch in die richtige Richtung!), und das Bild an den Sherar's Falls möchte ich nicht in der Sammlung missen...

Es war mittlerweile 15 Uhr, und wir wollten weiter. Wohin eigentlich? Na irgendwie nach Norden. Zum Wochenanfang sollte man die eheste Chance haben, weiter im Norden an der Strecke Seattle - Spokane etwas machen zu können. Da hatten wir nämlich paar Motive auf dem Zettel! Danach müsste man wieder südwärts fahren. Bis Wenatchee oder Quincy war es uns nun zu weit, aber wir konnten mal Pasco anpeilen. Warum auch hetzen? Wetter sollte erst übermorgen wieder sein. Den Deschutes Canyon verließen wir jetzt wieder über die gelbe Straße in nordöstliche Richtung. Die Ausblicke (erst runter auf das Schluchtensystem, dann droben auf der Hochfläche in die Weite) waren der Hammer, und die Wolkenkulisse eine Show. Es kam nur leider die Sonne nicht richtig raus, weshalb ich von Labis dann mal Abstand genommen habe.


Ein Labi gibt es noch vom Highway 97: Blick in Richtung Columbia Tal, vor dessen Felsen sich die Windräder gut abheben.

Bei Grass Valley erreichten wir den Highway 97, den es runter zum Columbia Valley ging. Über die Interstate kamen wir mit einem Tankstopp bei Boardman zügig ostwärts. Beim gigantischen Army-Zeuglager Umatilla bogen wir nordwärts auf die I82 ab, querten im bestialischen Abendlicht den Columbia River, überfuhren ein kleines Bergland und hatten dann erneut den Columbia River vor uns - diesmal im Häusermeer der Städte Kennewick, Pasco und Richland. Unser Hotel Clover Island Inn befand sich auf einer Flussinsel mit verschiedenen Ausflugsmöglichkeiten und gehörte noch zum Südufer - zur Stadt Kennewick.

Zum Abendessen zog es uns zu einem Inder. Das war dann fast wie in Großbritannien, wobei ich mein Saag Lamb einfach nur übersalzen fand. Oder hat die Erkältung bloß meine Geschmackssinne betäubt? Auf dem Rückweg nahmen wir in einem Supermarkt noch ein Weinchen aus einheimischer Produktion mit. Das Jungelchen an der Kasse wollte unbedingt den einzigen deutschen Satz zum besten geben, den es kannte: "Was hast du für einen geilen Hintern!" Nun ja, besser als wenn die Leute nur "Bayern München" sagen können, oder?

Sonntag, 08.03.2020

Der Blick aus dem vierten Stock unseres Inselhotels auf Clover Island fiel auf einen sonnigen Morgen. Mir fiel auf, dass die Uhrzeit meines Tablets eine andere war als die der Armbanduhr. Ist es also so weit!?! Von der 2016er-Tour wusste ich ja, dass die Zeitumstellung in den USA früher als bei uns stattfindet. Und tatsächlich: Heute hatte die Daylight Saving Time begonnen, was uns aber relativ egal war. Die spannendste Frage war höchstens, ob es nach 9 noch Frühstück gibt.

Wir hatten Glück! Am Wochenende gibt es Frühstück bis 10. Der Frühstücksraum befand sich ebenfalls im vierten Stock. Bei schöner Aussicht gab es leckere Pancakes direkt aus der Maschine, dazu eingemachte Erdbeeren und Sahne. Das war echt lecker! Ei und Cevapi-Würstchen waren ebenfalls verfügbar.

Um 10 checkten wir aus. Für heute sollte das Wetter ja gar nicht so gut werden, so dass als "Pflichtprogramm" auch nur der Hotelwechsel in Richtung Quincy oder Wenatchee geplant war. Angesichts des viel besseren realen Wetters gab es allerdings die Möglichkeit, dass man mal an die Strecke von Pasco rüber nach Spokane schauen könnte. Nil hatte dort vor vielen Jahren mal paar nette Blicke mit Speichern in weiten Kornfeldern gezeigt, das wäre mal was anderes, auch wenn wir jetzt weniger mit reifen Kornfeldern rechneten ;-) Also auf und dorthin! Über den fast zur Autobahn ausgebauten Highway 395 ging es nordostwärts aus der Stadt hinaus. Es lag nun wirklich viel Landschaft vor uns! Die weiten hügeligen Felder, mal durchschnitten von kleinen Canyons, waren schon eindrucksvoll! Cunningham gefiel uns sehr, aber wir schauten mal weiter. Ein schönes Motiv, wo sich die Bahn in Schlangenlinien den Berg hoch windet, hatte leider unter dem zweigleisigen Ausbau dieses Abschnitts gelitten. In Lind stellten wir uns einfach an den Rand. Bald kam ein J. B. Hunt Intermodal.


Der kam nicht ganz überraschend, hatten wir doch etwa parallel zu ihm Pasco verlassen: Vermutlich ein hochwertiger Z-train rollt durch den Ort Lind. Ob es sich bei der Wolke wohl um eine Federwolke handelt? ;-)

Wir warteten weiter, doch nichts passierte. Gegen 13 Uhr wechselten wir in die Hänge südlich des Ortes. Da gab es sogar die Ruine einer alten Eisenbahnbrücke. Ja, wir hatten sie mal wieder zu fassen, die "gute alte" Milwaukee Railroad, auf deren Trasse wir ja schon vorletztes Jahr in Montana immer wieder gestoßen waren. Yannick wollte was mit der Brücke probieren, ich stellte mich für die "Ortskulisse" Lind. Es war einfach schön hier. Die Vögel zwitscherten und die Luft war herrlich klar.

Trotz der zwei grundlegend verschiedenen Standpunkte erreichten wir beide ein identisches Ergebnis. Nämlich kein Bild. Das mochte daran liegen, dass wir keinen einzigen Zug mehr zu sehen bekamen. Statt dessen zog der Schlonz auf und begann das Licht zu dimmen. Nein, das mussten wir uns nun nicht antun. Mittlerweile war es 15 Uhr und die vorsichtige Frage, wie lange man noch bis zum Tagesziel fährt, durfte erlaubt sein. Wir hatten uns Quincy oder Wenatchee als Übernachtungsort ausgedacht. Da wir bei booking für Quincy keine geeignet aussehenden Unterkünfte fanden, wurde es Wenatchee. So eine richtige Stadt ist ja auch essenstechnisch immer abwechslungsreicher.

Erst auf schnurgerader Landstraße, dann auf der Interstate 90 ging es westwärts. Rund um Moses Lake fielen viele Bahnstrecken auf. Hier gibt es das verzweigte Netz der Columbia Basin Railway, von der wir allerdings nichts weiter wussten als dass sie schmucke rote Loks hat. Kurz vorm Columbiatal bogen wir rechts auf eine Landstraße nach Quincy ab. Und ab dort wiederum ging es bahnparallel westwärts weiter.

Wir kundschafteten dann auch direkt mal ein wenig für morgen. Westlich von Quincy gibt es den Crater Lake, ein ziemlich heftiges Loch im Boden mit senkrechten Felswänden. Da möchte ich nicht unten landen! Wir konnten aber zunächst nichtmal den oberen Rand dieses Kraters entdecken. Hier wird massenweise Obst angebaut, und es reihte sich eine Plantage an die andere. Nachdem wir vom Highway am Rande der Obstgärten eine Nebenstraße vergeblich hineingestochen waren, brachte uns die nächste ein Stück weiter in die gewünschte Richtung. Die Straße führte nordwärts durch die Plantagen vom Highway weg, beschrieb einen Halbkreis über eine Anhöhe mit Funkmast und verband damit einige Obstfarmen. Auch wenn man durch die Obstbaumreihen gut hügelab blicken konnte, war nichts von einem Krater zu erkennen. Auch ein Bahngleis war nicht auszumachen. Da die Zuwegungen in die Appelbäume natürlich auch alle mit unseren Lieblingsschildern verziert waren, dachten wir fast ans Aufgeben.

Doch unmittelbar vor dem allerletzten Gehöft zweigte ein exakt in die richtige Richtung führender Feldweg ab, der kein Schild abbekommen hatte und der offensichtlich die Grenze zwischen zwei Obstfarmen bildete. Dieser Weg führte durch die Äppel steil abwärts. Am Ende der Obstplantagen eine Geländekante, aber immer noch kein Krater. Durch eine Wildwuchsfläche ging es noch weiter abwärts. Da unten war nun bald der obere Rand des Kraters und dahinter das Bahngleis zu erkennen. Wir liefen einen Weg weiter runter bis an den Rand des Lochs. Ja, das war schon krass! Zufällig konnten wir gerade einen Zug zu Berge kämpfen sehen. Die Strecke steigt hier steil und mittels einer Kehrschleife aus dem Columbia Valley an. Erst sah man den Zug auf der unteren Ebene, dann war es länger still, und dann tauchte er oberhalb des Kratersees wieder auf. Der Schlonz war hier zwar fast zuende, aber eben nur fast. So war das mit der Ausleuchtung nichts.

Wir fuhren weiter und erkundeten noch ein zweites Motiv beim nächsten Weiler Trinidad. Unterhalb windet sich die Strecke durch wilde, offene Hügel aus dem Flusstal in die Höhe. Auch hier besichtigten wir verschiedene Möglichkeiten, wobei der beste Blick vielleicht der von der Hauptstraße gewesen sein mochte. (Nachtrag: Vielleicht auch nicht.)

