Autor: Jan-Geert Lukner. Alle Rechte am Text und an den Bildern liegen beim Autor.
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Sehr geehrter Herr Lukner, die Gegend, die Sie sich ausgesucht haben, ist bedenklich! Minenfelder und verdächtige Flächen sind zwar im Allgemeinen markiert - jedoch nicht immer. Die Botschaft rät, Wege nicht zu verlassen, es sei denn, es ist erkennbar, dass dort vorher andere Menschen gegangen sind. Wenn Sie uns fragen, müssen wir darauf hinweisen, dass in den Räumen Šibenik, Ogulin und Karlovac ein relativ hohes Minenrisiko besteht. Die Gegend südlich von Unešić soll minenfrei sein. Vorsicht aber im Gebiet südöstlich von Šibenik!(...)
Das klang alles andere als beruhigend. Es handelt sich um die Antwort der deutschen Botschaft in Zagreb auf meine Anfrage bezüglich der Minengefahr in bestimmten Gegenden, wo wir auch mal in der Wildnis Streckenaufnahmen machen wollten und von denen wir wussten, dass hier im Balkankrieg die Frontlinie zwischen Serben und Kroaten nicht fern gewesen war. Da wir beide vorhatten, vollständig wieder nach hause zu kommen, hatte ich das Internet nach konkreteren Informationen über verminte Gebiete durchsucht. Doch außer sehr beruhigenden Beschreibungen verschiedener Minentypen (da gibt es welche, die auf Bewegung reagieren, vor einem 1/2m aus dem Boden hoch "springen" und dann um sich schießen...), fand ich nur eine völlig unscharfe Kartenskizze auf der Seite des kroatischen Minensuchdienstes:

Vermutlich stellen die roten Kleckse die Gefahrenpunkte dar...
Im Nachhinein betrachtet haben wir uns vielleicht etwas zu verrückt gemacht, doch erkundigt man sich schließlich lieber einmal mehr, als dass man sich einer Gefahr von doch sehr schwerwiegenden Verletzungen aussetzt. Die Vorfreude auf ein für uns völlig unbekanntes Land, in dem es noch einige richtig interessante Züge geben sollte, war dann aber doch größer als die Angst vor Minen; und mit dem festen Vorsatz, nur dort zu gehen, wo man Spuren erkennen kann, gingen Lars (mit dem ich schon viele eindrucksvolle Reisen mit "Öffentlichen" durch Teile Europas erlebt habe) und ich "ans Werk":
Der Zug war angenehm leer. Mit Hilfe meines Langenscheidts versuchte ich, einige zuvor von der Internetseite der HŽ (Hrvatske Željeznice - Kroatische Eisenbahn) heruntergeladene Meldungen über aktuelle Schienenersatzverkehre wegen Bauarbeiten zu übersetzen. Immerhin bekam ich so viel mit, dass wir nicht ganz ungeschoren bleiben würden... In Mecklenburg fielen einige heftige Sandstürme auf, die der starke Wind mit dem trockenen Boden einiger Äcker veranstaltete.
Berlin empfing mich mit eisigem Ostwind, auf den ich angesichts einer Reise ins südliche Europa nicht wirklich eingerichtet war. An der Friedrichstraße traf ich mich mit Lars. Wir wollten in der "Nolle" noch einen Happen einwerfen, doch verkündete ein Schild "Geschlossene Gesellschaft". Da die umliegenden Kneipen sehr voll waren, begnügten wir uns mit dem Thailänder im Bahnhof. Darüber, wie lange meine Ente schon auf den Schubs ins Ölbad gewartet haben mochte, wollte ich mir lieber nicht den Kopf zerbrechen...
Zurück im abendlichen Ostbahnhof konnten wir die Einfahrt eines 624 aus Szczecin beobachten, während ein besoffener Fußballfan lauthals in der Halle Lieder gegen die Bayern und gegen die Berliner grölte, was irgendwelche Halbstarken nun ihrerseits zu Gemotze veranlasste.
Unsere Nachtzug-Betreuerin war sehr rührig. Sie klopfte wohl noch dreimal an unsere Abteiltür, um dies und das zu regeln. In Wannsee beobachteten wir erste Schneeflocken auf die Erde rieseln. Zwischen Berlin und Angersdorf bei Ha-Neu ließen wir uns den mitgebrachten Wein schmecken, bevor wir dann die nötige Bettschwere hatten. Die Abteile mit Du/WC gefielen uns gut, die häufig ruppige Bremsweise weniger. Und auf der oberen Liege musste man vor der Klimaanlage Schutz unterm Kopfkissen suchen...
Wir ließen uns schon um 5.45 Uhr wecken, damit wir das Frühstücksbuffet genießen konnten. Die gute skandinavische Sitte, dass man seinen Frühstückskupon auch im Speisewagen des nächsten Zuges oder im Bahnhofslokal des Zielbahnhofes einlösen kann, gibt es in Deutschland leider noch nicht, obwohl die Nachtzüge hier tendenziell ja eher recht früh ankommen. Kaffee und Brötchen taten gut, denn viel Schlaf hatten wir nicht.

So hatten wir uns das Wetter im "Süden" nicht vorgestellt, wobei Mallnitz natürlich etwas höher als unser Zielgebiet lag.
Die Kurswagenverbindung bestand aus 2x B (ÖBB) und 1x A (SŽ). Schade nur, dass die zwei B-Wagen (A=1.Kl, B=2.Kl) wegen defekter Stromversorgung verschlossen blieben und sich alle Kurswagen-Reisenden im A-Wagen tummelten. Wir stiegen daher ganz vorn in den langen Stammzug (ÖBB-Wagen) und genossen einen zunächst "eigenen" 2.Kl-Großraum. Hinter München schneite es sehr heftig und die Landschaft wurde zunehmend weiß. Hätte ich doch dickere Sachen mitnehmen sollen? In Salzburg setzten wir uns wegen vermeintlichem Richtungswechsel um, doch fuhren wir geradeaus weiter...
Als ich gerade Lars paar Fotos zeigte, kam ein Mann (Typ "Alm-Öhi") durch, der dann auch unbedingt die Bilder sehen wollte. Hören konnte er zwar nichts, dafür bekamen wir fortan jedoch fachkundige Erläuterungen zur Strecke...
Seine Ankündigung, dass hinterm Tauerntunnel sicher völlig anderes Wetter herrschen würde, wollten wir zwar gern glauben, erwies sich dann aber als nicht ganz richtig. Über den Bahnhof Mallnitz-Obervellach zogen dicke Schneeschwaden hinweg. Ganz falsch war die Aussage allerdings auch nicht, denn zwei lange Tunnel später in Richtung Drautal war die Schneedecke dann doch plötzlich wie weggeblasen und die Sonne kam heraus. Wunder des Wetters...

Ein einsamer Wagen: Der durchgehende Zugteil München - Beograd in Villach.
In Villach mussten wir aus dem Stammzug raus, der nach Klagenfurt weiterfuhr. Nach dessen Abfahrt stand nur noch ein einsamer slowenischer A-Wagen am Bahnsteig. Die ÖBB-Diesellok, die uns nach Jesenice ziehen sollte, brachte allerdings einen B-Wagen (ÖBB) mit, in dem wir erstmal gut Platz bekamen. Auf der Fahrt hoch in die Karawanken standen zur Belustigung von Fahrgästen und Personal zahllose Fotografen an der Strecke. Wie uns der Schaffner erklärte, sei die Diesellok außerplanmäßig - weshalb wusste er auch nicht.
Der Karawankentunnel war die nächste Wettergrenze. In Jesenice tobte nämlich wieder fetter Schneefall, der uns fast bis Ljubljana begleitete. Uns schwante böses... In Jesenice wurde unser Mega-Intercity auf Eurocity-Standard gebracht. Zusammen mit den SŽ-Loks der Baureihen 362 (Ansaldo-Doppel) und 342 (Ansaldo-Einteiler) wurde unseren zwei Wägelchen nämlich ein serbischer Speisewagen zugestellt! Mit zwei Loks und drei Wagen aus drei Nationen ging es nun unspektakulär abwärts, wobei die Besiedlung kontinuierlich zunahm. Einer der hier im Nahverkehr eingesetzten elektrischen Desiros kam uns entgegen.

Noch haben Desiros nicht alles in der Hand: Selbst am Sonntag macht sich eine "Polen-S-Bahn" von Ljubljana auf den Weg nach Jesenice.
In Ljubljana gab es natürlich einiges zu beobachten. Wenigstens schien hier die Sonne; allerdings "untermalt" von einem heftig eisig-beißenden Ostwind. Eine 362 stand schon mit unserem Schnellzug nach Rijeka bereit. Der Zug bestand immerhin aus zwei Wagen! Internationaler Verkehr... Eine "Polen-S-Bahn" (BR 311/315) verließ die Landeshauptstadt in Richtung Karawanken und zur Fahrt nach Koper stand ein aus zwei Desiros gebildeter Lokalzug bereit. Der vordere Teil war mit Ganzwerbung für Siemens beklebt. Inzwischen war dann auch ein Eurocity aus Wien angekommen, von dem ein Kurswagen an unseren Zweiwagenzug überging. Dass es sowas noch gibt...

Der Zug nach Koper.
So nebenbei stellte ich fest, dass ich bei der DVB in Hannover beim Geldtausch zwar slowenische Tolar und auch eine Umrechnungstabelle dafür bekommen hatte, dass mir aber der Kurs für slowakische Kronen berechnet worden war. Somit hatte ich 26 Euro für paar Scheine im Wert von 4,50 Euro bezahlt. Grummel...
Im vorderen der drei SŽ-Abteilwagen bekamen wir gerade noch ein eigenes Abteil. Die Fahrt war nett: Über eine Rundkehre schlängelt sich die zweigleisige Strecke in die Karstberge hoch. In Pivka (Bahnhof mit Formsignalen, Lichtsignale standen schon) zweigten wir dann mitten im Bahnhof von der Hauptstrecke ab. In Richtung Südwesten hatte man weite Blicke in Richtung Naturpark Škocjanske jame, der überall mit Plakaten wirbt, auf denen eine Brücke in einer Höhle über einen tiefen Abgrund zu sehen ist. Diese Ansicht erinnerte mich ungemein an die "Brücke von Moria" im Film "Herr der Ringe".
Hier verkehren nur zwei grenzüberschreitende Schnellzüge, außerdem gibt es Mo-Fr zwei Umsteigeverbindungen im Nahverkehr. Nach slowenischer Grenzkontrolle in Illirska Bistrica gab es dann im kroatischen Šapjane Kontrolle, Kreuzung mit Güterzug und Lokwechsel auf eine HŽ-Lok gleichen Typs (1061). Bei Matulji schlängelt sich die Strecke mit schönen Blicken auf die Adria (Kvarner Bucht) abwärts. Mitten im Bahnhof von Rijeka endet das Gefälle und wir waren am ersten Etappenziel angekommen. Während wir in Ljubljana vom Innern der hübschen Bahnhofshalle begeistert gewesen waren, machte der Bahnhof von Rijeka innen eher einen leeren und finsteren Eindruck.
Laut Stadtplan am Bahnhof gab es in der Nähe keine Hotels. Uns war von einem Kollegen das Hotel Continental am anderen Ende der Innenstadt empfohlen worden. Wir versuchten anhand des Stadtplanes und eines daneben hängenden Liniennetzplanes mühsam heraus zu finden, welchen Bus wir nehmen müssten. Das wäre gar nicht nötig gewesen, weil eigentlich alle Busse zu einem Busbahnhof in der Nähe des Hotels fuhren. Und sooo weitläufig war die Stadt auch wieder nicht.
Normalerweise würde ich ja nie in ein Hotel gehen, das Continental heißt - jedenfalls nicht, wenn ich selbst bezahlen müsste. Aber dank der Tatsache, dass es schon recht "verwohnt" war, musste nur ein Mittelklasse-Preis gezahlt werden (ca 50 Euro für das DZ mit Du/WC, Frühstück). Nach dem Check-in trieb uns der Hunger in die Stadt. Die ausgedehnte Fußgängerzone machte einen freundlichen Eindruck. Was wir allerdings nicht fanden, war ein "einheimisches" Restaurant. Ein Fischrestaurant hatte sonntags geschlossen - ansonsten entdeckten wir nur zahlreiche Pizzerien. In einer solchen landeten wir dann auch. Der Raum war urig, die Bedienung freundlich und die Riesen-Pizza, die vor unseren Augen in den Ofen geschoben wurde, war ausgezeichnet.
Heutiger Fixpunkt war die Abfahrt des Küstenschiffs von der Jadrolinja nach Split um 18 Uhr. Für eine Schiffsreise hatten wir uns entschieden, weil es in Richtung Split momentan keine vernünftige Bahnverbindung gibt. Der Tageszug kommt erst um 22.28 in Split an, so dass man weite Teile der interessanten Strecke bei Dunkelheit fahren müsste, und der Nachtzug hatte weder Schlaf- noch Liegewagen. Nach der langen Bahnreise freuten wir uns schon auf das Schiff. Bis zu dessen Abfahrt hatten wir "Freizeit", die wir angesichts des sonnigen Morgens für Bahnaufnahmen auf dem (angeblich) interessanten Steigungsstück oberhalb der Bucht nutzen wollten.
Eigentlich hatten wir vor Zugsabfahrt noch die Fähre für heute Abend buchen wollen, doch das Frühstück war nicht schlecht und so kamen wir auch ohne Fährbuchung erst drei Minuten vor der Abfahrt des Zuges am Bahnhof an. Wir waren diesmal zu Fuß gegangen. Erstaunlicherweise war die Stadt um 7.30 Uhr schon wieder sehr belebt.
Auch dieser Streckenabschnitt ist noch mit dem slowenischen / italienischen Gleichstromsystem elektrifiziert. Erst weit im Gebirge, in Moravice, findet der Systemwechsel auf den "kroatischen" Wechselstrom statt. Die kroatische Gleichstromflotte ist übersichtlich: Einzige Lokbauart sind die Ansaldo-Doppelloks (BR 1061). Hinzu kommen noch einige wenige "Polen-S-Bahnen" (BR 6011), die wir aber im Bereich Rijeka nicht zu sehen bekamen. Unser "Putnički vlak" (Personenzug) bestand aus einer 1061 und zwei B-Wagen.
Leider hatten wir kein eigenes Abteil bekommen. Dennoch bekamen wir genügend von den wirklich spektakulären Ausblicken auf die Kvarner Bucht mit. Durch verschiedene Seitentäler schraubte sich die Bahn immer höher durch die kahlen Hänge. An exponierten Stellen, insbesondere auf Dämmen, verliefen auf der Hangseite hohe Mauern. Wir vermuteten, dass sie zum Schutz gegen die Bora dienen. (Nachtrag 2025: Ja, ist so.) Die Bora ist ein extrem starker Fallwind, der mit eisiger Kälte und Geschwindigkeiten von über 100 km/h vom Gebirge zur Küste weht und der die "Hauptschuld" an der Kahlheit der Hänge trägt.
Inzwischen hatte sich der Himmel ordentlich bewölkt. Daher entschieden wir uns erstmal gegen Streckenaufnahmen und fuhren zur Streckenerkundung bis Delnice weiter. Ab Delnice sollte Schienenersatzverkehr sein. In Fužine warteten wir offensichtlich auf den entgegenkommenden Schnellzug. Doch erstmal tat sich lange Zeit gar nichts. Da immer wieder kurzzeitig die Sonne rauskam, schlich ich mich dann einfach mal nach vorn, um ein Foto vom Zug zu machen. Offiziell braucht man dazu in Kroatien eine Fotoerlaubnis von der HŽ. Doch die Eisenbahner waren alle im Bahnhofsgebäude versammelt, und so war die Gelegenheit günstig. Lokführer und Beimann beschwerten sich jedenfalls nicht. So entstand mein erstes kroatisches Eisenbahnfoto.

Fužine: Mein erstes kroatisches Eisenbahnfoto von unserem Zug, brav vom Bahnsteig aufgenommen, da man noch nicht so genau wusste, wie die Personale "ticken".
Netter war das Bild im Bahnhof Lokve, wo fünf Leute stramm standen, als der Zug kam: Der Šef mit dem Befehlsstab unterm linken Arm, der Weichenwärter mit der roten Flagge, der Wagenmeister mit dem Hammer in der Hand und noch zwei andere Uniformierte. Einer von ihnen mag der freundliche Kollege aus dem Reisezentrum gewesen sein. Auch unser Zug wurde gut von Eisenbahnern frequentiert, die etwa 60% der Fahrgäste ausmachten.
Das Städtchen Delnice hatte etwas von Erzgebirge. Allerdings war es furchtbar kalt. Ein Thermometer zeigte -1°C an. Abgesehen von vielen Schneehaufen gab es nicht viel zu sehen. Zwei Polizisten, die wohl auch nicht recht wussten, was sie tun sollten, sprachen uns an. Das klang so wie "Persona Kontrola!" Was sie wollten, war jedenfalls klar. Sie kontrollierten einfach mal unsere Personalien, wobei sie sich aber nicht für eine etwaige polizeiliche Anmeldung interessierten. Als sie auch noch den Namen meines Vaters wissen wollten, konnte ich mir den Hinweis "Why? He is dead" nicht ganz verkneifen. Bei Lars stellten sie die Frage dann nicht.
Während der Aufschreibung tauchte aus einem nahegelegenen Park ein dritter Polizist auf und machte seinen Kollegen durch eine Geste verständlich, dass er eine bessere Idee hätte, als bei dieser Schweinekälte irgendwelche Personalien zu kontrollieren: Kaffee trinken! Die Idee war so gut, dass wir sie sogleich nachahmten, wozu wir uns allerdings ein anderes Café aussuchten. Bis zur Abfahrt unseres Zuges war nämlich noch viel zu viel Zeit... Und das Unwort der Reise hieß ab sofort "Persona Kontrola". (Nachtrag 2025: Wörtlich übersetzt wäre "Osobna Kontrola" die Personenkontrolle. Vielleicht haben die das gesagt.)
Wir mussten lange auf den SEV-Bus aus Skrad warten. Der Zug füllte sich dann doch ganz ordentlich mit Schülern, wobei wir "locker" ein eigenes Abteil behielten. Unterwegs kreuzten wir mit dem Schnellzug im absolut in der Einsamkeit gelegenen Ausweichbahnhof Drivenik, der nichtmal Straßenanschluss hat, der aber betrieblich wichtig in der Mitte zwischen den benachbarten Bahnhöfen Fužine und Plase lag. Bei letztgenanntem Bahnhof lag dann plötzlich wieder tief unter einem das Meer (und am Hang ein Stück unterhalb die Strecke, die wir fünf Minuten später auch fuhren).

Rijeka: Der Bahnübergang über die Geschäftsstraße. Leider kam der Gegenzug ohne Sonne...
In Rijeka quert die Strecke unmittelbar hinter der Bahnhofsausfahrt die breite Geschäftsstraße auf einem Bahnübergang. Dort passten wir den Gegenzug zwecks Fotos ab. Dann liefen wir am Hafen entlang zum Office der Jadrolinja, wo wir ohne Probleme die gewünschte 2-Bett-außen-Kabine bekamen. Kosten für Fahrt, Kabine und Frühstück pro Person: 48 Euro. Die Schiffslinie Rijeka - Split - Dubrovnik wird leider nichtmal täglich bedient. Jetzt in der Nebensaison gab es nur montags und freitags Abfahrten.

Den Ticketkauf konnten wir schon mal für ein Foto der Liburnija nutzen, die bereits am Kai vertäut lag.
Den Rest des Nachmittags stromerten wir kreuz und quer durch die Stadt. Züge auf dem Stadtviadukt waren tagsüber eher schlecht umsetzbar, daher gab es den nachmittäglichen Schnellzug nochmal am BÜ der Hauptstraße. Statt des ankommenden Schnellzuges tauchte erstmal von hinten ein ausfahrender Putnički vlak mit Sonne auf. Der verspätete Schnellzug kam hingegen im Wolkenschatten durch. Nach Proviantbesorgung im Supermarkt holten wir die großen Rucksäcke aus dem Hotel und "enterten" die "Liburnija".
Von Deck hatte man einen tollen Ausblick sowohl auf die See und die dahinter im Gegenlicht aufsteigenden Bergriesen Istriens, als auch auf die Stadtkulisse mit ihren "Palästen" an der Hafenkante. Schade nur, dass ich gerade in der Kabine war, als eine Rangierlok auf dem Hafengleis vor der tollen Stadtkulisse wie auf dem Präsentierteller einen langen, von der Sonne angestrahlten Güterzug entlang zog. Da das Gleis mitten auf der Promenade verläuft, musste ein Mitarbeiter vorweg laufen, um Autos und Passanten zu vertreiben.

