Autor: Jan-Geert Lukner. Alle Rechte am Text und an den Bildern liegen beim Autor.
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✈ = Drohnenbild
Für September war mit Leander nochmal eine Reise geplant, die uns nach Kroatien und Slowenien führen sollte. Nach Rijeka waren noch recht günstige Flüge zu bekommen, wobei der späte Abflug am Samstagabend etwas nervig war. Leanders Flug von Stuttgart sollte nun wieder höllefrüh gehen, so dass Leander diesmal für die Autoleihe und als Fahrer zuständig war.
Nach einem Samstag, der reichlich Zeit zum sehr entspannten Packen bot, machte ich gegen 14:30 los. Eben hatte es noch geregnet, jetzt war es trocken, das musste genutzt werden. Irgendwie war es ganz schön schwül. So war ich trotz entspannten Schrittes am Bahnhof schon wieder gut durch. Die S-Bahnfahrt klappte reibungslos. Am Hbf funktionierten alle Rolltreppen und das baubedingte zusätzliche Umsteigen am Berliner Tor lief bahnsteiggleich.
So war ich viel zu früh am Flughafen. Mit sowas muss man vielleicht rechnen, wenn man viel zu früh zuhause startet... Kofferabgabe und Sicherheitskontrolle vermochten die Zeit ebenfalls nicht zu füllen - der Rucksack und ich wanderten ohne Verzögerung durch die Kontrolle. Das "Problem" war nun, dass Leander und ich uns auf ein schönes Abendessen in irgendeiner Konoba freuten, dass die lange Wartezeit aber nach einem kleinen Thaicurry oder einer Pizza schrie. Da die Portionen am Flughafen nicht so groß sind, gab es Pizza. Wie zur Bestätigung der Richtigkeit dieser Entscheidung ploppte nun bei einem einzigen Flug auf der Anzeigetafel eine deutliche Verspätung auf. Es handelte sich (natürlich) um meinen Flug. Plus 45 wurden ausgegeben.
Die zweite Bestätigung der Richtigkeit meiner Entscheidung war die Größe der Pizza. Irgendwie hatte ich hinterher mehr Appetit auf Gegrilltes als vorher... Nach der Pizza zog ich in einen Sessel an der großen Panoramascheibe um und beobachtete das Gewusel draußen. Unterdessen wurden Flüge nach Tirana, Split und Zadar pünktlich aufgerufen. Erstaunlich, wo man von Hamburg überall hinkommt. Nur Rijeka dauerte...
Nun ja, irgendwann war der Flieger da und später begann das Boarding zu einem Zeitpunkt, der darauf hoffen ließ, dass es bei +45 Abflugverspätung bleiben würde. Doch als die Zugangsbrücke zum Flieger bereits voll und ich kurz vorm Boarding war, wurde das Boarding abgebrochen. Draußen konnte man sehen, dass die Koffer wieder ausgeladen wurden, man die Düse geöffnet hatte und einige Mechaniker unter der Düse am Boden rumkrochen, ohne aber groß herumzuwerkeln. Bilder, die man vor dem Besteigen des Fliegers sehen möchte...

Vertrauensbildende Maßnahme kurz vorm Abflug...
Irgendwann wurde das Boarding aber fortgesetzt. Offenbar meinte der Käptn, dass man es versuchen könne. "Beruhigenderweise" bediente sich Eurowings dem Subunternehmer Getjet. Dessen Personal kommunizierte ausschließlich in gebrochenem Englisch, was die Vertrauensbasis natürlich auf besonders feste Füße stellte...
Wenn der Reisebericht nach diesem Satz endet, war der Schaden an der Düse wohl doch gravierender als angenommen.
Ok, gelandet sind wir zwar noch nicht, aber mittlerweile haben wir wohl Bayern erreicht und die Geräusche des Fluges klingen absolut vertrauenserweckend. Es wurde ein wunderschöner Flug durch die Dämmerung. Der Start hatte uns einen herrlichen Blick auf die westlichen Stadtteile beschert und dann lag unter uns das weite Band der Elbe, in der der Abendhimmel hell reflektierte. Später gab es unten die blühende Lüneburger Heide in ganzer Pracht, bevor es für eine ganze Zeit mitten durch die Wolken ging.
Alle warteten darauf, dass mal langsam die Berge auftauchen, doch wurden die Alpen offenbar östlich umflogen. Wir waren nun wieder über den Wolken, deren Schleier interessante Muster in den Abendhimmel zeichneten. Kurz vorm Untergang hatte die Sonne nochmal einige Wolken glühend rot angestrahlt. Dann kam auch bald die Meldung des Käptns, dass man in den Sinkflug gehen würde.
Der bescherte dann auch tolle Blicke auf Opatija, Rijeka und den Kvarner. Mittlerweile war es dunkel und die Lichter grüßten hoch. Der Witz war allerdings, dass ich zweimal Rijeka, bestimmte Konstellationen der Autobahn, der Küste und Hafenanlagen ausmachte. Hmm, da wir nicht im Kreis geflogen sind, musste das erste wohl ganz was anderes gewesen sein...

Die erste Zugaufnahme ist im Kasten! Blick aus dem Flieger auf den Rijekaer Containerhafen Brajdica. Der Containerbahnhof ist über einen Spiraltunnel an den Bahnhof Sušak-Pećine auf der Rijekabahn angeschlossen.
Rijeka ist ein Flughafen der kleinen Wege und schnell war ich draußen - genau zur prognostizierten Zeit. Wer nicht da war, war Leander. Er hatte sich mit dem Vermieter festgequatscht und kam erst eine halbe Stunde später. Hmmm, war ja auch erst 21 Uhr... Immerhin konnte man am Parkplatz auf einer schönen Bank unter einer Pinie warten, während der Vollmond alles beleuchtete. Die Temperatur war jetzt recht angenehm.
Als Leander da war, ging es zügig nach Rijeka rein, wo er das Quiet Center Apartment gebucht hatte. Das war quiet und mitten im Center, hatte aber keine Parkplätze. Leander lud mich aus und versuchte, das Auto irgendwo in der Stadt unterzubringen. Nach einer Viertelstunde hatte er es. 2006 hatten wir in Rijeka mitten auf einer Kreuzung auf der schraffierten Fläche geparkt. Keine Ahnung, wie man da heute drüber denkt, gelegentlich sieht man es noch... Im Apartment gab es dann sogar noch Šopskasalat mit Ćevapčići von Lidl. Wir entschuldigen uns damit, dass es schon weit nach 22 Uhr war...
Ein Wunschziel unserer Tour war die sensationellerweise teil-reaktivierte Unabahn. Und vor der Tour hatte es so ausgesehen, dass wir heute nach meiner Ankunft noch einen nächtlichen Gewaltritt nach Bihać machen müssten, weil der morgige Sonntag der letzte Betriebstag dieses Ausflugsverkehrs sein sollte. In den letzten Tagen war aber die erfreuliche Nachricht eingetrudelt, dass der Wochenendverkehr im September zumindest samstags noch fortgesetzt wird und dass sogar unter der Woche ein Pendlerzug (allerdings mit fototechnisch ungünstigen Fahrzeiten) eingeführt werden sollte. Somit konnten wir das Thema auf das nächste Wochenende - am besten dann Freitag und Samstag - verschieben. Die Wetterprognosen sprachen gegenwärtig nicht dagegen.
Für heute war der Plan, der letzten Fahrt des Retro-Istria irgendwo bei Illirska Bistrica aufzulauern. Da der Zug irgendwie nicht aus Ljubljana loskam, konnten wir uns Zeit lassen, tanken und in Šapjane am Bahnhof kundschaften. In Ilirska Bistrica gab es paar Teigtaschen aus einer Bäckerei. Die Stadt war gerammelt voll, denn heute wurde hier ein Teil der Bergeuropameisterschaft, ein Autorennen, ausgetragen. Als wir nördlich der Stadt an unserem Motiv standen, gab es dann auch ordentlich akustische Untermalung durch Motorenlärm und Lautsprecherstimmen.
Ein kleines Wolkenfeld zog nun auf die Sonne zu und machte es spannend. Erst hoffte ich noch, dass es schnell durchzieht, denn von Pivka war noch keine Meldung im System. Es wurde dunkel. Doch das all zu bald einsetzende zarte, liebliche Pling-Pling des nahen Bahnübergangs belehrte uns eines Besseren. Der nächste Berghang wurde schon wieder hell. Der Zug kam. Es lag nicht der Hauch eines Sonnenstrahls auf der Strecke... Zwei Minuten später war die Sonne wieder voll da.
Was tun? Dem Zug nach Opatija folgen? Oder hier auf den nachfolgenden "normalen" Schnellzug warten. Wir entschieden uns für die gemütliche Variante und warteten hier, obwohl weitere kleine, aber dicke Schleierwolken im Zulauf waren. Die Hoffnung auf eine weitere 342 gab zumindest bei mir den Ausschlag. Etwas problematisch war auch die Nebenstraße, die man zwangsläufig im Bild hatte. Dort ist sicher nie Verkehr. Nie? Doch, heute schon! Internationales Publikum brauste hier hin und her. Diese Nebenstraße diente offenbar der Verbindung zweier Punkte, von denen man das Autorennen beobachten konnte. Zum Zug war die Straße aber frei. Wolke war auch nicht da. Trotzdem kam der nächste Schaden... Der Zug war komplett zugekleistert.

Kurz vor Ilirska Bistrica kommt MV 481 aus Ljubljana angefahren.

Von der anderen Seite sieht der Zug noch schlimmer aus. Inzwischen hat er die Lok gewechselt, nennt sich B 481 und hält vor dem mondänen EG von Opatija-Matulji.
Wir fuhren noch nach Šapjane und Opatija hinterher, aber dort hielt sich meine Motivation angesichts des Geschmiers stark in Grenzen. Die betriebliche Situation in Šapjane mit dem Lokwechsel und -schubsen wäre dabei durchaus interessant gewesen. Dann fuhren wir stramm nach Škrljevo, denn es sollten paar Züge die Rijekarampe runterkommen und wir hatten beide noch das Mittagsmotiv von den Felsen nördlich des Bahnhofs offen. Doch es kam, wie es kommen musste. Als wir in der Gluthitze durch den heißen Staub eines ehemaligen Steinbruchs ins Motiv liefen, tauchte oben bei Meja ein Zug auf. Toll. Zum Bergaufrennen bei 30 Grad im Schatten fehlte mir dann doch die Kondition. Leander war noch losgesprintet und hatte einen komplett zugesprayten Vectron fotografieren können (müssen...).
Nach dem Zug ging es auch für mich über die spitzen Felsen ins Motiv. Der Weg mit ganz scharfen Felsgraten war höchstübel, doch der Ausblick war schon schick. Doch jetzt tat sich natürlich erstmal genau gar nichts, während das Licht auch nicht gerade günstiger drehte. Zwei Abwärtsfahrer sollten in Plase und zwei in Drivenik sein, doch sie standen und standen. Auch Aufwärtsfahrer standen. Läuft echt alles suuuuper heute. Dafür saß man in der prallen Sonne. Immerhin ging ein nettes Lüftchen. Und der Ausblick war auch nicht zu verachten.
Die Züge kamen, als das Licht schon arg spitz (und natürlich hoch) stand. Da kamen sie aber so richtig. Ich hatte nicht gewusst, dass es zwischen den Bahnhöfen Blocksignale gibt. Vor allem hatte ich nicht gewusst, dass es davon so viiiiele gibt! Die Zugfolge war unglaublich. Als der erste Zug bei uns im Motiv war, befand sich der zweite bereits gegenüber am Hang! So ging das dreimal. Erst kamen zwei Güterzüge, dann der Bummelzug und dann noch ein Güterzug! Wahnsinn! Hätte das alles nicht wenigstens eine Stunde früher passieren können?

Der erste Zug hatte mit der rumänischen Baureihe 48 sogar einen ziemlichen Exoten vor. Hab hier die Zugseite etwas aufgehellt.

Der letzte Zug war ein E-Wagenzug, in dessen Streben das spitz stehende Sonnenlicht noch am besten reflektierte. Und eine 1141 in alter Lackierung nimmt man ja auch gern mit.
Krass war auch der Geruch von Bremsabrieb, der jetzt munter um unsere Felsen herum wehte. Mühsam kraxelten wir zurück zum "Bergungsweg", der nach dem heftigen Zugunglück im Dezember 2023 angelegt worden war, um zur Unfallstelle zu gelangen. Der Unfall war genau in unserem Motivausschnitt gewesen. Güterzug contra Arbeitstriebwagen, zum Glück dank rechtzeitiger Warnung des Fdl an die Besatzung des gelben VTs ohne schwere Verletzte. Der Güterzug hatte viel zu wenig Bremsleistung und war in Meja trotz rotem Asig durchgefahren. Triefend gelangten wir zurück zum Auto. Der Plan war jetzt, für einen Pu der Gegenrichtung kurz zum Bf Meja zu fahren und dann in dem Restaurant unterhalb an der Hauptstraße eine Kleinigkeit zu essen und vor allem was Kaltes zu trinken. Das mit "kurz" wurde nun aber nichts. Die Zugfolgenshow fand nun in der Gegenrichtung statt. Wenn ein Zug einfuhr, hörte man bald den nächsten am BÜ der Hauptstraße tröten.

Der Anwohner im Bahnwärterhaus an der Westeinfahrt des Bf Meja hat schon mal Holz gemacht. Der Winter steht bevor...

Der durchgehende Bummelzug Zagreb - Rijeka und zurück, Pu 4000/4001, scheint inzwischen der einzige verbliebene lokbespannte Personenzug auf der Rijekarampe zu sein. Pu 4001 erreicht den Bahnhof Meja, dessen Einfahrt mit Mauern vor der Bora geschützt wird.

Es folgt der nächste Güterzug.
Als wir aber glaubten es gesehen zu haben und uns vom netten Gespräch mit paar Hobbykollegen aus dem Schwäbischen losreißen konnten, fuhren wir runter ins Lokal. Das war ganz schön voll, aber wir bekamen noch einen Tisch. Doch beim Studium der Speisekarte fiel uns auf, dass wir gar keinen Hunger hatten. Und das war glaubich nicht das Lokal, wo man nur für ein Pivo einkehrt. So traten wir diskret den geordneten Rückzug an. Kalte Drinks konnten wir auch woanders besorgen.
Bezüglich des weiteren Plans hatten wir hin und her überlegt. Die Stelle von vorhin bei Škrljevo sieht auch von der Nachmittagsperspektive schick aus. Andererseits führe heute der Retro-Istria natürlich auch ein letztes Mal zurück. Und die Schwaben hatten uns erzählt, dass man den tatsächlich noch in Podpeć mit dem berühmten Ortsblick machen könne. Das war ein großer Wunsch von uns, doch hatten wir nicht im Traum damit gerechnet, dass das so spät im Jahr noch ginge. Also: Heute einzige Chance! Auf nach Slowenien!
Da noch viel Zeit war, ging es mit kühlen Getränken vom Rastplatz an Bord aber erstmal nordwärts. Wir hatten überlegt, dass man vorher den Sava noch bei Rakek machen könnte. So fuhren wir wohlgemuts nordwärts. Da auch noch ein Güterzug nach Rijeka zu erwarten war, probierten wir bei Šapjane einen Feldweg in Richtung Grenze in die absolute Einsamkeit aus, doch der Damm, der motivlich unsere Hoffnung war, war eher schwierig. So ging es auf der Autobahn bzw der sich in Slowenien anschließenden Landstraße weiter nordwärts. Nördlich von Pivka stachen wir mal zur Kundschaft einen Weg zu einem aufgelassenen BÜ rein. Das gefiel direkt, so dass wir mal dort blieben.

Das etwas "schlichte" Motiv in der Geraden südlich Prestranek wird durch einen fotogenen Containerzug mit "geleckter" 363 aufgewertet. Die 363 wird wegen ihrer französischen Herkunft in Anlehnung an Brigitte Bardot "Brižita" genannt.