Nunmehr im zunehmenden, herrlichen Abendlicht ging es nun an den großen Strom hinab und an diesem vor gigantischen Felsformationen, vor denen sich filigran die Reihen der Appelbaumplantagen abhoben, nordwestwärts. Unser Hotel Cedar Inn lag in East Wenatchee, also auf der anderen Flussseite. Leider führte die Hauptstraße ein Stück weiter vorm Fenster entlang, aber da mussten wir halt durch.

Ja, wir waren schon wieder im Tal des Columbia Rivers. Bekannt von Eisenbahnfotos ist der Abschnitt des Flusses, der auch Columbia River Gorge genannt wird, also rund um The Dalles. Der Fluss "durchbricht" dort quasi das Kaskadengebirge. Wenatchee liegt ca 300km Luftlinie bzw ca 400 Fluss-km weiter nördlich am Rande der Cascades. Der Fluss windet sich extrem stark durch den Bundesstaat Washington. Wir waren nun also an der Strecke Seattle - Spokane, von der wir gar nicht so genau wussten, wieviel Verkehr dort überhaupt wäre. Uns schwante schon, dass es deutlich weniger als auf der Strecke von Portland durch die Columbia Gorge ist, zumal es auch noch eine parallele Strecke von Seattle via Pasco nach Spokane gibt.

Zur Nahrungsaufnahme hatten wir auch hier einen Inder entdeckt. Der sollte es doch gern nochmal sein. Die "Inder", die den Laden schmissen, sahen aus wie Mexikaner, aber das Essen war hervorragend! Wir sollten uns den Schärfegrad auf einer Skala von 1 bis 5 aussuchen. Ich hatte zum Glück nur 2 genommen. Spätestens ab 4 hätte der Mund nicht mehr zu brennen aufgehört. Aber so war es gut; ich mag ja Scharfes. Anschließend waren wir noch bei Andersons für Getränke. Yannick fand dabei endlich die Lieblingskekse seiner Freundin, die er bisher in jedem Supermarkt gesucht und nicht gefunden hatte. "Timtam" hießen die. Joa, die waren ganz lecker...

Montag, 09.03.2020

Vor dem Fenster war der Parkplatz taghell erleuchtet gewesen. Das drang noch ganz ordentlich durch die Vorhänge. Gegen 7 liefen wir zum Frühstück. Das bot sogar mehr Auswahl als erwartet. Ein klarer Morgen lag über uns. Wir hatten zwei tolle Motive, da sahen wir zu, dass wir loskamen. In einem langen Autotross ging es wieder nach Trinidad. Erst probierten wir den Blick von der Hauptstraße an einer kleinen Sand-Abfüllstation der Straßenmeisterei direkt in den Dünen. Das überzeugte aber nun doch nicht ganz, und so ging es bis kurz vor Trinidad weiter. Dort konnten wir einen kleinen Feldweg hinein fahren, der uns in jene sandige Dünenlandschaft brachte. Hier fanden den Spuren nach auch mal Motocross Rennen statt.

Leider war es zum Hinsetzen noch bischen frisch. Aber die Morgensonne wärmte schon ganz schön. Tja, topp Panorama vor uns, Bahnstrecke mitten durch, was kann da noch fehlen? Ach ja, eine Kleinigkeit: Der Zug! Ein bespannter Kohlezug gen Osten hatte immerhin vorhin in Wenatchee im Bahnhof gestanden. Der konnte zwar auch sonstwann fahren, aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Nach über einer Stunde kam ein nur halb beladener Stacktrain abwärts gefahren.

Wir bauten im Sand unsere Passstraße weiter. Dabei hatten wir bei der Zufahrt zum neuen Basistunnel massiv mit Sandeinbruch zu kämpfen - insbesondere nachdem Yannick meinte, dass die oberhalb gelegene alte Passstraße ihn tragen könnte. Nachdem wir zwei Stunden gewartet hatten, kam dann doch die Erlösung: Der Kohlezug kam um die Ecke gefahren!


Ein langer, aber leerer Kohlezug arbeitet sich unterhalb von Trinidad aus dem Columbia Tal in die Höhe. In den Höhen der Cascades liegt noch etwas Schnee auf den Bergen.

Dem fuhren wir mal direkt voraus zu unserem zweiten Motiv am Kratersee. Dort stand das Licht noch ein wenig spitz, so dass wir uns entschieden, wieder nach Trinidad in die Sanddünen zurück zu fahren. Wir hatten dabei zum Glück das Stück auf der Nebenstraße durch die Obstgärten und ohne Bahnsicht gerade hinter uns und fuhren auf dem Highway zu Tale, da tauchte vor uns doch glatt der nächste Zug auf, ein kurzer Zug, der Local nach Quincy! Wir schnell gedreht und zurück zum Kratersee. Dort klappte der Zug mit seinen älteren Loks in spitzerer Perspektive hervorragend!


Der Local kommt! Er wird von einer GP38-2 und einer GP35u an der Steilwand oberhalb des Kratersees entlang geführt.

Wir blieben nun am Kratersee. Man konnte sich oberhalb des Abgrundes frei bewegen. Da wir von unten genügend Vorwarnung hätten, setzten wir uns an einen Ausblick für Westfahrer, die keine wirkliche Vorwarnzeit hätten. Hier ließ es sich definitiv aushalten, das war mal wieder Urlaub! Es wurde warm genug, dass man sich im Gras ausstrecken konnte. So ganz unkonzentriert durfte man allerdings nicht sein, denn Westfahrer wären plötzlich da! Dass es sich gut aushalten ließ, war auch ganz schön, denn zu tun bekamen wir erstmal nicht. Immerhin konnte man noch mit dem zurückkehrenden Local rechnen. Der war es dann auch, der die zweieinviertelstündige Zugpause beendete.


Der Local kehrt aus Quincy zurück, diesmal mit dem Kratersee im Bild. Interessant ist der Wasserfall hinten, der nach und nach in den Steinen versickert.

Irritierenderweise kam dann noch ein Hi-Railer auf singenden Schienen hinterher. Das erwies sich allerdings nicht als schlechtes Zeichen, denn offenbar gingen sowohl der Local als auch der Hi-Railer in Trinidad an die Kante. Ich hatte gerade eine neue Westfahrerperspektive für gut befunden und mich zum Reiseberichtschreiben herniedergelassen, da dröhnte es unverkennbar von unten! Prima, ein Kesselwagenzug. Dafür unterbricht man den Reisebericht doch gerne! Es war noch Zeit genug, den ganzen Kraterrand wieder zurück zu laufen, um die Ostfahrerperspektive einzunehmen. Doch was war das? Plötzlich waberten Schatten durchs Bild! Da hatten sich nach bisheriger absoluter Wolkenfreiheit klitzekleine Küddelwölkchen rangeschlichen und meinten ihr Spiel mit uns treiben zu können! Zum Glück war der Bildausschnitt beim Hauptschuss schattenfrei.


Und damit hatten wir hier auch noch unsere Haupt-Wunschperspektive in den Kasten bekommen: Ein aufwärts fahrender Kesselwagenzug hat erst das Tal unten links einmal ausgefahren und taucht nun über dem Kratersee auf.


Und nochmal aus erhöhter Perspektive von der Propellerkamera, bei der nochmal der versiechende Wasserfall mit im Bild ist.

Sauber, nun hatten wir eigentlich alles. Da es hier aber so schön war, verabredeten wir, nochmal für eine Stunde zu warten, so dass man vielleicht noch eine andere Perspektive hinbekommt. Die Küddelwölkchen waren genau so schnell verschwunden, wie sie gekommen waren. Wir setzten uns wieder an unsere Positionen. Kurz nach 15 Uhr war dann aber doch der Drive da, mal was anderes zu sehen. Wir liefen zum Auto zurück und fuhren nach Trinidad. Von hier starteten wir einen kleinen Erkundungsritt in das Tal hinein, das die Bahn zur Höhengewinnung einmal komplett ausfährt. Dort konnte man was machen (zumal auf jeden Hügel am Gleis ein Fahrweg hochführte...), man musste dort aber nichts machen.

Daher versuchten wir nochmal zwischen Trinidad und Wenatchee was zu finden. Das Abendlicht zauberte wieder tolle Stimmungen, aber wir fanden nichts, was a) sofort umsetzbar gewesen wäre und wo man b) schön hätte warten können. Wir wussten ja nichtmal, ob überhaupt was kommt. Als wir so zum Kundschaften die Spanish Castle Road mal runter an Bahn und Wasser gefahren waren, "stolperten" wir förmlich über ein grünes Signal! Die Spitzenlichter waren auch schon in der Ferne zu sehen. Hier ging aber genau gar nichts.


Obstgärten an der Spanish Castle Road.

Deshalb fuhren wir schnell voraus zu unserem Sanddünenhang von heute Morgen. Da wir aber glaubten, zu wenig Zeit zu haben, hielten wir an der Hauptstraße an der kleinen Sand-Abfüllanlage der Straßenmeisterei, wobei wir brav vorm ersten No Trespassing Schild parkten. Von dort enterten wir die Dünen. So im Gegen- bzw Streiflicht sah der Abschnitt wunderbar plastisch aus. Nur der Zug hätte gern länger gewesen sein dürfen...


Nochmal das Steigungsstück unterhalb von Trinidad, das im Gegen- bzw Streiflicht auch nicht schlecht kommt.

Wir schauten dann mal um die Ecke nach Trinidad, ob der Zug vielleicht Kreuzung bekäme. Bekam er tatsächlich! Mit dem entgegen kommenden Stacktrain konnten wir leider nichts so rechtes anfangen. Aber den weiterfahrenden Manifest bekamen wir im Seitental nochmal hervorragend nach Durchfahren der Kehre.