Blick von Bord auf paar alte Hafenkräne vor der Kulisse des Učka-Gebirges.
Die dann folgende Ausfahrt aus Rijeka durch die Kvarner Bucht war gigantisch. Während nämlich die Sonne die gesamte Küstenlinie intensivst beleuchtete, tobten darüber im kahlen Gebirge regelrechte Schneeschauer, deren Schleier sich oberhalb Rijekas hell angestrahlt vor den finsteren, schwarz im Gebirge hängenden Wolken abhoben. Obwohl es zunehmend frischer wurde, blieben wir solange draußen bzw in einem windgeschützten Vorbau, bis die Dunkelheit kam. Dann gelang es mir endlich, Lars von dem schönen Anblick wegzureißen und in das Restaurant zu zerren...

Die Fahrt über den Kvarner ist hoch eindrucksvoll. Spektakulär hängen über dem Festland dicke Gewitterwolken.
Dort war ein würdiger Abschluss des Tages geplant. Relativ preisgünstig gab es ein Menü, bei dem als Vorspeise Spaghetti gereicht wurden - Italien lässt mal wieder grüßen. Hauptspeise war ein Grillteller - das fanden wir schon jugoslawischer. Man hat ja schließlich so seine Vorstellungen, was hier gegessen wird. Die erwarteten Ćevapčići waren allerdings nicht dabei... Als Nachtisch gab es Palatschinken mit Schokosoße. Als Wein gab es den Kaštela, dessen Ursprungsgebiet wir noch näher kennenlernen sollten. Der Kellner sprach übrigens fließend deutsch.
"Dummerweise" hatten wir ja noch Wein und einen Schafskäse-Börek als Proviant mitgenommen. So gab es in unserer Kabine auch noch etwas zu tun... Übrigens hatten wir keine Du/WC in der Kabine - die sanitären "Gemeinschaftsanlagen" machten einen etwas überholungsbedürftigen und nicht wirklich sauberen Eindruck. Aber bei dem Preis konnte man nicht meckern.
Leider kam das Schiff schon sehr früh in Split an, so dass wir (wieder mal) zeitig aus den Federn mussten, um das im Preis inbegriffene Frühstück zu nutzen. Der Kaffee war extrem plörrig, aber das Rührei war lecker.
Durch Berichte anderer Reisender wussten wir, dass in Split "Schlepper" auf die Touristen warten, um günstige Unterkünfte zu vermitteln. Da wir anderswo mit dieser Köderei schlechte Erfahrungen gemacht hatten, lehnten wir jedoch höflich aber bestimmt ab, obwohl die "Schlepper" irgendwo ein gewisses Niveau oder einen gewissen Charme hatten. Erstmal liefen wir zum nahegelegenen Bahnhof, wo plötzlich ein wohlbekannter Sound ertönte: Wir waren in einer der letzten Hochburgen für GM-Loks in Europa angekommen!
Erst suchten wir das nahegelegene Hotel "Park" auf, das im Reiseführer als "moderat" beschrieben war. Es war dann aber doch heftig feudal, und da wir den Fehler machten, gleich mit Rucksäcken hinein zu stürmen, war natürlich nichts mehr frei. Nun ja, sonst wäre es wohl am Preis gescheitert. Im selben Viertel oberhalb der Bahnhofs-Rückseite fanden wir allerdings in einer engen Gasse eine Pension, die zwar mega-einfach war, die uns aber ruhig erschien und einen sauberen Eindruck machte. Das Gespräch mit der Wirtin war nicht einfach, doch wir glaubten, etwas von 190 Kuna (26 Euro) für das Zimmer herausgehört zu haben.
Anschließend entschlossen wir uns nach einem kleinen Rundgang durch Splits Altstadt-Gassen zu einer Erkundungstour nach Šibenik. Beim Lösen der Fahrkarten hatten wir den Eindruck, dass Šibenik selten verlangt wird. Der Halbpreis betrug 16,40 Kn, für uns wegen IC-Benutzung 24 Kn.
Der von einer GM-Lok (wovon auch sonst?) der Reihe 2062 geführte IC bestand aus vier Wagen. Hinten bekamen wir "dicke" ein eigenes Abteil. Bis hinter Solin beherrschen Industrie und Hafen den Charakter der Strecke, doch ab Kaštel Sućurac konnte die GM alles geben. Durch die Obst- und Weinhänge oberhalb der Bucht von Kaštela stieg die Strecke nun kontinuierlich in die Höhe. Rund um Kaštel Stari ergaben sich schon beeindruckende Ausblicke und hinter dem nächsten Haltepunkt Sadine waren mit einem Schlag die Obstgärten zuende und die Strecke führte in völlig karge und kahle Gebirgslandschaft hinein.
Durch Tunnel, über Dämme und oberhalb von tiefen, schluchtähnlichen Tälern gelangt die Strecke nach Labin Dalmatinski. Auch im weiteren Verlauf, wo es durch bescheidene und durch Steinmäuerchen begrenzte landwirtschaftliche Parzellen geht, wurde uns die Strecke nicht langweilig. In Perković verließen wir den Zug. Ein Triebwagen der Baureihe 7122 stand im Bahnhof. Es handelt sich um Fiat-VTs, die vorher in Schweden unter der Baureihenbezeichnung Y1 "gedient" haben.
Der Šef wies uns allerdings darauf hin, dass statt des VTs ein Bus nach Šibenik fahren würde. In der Bahnhofsausfahrt war gerade eine "Rotte" damit beschäftigt das Gleis aufzuarbeiten. Wir nutzten allerdings die verbleibende Zeit. Offenbar hatte auch hier niemand etwas gegen Fotos, so dass der Y1 mit Sonne und ein Güterzug (natürlich) ohne Sonne fotografiert werden konnten. Angeblich sollte die Gegend südlich Unešić frei von Minen sein, doch waren wir den ehemaligen Kriegsgebieten nun sehr nahe gekommen. Unwillkürlich schauten wir beide genau hin, dass wir in der Fahrspur des kleinen Feldweges, der entlang des Bahnhofes führte, blieben.
Zum Bus folgten wir der Meute, die erst vor dem Bahnhof gewartet hatte, die dann aber vom Fdl zu einem Wendeplatz unterhalb geschickt wurde. Die Busfahrt war nett. Es ging über mehrere Anhöhen, die Ausblicke bis zum Meer ermöglichten. Von Šibenik war ich erst etwas ernüchtert, doch sollte man nicht vom Bahnhofsviertel auf die ganze Stadt schließen...

Im Bahnhof Šibenik steht eine 2062 mit den beiden Nachtzug-Kurswagen im Bahnhof abgestellt.
Am Obstmarkt, wo die Ware auf fest eingerichteten Beton-Marktständen feilgeboten und teilweise zu prächtig in der Sonne leuchtenden Pyramiden aufgetürmt worden war, mussten einige Fotos gemacht werden. Bei solchen Farben will der Velvia schließlich nicht in der Tasche bleiben. Nun, bald hatten wir die Aufmerksamkeit der gesamten Umgebung auf uns gezogen, wobei wir durch freundliche Gesten die Erlaubnis bekamen, auch weiterhin kräftig mit der Kamera auf die Handelstreibenden zu halten. Im Nachhinein ist es schade, dass man den Händlern mangels Adresse nicht den einen oder anderen Abzug schicken kann.

Markttreiben in Šibenik.
Weiter ging es kreuz und quer durch die gesamte Altstadt, deren enge und oft mit Stufen angelegten Gassen jeglichen Autoverkehr verhinderten. Was für eine Wohltat! Leider kamen wir nicht auf die Burg rauf (zwei Schweizer erzählten uns zwei Tage später, dass es schon gewisse Möglichkeiten gegeben hätte...), doch von einem Friedhof unterhalb hatte man auch einen beeindruckenden Blick über die Altstadt, die Bucht, die vorgelagerte Inselwelt und die Krka-Mündung.
Die letzte Nacht war kurz, und so traten mittags dann doch einige Ermüdungserscheinungen auf den Plan. Da waren wir froh, als wir in einer der Gassen unversehens über ein nettes Restaurant stolperten. Die gegrillten Kalamares waren lecker. In dem Restaurant aßen viele Schüler, die offenbar mit Marken bezahlen durften und dafür ein bestimmtes Menü erhielten. Viele entschieden sich dann aber doch für Pizza gegen Aufpreis...

Gassenviertel in Šibenik.
Nach Abrundung durch einen Cappuccino schlugen wir den Rückweg ein, wobei wir einen Schlenker über den Busbahnhof drehten. Dort wollten wir uns nach Möglichkeiten zum Krka-Nationalpark erkundigen. Nachdem uns in der Stadt schon gelegentlich irgendwelche 80er-Jahre-Busse mit Original-Beschriftung und -Lackierung der HHA (Hamburger Hochbahn AG) aufgefallen waren, stellte der (ansonsten hässliche) Busbahnhof ein einziges Museum für deutsche Busse der 80er Jahre dar. Ob Stadtwerke Bamberg oder Busse aus dem Frankfurter Raum - alles war vertreten. Auf einem Schmierzettel wurden uns an der Information paar Zeiten aufgeschrieben, wobei sich auch hier die Mitarbeiterinnen sehr viel Mühe gaben, uns die benötigten Fingerzeige zu geben. Im Bahnhof gab es dann noch paar Sonnenfotos vom Y1 / 7122, der inzwischen hier wieder eingetrudelt war.

Der planmäßige Triebwagen ist inzwischen auch wieder im Bahnhof Šibenik eingetrudelt, die 2062 hat hingegen ihre beiden Personenwagen verlassen. Vielleicht muss sie noch bischen für den Güterverkehr rangieren.
Beim Betreten des Triebwagens schlug uns ein Geruch entgegen, der mich für einige Sekunden an die schwedische Inlandsbahn versetzte, auf der ich Anfang der Neunziger vielfach mit diesen Triebwagen gefahren war. Die Strecke taucht nach Verlassen des Šibeniker Speckgürtels wieder in die kahle und felsige Gebirgslandschaft ein. Außer im Bahnhof Razine, wo wir vormittags auf dem Bahnhofsvorplatz kurz auf die Zustimmung des Šef zur Weiterfahrt gewartet hatten (nein, er hob nicht den Befehlsstab...) und wo ein Zementwerk noch ansehnliche Güterzüge empfängt, hielten wir später an zahlreichen Haltepunkten in den einsamen Bergen, an denen durchaus Leute ausstiegen. Mit dem Bus hätten wir die Hps gar nicht erreichen können...
In Perković war nun der große Nachmittagsknoten. Die 7122er Šibenik - Knin und Gegenrichtung trafen hier auf den GM-geführten Nachmittagsbummel von Split, der nach Lokumlauf zurück nach Split fahren sollte. Trotz zahlreicher Wolken gelangen uns Gruppenbilder von allen drei Zügen in bester Ausleuchtung nebeneinander.

Nachmittagsknoten in Perković. Der Zug nach Split steht zwischen den Triebwagen von Šibenik nach Knin (links) und von Knin nach Šibenik (rechts).

Da Pu 5505 als letzter Zug den Bahnhof verlässt, kann er auch nochmal solo aufgenommen werden.
Etwas erschwert wurden die Fotos allerdings dadurch, dass die gesamte Dorfjugend am Bahnhof versammelt war. Sie wieselten solange um uns herum und ins Bild, bis wir ein Foto von ihnen gemacht hatten. Ich habe wirklich noch nie erlebt, dass sich eine Gruppe derartig schnell in Fotopose begibt. Allerdings waren die Herrschaften nach dem Bild "natürlich" nicht gewillt, von uns zu lassen. Zum Glück verstanden wir keinen der Sprüche, mit denen sie uns bedachten...

Die Dorfjugend wollte immer mit aufs Bild...
Bei der HŽ gibt es keine Bedarfshalte. Es wird grundsätzlich an jedem noch so kleinen Hp gehalten. Wir waren allerdings erstaunt, dass auch an einsamsten Haltepunkten tatsächlich Leute auf den Zug warteten. In Primorski Dolac hatten wir Kreuzung mit einem Güterzug. Beim Halt konnten wir aus dem Fenster den Weichenwärter beobachten, der in der Ausfahrt die Weiche stellte. Ansonsten herrschte in dem Tal, durch das nur ein Fahrweg führt, absolute Stille.
Diese Stille wurde durch zwei militärisch-korrekte Handbewegungen des rotbemützten Bahnhofschefs jäh unterbrochen. Innerhalb von fünf Sekunden hatten beide Züge den Befehlsstab gesehen. Plötzlich war die Stille des Gebirges erfüllt vom Orgelkonzert zweier beschleunigender GM-Loks. Besonders die Lok unseres Gegenzuges hatte gut zu tun. Als wir nach einer kleinen Rundkehre aus höherer Lage nochmal den Blick Richtung Primorski Dolac hatten, kam uns aus dem Tal noch immer ein Schwall vom kräftigen Sound des beschleunigenden Zementzuges entgegen, während unser Tf mit seinem Zweiwagenzug schon längst wieder runtergeschaltet hatte. Doch bald herrschte wieder Ruhe über dem Tal von Primorski Dolac...
Ob Nahverkehr oder IC, alle lokbespannten Züge wurden aus herrlich bequemen Abteilwagen gebildet, die zwar eine Art Klimaanlage besaßen, deren Fenster sich aber öffnen ließen. Die Sitze in den großzügigen Sechserabteilen sind mit Stoffpolstern bezogen, Sitzflächen und Kopfstützen sind verstellbar. Das ist noch echtes Reisen, zumal wir (auch später) nie wirklich volle Züge erlebt haben.

Nun sind wir wieder in Split. Die Lok von unserem Bummelzug macht Lokumlauf.
Nach der Ankunft in Split haben wir erstmal Siesta in unserer Pension gemacht. Erst jetzt, wo es zum Abend hin merklich frischer wurde, merkten wir, dass unser Zimmer gar keine Heizung besaß! Wir bekamen allerdings unbürokratisch einen kleinen Heizlüfter ins Zimmer gestellt. Als es dunkel war, machten wir einen kleinen Rundgang durch die Stadt. Auch Split hat viele Gassen, die gar nicht mit Autos passierbar sind. Und wenn doch, dann waren sie als Fußgängerzone ausgewiesen. Das machte die Stadt ja schon wieder doppelt sympatisch.
Besonders eindrucksvoll ist ein Teil der Altstadt, der aus einem alten Römerpalast (Alterssitz des spätrömischen Kaisers Diokletian) hervorgegangen ist. Hier stehen noch alle möglichen Säulen, deren genaue Bezeichnungen ich sicher mal im Geschichtsunterricht gelernt habe, außerdem hat es ein ganzes Netz von Katakomben oder Gewölben, deren Abdeckung zum Teil entfernt worden war. So existieren hier zahllose Ebenen nebeneinander, deren Unübersichtlichkeit noch dadurch verstärkt wird, dass in diesem Gebiet im Laufe von zwei Jahrtausenden verschiedene Häuser "neu" hineingesetzt worden sind.
Obwohl die Altstadt abends stark bevölkert war, glich das Römerviertel einer Geisterstadt. Es war einfach grotesk: Man lief durch einige völlig unbeleuchtete Torbögen. Kein Mensch war weit und breit zu sehen. Nur ganz am Ende waren Licht, Bewegungen und Stimmen zu hören. Links und rechts zweigten finstere Gänge ab, doch wir hielten uns geradeaus. Plötzlich standen wir in einem gleißend hell erleuchteten Hof, der rings herum von verrammelten Häuserfassaden eingeschlossen war. In diesem Hof spielten paar Jungs Fußball. Und zwar ziemlich derbe, so dass wir schleunigst durch ein schräg gegenüber liegendes Loch weiter liefen.
Vorbei an Trümmern und einzelnen Bauwerken ging es nun wieder völlig finster, aber unter freiem Himmel um paar Ecken. In einiger Entfernung und auf einem anderen Höhenniveau spielte ein anderes Grüppchen Fußball. Einmal passten die Spieler nicht auf, und der Ball musste eine Ebene tiefer aus den Gewölben aufgelesen werden. Ansonsten herrschte absolute Stille. Wir näherten uns der Rückseite einer Kirche, die von außen mit einigen wenigen Scheinwerfern partiell angestrahlt war. Über uns funkelten die Sterne. Neben uns stand ein Haus, durch dessen verschlossene Läden warmes Licht drang.
Und nicht nur das! Plötzlich wurde die Stille durchschnitten von Klaviermusik, die aus dem Haus zu uns drang, als wären die Wände aus Pappe. Dabei hatte es sich nur um eine Einleitung gehandelt. Plötzlich legte ein Chor los, dass die Wände wackelten! Da standen wir beide völlig einsam in dieser Ruinenstadt, blickten auf eine Kirche vor und ein Trümmerfeld unterhalb von uns und kamen dazu in den akustischen Genuss eines mit zig Stimmen geschmetterten "Halleluja" auf kroatisch. Das war schon sehr eindrucksvoll...
Immerhin fanden wir mühelos aus dem Geisterviertel hinaus. In der Pension gab es noch ein Glas Wein; doch lange hielten wir uns nicht mehr auf den Beinen...
So langsam bekamen wir ja schon Lust auf Streckenaufnahmen. Und weil morgens am Himmel größere blaue Flächen zu sehen waren, beschlossen wir, heute mal einen Tag an der Strecke zu verbringen. Wir hatten ja gestern vom Zug aus schon im Bereich der Obst- und Weingärten von Kaštela, durch die die Bahn in Hanglage emporsteigt, einige Motive gesehen. Und in den Gärten brauchten wir uns vor Minen wohl nicht zu fürchten...
Unsere Vermieterin hatte einen leichten Schlaf. Wir hatten etwas Probleme mit dem Türschloss der Außentür, doch blitzschnell war sie zur Stelle um zu helfen. Allerdings befürchtete sie wohl auch, dass wir einfach verduften wollten - so richtig hatte das gestern mit der Verständigung ja nicht geklappt.
Natürlich zogen von der See her jetzt doch dicke Wolkenfelder auf. Andererseits war es schön, in der Natur zu sein. Obstbäume zeigten erste Blüten und die Luft war eine Spur milder geworden, als in den letzten Tagen. Wir entdeckten eine schöne Kurve vor der Kulisse von Kaštela, der Bucht und Splits Hausberg Marjan, in der wir den nach anderthalb Stunden folgenden Intercity prima mit Blühbäumen fotografieren konnten. Doch leider ging der IC ohne Sonne ab, obwohl sich die Wolken schon wieder ordentlich aufgelöst hatten. Dafür ging der zurückkehrende Pu mit Sonne am östlichen Form-Einfahrsignal von Kaštel Stari ab.

Der "Tageszug" der Dalmatien- und Likabahn: IC 520 "Marjan" vor der namensgebenden Halbinsel mit ihrem Hügel, die von links ins Bild ragt und die Bucht von Kaštela vom offenen Meer trennt. Vor der Bucht fällt der Blick auf Kaštel Lukšić. (Nachtrag 2025: Der morgens ab Split fahrende IC heißt auch heute noch IC 520 und trägt sogar wieder den Namen "Marjan"...).

Pu 5503 passiert das östliche Einfahrsignal von Kaštel Stari.
Nach dieser Aufnahme folgten wir der Bahn westwärts auf einem Weg, der so lange parallel zum Gleis verlief, wie selbiges noch durch die Plantagen führte. Wir kamen an einigen einzelnen Häusern vorbei. Vor einer Hundehütte mit dem Schriftzug "King" stand ein ausgewachsener Doberman und bellte uns an. Glücklicherweise hielt die Kette... Ein Stück weiter wurden wir vom Balkon eines Rohbaus von einem Hund angebellt, der offenbar Asthma hatte, jedenfalls röchelte er zwischendurch ziemlich.
Der aufwärts fahrende Güterzug kam, als wir das westliche Vorsignal erreicht hatten. Wir wurden allerdings rechtzeitig vorgewarnt. Schon zehn Minuten, bevor die einzeln fahrende und unter Volllast arbeitende 2062 und ihre Zementwagen mit ca 30 km/h an uns vorbeikrochen, waren die Hänge von Kaštela vom Orgelkonzert composed by General Motors erfüllt. Und noch länger dauerte es, bis wir den Zug ein letztes Mal in der Kurve oberhalb des Hp Sadine, der unser heutiges Ziel war, erspähten.