Leider greift die SŽ inzwischen auch auf silberne Vectrons zurück.
Nach dem Passieren zweier Güterzüge hatten wir es aber auch gesehen, so dass wir für den "Sava" in die Einfahrt des Bf Prestranek umzogen. Dabei fuhren wir aber in den Schatten eines kleinen Gewölks ein. Die Wolke hatte noch etwas Zeit zu weichen. Doch sie nutzte sie nicht. Sie dachte sich wohl "Ich bin heute mal eine stationäre Wolke." Somit erlitt die zweite 342 heute einen Wolkenschaden. Das war insofern schade, da nur ein Wagen ein kleineres Graffito hatte und sonst alles sauber war.
Nun wurde es Zeit für den letzten und wichtigsten Programmpunkt, den "Retro-Istria". Diesen Nachtzug von Koper nach Budapest wollten wir in Podpeć erwarten. Da die Autobahnauffahrt Postojna gesperrt war, ging es erst über Landstraße bis Razdrto und dann zügig über die Autobahn an die Koperrampe. Die eVignette hatte ich vorhin unterwegs gekauft, als mal Empfang war. Als wir in Podpec ankamen, hockten schon zwei Leute auf dem Buswartehäuschen bzw auf dem anschließenden Trafohäuschen. Mehr als fünf sollten wir insgesamt nicht werden; da hat es im Laufe des Sommers sicher ganz andere Aufläufe gegeben.
Ich hatte vor, das Motiv ganz in Ruhe mit der Drohne umzusetzen. Das mit der Ruhe war vielleicht eine Spur übertrieben, denn vom System und uns unbemerkt tauchte plötzlich ein Güterzug von unten auf, für den die Drohne keine Chance mehr hatte. War aber nur ein silberner Vectron. Die Sonne musste bald durch einen leichten Dunststreifen durchtauchen, kam danach aber wieder stärker raus. Der Nachtzug ließ sich Zeit. Das System kannte ihn erst ab Rižana, und eeendlich, mit acht Minuten Verspätung tauchte er im System auf. Dann dauerte es noch irre lange, bis er unter uns zu hören war. Die Sonne sank, die Schatten einiger Bäume wuchsen. Doch das Licht hielt. Das Motiv, auf das wir nicht mehr zu hoffen gewagt hatten, hatte geklappt!

✈ MV 1247 mit ungarischen und einem polnischen Wagen passiert das an die Felsen geschmiegte Dorf Podpeć.
Ein nachfolgender Güterzug ging nur noch mit einer Ahnung von Licht. Es war Zeit, in die Unterkunft zu fahren. Himmel, die Unterkünfte riefen hier in der Gegend mittlerweile norwegische Preise auf. Unter 100€ fürs Zweibettzimmer war kaum noch was zu wollen - zumindest so kurzfristig über booking.com nicht mehr. Wir hatten das Guesthouse Risnik am Bahnhof Divača gebucht. Von unserer 2020er Tour wussten wir, dass die ein gutes Restaurant hatten. So war es dann auch. Bei der reichhaltigen "Plata Risnik" für zwei Personen fühlten wir uns hier unten angekommen!

"Plata Risnik" in Divača. Wir waren angekommen!
Wenn ein Tag so wunderschön beginnt... Dass heute die Koperrampe bis 13 Uhr gesperrt sein würde, war uns klar. Dementsprechend rechneten wir auch nicht mit viel Güterverkehr im Zulauf von Ljubljana her. Somit konnten wir das Frühstück mitnehmen, obwohl es erst um 8 Uhr begann. Der Kaffee war gut, das Omelett mit Käse und Schinken auch. Somit konnten wir gut gestärkt in den sonnigen Tag starten. Wir wollten den B 481 im Bahnhofsbereich Rakek nehmen. Vorher gab es da den Nahverkehr.

Der Nahverkehr zwischen Ljubljana und Sežana wird noch durch die roten Desiros abgewickelt. LP 2674 verlässt den Bahnhof Rakek.
Für den B 481 wechselte ich in Richtung Nordeinfahrt, wo mich eine Reihe Signalwiederholer und der Blick in die Berge reizte. Mit den Masten musste man ziemlich deichseln, damit der Bügel nicht im Mast hängt, doch irgendwann hatte ich den goldenen Punkt gefunden, von wo es klappen müsste. Der Zug ließ sich noch eine geraume Weile Zeit, doch dann kam er. Der mittlere Wagen war wieder komplett beschmiert - damit hatten wir nach der gestrigen Sichtung des "Sava" gerechnet. Aber natürlich musste es wieder richtig dumm kommen: Bei meiner Mast-Deichselei war ich davon ausgegangen, dass die Lok den hinteren Bügel angelegt hätte, doch sie kam mit dem vorderen. Und der hing nun natürlich genau im Mast.
Tja, Satz mit X. Ein Güterzug war nun noch im Zulauf. Im Bahnhof Rakek wurde das Licht langsam recht spitz, doch ein Stück weiter in die Einfahrkurve rein konnte es gehen. Na ja, das war recht motivlos, aber was Besseres fiel uns nicht ein. Der Zug fuhr dann auch noch auf dem vorderen Gleis, dem Ausweichgleis, ein, so dass die Lok nur gerade so zwischen die Masten passte.
Der Zug stand nun also erstmal im Bahnhof und verbarg eh alles Weitere. Entweder gab es Überholung durch den IC oder der Zug wurde bereits hier wegen Sperrung der Koperbahn zurückgehalten. Obwohl man sich hier nur im Schatten bewegt hatte, schwitzte ich schon wieder heftig - so warm war es. Wir beschlossen, mal an den freien Abschnitt zwischen Prestranek und Pivka vorzufahren.
Dort fanden wir auch bald brauchbare Perspektiven. Der IC war leider gerade durch, doch der Güterzug sollte noch immer in Rakek stehen. So setzte ich mich erstmal gemütlich in den Schatten und schrieb den Reisebericht weiter. Vielleicht war es ein wenig zu gemütlich? Plötzlich tauchte nämlich der Güterzug auf. Also, genau genommen hatte er das Stadium des Auftauchens bereits weit hinter sich gelassen. Er war schon im Motiv! Ich konnte nur noch zuschauen. Immerhin beherrsche ich es schon ganz gut, in solchen Momenten so zu tun, als ob ich gar nicht hätte fotografieren wollen und cool sitzen zu bleiben. Schön im Schatten.
Der Blick ins System war nun allerdings etwas irritierend. Denn für "unseren" Zug war nun gerade erst die Abfahrmeldung aus Rakek reingekommen. Und die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Kesselwagen von vorhin in Rakek in die Getreidewagen des eben verpassten Zuges verwandelt hätten, war jetzt auch nicht so stark gegeben. Tatsächlich tauchte nun plötzlich ein Zug mit Ankunft Pivka im System auf, der wohl irgendwo in Postojna oder Prestranek angefahren worden sein muss.
Aber egal - "unser" Güterzug sollte ja nun auch kommen. Also rechtzeitig bereitgestellt. Prognostizierte Durchfahrzeit kam, prognostizierte Durchfahrzeit ging. Nichts kam. Dann endlich - drei Minuten später - tat sich endlich was. Ein Bauzug wurde in das Streckengleis geschoben!
Das lief ja wieder! Mittlerweile war das Licht so spitz und hoch, dass ich auch für alles weitere im Schatten sitzen blieb. Das Motiv war jetzt nicht so toll, dass es irgendwelche lichttechnischen Verzweiflungstaten gerechtfertigt hätte. Tja, vielleicht sollte ich die Schreiberei sein lassen, dann klappt das auch mit den Zügen und Motiven. Aber das wäre auch doof. - Leider müssen wir feststellen, dass dies ein zweiter herrlich sonniger Vormittag für die Katz war. Aber montags ist nunmal der Tag für Bauarbeiten und mit wenig Verkehr. Die Frage ist, ob man anderswo glücklicher geworden wäre... Jedenfalls sollte man auch drüber nachdenken, ob man weiter den 342ern hinterherrennen sollte, wenn die Wagen dahinter immer so beschmiert sind. Das war echt schon mal besser gewesen.
Hatten wir erst überlegt, mittags einfach mal wieder mit bischen Essbarem im Gepäck irgendwo an die Koperrampe zu fahren, so hatten wir bald eine bessere Idee. Von der Autobahn aus war uns immer wieder ein markanter Tafelberg aufgefallen, der oberhalb von Razdrto aufragt. Es handelt sich um den Höhenzug Nanos. Der markante Gipfel mit den Funkmasten ist die 1262m hohe Pleša, wobei die Funkmasten so etwa auf 1240m Höhe stehen. Wir verstanden die Karte so, dass man dort sogar mit dem Auto hochfahren kann. Das war doch ein schönes Hochlichtprogramm! Wir besorgten uns kalte Getränke und los ging es.

Das Nanos-Massiv sieht von der Autobahn immer recht verlockend aus.
Die Zufahrtstraße führte zunächst in langgezogenen Serpentinen in die Höhe. Sie war asphaltiert und aufwändig angelegt. An einer Stelle ging es sogar durch einen Tunnel. Ab dem Gasthof Eco koča Nanos hörte der Asphalt allerdings auf. Die nun folgende Schotterpiste war stellenweise ganz schön steinig, so dass man vorsichtig fahren musste. Aber sie führte immer weiter - nun durch eine wunderschöne offene Wiesenlandschaft mit Felsen. Die Ausblicke waren topp. Auf einem der Wiesenhänge stand sogar eine völlig vereinsamte steinerne Kirche.

Es geht durch offene Wiesenlandschaften.

Wer entdeckt die Kirche?
Bald hatten wir das Ende erreicht. Man parkte ein Stück unterhalb des Gipfelplateaus, wo absolute Stille herrschte, und gelangte an einem Gasthof (den man am Ende dieses Fahrweges jetzt nicht erwartet hätte) zu den Sendemasten, die man von unten immer sieht. Hier hörte man den Lärm der Autobahnen unten schon ziemlich deutlich. Wir liefen ein wenig auf der offenen Fläche herum und setzten uns auf der Autobahn abgewandten Seite, wo es schlagartig viel leiser war, ins Gras.

Blick vom Nanos in Richtung Westen...

...und in Richtung Norden. Oberhalb des Wäldchens ist der eigentliche (erste) Gipfel, die Pleša, zu sehen. Weitere Spitzen folgen weiter hinten.
Mit einem "kleinen" Schlenker auf den Pleša-Gipfel, der nach schweißtreibendem Aufstieg nochmal andere Blicke bot, ging es zum Parkplatz zurück. Die Fahrt abwärts kam uns irgendwie kürzer vor. Bei einer Pferdeherde auf den offenen Wiesen legten wir noch einen kurzen Fotostopp ein - ebenso am Tunnel für ein Mietwagenbild.

Die offenen Wiesen...

...sind eine riesengroße Pferdeweide.

Unser Mietwagen vor dem Tunnel.
Nun wollten wir aber Fotos machen. Es war 15 Uhr und auf der Koperbahn rollte es wieder. Als erstes steuerten wir die Brücke über die Rižana bei Mostičje an - ein Motiv, das wir beide noch nicht hatten. Der Weg zum Aussichtspunkt führte durch eine Furt, auf der eklig graues Wasser stand. Da half nur Schuhe aus, Augen zu und durch. Der Ausblick belohnte aber für die Schritte durch die unappetitliche Pampe. Stück oberhalb lag ein Steinbruch, von dem vermutlich die Einfärbung kam. Immerhin wurden wir bald von einem Abwärts- und einem Aufwärtsfahrer bedient. Der Aufwärtsfahrer hatte netterweise die "goldene" 363 als Schublok, die man hier vollwertig umsetzen konnte.

Ein Kesselwagenzug auf der Rižana-Brücke bei Mostičje, zwischen den Bahnhöfen Rižana und Hrastovlje.

Und nochmal mit der gelben 363 005.
Damit hatten wir es gesehen. Wir wollten zwar noch den nächsten Abwärtsfahrer abwarten, aber erstens hatte der für die Stelle suboptimal zwei Tauri vor, zweitens wurde das Licht spitzer, drittens ließen sie ihn in Hrastovlje versauern und viertens zog es mich nun doch nochmal nach Podpeć hoch, wo ab 17 Uhr das Licht günstig steht. Somit brachen wir das Warten ab, wateten statt dessen durch die Brühe zurück und fuhren nach Podpeć hoch. Dort erkletterte ich nun auch mal das berühmte Bus-Wartehäuschen bzw den daneben stehenden Stromkasten. Ohne Leiter stand man höhenmäßig natürlich nicht ganz ideal, aber es passte schon.

So sieht es also aus, wenn man in Podpeć vom Bus-Wartehäuschen bzw dem Stromkasten ohne weitere Leitern o.ä. fotografiert. Ich finde das absolut vollwertig.
Für weitere Züge beschloss ich nun aber doch nochmal den Griff zum Flattermann. Allerdings war jetzt erstmal etwas Warten angesagt. Ein Zug war zwar dann bald ab Koper gefahren, wurde aber in Rižana fast eine Stunde festgehalten, weil einfach zu viel von oben kam. Schade, da saß man in der Zeit besten Lichtes wieder nur rum. Aber alles wurde gut: Der Zug kam dann doch noch im allerbesten Licht und war eine mega fotogene rot-orange Containerschlange. Und hinterher kam sogar noch ein weiterer Güterzug bergwärts.

✈ Von weiter hinten ergibt sich ein schöner Gesamtüberblick über den Ort Podpeć. Unten sind die Hobbykollegen auf den Betonhäuschen zu erkennen. Der rotorange Containerzug mit dem sauberen ÖBB-Vectron kommt wunderbar.

✈ Dies ist dann eher die klassische Hochstativ-Perspektive, für die einer der vielen Erz- oder Kohlezüge für Voestalpine Linz passend vorüberkommt.
Danach war noch einer ab Koper gefahren, doch der war bereits wieder in Rižana in die Ecke gefahren worden, weil wieder Züge von oben kamen. Egal, das war alles sehr schön hier und so kamen wir auch noch bis 20 Uhr in die Pension. Mit kleinem Abstecher über Divaća, wo wir einen in Moštije aufgelesenen französischen Fotografen am Bahnhof ablieferten und den Supermarkt besuchten, ging es nach Laže, einem kleinen Dorf am Ende einer Stichstraße zu Füßen des Nanos, wo wir eine Ferienwohnung gebucht hatten - sogar für zwei Nächte. Zur Begrüßung bekamen wir von der Vermieterin erstmal einen ausführlichen Vortrag über die Mülltrennung. Oh, mein lieber Balkan, was ist aus dir geworden? ;-) Irgendwie musste ich an meine erste Berührung mit ex-Jugo-Staaten denken. Das war im D-Zug von Thessaloniki nach Belgrad. Ich irrte durch den ex deutschen Bm232 auf der Suche nach der Mülltonne am Wagenende, doch die war nicht da. Der Schaffner bekam das mit und zeigte mir, wie der Müll entsorgt wird: Fenster auf und raus! Ok, lang ists her, und das damalige Mazedonien ist vielleicht nicht ganz mit dem heutigen Slowenien vergleichbar...
Nach dem Einchecken und nachdem die Vermieterin uns noch alle Sehenswürdigkeiten der Umgebung beschrieben hatte und enttäuscht war, dass wir uns hier in der Heimat der Lipizzaner nicht für Pferde interessieren, ging es gegen 20:30 zum Abendessen nach Hruševje, wo wir heute Mittag schon an diesem einladenden Gasthof mit dem Namen des Ortes vorbeigekommen waren. Da gab es lecker Pizza. Die war ganz schön groß...
Für heute war kein so schönes Wetter mehr angesagt. Mal sehen, was man machen kann. Beim Aufwachen waren Wolken am Himmel zu sehen, aber auch blauer Himmel. Da wir die Wohnung für zwei Nächte gebucht hatten, mussten wir diesmal nicht zusammenpacken. Beim Losfahren waren wir angesichts der Wolkensituation etwas unschlüssig. Unten über Koper sollten fette Regenwolken langziehen, hier bei uns oder in Prestranek sah es auch ziemlich dicht aus. Dazwischen, so rund um Divača, sah es hingegen ganz gut aus.
Wir peilten erst Prešnica an, entschieden uns dann aber für Rodik. Ok, das Übermotiv war es nicht, aber man konnte mal warten. Das war dann auch recht eindrucksvoll dort, weil man einen schön weiten Rundumblick auf umgebende Berge hatte und ringsherum die fetten Wolken hingen. Ein richtiger Güterzug stand lange in Hrastovlje, doch gegen 8:45 fuhr er endlich los. Und nun gelangte er auch ohne weitere Verzögerungen bis zu uns.

Erstmal kommen in Rodik zwei "Helper" talwärts gefahren.

LTE fährt für Adria Transport einen Containerzug durch Rodik. Dank an den Hobbykollegen da hinten im Bild fürs Wegsprinten. Hat zwar nicht ganz gereicht, macht aber auch nichts ;-)

Die interessante Wolkenkulisse war auch ganz unterhaltsam.
Die nächsten Züge waren ein ganzes Stück weg. Und die dicken Wolken kamen bedrohlich näher. Dennoch hielt sich die Sonne noch für längere Zeit. Als es dann doch schattig wurde und eh erstmal nichts zu erwarten war, machten wir uns auf den Weg zur Frühstücksbeschaffung nach Kožina. Der Supermarkt hatte sogar warme Böreks. Mit viel zu viel Frühstück im Gepäck (die Gefahr des Verhungerns lauert schließlich überall...) ging es nun in die Prärie, also etwa mittig zwischen Črnotiče und dem Abzweig Prešnica. Dorthin waren wir zwar mitten in die Wolken gefahren, doch schien das Zeug abzuziehen oder sich über der Hochfläche aufzulösen.
Das Frühstück, das wir erst am Auto begonnen hatten, mussten wir nun doch mitnehmen und machten uns zu Fuß auf in die Wildnis. Ein schön begehbarer Weg führt parallel zur Bahn und eröffnet nette Ausblicke. Über die Hochebene striff ein herrlich angenehmer Wind. Und bald wurden wir auch richtig gut bedient. Es kam ein Zug nach dem anderen bergwärts. Abgerundet wurde das Happening durch den talfahrenden IC und einen folgenden Güterzug..