Der Manifest in der Talausfahrung oberhalb von Trinidad. Wäre er normal lang gewesen, hätte man wohl die hinteren Wagen unten auf dem dunklen Damm sehen können.

Danach postierten wir uns für mögliche weitere Abwärtsfahrer nochmal auf einer Anhöhe bei Trinidad. Lange würde die Sonne hier ohnehin nicht mehr herkommen. Kam sie auch nicht. Mit einem Labi von Trinidad aus ließen wir den Fototag ausklingen.


Blick von unten hoch zum Kraterrand. Oben auf der jetzt verschatteten Fläche hatten wir uns heute für paar Stunden aufgehalten.


Der Columbia River wieder mal... Diesmal bei Trinidad. Hier beginnt ein Abschnitt ganz ohne Verkehrswege rechts und links.

Zurück in Wenatchee ging es erstmal tanken. Heute hätten wir uns den Inder verdient gehabt. Aber der von gestern hatte heute leider Ruhetag. Somit haben wir uns auf Arbys verständigt. Da waren wir in diesem Urlaub noch gar nicht. Anschließend ging es noch zum Supermarkt und dann wieder ins Cedars Inn Hotel, aus dem wir heute Morgen ausgecheckt hatten. Wir bekamen wieder dasselbe Zimmer mit der hellen Lampe direkt vorm Fenster... Mit der heutigen Ausbeute waren wir nicht unzufrieden. Es war zwar nicht viel Verkehr, aber wir haben alle gewünschten Motive und Ausblicke umsetzen können, was will man mehr?

Dienstag, 10.03.2020

Heute konnten wir etwas länger schlafen. Wie angekündigt waren nun fette Wolken aufgezogen. Beim Aufstehen um 8 Uhr sah ich gerade drüben auf der anderen Flussseite den ostfahrenden Containerzug vorüber fahren. Den hätten wir gestern natürlich gern bei Trinidad in den Sanddünen gehabt. Aber entweder fährt der montags nicht oder der war noch früher dran. Wir liefen zum Frühstück, doch das war auch etwas ernüchternd, da der Frühstücksraum gerade wegen Bauarbeiten gesperrt war und man die Tische in die zugige Hotelhalle gestellt hatte, wo haufenweise Leute um einen herumwieselten.

Gegen 10 fuhren wir los. Wettertechnisch sah es so aus, als ob man die restliche Zeit am besten am Columbia River in der Gorge rund um The Dalles "aussitzen" würde. Im unwahrscheinlichen Fall einer Übersättigung würde das Wetter vielleicht nochmal einen Versuch am Oregon Trunk zulassen. Aber ob man sich das nochmal antun wollte? Denn ganz ehrlich: Nachdem wir jetzt auf schwächer befahrenen Strecken doch bischen was hinbekommen hatten, würde uns der stärkere Verkehr unten bei The Dalles vielleicht mal ganz gut gefallen - auch wenn man dort dann kein Neuland mehr betritt. Ja, "stärkerer Verkehr"... Bei dem Gedanken wussten wir ja noch nicht, was wir drei Tage später wussten... Jedenfalls stand die Richtung fest. Über Trinidad und Quincy ging es runter an die Interstate 90, der wir in südwestlicher Richtung folgten. Dabei gab es noch vor Querung des Columbia River einen tollen Rastplatz, von dem aus man das Stück des Tals überblicken konnte, durch das gar keine Verkehrswege führen.


Und dies ist das südliche Ende des Bereiches ohne Verkehrswege im Columbia Valley. Wir nehmen nun einen rund 100km kürzeren Weg nach The Dalles über die Berge, während der Fluss noch den Durchbruch suchen muss...

Auf der anderen Seite des Flusses ging es bald wieder steil in die kahlen Höhen hinauf. Bald näherte sich auf der Karte von links eine grün eingezeichnete Linie. Was konnte das denn sein? Als das "Etwas" mittels hoher Trestelbrücke über uns rüber geführt wurde, war uns klar, was das war. Wieder mal waren wir auf die verblichene "Milwaukee Railroad" gestoßen, auf der hier ein "Trail", also ein Wanderweg, verläuft.

Bei Ellensburg bogen wir ab in Richtung Yakima. Das war nun die identische Route zu unserer Hinfahrt am Anreisetag. So ging es auch weiter: Über den Highway 97 gelangten wir durch wildes, einsames Indianer Territorium südwärts. In der Ferne sah man die schneeweißen Vulkangipfel vom Mt Rainier (mit 4392m der höchste Gipfel der Cascades über dem Meer) und vom Mount St Helens, der auch in jüngerer Zeit (2004/2005) mal gespuckt hat. - Auch wenn im Indianerreservat beiderseits der Straße alle einmündenden Wege verboten waren, nutzten wir solch eine Wegeinmündung für ein wenig Powernapping. "Erfrischt" ging es nach 20 Minuten weiter. Die Yakima Indianer haben uns in Ruhe gelassen. Nicht, dass wir der Autovermietung noch hätten erklären müssen, warum Pfeile in den Reifen stecken...

Zur späten Mittagszeit trafen wir in The Dalles ein, wo wir erstmal bei Burger King vorsprachen. Wir hatten jetzt aber auch wirklich gut Hunger! Wir nahmen uns das Essen mit raus zu unserem kleinen Rastplatz von unserem ersten Aufenthalt hier. Obwohl wir auf der Fahrt massives Blau am Himmel vor uns gehabt hatten, war doch ein Teil der Wolkenfelder mit uns mitgezogen, so dass die Motivation zu Eisenbahnfotos nicht gar so hoch war.


Yannick war mal wieder mit der Drohne spazierengeflogen. Soeben hatte er die Landeerlaubnis eingeholt, das Fluginstrument hat die Räder ausgefahren und wird sicher von Yannick aus dem Auto zu Boden gesteuert, während ich die Landung interessiert vom Parkplatz aus verfolge.

So verdödelten wir also zwei Stunden, in denen allerdings auch nur ein Zug durchkam. Als er sich näherte, sah es nach null Sonnenchance aus. Als er da war, war Sonne. Das hätte man mal wissen sollen. Ich hab ihn mir nur angeschaut. Ein Grund für meine fehlende Motivation war auch, dass wir hier den "Hauptblick" letzte Woche bereits hinbekommen hatten. Um 16:15 ging es ins Auto, denn nun sollte ein Hauptmotiv an der Reihe sein, das wir letzte Woche nicht umsetzen konnten. Aber erstmal passierten wir den Bahnhof Lyle, und der hatte für den nächsten Westfahrer grün signalisiert. Wir versuchten was über die Kurve rüber bzw Yannick mit der Drohne.


Ein voller Kohlezug nähert sich Lyle von Osten.

Dann ging es aber endgültig zu unserem Abendmotiv im Horsethief Statepark. Dass der Park offiziell noch geschlossen war wegen "keine Saison" hatten wir ja letztes Mal schon gesehen. Daran hatte auch die Sommerzeitumstellung nichts geändert. Bis zur Rangerhütte konnte man noch reinfahren, dann kam ein verschlossener Baum. Davor parkten wir das Auto und liefen zu Fuß hinein. Das war wunderschön im herrlich klaren Abendlicht. Ab 17 Uhr entwickelte sich das Seitenlicht so langsam. Wir konnten uns auf einen Felsen an der Bahn setzen und die Stimmung genießen. Leider war aber auch der Zugverkehr plötzlich wie abgerissen. Ich musste das jetzt schreiben, dann kommt meistens was. Diesmal klappte es mit etwas Verzug. Leider war das Motiv gerade in Wolke, als der Intermodal hinten auftauchte. Als er bei uns war, war die Beleuchtung aber schon wieder gut da. Blöd war nur, dass ausgerechnet die fotogenen Motivfelsen im Hintergrund noch im Schatten lagen.


Ein Stacktrain rollt durch den Horsethief Lake westwärts. Oben links zeigen sich Pfannkuchenwolken ;-)

Erfreulicherweise mussten wir gar nicht so lange warten, da tauchte hinten der nächste Zug auf. Das konnte noch mit der Sonne klappen - zumindest auf dem hinteren Teil des Dammes. So dachten wir, bis wir merkten, dass der Zug steht. Die hatten ihn schon für den Amtrak in Avery an die Seite genommen. Tja, damit durften wir aus DER Richtung heute nichts mehr bei Sonne erwarten. Yannick schickte schnell seine Drohne ans andere Seeufer, um den Amtrak mit dem umgekehrten Blick zu machen.


Weitere Pancake Clouds, oder Lenticular Clouds, wie sie richtig heißen, über dem Columbia Fluss.


Man könnte denken, der Mount Hood schmökt gerade vor sich hin. Aber das waren nur herkömmliche Wolken, die den Berg umgaben.

Danach ging es ins Hotel. Wir hatten uns wieder für das Cousins Country Inn entschieden. Im Restaurant fand heute ein Happening statt. Großen Hunger hatten wir ohnehin nicht, so dass es vielleicht noch ne Kleinigkeit bei Denny's würde sein dürfen. Den Plan setzten wir nach einer halben Stunde der Regeneration dann auch um. Für mich gab es einen Salat mit gegrilltem Lachs und dazu den leckeren Banana Milkshake. Kurioserweise gab es davon ein großes Glas voll und dann nochmal einen ganzen Metallkelch voll. Wo Kalorien eingespart werden (Salat) müssen halt anderweitig sofort Kalorien nachgeführt werden...