Ein kompletter Zug mit den kleinen "Zement-Eiern" kraxelt oberhalb von Kaštel Stari aufwärts und passiert das obere Vorsignal.
Auf einer Wiese legten wir uns nun einfach in die Sonne. Mit wenigen Schritten waren Motive für Züge beider Richtungen erreicht. Leider tat sich nun erstmal gar nichts. Die Personenzüge haben zwischen 10.00 und 15.00 Uhr Pause. Nach einem Güterzugfahrplan mit Stand vom letzten Jahr hatten wir innerhalb dieser Zeitspanne allerdings Chance auf zwei bis drei Güterzüge. Nun, der zweite Güterzug kam dann nach etwa einer Stunde und fuhr sogar abwärts, was vom Lichtstand besser gewesen wäre, wenn denn ein Lichtstand gewesen wäre. Die Sonne hatte sich allerdings schon für eine Weile wieder verabschiedet und es hatte sogar zu regnen angefangen.
Da es dadurch auch wieder etwas frischer wurde, beschlossen wir einfach weiterzugehen. Der Weg verlor sich nun in den letzten Olivenhainen. Auf dem Bahnkörper führte allerdings eine Spur parallel zum Gleis, die man nutzen konnte. Es kam ein kurzer Abschnitt, der durch die Wildnis führte, bevor die Bahn bald darauf die ersten Felder von Rudine erreichte. Das Dorf lag unterhalb von Sadine und abseits der Bahn. Bis zum Haltepunkt Sadine musste man noch ein ganzes Stück weiter aufwärts gehen - nun allerdings wieder auf einem parallelen Weg.
Vorher machten wir allerdings noch eine ganze Weile Siesta am Rande eines Einschnittes mit weitem Blick über die Bucht bis nach Split. Von hier oben zeigte sich der Rand der Bucht mit den Orten Kaštelas (Kaštela ist die Sammelbezeichnung einer Reihe von einzelnen Orten entlang der Küste), Solin und Split wie ein einziges weißes Häusermeer. Die Sonne schien nun wieder vom blauen Himmel, doch an den Bergen rund um die Bucht und weiter südlich hingen fette Wolken. Etwa eine halbe Stunde vor dem aufwärts fahrenden Putnički vlak tauchte unversehens ein Güterzug von oben auf, den wir nicht zuletzt wegen des Lichtstandes nicht umsetzen konnten. Der Bummelzug selbst ging gut mit paar einzelnen Häusern und dem Blick auf die wolkenverhangenen Berghänge.

Blick über die Bucht von Kaštela: Unten die Ortskette von Kaštela, links hinten Solin und am anderen Ufer der Bucht Split.

Pu 5504 passiert die Ausläufer von Rudine.
Nach den gestrigen Erfahrungen (Kreuzung in Primorski Dolac) rechneten wir nun wieder mit einem nachfolgenden Güterzug. Und tatsächlich. Der Bummel war gerade fünf Minuten verschwunden, da sah man tief unten zwischen Kaštel Sućurac und Kaštel Stari die Kette einiger Zementwagen auftauchen. Und bald drang auch schon der passende Sound an unsere Ohren. Dennoch vergingen wohl zehn Minuten, bis der Sound so laut über Rudine lag, dass wir meinten, jetzt müsse der Zug gleich im Sichtfeld des Motives auftauchen. Doch dann sah man ihn erst zwei Hänge weiter unterhalb...
Die Wolke war eigentlich erst da, als die 2062 dann wirklich langsam um die Kurve gekrochen kam. Es war eine ganz kleine Wolke. Der Zug kam im Zeitlupentempo näher. Langsam wurde es schon wieder heller. Die Lok kam nun dem Abdrückpunkt bedrohlich nahe. Jetzt war er erreicht! Ich hatte bis zum letzten Moment gewartet, so dass trotz Schneckentempos und vier Bildern pro Sekunde nur zwei "Schüsse" drin waren, bevor der nächste Busch kam. Ob die Lok nun wirklich schon wieder volles Licht hatte, konnten wir beide nicht sagen. Erst die Bilder zeigten es dann, dass das Licht noch nicht wieder die volle Intensität erreicht hatte...
Bis zur Rückkehr des Putnički vlak, mit dem wir dann mitfahren wollten, war noch etwas Zeit. Gestern hatten wir in Labin noch mit einem weiteren Güterzug gekreuzt; insofern bestand Hoffnung. Wir schauten mal ein Stück oberhalb des Haltepunktes. Hier endete nun wirklich jegliche Zivilisation. Vom Betreten des nächsten Einschnittrandes sahen wir dann aber doch lieber ab. Hier lagen verwehte Reste von Absperrbändern in der Gegend herum, auf denen wir etwas von "Achtung" lasen und auf denen auch kyrillische Schriftzeichen zu erkennen waren. Später entdeckten wir diese Bänder noch häufiger. Die vollständige Aufschrift lautete "Achtung Kabel!" in diversen Sprachen...
Gerade stand ich ein Stück unterhalb des Gleises am Bahndamm, da tauchte plötzlich von oben ein Zug auf, den ich nicht gehört hatte (Lars war ein Stück entfernt). Die eilige Umschau nach einem möglichen Fotostandpunkt wich schnell der panischen Suche nach einer Fluchtmöglichkeit. Der Zug hatte nämlich knallgelb lackierte Kesselwagen, aus denen sich der breite Schwall einer Flüssigkeit in die Botanik rechts und links des Gleises ergoss! Ein Unkraut-Spritzzug! Freundlicherweise hatte man mich aus der Steuerkanzel des ebenfalls in gelb lackierten Bedienungswagens entdeckt und den Schwall abgestellt. Ich bin also Schuld, wenn in der Außenkurve oberhalb Sadine künftig das Unkraut so hoch wächst, dass man dort nicht mehr fotografieren kann...
Unendlich langsam schlich der Zug weiter abwärts, so dass alle Hoffnung auf einen aufwärts fahrenden Güterzug vor unserem Bummelzug zunichte gemacht wurde. Wir überholten den von einer grünen 2062 gezogenen Spritzzug dann mit unserem Zug bereits in Kaštel Stari. Vorher war es allerdings noch faszinierend zu beobachten, wie aus den umliegenden Olivenhainen nach und nach vier Leute auftauchten, die an diesem einsamen Hp auf den Zug warteten.

Und wieder gibt es ein Bild vom Lokumlauf unseres Pu nach Ankunft in Split.
Die Altstadt von Split lag in genialem Abendlicht vor den fetten Wolken, die sich an den Berghängen auftürmten. Da mussten natürlich noch paar Bilder gemacht werden, bevor wir in einer Taverne mit hübscher junger, aber lustlos schlurfender Kellnerin lecker zu essen bekamen. Hier gab es endlich mal dalmatinische Gerichte und nicht immer nur Pizza...

Die Altstadt von Split im Abendlicht.
In den Hängen bei Kaštela waren noch einige Fotomotive offen. Doch heute herrschte beim Aufwachen geschlossene Bewölkung. Lars, unser "Sightseeing-Obmann", dachte für heute an eine Tour in den Krka-Nationalpark. Die Idee gefiel mir auch.
Die Züge waren wie üblich gebildet: Erst eine 2062 mit drei Abteilwagen, wobei es uns der letzte besonders angetan hatte. Es handelte sich um einen deklassierten A-Wagen. Dann fuhren wir mit einem Y1, der sich auf Šibenik zu ganz gut füllte. In Šibenik waren wir etwas verwundert, weil der Stationschef nicht vorm Bahnhofsgebäude strammstand, als der VT einlief. Den gespannten Blicken anderer Bahn-Mitarbeiter folgend wurden wir gewahr, wie der Šef 100m weiter eine Ratte mit Schottersteinen durch die Gleise jagte...

Für Hamburger gab es einen gewissen Wiedererkennungswert: Ein Schnellbus der HHA in Šibenik.
Leider war der Bus direkt bis zum Nationalpark gerade um 09.00 Uhr gefahren. Wir mussten nun bis 10.30 Uhr warten. Dann konnten wir wenigstens einen Bus nach Drniš nehmen, der in der Nähe des Nationalparks entlang fahren würde. Bis dahin konnten wir am Hafen in Ruhe einen Kaffee trinken. Trotz Bewölkung war es angenehm milde, so dass wir sogar draußen sitzen konnten.
Unser Wiesbadener Stadtbus füllte sich recht ordentlich. Weil mehrere Busse um 10.30 Uhr abfahren sollten und einige deutsche Reisebusse im Weg rumstanden, gestaltete sich die Abfahrt nicht ganz einfach. In Tromilja (hier war auf der Karte nur eine namenlose Straßenverzweigung verzeichnet) empfing uns dann eine eigenartige Stimmung. Wir befanden uns auf einer Hochfläche, die nur von krüppeligem Gestrüpp bewachsen war. Über dieser Szenerie hing tief und dunkel die Wolkendecke, die verdächtig nach Regen aussah. Eine Wohltat war die frische, würzige Bergluft, die wir einatmen konnten.

Auf dem Weg von Tromilja zum Nationalpark.
Unter dem trüben Himmelsdach liefen wir nun eine schwach befahrene Straße durch diese eigentümliche Landschaft. Meistens wurde die Straße von kleinen Steinmäuerchen gesäumt. Nach links und rechts konnte man weit blicken, denn die Luft war klar. Nach etwa zwanzig Minuten Fußweg war der Ort Lozovac erreicht, wo der Großparkplatz nebst Eingang zum Nationalpark lag. Die wenigen Besucher des heutigen Tages durften allerdings bis zu den Wasserfällen hinunter fahren. Für uns kam jedoch der Pfad, der den Hinweisschildern zufolge genau 875m lang war, in Frage.
Langsam ging es in das tief eingeschnittene Tal hinab und immer wieder hatte man schöne Ausblicke auf die Seenkette im Zuge der Flüsse Krka und Čikola. Nach und nach vernahm man zudem ein ständiges Rauschen, das hinter jeder Wegbiegung lauter wurde: Die Wasserfälle! Unten angekommen erfuhren wir von einem Info-Mann, der uns sofort als Deutsche enttarnte, dass um 12.30 ein Schiff über die Seenkette aufwärts fahren würde. Bis dahin war noch eine Dreiviertelstunde Zeit, die wir zu einem Rundgang über die Bohlenwege durch die Wasserfalllandschaft nutzten. Auf einer Fläche von mindestens drei Fußballfeldern mäandriert die Krka und stürzt in vielen kleinen Wasserfällen eine Stufe abwärts.
Der Krka-Nationalpark dürfte reichlich fotografiert sein. Jedes Bild müsste schöner sein als die trüben Bilder, die wir dort gemacht haben. Sie sind das Scannen definitiv nicht wert gewesen. - Als es Zeit für das Boot war, besorgten wir uns vom Info-Mann die Tickets, wobei dort schon zwei schweizer Studenten warteten. Das war auch unser Glück, denn für zwei Leute allein wäre das Boot nicht gefahren. Die beiden hatten aus demselben Grund mit dem Ticketkauf bis zu unserem Erscheinen gewartet.
In den folgenden dreieinhalb Stunden schipperte das Schiff mit uns für 100 Kn pro Person (14 Euro) über den Visovačko jezero (=See) zum Kloster Visovac, weiter zu den Roški slap (die nächste Wasserfall-Stufe) und wieder zurück. Die Seen waren tief in die felsige Landschaft eingeschnitten und zum Teil kam man sich vor wie auf dem Geirangerfjord. Das Kloster Visovac liegt auf einer kleinen Insel im gleichnamigen See. Zur Besichtigung hatten wir eine halbe Stunde Zeit. Der Wind hatte zum Sturm aufgefrischt. Ein Pfau im Klostergarten wurde auch ohne Rad zu schlagen vom Sturm derartig erfasst, dass er mehr seitlich als vorwärts über die Insel torkelte.

Fjordähnliche Landschaft auf dem Visovačko jezero.
Bei den Roški slap hatten wir eine Stunde Pause. Es gab eine alte Wassermühle zu besichtigen. Außerdem konnten wir einen Weg neben den Wasserfällen aufwärts gehen, der uns an einer "stufigen" Wasserfläche entlang zum Ausgang der Krka-Schlucht brachte. Dort lagen sogar Boote, so dass im Sommer vielleicht eine durchgehende Bootstour auf der Krka mit Umstieg an den jeweiligen Wasserfall-Stufen möglich war. Zur Stärkung gab es an der Wassermühle einheimischen Schafskäste und Schinken im Fladenbrot zum Touripreis. Die gelieferte Ware war allerdings den Preis wert. Der Schinken war in einem Gestell eingespannt und wurde regelrecht abgehobelt.
Auf der Rückfahrt peitschte der Sturm die Gischt regelrecht auf das Boot. Der Regen setzte zum Glück erst ein, als das Schiff wieder angelegt hatte und wir zusammen mit den Schweizern im Nationalpark-Café noch einen Kaffee tranken. Die beiden waren auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs und hatten ebenfalls den "Kurz-nach-5-Uhr"-Bus ab Lozovac angepeilt (17.00 Uhr war die Abfahrtszeit am Startpunkt der Linie in Skradin). Erzählenderweise stiegen wir den 785m langen Pfad wieder hoch. Lange brauchten wir nicht zu warten, da fuhr ein Bus der Verkehrsgemeinschaft Niederrhein vor:
Im Bus tönte laute Musik, das Publikum war eher etwas jünger. Die beiden Schweizer hatten in Šibenik Quartier. Die nächste Zugverbindung nach Split hätte erst wieder um 20.21 Uhr bestanden. Daher nahmen wir den Bus für 36 Kn (5 Euro).
Der Bus kam schon ganz aus Zagreb und war ein älteres Fahrzeug östlicher Produktion. Fast verbrannte ich mir den Fuß an der Heizung und die Lüftung tat es überhaupt nicht. Die Luft war so schlecht, dass die Frontscheibe von innen beschlug und der Fahrer sie mehrmals mit Papierhandtüchern trocknen musste. Nach dieser Fahrt war unser ungeheiztes Pensionszimmer eine Wonne. Zum "Löschen" machten wir uns dann allerdings nochmal in eine nahegelegene rustikale Pizzeria auf, wo es ganz viel Pivo gab...
Da wir für heute ähnliches Wetter erwarteten wie gestern und es morgens nochmal heftigst geregnet hatte, war ziemlich sicher, dass wir das Schlechtwetterprogramm - eine Rundreise mit Zug nach Zadar und mit Bus zurück - durchführen würden. Doch als wir vor die Tür traten, war in Richtung Südwesten fast nur noch blauer Himmel zu sehen. So begann erstmal großes Gezauder, was man nun machen solle. Ich neigte eher zu einem zweiten Anlauf Streckenaufnahmen in Kaštel Stari, während Lars lieber mit einer Fähre auf eine der vorgelagerten Inseln wollte.
Der Bummelzug war ja schon längst weg, und der IC hielt natürlich nicht in Kaštel Stari. Also musste ich den Bus nehmen. Es war allerdings eine Tortur, die richtige Haltestelle zu finden. Immerhin konnte mir schon die zweite befragte Mitarbeiterin an den Schaltern des Busbahnhofes am Bahnhof sagen, dass ich Linie 37 nehmen müsse und dass diese Linie weiter oberhalb abführe. Von Haltestelle zu Haltestelle (die alle mit kleinen Schaltern besetzt waren) fragte ich mich nun durch. Irgendwann stand ich dann vor einem zweiten Busbahnhof. Hier war ich endlich richtig...
Die Busfahrt mit dem Schlenki, dessen Ziel das Weltkulturerbe Trogir war, durch die Hafensite von Predgrađe war ziemlich freudlos. Immerhin fand ich in Kaštel Stari auf Anhieb die richtige Haltestelle und die richtige Straße hoch zum Bahnhof. Der Fußweg dauerte etwa 20 Minuten, während derer ich ständig erwartete, plötzlich das Orgeln einer GM über mir zu hören. Doch ich verpasste nichts. Dafür war ich hier oben endlich dem Trubel entronnen und konnte entspannt den Feldweg entlang der Bahn aufwärts gehen, vorbei an King und dem Asthmatiker, der nun auf einem anderen Balkon des Rohbaus "eingesperrt" war.
Lange brauchte ich auf unserer Liegewiese von vorgestern gar nicht zu warten, da rollte kurz nach 11 Uhr schon ein erster Zug abwärts. Paar kleine Wolkenfetzen machten die Sache zwar spannend, doch sind die Bilder dennoch gut geworden. Der Himmel war nun fast wolkenlos und in mir wuchs die Vorfreude auf viele sonnige Fotos. Wie konnte ich denn ahnen, dass der Himmel bereits zwei Stunden später wieder völlig bewölkt sein würde? Es blieb aber angenehm warm, so dass ich weiter auf meiner Wiese faulenzen konnte. Und schon bald trafen mich wieder die Sonnenstrahlen.

Am Ende des Fahrweges von Kaštel Stari erblickt man bereits weit hinten am Hang das Stationsgebäude von Sadine. Ein Güterzug rollt abwärts.
Das Wetter wechselte im Zweistundentakt, wobei mir die erste Wolkenphase keine Zugdurchfahrten "verdunkelte". In der darauffolgenden Sonnenphase gab es einen Abwärtsfahrer mit Doppeltraktion (vorn sogar eine 2061). Zu den sicheren Zügen Pu 5504 und dem darauffolgenden Güterzug war im Rahmen des Zweistundentaktes der Wolken aber leider wieder fetter Schmodder vor der Sonne angesagt. Dabei wäre der Putnički vlak sogar mit "richtigrummer" Lok gekommen. Die GMs haben nämlich zwei völlig verschiedene Seiten. Während die Griechen ihre Loks immer möglichst so hindrehen, dass die breite Fensterfront nach vorn zeigt und dem Tf bestmögliche Streckensicht gewährt, fahren die Loks in Kroatien mehr nach Zufall. Da ja zwei Lokführer auf der Lok sind, kann je einer auf jeder Seite des Vorbaus entlang vorwärts schauen, wenn die Lok rückwärts fährt.

Ein weiterer Abwärtsfahrer wird von der letzten in Betrieb befindlichen 2061 angeführt.
Der darauffolgende Güterzug war der fotogenste Zug, den ich hier in der Ecke mitbekommen habe. Zwei 2061er zogen eine ausgewachsene Kette von Zementwagen im Schneckentempo aufwärts. (Nachtrag 2025: Das war natürlich ein Doppel aus 2061 und 2062.) Leider war es nur ein Klangerlebnis, denn die Sonne hatte sich zum Zeitpunkt der Durchfahrt vollends verabschiedet. Zum abwärts fahrenden Pu war wieder edelster Sonnenschein, doch der Zug kam derartig aus dem Licht, dass ich mir ein Bild schenkte. Ein aufwärts fahrender Güterzug kam leider nicht mehr.

Da es meine einzige Aufnahme einer 2061 von der kurznasigen Seite ist, zeige ich das Bild trotz des obligatorischen Sonnenausfalls. Das Motiv ist heute eines der bekanntesten auf diesem Abschnitt. Das Gehöft links ist erst einstöckig und die bekannte Kirche am Bahnhof Kaštel Stari ist noch im Bau.
Lars hatte inzwischen angerufen und erzählt, dass er den Nachmittag in Trogir verbringen würde. Wir hatten uns auf den 18.30 Uhr-Bus ab Trogir verabredet, in den ich in Kaštel Stari zusteigen wollte. Da noch etwas Zeit war, drehte ich noch einen Schlenker durch die Altstadt und über die Hafenpromenade von Kaštel Stari. Hier gab es nette Restaurants. Das Meer lag ganz still da. Um 18.35 Uhr stand ich dann mit vielen anderen (meist jüngeren) Leuten an der Haltestelle. Was nicht kam, war der Bus. Lediglich in der Gegenrichtung kam ein völlig überfüllter Schlenki durch. Es wurde dunkler und dunkler, doch kein Bus kam in Sicht.