✈ Die Präriefläche zwischen Črnotiče und dem Abzweig Prešnica ist nochmal ein ganz anderer Landschaftscharakter entlang der Koperbahn. Eine 363 zieht ihre Container durch diese interessante Wildnis.

Neben weiteren Brižitas kommt auch diese mit einem Autozug vorüber.

Einer der wenigen Personenzüge ist IC 503 aus Maribor, der jetzt mit einem Stadler KISS gefahren wird.
Dann war erstmal Pause bzw es kamen nur paar Loks abwärts gerollt. Aber im absoluten Hochlicht kann man ja auch mal Pause machen. Und man hatte Zeit, den wunderschönen Weg nochmal zum Auto zu laufen, um Nachschub an Wasser zu holen. Als das Licht die ersten Stellen für Talfahrer auszuleuchten begann, ging der Verkehr aber bereits wieder los. Ein faseriges Wolkenfeld sorgte dafür, dass nicht alles so klappte wie erhofft. Dank Drohne konnte ich aber auch für weitere Bergfahrer in Position gehen.

✈ Der frühe Nachmittag war ganz eindeutig "powered by" Voestalpine Linz. Erstmal kam ein beladener Kohle-/Erzzug aufwärts gefahren.

Dann kommen zwei dieser Züge leer abwärts gefahren. Und ich stehe genau an der Wolkengrenze. Links über der Neigungswechsel-Tafel ist der Funkmast am Abzweig Prešnica zu erkennen. Von dort beschreibt die Koperbahn einen großen Bogen hierher. Geradeaus weiter am Berghang entlang führt die nicht elektrifizierte Bahn nach Istrien, an der sich im weiteren Verlauf auch einige spannende Felsabschnitte befinden.

Zum zweiten Zug hatte sich die Wolkengrenze etwas nach vorn verlagert, so dass ich etwas telen muss.

✈ Endlich mal wieder Container... Mit je einer 363 vorn und hinten geht es durch die Prärie aufwärts. Die Prärie ist übrigens eine riesige, weitläufige Rinder- und Pferdeweide.
Gern hätte ich geschrieben, dass wir hier den ganzen Tag keinen anderen Menschen gesehen hätten. Das stimmte bis ca 14 Uhr auch. Dann kam ein asiatischer Bahnfotograf mit seinem Leihwagen den schönen Weg entlanggerumpelt. Der parkte dann mitten im eben noch beackerten Motiv. Ich hab nichts gesagt, weil nun eh erstmal kein Talfahrer mehr anstand. Fortan knallte er ununterbrochen mit den Türen. Mann, war der unruhig. Und das hier in der absolut stillen Einöde. Später lief ich, da nur ein Zug von unten unterwegs war, den Prärieweg nochmal ein ganzes Stück weiter. Aber die Strecke war dahinten ziemlich zugekrautet. Als ich wieder zurück war, verduftete der Asiate gerade. Irgendwie herrschte jetzt, wo das Licht schöner wurde, auf der Schiene mal wieder Totentanz. Immerhin kam der Personenverkehr in Form von IC 502 vorübergeschlichen.

IC 502 bummelt zurück nach Maribor.
Irgendwann standen nun zwei Züge in Divača und einer (allerdings seit Mittag) in Prestranek. Das Licht wurde zwar schöner, aber auch spitzer. Erst um 16 Uhr herum kamen dann die Abfahrmeldungen aus Divača. Nun ja, das passte ja noch gut. Doch oh Ärger! Für diese Züge im schönsten Licht hatte die SŽ ihre ätzendsten Loks ausgekramt. Beide Züge kamen mit silberner 193, der zweite immerhin mit dreckigem Taurus davor. Nun ja, was soll man machen?

Brižitas haben erstmal fertig. Nun kramt die SŽ ihre weniger attraktiven Loks hervor.

✈ Und ihre weniger attraktiven Züge ;-) Das Motiv mit den Rindern fand ich trotzdem sehr schön.
Immerhin waren noch rechtzeitig Züge gekommen. Nun war von Norden aber gar nichts mehr im Zulauf, so dass wir uns nochmal verlegen wollten. Die Idee war, in Podpeć einen Weg in Richtung Zanigrad hineinzulaufen und von oben mal runterzuschauen. Leider musste Leander noch unbedingt Getränke besorgen. Bekanntlich gibt es an der Koperrampe null Versorgungsmöglichkeiten, so dass er es bei einem Gasthaus probiert hat. Das war aber sehr kompliziert, weil der eine Kellner die Bestellung auf seinen Block schreiben und den Zettel an einen anderen Zuständigen weiterreichen musste, falls der denn mal Zeit hätte. Hatte er erst aber nicht. Dadurch haben wir den ersten Zug natürlich mal direkt verpasst - so etwa um zwei Minuten. Er war allerdings auch nicht im System bzw stand demnach noch in Rižana.
Aber der Felsen war ein wunderbares Fleckchen Erde. Und wir hatten jetzt was Kühles zu trinken. Das darf man auch nicht unterschätzen. Glücklicherweise kam bald der nächste Zug, der laut System aber auch in Rižana hängen geblieben war. Den konnten wir sehr schön umsetzen, auch wenn die Front leider noch im Schatten lag. Unsere Wiese teilten wir uns mit paar Eseln. Na, das passte ja!

Immerhin ist es ein attraktiver Containerzug mit 363, den wir bergwärts fahrend in Zanigrad beobachten können.

✈ Nun durchquert der Zug unseren Felsen. Die Länge passt topp, dass auch die Schublok hinten noch zu erkennen ist.

✈ Weiterflug nach Podpeć, wo es die Ortskulisse nochmal seitlich gibt.

Unsere Mitbewohner auf dem Felsen.
Dann tat sich erstmal nichts mehr. Die Sonne hätte noch eine Weile ihr Licht gespendet. Egal. Männer die von Felsen starren. Muss es auch geben. Irgendwann trudelte aber doch die nächste Abfahrmeldung aus dem Hafen ein. Wieder ein Erzzug! Es verging wieder einige Zeit, dann kam er unten im Tal mit laut arbeitenden Loks angeschlichen. Diesmal schickte ich die Drohne in die Außenkurve vor Zanigrad. Dort stand sie nun auch eine ganze Weile. Ok, der Zug war langsam, aber allmählich müsste er doch mal auftauchen? Der Gedanke, mittels Drohne mal in den Bahnhof Hrastovlje zu schauen, kam mir erst jetzt. Und da stand der Zug friedlich vor sich hin. Statt dessen kam nun von oben ein Zug, obwohl es vor zwei Stunden so ausgesehen hatte, dass weit und breit nichts im Zulauf sei.

✈ Der kam plötzlich und unerwartet von oben: Ein Containerzug von S-Rail Adria im letzten Licht in Zanigrad.

Blick von Podpeć City auf den Sonnenuntergang.
So ein Mist. Das waren jetzt die Minuten, die dem Erzzug fehlten. Der kam ziemlich genau mit Licht aus. Das war ja wieder Maßarbeit. Neeeervig! Es ging den hübschen Weg zum Auto zurück und mit diesem direkt zum Restaurant von gestern. Heute war die Fleischplatte dran - darauf hatte ich mich seit heute Nachmittag gefreut.
Nachdem der gestrige Tag irgendwie doch deutlich besser als angekündigt gewesen war, waren wir gespannt, wie sich der heutige Tag anlässt. Es war der Tag mit der schlechtesten Vorhersage von allen. Aber das ging auch hin und her. Der Plan war, heute früh mal im Savetal zu fotografieren. Somit mussten wir um 7 starten. Das heißt, eigentlich hätten wir um 6:45 starten müssen, denn der Stau vor Ljubljana wuchs und gedieh. Aber das wussten wir beim Losfahren noch nicht.
Als aber in Vrhnika der Stau begann, Google sich sicher war, dass wir den heute natürlich pünktlich verkehrenden Nachtzug nicht mehr schaffen würden und vor uns eigentlich nur noch Komplettbewölkung zu sehen war, drehten wir mal ganz schnell um. Da hatten die Meteorologen wohl mal wieder aus dem falschen Fenster geschaut... Neues Ziel war einmal mehr der Bahnhof Rakek. Paar Güterzüge waren im Zulauf und notfalls gibt es halt wieder eine 342 mit versifften Wagen. Der Güterzug, der zeitgleich mit uns in Rakek eintreffen sollte, ging dort allerdings an die Seite. Ein zweiter kam mit bespraytem schwarzen Vectron vor leeren Tragwagen. Tonne.

Slowenien wirbt mit "I feel (S)LOVE(NIA)". LP 2636 verlässt Rakek.
Der in der Überholung stehende Güterzug war ein fotogener Containerzug mit ÖBB-Vectron. Wir hofften ja schon ein wenig, dass der noch abfahren würde. Aber den geschlossenen Rollos nach zu urteilen gab es erstmal eine Arbeitsschutzpause mit integriertem Nickerchen. Immerhin hallte bald nochmal das zarte Pling-Pling des Bahnübergangs durch den Bahnhof und es tauchte eine ziemlich saubere 363 mit Containerzug auf.

Ein schöner Containerzug mit 363 taucht auch noch auf.
Für den 481 hatte das hier keinen Sinn mehr, zumal der Güterzug das Motiv mit dem EG zustellte. Daher fuhren wir nochmal nach Prestranek. Dummerweise drehten wir auf mein Anraten noch ne Kundschaftsrunde über die Bahnhofsrückseite, sonst hätten wir den Containerzug von eben glatt nochmal bekommen. Wir fuhren dann über die lange Gerade, an der ein anderer Fotograf mitten im Motiv auf der Wiese parkte, zu einer netten Außenkurve mit schönem Weitblick. Einziger Haken hier: Man brauchte einen Zug auf dem Gegengleis (=rechtes Gleis). Da der Containerzug eben auf dem Gegengleis fuhr, hatten wir die Hoffnung, dass das Regelgleis gesperrt sei. Etwas Pokerei war da aber schon im Spiel... Leander hatte noch die Idee, dass ich ja die Drohne steigen lassen könne, falls der Zug auf dem Regelgleis kommt. Gesagt - getan. Das war aber gar nicht nötig; der 481 kam auch im Gegengleis. Und er war sogar komplett sauber!

Endlich klappt mal ein 342-Bild wie erhofft - und das sogar unter erschwerten Bedingungen: MV 481 kommt zwischen Prestranek und Pivka auf dem Gegengleis angerollt.
Eigentlich hatten wir überlegt, im unwahrscheinlichen Fall, dass der Zug sauber sei, nach Šapjane hinterher zu fahren. Doch Fahrplan und Google hatten das trotz der Langsamkeit der Züge zu einem aussichtslosen Unterfangen erklärt. So blieben wir einfach mal sitzen, auch wenn so akut nichts zu erwarten war. Um 11 kamen im Baugleis paar Goggomobile in Richtung Pivka gefahren. So war wieder die Unsicherheit da, wo die nächsten Züge kämen. Erstmal kam aber gar nichts. Ein Güterzug von Norden war in Prestranek an die Seite gegangen, weil ein anderer Güterzug nordwärts durch den offenbar noch immer eingleisigen Bereich wollte. Nach Kreuzung ging es nicht weiter, denn nun standen erstmal Bummelzug und IC von Norden an. Danach durfte aber der Güterzug weiter. Ein versiffter Taurus vor schachtelneuen Autotransportwagen.

Zu diesem leeren Autozug haben sich die Rinder schön über ihre Weide verteilt.
Da die vergangenen Abendessen doch immer arg spät geworden waren, wollten wir heute mal ein neues Konzept zur Anwendung bringen. Dieses neue Konzept hieß "Mittagessen". Dazu wählten wir das Gasthaus gegenüber des Bf Pivka aus, wo es Pizza (L) und Spaghetti (J) gab. Erster Programmpunkt für den Nachmittag sollte der Pendeltriebwagen Pivka - Ilirska Bistrica sein. Die Strecke führt ja durch ziemlich viel Wald. Deshalb suchten wir mal den Hp Kilovče auf. Dort gab es mitten im Wald das komplette Ossomböh eines vollständigen Bahnhofs mit EG, Güterschuppen und Dienstwohngebäude. Und eine hübsche Bogenbrücke oben drüber. Das Ensemble kam nun langsam für Züge von Ilirska Bistrica ins Licht. Für den von Pivka zurückkehrenden Triebwagen suchten wir das Panzermuseum am Ortsrand von Pivka auf.

Der Pendelzug von Ilirska Bistrica erreicht den Hp Kilovče.

Die Rückfahrt gibt es vom Parkplatz des Panzermuseums aus. LP 2717 hat gerade Pivka verlassen. Der Windstoß, der die Fahnen angetrieben hat, kam erst eine Minute nach Zugdurchfahrt, so dass dieses Bild aus zwei Aufnahmen zusammengesetzt wurde.
Nun war die Zeit fortgeschritten genug, um uns nochmal der Koperbahn zuzuwenden. Leider zog nun von Westen massiver Schlonz auf, doch die Wetterdienste orakelten dessen vollständigen Durchzug bis zu den interessanten Abendstunden. Unser Ziel war Zanigrad - diesmal der verlassene Ort selbst. Als wir in das Tal einbogen, lag gerade ein größerer sonniger Abschnitt über der Landschaft. Ein Zug kam jetzt natürlich gerade abwärts. Ein zweiter sollte folgen. Der kam genau in dem Moment, wo wir das Auto in Zanigrad verließen. Das lief ja wieder!
Ich hatte eben im Auto auch noch einen dritten Zug im System gesehen. Doch die Nachschau vor Ort ergab, dass jetzt erstmal absolute Funkstille zu erwarten sei. Wobei ich fast das Gefühl hatte, dass da Züge vom Radar "verschwunden" waren. Vielleicht würde ja doch noch was kommen. Erstmal kam jetzt allerdings wieder dickerer Schlonz - und zwar nicht zu knapp. Der kostete uns nun auch zwei Bergfahrer. Drei Minuten nach dem zweiten Bergfahrer kam das Licht wieder - und so wie es aussah auch für länger. Aber nun war erstmal genau gar nichts mehr im Zulauf. Neeeervig!
Also, man sitzt da oben ja wirklich wunderschön. Da herrscht eine ordentliche Stille. Gelegentlich hört man einige Laute aus den Dörfern unten; einige Bauern pflegten noch ihre Gärten. Männer, die von Felsen starren. Zufriedener wäre man gewesen, wenn die Stille durch den einen oder anderen Zug unterbrochen worden wäre... Als die Sonne kurz vor 19 Uhr nach rund 55 Minuten in ein neues Wolkenfeld sank, das auch fast bis zum Horizont hinunterreichte, brachen wir ab. Das war ja mal ein schön vertaner Abend...
Da wir für morgen früh das ursprünglich für heute geplante Motiv im Savetal angedacht hatten, haben wir uns diesmal eine Unterkunft direkt im Savetal gebucht. Abends kam man zügiger durch Ljubljana als morgens... Weil es heute spät werden würde, hatten wir heute Mittag schon gegessen. Wobei eine Kleinigkeit ginge jetzt schon. Ein Salat oder so... Wir steuerten in Ljubljana eine Gaststätte an, aber da war man schon am Staubsaugen. Also gab es vom benachbarten Hofer (in Dtl als Aldi bekannt) abgepackte Fertigsalate mit Anreicherung durch sehr leckere Roma-Rispentomaten. Die Unterkunft war ein einfacher Gasthof am nördlichen Rand von Litija - also wirklich Wohnen im Motiv.
Das schöne an einer Hotel- oder Gasthofübernachtung ist ja immer das Frühstück. Da wir nur zwei Minuten ins Motiv zu fahren hatten und es immerhin ab 7:30 dargereicht wurde, konnten wir es mitnehmen. Es war schlicht, erfüllte aber alle Wünsche. Kaffee konnte man sich mit einer Pad-Maschine selbst zubereiten. So konnten wir uns gut gestärkt auf die nahe Straßenbrücke stellen. Da kamen wir auch genau richtig zu "Licht an". Paar Wolkenfelder waren unterwegs, ließen uns aber anfangs in Ruhe. Unter der Brücke war eine Damengruppe bei der Morgengymnastik. Eine hatte ihren Hund an einen nahen Baum angebunden. Wenn die Verrenkungen der Damen zu heftig wurden, bellte der Hund.

Ein FLIRT4 als Leerfahrt kommt genau richtig zu den ersten Sonnenstrahlen, die auf die Strecke fallen.

Trotz etwas verschmutztem Taurus kommt der EN 415 mit seinem sauberen (!) slowenischen Sitzwagen und den kroatischen Schlafwagen in alter und neuer Farbgebung sehr schön bei Verlassen der Savebrücke von Zgornji Log nördlich von Litija.
Später hatte uns ein komisches Schmoddergewölk eine S-Bahn verdunkelt; ansonsten konnten wir uns nicht beklagen. Der "Citadella" kam sogar mit 342 und war immerhin nur weiter hinten beschmiert. Damit konnte man unter den gegebenen Umständen leben.