Mittwoch, 11.03.2020

Auch wenn der Vormittag heute nicht so toll werden sollte, wachten wir doch bei Sonnenschein auf. Allerdings wirkte das alles noch ziemlich schlonzig, zumindest zum Anfang. So ließen wir uns Zeit. Als wir vor die Bude traten, deren Parkplatz übrigens voll mit Trucks und Hi-Railern der beiden großen Bahngesellschaften stand, war der Himmel immerhin so "sauber", dass wir das geplante Frühstück bei Denny's bleiben ließen und uns für Mägges to go entschieden. Hier konnten wir immerhin in Ruhe am Bestellautomaten auswählen; das war doch schon mal was.

Letztendlich brauchten die für die Zubereitung unseres Frühstücks so lange, wie wir bei Denny's vermutlich für die gesamte Inhalation der Mahlzeit benötigt hätten (leicht übertrieben), aber was solls. Wir nahmen das Zeug mit zu unserem Frühstücksparkplatz. Es stürmte gewaltig, auf dem Columbia River hatten sich Schaumkronen gebildet. Nach einem Nachschuss gingen immerhin noch zwei Vorschüsse, wobei sich zum zweiten das Licht schon wieder hinter irgendwelchen Schlonz verpieselt hatte.


Bei bewegtem Wasser strebt ein Getreidezug westwärts.


Wie so oft ist der Müllzug wieder die Rettung für morgendliche Ostfahrermotive, erst noch weit hinten,...


... dann bei uns auf der Showbüne in der Einfahrt von Avery.

Gegen 11 war es so weit, dass wir den Blick von "unserem" Rastplatz bei Lyle für Ostfahrer umsetzen konnten. Wir machten rüber und konnten zum Glück auch dort im Auto sitzen bleiben. Der Aufenthalt im Sturm wäre heute keine Freude gewesen. Unterwegs war uns eine Demo entgegen gekommen. Ja, dort völlig in der Pampa, abseits jeder Bebauung, kamen uns etwa zwanzig bunt gekleidete Leute mit quietschbunten Plakaten entgegen. Auf dem ersten stand "slow down", auf dem letzten "thank you" und dazwischen, wenn wir das so richtig verstanden haben, "free Salmon", befreit die Lachse. Ja, das ist auch wichtig! Auch wenn ich dann bei Denny's sicher nicht länger für nur 4 Dollars more ein Stück Lachs zum Salat bekomme... Die Demo fand übrigens nicht mit finsteren Gesichtern statt, sondern man winkte mit den quietschbunten Plakaten fröhlich tänzelnd den Autos entgegen. Eine lustige Truppe!

An "unserem" Parkplatz bei Lyle war zunächst mal ein gepflegtes Nickerchen drin. Das lag nicht nur an der fehlenden Aktivität auf der Schiene, sondern auch an der riesigen Schlonzglocke, die erstmal abrücken musste. Dann ging immerhin bald ein Westfahrer mit richtigrummer Schlusslok.


Die schöne Vormittagsperspektive vom Parkplatz Chamberlain Lake Rest Area geht nun immerhin als Nachschuss.

Aber wir blieben dort voller Hoffnung auf einen Ostfahrer. Diese Hoffnung sollte sich nun aber gar nicht erfüllen. Die nächste Stunde blieb ohne Zugannäherung. Oder um es genau zu nehmen, hatten wir einen weiteren Zug von hinten gar nicht mitbekommen. Den sahen wir erst weit von hinten wegfahren. Allmählich war das Licht auch rum. Schade. Da wir zunächst nichts Ernsthaftes mehr auf dem Zettel hatten, beschlossen wir mal, die andere Flussseite aufzusuchen. Da lockten die Seedämme, die Yannick letzte Woche ja schon staatsgrenzüberschreitend mit seiner Drohne "genommen" hatte.

Mit einem Verköstigungsaufenthalt für Mensch und Pferd in The Dalles ging es nun zu der Raststätte. Den geeigneten Standpunkt zu finden, war nun nicht so einfach wie erhofft, aber auch nicht unkomfortabel schwierig. Man konnte an der Einfahrt der Raststätte einen kleinen Weg abwärts wandern und gelangte zu einem hübschen Aussichtsfelsen. Zwar waren einige Bäume im Vordergrund schon arg hoch, aber der Ausblick war (gerade jetzt zur kahlen Jahreszeit) noch umsetzbar. Leider wurden wir nur von hinten bedient. Aber der dritte Zug hatte immerhin zwei richtigrum stehende Schlussloks, die uns das Motiv quasi vollwertig nehmen ließen.


Auf der UP rollt es - von hinten. Wobei das Motiv auch klasse ist und die dunkle Front mich so seitlich nicht wirklich stört.


Noch etwas seitlicher. Wir stehen auf den Felsen von Memaloose zwischen den Ausweichbahnhöfen Mosier und Rowena. So bekommen wir doch noch mehr Aufnahmen in Oregon hin.


Blick von Memaloose ostwärts; auch die Container auf diesem Zug wirkten ungewöhnlich. Noch ein Müllzug?

Wir warteten noch ne weitere Dreiviertelstunde, doch es tat sich nichts mehr. Um 16.15 wollten wir im Auto sein, um nochmal zum Horsethief Statepark zu fahren. Jetzt begann der völlig verkorkste Teil des Tages. Nicht, dass wir bisher schon sonderlich erfolgreich gewesen wären, aber immerhin waren ja paar Nachschüsse gegangen. Wir verließen also die Raststätte westwärts (ging ja nicht anders) und hatten gerade an der nächsten Ausfahrt gewendet, da kamen sowohl auf UP- als auch auf BNSF-Seite Westfahrer angefahren. Das war ja mit unserem Verschwinden mal wieder topp abgepasst worden!

Aber es kam noch besser, als wir den Horsethief State Park erreicht hatten! Ein Westfahrer kam auf der BNSF, als wir gerade zu Fuß von der Wegschranke ins Motiv liefen. Danach war gar nichts mehr! Wir hatten zielgerichtet die zwei Westfahrer des Abends für unseren Stellungswechsel genutzt! Drüben auf der UP fing es hingegen derartig zu rollen an, dass sich die Züge vor The Dalles nur so stauten. Und als wir dachten, da ist doch jetzt Stau, jetzt kann da wenigstens auch nichts mehr kommen, da kam natürlich noch ein Zug und zog im Gegengleis an allem vorbei. Und wir saßen da im besten Abendlicht und hatten nichts vor der Linse. Wieder mal riiiiichtig topp gelaufen heute! Eine halbe Stunde vorm Amtrak liefen wir zum Auto zurück und fuhren um den Horsethief Lake herum zum Horsethief Butte, so dass wir aus der anderen Richtung auf den Seedamm blicken konnten. Natürlich war die Sonne jetzt auch noch in ein Geflecht horizontnaher Wolken eingesunken, aber als der Zug kam, gab es nochmal brauchbares Licht, so dass der Amtrak schön leuchtete.


Der Amtrak Zug 28 "Empire Builder" rollt über den Damm zwischen Horsethief Lake und dem Columbia River. Der Zug ist so kurz, weil er nur die Wagen von Portland führt. Der Rest aus Seattle kommt erst in Spokane dazu.

Na ja, aus dem Bild würde man wohl etwas machen können. Vielleicht nicht "zufrieden", aber doch "etwas versöhnt" mit dem Abend ging es zurück nach The Dalles. Hier verlängerten wir um eine Nacht bis Freitag Morgen, da der morgige Donnerstag der schönste Tag werden sollte und wir bislang ja nicht sooo viel umgesetzt bekommen hatten.

Auf Spiegel Online wurde jetzt verkündet, dass die USA sich wegen Corona ab Freitag für Besucher aus Europa verschließt. Das hab ich auch noch nicht gehabt, dass ich in einem Land bin, in das keine weiteren Deutschen bzw Europäer mehr reingelassen werden. Und mit unserem Flug konnte es mächtig spannend werden. Würde Lufthansa am Sonntag überhaupt mit einem halbleeren Flieger nach Seattle kommen? Dürften die Lufthansa-Personale überhaupt hier ins Hotel? Wir sind gespannt, wann wir eine Email von Lufthansa bekommen...

Das Steak im Cousin's Country Inn ließen wir uns aber doch gut schmecken. Und diesmal kam es unserem bisherigen Spitzensteak des letzten Jahres in Evanston, Wyoming gefäääährlich nahe. Es war klasse, sowohl das T-Bone Steak (Y) als auch mein Rumpsteak.

Donnerstag, 12.03.2020

Wie angekündigt wachten wir bei blauem Himmel auf. Lediglich ein wenig Morgendunst stand am Himmel. Wir hatten einen Plan: Frühstück bei Mägges rausholen und dann in die Felsen bei Maryhill fahren. So waren wir bereits zum Sonnenaufgang unterwegs in Richtung Osten. Bei der Vorbeifahrt in Wishram stand mindestens ein Zug mit Spitzenlicht im Osten im Bahnhof. Das ließ darauf hoffen, dass wir zu tun bekämen. Hier in Wishram zweigt die Oregon Trunk Subdivision nach Süden ab, quert den Bach auf einer Hubbrücke und verschwindet dann aufwärts steigend im Descutes Canyon. Aber die Hubbrücke war hochgezogen; da war wohl erstmal kein Verkehr zu erwarten. Als wir in Maryhill ankamen, kreuzten gerade zwei Züge. Den Ostfahrer noch einzuholen rechneten wir uns keine Chance aus. Wir fuhren wie geplant westwärts den Bahnparallelweg rein. Von einem Felsen aus konnten wir den Westfahrer immerhin beidseitig verarzten, denn er hatte auch hinten zwei Loks dran.