Am Hafen von Kaštel Stari.
Beeindruckend war die Gelassenheit der Jugendlichen, die warteten. Man vertrieb sich die Zeit durch Klönschnacks mit den sonst so durch den Ort flanierenden Leuten. Nur einer schaute ständig auf die Uhr und sah so aus, als ob Linie 37 ihm gerade ein Date zum platzen bringen würde. Irgendwann nach 19 Uhr meldete sich Lars und erzählte, dass der 18.30 Uhr-Bus ausgefallen sei und der 19-Uhr-Bus mit Motorschaden am Straßenrand zwischen dem Flughafen und Kaštela stand. Die Insassen zweier Busladungen warteten jetzt auf den 19.30 Uhr-Bus...
Der Bus kam brechend voll in Kaštel Stari an. Zum Glück stiegen viele aus, und nach Durchbruch durch die Front der Stehenden bekam ich sogar einen Fensterplatz ab. Zwar kippte das Sitzgestell mitsamt der zwei Holzsitze bei jeder Bremsung nach vorn, doch war das eher nebensächlich. "Leider" schaffte es der Schaffner dann doch irgendwann, bis in den Hänger des Schlenkis vorzudringen, so dass ich doch noch meine 13 Kn abdrücken durfte. Nach dem Kassieren musste sich der arme Kerl erstmal zum entwerten mit dem Ticket in den vorderen Wagen und zurück durchdrängeln, da der Entwerter im hinteren Wagen defekt war. Ich empfehle für solche Zwecke Schaffnerzangen...
Abends gingen wir nochmal in die Taverne, die diesmal gähnend leer war. Weshalb geht freitags und samstags in Kroatien niemand Essen??? Viele Restaurants haben am Wochenende sogar geschlossen! (Nachtrag 2025: Diese Beobachtung hatten wir in den allerersten Jahren in Kroatien häufiger gemacht, später dann aber nicht mehr.)
Erstmals waren wir nicht die einzigen Pensionsgäste und hatten das Bad nicht für uns allein, doch passte es zeitlich (zumindest für uns...) gut. Obwohl morgens das Wetter recht brauchbar aussah, waren wir einhelliger Meinung, dass heute Abreise angesagt sei. Schließlich waren wir nicht wenig gespannt auf die Zugfahrt mitten durch die Krajina, wo sich Serben und Kroaten in blutigen Auseinandersetzungen gegenseitig vertrieben haben.
Die 300 000 Einwohner-Stadt Split liegt bahnmäßig eine volle Tages- oder Nachtentfernung von der Landeshauptstadt Zagreb entfernt. Und doch liegen beide Orte nicht weiter auseinander als Köln und Hamburg. Dieser langsamen Verbindung entsprechend ist die Nutzung der Bahn praktisch bis zur Bedeutungslosigkeit zurück gegangen. Während parallele Buslinien zeitweise im Stundentakt fahren, bietet die Bahn nur noch je einen durchgehenden Tages- und Nachtschnellzug an. Lediglich in der Hauptsaison von Juni bis August kommen zwei weitere Nachtzüge hinzu.
Die Besetzung des Zuges hat uns etwas nachdenklich gemacht. Ab Split hätten wohl drei Wagen gereicht, um jedem Reisenden sein eigenes Abteil zu sichern. Doch das bittere war, dass sich der Fahrgastwechsel im weiteren Fahrtverlauf nur unwesentlich über Null bewegte. Selbst in Knin stiegen nur vier Reisende zu! An dieser Stelle sollen nochmal lobend die kroatischen Abteilwagen erwähnt werden, in denen wir es sicher noch länger ausgehalten hätten. Schade fanden wir nur, dass der im Fahrplan versprochene Caféwagen fehlte - wie bisher an jedem Tag, an dem wir den Zug gesehen haben.

IC 520 "Marjan" wird in Split vor der Kulisse des Römerturms vom Diokletianspalast bereitgestellt.
Irrte ich oder kam da tatsächlich ein wehmütiges Gefühl auf, als wir durch unsere Fotohänge oberhalb von Kaštela die Steigung erklommen - vorbei an King, dem Doberman, der träge vor seiner Hütte lag und vorbei an dem Rohbau, von dem uns der Asthmatiker hinterherbellte?

In Perković waren wir paar Minuten zu früh angekommen. Mit freundlicher Zustimmung des Lokführers konnte ich unseren Zug von der Sonnenseite fotografieren.
Hinter Perković kamen wir in neues Territorium. Ab Unešić befuhren wir eine weite, nur mit spirrigen Bäumen bestandene Hochfläche. Vor uns zeigte sich geschlossene Bewölkung, während die karge Vegetation rund um uns noch von der Sonne angestrahlt wurde. Vereinzelt auftauchende Steinhütten oder kleine Häuschen an der Bahn waren allesamt nur noch Ruinen. Wir hatten unverkennbar das Kriegsgebiet erreicht. Diese Erkenntnis zusammen mit der unwirklichen Beleuchtung schuf eine eigenartige Stimmung.

Die ehemaligen Kriegsgebiete sind erreicht. Die Beleuchtung schafft eine unwirkliche Stimmung. (Nachtrag 2025: Diese damals völlig gesichtslose Stelle "irgendwo in den Wicken" hat man im Laufe der Jahre natürlich auch gelegentlich besucht. In aktuelleren Reiseberichten habe ich die Örtlichkeit "Nördlicher Wicken-BÜ zwischen Planjane und Sedramić" genannt. Das Häuschen war dann aber schon weg...)
Als nächstes fuhren wir über einen kleinen Damm durch das karge Land auf den Bahnhof Žitnić zu. Schon von weitem fiel uns eine Bewegung an der Bahnhofseinfahrt auf. Es handelte sich um den Weichenwärter, der mit seiner Fahne schwenkte. Erst jetzt bemerkten wir, dass es hier gar keine Signaltechnik gab. An Stelle des Einfahrsignals stand nur eine runde rote Tafel. Somit signalisierte uns der Weichenwärter die freie Einfahrt!
Der Ort bot eine zweigeteilte Ansicht, die wir auch in den nächsten Ortschaften immer wieder beobachten konnten. Einerseits sah man durchaus viele zerstörte und unbewohnte Häuser. Andererseits fielen eine Vielzahl an Neubauten und nagelneue Straßenbeläge mit penibelster Fahrbahnmarkierung auf. Die Verkehrs- und Hinweisschilder wirkten noch wie geleckt und waren so reichhaltig vorhanden, dass man sich fast in den Schilderwald Deutschland versetzt fühlte; vor kleinsten Feldweg-Übergängen waren die Warnschilder mit dem "Schnelltriebwagen" aufgestellt.
An einem Schluchtensystem vorbei und über eine weite Rundkehre wird Drniš erreicht. Es handelt sich um eine der bedeutenderden Städte an dieser Strecke, doch der etwas periphäre Bahnhof lag wie tot da. Der einzige Mensch, der zu sehen war, war der Fahrdienstleiter. Nichtmal sein Weichenwärter ließ sich blicken. Nach einigen Minuten Aufenthalt gab er uns und einer entgegen kommenden 2062 ohne Zug den Befehlsstab und weiter ging es auf den Knotenbahnhof Knin zu.
Vom Bahnhof Kosovo (auch mit winkendem Weichenwärter) bis Knin war die Strecke zeitweise gesperrt. Die Bummelzüge wurden z.T. durch Busse ersetzt, doch wir durften mit ca 40 km/h das Gleis befahren. In Knin erwarteten uns große Gleisanlagen, die sogar elektrifiziert sind. Allerdings schien ein Teil der Gleise nicht mehr angeschlossen zu sein. Der Gleisplan sah "bereinigt" aus, die Fahrleitung entsprach jedoch noch dem alten Zustand, was sehr merkwürdig aussah.
Die Fahrleitung ist ein Relikt aus der Zeit vor dem Krieg, als Knin hauptsächlich über die elektrifizierte Unabahn über Bihać an den Rest der Welt angebunden war. Diese Strecke ist durch die Grenze zu Bosnien-Herzegowina mehrfach unterbrochen worden und erst in jüngster Zeit provisorisch wiederhergestellt worden. Das in der elektronischen Fahrplanauskunft bereits enthaltene Zugpaar Split - Knin - Martin Brod (Bosnien-Herzegowina) fiel jedoch noch auf ganzer Länge aus. Immerhin scheint die Wiederaufnahme des Verkehrs auf der ehemals elektrifizierten Strecke Richtung Bihać in nächster Zeit beabsichtigt zu sein. Von der Fahrleitung sind auf der freien Strecke allerdings nur noch die Masten ohne Ausleger übrig geblieben. (Nachtrag 2025: Tja, leider hat die Unabahn nie wieder Personenverkehr gesehen und ist aktuell unbefahrbar.)
Knin - dieser Knotenbahnhof machte sich dann auch durch den stärksten Fahrgastwechsel im Laufe unserer Fahrt bemerkbar: Volle drei Reisende standen auf der provisorischen Aufschüttung hinter dem hintersten Bahnsteig, an der unser Zug zum Stehen kam. Dafür schauten sich allerdings zwölf Eisenbahner interessiert den Zug an. Das Rotkäppi gab unserem Lokführer eine Art schriftlichen Befehl. Als er dann schon den Befehlsstab gehoben hatte, kam noch ein älterer Herr mit großem Koffer angehetzt, der noch weit bis zu unserem hinterhintersten Bahnsteig zu laufen hatte. Gewartet wurde natürlich, obwohl der Zug schon Verspätung hatte, doch eine unterstützende Hand für den schweren Koffer wurde von keinem der zwölf Eisenbahner gereicht.
Unser IC 520 befuhr nun die Likabahn, eine Gebirgsbahn von ehemals eher nebensächlicher Bedeutung, die seit der neuen Grenzziehung die einzige Anbindung Knins an das übrige Kroatien darstellt. So ganz intakt schien die Strecke (noch) nicht zu sein: Wir tuckerten stundenlang mit 40 km/h durch die Gegend. Die Strecke führt hinter Knin steil hinan in eine völlig karge und einsame Bergwelt, in der nur selten mal ein Dorf zu sehen ist. Dafür werden Viadukte, imposante Abgründe und immer wieder weite Ausblicke auf noch höhere Berge geboten. Selbstverständlich fiel uns der Viadukt von Plavno, "Most Čupković", auf, konnte aber nur mit einem sehnsüchtigen "Hier müsste man mal..." quittiert werden. Anhand der Karte war nichtmal klar, wie man dort hinkommt. Ein Stück weiter ging es hoch oberhalb des Zrmanja Quellkessels entlang, dessen 250m Abgrund sogar in dem mir vorliegenden Baedecker Reiseführer angekündigt war. (Nachtrag 2025: Es sollte noch 21 Jahre dauern, bis ich mal tief drunten diesen verwunschenen Felskessel "erforscht" habe...) Der Scheitelpunkt (ca 800m) ist in Malovan erreicht. Im Personenverkehr sind hier nur noch die zwei Fernzugpaare (IC und Nachtzug) übrig geblieben. Bis Gracac am Ende der ersten Gebirgsquerung war aber auch im Umkreis von fast keinem Bahnhof irgendein Verkehrsbedürfnis zu erkennen - und dies nicht nur kriegsbedingt.
Gračac und Gospić bilden die Hauptorte in der Ličko Polje, einer von imposanten Hochgebirgszügen eingerahmten wilden Ebene mit Heidecharakter, durch die die Bahn nun führt. In beiden Städten kein Fahrgastwechsel! Dafür sind von der Bahn aus bei Gospić nun erstmals Warnschilder vor Minenfeldern zu sehen. Die Absperrbänder hat der Wind allerdings teilweise zerfetzt.
Hinter Gospić beginnt die zweite Gebirgsquerung. Der Landschaftscharakter ist hier allerdings völlig anders - mitteleuropäischer. Die Wälder, durch die es geht, muten eher nach Erzgebirge an. Dennoch bietet die Hanglage der Bahn auch hier imposante Ausblicke. Mehrere lange Tunnel werden durchfahren. Ab Vrhovine in der Nähe der bekannten Plitvicer Seen gibt es sogar wieder Nahverkehr. Zwei Zugpaare verkehren zwischen hier und Ogulin und halten auch an einsamsten Waldbahnhöfen. Das erste Zugpaar verkehrt allerdings vorm Aufstehen... Gebildet werden diese Züge aus 2062 und alten schweizer Wagen mit Faltenbalg-Übergang. Zielgruppe dieser Züge sind offenbar die Eisenbahner, die an den kleinen Stationen in den unwegsamen Gebirgswäldern arbeiten...
Rudopolje stellt auf dieser Gebirgsquerung den Scheitelpunkt dar. (Nachtrag 2025: Damals waren ja so wenig Informationen verfügbar... Heute kommt man mühelos an die Info, dass Rudopolje mit 870m sogar noch höher liegt als Malovan mit 793m.) Bei Plaški ist dann wieder die Ebene mit leicht hügeliger Weide- und Ackerlandschaft erreicht. Von Plaški bis Ogulin verkehrt noch ein drittes Putnički-Zugpaar. Bei Oštarije gelangen wir über ein Gleisdreieck an die Strecke Zagreb - Rijeka. Da sowieso von Diesel- auf E-Traktion gewechselt werden muss, machen die Fernzüge von Split in Ogulin kopf, bevor sie ihre Fahrt nach Zagreb fortsetzen.
Die Infrastruktur der Likabahn ist noch nicht in Gänze wieder hergestellt. Besonders auffällig sind die immer wieder fehlenden Signalanlagen, wo das in Žitnić bereits beobachtete Verfahren zur Anwendung kommt. Wenn nicht genügend freie Sicht besteht, muss der Weichenwärter bis zur Esig-Tafel vorlaufen, wo er dann an irgendeiner exponierten Stelle (z.B. Schotterhaufen / Einschnittrand) steht und winkt. Wo die Empfangsgebäude im Krieg zerstört worden sind, hat man weiße Container aufgestellt, in denen das Personal nun residiert.
Durch die Schleicherei rund um Knin kamen wir mit dreißigminütiger Verspätung in Karlovac an. Hier mussten alle aussteigen, da die Strecke im weiteren Verlauf bis Zagreb durch Bauarbeiten unterbrochen war. Wir waren allerdings am Etappenziel für die nächsten Tage angekommen. Karlovac machte so gar keinen sympatischen Eindruck auf uns. Vom Zug aus hatten wir schon einen Blick auf die Neustadt erhaschen "dürfen", die nach einer Mischung aus Halle-Neustadt und Lütten Klein vor der Wende aussah.
Aus dem Bahnhof traten wir erstmal an eine vierspurige Schnellstraße ran, der wir bis zu einer Flussbrücke folgen mussten. Unweit des Flusses fanden wir dank einer vorliegenden Wegbeschreibung das Hotel Carlstadt, seines Zeichens erstes und wohl auch einziges Hotel am Ort. Was wir hier für 50 Euro fürs Zimmer bekamen, war sein Geld allerdings auch dicke wert. Nach der Primitiv-Herberge in Split tat es gut, mal wieder in richtig gepflegtem Ambiente wohnen zu dürfen. Das Hotel-Personal zeichnete sich zudem durch eine ungekünstelte herzliche Freundlichkeit aus.
Der Fernseher musste ja auch gleich mal getestet werden. Die ARD war auf Programmplatz 28 verbannt worden. Dort hatte gerade die Live-Übertragung der nationalen Entscheidung über die Olympiastadt begonnen, bei der erst Warnemünde und dann Leipzig das Rennen machten. Als dann auch noch so ein Blondchen interwiewt wurde, das deutsche Olympia-Botschafterin werden sollte, die aber alles nur ganz "suppa" fand und beim Interwiew eigentlich gar nichts sagte, schalteten wir lieber schnell wieder ab.
Der Tag war noch nicht zuende, und so erkundeten wir etwas die Umgebung. Schräg gegenüber des Hotels lag ein gepflegter zentraler Platz mit hübschen Cafés. Durch einen Grüngürtel, der offensichtlich ein alter Festungsring war, gelangten wir daraufhin in die eigentliche Altstadt. Karlovac blickt auf eine lange Geschichte als Garnisonsstadt zurück und war im zurückliegenden Krieg als solche heiß umkämpft gewesen. Einige Bereiche der Altstadt boten sich auch anno 2003 noch als Trümmerruinen, doch weitaus der größte Teil war renoviert und machte einen sympatischen Eindruck. Bei näherem Hinsehen stellte man in den Fassaden aber noch viele Einschusslöcher fest. Immerhin - es brauchten offenbar nur wenige Häuser abgerissen und neu gebaut zu werden.
Eigenartigerweise kommt das Abendleben in Kroatien gerade am Wochenende in weiten Teilen zum Erliegen. Restaurants haben nur Mo-Fr oder mit Glück Mo-Sa geöffnet. So war es auch hier, und in den Straßen liefen nur wenige Menschen umher. Erstmal setzten wir uns dann in ein Café, denn einen Kaffee hätten wir schon im Zug gern mal getrunken. Es hätte ja wenigstens mal eine Minibar durchkommen können... Die restliche Zeit bis zum Abend relaxten wir im Hotel.
Eines der wenigen geöffneten Restaurants an diesem Samstag-Abend war das Lehr-Restaurant der Hotel- und Gastronomiefachschule. Es war der reinste Wahnsinn: Sofort nach Eintritt in das Etablissement sprangen die jungen Mädels, offensichtlich alle im Lernstadium, auf uns zu. Während die eine uns die Jacken abnahm, zeigte uns eine andere die bis auf eine Vierergruppe gähnend leeren Räumlichkeiten, damit wir uns einen schönen Platz aussuchen konnten. Für die Bestellung kam der Lehrmeister persönlich, der fließend deutsch sprach.
Irgendwie muss der Betrieb gewaltig subventioniert gewesen sein. Wir verzehrten je einen Salatteller, wahnsinnig zartes Filetsteak mit Bohnen und Bratkartoffeln, hinterher frisch zubereiteten Palatschinken, dazu nicht ganz wenig Wein und zahlten dafür pro Person 10 Euro! Schade nur, dass das Restaurant am morgigen Sonntag geschlossen haben würde...
Hatte unser Hotel schon einen verdächtig schwedisch klingenden Namen, so gab es morgens sogar ein als "skandinavisch" bezeichnetes Frühstücksbuffet. Es war wirklich ordentlich - das beste Frühstück, das ich in Europas Südhälfte je bekommen habe. Dennoch fand ich die in kleinen Portionspackungen abgepackten Leberwurst- und Marmeladen-Einheiten nicht ganz so skandinavisch... Auf dem Weg zum Bahnhof kamen wir am Bw vorbei, in dem die silbernen Schienenbusse beheimatet sind, die von hier die Nebenbahn nach Metlika befahren. Leider war es bewölkt, so dass wir den Fotoschuss ins Bw für einen der nächsten Tage aufhoben.
Wegen der Sperrung zwischen Zdenčina und Hrvatski Leskovac bestand der Schnellzug ab Karlovac aus drei Bussen, die über die Autobahn zügig voran kamen. Während wir in Karlovac auf die Einfahrt des verspäteten Zuges warteten, konnten wir fünf Eisenbahner beobachten, die einer Putzfrau bei der Arbeit zuschauten und ihr Tipps gaben, wie sie ihren Besen noch schwungvoller führen könne...
Nach Ankunft in Zagreb schauten wir uns erstmal den Hauptbahnhof an. Um 10.49 Uhr traf pünktlich der D 415 Feldkirch - Beograd ein. Der von einer 1142 geführte Zug hatte sieben Wagen, von denen jeder eine andere Farbe hatte.

Aus Richtung Feldkirch trifft D 415 im Zagreber glavni kolodvor (Hbf) ein...

...und fährt nach einigen Minuten Aufenthalt weiter nach Beograd.
Nachdem der Fernverkehr erstmal den Bahnhof verlassen hatte, wendeten wir uns der anderen Seite des Empfangsgebäudes zu, auf der die Straßenbahn fuhr. Wir hatten bereits Tatra-Gelenk- und Einzelwagen (mit Hänger) gesehen, außerdem Duewags aus Mannheim. Die rundlichen Tatras schienen die ältesten Fahrzeuge zu sein, daher versuchten wir, gerade diese vor dem Bahnhof mit Blühbäumen in Szene zu setzen. Immerhin kam nun zunehmend die Sonne raus.
Uns fiel eine große Polizeipräsenz in der Stadt auf. Wir erwarteten geradezu die nächste "Persona Kontrola". Viele Polizisten waren grau uniformiert - offenbar handelte es sich um Bereitschaftspolizei. Mit verschiedenen Fotohalten schlenderten wir nun in die Altstadt. Beim Trg Bana Josipa Jelačića, dem zentralen Hauptplatz der Stadt, stellten wir fest, dass wir doch noch nicht alle Strab-Bauarten gesehen hatten: Hier fuhren alt-ehrwürdige Bahnen mit Holztüren, die von der Form her an die letzte Hamburger Straßenbahn erinnerten. Mittlerweile hatten wir etwa 50% Sonne, so dass wir auch diese Fahrzeuge aufnehmen konnten.