Auch der MV 247 "Citadella" konnte begeistern, führte er doch an der Spitze sogar einen Wagen in alter MAV-Lackierung. Weiter hinten wurden paar Graffiti übermalt.

Voestalpine spendiert uns an dieser Stelle dann auch noch einen Erzzug.
Schön, an das Wunschmotiv konnte ein Haken gesetzt werden. Nun fuhren wir nach Kresniške Poljane, wo wir einfach die nächsten Triebzüge an den verschiedenen Möglichkeiten umsetzen wollten. Es war jetzt um 10 Uhr schon wieder heftig warm geworden. Aber der Fußweg, den wir reinlaufen konnten, war schön schattig.

Vor der Kirche von Kresniške Poljane stehend überrascht uns ein 711. Es ist der "Weinzug", der vermutlich für die bald wieder beginnenden Fahrten zwischen Nova Goriza und Ajdovščina überführt wird.

Auf dem hinteren Gleis gibt es den KISS (Baureihe 313), auf den wir eigentlich gewartet hatten.

Fast an der gleichen Stelle begegnet uns ein FLIRT. Da es sich um ein Mehrsystemfahrzeug handelt, beginnt die Baureihe mit 5: 510.

Eine 363 mit Güterzug kommt dann auch noch des Weges.
Anschließend ging es auf Kundschaft durch das Savetal weiter. Beleuchtungstechnisch ging es nun ins absolute Hochlicht. Aber gerade die lokbespannten Personenzüge wollte man schon mitnehmen. Und bald war die Zeit reif für den EC aus Wien. Für den hatte Leander eine Stelle nördlich von Zidani Most ausgeschaut. Dem EC folgte auch noch ein sehr fotogener Güterzug, den man sehr gern mal mit schönerem Licht bekommen hätte.

EC 71 von Wien nähert sich bei Obrežje pri Zidanem Mostu dem Eisenbahnknoten Zidani Most.

Paradiesvogel at its best: Es folgt InRail mit einem hübschen Kesselwagenzug. Die Lok war eine Überraschung; wir hatten InRail bisher nur mit schwarzen oder silbernen Leihloks gesehen.
Danach hielten wir uns etwas an einem Bahnübergang im Savetal auf, der wegen seiner Lage im Wald schon recht hohen Lichtstand beanspruchte. Immerhin kam in kurzer Zeit bischen was durch. Hier ging auch ein Wanderweg ab. Der war sehr spezieller Natur, denn er begann mit einer sehr rustikalen Seilbahn über die Save. Man konnte sich in die Gondel setzen und schon rollte die Kabine bis zur tiefsten Stelle über der Flussmitte. Jetzt musste man jemanden am Ufer haben, der die Seilbahn bis zum gewünschten Ufer kurbelt. Leander traute sich, das Gefährt zu besteigen und ich als ausgebildeter Schrankenkurbler habe die Kurbel betätigt.

Die Wanderweg-Gondel über die Save bei Zidani Most. Zu der gibt es auch ein kleines Video.

Im engen Savetal kurz vor Zidani Most begegnet uns ein Getreidezug.

Es folgt ein FLIRT4 im Nahverkehr. Die Front der FLIRT4 gefällt mir sehr gut; schade, dass so viele FLIRT3 mit ihren doch eher plumpen Fronten gebaut wurden. Und die Farbgebung der SZ zeigt, dass moderne Züge auch schick aussehen können.
Soweit der erfreuliche Teil des Tages. Als nächstes machten wir den Fehler, wieder etwas westwärts nach Hrastnik zu fahren, wo wir den "Sava" und bischen Beifang von der Savebrücke aus umsetzen wollten. Dabei sah man schon talaufwärts eine gewisse Zusammenrottung von Quellwolken. Na ja, wir also trotzdem hin und bei weit über 30 Grad auf der Brücke in die pralle Sonne gestellt. Na, wie gut, dass die nicht mehr lange schien. Plötzlich war der Westhimmel komplett zugequollen. Und das Zeug wollte offenbar weiter ostwärts vordringen.

Ein FLIRT ging noch in Hrastnik, falls das jemand sehen möchte.
Als es definitiv keinen Sinn mehr machte zu warten, fuhren wir wieder ostwärts. Da wir als Tagesziel Ogulin auserkoren hatten, war das schon mal die richtige Richtung. Am Bahnübergang vor Zidani Most, an dem wir vorhin fotografiert hatten, mussten wir sage und schreibe fünf Züge durchlassen! Kurz hinter Zidani Most kam uns der "Sava" westwärts entgegen: Komplett saubere Garnitur, allerdings mit 363 statt 342. In der Gegend vor Sevnica wurde es wieder richtig sonnig. Wir schöpften Hoffnung, hier immerhin den Gegen-"Sava" aufnehmen zu können und stellten uns an den netten kleinen, lauschigen Brunnenplatz, der von schattenspendenden Bäumen umgeben war. Immerhin ging hier ein Triebzug. Rechtzeitig zum ostfahrenden "Sava" hatte uns aber die Bewölkung eingeholt. Das war aber vielleicht auch besser so, denn genau im Motiv hatte er einen satten Gegenzugschaden durch einen entgegenkommenden Kesselwagenzug. So konnten wir das entspannt-kopfschüttelnd beobachten...

Ein KISS ging noch an der Save, falls das jemand sehen möchte.
Das hatte alles definitiv keinen Sinn mehr. Auch den noch überlegten Programmpunkt, an der Nebenbahn Sevnica - Trebnje etwas zu machen, konnten wir getrost vergessen. So freuten wir uns einfach nur noch darauf, dass es heute Abend mal nicht ganz so spät werden würde und wir in Ogulin schön Essen gehen können. Also: Auf gehts! Kürzeste Strecke nach Ogulin! Die nächste Klatsche erhielten wir hinter Sevnica, ab wo wir schon wieder komplett im Sonnenschein unterwegs waren und wo wir weit vor uns ständig den "Sava" angestrahlt durch die Landschaft gleiten sahen. Zum Glück mussten wir bald südwärts abbiegen. Übrigens waren heute beide "Sava"-Garnituren sauber gewesen. Aber heute konnten wir sie ja auch nicht fotografieren...
Erst vor Novo Mesto, wo es ein Stück südwestwärts ging, tauchten wir richtig in die Wolken ein. Wir hatten das Bewusstsein, mit dem Abbruch alles richtig gemacht zu haben. Wir passierten nun viele Orte, an denen wir auf der Strecke zwischen Novo Mesto und Črnomelj in den letzten Jahren Triebwagen fotografiert hatten. Die Strecke wirkte jetzt stärker verkrautet als ich in Erinnerung hatte. Erst später, so um und bei 18 Uhr und kurz vor Ogulin wunderten wir uns, was das denn für vieler blauer Himmel sei, der da immer wieder aus nördlicher Richtung zu sehen war. Als wir in Ogulin angekommen waren, hatte sich der Mist am Himmel komplett aufgelöst. Hätte man doch da oben im Savetal noch was machen können? Neeeervig!
Das gebuchte Apartment war sogar ein eigenes Häuschen und machte einen netten Eindruck. Für das Abendessen hatte ich das schöne Lokal am See südlich Ogulin ausgewählt; auf das hatte ich mich schon die ganze Zeit gefreut. Und es hatte tatsächlich offen, und der nette Kellner von vor zwei Jahren war auch wieder da. Krass war, dass er mich sogar wiedererkannte. Ich sei doch letztes Jahr auch dagewesen? Nun ja, es war im April 2024 gewesen; die Zeit rennt... Die Fleischplatte war topp!

Wieder mal endet ein Tag mit einer Fleischplatte! So gehört sich das!
Tagesziel sollte für heute wie gesagt Bihać sein. Dort wollten wir den momentanen Saisonverkehr im Unatal fotografieren. Ein Stück weit als Taxi nutzen wollten wir den leeren R&S-Kreideschlammzug nach Gospić. Davor war aber auch noch Zeit... So begannen wir den Tag mit einem aus einem S-Bahn-ET gebildeten "Schnellzug" in der Ausfahrt Ogulin. Leander kannte dort eine schöne Stelle mit dem Klek im Hintergrund.

Nachdem wir in Slowenien also im Nahverkehr Neubaufahrzeuge "von der europäischen Stange" gesehen haben, setzt Kroatien ausschließlich auf die Neubauprodukte aus eingenem Hause. Die Triebzüge aus dem Hause Končar fluten das Land. Die blauen Streifen kennzeichnen die spartanisch bestuhlte S-Bahn-Variante. Paradoxerweise ist die hier als Schnellzug B 703 von Rijeka nach Zagreb unterwegs. Vor Kulisse von Ogulins Hausberg Klek verlässt der Zug den Bahnhof.
Für einen Regio aus der Gegenrichtung ging es dann rum nach Donje Dubrave, einem Hp zwischen Gornje Dubrave und Generalski Stol, wo man von einem Farnhang etwas machen konnte. Jetzt kamen sogar aus beiden Richtungen je ein Güter- und ein Personenzug.

Ein Güterzug, von dem man auch hätte mehr sehen mögen: Blaue Kessel ziehen durch das Farndickicht bei Donje Dubrave.

Es folgt der Nahverkehr.

Auf der anderen Seite des Hp Donje Dubrave kommt HŽ Cargo mit einem silbernen Vectron angerollt.

Auch hier folgt der Nahverkehr. Welchen Sinn die hellblaue Beklebung hat, kann ich nicht sagen.

Bei Tounj konnte man diese alte Straßenbrücke bewundern, Tounjski most, erbaut ab 1775.
Den leeren Schlammzug wollten wir nicht gefährden und setzten uns anschließend auf die Autobahn. Wir wollten den Zug gern in den Bergen der Mala Kapela machen. Ein Motiv vor Vrhovine hatte ich noch mit einem längeren Zug offen. Damals hatte der Schlammzug nur drei Wagen gehabt. Erstmal besorgten wir uns in Otočac etwas zum Frühstück, dann ging es in die Wildnis. Mein Motiv wurde für gut befunden, doch wir kundschafteten weiter bis zum einsam im Wald gelegenen Bahnhof Rudopolje. Der sah auch sehr lecker aus... Wir blieben erstmal dort. Leider war hier kein Internet Empfang, aber Plaški hatte der Zug jedenfalls schon hinter sich.
Als wir unser Frühstück verputzt hatten und eigentlich seit Plaški pro Bahnhofsabstand 20min vergangen waren, stellten wir uns langsam hin. In der Ausfahrt nach Vrhovine tauchte nun ein Schienengoggo auf, das da wohl im Tunnel gearbeitet hatte und immer noch Staub aufwirbelnd arbeitete. Der Fdl und der trotz ESTW immer noch vorhandene Ww schauten immer wieder in Richtung der Goggos. Doch irgendwann schauten sie in die andere Richtung. Ganz klar: Sie erwarteten dort was! Und plötzlich und völlig lautlos schob sich der Güterzug in den Bahnhof - und zwar leider auf dem vorderen Ausweichgleis.

Ein 223-Doppel von Rail&Sea rollt langsam in den vollkommen einsam gelegenen Bahnhof Rudopolje ein.

Der Bahnhof Rudopolje markiert den höchsten Punkt der Lika- und Dalmatienbahn. Wir befinden uns hier auf 870m Höhe in den Bergen der Mala Kapela.
Weil der Zug paar Minuten in Plaški gestanden hatte, hatten wir mit der Möglichkeit "Ausweichgleis" und Nachholung einiger Wagen von Plaški gerechnet. Letzteres war es aber wohl nicht. Wollen die den Zug etwa hier schon auf X mit IC 520 warten lassen? Der war noch sehr weit weg! Oder doch nur Warten auf Ende der Bauarbeiten in der Ausfahrt? Da die Fahrstraße für die Goggos in das vorderste Gleis gestellt wurde, rechneten wir mit baldigem Ende der Arbeiten und sahen zu, dass wir zu "meinem" Wunschmotiv vor Vrhovine voraus kämen. Das klappte dann auch prima, wobei dort bereits zwei ungarische Fotografen standen, die aber irgendwie nicht sehr gesprächig waren.
Doch was nicht kam, war der Zug, obwohl planmäßige Kreuzung mit dem IC in Vrhovine gewesen wäre. Leander fuhr für den IC rum zum Damm in der Kehre, die die Bahn hier beschreibt, ich blieb an meinem Ausguck im Schatten sitzen. Die Lok des IC war mit langem Vorbau voraus gemeldet. So verzweifelt war ich trotz allem nicht, dass ich mir das im Hochlicht geben musste. Dann ging alles ganz schnell. Leander war gerade mit dem Auto zurückgekommen, da brauste der Slurryzug hinten schon den Hang runter. Der war doch bischen motivfüllender als der Dreiwagenzug vor zwei Jahren...

Nun kommt der Slurryzug kurz vor Vrhovine um die Ecke.
Tja, nun war unser Programm erstmal beendet. Wir setzten uns in eine Kaffeebar an der Straße oberhalb von Vrhovine und tranken etwas Kühles. Dann ging es auf die lange Reise nach Bosnien. Die lange Reise... Unser Zielort Bihać lag genau 70min Fahrtzeit entfernt - also alles sehr entspannt. Kurios war lediglich der Grenzübertritt. Ich glaube, einen kroatisch-bosnischen Grenzübergang mit so viel Verkehr habe ich noch nie erlebt. Die LKWs stauten sich weit zurück. Aber wozu hat eine Landstraße zwei Spuren? Nehmen wir doch die linke! Die einzige Herausforderung war nur, bei Gegenverkehr schnell links am Straßenrand irgendwo ein Plätzchen zum Ausweichen zu finden...
Vor der Kontrollstelle, die offenbar von Kroaten und Bosniern zusammen betrieben wurde, gab es zwei Schlangen für PKWs. So weit so gut. Die Buden von Kroaten und Bosniern kamen in einer Halle mit ca 10m Abstand hintereinander. Wir waren auf der linken Spur. Der für die rechte Spur zuständige Bosnier hatte wohl plötzlich Feierabend. Er klatschte eine Absperrbake auf die Fahrbahn und alle, die auf der rechten Spur vom Kroaten ausgecheckt waren, hatten nun keinen Bosnier mehr für die Einreise! Sie mussten nun zwischen den Buden mit zwei 90-Grad-Turns in unsere Spur einfädeln. Das geschah auf balkanische Weise, also irgendwie, aber definitiv und bestimmt nicht im Reißverschlussverfahren. Leider haben wir nicht mehr mitbekommen, wie das Wohnmobil da durchgekommen ist, das bald auf der rechten Spur an der Reihe war...
Zwischenzeitlich hatte ich auf booking.com ein schön aussehendes Apartment am nördlichen Stadtrand von Bihać gebucht. Kurz nach der automatischen Buchungsbestätigung kam die Nachricht vom Vermieter: Sorry, full, ob ich bitte stornieren könnte. Da die Wohnung offiziell nicht kostenfrei stornierbar war, erschien mir das nicht so einfach. Aber man kann tatsächlich eine Anfrage für eine kostenfreie Stornierung stellen. Wieder was gelernt. Die Anfrage wurde vom Vermieter auch sogleich positiv beschieden.
Nun buchte ich ein Apartment mitten in der Stadt am Fluss. Die Zeit zum Einchecken nahmen wir uns allerdings nun nicht mehr; das hatte jetzt doch alles länger gedauert als erwartet. In einer halben Stunde sollte bereits der neue Pendlerzug Bihać - Bosanska Otoka starten, wegen dem wir hergekommen waren. Personenverkehr auf der Unabahn - und dann noch mit dem schönen "Olympia-Triebwagen", einer rein erstklassigen Variante der alten Zagreber S-Bahn-Züge. Erstmal schauten wir am Bahnhof vorbei. Da warteten schon eine Menge Reisende - aufgrund der 34 Grad allerdings erstmal außerhalb des Zuges. Im Bereich der kroatisch-bosnischen Grenze brannten die Berge! Und Bihać lag genau im Bereich der Rauchwolke, so dass das Licht minimal geschwächt war.

Da ist er also. Der Besuch bei ihm möglichst am Freitag und Samstag war von Anfang an fix - zumindest, wenn das Wetter nicht komplett dagegen spräche. Aber das war zum Glück nicht der Fall. Der 411 114 ist einer der Olimpik-Ekspres-Triebzüge, die Ganz Mavag in reiner 1.Klasse-Ausstattung und mit Speiseabteil zu den Olympischen Spielen 1984 in Sarajevo geliefert hatte. Leider galten alle bosnischen 411er als absolut heruntergekommen und mit Graffiti bemalt. Der 411 114 ist nun extra für diesen Verkehr auf der Unabahn aufgearbeitet worden und präsentiert sich zumindest äußerlich in einem guten Zustand. So treffen hier also ein besonderer Triebwagen und die Reaktivierung eines Teilstücks einer faszinierenden Bahnstrecke zusammen. Das wollte man sich nicht entgehen lassen.