Ein Getreidezug in Richtung Westen hat den Bahnhof Marryhill verlassen und rollt auf Wishram zu.


Dabei passiert er eine Obstplantage, die zu blühen angefangen hat.

Dann ging es aber erstmal weiter den Weg hinein. Bald entdeckten wir einen richtig tollen Felsen. Super! Wir hofften auf eine Abfahrt in Wishram, sobald der Zug von eben dort wäre. Aber das war natürlich wieder viiiiiel zu pragmatisch gedacht. Irgendwann glaubten wir das laut arbeitende Motorengeräusch von Dieselloks zu hören. Das war so deutlich, dass wir schon zu den Kameras griffen. Lange vernahmen wir nun nichts mehr. Dann sahen wir drüben am anderen Ufer in der Ferne tatsächlich einen Zug. Aber nicht auf der UP Uferbahn, sondern auf dem Oregon Trunk! Da bog ein Zug in den Deschutes Canyon ein. Es ist nicht zu fassen. Wir versuchten uns noch einzureden, dass der für die ganzen tollen Motive in der Schlucht zu früh wäre. Allein geglaubt haben wir es wohl beide nicht. Das war der Zug, den man dort gebraucht hätte! Wir wurden hingegen erstmal mit dem nächsten Zug von hinten beglückt...

Und dann kam irgendwann noch einer von hinten, ach, es nervt. Immerhin wurde uns jetzt nicht drüben auf der UP vorgeführt, wie Verkehr geht. Da fuhr auch nichts... Die Zeit verrann. Auch von hinten kam nichts mehr. Insofern hätte schon längst ein Ostfahrer ab Wishram kommen können, wenn denn einer gewollt hätte. Aber so lief es genau so weiter wie gestern: Der letzte Ostfahrer verschwand, als wir bei Marryhill ankamen. Und nun herrschte Ruhe. Immerhin konnten wir noch auf den Müllzug hoffen. Der tauchte dann auch irgendwann auf.


Und wieder ist (als einzigem) auf den Müllzug Verlass. Er begegnet uns zwischen Wishram und Marryhill. Aus der Ferne schaut der Mt Hood zu.

Man hätte aber so viel mehr Züge auf diesem Abschnitt gebraucht... Als nächstes bezogen wir einen Felsen mit herrlichem Mt Hood Blick und einer blühenden Obstplantage davor. Auch hier bräuchten wir bitte einen Zug! Der Müllzug war hinter uns in Marryhill an die Seite gegangen. Also kam wohl mal wieder erstmal was von hinten. So war es auch. Letztendlich kamen drei Züge von hinten. Alle drei hatten Schubloks, ein Kesselwagenzug sogar zwei. Aber alle Schubloks standen falschrum. Schönen Dank auch.


Hier gingen nur Nachschüsse mit falsch stehenden Loks. Wir waren zunehmend enttäuscht!

Vor den letzten beiden Zügen hatte Yannick schon vorgeschlagen, sich mit Blick auf die Signale in Marryhill zu postieren, um ggf schnell zum Horsethief Lake vorfahren zu können. Keine Ahnung, ob die Rechnung aufgegangen wäre bzw ob man im Falle eines gewünschten Ostfahrers schnell genug wieder auf unserem Felsen gewesen wäre. Als wir nach dem dritten Westfahrer doch mal zu den Signalen gefahren waren, war das Esig nicht erkennbar und von den Asigs Richtung Westen zeigte eines orange und das andere war aus. Auch irgendwie nichts wirklich eindeutiges...

Wir beschlossen, mal zum Horsethief Lake rum zu fahren. Unterwegs trafen wir auf einsamer Landstraße wieder das fröhlich-bunte Demonstranten-Grüppchen. Jetzt konnten wir es genauer erkennen: Sie beschäftigten sich nicht allein mit der Lachs-Rettung, sondern waren gegen ein neues Staudamm-Projekt. Bleibt nur die Frage, wo man bei den vielen Dämmen überhaupt noch einen dazwischen quetschen will. Am Horsethief State Park trafen wir mit dem Auto oben an der Schranke etwa zeitgleich mit dem letzten Güterzug von eben ein. Das wurde nichts mehr. Und nun? Wir setzten uns einfach mal auf die Felsen. Nach den Gesetzmäßigkeiten der letzten Zeit müsste nun ja erstmal Schluss sein mit Verkehr. Haha, nein, es ging natürlich noch viiiiiel besser. Jetzt, wo wir angesichts der auch an den anderen Tagen beobachteten deutlichen Übermacht der Westfahrer ein Westfahrermotiv aufgesucht hatten, kam natürlich ein Ostfahrer! Soll ich jetzt aufzählen, an welchen Motiven man den überall gut hätte machen können? Hier jedenfalls nicht! Es war nicht zu fassen! Immerhin beehrte uns dann doch noch ein Westfahrer, so dass wir an den Horsethief zu Mittag einen Haken setzen konnten.


Ein Kesselwagenzug rollt über den Damm zwischen Horsethief Lake und Columbia River. Der Felsen hinter dem See ist der Horsethief Butte, der auch zum State Park gehört.


Die Drohne ist dem Zug ein Stück entgegen geflogen. Wenn es schon nur so wenige Züge gibt, macht man so wenigstens ein Motiv mehr mit einem Zug.

Halbwegs erleichtert besorgten wir uns nun in The Dalles bischen was zu Mittag (ja ja, wieder Mägges, lag halt am praktischsten...). Nun war die Frage, welchen Rastplatz wir aufsuchen wollen, den bei Lyle an der BNSF oder den vom Memaloose State Park gegenüber an der UP. Wir waren schon über die Brücke nach Washington eingereist, da kam uns die Idee, dass man ja vom Oregonesischen Rastplatz (also Memaloose) auf der anderen Flussseite beide Strecken umsetzen können müsste. Gestern war halt bloß auf der BNSF nichts gekommen, aber jetzt war was im Zulauf, das hatten wir gesehen. Ein Westfahrer stand in Dallesport zur Kreuzung drin. Und in Lyle stand noch unser Kesselwagenzug von vorhin. Der Gegenzug kam gerade, immerhin schon der vierte gesehene Ostfahrer heute!

Mittlerweile hatte Lufthansa angekündigt, ab Samstag nur noch Frankfurt - Chicago und Frankfurt - New York fliegen zu wollen. Alles weitere dann mit Anschlussflügen. Auch wenn wir damit gerechnet hatten, musste man doch jetzt die Frage stellen, wie Lufthansa mit so wenigen Flügen noch alle Heimreisewilligen weg bekommen möchte... Wir waren einmal mehr gespannt auf die Email von Lufthansa, wohin man uns umgebucht hat.

An der Raststätte von Memaloose setzten wir uns auf den Fotofelsen, verputzten unseren Mittagssnack (sollte nicht zu viel sein, man wollte abends ja auch noch Hunger haben *g*) und warteten mal auf das, was kommen mochte. Die UP hatte sich bislang als völlig tot erwiesen; wir hatten heute erst zwei Züge und gegenüber von Maryhill einen kleinen Local beim Rangieren beobachtet. Am Ende konnten wir von unserem Felsen tatsächlich nicht mehr beobachten als die beiden BNSF-Züge drüben. Aber gut, auf der UP hatten wir ja gestern nen schönen Nachschuss mit zwei Schlussloks hinbekommen...


Der bereits bekannte Kesselwagenzug rollt durch die Felsen westlich von Lyle; "unser" Rastplatz drüben ist links oben drüber zu sehen.

Um 16 Uhr saßen wir im Auto, damit wir pünktlich zu "Licht rum" am Horsethief Lake eintreffen. Der Müllzug war uns unterwegs natürlich schon entgegen gekommen, aber den anderen Containerzug, der die letzten Tage immer kam, hatten wir noch nicht gesehen. Tja, und so genossen wir wieder dieses herrliche Fleckchen Erde und warteten einfach mal. Hatte jetzt jemand erwartet, dass die Züge nur so an uns vorüber strömen? Nein. Mittlerweile genießen wir den Abend schon wieder eine Stunde lang, doch nichts passierte... Dann passierten zwei Dinge gleichzeitig: Otti, der kleine Otter, tauchte auf und schaute uns ganz neugierig an. Und in der Ferne tauchte ein Zug auf! So ging das doch noch gut aus hier!


Nachdem Otti der Otter gerade in einer der beiden Plastikröhren verschwunden ist und damit sicher die Bahnstrecke unterquert, tauchte für uns immerhin noch dieser Getreidezug auf, dessen zweite Lok zu unserer Freude noch die letzte Farbgebung der Burlington Northern trug.


Auch hier ermöglicht die Drohne schlichtweg ein zweites Motiv, das man ähnlich auch von den Felsen machen könnte. Wobei die Felsen mit "No Trespassing" gekennzeichnet waren, teilweise begründet mit Klapperschlangen.