Am Trg Bana Josipa Jelačića begegneten uns die von Đuro Đaković gebauten TMK 201 Straßenbahnwagen.
So langsam wurde der Grund für die Polizeipräsenz deutlich: Die Stadt füllte sich mit Fußballfans. Wie wir später erfuhren, spielte Zagreb gegen Split. Wir verließen den Platz durch eine schmale Straße in Richtung Oberstadt. Als der Gehweg einmal völlig frei war, raste ein kleiner Junge auf seinem Plastikauto mit einem Affenzahn den Bürgersteig hinunter. Wenn da jemand aus einer Haustür getreten wäre...
In der Oberstadt wunderten wir uns, dass auch hier an einigen Häusern Polizisten standen. Einer schlenderte durch die Gegend und schrieb SMS, ein anderer schaute gelangweilt einigen Kindern zu, die auf einem kleinen Kirchhof mit dem Ball gegen die Kirchenwand kickten. Erst bei näherem Hinsehen fiel uns auf, dass sich diese alltägliche Szene dort abspielte, wo die Geschicke Kroatiens gelenkt werden. Auf der einen Seite des Hofes befand sich nämlich der Regierungssitz und auf der anderen Seite hinter gepflegten Fassaden das Parlament.

In anderen Hauptstädten wird vorm Regierungssitz strammgestanden, in Zagreb nimmt man das alles mit balkanischer Lockerheit.
Überhaupt machte die Oberstadt einen beschaulichen Eindruck. Von einem Balkon neben der Standseilbahn konnte man entspannt auf die Unterstadt hinunter blicken, während im Hintergrund ein Gitarrenspieler unaufdringlich vor sich hin klimperte. Das war so entspannend, dass wir uns erstmal in ein nahegelegenes Freiluft-Café setzten, während von unten zunehmendes Gegröhle der Fußballfans gedämpft zu uns hoch wehte. Erst beim Gang zum Klo merkten wir, dass das weit entfernte Café, zu dem unsere Freiluft-Tische gehörten, ein eher vermiefter und lauter Laden mit diversen Spielautomaten und Billardtischen war.
Zurück in der Unterstadt lösten wir uns Tageskarten für die Strab und fuhren mit einem der alten Züge nach Dubrava und zurück bis Frankopanska. In Dubrawa ging es einfach durch die Kehre, wobei ein älterer Herr hinter mir, der die ganze Fahrt am pennen gewesen war und der nun auch wieder mit stadteinwärts zurück fuhr, uns fürsorglich auf deutsch fragte, ob wir denn wüssten, wo wir hin wollten...
In der Innenstadt trennten wir uns für eine Weile. Ich wollte gern paar vernünftige Bilder von den hechtförmigen Altbau-Strabsen machen. Das war etwas zeitaufwändig, weil nachmittags doch etwa zu 70% Wolken am Himmel klebten. Einige nette Motive rund um die Hst Frankopanska und vor dem Mimara-Museum bekam ich hin.

Ein TMK 201 am Trg marsala Tito. Er wird von einem Duewag verfolgt.

Ein Stück weiter fährt eine 17 vor dem Mimara Museum vorüber, auf dessen Platz ich stehe.

Die 14 kommt mit Tatras vor dem Mimara vorbeigefahren.
Am Trg hrvatski velikana gab es dann weitere Aufnahmen mit der Nationalbank (trotz anwesender Polizei keine "Persona Kontrola"!), bevor ich an der Hst Draškovičeva auf Linie 14 nach Mihaljevac wartete. Dabei konnte ich den nun voll entfalteten Stadion-Verkehr beobachten. Die Züge waren proppevoll und die Türen wurden während der Fahrt offen gehalten. Dabei lernten die Fußballfans auch was: Bei den Duewags kann man ebenfalls die Türen aufhalten. Sogar sehr lange. Die fahren dann nämlich nicht los - da kann der Fahrer noch so sehr wollen...

Am Trg hrvatski velikana kommt die 17 hinter einem Springbrunnen hervorgefahren.

Den Gegenzug gibt es mit der Nationalbank.
Zum Glück musste ich in eine andere Richtung. Von Mihaljevac führt eine zweigleisige Überlandstraßenbahn (Linie 15) einige Stationen in die Berge hinauf. Hier fahren nur einteilige Tatras. An einer von einem Hang einsehbaren Stelle mit gutem Überblick machte ich paar Streckenaufnahmen, bevor ich mit Massen von alten Leuten (hier oben scheint ein großer Friedhof zu sein und es war Palmsonntag) wieder stadteinwärts fuhr. Eine Frau war ununterbrochen wild gestikulierend am reden. Vor lauter sabbeln vergaß sie fast sich hinzusetzen, als ein älterer Herr ihr Platz gemacht hatte.

Die Überlandstraßenbahn 15 kommt von Dolje, wo die Seilbahn auf den Sljeme beginnt, hinab gefahren und wird sogleich in Gračanska Mihaljevac halten.

Eine 14 erreicht die Wendeschleife Mihaljevac.
Dank Handy (wie ist man früher bloß ohne ausgekommen???) fanden Lars und ich dann am Zentralplatz wieder zusammen, nachdem ich noch paar Streiflicht-Aufnahmen in der Innenstadt gemacht hatte. Ursprünlich hatten wir 17.20 nach Karlovac fahren wollen, doch nach mehreren Telefonaten waren wir nun bei 20.37 als Abfahrtszeit angekommen. So blieb uns jetzt noch ordentlich Zeit, in einer Trattoria essen zu gehen - wir entdeckten ausschließlich italienische Restaurants. Lars' Meeresfrüchte-Salat bestand nur aus Meeresfrüchten und mein Risotto (fast) nur aus Reis...

In der Ilica gibt es noch Streifungen mit TMK 201...

...und Tatra.
Von einem Großbild-Fernseher in dem Restaurante erfuhren wir, dass Zagreb gegen Split 0:1 verloren hatte. Wir würden wohl im Zug mit den Fußballfans zusammen zurückfahren müssen... Erstmal konnten wir die Ankunft des B 396 aus Ploče beobachten. Er bestand aus zwei HŽ-Wagen in der Mitte plus vorn und hinten als Komfort-Kontrast je einen ŽRS-Abteilwagen. Diese Wagen liefen bei der DR mal unter der Gattung "B" und befanden sich noch im Originalzustand: Grün/elfenbeinfarbene Lackierung, 8er-Abteile und Sitzbänke mit rotem Kunstleder-Bezug. Die ŽRS ist die Bahn der serbischen Provinz in Bosnien-Herzegowina "Željeznice Republika Srpska".
Der Zug bestand bis Hrvatski Leskovac aus einer S-Bahn-Garnitur (Baureihe 6111), die äußerlich durch ihre Farbgebung ein wenig an die 420er in blau/weiß erinnerte. Immerhin: Auch die S-Bahn hat in Kroatien Stoffpolster! Erwartungsgemäß waren viele Fußballfans an Bord, allerdings nicht bei uns im Abteil. Ab Hrvatski Leskovac bestand Schienenersatzverkehr mit zwei Bussen. Unser Busfahrer sorgte als erstes für Ordnung, indem er nach hinten ging und den Fußballfans das Rauchen verbot. Mittlerweile war es dunkel, so dass wir die Busfahrt als ziemlich wirres Rumgekurve empfanden.
In Zdenčina stand die planmäßige Zug-Garnitur in Form einer 1141 und drei von den schönen Abteilwagen bereit. Diese waren gänzlich unbeleuchtet, was aber nichts machte, da die Kroaten abends auch bei funktionierender Beleuchtung das Licht lieber ausknipsen - was ich gut nachvollziehen kann. Der Schaffner war darauf eingerichtet und kam mit einer starken Handlampe durch, mit der er immer mal wieder in die Abteile hinein leuchtete. Bei uns im Abteil saß ein in Ljubljana lebender Deutscher, der uns etwas über das slowenisch / kroatische Verhältnis erklären konnte. Es gäbe im Bereich der Grenzziehung bei Istrien wohl noch einige offene Fragen...
Die Fußballfans waren weitestgehend friedlich gewesen. Dennoch wurden sie in Karlovac von mehreren Polizeiwagen erwartet, die langsam neben den Fans auf ihrem Nachhauseweg her fuhren, bis sich die Grüppchen aufteilten. Selbst auf dem inoffiziellen Fußweg durch die Bahnanlagen zur Flussbrücke folgte ein Wagen soweit wie es möglich war. Das war das erste und einzige Mal, dass uns die hohe Polizeipräsenz in diesem Lande ein gewisses Gefühl der Sicherheit gab...
Wir hatten heute wieder mal die berühmten zwei Möglichkeiten. Bei Nicht-Wetter gab der Fahrplan eine Rundtour über Zagreb nach Sevnica - Trebnje - Metlika - Karlovac her, während bei Sonnenschein natürlich die Schienenbusse auf der Metlika-Bahn fotografiert werden sollten. Da wir für die Schönwetter-Variante eine Dreiviertelstunde später los mussten, drehten wir uns, als wir bei blauem Himmel aufwachten, nochmal kurz um. Die geschlossene Bewölkung zog eigentlich erst auf, als wir vom Frühstück wiederkamen... Wir beschlossen daraufhin, einfach mal mit dem nächsten Schienenbus bis Bubnjarci, dem Hp vor der slowenischen Grenze, mitzufahren. Weiter ins slowenische Metlika geht es nur um die Mittagszeit und nachmittags.
Die Verspätung entstand durch Anschlussaufnahme. Der einteilige Schienenbus war relativ leer. Hinter Ozalj verschwindet die Bahn im Gebirge, wo sie oberhalb des Kupa-Tals ansteigt. Schon Ozalj gefiel uns mit seinem Schloss sehr gut.
Obwohl der Zug nicht die Grenze querte, standen die örtlichen Polizeiorgane wachsam vor dem Empfangsgebäude. Und mit messerscharfem Blick enttarnten sie uns sogleich als verdächtige Objekte. Zum Amüsement der anwesenden fünf Eisenbahner (Tf, Beimann, Zf und zwei Fernmeldetechniker) und sieben Fahrgäste - zumeist Schüler - wurden nun penibelst unsere Ausweise überprüft (gut, dass wir sie nicht an der Hotelrezeption abgegeben hatten, wie es in den meisten Hotels gewünscht wird). Danach durften wir allerdings nach Herzenslust den Triebwagen fotografieren, was die Schüler wahrscheinlich bald noch mehr amüsierte. Die Herzenslust hielt sich allerdings in Grenzen, da die Sonne nur matt hinter den Wolken zu erahnen war.

In Bubnjarci endet die Fahrt und das Spitzenlicht ist für die Rückfahrt bereits angeknipst.
Paar Schüler auf der anderen Seite des Ganges versuchten anhand unseres Gespräches zu enträtseln, woher wir kämen. Einer meinte "Njemačka", woraufhin seine Kollegin überlegend "da --- da" meinte. Für Deutsche gibt es keine Tarnung! In Ozalj konnten wir den VT zusammen mit Fdl und Ww immerhin im Halblicht fotografieren. Anschließend wollten wir mal schauen, was sich motivtechnisch mit Fluss, Burg und Einfahr-Formsignal so alles anfangen lässt.

Der Sinobus bekommt den Abfahrauftrag, während der Weichenwärter letztmalig an diesem Tage nur zuschaut. Die folgenden Züge kreuzen grundsätzlich in Ozalj, was ihm einige Fahrten auf seinem Dienstfahrrad zu den Einfahrweichen einbringen wird...
Es hätte sich vieles anfangen lassen. Wenn denn die Sonne mal länger geschienen hätte. Zwar weckten immer wieder blaue Flächen die Hoffnung, dass es mit dem nächsten Zug doch klappen müsste, doch dann nahm die blaue Fläche wieder eine andere Richtung. So wurden von Zugfahrt zu Zugfahrt unsere Chancen kleiner, noch eine kleine Rundtour über Metlika hinaus durch Slowenien durchführen zu können. Zwischen den Zügen konnte man ganz nett im Schlosspark oder am Ufer der aufgestauten Kupa sitzen, doch der Frust wurde immer größer. Neben den GM-Dieseln und Gleichstrom Elloks gehörten nämlich die Schienenbusse mit zu den begehrten Fahrzeugen, von denen wir gern paar brauchbare Fotos mitgebracht hätten.

Ab Ozalj geht es durch das enge Tal der Kupa. Talabwärts passiert ein Zug das Einfahrsignal von Ozalj vor Kulisse des Schlosses.
Den letzten Zug, der tagsüber bis Metlika fährt, wollten wir dann aber doch mal nehmen, um wenigstens bis Metlika gefahren zu sein. Immerhin gelangen mir im Bahnhof Ozalj nochmal paar Sonnenaufnahmen von der Kreuzung. Die zweite Einheit bestand übrigens aus VT+VB.

Nachmittags wird in Ozalj gekreuzt. Immerhin das klappte nochmal mit Sonne.
Die Grenzer in Bubnjarci erkannten uns wieder und verzichteten auf eine Ausweis-Kontrolle. Ihr Kollege in Metlika sprach sogar deutsch und erlaubte uns im Bahnhof zu fotografieren. Hier war wirklich etwas los: In den 17 Minuten Wendezeit musste der VT der Schienenbus-Einheit um den VB umlaufen. Ein slowenischer VT der Reihe 713 nutzte unsere Wendezeit derweil, um als Sperrfahrt nach Rosalnice zu fahren, dem letzten Hp auf slowenischem Gebiet, der von den kroatischen Putnički vlaks ohne Halt durchfahren wird. Solche Sperrfahrten gibt es nur zweimal am Tag (Mo-Fr). Und noch jemand wurde während der Wendung aktiv: Eine extra aus Kroatien mitgereiste Putzfrau begann den Boden der Schienenbus-Garnitur zu fegen...

Lokumlauf in Metlika. Die Schienenbusse haben keine Steuer-, sondern Beiwagen.
In Ozalj mussten wir länger auf den Gegenzug warten. Lars war doch noch zu einer abendlichen Rundtour in Richtung Trebnje aufgebrochen. Ich selbst war hingegen gefrustet und entschied mich für einen Hüttenabend mit Großstadtrevier, Wein und Käsetasche, die ich mir noch aus der Stadt besorgte. Die Tagesschau ließ ich aus - im Urlaub will ich nix von alledem hören, doch in den Wetterbericht habe ich dann doch mal reingelinst: In Deutschland war für die folgenden drei Tage in allen Landesteilen nur Sonne angekündigt! Das tat weh! Lars kam erst sehr spät wieder.
Das Wetter war trübe. Lars wollte gern die Plitvicer Seen aufsuchen. Sowohl Karlovac als auch die Seen liegen an der Haupt-Busroute von Zagreb in Richtung Süddalmatien, so dass ein Hinkommen kein Problem war. Zurück wollte sich Lars zum Bahnhof Vrhovine durchschlagen. Ich selbst wollte heute mal einen Fahrtag einlegen und mal schauen, wie es denn hinter Metlika weiter geht. Bis zum nächsten Zug nach Metlika hatte ich viel Zeit, die ich einfach auf einer Bank auf dem Hausbahnsteig von Karlovac sitzend verbrachte. Und man sah da ja so einiges...

Sogar auf der Hauptstrecke gelangen die alten schweizer Wagen mit Faltenbalg-Übergängen zum Einsatz, hier in Karlovac.
Da waren zum Beispiel der stark verspätete Schnellzug aus Rijeka und der nicht minder verspätete Bummelzug aus Zdenčina (Zagreb). Kaum waren sie zum Stehen gekommen, ertönte das gleichmäßige "Pling" des Wagenmeisters, der mit seinem Hammer an die Radreifen schlug, um am Klang etwaige Risse feststellen zu können. Als ein Güterzug in Richtung Norden ausfuhr, sprintete ein anderer Wagenmeister plötzlich aus seiner Tür im EG dem Zug hinterher, wobei er sogar seinen Hammer wegwarf. Doch was immer er gewollt hatte - der Zug war weg... Zwei weitere Güterzüge verließen dann noch den Bahnhof nordwärts - anscheinend war die Streckensperrung vormittags kurz aufgehoben worden.
Wie schon in Rijeka und Zagreb beobachtet, gibt es auch in Karlovac einen Wartesaal mit viel leerer Fläche. An den Wänden sind bestenfalls einige billige Sitzbänke aufgestellt, ansonsten ist der Raum einfach nur leer und schummrig. Fahrkarten werden noch an herkömmlichen Schaltern verkauft. Das Empfangsgebäude hatte übrigens am Hausbahnsteig viele Türen, die alle zu irgendwelchen wichtigen Institutionen führten, die ein Bahnhof halt so haben muss. Ein hagerer Eisenbahner in Zivil, der "seine" Tür neben meiner Bank hatte, wieselte öfters laut schnaufend an mir vorbei. Fast hatte ich den Eindruck, dass ich ihm seine Dienstbank weggenommen hätte. Jedenfalls schien er viel Zeit zu haben. An seiner Tür stand "Garderoba" dran. Eine andere Tür führte in einen Unterrichtsraum, wo der Amtslehrer den Dienstunterricht hielt. Das Rotkäppi schlenderte gelegentlich vorbei und schäkerte mit der Dame vom Schalter oder hielt einen Plausch mit einem der weiteren 15-20 Leute, die in dieser Schicht auf dem Bahnhof Karlovac mehr oder weniger zu tun hatten.
Zum Glück wartete der Zug nicht den verspäteten Anschluss aus Zagreb / Zdenčina ab - sonst wäre mein Anschluss in Metlika weg gewesen. Die Zöllner von Bubnjarci erschienen nur unwillig auf der Bildfläche, nachdem der Tf zur planmäßigen Abfahrtszeit paarmal hupte. Offensichtlich darf er nur mit ihrer Zustimmung weiter fahren.
Drei Stunden mit einem Bummelzug - ich hatte ein wenig dagegen angesehen. Doch verlief die Fahrt durch eine nette, abwechslungsreiche Landschaft. Während das Kupatal hinter Ozalj eher an Erzgebirge erinnert hatte, kommt man sich in der Umgebung von Metlika mit hübschen Kirchdörfern eher in den Bayerischen Wald versetzt vor.
Der Zug bestand aus einer Doppeleinheit der zweiteiligen VT-Reihe 713. Die Form der VTs erinnert stark an den deutschen VT 614, doch handelt es sich von der Antriebstechnik her eher um einen Schienenbus. Achtmal a-täglich (wir sind in Slowenien, wo am Wochenende fast kein Nahverkehr fährt!), am Wochenende nur vereinzelt, wird die Strecke bis Metlika bedient.
Der Zug war erst schwach besetzt, doch zwischen Nove Mesto und Trebnje herrschte starker Schülerverkehr und danach füllte sich der Zug auf Ljubljana zu kontinuierlich. Die Landschaft war nett und machte die dreistündige Fahrt relativ kurzweilig. Hinter Metlika setzte sich zunächst die Bayernwald-Landschaft fort, bis dann vor Nove Mesto ein Gebirgszug mit Streckenführung in hoher Hanglage durch Weingärten gequert wurde. Hinter Trebnje ging es ununterbrochen in einem Wiesental a la Allgäu abwärts. Die Abstände zwischen den Dörfern, die sämtlichst über weit sichtbare Kirchen verfügten, wurde nun geringer. In Ljubljana reichte die Zeit gerade für paar belegte Baguettes vom Bahnhofsbäcker.
Bei dem Zug handelte es sich wohl um eine Art internationalen Regionalexpress. Im Umkreis von Ljubljana und Zagreb hielt er wenig, dazwischen im einsamen Savetal jedoch überall. Er diente hauptsächlich als Berufsverkehrs-Verstärker für die stündlich mit Desiros befahrene Nahverkehrslinie. Ab Lubljana war der Zug gut besetzt, in Zagreb stiegen nur noch sieben Leute aus. Ich hatte ein eigenes Abteil und konnte die geniale Strecke ausgiebig genießen.
Etwa eine Stunde lang geht es durch die tief eingeschnittene Save-Schlucht, auf deren Grund oft nur Platz für Fluss und Bahn ist. Die Orte zu den in der Schlucht gelegenen Bahnhöfen müssen alle eine Ebene höher liegen - man sah steile Straßen aufwärts führen. In der Gegenrichtung kam ein Zug nach dem anderen durch: Güterzüge mit allen vorhandenen (Altbau)-Ellok-Baureihen, Desiros, ein Pendolino, Polen-S-Bahnen und internationale Schnellzüge mit Wagen aller erdenklicher Farbgebungen. Der Bahnhof Zidani Most (immerhin EC-Halt!) liegt eng eingekeilt in der Schlucht und verfügt nur über drei Bahnsteiggleise. Das Gleisdreieck, über das die Hauptstrecke nach Maribor (-Budapest) von der Balkan-Magistrale abzweigt, ist quasi in eine Flussmündung hineingebaut worden.
Der Systemwechsel von Gleichstrom auf Wechselstrom findet auf dieser Strecke immerhin am Grenzbahnhof Slowenien / Kroatien, in Dobova, statt (und nicht wie auf der Rijeka-Bahn weit auf kroatischer Seite). Unsere Franzosenlok der SŽ fuhr mit Schwung ein und wurde von der ablösenden HŽ-Lok abgezogen und in ein anderes Gleis hineingeschubst, wo sie bald wieder Gleichstrom überm Bügel hatte. Zwei von den ursprünglich fünf SŽ-Abteilwagen blieben ebenfalls zurück. Die kroatische Grenzkontrolle fand übrigens im fahrenden Zug statt! Es geht also...
Ich hatte ja bis zuletzt gehofft, dass es sich bloß um einen Fehler im Fahrplan handeln würde, dass es zwischen 17.20 und 19.30 keinen Zug von Zagreb nach Karlovac gibt. Doch leider war das die Realität, so dass ich fast zwei Stunden "totschlagen" musste. Eine Zeitlang habe ich mich in das Bahnhofscafé gesetzt, das seit den sechziger Jahren wohl keine Renovierung mehr abbekommen hatte. Das Publikum war sehr durchwachsen. Plötzlich bekam ich aus dem Augenwinkel eine Bewegung auf dem Tisch hinter mir mit! Und tatsächlich - da stand die eine Kellnerin auf dem Tisch und hängte Gardinen auf!
Das Prozedere mit dem SEV fand genauso wie vorgestern statt. Diesmal gab es drei Busse. Ich suchte mir denjenigen aus, dessen Fahrer schon ungeduldig im Leerlauf Gas gab. Und tatsächlich brauste dieser als erstes los. Etwas deprimierend war es, dass man auf diesem SEV-Streckenstück plötzlich vor einem BÜ stand und einen Güterzug vorbeilassen musste. Die Strecke machte hier schon einen relativ fertigen Eindruck.
In Karlovac traf Lars fünf Minuten nach mir aus der Gegenrichtung ein. Er hatte einen interessanten Tag hinter sich. Da wir beide müde waren und das Lehrlingsrestaurant nur bis 22 Uhr geöffnet hatte, verzichteten wir auch heute auf einen zweiten Besuch dort. Statt dessen gab es Wein aus Metlika und Schafskäse aus dem Nationalpark Plitvicer Seen - das war auch nicht zu verachten!
Da wir fest vor hatten, heute mal wieder einen Reisetag einzulegen, schien heute Morgen natürlich verstärkt die Sonne. Immerhin konnten wir auf diese Weise endlich die Bw-Fotos von der Flussbrücke aus machen. Im Laufe der Tage hatten wir uns angewöhnt, nicht entlang der vierspurigen Straße zu gehen, sondern auf einem Fußweg, der offiziell über die Bahnbrücke und dann weniger offiziell an der Weichenwärter-Bude vorbei über das Bahnhofsgelände weiter führte.