Auf dem Bahnsteig in Bihać ist man noch tiefenentspannt.
Um kurz nach 16 Uhr fuhren wir mal lieber voraus. Bald hatte man den verräucherten Bereich verlassen. Oh ha! Da hatten wir uns ja was vorgenommen! Das Streckengleis war komplett hinter dichter Vegetation verborgen. Was da wohl gehen mag? Auf den ersten Kilometern im engeren Tal führt die Straße sehr parallel zum Bahngleis. Wir fanden eine außerordentlich freie Stelle, wo die Bahn auf einer Galerie ein Stück oberhalb der Straße entlang führt. Hier standen wir sicher noch eine Viertelstunde. Dann wurde alles gut. Der Triebwagen kam sogar bei absolut freier Straße vorüber.

Der gut besetzte Berufspendlerzug passiert das Esig des Bahnhofs Cazin-Srbljani. Die gesamten Signalanlagen dieser Strecke sind nicht mehr intakt.
Weiter ging es. Den Zug hatte man bald wieder eingeholt. Die Hauptstraße querte paarmal die Bahn - natürlich ohne jegliche technische Sicherung. Der Zug hielt vor den BÜs an und trötete paarmal, bevor es weiterging. So hatten wir ihn bald wieder überholt. Aber die Strecke war übel verbuscht. Oder das Licht stand total spitz. Da war nichts zu wollen. An einer Stelle, wo die Bahn am anderen Ufer verlief, brannte der Wald oberhalb der Bahn. Das schien aber niemanden zu kümmern.
Erst hinter Bosanska Krupa gab es einen Abschnitt, wo wir von einer kleinen Wohnstraße etwas machen konnten. Erst hatte ich dazu den kleinen, nicht abgesperrten Hof eines Privatgrundstücks betreten, wo ich vom Hund freundlich begrüßt wurde. Doch während ich wartete, wurde ich immer wieder aus einem Lautsprecher angetextet, der zusammen mit einer Kamera irgendwo hing. Ich verstand kein Wort und tat, als ob ich nichts hören würde. Vermutlich hatte ich einen Alarm ausgelöst. Als der Zug nicht kommen wollte, stellte ich mich etwas um in die Grundstückszufahrt. Da konnte mich die Kamera nicht mehr sehen. Hier kam der Zug auch sehr höbsch.

Nun hat der Zug Bosanska Krupa hinter sich gelassen und wird in Kürze den Hp Podvran erreichen.
Dann wechselte die Bahn wieder die Flussseite, so dass bis Bosanska Otoka nichts mehr ging. Wir warteten auf den einfahrenden Zug. Zu unserer Verwunderung trat auch ein Rotkäppchen auf den Bahnsteig. Sind die Bahnhöfe hier etwa alle noch immer besetzt? Oder nur für diesen Verkehr? Aber wo hätte man dann kurzfristig so viel Personal her?

Nun hat der Zug den Endbahnhof Bosanska Otoka erreicht. Der nächste Bahnhof ist Blatna. Der liegt aber bereits hinter der Entitätsgrenze im ŽRS-Land. Dorthin darf der ŽFBH-Zug wohl nicht so einfach fahren...
Nur freitags kehrt der Pendlerzug um 18:00 wieder zurück nach Bihać, da er am Samstag für den "Ausflüglerzug" benötigt wird. An Mo-Do übernachtet der Triebzug in Bosanska Otoka. Wir hatten nun den Plan, dem Zug auf der Flussseite der Bahn bis Bosanska Krupa voraus zu fahren, um nach Motiven zu schauen. Weit kamen wir allerdings nicht; bereits am alten Friedhof von Otoka glaubten wir etwas machen zu können. Das ging nach etwas Vegetationspflege auch sehr schön.

Der nur freitags verkehrende 18-Uhr-Zug ab Bosanska Otoka passiert einen alten Friedhof des Ortes.
Natürlich fuhren wir hinterher. Wir glaubten, auf der Hinfahrt von der Hauptstraße aus drüben in den Feldern nördlich der Flussbrücke der Bahn eine freie Stelle ausgemacht zu haben. Nun wollten wir versuchen, den Zug auf den Nebensträßchen zu überholen. Als wir auf der einspurigen Straße ziemlich rasant um eine Kurve bogen, kam uns ein Polizeiwagen entgegen. Ups. Vollbremsung. Zwei Staubwolken. Immerhin beließ man es mit der kostenfreien Belehrung "langsam!". Woher wussten die, dass wir Deutsche sind? Diese Frage wird unbeantwortet bleiben. Der Feldweg ging bald in eine Schotterpiste mit Schlaglöchern über. Zwar waren wir dem Zug kurzzeitig voraus, doch dann kam ein Bahnübergang. Der Zug hatte schon getrötet. Das war für uns dann sowas wie Rotlicht...
Das wars! Egal, wir hatten paar schöne Bilder von diesem Verkehr machen können. Wir fuhren gemütlich weiter. Dass jetzt noch Licht in das enge Tal käme, konnten wir uns nicht vorstellen. In Bosanska Krupa fuhr der Zug gerade ab, als wir den Bahnhof erreichten. Wir schauten etwas herum und fuhren weiter. Irgendwo im engen Tal hatten wir den Zug wieder überholt. Und in einer Talkrümmung passte es tatsächlich: Eine Tunnelausfahrt lag noch perfekt in der Sonne!

Hinterm unbesetzten Bahnhof Grmuša kommt der Abendzug aus dem Tunnel hervor. Die Tunnelportale sind hier nicht gemauert.
Eigentlich hatten wir gedacht, dass hinter dem engen Tal bei der Einfahrt nach Bihać noch etwas gehen würde, aber da kam die Sonne nirgends mehr so recht hin. Das machte aber nichts. Wir konnten mit unseren Bildern wirklich zufrieden sein. Nun ging es mit Umweg über den alten Bahnhof, der jetzt als Bw dient, zur Unterkunft.

Auch der im alten Bahnhof von Bihać hinterstellte Ersatzzug ist erstklassig und in gutem Zustand.
Das Haus lag direkt an der Una. Zum Fluss hin war bloß die Straße und eine Bar mit lauter Musik. Was für ein Kontrast war dagegen das Rentner-Ehepaar, dem das Haus gehörte. Was die wohl zu der lauten Musik sagen, mit der sie Tag für Tag beschallt werden? Immerhin lagen die Gemächer unserer riesigen Wohnung ganz ruhig nach hinten raus, so dass alles gut war.
Das Hüngerchen drückte, und neben den Bars auf der anderen Straßenseite gab es auch ein Restaurant mit schönen Tischen direkt am Flussufer. Hier konnten wir es gut aushalten. Und erstmalig auf dieser Tour begegneten wir dem Šopskasalat auf der Speisekarte. Der musste natürlich sein. Dazu gab es gegrillte Forelle angeblich aus der Una (L) und Hähnchenbrust mit Champignonchreme (J).

Abendstimmung an der Una. Die Rauchschwaden der Brände ziehen noch immer über die Stadt.
Anschließend drehten wir eine Runde durch die Stadt, wo es noch ein Eis gab. Insgesamt hatten wir auf dieser Tour ganz schön viel bar zahlen müssen - so auch jetzt die Unterkunft. Ging aber in Euro. Beim Eisstand bekam ich auf meinen 10€-Schein auch noch KM wieder, unglaublich... Morgen in einer Bäckerei werde ich mich über die bosnischen Geldstücke allerdings noch freuen...
Heute konnten wir es etwas ruhiger angehen. Der Olympiazug sollte heute um 9 Uhr zu der ersten Ausflugsfahrt aufbrechen. Unser Plan waren vor allem erstmal Bilder mit EG in Bihać oder vielleicht sogar die Bereitstellungsfahrt aus dem alten Bahnhof? Vor 8 Uhr wollten wir dafür allerdings auch nicht unbedingt los. Als wir uns endlich von den netten Wirtsleuten verabschiedet hatten und die Runde über den alten Bahnhof zum neuen Bahnhof gedreht hatten, stand der Zug dort schon bereit - leider wie gestern wieder auf Gleis 2 und südlich des EG. Und es warteten sogar schon wieder eine Menge Leute.

Der Ausflugszug ist im Bahnhof Bihać bereitgestellt.
Beim Gang durch die Gräser hatte ich mir die Unterschenkel und Socken / Schuhe komplett mit Kletten behängt. Die zu entfernen war eine langwierige und schmerzhafte Angelegenheit. Rechtzeitig zogen wir los, um uns nach einem passenden ersten Motiv für den Zug umzusehen. Im Laufe der Fahrt konnten wir einige Male abdrücken und waren erstaunt, dass es doch die eine oder andere nette Perspektive gab. So begleiteten wir den Zug bis Bosanska Otoka.

Zwischen Cazin-Srbljani und Grmuša wird eine kleine Siedlung passiert.

Kurz vor Grmuša ragen die Felsen besonders eindrucksvoll auf.

Der Zug erreicht den Bahnhof Bosanska Krupa.

Noch im Stadtgebiet von Bosanska Krupa.

Nun ist Bosanska Otoka erreicht. Die Leute strömen in den Ort.
Nun gab es eine recht lange Wendezeit. Die nutzten wir, um nochmal auf der anderen Talseite den Feldweg zu fahren und nach Motiven für die Rückfahrt Ausschau zu halten. Wir fanden sogar eine nette Stelle. Doch nach Rückkunft in Bosanska Otoka entdeckten wir in der Ausfahrt noch ein schöneres Motiv. Und bei der Suche nach einer Wendemöglichkeit entdeckte Leander sogar noch einen hübschen Blick von oben auf den Bahnhof und über den ganzen Ort.

Der Mittagszug steht in Bosanska Otoka bereit.

Von einer Anhöhe hat man einen schönen Überblick über Bosanska Otoka und den Bahnhof.

Nun fährt der Zug aus dem Bahnhof aus.
Ansonsten hatten wir für die Rückfahrt ein Wunschmotiv: Die Unabrücke zwischen Bosanska Krupa und Grmuša bzw direkt östlich Grmuša. Der Triebzug passte leider nicht komplett auf die Brücke - das war bekannt. Aber so eine Flussbrücke im engen Tal ist ja schon was Typisches. Leider waren die beiden wortkargen Ungarn auch wieder da und verhinderten mir die Umsetzung mit einer kleinen Stromschnelle im Vordergrund. Dafür gab es eine ansatzweise Spiegelung. Ein weiteres Mal erwischten wir den Zug nochmal im Bahnhof Cazin-Srbljani, wo sogar noch das alte EG stand. Leider erforderte ein unmittelbar daneben stehender Lichtmast eine ziemliche Weitwinkelei, aber mit etwas mühsamem Erklettern der Böschung klappte das.

Das prominenteste Bauwerk des reaktivierten Teilstücks der Unabahn: Die Unabrücke östlich des Bf Grmuša.

Dann erreicht der Olimpik-Ekspres den unbesetzten Bahnhof Cazin-Srbljani, wo sogar zwei Leute aussteigen. Die beiden Orte aus dem Stationsnamen sind gar nicht so klein, liegen aber oben auf der Hochfläche und sind nur über Serpentinen erreichbar.

Man kann sich auch ein Taxi rufen...
Und hinterher? Da war ich unterhalb der Knie wieder voller Kletten. Während ich am zupfen war, versuchten wir uns die Karten zu legen, was wir mit dem Nachmittag anfangen. Grundsätzlich sollte uns die Reise für die nächsten Tage nach Dalmatien führen. Ich hätte kein Problem gehabt, gemütlich über den Berg nach Knin rüber zu fahren. Aber Leander wollte gern noch die Formsignale in Prijedor mit dem Nachmittagsbummelzug umsetzen. Also völlig gegenläufige Richtung und das bei latent vorhandener Wolkengefahr (bei vier konsultierten Wetterberichten stand es etwa 2:2 hinsichtlich größerer Wolkengefahr). Da ich dem jetzt keine konkreten Motivwünsche an der Dalmatienbahn entgegensetzen konnte und der abendliche Nightjet ziemlich sicher mit falschrum stehender Lok kommen würde, stimmte ich zu. Es ist ja nicht so, dass mich die Signale in Prijedor nicht interessiert hätten. Und Leander musste schließlich fahren...
Da das Abendessen somit wohl ausfallen würde, frequentierten wir eines dieser schönen auf Pfählen in die Una gebauten Restaurants, wo es Ćevapi im Fladenbrot und Šopskasalat gab. Und einen schönen Ausblick auf den herrlichen Fluss.

Das Restoran Makaba am Rand von Bosanska Krupa. Im Gegensatz zum traditionellen Stari Mlin, das Yannick frequentiert hatte, saß man hier hinter Scheiben und in der Kühle der Klimaanlage.

Dafür gibt es draußen eine wunderschöne Bar.
Danach brachen wir nordostwärts auf. Am Himmel drehten einige Wolkenfelder ihre Runden. Hoffentlich würde sich dieser Abstecher überhaupt lohnen... Bei Blatna querten wir die Entitätsgrenze und reisten in die Republika Srbska ein. Über Novi Grad und durch das Tal der Sana gelangten wir nach Prijedor. Und hatten dort gar nicht mal mehr so viel Zeit. Wir wollten den Bummelzug, der hier aus Richtung Osten gegen 17 Uhr eintrifft, mit den östlichen Asigs fotografieren.
Der Bahnhof stand voll mit E-Wagen. Nach dem Niedergang der größten Güterkunden stehen diese Wagen sich hier und anderswo die Räder platt. Die Wagenreihen ließen an der Ostausfahrt dann auch nicht mehr sooo viele Möglichkeiten zu. Aber zwei Signale konnten wir topp mit dem Wärterstellwerk und dem einfahrenden Einwagenzug umsetzen.

Nun sind wir im ŽRS-Land. Der Bahnhof Prijedor besitzt noch Formsignale. PT 6422 fährt in den Bahnhof ein.
Und vor allem: Der Zug war nicht beschmiert und die Sonne hatte geschienen! Gerade letzteres war nicht selbstverständlich gewesen, denn von Westen drückte nun tatsächlich Bewölkung rein - erst nur ein einzelnes Wolkenfeld, dahinter aber immer mehr. Wir folgten dem Zug westwärts, und schon am Stadtrand tauchten wir in den Wolkenschatten ein. Zwischen dem Wolkenfeld und dem nachfolgenden "Immer mehr" kam nochmal die Sonne durch. In dieser Zone lag der betrieblich aufgelassene Bahnhof Svodna, in dessen Einfahrt wir den Zug nochmal hübsch umsetzen konnten.

Nun hat der Zug den Bahnhof Svodna erreicht.
Dann ging es aber in ziemlich massive Wolken hinein. So konnten wir der Einfahrt des Zuges nach Novi Grad nur zuschauen. Es war ein Bild, das nachdenklich macht. Nach den letzten Streichungen fährt hier nur noch zweimal täglich ein Zug her. Die Züge haben nur noch einen Wagen. In Novi Grad stiegen drei Fahrgäste aus. Dafür wurde der Zug, der mit Tf und Schaffner besetzt war, von einem Fdl, einem Rangierer und an den Ausfahrten von insgesamt drei Weichenwärtern in Empfang genommen. Irgendwie sitzt da die Verhältnismäßigkeit schief...
Wir wollten heute noch bis Knin. Jetzt war es 17:45, und die Fahrt sollte 3h10m dauern. Zufällig kamen wir in Bosanska Otoka vorüber, als der Unabahn-Zug starten sollte. Hier kämpfte sich auch gerade die Sonne unter den Wolken hervor. Wir konnten noch ein Foto machen.

Der abendliche Ausflugszug verlässt Bosanska Otoka.
Doch die um zwanzig Minuten spätere Abfahrt gegenüber gestern war ein Unterschied zwischen Tag und Nacht. In dieser Zeitlage gab es ansonsten keine Chancen mehr auf Sonne. Das hatte gestern definitiv anders ausgesehen. In Bosanska Krupa schauten wir einfach mal dem Treiben zu, als der Zug einfuhr. Nach dem Erleben der ŽRS in ihren letzten Atemzügen eben war es einfach nur ein toller Anblick, mit welcher Begeisterung hier wahre Menschenmassen den Zug nutzen.

In Bosanska Krupa wird der Zug schon von vielen Reisenden erwartet.
Hmmm, da hatte ich jetzt ein Dejavue. Bosanska Krupa mit vielen wartenden Reisenden - da war doch was... Vorsicht, ich grabe jetzt in meiner Angeberkiste!