Zu viele Züge sollten es aber nicht werden. Nicht, dass man noch ne Variationsmöglichkeit gehabt hätte. Der Intermodal, der die letzten Tage immer gekommen war, blieb heute irgendwie aus. Rechtzeitig zum Amtrak liefen wir wieder zum Auto zurück, fuhren rum zum Horsethief Butte, stellten uns auf den einzigen kostenlosen 15min-Parkplatz (alles andere hätte 10$ Tagesticket gekostet) und liefen den Weg rein. Mittlerweile hatte sich hinten in Avery auch der Intermodal zur Kreuzung mit dem Amtrak eingefunden, aber wir wussten: Nach dem Amtrak geht definitiv nichts mehr mit Sonne. Der "Empire Builder" hatte heute topp Licht - deutlich besser als gestern. So hatte zumindest jetzt noch bischen was geklappt...


Nochmal der "Empire Builder" an identischer Stelle zu gestern. Das stärkere Licht ermöglicht aber doch noch schönere Kontraste.

Zurück am Parkplatz stand noch ein weiteres Auto da: Der Sheriff! Ob er wohl kontrolliert hat, ob wir die 15min Standzeit einhielten? Getan hat er uns nichts; vermutlich brauchte er nur einen Parkplatz zum verpieseln... - Zum Abendessen ging es heute mal zum Chinesen. Corona gab es da auch. Haben aber statt dessen doch Budweiser genommen. Und das Essen: Ich war der Meinung, ich hätte extra drauf geachtet, kein paniertes Hähnchenzeugs zu nehmen. "Hähnchen mit Sesam und Brokkoli in einer Spezialsauße" klang nicht ganz verkehrt. Es waren dann aber doch Hähnchen im Teigmantel. Und die Sauße war was furchtbar Süßes und Dickflüssiges. Das heftigste war aber die Menge. Yannick hatte mit seinen unpanierten Hähnchenstücken an Bohnen eindeutig die bessere Wahl getroffen. Er willigte sogar in einen vorübergehenden Tausch ein. Aber von meinem Essen ging trotzdem über die Hälfte zurück, was mir doch einen sehr irritierten Blick der Kellnerin einbrachte. Der grüne Tee, der ungefragt gereicht wurde, war aber wahnsinnig gut!


Mein Berg von Hähnchennuggets an klebrig dicker, süßer Spezialsauße und sechs Alibi-Brokkoliröschen.


Yannicks Huhn an Bohnen sah dann schon essbarer aus...

Der aktuellen Wettervorhersage nach zu urteilen, hatten wir heute unsere letzten (Sonnen-) Bilder gemacht. Freitag und Samstag sollten schlecht werden. Für Samstag war überdies ein gewaltiger Temperatureinbruch angekündigt; der Winter sollte sich nochmal mit satten Minusgraden zurück melden. Das mussten wir echt nicht noch haben. Bislang haben wir aber immer noch keine Ahnung, wann uns Lufthansa hier raus holen will. Wir überlegten schon, dass es doch hübsch wäre, über Vancouver (CA) zurück zu fliegen. Denn Kanada bediente Lufthansa noch komplett, und auf einen Flug von Vancouver wäre sicher kein so gewaltiger Run wie auf die verbleibenden zwei Verbindungen aus den USA. Na ja, mal abwarten. Den Eintritt nach Kanada hätten wir dafür jedenfalls gern bezahlt, Unsicherheitsfaktor wäre da nur, ob und ggf wann Kanada die Grenzen dicht macht...

Freitag, 13.03.2020

Noch zwei Tage bis zum gebuchten Rückflug. Vielleicht ist es ganz gut, dass heute ankündigungsgemäß kein Wetter ist. So kann man sich mal "kümmern". Denn von Lufthansa liegt noch immer keine Umbuchung vor. Nichtmal eine Infomail, dass unser Flug gestrichen ist. Lediglich beim Aufrufen unserer Buchungsübersicht ist der Flug als annuliert gekennzeichnet - verbunden mit dem Hinweis, dass man umbuchen solle. Einige testweise eingegebene Buchungsanfragen von uns ergaben: Noch wären Plätze im Flieger über Vancouver oder auch über Chicago zu bekommen. Aber die Umbuchungsmöglichkeit auf der LH Website ist unterbunden, man soll sich an das Servicecenter wenden. Das haben wir vorm Frühstück dreimal zu erreichen versucht, aber das freundliche Tonband wies uns zweimal darauf hin, doch bitte selbst über LH.com die Umbuchung vorzunehmen und schmiss uns dann aus der Leitung. Hahaha! Beim dritten Versuch kam nur das Besetztzeichen. Yannick versuchte im Tagesverlauf immer wieder, das LH Servicecenter zu bekommen - stets vergebens!

Wir liefen erstmal rüber zum Denny's zum Frühstück. Mein Lumber Jack Frühstück war dann auch richtig klasse Diner-Qualität. Ok, die zwei mitgelieferten Pancakes hätte es nicht gebraucht. Yannick nahm zehn Quarkbällchen, was ihm von der Bedienung die mitleidige Frage einbrachte, ob er schon gefrühstückt hätte...

Zurück im Hotel checkten wir nochmal die Gegebenheiten, riefen bei LH an usw, doch es gab nichts neues. Wir bekamen nur noch das Besetztzeichen. Na ja, dann konnten wir ja losfahren. Die aktuelle Planungslage war so: Wetter würde heute und morgen nicht zu erwarten sein. Wir hatten heute überlegt, vielleicht mal getreu dem Tourmotto dem höchsten Vulkan der Cascades, dem Mt Rainier, auf die Pelle zu rücken. Es gibt da eine interessant aussehende Hochstraße an seiner Flanke entlang. Der Beginn der Hochstraße wäre in Yakima. Man müsste also unseren Stamm-Highway 97 mal wieder nordwärts fahren.

Wir verließen The Dalles ostwärts über die Autobahn. Da konnten wir uns mal die Kreuzung der BNSF Oregon Trunk Subdivision mit der am Columbia Südufer verlaufenden UP Strecke anschauen. Eine Gleisverbindung soll es laut Luftbild geben, doch von der Autobahn sahen wir nichts. Ging aber auch zu schnell. Die Hubbrücke war emporgezogen, aber das konnte sich nach unseren gestrigen Erfahrungen ja schnell ändern. Gegenüber von Marryhill, an der Kreuzung mit dem Hwy97, besorgten wir uns an einer Tanke noch paar Getränke und fuhren den 97 nordwärts.

Nun hat man vom 97 ja normalerweise tolle Ausblicke auf den Mt St Helens und Mt Rainier. Doch die Wolken hingen tief und von den Bergen war nichts zu sehen. Statt dessen ging es bereits jetzt mit zunehmender Höhe in dickes Schnee(regen)treiben hinein. Unsere Lust, auf irgendwelchen Nebenstraßen in große Höhen vorzudringen und doch keine Ausblicke zu haben, schwand, je weiter wir fuhren. Später auf der Autobahn auf der rund 800m hohen Passhöhe vor Ellensburg fuhr ich mal raus zu einem "Viewpoint". Die Abfahrt war eine einzige Rutschbahn. Am Halteplatz war erstmal eine kleine Schneeballschlacht fällig.


Zack! Und plötzlich war Winter! Wir konnten von Glück sagen, dass wir so schöne Tage erwischt hatten, denn in der kommenden Woche würde der Winter wiederkehren. Auf der Webcam Dunsmuir am Mount Shasta war in der Folgewoche alles weiß!

Hinter Ellensburg reichte der Sprit noch gerade bis Cle Elum. Der Ort war ein einziges Western-Wintermärchen. Die Häuschen im Westernstyle hatten alle eine Schneekrone, der umgebende Wald war weiß. Im Nachhinein tat es mir leid, dass ich die Kamera nicht so locker sitzen hab wie viele andere Tour-Berichterstatter im DSO-Auslandsforum. Leider gab es davon also kein Bild. Wunderschön waren allerdings auch die Spritpreise, die mit Abstand billigsten der Tour: 2,09$ pro Gallon (3,78l). Das sind 0,49€ pro Liter.

Wir strebten weiter Seattle entgegen. Unser Plan stand nun allmählich fest. Wir würden ein Hotel in Flughafennähe mit kostenlosem Shuttleservice suchen und dann heute Nachmittag mal beim Airport vorsprechen. Morgen könnte man evtl Seattle ein wenig mit öffentlichen Verkehrsmitteln unsicher machen. Wir fanden das Best Western ein Stück südlich des Flughafens und loggten uns dort ein. Dank der Car Pool Lanes für Autos mit zwei oder mehr Insassen kamen wir hervorragend durch das Schnellstraßennetz des Großraums Seattle zum Hotel.

Wir machten uns kurz frisch und fragten dann mal, wann der Hotelshuttle Bus uns denn zum Flughafen bringen könnte. Die Rezeptionsdame schien hocherfreut über die Anfrage, schnappte sich den Autoschlüssel und lud uns in den Van ein. Wir erklärten, dass wir nur was klären und dann wieder zurück wollten. Kein Problem, meinte sie, einfach am Flughafen am silbernen Hoteltelefon die 14 wählen, und man würde uns wieder abholen.

Nun besaßen wir die grenzenlose Naivität zu denken, dass da im Flughafen irgendwelche Schalter wären, wo man die Tickets mit einem freundlichen Lächeln umbuchen würde. Ticketschalter in dem Sinne gab es gar nicht mehr. Der Check in Schalter der Lufthansa hatte heute wohl zum vorerst letzten Mal um 14:10 dicht gemacht. Ok, mit einem offenen Lufthansa-Schalter hatten wir natürlich eh nicht gerechnet. Aber LH arbeitet ja mit United Airlines zusammen, und wir hatten auf eine Art Ticket- oder Auskunftsschalter von denen gehofft. Gab es aber nicht.