Am letzten Tag klappte endlich der Blick vom morgendlichen Fußweg zum Bw. Und es stand glücklicherweise ein VT vor dem Schuppen!
Lange mussten wir auf unseren Zug warten, weil die Baustelle bei Zdenčina ihn schon wieder fast eine halbe Stunde verspätet hatte. Während der Wartezeit konnten wir verschiedene Trupps im Bahnhof beobachten, die die Fahrleitungsmasten mit roten Blitzen und schwarzen Aufschriften versahen. Während der rote Trupp nur zwei Mann stark war, bestand der Schwarz-Trupp aus bis zu vier Leuten. Eine der vielen Türen, die vom Hausbahnsteig in das EG führten, gehörte übrigens dem Frizerski Salon. Lars verschwand durch diese Tür. Die Friseurin erkundigte sich bei einem Eisenbahner nach der genauen Verspätung des Zuges, damit sie wusste, wieviel Zeit sie hatte, und waltete ihres Amtes...

Unser Zug nach Moravice fährt in Karlovac ein.
In Gornje Dubrave ging es erstmal nicht weiter. Sehr verdächtig: Eine 2062 tuckerte im Bahnhof vor sich hin und setzte sich dann auch zügig vor unseren Zug. Mit Dieselpower ging es nun weiter. Am nächsten Haltepunkt Tounj sahen wir den Grund: Hier wurde eine Brücke gebaut, weswegen die Fahrleitung abgeschaltet war. Das erlebt man auch nicht alle Tage, dass man an zur Seite gezogenen Erdungsseilen vorbeifährt, die über einem im Draht hängen... In Kukača, dem nächsten (winzigen) Bahnhof wurde die 2062 wieder abgenommen.
Immerhin wird diese Zugverbindung als durchgehende "Transportkette" Zagreb - Rijeka angesehen, so dass der Anschluss gewartet hatte. Der einzige Grund für das Umsteigen in Moravice ist, dass bereits hier das slowenisch/italienische Gleichstromnetz beginnt. So gelangt zwischen hier, Rijeka und der slowenischen Grenze bei Šapjane die HŽ-Gleichstromflotte zum Einsatz, die allerdings nur aus einigen Ansaldo-Doppelelloks (BR 1061) und Polen-S-Bahnen (BR 6011 "Gomulka") besteht. Gerade die Elloks sehen allerdings in der kroatischen Farbgebung besser aus, als ihre braunen "Geschwister" in Slowenien oder Italien.

Großes Umsteigen in Moravice. Vom Wechselstromzug muss hier in den Gleichstromzug umgestiegen werden, der in Form einer "Gomulka" weiter hinten wartete.
Hinter Ogulin führte die Strecke schon in einsamste, enge Gebirgstäler. Diese öffneten sich im Bereich von Moravice etwas. Weiter ging es dann mit einem 6011, der voller Schüler war, in häufiger Hanglage bis Skrad. Dort war dann wieder mal SEV angesagt. Diesmal stand nur ein Bus zur Verfügung, der uns über Hochgebirgsstraßen mit weiten Ausblicken über die einsame Welt des Gorski Kotar bis Delnice fuhr. Bis hier waren wir ja schon zu Beginn unserer Tour gekommen.
Ab Delnice bestand der Zug wieder wie neulich aus einer 1061 und zwei netten Abteilwagen. Zwar waren einige Schüler an Bord, doch hatten wir ein eigenes Abteil. Der Ausblick auf die Kvarner Bucht und die Insel Krk war mal wieder genial. Nachdem im Gebirge viele Wolken gehangen hatten, beschien nun die Sonne die Hänge und Gärten, in denen sich nun endlich in größerem Maße die Büsche ans Blühen machten. In Rijeka hatten wir zum Glück eine etwas längere Übergangszeit. Weil das Schienennetz Istriens nur über Slowenien angeschlossen ist, hat die HŽ eine Bahnbuslinie von Rijeka nach Lupoglav, dem nächsten istrischen Bahnhof, eingerichtet. Und ob dieser Bus bei Verspätung wohl gewartet hätte?

In Rijeka steht der Gegenzug zur Abfahrt bereit.
In Rijeka kam ein Bahnschaffner durch, um die Fahrkarten zu kontrollieren. Er fuhr dann aber nicht mit. Den größten Teil der Fahrzeit benötigte der Bus, um aus Rijeka hinaus auf die Schnellstraße zu gelangen. Die zurückzulegende Distanz war hingegen nicht groß. Die Schnellstraße führte oberhalb der Kvarner Bucht an den Orten Matuji und Opatija vorbei auf das gewaltige Bergmassiv des Učka-Gebirges zu, das Istrien quasi vom übrigen Festland "abschottet" und das mittels eines langen Passtunnels unterfahren wird.
Auf der anderen Seite kam man in einer wunderschönen Felsenlandschaft wieder hinaus. Dies ist das markante: Die Berge der Učka und der angrenzenden Čičaria besitzen Waldhänge bis zu einer gewissen Höhe, die darüber von meist senkrechten Felswänden gekrönt werden. Der Tunnelausgang befand sich in derartiger Höhe, dass die Straße zunächst regelrecht in den Fels gesprengt war, bevor sie sich abwärts neigte. Auch hier finden sich Drehorte für die legendären Karl-May-Filme. Ein gewisser Wiedererkennungswert (vom landschaftlichen Charakter her) war durchaus vorhanden. In Lupoglav hatten wir leider keine Zeit für ein Foto. Schade, denn neben zwei Schwedentriebwagen stand dort ein mit 2062 bespannter Güterzug im besten Licht!
Es gibt ihn also wirklich, den Zug 4711, der von den Betriebslehrern der Bahn im Praxistraining immer wieder gern für eine Fahrt von Adorf nach Bstadt herangezogen wird...
Die "Schwedentriebwagen" 7122 bestreiten auf Istrien abgesehen von zwei saisonalen Schnellzügen im Sommer den Gesamtverkehr. Mit acht Zugpaaren bis Lupoglav und fünf bis Buzet (am Wochenende etwas weniger) ist der Fahrplan gar nicht mal so dünn. Es handelt sich aber nur um einen kroatischen Inselbetrieb. Die einzige grenzüberschreitende Verbindung (nur Mo-Fr) außer den Saisonzügen wollten wir auf der Rückfahrt nutzen.

Kanfanar: Unser Zug während eines Kreuzungsaufenthaltes.
Die Bahnfahrt war nett, aber unspektakulär. Es ging durch meist wildes Hügelland mit niedriger Vegetation, das immer wieder von zahlreichen Steinmäuerchen durchzogen war. Das Gleis führte durch einige Dörfer mit hübschen Feldstein-Häusern mitten hindurch. Entlang der Strecke waren noch sehr viele Bahnhöfe besetzt. In Kanfanar hatten wir etwas Kreuzungsaufenthalt, so dass wir den sonnigen Tag wenigstens für ein Standfoto nutzen konnten. In Pula stiegen wir nicht am Bahnhof aus, sondern an der südlichen Einfahrweiche von der Hafenbahn. Hier gibt es direkt neben einem Ruderclub den inoffiziellen Haltepunkt "obala" (Küste), bis zu dem alle Züge weiter fahren und an dem alle abgehenden Züge vier Minuten vor der Pula-Zeit im Fahrplan beginnen.

Im inoffiziellen Hp Pula obala kann man die Triebwagen schön vorm Wahrzeichen Pulas, dem römischen Kolosseum, fotografieren.
Da standen wir auch schon fast vor dem riesigen Palast des Hotels "Riviera". Das war nicht die Art von Häusern, die man sich als Rucksack-Tourist normalerweise so leistet. Doch hatte der Palast seine Glanzzeit längst hinter sich und wir kamen zu einem vernünftigen Preis (ca 45 Euro fürs Zimmer) unter --- im vierten Stock mit Blick über die gesamte Bucht und den Hafen! Die Flure waren breit und mit Läufern ausgelegt, unsere Zimmertür hatte ein Schallschutzpolster und die Treppe wirkte wie eine Freitreppe. Bei näherem Hinsehen merkte man aber, wie heruntergekommen das alles war, wobei ich ausdrücklich "heruntergekommen" nicht mit "schmutzig" gleichsetzen möchte.

Blick über Pula vom Festungsügel auf unseren "Hotelpalast", in dessen vierten Stock wir residierten.
Nach einem Foto vom nächsten Zug am Hp "obala" mit dem örtlichen, aus der Römerzeit übrig gebliebenen Colosseum und Palmen, ging es zu einem Streifzug auf den Festungshügel und durch die Altstadt, der allerdings zunehmend von Gefühlen des Hungers beeinflusst wurde. Wir fanden ein nett aussehendes Restaurant, das zwar eindeutig auf Touris abzielte, das uns dadurch aber mal in die Lage versetzte, das zu essen, was der Deutsche halt als "Kroatische Küche" erwartet (Ćevapčići...). Das Essen war lecker, etwas nervig war nur das aufdringliche Nachschenken des Kellners und ein Typ, der die Fensterfront, an der wir saßen, mit Werbung für irgendeinen Künstler vollkleistern wollte. Leider waren seine Werbestreifen etwas zu breit, so dass er nur einen hochkant (!) aufgeklebt hat. Na ja, wenn jemand mit geneigtem Kopf vor unserem Fenster gestanden hätte, wären wir immerhin sicher gewesen, dass sich der Betreffende nur das Plakat anschaut...

Abendlicher Blick von unserem Balkon.
Hier in Pula trafen wir erstmals in diesem Urlaub in größerem Umfang auf andere Touristen! Dies mag natürlich mit dem bevorstehenden Oster-Wochenende, aber auch mit der "sicheren" Lage Istriens zusammen hängen. Der Abend war so milde, dass wir uns auf den Balkon setzen (bei Wein und Schafskäse natürlich...) und auf die Licher des Hafens in der Dämmerung hinab blicken konnten. Die altertümlichen Hafenkräne führten auch zu dieser späten Stunde noch ihr "Ballett" auf und ein Schwimmkran pflügte kreuz und quer durch das Hafenbecken...
Am frühen Morgen wachte ich von einem regelmäßigen Klopfen auf, das sehr nah klang und sich dann immer weiter entfernte. Plötzlich war es wieder ganz nah. Dies wiederholte sich einige Male. Na ja, warum sollte es in solch einem alt-ehrwürdigen Kasten nicht ein wenig spuken? Das Frühstück war ganz o.k., wenn auch nicht so aufwendig wie in Karlovac. Der Kaffee wurde aus Blechkannen eingeschenkt; unwillkürlich musste ich an den Früchtetee von vergangenen Klassenreisen denken.
Lars wollte sich heute ein Fahrrad leihen. Da mir der südeuropäische Autoverkehr und die fehlenden Radwege etwas suspekt vorkamen, entschied ich mich derweil für eine Fototour an der Bahn, denn das Wetter war phantastisch. Ich dachte mir, dass im Laufe des Vormittags ja auch der gestern gesehene Güterzug nordwärts fahren müsste und hatte mir schon paar geeignete Fotostellen auf der Karte ausgesucht. Doch ein Blick auf den Bildfahrplan des Šef ergab, dass der Gz erst 13.30 losfahren solle - lichttechnisch so richtig ungünstig für einen Nordfahrer. Der Fdl meinte - soweit wir uns überhaupt verständigen konnten - dass der Zug wirklich so führe.
Es wurde ein mit bunter Ganzwerbung bemalter 7122 bereitgestellt, der den Schriftzug "SORSELE - Ekokommun för framtiden" trug. Er machte also für die umweltbewusste Kommune Sorsele an der schwedischen Inlandsbahn Werbung. Leider war die Ostseite des VT durch Graffiti verunstaltet.

Pu 4704 steht in Pula obala bereit. Weiter hinten ist der Bahnhof zu sehen, wo die Fahrt dann einen offiziellen Charakter annimmt...
Da ich gern ein Bild haben wollte, auf dem die unbeschmierte Seite zu sehen ist, fuhr ich fast die gesamte Strecke ab. Der Bahnhof Roč liegt bereits hinter Lupoglav auf dem gebirgigeren Teil der Strecke zu Füßen der Winnetou-Felsen (so nenne ich mal diese markanten felsgekrönten Berge). Dort führt die Strecke in westliche Richtung, so dass die saubere Seite des VT in der Sonne lag. Die Rückfahrt des bunten VT "nahm" ich im Bahnhof, in dem außerdem ein Skl von der dazugehörigen Rotte repariert wurde, wozu man ihn auf Holzböcke gelegt hatte.

Pu 4704 fährt in Roč weiter nach Buzet, während paar Gleisbauer ihren Skl reparieren.

Bald kommt der "Sorsele"-VT wieder zurück.
Nach dem Foto lief ich einen schönen Feldweg westwärts. Dort entdeckte ich noch nette Motive für Züge vor den Felsen, doch die Sonne ging immer mehr rum... Immerhin konnte ich mich richtig gut auf einer Wiese in die Sonne legen. Zu hören war nur mal eine Kirchenglocke und ein Kuckuck - sonst nichts. Außerdem war es eine Wohltat, hier einfach durch das Gelände streifen zu können, ohne Angst vor Minen haben zu müssen. So gelangte ich eigentlich viel zu schnell zu dem einsamen Dorf Nugla, das sich an den Fuß der Winnetou-Berge schmiegt. Mit Ort und Bergen gab es den hochfahrenden VT, dessen Rückfahrt ich nutzen wollte, um ein Stück weiter südwärts zu gelangen.

Der nächste Zug nach Buzet passiert das kleine Dörfchen Nugla.

Pu 4709 erreicht den Hp Nugla.
Dank der Tatsache, dass in Kroatien nicht nur bei Bedarf gehalten wird, konnte ich den einfahrenden VT in Nugla erst noch von der Sonnenseite verarzten, bevor ich nach dessen Stillstand über den BÜ auf den Bahnsteig lief. Für den Güterzug hatte ich mir den Bahnhof Sveti Petar u Šumi (St Peter im Walde) ausgedacht, weil hier wenigstens das Licht sehr seitlich kommen musste und ich auf der Hinfahrt einen guten Fotostandpunkt entdeckt hatte. Etwas nervig war, dass man dort mitten in der Bebauung stand und mal wieder die Sensation für die Einheimischen abgab...

Pu 4709 kreuzt in Sveti Petar u Šumi mit dem Gegenzug.

Der Güterzug rollt ohne Halt durch den Bahnhof Sveti Petar u Šumi.
Immerhin kam der Güterzug pünktlich und anschließend konnte ich mich etwas in die Einsamkeit verkriechen, wo ich eine gute Fotostelle mit dem nördlichen Einfahrsignal entdeckt hatte. Für das Folgende muss ich erklären, dass es heute im Gegensatz zu gestern stärkere Quellbewölkung gab und der Himmel mittlerweile mit ziemlichem Schmodder vollhing. Tja - glücklicherweise herrscht hier nachmittags relativ reger Verkehr. Der erste VT (der bunte "Sorsele"-Zug, dessen saubere Westseite ich hier gut bekommen hätte) ging mitten bei Wolke, nach dem zweiten VT (der einzige von vorn mit Hp1) kam die Sonne Sekunden später raus, doch der dritte VT ging dann endlich bei Sonne ab. Dass es derselbe wie in Nugla war, störte mich weniger, denn er war wenigstens sauber...

Ein oranger "Schwede" verlässt den Bahnhof Sveti Petar u Šumi nordwärts.
Der Zug war keine drei Minuten weg, da flog scheppernd das Signal auf Fahrt. Nach einer Schrecksekunde errechnete ich aber, dass vor meinem Zug zur Rückfahrt nichts anderes mehr kommen konnte. Zurück am Bahnhof musste ich wieder an das Unwort unserer Tour denken: Persona Kontrola. Der örtliche Dorfpolizist besuchte nämlich gerade seinen Freund, den Weichenwärter. Weil beide wahrscheinlich gerade nicht besseres zu tun hatten, erzählte der Weichenwärter dem Polizisten irgendwas wild gestikulierend.
Doch plötzlich wirkte der Polizist sichtlich desinteressiert. Er hatte nämlich etwas Unfassbares entdeckt, eine unglaubliche Sache, die sein sofortiges würdevolles Einschreiten dringlich erforderte: Ein Fremder!!! Ein Fremder mit windzerzaustem hellblonden Haar befand sich auf dem Boden des heiligen Peter vom Walde!!! Ihm war wohl bewusst, dass die ganze Last, das Dorf vor diesem Ungemach zu schützen, auf seinen Schultern lag. Tapfer wandte er sich von seinem Freund, dem Weichenwärter, ab und kam langsam auf mich zu.
Fast hätte ich ihn gefragt: "Persona Kontrola?" Er sagte nur: "Dokumenta!" Nach eingehender Kontrolle meines Persos (ich wusste gar nicht, was es auf einem Personalausweis alles zu lesen gibt, vielleicht hat er aber auch nur meinen Namen auswendig gelernt...) fragte er irgendwas, was ich nicht verstand. Doch als Profi in Sachen Persona Kontrola sagte ich nur zwei Wörter: "Pula" und "Hotel". Man sah geradezu die Last von seinen Schultern fallen, denn diese Wörter sagten ihm doch, dass ich binnen kürzester Zeit aus seinem Zuständigkeitsbereich verschwunden wäre. Das Leben war plötzlich wieder lebenswert und die achtungsvollen Blicke vom Weichenwärter und seinem Šef zeigten, dass sie seine Tätigkeit wohl zu würdigen wussten...
Lars kam etwa eine halbe Stunde später auf unserem Hotel-Balkon an und gemeinsam gingen wir zu unserem "Kroaten", wo ich als kroatisches Abschiedsessen nochmal diese herrlich gegrillten Tintenfisch-Tentakel aß...
Nach einem entspannten Frühstück, bei dem mir die Aufwärterin nicht nur Kaffee nachgoss, sondern auch Rührei nachlegte (es musste wohl weg...), ließen wir die großen Rucksäcke an der Rezeption stehen und schlenderten erstmal zum Haltepunkt "obala". Dort fotografierten wir den Sorsele-VT. Nach dessen Abfahrt tauchte plötzlich aus Richtung Innenstadt eine Rangiereinheit auf dem Hafengleis auf, das entlang der Mole führte. Immerhin gelangen uns Aufnahmen, ohne dass jemand davor gefahren wäre...