Am 10.06.2011 warteten auch viele Reisende in Bosanska Krupa auf den Regio nach Bihać. Dieser kam noch entitätsübergreifend aus Novi Grad. Die Oberleitung war nur noch ein Torso; deshalb musste mit Diesel gefahren werden.
Da das Zugpersonal immer geradezu freudig gewunken hatte, wenn wir an der Strecke standen und Fotos machten, sprach ich die Leute im Führerstand an, ob sie Fotos von "Ihrem" Zug haben wollen und bat um eine Email-Adresse. Das wurde freudig aufgenommen. Da der Zug weiter wollte, bot der Fdl an, mir seine Email zu geben. Er würde die Bilder an die Kollegen weitergeben. Als der Zug abgefertigt und die Email notiert war, erzählte er noch in bestem Deutsch, dass er sieben Jahre in Kassel gearbeitet hätte und dann seine Ausbildung bei der ŽFBH gemacht habe.
Wir mussten nun auch weiter. In Bihać gab es eine Tankfüllung für 1,50€/Liter, dann begann der Ritt durch die Dämmerung, Dunkelheit und Einsamkeit. An der Grenzstelle war gar nichts los, und schon waren wir wieder in der EU. Dieser Teil Kroatiens ist vom übrigen Land durch hohe Berge getrennt und sowas von abseits... Leander konnte zügig fahren. Lediglich kurz vor Erreichen der Likabahn und der parallelen D1 gab es einen Pinkelstopp unter einem wunderbaren Sternenhimmel, während in der Ferne das leuchtende Band des Nightjet mit lautem Georgel der Lok den Malovanpass erklomm.
Das hätten wir gern alles noch länger genossen, doch die Zeit drückte. Als Check-in-Zeit war bis 21 Uhr angegeben, und das Navi sprach jetzt schon von 21:20. Beunruhigenderweise hatte ich noch nichts von den Vermietern des Apartments gehört und keine Reaktionen auf die übersandten Ankunftsprognosen erhalten. So standen wir um kurz nach 21:15 vor der Tür eines dunklen Hauses unterhalb der Festung. Ich rief die Kontaktnummer an. Unter vielen netten Entschuldigungen, dass man die Nachrichten nicht gesehen hätte, bekamen wir die Nummer für den Schlüsseltresor und alles wurde gut. Die Wohnung war klasse, und eine kleine Einkaufsrunde durch die immer quirliger und lebendiger werdende Stadt war auch noch drin.
Die Wohnung war schön ruhig. Leider musste man doch den Wecker auf sechsuhrirgendwas stellen, falls denn ein Güterzug im Bahnhof angekommen wäre. Das war aber nicht der Fall. So gab es erstmal einen entspannten Morgenkaffee. Währenddessen sollte irgendein "Ding" von Split her nach Knin einfahren. Wir versuchten auf der Webcam etwas zu erkennen, doch da war nichts zu sehen. Als wir fertig waren, gab es erstmal eine Erkundungsrunde zum Bahnhof. Und siehe da: Das "Ding" stand auf Gleis 1 und wollte offenbar zeitnah zurück nach Split!

Der sonst zwischen Split und Kaštel Stari pendelnde 7023 008 hat an diesem Sonntagmorgen eine kleine Probefahrt nach Knin und zurück durchgeführt. Nun geht es als Lt 29557 zurück.
Irgendwie war Leander mehr auf Verfolgung eingestellt als ich. Als ich endlich fertig war mit Schöngucken der Bilder, stand Leander schon am Auto. So bekamen wir den Triebwagen, der offenbar eine Probefahrt absolvierte, erst in Unešić wieder zu sehen, wo er auf Kreuzung mit einem vollgeranzten Y1 hatte warten müssen. Ein zweites Mal erwischten wir ihn in Primorski Dolac.

Nun passiert Lt 29557 das östliche Esig des Bf Primorski Dolac.
Und nun? Irgendwie herrschte tote Hose. Da passte es nicht schlecht, dass Leander bekannt gab, dass seine Ersatzakkus für die Kamera noch in Knin in der Bude liegen. So sind wir dorthin zurück gefahren. Am Bahnhof hatte sich zwischenzeitlich nicht viel getan. Nur der Konzum hatte geöffnet. Da wir noch kein Frühstück hatten, besorgten wir uns alles für einen (riesigen) Šopskasalat, den wir in der Bude zubereiteten. Draußen herrschten inzwischen Temperaturen jenseits der 35 Grad. Da war es in der klimatisierten Bude gut auszuhalten.
Der Plan für den Nachmittag war, dem IC 522 entgegen zu fahren und ihm dann zu folgen. So fuhren wir also ein zweites Mal den weiten Weg bis hinter Labin. Leider gelangten wir dabei hinter Unešić in eine heftige Dunstglocke. Teils konnte man die umliegenden Berge kaum noch sehen. Der Geruch sagte alles: Das waren Rauchschwaden von irgendwelchen Waldbränden. Es wurde sogar in den Nachrichten gesagt, dass es drüben in Bosnien heftig am brennen sei und die Rauchfahne ganz Dalmatien beglücken würde.
Wir waren lange am hadern, ob wir uns das antun wollen und kamen zum Schluss, dass das sinnlos sei. Statt dessen ging es also den ganzen Ritt zurück und über Knin hinaus in die Berge. Dort suchten wir die Außenkurve hinterm Bahnhof Malovan auf. Hier konnte man herrlich im Schatten im Gras sitzen und warten. Die Temperatur war mindestens fünf Grad kühler als unten in Knin. Zu unserer Freude traf etwas später auch noch Nikola ein, einer der allzeit auskunftsfreudigen Hobbykollegen aus Kroatien in unserer "kleinen" WhatsApp-Gruppe. Wir haben uns schon häufig geschrieben, aber persönlich haben wir uns bislang immer (teils knapp) verpasst. Und das mit der Freude ging weiter, denn der IC 522 hatte die Lok richtigrum vor.

Nur sonntags außerhalb der Saison verkehrt IC 522 lokbespannt. An einem der wenigen Verkehrstage kommt er durch die Kurve hinterm Bahnhof Malovan gefahren.
Wir folgten dem Zug abwärts in Richtung Gračac. Das Motiv an der Einfahrt hätten wir leider nicht schaffen können, aber wir hofften, dass wir den Zug nach dem Stationshalt nochmal bekämen. Als Beifahrer jonglierte ich nun mit Suncalc, Streetview und OSM-Karte herum und entschied mich für einen BÜ, den ich sogar als Möglichkeit auf meiner OSM-Karte notiert hatte. Toll! Sonst hab ich mir die Marker immer irgendwo anders gesetzt und finde sie nicht wieder. Als wir parkten, grummelte es schon. Und nach Erreichen des Fotopunktes kam der IC auch schon angefahren.

Kurz vor Lovinac gibt es den Zug ein zweites Mal bei Peršići.
Nun war mal wieder der Plan, den Zug mit einem Stück Autobahn zu überholen. Ich kannte bei Lički Osik eine schöne Stelle mit dem Velebit im Hintergrund. Das musste zeitlich eine Punktlandung werden. Leider musste der Fahrer vor uns an der Mautstelle noch mit der jungen Dame im Kassenhäuschen rumschäkern. Wertvolle Sekunden verrannen. Als wir letztendlich über einen Feldweg den immernoch schönen Ausblick erreicht hatten, waren wir uns sicher, dass wir es geschafft hätten.
Ein recht naher Tröt aus Richtung Perušić belehrte uns eines Besseren. Erst dachten wir, dass die die Kreuzung mit IC 523 von Perušić nach Gospić verlegt hätten und nun von hinten der 523 käme. Doch es war ja die Abfahrmeldung für den 522 aus Gospić im System. Wir warteten noch zwei Minuten, doch dann war klar: Wir hatten den Zug um eine Minute verpasst. Mann, sind die in der Lička Polje schnell! Viel Zeit zum Trübsalblasen hatten wir "leider" nicht. Nun wurde ja in Perušić gekreuzt. Und den Gegenzug wollten wir gern von der Brücke des Autobahnzubringers Gospić aufnehmen. Leander ließ mich schnell oben raus und parkte dann unten auf einem Feldweg. Er schaffte es auch noch.

Die beiden lokbespannten ICs haben in Perušić gekreuzt. IC 523 rollt auf Gospić zu.
Schön, dass das noch geklappt hatte und auch die Lok des 523 richtig stand. Gut gelaunt ging es zurück. Der Plan war, mal wieder am Rand von Gračac bei Tomić zu Abend zu essen. Das hatten wir uns nun verdient. Kurz vor der Autobahnabfahrt Sveti Rok überquerten wir den IC 523. Der war im Prinzip weg. Und wir hatten ja auch keine Ambitionen mehr. Das galt, bis der Zug hinter Lovinac in der Landschaft vor einem gestörten BÜ stand.
Und bis wir fast parallel nach Gračac einfuhren. Unmittelbar hinterm Bahnhof kurvt die Strecke fast nach Südwesten, und tatsächlich fanden wir dort eine Fotomöglichkeit von einer Rinderweide aus. Die Statisten waren perfekt positioniert, der Zug konnte kommen! Er kam aber nicht. Man hörte die Lok die ganze Zeit im Bahnhof vor sich hin wummern, doch nichts passierte. Zehn Minuten lang! Die Sonne war nur noch kurz überm Horizont. Das Licht schwächelte mal, kam aber wieder. Und dann kam der Zug doch noch im allerletzten Licht im Langsamgang um die Ecke.

Wider Erwarten geht im allerletzten Sonnenlicht ein weiteres Bild vom IC 523 bei Gračac.

Der Statist nochmal als Hauptdarsteller.
Nun aber ab zu Tomić! Das war dann auch sehr erfolgreich. Die "Plata Tomić" für zwei war anspruchsvoll, aber wir sind diesen Ansprüchen gerecht geworden. Eine reiche Auswahl an Grillgut aller Variationen wanderte in unsere Mägen. Derweil wurde es "draußen", also vor der Veranda, dunkel. Wir hatten nun nur noch eine kleine Gebirgsquerung vor uns.
Zufällig passte es, dass wir das, was wir gestern nur nebenbei beim Pinkeln und unter Zeitdruck erlebten, heute mal entspannt wiederholen konnten. Oberhalb des Bf Zrmanja ließen wir das Auto stehen und liefen paar Schritte in die absolute Dunkelheit. Der Sternenhimmel war phänomenal. Direkt über uns rüber führte die Milchstraße. Dazu gab es auf den nächsten Bergen das gleichmäßige rote Blinken der Windräder, die übrigens auch in der Entfernung einen ganz schönen Lärm machten. Und natürlich gab es wieder das leuchtende Band eines vorüberfahrenden Zuges zu beobachten: Den Nachtzug nach Budapest. Das sind Momente, die man gern festhalten möchte, die man aber am besten "so" genießt und in seinen Erinnerungen festhält. Also ganz analog. Um 21:30 waren wir in unserer Bude zurück.
Nachdem nun zwei Morgende kein Güterzug von Norden gekommen war, hatten wir für heute fest mit einem geplant. Doch leider war letzte Nacht der Nordfahrer, dessen Loks den von uns erwarteten Südfahrer ab Ogulin gezogen hätten, in Medak, einem kleinen Bahnhof in der Ličko Polje, liegen geblieben. Dort stand er laut unserem System immer noch. Somit blieb für uns als Morgenbeschäftigung nur der Nightjet. Beim ersten Bild teilten wir uns ein wenig auf; ich bestieg den Hügel oberhalb des Hp Kaldrma. Im letzten Moment stellte sich noch ein anderer Fotograf mit seinem Auto an den BÜ und hing irgendwie am Blinklicht. Deshalb gibt es jetzt nur den Fernschuss zu sehen. Das Hauptmotiv sollte später nochmal ohne ans Blinklich geklammerten Fotografen klappen.

NJ 1273 nähert sich Kaldrma.
Da die Lok rückwärts lief, war mir der Zug nicht ganz so wichtig. Insofern störte es mich auch nicht, dass wir auf der Zugverfolgung noch tanken mussten. Da hatten wir gestern irgendwie beide nicht drauf geachtet. Wir fuhren nun ein ganzes Stück und fotografierten den Zug nochmal auf dem großen Damm unterhalb von Labin. Hier warteten wir auch noch auf den nachfolgenden Bummelzug, der aus unerfindlichen Gründen in Perković erst mit +32 losgekommen war. Wir lästerten schon, dass er Lokumlauf hatte machen müssen...

Nun passiert der Zug den großen Damm unterhalb von Labin.

Es folgt der Bummelzug Pu 5505.
Der nächste Programmpunkt war ein Besuch des Bahnhofs Solin. Dort bin ich noch nie fotografisch tätig geworden. Wir liefen mal zur Fußgängerbrücke, deren Treppenturm schon wieder ziemlich von der Natur zurück erobert war. Sie führt auch praktisch - nirgendwohin. Der Bahnhof lag ziemlich reglos da. Wir setzten uns oben in den Schatten eines Gebäudes und warteten einfach mal auf den Mittagszug aus Kaštel Stari. Zwischendurch gab es auch paar Rangierfahrten zu beobachten - allerdings allesamt vom Personenverkehr. Cargo hatte Betriebsruhe. Leider herrschte auch heute hier der Dunst. Die Berge im Hintergrund konnte man nur gerade so erkennen.

Der Bahnhof Solin mit dem Bw liegt eingekeilt zwischen Wasser und den Industrieanlagen. Ein 7123 rangiert in die Halle.

Den 7023 008 kennen wir ja schon. Jetzt pendelt er wieder zwischen Split und Kaštel Stari.
Zwischenzeitlich hatte ich gesehen, dass der nordwärts fahrende Gz letzte Nacht doch nicht in Medak verendet war, sondern bereits mit Ellok auf dem Weg nach Zagreb war. Somit hätte also durchaus heute Morgen ein Südfahrer kommen können. Es kam aber keiner. Bei dem Treibhausklima, das jetzt hier herrschte, konnte ich Leanders Wunsch nach einem Strand und Bad im Meer mehr und mehr nachvollziehen. Meine Meinung zu kroatischen Stränden ist ja nicht besonders hoch, aber Leander meinte, einen schönen Strand kurz vor Trogir zu kennen. Der lag dann auch schön an einem Pinienhain auf einer kleinen, per Brückchen erreichbaren Insel und war erstaunlich leer. Sitzen konnte man da definitiv gut. Baden - nun ja. Es war ein Kiesstrand und das piewarme Wasser anfangs noch sehr flach.

Bei Trogir gibt es...

...einen hübschen kleinen Kiesstrand.
Aber man hatte dort sehr schön entspannen können. Erst zum Ende unseres Aufenthaltes kam eine vierköpfige Familie aus dem Badischen, die sich einig waren, dass verbale Kommunikation auch aus der Distanz funktioniert. So wurde also fleißig zwischen Ufer und Wasser hin und hergeblökt. Wir hatten es gesehen und zogen von dannen. Erstmal gab es einen 612 bei Mravnica, also kurz hinter Perković.

Pu 5509 hat gerade Perković verlassen. Auch hier hat es vor kurzem gebrannt.

Hinter Primorski Dolac erwischen wir den Zug nochmal mit dem Kirchlein Sv Martin.
Dann schauten wir mal mit Suncalc und Peakfinder, wo man denn überhaupt noch vernünftiges Licht auf dem bald wieder aus Split aufbrechenden Nightjet hat. Das Ergebnis führte uns zu den großen Dämmen, wo wir mal den alten, historischen Weg oberhalb der Bahn hinaufstiegen. Da man dort nur Hang im Hintergrund hatte, störte die Waschküche nicht so. Der Dunst hatte sich gegenüber Mittag auch deutlich gelichtet, war aber immer noch da. Der NJ 1272 klappte dann auch wunschgemäß.

An den Dämmen unterhalb von Labin kommt NJ 1272 angefahren.
Wir liefen den Weg wieder runter und stiegen ohne Hast, aber mit gebotener Eile ins Auto. Da wir eh in dieselbe Richtung wie der Zug mussten, konnte man ja mal schauen, ob das Licht noch für ein zweites Foto reicht. Dazu benötigten wir allerdings irgendwo hinter Unešić eine Stelle, an der das tief stehende Licht ungehindert auf die Strecke kommen kann. Angesichts der überall vorherrschenden Buschsteppe war das nicht ganz einfach. Hinter Planjane, in absoluter Motivlosigkeit, ermöglichte eine leicht erhöhte Lage der Bahn einen Versuch. Nun ja, mehr wurde es auch nicht.