Wir hatten schon überlegt, bei den United Check-in Schaltern vorzusprechen. Gerade standen wir vielleicht etwas verloren an den Self Check-in Automaten von United herum, da kam eine nette ältere Dame vom Typ Automateneinweiserin in United Uniform auf uns zu. Ob sie uns helfen könne. In dem Moment musste ich nur spontan bei mir denken: Du wirst dir wünschen, diese Frage nie gestellt zu haben. Wir schilderten unser Anliegen. Erst wirkte sie etwas skeptisch und abwiegelnd. Doch andererseits merkte man deutlich, dass es nicht ihrem Servicegedanken entsprach, uns da nun einfach so stehen zu lassen, auch wenn es ja eigentlich ein Lufthansa-Problem war. Bald hatte sie uns zu den Check-in Schaltern gelotst, wo sie zeigte, dass mehr als nur eine Automateneinweiserin in ihr steckte. Sie fing an, mit ihren Händen über die Tasten des Terminals zu fliegen.

Aber man merkte, dass die Eingabemasken vor ihr doch manche Fragen aufwarfen. In mir kam die stille Bitte hoch, doch vielleicht jemanden hinzu zu ziehen, der sich besser auskennt. Es dauerte nicht lange, und sie erhörte die unausgesprochene Bitte. Sie sprach paar Schalter weiter jemanden an und bald wurden wir dorthin gewunken. Ich muss vielleicht zur Gesamtsituation sagen, dass wir glücklicherweise eine Zeitphase größter Tiefenentspannung am Check-in erwischt hatten. Es war absolut nichts los.

Unsere "Betreuerin" hatte nun Hilfe von einem jungen Mann, der allergrößte Kompetenz ausstrahlte. Interessanterweise übernahm er nicht, sondern sie arbeitete unter seiner strikten Anleitung weiter. Er wusste stets aus dem Kopf, was jeweils einzugeben war. Es war ein Traum, den beiden zuzuschauen. Irgendwann mussten wir sie aber einbremsen. Die hätten uns wohl heute Abend noch nach Chicago geschickt. Als wir das merkten, baten wir um einen Flug morgen früh. So kann man Schlechtwettertage auch verbringen, indem man einfach früher heim fliegt...

Zugegeben, es dauerte alles. Und mit meinem Anschlussflug Frankfurt - Hamburg hatten sie die größten Probleme. Sie konnten zwar mein Gepäck durchchecken, aber für mich den Flug zu buchen, war wohl schwierig bis unmöglich. Egal, irgendwann hatten wir unsere Bordkarten für United-Flüge Seattle - Chicago und Chicago - Frankfurt in der Tasche. Sie hatten uns sogar die Sitze am Notausgang reserviert, deren Nummern der junge Mann auch aus dem Kopf kannte. Was die beiden heute geliefert haben, das war keine Selbstverständlichkeit mehr. Das war ein Wahnsinns-Kundendienst, und das für Kunden einer ganz anderen Fluggesellschaft, die gerade nur noch die Grätsche macht. Und sie haben hier im Lande des Trinkgelds nichtmal die wohlverdiente Geldscheinprämie entgegen genommen. Abgelehnt wurde die mit den Worten "Bucht einfach nächstes Mal bei United!" Kann sich ein Unternehmen bessere Mitarbeiter wünschen? Sie haben uns glücklich gemacht, und wir hatten das Gefühl, dass sie dabei ihren Spaß hatten, während teilweise ihre Kolleginnen von den Nachbarcountern interessiert zugeschaut haben. Dicker Daumen hoch für United Airlines und die zwei speziellen, mega motivierten Mitarbeiter!

Hoch beglückt wählten wir unten an der Straße am silbernen Hoteltelefon die 14, und eine Viertelstunde später tauchte der Kleinbus mit dem GW-Aufkleber auf. Der Fahrer meinte, er sei auch halber Deutscher, wüsste aber gar nichts über das Land. Er bekam natürlich auch seinen "Tip". Zurück im Hotel waren wir längst noch nicht fertig! Wir erzählten, dass wir nun schon morgen früh starten konnten, worauf man uns ohne zu murren sofort die zweite Nacht erließ.

Dann mussten wir den Leihwagen zurückbringen. Das verbanden wir mit einem Abendessen bei Wendys. Hierhin hatten wir es also diesen Urlaub nur ganze zwei Male geschafft, einfach schade. Und nun würden wir das Land so überstürzt verlassen, fast schon schade... Die Autoabgabe verlief ohne jegliche Kontrolle, die "Kratzer" waren wohl doch eher hartnäckiger Dreck gewesen; jedenfalls war nach dem Regen nichts mehr davon zu sehen. Mit dem Shuttlebus heizten wir nun zurück zum Flughafen. Toll wäre es nun gewesen, Anschluss auf den kostenlosen Hotelshuttle zu haben, aber wir wollten den tollen kostenlosen Dienst dann doch nicht überstrapazieren.

Deshalb liefen wir vor zur Hauptstraße, wo wir die in dichtem Abstand verkehrenden Gelenkbusse des knallroten Cityflitzers RapidRide gesehen hatten. Wir recherchierten, dass man beim Fahrer bezahlen könne. Der zog dann aber so weit vor, als wenn er sagen wollte, lasst mich hier vorn bloß in Ruhe. Widerwillig öffnete er uns dann aber doch die Vordertür. Der Fahrer war vollmaskiert und wies auf eine Frage nach dem Preis nur auf das Schild "2,75$". Dazu meinte er dann: You have five Dollars? Damit begnügte er sich, drückte uns die zwei Fahrscheine in die Hand und war froh, als wir uns entfernten und unsere Bazillen gleich mitnahmen.

Weiter hinten wurden wir sogleich von einer Dame angesprochen, dass wir die Scheine entwerten müssten, jedenfalls wenn wir vorhätten umzusteigen. Als wir entgegneten, dass wir nicht umsteigen müssten, wurde uns deutlich gemacht, dass es dann nett sei, die Fahrscheine anderen Fahrgästen zu geben. Bald hielten sie und ein anderer Mitreisender unsere unentwerteten Tickets in der Hand. Dafür genossen wir den Service, von ihr über unsere Zielhaltestelle informiert zu werden. Ok, das tat das FIS auch. Was das FIS aber nicht konnte, war das schelmische Grinsen, als der Bus an unserer Station 108th St wegen Baustelle durch fuhr und erst 100m weiter zum stehen kam...

So, nun war es 20 Uhr! Aber nun hatten wir es auch! Wir hatten es richtig! Wir hatten einen Rückflug in der Tasche! Da konnten wir uns in der Hotelbar noch Bier (Y) und Wein (J) gönnen. All zu alt wurden wir heute allerdings nicht mehr. Morgen mussten wir schließlich um 4 raus!

Samstag, 14.03.2020

Das bevorstehende frühe Aufstehen und mein Husten haben mich nicht besonders tief schlafen lassen. Der Wecker stand auf 4, der Shuttlebus fuhr um 4.30. Um 4.52 hatte Yannick seinen Koffer am Flughafen bereits eingecheckt. Dann kam ich an die Reihe. Wie gestern Nachmittag schon erwähnt, hatte es bei der Buchung für den Lufthansa-Anschlussflug ab Frankfurt Probleme gegeben. Offensichtlich war da bei meinem Namen lediglich ein "Mr" zu viel oder zu wenig. Und das konnte aus dem United-System offenbar nicht verändert werden.

Einer der Counter-Leute hatte sich der Sache angenommen und versuchte, über sein Büro bei Lufthansa etwas zu erreichen. Aber auch für die Kollegen von United ging bei Lufthansa offenbar niemand ran. Zum Glück hatten wir viel Zeit, da unser Flug auch schon mit +45 angezeigt war. Eine Stunde haben wir am Counter gestanden und der Warteschleifenmelodie aus dem Telefon zugehört, während der Kollege zwischenzeitlich auch andere Problemfälle betreute.

Wir waren etwas verwundert über die Vielzahl dieser Problemfälle. Am meisten kam es vor, dass Leute ankamen, die den billigsten Basic-Tarif gebucht und großes Gepäck dabei hatten. Einer versuchte einzuchecken, obwohl die Zeit für die Kofferabgabe abgelaufen war. Und es gab gut zu tun, weil der 7.45 Flug nach Denver voraussichtlich ausfallen würde.

Zurück zum "schlimmsten" Fall am Counter, nämlich meinem. Als nach einer Stunde noch immer niemand bei Lufthansa erreichbar war, bat ich ihn, mich und mein Gepäck einfach nach Frankfurt zu buchen. Dort konnte ich dann immer noch bei Lufthansa Rabatz machen. Oder noch viel besser: Den Zug nehmen! Das wollte er dann auch versuchen. Warum das immer noch der Hilfe seiner Hotline bedurfte und warum das auch nochmal 20min dauerte, kann ich nicht sagen. Aber irgendwann ging ein Strahlen über sein Gesicht und er überreichte mir meine Reisedokumente. Verabschiedet wurden wir von ihm mit einem Faust-Check. Cool!

Die Zeit für ein Flughafenfrühstück war nun leider etwas eingedampft, auch wenn die Sicherheitskontrolle freundlich und ohne Beanstandungen lief. Kurz vorm Gate besorgten wir uns paar Panini, die wir dann im Gatebereich mampften.