Pula: Eine Rangiereinheit nähert sich auf dem Hafengleis dem Haltepunkt "obala" und dem Bahnhof.
Danach schlenderten wir zum Busbahnhof, wobei wir unwillkürlich einen Bogen um eine Polizeistreife machten. Anhand einer Karte entschieden wir uns für eine Busfahrt an den südlichen Stadtrand zur Halbinsel Veruda. Unser Bus fuhr dann allerdings nicht bis direkt auf die Halbinsel, doch landeten wir an einer Haltestelle, von der aus man nur einen kleinen Hügelrücken zu queren brauchte, um zum Meer zu gelangen. Der seeseitige Teil des Hügels gehörte zu einem großen Übernachtungskomplex mit Camping, Bungalows, Sportplätzen, Restaurants u.v.m. Vorm Eingang zum Gelände befand sich allerdings (mitten in der Natur) ein Vulkanisierungswerk, in dem irgendein Ventil extrem laut zischte, so dass man auf dem angrenzenden Campingplatz sein eigenes Wort nicht mehr verstehen konnte.
Der ganze Ferienkomplex machte einen extrem heruntergekommenen Eindruck. Wir fanden einen Weg, der nett oberhalb des Felsstrandes verlief - allerdings nur innerhalb des Geländes. Plötzlich standen wir vor einem Zaun, der das Schwimmbad des Komplexes eingrenzte. Hier gab es nur den Weg runter auf die Klippen. Weiter ging es dann unterhalb dieses Komplexes zwischen Wasser und Felswand, wobei teils kaum Platz war. Irgendwann ging es trockenen Fußes nicht mehr weiter. Eine Beton-Wendeltreppe führte nach oben. Dort standen wir dann direkt vor den Panoramascheiben des Palast-Ballsaales oder was auch immer das war. Wir kamen uns vor wie James Bond, der von der Seeseite eine Festung im Stil der 70er-Jahre einnehmen will, die sich über den Klippen erstreckt. Dort drin sah es aus, als ob vor vielen Jahren ein Polterabend stattgefunden hätte und seitdem nie wieder aufgeräumt worden sei. Ein Teil der Decke war heruntergekommen...
Vorbei an der auf einem nett gelegenen Gehöft untergebrachten Jugendherberge und an einem Opti-Segel-Gelände kamen wir auf eine Straße, die ruhig entlang der Seaside um die nächste Halbinsel führte. Nach einer kleinen Siesta auf dem Felsstrand ging es noch das restliche Stück um eine weitere Bucht und Halbinsel herum bis Stoja weiter. Hier befindet sich zwischen zwei Buchten die wohl schönstgelegene Buskehre der Umgebung. Malerisch schaukelten die Boote ringsherum auf den Wellen.
Um 12.25 sollte hier ein Bus in die Stadt zurück fahren, doch nichts rührte sich. Erst um 12.37 tauchte ein noch sehr neuer, aber dennoch gebraucht von den Verkehrsbetrieben Glatttal erworbener Bus auf, der auch sogleich zurück fuhr. Wir hatten zum Glück etwas Reserve eingeplant. Es wäre aber auch zu ärgerlich, wenn wir die letzte Möglichkeit vor Ostern, Istrien "rein" per Zug zu verlassen, verpassen würden. (Karfreitag zählt in Kroatien und Slowenien nicht als Feiertag, sonst wäre die Verbindung auch heute schon nicht möglich gewesen). Tja, zügig ging es voran --- bis zur Innenstadt. Hier gab es eine Umleitung und Staus ohne Ende. Im Geiste sahen wir den Zug schon abfahren, zumal wir schlecht abschätzen konnten, ob wir vielleicht zu Fuß schneller wären. Der Bus schlich durch uns unbekannte Teile der Innenstadt. Dann tauchte doch noch um ca 13.10 das Colosseum vor uns auf und wir wussten: Nix wie raus hier! Schnell im Hotel das Gepäck eingesammelt und zum Zug gerast. Wir erwischten ihn sogar noch im inoffiziellen Haltepunkt.
Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass die auf den ersten Blick unspektakuläre Strecke von Bereisung zu Bereisung interessanter wurde. Jetzt fuhr ich hier zum vierten Mal in 48 Stunden, doch man entdeckte immer wieder neue, interessante Details. Zum Beispiel den Schrankenposten, der an einem Hp Dienst tat und neben seiner örtlichen Schranke auch die Schranke am nächsten Haltepunkt (ca 1 km entfernt) mitbediente - per Muskelkraft über einen Drahtzug. Gefahrraumüberwachung per Kamera gab es für diese fernbediente Vollschranke natürlich nicht...
In der zweiteiligen VT-Garnitur saßen wir zwar im volleren ersten Wagen, hatten aber gut Platz. Es waren Reisende mit Gepäck an Bord, die dann auch tatsächlich diese seltene Möglichkeit nutzten, Istrien per Bahn zu verlassen. Auf der anderen Seite des Ganges spielte ein ca zehnjähriges Mädchen mit einem Kleinkind, das mit seiner Mutter eine Sitzreihe weiter saß. Ihre eigene Mutter war die ganze Zeit über beschäftigt SMS zu schreiben und merkte es nichtmal, dass die Kleine während des viertelstündigen Aufenthaltes in Lupoglav munter über den Bahnhof tobte. Das Mädchen, das einen sehr aufgeweckten Eindruck machte, tat uns leid...

In Lupoglav erfolgte die Zugteilung. Der vordere Triebwagen fuhr weiter nach Buzet, der hintere wieder zurück nach Pula.
Übrigens war der Güterzug heute wieder weitaus früher als gestern nordwärts gefahren. In Lupoglav sahen wir aber nur die Wagen des Zuges stehen, während die Lok wahrscheinlich die hier abzweigende Bahn in Richtung Raša bediente (keine Ahnung wie weit - die Strecke soll landschaftlich sehr schön sein, hat aber keinen Personen- und nur bedarfsweisen Güterverkehr). Unsere Strecke gelangte hinter Roč und Nugla unterhalb der "Winnetou-Felsen" immer höher. Der beschauliche Grenzbahnhof Buzet liegt mit seinen zwei Gleisen in Hanglage weit oberhalb des Ortes. Hier geht es sehr gemütlich zu - die Ausweise werden im slowenischen Triebwagen kontrolliert. Weder Grenzer noch Stationspersonal sagten etwas dagegen, als wir den slowenischen und den kroatischen Zug nebeneinander fotografierten. Trotz wieder heftig quellender Wolken gelangen uns Sonnenbilder.

Pu 4706 aus Pula ist in Buzet angekommen. Seit einigen Jahren ist hier Endstation an einer neuen Staatsgrenze.

Als Anschlusszug der Slowenen kam zu unserer Freude ein 711, den wir in Buzet zusammen mit dem kroatischen "Schweden" fotografieren konnten.
Die Kopffront des slowenischen Triebwagens erinnerte an den deutschen 624, doch wirkte seine Inneneinrichtung für so einen Dieseltriebwagen außerordentlich komfortabel: Schwere Einzelsitze, deren Lehnen sich weit zurückklappen lassen. Vorn hinterm Führerstand gab es ein kleines Konferenzabteil, in dem sich natürlich die Eisenbahner eingerichtet hatten. Während der zweite Wagen gut besetzt war, hatten wir den vorderen fast für uns.

Der slowenische Triebwagen der Baureihe 711 von innen.
Die Strecke gelangt ein Stück hinter Buzet in derartig hohe Hanglage, dass die Felskante erreicht ist. An der senkrechten Felswand verläuft die Strecke nun eindrucksvoll weiter, wobei immer wieder Sporne per Einschnitt durchfahren werden. Rechts ging es senkrecht in die Höhe und links ebenso steil in die Tiefe. Nachdem ein Einschnitt das Gleis endgültig von der Felskante hinweg auf eine wilde Hochebene geführt hat, wurde die Grenze zu Slowenien gequert. Nördlich des einsamen slowenischen Grenzbahnhofes Ratikovec (ab hier Mo-Fr 2 Pz-Paare) wechselten wilde offene Landschaft mit Weitblicken und weitere Felsabschnitte ab. An einer Abzweigstelle gelangten wir auf die elektrifizierte Strecke von Koper. Vorher war uns in Podgorje der Istrien-Güterzug entgegen gekommen, der mit dem slowenischen Gegenstück der kroatischen 2062 bespannt war. Der Wagenaustausch in Buzet erfolgt am späten Nachmittag.
In Divača wurde der VT per Sägezahnfahrt auf eines der hinteren Gleise verschoben. Während des Aufenthaltes gab es einen dreiteiligen Desiro von Sežana nach Ljubljana zu beobachten. Aus Richtung Ljubljana tauchte eine doppelte Desiro-Garnitur auf, deren erster Dreiteiler nach Koper weiter fuhr, während der hintere Zweiteiler nach Villa Opicina ging. Wir wollten jedoch mit "Stil" in die EU einreisen:
Der Zug bestand aus einer 362 und folgenden Wagen: B (SŽ) + AB (JŽ) + B (JŽ) + B (MAV) + B (MAV) + WR (MAV) + A (MAV). Es handelt sich zweifelsohne um einen der letzten internationalen Tagesschnellzüge, die in Europa noch fahren. Bei der SŽ wird er als IC eingestuft, bei der italienischen FS gar nur als E (Express). Der vordere Wagen fährt nur Ljubljana - Venezia, während die Wagen der JŽ Beograd - Venezia und die der MAV (Stammzug) Budapest - Venezia fahren. In Ljubljana ist immer großer Kurswagentausch mit dem IC 210.
Leider ergab eine Fahrgastzählung, dass die Zeit der großen europäischen Schnellzüge vorüber sein muss: Über die Grenze reisten im JŽ-Teil 10 (davon viermal 1.Kl.) und im MAV-Teil 27 Leute (davon siebenmal 1.Kl.). Im Speisewagen reisten nur Koch und Kellner und im SŽ-Wagen hing nur noch ein Mantel.
Von Villa Opicina, das quasi die Oberstadt zu Triest darstellt, hofften wir, irgendeine interessante Strecke durch das Triester Stadtgebiet mit imposanten Ausblicken abwärts zu fahren. Unser Zug nahm jedoch leider eine Strecke durchs Hinterland, die sich ohne Höhepunkte wieder weit von Trieste entfernte und erst kurz vor Monfalcone auf die Küstenstrecke stieß. Hier ging es nun wieder auf Trieste zu, wobei wir nette Ausblicke auf die Adria hatten.
Die Dunkelheit senkte sich schon über die Stadt, als wir uns mit Sack und Pack auf die Suche nach einer Unterkunft machten. Auch für Trieste hatten wir eine Unterkunftsempfehlung bekommen. Unterwegs sahen wir allerdings auch schon einige Hotels. Bei einem nicht ganz so teuer aussehenden Laden fragten wir dann auch mal nach dem Preis. Der Rezeptionist meinte irgendwas von 150 Euronen. Nun, da hatten wir andere Vorstellungen und zogen dankend weiter. Doch im empfohlenen Ein-Sterne-Hotel "Centro", wo wir beim Betreten erstmal von einem riesigen weißen Wuschelhund angeschnuppert wurden, erfuhren wir leider, dass nur noch ein Einzelzimmer frei sei. Wir könnten aber um 20 Uhr (es war 19.30) wiederkommen, da eine Reservierung dann ablaufen würde.
Derweil suchten wir weiter und fanden auch noch das eine oder andere weniger teure Hotel, doch nirgends war mehr etwas zu bekommen. Was wollen die ganzen Leute zu Ostern in Trieste??? Die Hotels hatten merkwürdige Türschlösser, bei denen man einen Knopf drücken musste, der eine Verriegelung löste. Der Hersteller hat wohl gutes Marketing betrieben, die Dinger waren in fast jedem Gebäude zu finden... Um 20.02 Uhr quetschten wir uns wieder an dem weißen Wuschelhund vorbei in die Pension "Centro", wo wir dann tatsächlich zunächst ein Doppelzimmer, später sogar zwei Einzelzimmer bekamen. Wir würden bloß morgen umziehen müssen in ein Einzelzimmer mit Zusatzliege. Das war uns egal, wir waren fix und foxi.
Nach uns tauchten weitere zumeist Jugendliche auf, die Unterkunft suchten. Was hatten wir für ein Glück gehabt! Die Stadt kannten wir nach unserer Hotelsuche ja eigentlich schon. Das Zentrum gefiel uns sehr gut, es gibt da wunderschöne Plätze. Und wir hatten schon ein Restaurant mit Tischen am Canale Grande (jau, den gips auch in Trieste) entdeckt, das wir nun als erstes frequentierten. Es gab italienische Vorspeisen (war nur ne gemischte Schinken-Platte, wir hatten mit Vegetarischerem gerechnet) und natürlich Pizza. Paar Tische weiter saß ein junges deutsches Pärchen im Teenager-Alter, das bestimmt zwanzig Minuten lang von einem Afrikaner beschwatzt wurde irgendwas zu kaufen. Der Junge machte einen zunehmend verzweifelten Eindruck, während sich seine Freundin die Sachen interessiert anschaute. Das ist aber auch ärgerlich, da führt man seine Freundin mal nach Italien zum Abendessen aus und dann sowas. Er tat mir leid...
Trotz des Straßenlärms schlief ich gut. Lediglich der Müllwagen hielt mich zwischen 3.10 und 3.30 Uhr wach. Morgens ließen wir die großen Rucksäcke in unseren Zimmern zurück. Die Wirtin hatte versprochen, sie in die Zimmer für nächste Nacht zu überführen. Wir waren gespannt... Das Wetter sah ganz brauchbar aus, doch juckte es uns in den Fingern, noch einige interessante Strecken im italienisch / slowenischen Grenzgebiet zu bereisen, die landschaftlich schön sein sollten. So liefen wir als erstes um 7.45 Uhr zum Busbahnhof, wo wir uns nach einer Fahrgelegenheit nach Koper erkundigten.
Dummerweise fuhr erst wieder um 9 Uhr ein Bus, mit dem wir nur 10 Minuten Übergang auf den Zug hätten. Wir wussten, dass der Bahnhof von Koper, auf italienisch auch Capodistria genannt, weit außerhalb der Stadt liegen soll. Die Frage, ob der Bus denn in Koper am Bahnhof hielte, wurde uns allerdings mit ganz vielen "si, si,..." beantwortet, so dass wir beschlossen, das Risiko einzugehen. Vorher gab es in der nahegelegenen "Bar Teo" leckere Croissants. Leichtsinnigerweise bestellte ich erst Kaffee, doch als ich den Fingerhut leergesogen hatte, flößte ich noch einen Cappuccino hinterher, den es in einer richtigen Tasse gab...
Das sind Werte! Offenbar war die Fahrzeit nicht für Ostersamstag-Vormittage ausgelegt, denn wir kamen extrem reibungslos durch das gerade erst aufwachende Trieste. Hinter der Triester Innenstadt ging es über eine Hochstraße immer entlang der Hafenkante, von der aus man eine wunderbare Übersicht zu beiden Richtungen und über den gesamten Hafen hatte. An der Grenze gab es null Wartezeit und die Halte auf slowenischer Seie waren offenbar nur Ausstiegshalte, so dass die ungewöhnliche Verfrühung zustande kam. In Koper fuhr der Bus nicht in die Stadt, sondern zu einem Busbahnhof direkt an der Bahnstation. Besonders hübsch ist der Bahnhof nicht, dennoch gab es paar Fotos vom Desiro, der perfekt in der Sonne stand.

In Koper war wider Erwarten noch dicke Zeit für ein Foto von unserem Zug zur Weiterfahrt.

Und noch eins.
In dem klimatisierten Desiro fuhr es sich angenehm. Dass die Slowenen auf die fensterseitigen Armstützen verzichtet haben, fand ich weniger komfortabel. Die Strecke vereinigt sich nach einigen hundert Metern mit den Gütergleisen und führt einspurig in ein Tal hinein. Während hier nur vier Pz-Paare fahren, kam uns an jedem Ausweichbahnhof ein Güterzug oder eine Lok entgegen. In Hrastovlje kreuzten wir mit einem Güterzug, mit dem wir danach eine Parallelfahrt veranstalteten. Die Strecke führte nun durch eine Rundkehre auf die andere Talseite, wo wir weiter in die Höhe stiegen. Von oben konnten wir tief unter uns den Güterzug im Tal fahren sehen.
Bald waren mal wieder die "Felsenkronen" der Karstberge erreicht. Nach einem kurzen Stück entlang der Felswand (kein Vergleich zu Buzet) ging es durch einen Felseinschnitt auf eine Hochprairie. Ab Divača füllte sich die dreigliedrige Desiro-Einheit zunehmend. Der Anschlusszug aus Villa Opicina wurde nicht, wie am Vorabend in der Gegenrichtung beobachtet, mit uns zur Fahrt nach Ljubljana vereinigt.