Im allerletzten Licht kommt der NJ nochmal hinter Planjane angefahren.
Wenden wir uns den wichtigeren, existenziellen Fragen des Lebens zu: Wo gehen wir heute Abend Essen? Eigentlich hatten wir auch mal vor, im Restaurant auf der Festung in Knin zu essen, doch war uns das nun alles zu aufwändig. In Drniš kannten wir das Restaurant Kod Tome quasi am Wegesrand, und das suchten wir direkt mal auf. Ich nahm Schnitzel nach Drnišer Art, was wie erwartet ein Cordon Bleu war, bloß eben mit dem besonderen Schinken aus Drniš, für den die Stadt berühmt, äääh, oder zumindest bekannt ist. Also im näheren Umkreis jedenfalls. Süß war der Hund auf dem Nachbargrundstück, der sich angesichts der Gerüche von unserer Seite der Mauer doch sehr zurück hielt. Als aber zwei Tische weiter die große Fleischplatte für drei Personen angeliefert wurde, stand er dann doch auf zwei Beinen an der Mauer und schaute sehnsüchtig hin.
Gegen 21 Uhr waren wir wieder in der Wohnung in Knin. Wir hatten noch ne Flasche Weißwein im Kühlschrank, doch so lecker fanden wir ihn beide nicht.
Heute früh gab es das völlig neue Phänomen, dass tatsächlich ein Güterzug auf Knin zu rollte. Wir hätten den sehr gerne mit dem Blick auf die Festung umgesetzt, doch dafür gab es kein besonders großes Zeitfenster. Sonnenaufgang für dort sollte 6:55 sein. Der Zug war 6:45 in Knin angekommen. Jetzt konnten wir nur hoffen, dass der Personalwechsel seine Zeit braucht. Wir fuhren rum in das gewünschte Motiv. Der Schatten der Laderampe, auf der man steht, und einiger Bäume ragte noch ins Gleis. Das Gebüsch hinterm Gleis lag aber schon in der Sonne. Wartet bitte noch zehn Minuten, dann ist alles gut.
Was war das eine Spannung! Immer wenn ein LKW irgendwo im Ort beschleunigte, zuckte man zusammen. Irgendwann hatten die Schatten es geschafft. Man konnte sagen: Jetzt darf er kommen. Zu lange sollte er auch nicht warten, denn das Licht war jetzt im September nicht mehr wirklich ordentlich seitlich. Kaum zuende gedacht, klingelte es in einem Telefonkasten. Zugmeldung! Das konnte für keinen anderen Zug gewesen sein. Lange kann die Zugmeldung nicht gedauert haben. Denn kurz nach dem Bimmeln hörte man schon das Aufbrüllen der Motoren. Der Zug kam um die Ecke. Perfekt!

Ein leerer Zementzug von Podsused bei Zagreb nach Solin hatte im Bahnhof Knin noch schön gewartet, bis die wesentlichen Schatten vom Gleis waren, dann kam er um die Ecke! Das Motiv mit der Kninska Tvrđava im Hintergrund ist für mich eines der Toppmotive der Strecke und die Freude war unbändig, das jetzt auch mal mit Güterzug umsetzen zu können.

Weil es so schön war, gibt es ihn auch nochmal etwas näher.
Der gute Punkt zum Start einer Verfolgung ist das hier nicht; das war uns klar gewesen. Man muss nun einmal komplett durch Knin durch. Und die Lokmannschaft hatte es definitiv eilig! Vor Unešić hatten wir keine Chance. Aber das machte nichts. Spätestens ab Perković standen Kreuzungen mit Bummelzug und IC an, so dass wir uns Bilder am Esig Primorski Dolac und am Vorsignal von Labin erhofften. Wegen der Steigung dazwischen klappte das dann auch beides sehr gut.

Nun passiert der Zug das östliche Esig von Primorski Dolac.
In Primorski Dolac hatte eine Frau vom BÜ am Esig hinter dem einfahrenden IC eine Gleiswanderung in Richtung Bahnhof begonnen. Sie wurde vom ausfahrenden Güterzug total überrascht und wäre beim Verlassen des Schotterbettes fast gestürzt. Oh Mann, das sah aus der Ferne echt übel aus!

Der Zug fuhr so schön früh, dass das Licht auch am Vorsignal Labin noch seitlich genug stand.
Da wir nun nicht groß Besseres zu tun hatten, fuhren wir mal bis Solin weiter. Dort stand das Licht zwar noch sehr spitz, aber man konnte auch spitz auf der Brücke stehen. Da gab es auch außer dem einfahrenden Güterzug einiges zu beobahten. Ein Weichenwärter rief von unten irgendwas hoch. Auf unser "Foto, vlak" schüttelte er nur den Kopf und lief weiter. Nun ja, damit konnten wir leben. Es könnte natürlich sein, dass das Fotografieren zwischen Bw und Tanklagern nicht ganz so gern gesehen wird.

Nun hat Tv 81997 sein Ziel Solin erreicht. Der Rangierer ist schon aufgestiegen.

Pu 5505 kommt von Perković angefahren, während hinten der 7023 008 ins Bw wegsetzt.
Nun war die Uhr schon wieder nach 10 Uhr. Wir setzten uns in Plano ins Café. Aber der Hauptplan war eigentlich ein gepflegtes Janjetina-Essen in Vrpolje. Google warnte vor einem großen Flächenbrand nordwestlich von Perković, aber das sollte die Fahrt nach Vrpolje eigentlich nicht beeinträchtigen. Ok, und Google kann sich ja auch mal irren. Von einem großen Feuer oder einer Rauchwolke war weit und breit nichts zu sehen. Um Punkt 12 saßen wir im Restaurant Vicko in freudiger Erwartung des Lamms vom Drehspieß.
Das Essen war ok, der Preis allerdings gepfeffert. Für eine nicht besonders üppige Portion Janjetina mit Schmorkartoffeln wollte man 25€ sehen. Immerhin handelte es sich fast ausschließlich um Filetstücke, aber der Temperatur nach war das Vieh irgendwann im Laufe des Vormittags vom Grill genommen worden.
Während wir da saßen, war schon der erste Zugteil eines Zementzuges unterwegs nach Perković. Aus Lastgründen werden die Züge momentan für das steilste Stück ungefähr gedrittelt: Das erste Drittel geht mit einer Lok bis Perković, die Lok geht Lz zurück und dann fahren beide Loks mit den restlichen Zweidritteln des Zuges hoch. In Perković wird dann wieder alles vereinigt und weiter geht es bis Knin. Da der "Vorzug" wegen Zugfolge fast eine Stunde in Kaštel Stari stand, konnten wir noch gemütlich nach Primorski Dolac fahren, wo es das Esig jetzt von der anderen Seite gab.

Die 2062 113 bringt mit Tv 83808 schon mal paar Wagen vorab nach Perković - hier am Esig Primorski Dolac.
Den Hauptzug wollten wir irgendwo bei Sadine machen. Zwar war noch viel Zeit, aber wir wechselten schon mal rum. Die 35-Grad-Marke war inzwischen schon wieder geknackt. In Rudine bauen sie am Bahnübergang einen neuen Haltepunkt. Finde ich interessant, wie die Perković-Verkehre gestärkt werden; gerade hat es nachmittags auch ein neues Zugpaar gegeben. Erstmal gab es eben jenen neuen Zug oberhalb von Sadine.
Danach liefen wir zum Haltepunkt, wo wir immerhin im Schatten einiger Bäume warten konnten. Bezüglich des erwarteten Güterzuges wurde es jetzt spannend. Zwei Motivmöglichkeiten standen zur Auswahl: Eine für eine frühere Abfahrt, wo schon genug Seitenlicht herrschte, wo aber irgendwann die Schatten reinwandern würden. Oder die S-Kurve von eben, bei der das Licht aber noch etwas Zeit benötigte, um auf die Seite zu wandern. Erstmal gab es bei Möglichkeit 1 am Hp Sadine den zweiten Bummelzug aufwärts.

Pu 5508 fährt in den Hp Sadine ein.
Dann kam in unserer WhatsApp-Gruppe leider die Meldung, dass jemand den Fdl Kaštel Stari gefragt habe, ob noch ein Güterzug käme, und sie ihm gesagt hat, dass nichts mehr käme. Nun ja, auf derlei Meldungen gebe ich nicht viel; das Personal der Unterwegsbahnhöfe ist oft ziemlich uninformiert. Wir blieben erstmal sitzen. Als wir gerade am Zanken waren, ob man nochmal ins Meer springen oder einen Rundgang über die Festung in Knin machen sollte, tauchte im System die Meldung auf: Der erhoffte Güterzug war 16:54 ab Solin gefahren.
Die untere Stelle ging nun nicht mehr, doch die obere Stelle hätte nun schon sehr brauchbare Seitenausleuchtung. Dreimal lief uns hier in der Wildnis ein jüngeres Touristenpaar über den Weg, ohne uns anzuschauen oder zu grüßen. Offenbar hatten die beiden sich bei ihrem Spaziergang ziemlich verlaufen, aber wer keine Notiz von uns nimmt, kann ja auch keine Wanderempfehlungen annehmen. Da oben in den Wicken grüßt sonst wirklich jeder jeden. Ach ja, der Güterzug kam prima und die Loks machten einen herrlichen Lärm, der hoffentlich gut auf dem parallelen Video angekommen ist.

Nun sind die Loks wieder vereinigt und bringen zusammen den Tv 60340 oberhalb von Sadine den Berg hoch.
Dazu gibt es auch ein Video.
Nun konnten wir uns auf den Heimweg machen. Direkt und nicht über Strand oder Kninska Tvrđava. Etwas überraschend fuhren wir bald in den Schatten größerer hoher Bewölkung ein, die von Westen auftauchte. Gut, dass der Güterzug rechtzeitig gekommen war!

Abendstimmung zwischen Žitnić und Drniš.
In Drniš nutzten wir den neuen und riesigen Plodine-Markt für unseren Abendeinkauf. Am Bf Knin beobachteten wir den IC 523, der zufällig gerade vorüberkam. Zusammen mit Resten aus dem Kühlschrank gab es nochmal einen ordentlichen Šopskasalat und dazu paar Scheiben Salami. Die erwies sich sogar als Glücksgriff.

Heute gibt es mal leichteres Abendessen auf der Hütte.
Heute früh sollte der Nachtzug aus Budapest kommen. Außerdem bestand die Hoffnung, dass IC 520 mit kurzer Nase voraus käme, denn der 523 hatte uns gestern die lange Nase gezeigt. Außerdem bestand natürlich die Chance auf einen Güterzug. Leider lieferte das Leitsystem der HŽ gerade keine Daten, so dass wir ein wenig selbst schauen mussten.
Im Bf Knin stand noch der nordfahrende Zementzug von gestern Abend. Das läuft ja wieder mit Cargo... Insofern konnten wir aber wohl damit rechnen, dass von Norden auch kein Güterzug käme. Der B 1204, der Budapester Nachtzug stand bereits am Bahnsteig - rund 20 Minuten vor Plan. Leider fuhr die Lok mit dem langen Vorbau voraus. Wir fuhren ins geplante Motiv bei Drniš. Ein tschechischer Eisenbahnfotograf präparierte gerade einen Baum zum Erklettern. Tschechen brauchen keine Hochstative; sie klettern auf Bäume. Auf Flickr wurde das schon mehrfach festgestellt. Leider musste die Sonne einen etwas dickeren Wolkenstreifen durchsteigen und der Zug kam in einem Moment größter Dunkelheit. Wir fuhren hinterher und erwischten ihn nochmal in der allseits bekannten Fotokurve Nožine.

B 1204 aus Budapest in der Fotokurve Nožine kurz vor Prgomet.
Der Nachtzug sollte in Labin mit IC 520 kreuzen, der geplantermaßen diese Woche letztmalig lokbespannt fahren sollte. Für den fuhren wir zum Hp Koprno, wo wir im ersten Stock der EG-Ruine Position bezogen. Die Fenster und Fensterläden ließen sich zum Glück noch öffnen, so dass sich ein schöner Blick ergab.

Auf seiner Fahrt nach Zagreb passiert IC 520 den Hp Koprno.
Davon ausgehend, dass es erstmal schnell gehen muss und wir dem IC nochmal hinterher fahren, zogen wir schnell von dannen. Doch den Zahn der Verfolgung zogen uns Google Maps und überraschend viele LKWs auf der sonst doch immer so leeren Landstraße. Also umplanen. Leander wollte noch den folgenden, vollgesifften Y1 fotografieren, wozu er einen Bereich wählte, der bei mir immer noch unter "da läuft man nicht rein" geblockt ist. Früher standen hier die Minenwarnschilder. Aber das ist schon eine Weile her und im letzten Jahr hatte Kroatien verkündet, dass man alle Landminen geräumt hätte und sich jetzt als minenfrei betrachte. Es war wohl auch eher das Geschmier auf dem VT, das mich unweit des Autos im Schatten hat sitzen bleiben lassen.
Nun hatten wir "Freizeit" Erstmal ging es auf einen Kaffee nach Unešić. Da sitzt man schön am Dorfplatz und kann bei einem guten Kaffee das Dorfleben beobachten. Fdl und Ww des nahegelegenen Bahnhofs waren auch da. Und spätestens als die Meldung reinkam, dass der IC mit -11 durch Malovan gefahren sei, wussten wir, dass wir alles richtig gemacht haben. Das hätten wir auch ohne LKWs auf der Straße niemals geschafft...

Beobachtung des Dorflebens in Unešić. Fdl und Ww gehen nach einem Supermarktbesuch wieder zur Arbeit, eine Frau kümmert sich um die Beete.
Mittagsprogramm? Ja, Mittagsprogramm! Da vermutlich das Abendprogramm wetterbedingt ausfallen würde, sollte die Sonne genutzt werden, solange sie schien. Wir wollten einfach mal mit paar Triebwagen weitermachen. Für den Schülerzug nach Unešić warteten wir oberhalb des Hp Koprno. Zu unserer Überraschung kam ein 7123. Der Grund war wohl, dass momentan zwischen Šibenik und Perković nichts fuhr. So hatte man einfach den Bummelzug von Split nach Unešić verlängert. Die Rückfahrt gab es in Perković.

Ausnahmsweise als 7123 kommt der Schülerzug nach Unešić oberhalb von Koprno vorbeigefahren.

Die Rückfahrt nehmen wir im Bahnhof Perković.
Dann sind wir runter in die Kaštelas gefahren. Wir hatten noch immer die Hoffnung, dem Končar Akkutriebwagen zu begegnen, so dass wir mal zwei Kaštel Stari Pendel abwarten wollten. Den ersten nahmen wir von der Schnellstraßenbrücke bei Kaštel Kambelovac. Das war der altbekannte 7023 008. Aber der sollte nun in Tschuktschuk (unser Spitzname für Kaštel Sučurac) mit einem zweiten Kaštel Stari Umlauf kreuzen. Den erwarteten wir in der Einfahrt von Kaštel Stari. Da der 008 wohl der einzige 7023 in Split ist, rechneten wir ein wenig mit einem 7123/612. Doch es kam tatsächlich der Akkuzug!

Blick von der Kaštela-Schnellstraße auf Pu 5535 kurz vor Kaštel Kambelovac. Wenn hier die Ausfädelung des Autobahnzubringers gebaut wird, dessen Tunnel durch die Bergkette schon im Bau ist, könnte das Motiv ziemlich hinüber sein.

Als Pu 5534 kommt tatsächlich die Akku-Variante aus dem Hause Končar nach Kaštel Stari eingefahren.
Danach fuhren wir nach Sadine hoch. Es war wieder heftig heiß und schwül. Leander wollte bis zum nächsten Felseinschnitt laufen. Ich ließ ihn machen und suchte mir ein schattiges Plätzchen. Von Norden her stand die fette Bewölkung in den Startlöchern. Und bald war sie da. Es ging nun auf 16 Uhr zu. Leander wollte gern nochmal ins Wasser, ich hatte Hunger. Na gut, ein zeitlich limitiertes Bad und dann ab gen Norden und ins Restaurant! Wir fuhren mit etwas Proviant (ja, wirklich nur etwas; der Appetit auf die Fleischplatte sollte nicht verdorben werden!) nochmal an den Strand von neulich.
Das mit dem Essen sollte aber doch nicht so schnell gehen. Als alles trocken war, tauchte von Westen wieder etwas blauer Himmel auf. Zwar schien es so, dass der sich eher über dem Meer halten würde, aber wir waren ja nicht zum Spaß hier, und einen Versuch für den abfahrenden Ungarn-Nachtzug war es allemal wert. Wir fuhren an die lange Gerade vor Kaštel Tschuktschuk und warteten einfach mal. Tatsächlich wurde es zehn Minuten vor Zugdurchfahrt heller und heller, bis so etwa 50% Sonnenschein erreicht war. Bevor der Zug kam, griff aber der Siff von Land wieder auf die Sonne über.