UA2287 Seattle 7.00+45 PDT - Chicago 12.59+15 CDT

Die Boeing 737-800 war gähnend leer. Wir konnten uns auf beide Notausstiegsreihen verteilen. So war das angenehm. Unter uns waren nahezu durchgehend nur Wolken zu sehen. Das Entertainment Programm fand ich nicht so dolle, aber Hauptsache, alle Monitore flimmern vor sich hin. Serviert wurde ein Getränk und ein Keks. Mehr hätte man wohl gegen Aufpreis bekommen.

Meine größte Befürchtung hinsichtlich meines chronischen Hustens, der mir praktisch immer nach Erkältungen bleibt (jaaa, auch vor Corona schon...) musste sich dann auch noch bewahrheiten. Während des Fluges nach einem Schläfchen musste ich paarmal husten. Das muss wohl ein Fluggast dem Bordpersonal gemeldet haben. Jedenfalls bekam ich ganz diskret von der Stewardess einen "Mundschutz" überreicht. Ich will nur noch nach hause... (Nachtrag: Damals war mir noch nicht der Wert eines solchen Mundschutzes bewusst. Gut, dass ich ihn nicht gleich nach dem Flug weggeschmissen habe; es ist bis heute mein einziger).

Der Umsteigeweg im O'Hare Airport zu Chicago war erstaunlich kurz. Am meisten verwunderte uns das Fehlen einer Passkontrolle bis zum Gate. Vermutlich wird dann erst hinterm Boarding kontrolliert. - Das war dann aber nicht mehr der Fall. Komisch. Immerhin hatte in Seattle vor der Sicherheitskontrolle ein Officer den Reisepass auf sein Lesegerät gelegt. Dann war das wohl unsere Ausreisekontrolle, auch wenn der erste Flug noch national war.

UA944 Chicago 15.25 CDT - Frankfurt 05.45-30 MEZ

Unser erster pünktlicher Flug auf dieser Tour. Der Käptn erfüllte sogar sein Versprechen, eine halbe Stunde vor Plan in Frankfurt anzukommen. Die Boeing 777 war auch sehr leer. Wer wollte, konnte seine eigene Sitzreihe bekommen. Ich hatte wieder den Platz am Notausgang und konnte mich ordentlich ausdehnen. Yannick hatte sich daneben in die Mittelreihe umgesetzt. Zum Schlafen kam er aber gar nicht, weil die Bierversorgung außerordentlich gut lief. Am Ende hatte er acht Dosen verschiedener Biere durchprobiert. Ich selbst begnügte mich mit zweimal Weißwein. Das Abendessen war auch gut und portionstechnisch voll ok. Man konnte zwischen drei verschiedenen Gerichten wählen. Cinematisch habe ich mir zweimal Indiana Jones angetan, zwischendurch aber auch etwas geschlafen.

Sonntag, 15.03.2020

Jedenfalls hat es sich United Airlines "dicke" verdient, nächstes Mal bei der Buchung vorrangig berücksichtigt zu werden, jedenfalls vor Lufthansa. - In Frankfurt kamen unsere Koffer zeitnah vom Band. Yannick musste nun nach unten zum Bahnhof, ich nach oben zum Abflugbereich. United hatte mich ja nur bis hier gebucht, und ich wollte nun mal bei Lufthansa nachfragen, was man denn davon hält, dass ich den 8 Uhr Flug nach Hamburg nehme.


Das dargebotene Flugangebot könnte man in der Tendenz als "sinkend" bezeichnen...

Immerhin unterhält Lufthansa im Obergeschoss noch eine Art Servicecenter. Nach einer Viertelstunde Schlangestehen (Sonntag früh um 6!) faselte die Dame am Schalter nach Vortragung meines Anliegens erstmal was von "Warteliste". Hallo, wir haben Sonntagmorgen!?! Dann konnte sie mich aber doch direkt buchen. Den Spruch, dass die von United das mal hätten ordentlich machen sollen, hätte sich die Lufthansa-Frau aber gern verkneifen können... Nun war nach erneuter Kofferabgabe und Sicherheitskontrolle noch etwas Zeit. Ich verkrümelte mich mit paar Baguetts an ein leeres Gate. Auch der Flug nach Hamburg stand dann pünktlich zum boarden bereit.

LH006 Frankfurt 8.00 - Hamburg 9.00 +90

Des Dramas letzter Akt war noch nicht geschrieben. Der Flieger zeigte sich außerordentlich voll, massenweise Familien mit Kindern an Bord. Aaah, sollte Hamburg gar Ferienende haben? Dann hatte ich ja wirklich Glück gehabt, dass ich einen Platz bekommen hatte. Angenehm war der Flug schon, hab mich auch ganz nett mit der Familie neben mir unterhalten können. Die kamen aus Malta und waren auch froh, zurückgekommen zu sein. In Hamburg waren wir auf einer Außenposition angekommen und standen schon im Gang, da kam die ernüchternde Durchsage, dass es an Bord einen medizinischen Notfall gegeben hätte und wir das Flugzeug nur mit Zustimmung des Amtsarztes aus dem Hafen verlassen dürften. Corona everywhere! Das war nun mega nervig, in der Enge des Flugzeugs mit zunehmend genervten Kindern zu warten. Ich hatte das Gefühl, dass man so erst recht krank gemacht wird. Was stand uns bevor? 14 Tage Isolation in einer Turnhalle wären der größte Alptraum, der mir dazu einfiel... Es dauerte ewig, bis der Arzt endlich aus seinem Hafen angefahren gekommen war und in voller Schutzkleidung die Untersuchung aufnahm.

Immerhin gab der dann aber bald Entwarnung. Er ließ es sich nicht nehmen, persönlich die entsprechende Durchsage zu machen. Fieber habe gar nicht vorgelegen, also wohl kein Corona. Bis Reihe 29 durften die Leute, zu denen ich glücklicherweise auch gehörte, aussteigen. Die anderen mussten noch Adresskärtchen ausfüllen. Jetzt dauerte es bloß noch ewig, bis die Busse vorgefahren waren. Und dann am Gepäckband tat sich mal wieder gar nichts. Allmählich hätte ich auch den 10 Uhr Flug ab Frankfurt nehmen können. Oder am besten gleich die Bahn. Nun ja, ich hatte aber LH006 genommen, und musste also warten. Erst um 11.15 wurde das Band angeschmissen, wobei gar nicht klar war, ob das für den nächsten Frankfurter oder uns war. Zum Glück polterte bald mein roter Koffer aufs Band...

Bei Edeka schnell noch Milch besorgt, erst dann gewahr geworden, dass die S-Bahn heute nur alle 20 fährt. Aber es passte gerade gut... Die Fahrt ging nur bis Ohlsdorf, doch der Anschluss stand gegenüber. War zwar nicht richtig beschildert, aber ich erwarte wohl zu viel... Alles weitere klappte reibungslos. Als ich in Harburg aus dem Start-Land-Fluss Zug stieg, hatte ich nur einen Gedanken: Wenn jetzt das Drama noch einen Akt bekommen soll, dann hätte ich es selbst in der Hand. Der Verkehrsmittel letzter Akt war nun geschrieben, denn ich war nicht gewillt, mich in einen bazillenüberfüllten Bus zu quetschen. Auf dem Fußweg meinen Wilstorfer Hügel hinauf kam kein Akt hinzu. Ich glaube, ich war noch nie so erleichtert nach hause zu kommen wie dieses Mal. Als ich die Wohnungstür hinter mir geschlossen hatte, habe ich erstmal laut und ausgiebig gehustet. Hier störte das niemanden mehr. Was war das herrlich!

Die Folgetage

Die US-Bundesstaaten Washington und Kalifornien sind in Deutschland offiziell als Risikogebiet eingestuft worden. Da ich mit meinem Husten "Symptome" zeige, gibt es für mich erstmal nur Homeoffice und das strikte Verbot des Arbeitgebers, auf der Dienststelle zu erscheinen. Mein Chef wünscht, dass ich einen Test mache. Nach einem Anruf beim Hausarzt und auf sein Anraten hin beim Gesundheitsamt erfahre ich, dass so viele Leute sich testen lassen, die gar keinen Grund dazu hätten, dass das gesamte Test-System quasi lahmgelegt sei. Beide empfehlen mir, online ein Test-Set zu bestellen, das dann wieder ans Labor zurück geschickt wird. Bis dahin soll ich mich möglichst in die Wohnung zurückziehen. Einkaufen muss sein, erfolgt mit hochgezogenem Mantelkragen, in dem ich meinen Mund verberge. Brot, Nudeln, Seife, alles ausverkauft. Es ist nicht zu glauben!


Hier war mal das Brotregal meines Supermarktes... Mir waren auf der Reise schon solche Bilder angekündigt worden, ganz dran glauben hatte ich allerdings nicht können.

Ich könnte den USA-Reisebericht jetzt nahtlos in eine Tagebuchaufzeichnung über die Zeit der Coronawelle übergehen lassen. Aber das ist eine andere Geschichte. Nur so viel: Der Test war erwartungsgemäß negativ. Und wir sind uns bewusst, dass wir mit der zeitlichen Lage des Urlaubs ein riesiges Glück gehabt haben. Dieser 2020er Urlaub hat überhaupt stattfinden können, war trotz Erkältung noch unbeschwert und letztendlich ist man ja gut zurück gekommen.

Und mit den Ergebnissen des Urlaubs waren wir schon sehr zufrieden. Natürlich haben wir diesmal erwartungsgemäß nicht so viele Fotos wie von vorhergehenden USA-Touren mitgebracht, aber mal in zumindest in Deutschland unbekanntere Gegenden vorzudringen war eine spannende Sache. Wir würden das jederzeit wieder tun :-)

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