In Divača wird Anschluss aus Villa Opicina aufgenommen.
In Postojna lasen wir am Bahnhof, dass Führungen durch die "Postojnska jama", die auch schon mal "Adelsberger Grotte" geheißen hat und die eine der größten europäischen Tropfsteinhöhlen darstellt, um 12 und um 14 Uhr stattfinden würden. Fußweg 20 Minuten. Wir gaben nun alles, um noch die 12-Uhr-Führung zu erreichen. Der Weg war so richtig eigentlich erst ab Ortsmitte ausgeschildert, daher haben wir womöglich sogar einen kleinen Umweg eingebaut. Am Eingangstor stand dann allerdings etwas von Führungen im Stundentakt. Über Ostern rechnete man wohl mit mehr Besuchern; es war aber nur ein Bruchteil der riiiiesigen Parkfläche mit Bussen und Autos belegt. Nach dem Passieren zahlloser Souvenirstände standen wir um Schlag 12 am Schalter und durften noch mit. Wir gehörten zu den wenigen Nachzüglern, für die nochmal ein ganzer Zug bereitgestellt wurde. - Ja, richtig! Es ging per Zug in die Höhle!
Vergesst alles, was Ihr bisher an Tropfsteinhöhlen kennengelernt habt! Die Postojnska jama ist sicher nicht nur die größte, sondern auch die schönste Tropfsteinhöhle, die ich bisher von innen gesehen habe. Doch beginnen wir am Eingang, wo man sich nach einem kurzen künstlichen Stollen plötzlich in einer Mischung aus U-Bahn-Station und Geisterbahn-Einstieg befand. Die zweigleisige Station mit Mittelbahnsteig lag in einer kahlen, grau und ziemlich neu aussehenden Betonröhre. Wir setzten uns so in den Zug, dass vor uns viele Sitzreihen leer waren und wir dadurch einen optimalen Blick nach vorn hatten.
Bald ging es aus dem Stollen in die Tropfsteinhöhle hinein. Hier ist die Strecke sogar zweigleisig. Und die Fahrt war einfach nur genial! Wie eine Modelleisenbahn schlängelten sich die Gleise um Stalagmiten und -maten und wenn der Platz nicht reichte, verschwand ein Gleis mal kurz in einem Tunnel. Zwei Kilometer weit raste das Züglein mit uns durch die Tropfsteinwelt - vorbei an Säulen und Gebilden, die allein den Stolz einer herkömmlichen deutschen Tropfsteinhöhle ausgemacht hätten und die dort klangvolle Namen verpasst bekommen hätten. Wir erhaschten jedoch nur kurze Blicke aus dem rasant dahinbretternden Zug. Das war allerdings nicht schlimm, denn das, was wir am Ende der Fahrt auf einem einstündigen Fußweg "entdecken" durften, stellte die Sehenswürdigkeiten entlang der Bahn "dicke" in den Schatten.
Die Führung verlief außerordentlich professionell. Die Besuchermassen (schätzungsweise 200 Leute) wurden an der unterirdischen Bahnstation in die Sprachen slowenisch, italienisch, englisch und deutsch eingeteilt. Die Deutschen bildeten auf der Wanderung die Nachhut, was sich als ungeheuer vorteilhaft erwies. So konnten wir immer ein Stück zurück bleiben, so dass wir in Ruhe und Stille alles genau betrachten konnten. Der Schlussmann des Höhlenteams hielt sich immer diskret hinter uns im Schatten und hatte es überhaupt nicht eilig - meist bekamen wir ihn gar nicht zu sehen, weil er viel Abstand hielt.
Der "große Berg", die "Russenbrücke" und natürlich die Grottenolme in einem Bassin waren nur einige der Highlights, die die Unterwelt auf dem Rundgang bereit hielt. Grundsätzlich glänzte die Höhle dadurch, dass man ständig durch interessante Tropfstein-Formationen in immer wieder neuen Varianten lief, wie es sie wohl in keiner zweiten Höhle zu sehen gibt. Das Ende der Zug-Rückfahrt brachte dann noch eine besondere Überraschung mit sich. Aus dem Stollen gelangte man nicht in die U-Bahn-Station, sondern in eine riesige unterirdische Höhle, an deren Rand man auf einer Galerie entlangfuhr und dann auch ausstieg. Tief unter uns toste der Fluss, der diese Untertagewelt geschaffen hatte, über eine Staumauer, wobei er ganze Wolken von Gischt zu uns hochsprühte. Das war ein eindrucksvoller Abgang!
Nun war es ca 13.40. Als wir aus der Höhle traten, stellten wir erstmal fest, dass anstelle der Sonne jetzt dunkle Wolken den Himmel bevölkerten. Trotz der wirklich sehr langen Führung hatten wir nun sogar noch die Möglichkeit, eine Rundtour über die Wocheinerbahn anzuschließen. Wir hätten vorher nie gedacht, dass dies zeitlich noch drin wäre. In der Bahnhofscafeteria warfen wir paar Getränke ein, wobei in der Cola keine Kohlensäure mehr war und mein Glas vor Schmutz starrte. Dann begaben wir uns bald auf den Bahnsteig, wo wir den internationalen Schnellzug von Rijeka erwarteten, dessen Gegenzug wir auf der Hinreise ja genommen hatten.
Eine Fahrt in klassischen Abteilwagen - immer wieder nett! Dann war ich zum dritten Mal in der slowenischen Hauptstadt. Und - Schande über mich! - diesmal war der Aufenthalt noch kürzer...
Beim RG 600 handelt es sich um den Starzug der Wocheinerbahn, der die einzige umsteigefreie Verbindung von der Hauptstadt darstellt (ansonsten immer Umstieg in Jesenice erforderlich). Das Fahrzeugmaterial war aber nichts besonderes: Es handelte sich um einen der allgegenwärtigen 713, die auf der Wocheinerbahn den Gesamtverkehr bestreiten. So ganz im klaren waren wir uns darüber nicht, wie wir drei Stunden in dem Teil aushalten sollten, doch spätestens hinter Jesenice wurde die Landschaft interessant und wir hatten Platz, um auf beiden Seiten rausschauen zu können. Zudem hatte Lars beim Kopfmachen in Jesenice etwas gegen unseren Hunger getan - dascha auch viel wert!
Hinter dem Passtunnel, der zwischen Bohinjska Bistrica und Podbrdo liegt, gelangt die Bahn in die tief eingeschnittenen Täler der Bača, später der Soča, denen sie fortan folgt. In Most na Soči erfolgt die Einfahrt über einen langen, gebogenen Steinbogenviadukt. Im Bahnhof kam uns der Autozug entgegen, der ca alle zwei Stunden durch den Passtunnel fährt. Terminals oder Kopframpen sucht man vergeblich, die Autos fahren einfach seitlich auf die Wagen drauf. Als Zuglok fungierte natürlich ein GM-Diesel, was die ganze Sache ja schon wieder interessant zum fotografieren machte...
In Nova Gorica geht es am Wochenende nicht weiter, so dass wir die restlichen Kilometer Richtung Sežana nicht fahren konnten. Doch von Gorizia Centrale, dem italienischen Bahnhof der Stadt, kann man mindestens stündlich nach Trieste gelangen. Hafas wirft für das Umsteigen von einem Bahnhof zum anderen 40 Minuten aus. Nun, wir brauchten deutlich länger...
Über den Bahnhofsvorplatz von Nova Gorica verläuft direkt der Grenzzaun. Auf der anderen Seite stand sogar gerade ein Stadtbus, mit dem wir sicher schnell zum Bahnhof gekommen wären und sooo hoch war der Grenzzaun eigentlich gar nicht. Aber man ist ja ehrlich... Am Ende der Bahnhofstraße fanden wir schnell einen Grenzübergang. Der slowenische Grenzer schaute nur müde hoch auf unsere emporgehaltenen Pässe und gerade wollten wir forschen Schrittes weiter laufen, da sagte er irgendwas. Erst dachten wir uns gar nichts dabei, doch so nach und nach kapierten wir, dass er uns gar nicht rüberlassen wollte! Dieser Grenzübergang wäre nämlich nur für Einheimische! Klasse!
Er beschrieb uns einen Weg, wie wir zum nächsten Grenzübergang gelangen könnten. Dazu mussten wir parallel zur Strecke nach Sežana auf dem Trassee eines ehemaligen zweiten Gleises durch einen Eisenbahntunnel laufen, durch den jetzt ein Fußweg führte. Auf der anderen Seite gelangten wir in eine Art Kleingarten-Landschaft. Nach rund einem Kilometer tauchte ein Schild "Zoll" auf, darunter aber ein nach links (Osten) zeigender Pfeil. Dabei verlief die Grenze doch rechts von uns oder wie??? Tatsächlich waren wir mittlerweile wohl im Niemandsland, denn es querte hier ein besserer Fußweg, an dem östlich des Bahngleises die slowenische und westlich die italienische Grenzstelle lag. Den Schlenker zum slowenischen Häuschen sparten wir uns und die italienische Kontrollstelle war unbesetzt. So reisten wir also relativ unbemerkt endgültig wieder in die EU ein.
Mühsam fragten wir uns nun zum Bahnhof durch, der aber anscheinend noch überhaupt nicht in der Nähe liegen sollte. Man empfahl uns den Bus, der alle 20 Minuten fahren würde. Immerhin fanden wir zügig die Haltestelle. Busfahren durften wir dann zweimal. Einmal bis zu einem Tabakladen, wo wir uns gefälligst erstmal Fahrscheine besorgen sollten (gab's im Bus nämlich nicht) und 20 Minuten später dann tatsächlich bis zum Bahnhof Goricia Centrale, wo wir um 19.40 eintrafen. Was für ein Glück, dass wir hier keinen bestimmten Zug erreichen mussten...
Etwas misslaunig wurde ich dann beim Abendessen. Wir hatten mal wieder Fisch essen wollen und waren auf entsprechende Restaurants entlang der Seaside gestoßen. Es war Oster-SA und entsprechend voll überall. Ein Restaurant hatte aber zwei Vorzelte (eines vorm anderen) aufgebaut. In dem zur Straße gelegenen war noch ordentlich Platz. Anfangs saßen wir auch hier nicht gerade allein. Doch als das Essen kam, waren nur noch wir übrig geblieben. Bald hatten wir das Gefühl in der Eingangshalle zu sitzen. Dauernd kamen Leute zum Kucken rein. Besonders nervig war eine Frau, die anfing in unserem Vorzelt auf und ab zu gehen, während sie auf ihr Date wartete. Meine Fischplatte bestand zum größten Teil aus irgendwelchen Puhlfischen, was für mich entschieden zu viel Arbeit bedeutete... Dennoch: Einer der erlebnisreichsten Tage lag hinter uns! Unsere Rucksäcke standen tatsächlich im neuen Zimmer für uns bereit.
Buena pasca, frohe Ostern! Auf meiner Ersatzliege hatte ich erstaunlich gut geschlafen, und so verließen wir einigermaßen munter das Hotel, nachdem die Rezeption besetzt worden war. Der weiße Wuschelhund war auch wieder da. Heute wollten wir uns zunächst um Trieste (u.a. um die Straßenbahn nach Villa Opicina) kümmern. Die zweite Tageshälfte sollte dann Venedig gehören. Immerhin fanden wir um 8.30 Uhr bereits ein geöffnetes Café unweit der Strabsen-Endstelle, wo wir Cappuccino und Croissants verputzten. Es waren neben uns einige ältere Herren anwesend, die hier schon ihre Zeitung lasen. Zur Oster-Deko des Cafés gehörte neben diversen Eiern auch eine große "Pace"-Fahne in Regenbogen-Farben. Diese Flaggen sahen wir in der gesamten Stadt und später auch in Venedig aus den Fenstern hängen. Der Hersteller dieser Tücher dürfte jetzt ausgesorgt haben...
Mit der altertümlichen Tram (Linie 2, andere Linien gibt es aber nicht mehr...) ging es nun durch die Straßen bergauf. Doch am Rande der Innenstadt setzte sich unser Straßenbahnwagen über eine Weiche rückwärts gegen einen auf einem Stumpfgleis abgestellten "Arbeitswagen" - so sah das Teil jedenfalls aus. Dieses Teil schob uns nun weiter, wobei das Gleis nun immer steiler in die Höhe strebte. Des Rätsels Lösung: Das orange Teil war der Schiebebock einer Standseilbahn, der unseren Strab-Wagen nun durch die Villengegend am nördlichen Stadtrand emporschob. Nach Ende des Steilabschnittes fuhr unsere Strab mit eigener Kraft weiter. Die Strecke verläuft in schöner Hanglage mit weiten Ausblicken über Stadt und Meer. Auch die "innerstädtische" Bahnstrecke von Villa Opicina nach Trieste verlief an diesem Hang ein Stück unterhalb. Auf der Rückfahrt stückelten wir etwas, um trotz fehlender Sonne paar Bilder von diesem interessanten Straßenbahn-Betrieb machen zu können.

Die Straßenbahn wird von einem "Schiebebock" einer Standseilbahn nachgeschoben. Der Bahnübergang bleibt übrigens so lange geschlossen, wie das Seil in Bewegung ist.

Unterhalb von Villa Opicina geht es entlang der Via Commerciale.
Nach der Straßenbahn-Fahrt liefen wir aus der Triester Innenstadt hoch zur Festung. Doch außer vielen Menschen gab es hier nichts zu sehen. Die prächtige Seite der Stadt Trieste liegt eindeutig in der Unterstadt mit ihrer riesigen "Piazza della unita Italia" und der Hafenkante. Bei einem Eisbecher auf der Mole konnten wir die fein herausgeputzten Italiener mit ihren Bambini beim Osterspaziergang beobachten. Anschließend holten wir die großen Rucksäcke aus dem Hotel und marschierten zum Bahnhof.
Die Fahrt im nahezu eigenen Wagen war entspannend, und so konnten wir in Venedig ausgeruht ans Werk gehen. Die Fahrt über die lange Brücke von Mestre in die Lagunenstadt brachte uns in eine andere Welt. Nachdem wir unsere Rucksäcke an der Aufbewahrung abgegeben hatten, traten wir vor den Bahnhof, wo mir der Anblick des Canale Grande, der Gondeln und der vielen bunten Pfähle so bekannt vorkam, obwohl ich noch nie hier gewesen war. Wir lösten uns Tageskarten für den "Stadtbus", der hier natürlich in Form von Schiffen durch den Canale Grande und um die Hauptinseln fährt.
Wir hatten "nur" sieben Stunden Aufenthalt und konnten uns nur einen gewissen Überblick verschaffen. Mit der 82 ging es nach San Marco. Das Schiff war sehr gut frequentiert und die Piazza San Marco, über die wir dann liefen, nicht weniger. Von dort liefen wir einfach mal in diese Welt aus schmalen Gassen und Mini-Kanälen hinein. Über möglichst viele Brückchen und sicher nicht auf dem direktesten Wege gelangten wir nach einem Zwischenstopp bei einem Pizzabäcker zur Rialtobrücke. Von hier schloss sich eine Schifffahrt zur Insel Lido und zurück durch den gesamten Canale Grande zur "Ferrovia", dem Bahnhof an. Wir hatten perfekte Plätze ganz hinten am Heck im Freien. Von dort ging es mit einem anderen Schiff nach Zattere, von wo wir uns nochmal mit Karte und "Pfadfinder"- (besser: Gassenfinder-)Geist zum Bahnhof durchschlagen wollten. Das Pfadfinden machte hier aber nicht ganz so viel Spaß, weil der Weg perfekt ausgeschildert war...

Venedig: Blick auf den Rio di San Barnaba, die Ponte dei Pugni und hinten Santa Maria dei Carmini.
Leider war das Wetter fast durchgehend bewölkt gewesen. Dennoch machte ich vor Einbruch der Dunkelheit wenigstens mal paar "Beweisaufnahmen". Irgendwo am Ramo Cioveretto entdeckten wir ein einzelnes Restaurant abseits der großen Touripfade. Die Preise wirkten ok, und so setzten wir uns einfach mal rein. Mit Fisch wollte ich nach den gestrigen Erfahrungen nichts mehr zu tun haben. Doch bei der Bestellung meiner gemischten Grillplatte (Fleisch) hatte es wohl ein Missverständnis gegeben, denn ich erhielt eine gemischte Grillplatte (Fisch). Über dieses Missverständnis konnte ich mich allerdings nur freuen, denn ich sollte erfahren, dass auch in Italien nicht Fischplatte gleich Fischplatte ist.
Kunstvoll wurden vor meinen Augen nun die einzelnen Fischstücke filettiert. Hauptsächlich gab es RICHTIGEN Fisch verschiedener Sorten - und der war einfach klasse. An Pulzeugs gab es nur zwei Garnelen, die aber schon soweit aufgebrochen waren, dass selbst ich mühelos das Fleisch mit der Gabel herauspieken konnte. Dazu gab es leckeren Wein. Essen gehen ist in Italien nicht billig - und eine Fischplatte natürlich erst recht nicht. Aber wie leicht wird man mittlerweile auch in Deutschland 30 Euro los? Für uns war es das letzte Abendessen dieser Tour - und der Abschluss eines weiteren faszinierenden Tages.
Venedig hatte mich schwer beeindruckt. Vorher hatte ich diese Stadt immer etwas mit barockem Kitsch verbunden, doch war dies eher eine Randerscheinung. Es hat uns vielmehr amüsiert, die Leute in den Gondeln zu beobachten. Die Abgedrehtesten hatten Musiker an Bord, die ihnen während der Fahrt etwas vorspielten und -sangen. Das konnten wohl nur Amis gewesen sein... Aber der Haupteindruck von Venedig war die gänzliche Autofreiheit. Nachdem wir in Kroatien schon viele autofreie Altstadtviertel kennengelernt hatten, setzte Venedig diesem "Trend" die Krone auf. Was für ein Gewinn für eine Stadt! Dazu die Kanäle, die alte Bausubstanz, die hautnah Geschichte vermittelte... Tja, was soll man noch sagen?
Der Nachtzug ab Venedig war mal wieder einer dieser aussterbenden europäischen Fernzüge. Er besaß Wagen nach München, Genf und den Hauptteil nach Nizza. Bei einem slowenischen Wein ließen wir den Abend ausklingen.
Es war ja völlig klar: An diesem Tage hatten wir das schönste Wetter der gesamten Tour. Von München bis Hamburg war kaum ein Wölkchen zu sehen... In Göttingen verabschiedete ich mich von Lars.
Die Tour hatte eine Erkundungstour werden sollen, insofern ist das mit dem Wetter nicht ganz so schlimm gewesen. Wir haben mit Kroatien ein sehr interessantes Land kennengelernt, das ich insbesondere aufgrund der (noch) interessanten Eisenbahn gern nochmal irgendwann besuchen möchte - dann aber bitte mit besserem Wetter zum fotografieren...
Nicht so schön fanden wir einerseits die fehlenden einheimischen Restaurants und andererseits den Aktionismus der kroatischen Polizisten, bei dem man sich schon mal in einen Polizeistaat versetzt gefühlt hat. Zum Glück sind es aber die positiven Dinge, die man nach so einer Reise in erster Linie im Kopf behält. Neben den interessanten Landschaften und Städten fiel uns von Anfang an die herzliche Aufgeschlossenheit der Menschen auf. Es gibt ja Länder, wo gar nicht erst der Versuch unternommen wird, sich mit Ausländern zu verständigen. Kroatien gehört nicht dazu. Wer irgendwann auch nur zehn Wörter englisch oder deutsch aufgeschnappt hat, wendet diese zusammen mit Händen und Füßen so lange an, bis man sich verstanden hat. Viele Kroaten sprechen allerdings verständliches englisch oder deutsch und haben offensichtlich Spaß, diese Sprachkenntnisse auch anzuwenden. Und wenn man als Tourist dann auch zehn kroatische Vokabeln kennt, freuen sich die Einheimischen um so mehr...
Minen. Dieses Thema war auf der Tour eigentlich kein Thema gewesen, da das Wetter uns eh nicht in die Versuchung kommen ließ, im einsamen Gebirge etwas zu unternehmen. Da es mich aber schon mal juckt, entlang der Licka-Bahn eine Fototour zu unternehmen, werde ich doch nochmal versuchen müssen, an genauere Informationen heranzukommen. Die Botschaft hatte mir hierzu einige Email-Adressen genannt, die anzuschreiben ich vor der Tour aber nicht mehr geschafft hatte.
Sehr profitiert haben wir davon, dass wir gut auf die Tour vorbereitet gewesen waren. Es gibt brauchbares Kartenmaterial sogar im Maßstab 1:100000 für den Streifen entlang der Küste bis weit in das Binnenland hinein. Allerdings empfanden wir die Reiseführer als nicht ganz so hilfreich. Am meisten half uns ein französisches Büchlein, das allerdings nur Lars lesen konnte... Die aus anderen Ländern als sehr empfehlenswert erinnerlichen Reiseführer von Michael Müller oder Velbinger deckten nur die Küste ab bzw gab es gar nicht für Kroatien. Nein - unsere Vorbereitung verdanken wir vielmehr einigen Leuten, die uns im Vorwege gute Tipps gegeben oder Material zur Verfügung gestellt haben.
Danken möchte ich in diesem Zusammenhang Joachim Piephans vom LokReport für zahllose Kursbuch-Kopien und die Güterzugzeiten des vorangehenden Fahrplans, Jens-Uwe Thiel für seinen Reisebericht vom März 2003 und vor allem für die wertvollen Unterkunftsempfehlungen, Marko Lauten für die Erfahrungsberichte auf seiner Website "Dieselpower", Hans-Joachim Stroth für Erfahrungsberichte und zahllose Kopien aus Baedeker und Co von Zeiten, zu denen in Reiseführern noch Bahnstrecken beschrieben wurden, Thomas Klug für seine Reiseschilderungen, der deutschen Botschaft in Zagreb für die Beantwortung meiner Minen-Anfrage und all denjenigen, die mit ihren Erfahrungen ebenfalls zum Gelingen der Reise beigetragen haben. Nicht zuletzt danke ich ganz herzlich Lars, der einen beträchtlichen Teil der Organisation insbesondere spontaner Aktionen übernommen hatte und der den Blockwärter wenigstens an einigen Tagen von der Bahn weglotsen konnte...
Nachtrag Stand 2025: Den positiven Beschreibungen vom Land (sowieso!) und den Leuten ist nichts hinzuzufügen. Auf inzwischen zahllosen weiteren Touren nach Kroatien, aber auch nach Slowenien und Bosnien, konnten einem gerade die Begegnungen mit den unaufdringlichen, aber stets herzlichen und super aufgeschlossenen Menschen immer wieder ein wunderbares Wohlfühlklima vermitteln. Polizeikontrollen im Straßenverkehr haben wir sicherlich später noch ein oder zweimal gehabt, doch würde ich sagen, dass die Polizeipräsenz bald rapide abgenommen hat. "Persona Kontrola" ist definitiv kein Thema mehr. Genauso wenig die Minen. Die letzten nicht beräumten Flächen sollten fototechnisch nicht weiter relevant sein. Überhaupt waren die hauptsächlichen (!) Motivgegenden entlang der Likabahn und anderswo wohl nie groß vermint. In Bosnien wäre ich hingegen auch heute noch vorsichtig, zumal da nicht immer Warnschilder stehen. Die lauten Dieselloks der Reihen 2044 und 2062 fahren auf der Dalmatien- und Likabahn nach wie vor. Nachdem wir 2003 und in den Folgejahren dort gefühlt so mit die ersten Fotografen waren, pilgern heute gerade im Sommer die Schaaren dorthin, um die Loks in der eindrucksvollen Landschaft zu fotografieren. Und wozu? Zu Recht! Auch ich genieße dort immer wieder gern die wunderbare Kombination aus Urlaub, Landschaft und den interessanten Zügen.