Mit bischen vernünftiger Aufbereitung fand ich das Bild vom B 1205 dann doch noch ganz erträglich.
Ok, Satz mit X. Nun aber auf zum Abendessen! Wir kamen erstaunlich gut durch, und als wir hinter Plano die Serpentinen aufwärts rollten, war klar, dass wir genügend Vorsprung vorm Zug haben mussten. Die Sonne sackte nun unter die Wolkendecke. Da waren nur noch paar kleine Wolkenküddel in dem kleinen Spalt bis zum Horizont. Wir also bei den großen Dämmen Vollbremsung gemacht und auf den Felsgrat hoch. Sonne schien, Zug kam, Sonne verschwand, Zug durchs Motiv, Sonne kam weder. Denn merke: Auch kleine Wolkenküddel können große Scheiße anrichten...
So, nun aber Endspurt zum Essen. Weil es so schön am Weg lag und man dort schön draußen auf der Veranda saß, ging es wieder ins Kod Tome in Drniš. Für mich war klar, dass es die gemischte Fleischplatte sein musste. Und ich wurde nicht enttäuscht; die war richtig gut. Auch Leander war mit seinen gefüllten Paprikas sehr zufrieden. Gegen 21 Uhr waren wir wieder in der Bude.
Heute sollte wieder der österreichische NJ kommen. Und die Bewölkung. So war es dann auch. Der NJ war mit +37 im Zulauf, die Wolken waren schon da. Zwar gab es auch Lücken, aber besonders aussichtsreich sah das alles nicht aus. Wir wollten heute jedenfalls aus der schönen Ferienwohnung in Knin ausziehen und schon mal langsam nordwärts fahren. Nach einem kurzen Plausch mit der Vermieterin ging es nach Kaldrma.
Angesichts der Verspätung des Nightjets rechneten wir als erstes mit dem Y1 Bummelzug. Auf den wartete ich am BÜ. Als er schon längst hätte kommen müssen, tauchte auf der Straße ein weißer Bus auf, der Fahrer nahm mich zur Kenntnis, hielt an der Hauptstraße, hupte zweimal und schaute mich an. Ich machte eine verneinende und dankende Handgeste, er hob auch die Hand und der SEV-Bus fuhr weiter. Hätte ich auf dem Bahnsteig gestanden, hätte er mich gar nicht gesehen. Den Nightjet nahm ich nun wieder oben vom Hügel - diesmal ohne am Blinklicht hängenden Fotografen und mit vollständigen zwei Pappeln. Da die Lok "natürlich" auch wieder Heck voraus kam, war ich froh, nochmal die seitliche Perspektive gewählt zu haben.

Heute ist Donnerstag, Nightjet-Tag. NJ 1273 passiert den Hp Kaldrma.
Immerhin hatten wir volles Licht. Das war jetzt nicht mehr so selbstverständlich. Im weiteren Fahrtverlauf fuhren wir in ziemlichen Schlonz hinein. Mal dachte man, da könne noch was gehen, mal dann wieder nicht. Am Ende ließen wir den Zug fahren und warteten hinter Koprno auf den IC 520, der heute aber ebenfalls "lang voraus" kam und zu dem rechtzeitig das Licht weggegangen war.
Dazu gibt es ein Video.
So setzten wir uns in Prgomet auf einen Kaffee in die Amigo-Bar und überlegten die weiteren Schritte. Jetzt schien gerade mal die Sonne - allerdings auch nicht mit voller Intensität. Im Grunde waren wir hier durch. Man hätte vielleicht noch irgendein Gebäckstück an irgendeiner Pekara aufnehmen können, aber die nächsten Bäckereiverkäufe waren ein Stück weg, während wir hier praktischerweise direkt auf die Autobahn fahren konnten. Also los!

Nun waren wir auch mal in der Amigo-Bar zu Prgomet. Sie steht immer noch zum Verkauf. Wie schon 2022 und 2024...
Die Autobahnfahrt verlief entspannt - vielleicht bis auf die Tatsache, dass der Himmel im Norden immer schwärzer und bedrohlicher wurde. Hinterm Velebit Passtunnel "Sveti Rok" dauerte es nicht mehr lange, bis der Regen begann. In der Ličko Polje herrschte Starkregen. Es ging nur noch in Langsamfahrt voran. Unser Tagesziel war Kostrena bei Rijeka und wir wollten eigentlich nicht den großen Autobahnbogen, sondern ab Žuta Lokva die Landstraße runter nach Senj und dann die Küstenstraße fahren. Zum Glück sollte der Regen bald wieder nachlassen.
So führten wir unseren Plan also durch. Und irgendwie hatten wir ein Dejavu. Wie bei unserer Fahrt von Dalmatien in den Raum Rijeka im September 2022 erlebten wir auch diesmal einen gewaltigen Temperatursturz. Hatten wir in Dalmatien nachmittags Temperaturen von um die 35 Grad, fiel jetzt das Thermometer auf 13 Grad! Wir hielten erstmal an einer abzweigenden Nebenstraße, die einen tollen Blick auf Senj und die Inseln dahinter offenbarte, und zogen uns lange Klamotten an.

Oberhalb von Senj blicken wir auf die Landschaft der vorgelagerten Inseln.
Zurück an der Hauptstraße nach Senj gab es einige Gasthäuser. In Senjska Draga konnten wir in der Konoba Jozephina sehr lecker zu Mittag essen. Für mich gab es Hähnchenschnitzel mit einer leckeren Gemüsesauße und Kartoffelbrei, dazu einen Šopskasalat. So gestärkt gelangten wir durch Senj und entlang der Küste nordwärts. Vor Novi Vinodolski war die Zeit reif für ein kleines Verdauungsschläfchen, das wir an einem kleinen Strand in der netten, tief eingeschnittenen Bucht "Mala Draga" bei Povile abhielten, die wir auch fast für uns hatten.

Die Mala Draga bei Povile.
Auf der ab Novi Vinodolski und Crikvenica extrem vollen Küstenstraße ging es in den Endspurt. In Kostrena hatten wir uns für die verbleibenden zwei Nächte ein Apartment gemietet, zu dem wir eine Sackgasse steil aufwärts fahren mussten. Aus der Wohnung hatten wir sogar "Meerblick" auf den Kvarner. Da sollte man es wohl aushalten...
Inzwischen schickten die Italiener die nächste Regenfront rüber. Wir fuhren noch zum Supermarkt am anderen Ende des Ortes und besorgten bisken Fingerfood und Wein für einen gepflegten Hüttenabend. Nebenbei gab es auf der Glotze eine Führerstandsmitfahrt auf der Likabahn zu sehen.

Es ist mal wieder Hüttenabend!
Einschlafen in Kroatien, Aufwachen in Norwegen... Skandinavischer hätte die Stimmung beim morgendlichen Blick aus dem Fenster nicht gewesen sein können. Das war ganz klar der Ausblick über den Ranafjord irgendwo zwischen Dalselv und Bjerka, den man da vor sich hatte.

Blick aus der Wohnung auf die skandinavische Fjordlandschaft...

Kommt da ein Schauer direkt auf uns zu?
Wir ließen es ruhig angehen. Große Fotoambitionen hatten wir nicht. Die Überlegung war, irgendeine hübsche istrische Stadt zu besuchen. Und so zogen wir mal los. Bereits im Bereich von Šoići und Bakar fanden wir allerdings, dass man so einen Schlechtwettertag auch mal zum Kundschaften nutzen könnte. Das war ganz interessant; den Bahnhof Šoići, wo die ganzen Kesselwagenzüge hingehen, hatte ich mir noch nie näher angeschaut. Bakar besichtigten wir hingegen eher touristisch.

Der Erzhafen von Narvik? Nein, es ist der Erzhafen von Bakar, gelegen am engen "Fjord" Bakarski zaljev.

Hier führt sogar ein Tunnel in Form einer Betonröhre durch den Fjord. Die diente mal einem Werkverkehr, doch man möchte sie irgendwann begehbar machen.

Blick auf die Altstadt von Bakar.
Glück gehabt; der Regen setzte erst wieder ein, als wir schon wieder im Auto saßen. So ging es nun in Richtung Učka-Tunnel und Istrien. Über dem Kvarner zeigten sich nun größere blaue Flächen. Doch lieber Fotos an der Rijekabahn machen? Die Aufhellungen zeigten sich aber eher im Bereich der istrischen Küste. Rund um Škrljevo, also an der Bahn, war alles finster. So fuhren wir also durch den großen Tunnel, der jetzt vierspurig in Betrieb ist, nach Istrien. Auch dort waren paar überschaubare blaue Flächen am Himmel zu sehen. Mein Konzept wäre gewesen, in Lupoglav und Učka Bf zu schauen, ob Rail&Sea irgendwo aktiv ist. Leander wollte lieber einem Triebwagen hinterher, der gerade in Lupoglav abgefahren sein musste.
So blieben wir auf der Autobahn. In Borut wurde die Sinnlosigkeit des Unterfangens deutlich. Erstens hingen die Wolken vor uns schwer und schwarz am Himmel. Und zweitens stand da diese Stopfmaschine auf dem Streckengleis und stopfte. Das war ja nun schade für den Triebwagen. Der konnte nicht vorbei. Und weil das jemand vorher gewusst hatte, hatte man Schienenersatzverkehr bestellt. So gelangten wir nach Cerovlje, wo es zum Glück eine Abfahrt von der Autobahn gab. Denn rechtzeitig vorher sah ich einen Bauzug im Bahnhof stehen - mit Lok am Südende! Wir also schnell zum Bahnhof gefahren, wo wir natürlich genau in dem Moment eintrafen, als ein Sonnenstrahl verschwand. Erstmal sah das gar nicht gut aus am Himmel. Aber wir hatten Zeit. Tatsächlich zeigten sich bereits nach 5-10 Minuten wieder Aufrisse am Himmel, so dass wir die günstig stehenden Loks (denn es waren zwei!) knipsen konnten.

Ungewöhnliche Fahrzeuge stehen in Cerovlje an der Istrienbahn: Zwei rumänische Rangierloks im Bauzug-Einsatz. Die eine ist 81 0865.

Die blauweiße Lok hat eine tschechische Nummer: 748 535. Sie steht an einem Umbauzug, an dem gerade rumgewerkelt wurde.
Und vom Bahnhofsvorplatz machte es wieder "möp-möp". Ja ja, wenn der Schienenersatzverkehr zweimal trötet... Wir wollten nun das von mir vorhin vorgeschlagene Alternativprogramm angehen und im Bereich Lupoglav / Učka Bf schauen, ob sich der R&S-Zug irgendwo herumtreibt. Nach dem Wolkenloch-Erfolg eben wurde man ja übermütig und sah den stehenden R&S-Zug auch schon irgendwo im Spotlight vor schwarzen Wolken. Im Geiste jedenfalls. Erstmal herrschte aber wieder Weltuntergang und wir fuhren langsam durch heftigsten Regen, gegen den der Scheibenwischer auch im schnellsten Gang fast nicht ankam.

Zwischen Cerovlje und Borut arbeitet eine Stopfmaschine. Jungs, gleich wird es nass!
Der Bahnhof Lupoglav war leer - ebenso die Ladestelle am Bf Učka an der Rašabahn. Kein Güterzug weit und breit. So konnten wir zum nächsten Programmpunkt aufbrechen. Im weiteren Verlauf der Rašabahn hatte es bekanntlich einen Dammrutsch gegeben, der etwaigen punktuellen Verkehren den endgültigen Garaus gemacht hatte. Das "in der Luft hängende" Gleis wollten wir uns nun mal anschauen. An der Nebenstraße unterhalb der Stelle bot ein Bauer sogar Parkplätze an, weil dort ein steiler Pfad zu der Stelle hochführte. Wir fuhren aber lieber zum BÜ am Kirchlein Sveti Križ und liefen auf dem Gleis dorthin. Plötzlich kam die Sonne immer mehr heraus und es wurde heftig warm. Warum hatten wir nochmal die langen Hosen an? Die Abrutschstelle war eindrucksvoll, aber in der Luft hingen nur wenige Schwellen.

An der Rašabahn hatte ein Dammrutsch zwischen den Bahnhöfen Kožljak und Šušnjevica für das Ende jeglicher Verkehre gesorgt.

Kleiner Neigungswechsel...

Achterbahn.

Sveti Križ vor der imposanten Učka-Bergkette.
Die zunehmende Sonne törnte uns an, nach den nächsten Zugfotomöglichkeiten zu schauen. Da war der 14:30-Bummelzug ab Pazin. Der war zwar eigentlich nicht mehr zu erreichen, doch rechneten wir mit einer gewissen Verspätung, da er warten musste, bis der SEV auf dem Vorplatz zweimal trötet. Wir gingen auf Risiko. Ich kannte ein Motiv westlich von Pazin an einem BÜ bei Sarčija, das ich schon länger auf der Liste hatte. Leider werden gerade überall die BÜs mit neuer Technik ausgerüstet, aber der neue weiße Schaltkasten ließ sich immerhin gut verbergen. Wir kamen rechtzeitig; eine Abfahrt Pazin war noch nicht gemeldet. Aber es war ja nun nicht so, dass nur noch Sonne gewesen wäre. Erst standen wir in der Sonne, dann länger im Dunkeln. Dann kam das Licht langsam und zögerlich von hinten wieder. Bald wurde auch der Motivvordergrund hell. Nun war der Zug zu hören. Gaaanz langsam zog der beschienene Abschnitt auf das Motiv zu. Am Ende würde ich sagen: Ja, Glück gehabt!

Pu 4709 hat Pazin verlassen und erreicht bei Sarčija den Sonnenschein.
Wenn man den Blick in den Himmel ringsum warf, konnte man eigentlich sagen: Ok, so einen Dusel haben wir eh kein zweites Mal. Gehen wir zum gemütlichen Teil über. Doch von Leander kam nur die Frage, ob wir dem Zug hinterher fahren oder wo wir uns für den Gegenzug postieren. Wir fuhren auf die Autobahn und ich schaute nach Möglichkeiten. In Kanfanar sollte das Licht im Bahnhof gut stehen. Der Bf Kanfanar geht immer! Es konnte bloß sein, dass der Gegenzug ungünstig stand.
Erstmal mussten wir aber durch die Mautstelle an der kleinen, unbedeutenden Abfahrt Žminj. Und da war eine Schlange. Das erste Auto kam mit der Bezahlmaschine gar nicht klar. Der Fahrer vom zweiten musste helfen. Das dritte Auto betätigte die Sprechtaste, ach du sch... Aber nach paarmal hin und her über die Sprechanlage ging für ihn die Schranke auf. Einfach so. Leider haben wir das Losungswort nicht verstanden... Der Gegenzug stand tatsächlich etwas doof, da der aber als erstes abgefertigt wurde, konnten wir die Kreuzung topp umsetzen. Ja, und die Sonne schien auch!

Im Bahnhof Kanfanar kreuzt Pu 4709 (rechts) mit Pu 4708.
Wurden wir jetzt übermütig? Für den nächsten Südfahrer suchten wir an verschiedenen Stellen, landeten aber letztendlich am Hp Heki Tovarište. Das Hp-Ensemble war nett, mit den neuen BÜ-Anlagen musste man sich arrangieren. Und den wohl 10m hohen und 100m langen Schotterberg östlich des Hp konnte man aus dem Ausschnitt halten. Die Wolkenstimmung war bestialisch. Die Sonne schien. Wir rechneten auch wieder mit Verspätung wegen Anschluss SEV in Pazin, doch nahmen wir erfreut zur Planzeit sich nähernde Zuggeräusche wahr. Das konnte topp werden. Doch dann tauchte plötzlich von rechts ein LKW auf, der natürlich artig vorm BÜ stehen blieb. Na toll, der brachte den ganzen geplanten Bildaufbau durcheinander...

Pu 4711 erreicht den Hp Heki Tovarište vor schwarzen Wolken und wird dort von einem Vater mit seinem Sohn empfangen. Der Bereich rechts des roten Häuschens mit der abknickenden Straße, dem auf der Straße stehenden Baum und dem in Richtung Acker zeigenden Blinklicht ist ziemlich sinnbefreit und nicht echt. Besser hat die KI den blöden LKW nicht wegbekommen...
Grummelnd fuhren wir dem Zug nochmal hinterher. Da hat man mal wirklich eine topp Situation und dann kommt so ein blöder LKW... Für das zweite Bild wählten wir die Gerade südlich von Kanfanar. Zum Zug wurde das Licht allerdings etwas gedimmt. Anschließend setzten wir uns noch etwas ins Gras, bevor wir den 18-Uhr-Zug evtl noch bei Galižana machen würden. Doch von Westen zogen nun massive Schleierwolken auf. Da ging nichts mehr. Es war nun 17 Uhr und wir hatten entgegen unserer Erwartung ganz ordentlich Zugfotos machen können. Da konnten wir hochzufrieden sein - auch mit dem blöden LKW-Schaden.

Nun passiert Pu 4711 das südliche Vorsignal von Kanfanar.
Weiter nördlich war es dann auch komplett bewölkt, so dass man gut in Richtung Bude fahren konnte. Eigentlich wäre am letzten Abend nochmal ne zünftige Fleischplatte in irgendeinem Restaurant fällig gewesen, doch hatten wir in der Bude noch massig Reste an Salami, Käse usw, so dass wir einen weiteren Hüttenabend bei einer weiteren Flasche Wein angingen. Als wir nach 22 Uhr schauten, wie lange man zum Flughafen braucht, wurde uns ein riesiger Stau von der Autobahn bis zum ersten Kreisverkehr auf Krk angezeigt. Abends um 22 Uhr! Ok, Freitagabend, alle wollen auf die Insel. Ob das eine gute Idee war, den Flughafen auf Krk zu bauen?
Abreisetag. Sonst nichts. Um 5:30 ging es aus den Federn. Die Rotausleuchtung auf der Straße nach Krk war zum Glück verschwunden. Nach einem Käffchen wurden letzte Sachen gepackt und los ging es. Wir kamen gut durch und die Formalitäten klappten reibungslos. So gab es hinter der Sicherheit noch ein Käffchen. Der Flieger war pünktlich im Zulauf, musste aus unbekannten Gründen aber noch eine Ehrenrunde drehen. Dennoch kamen wir fast pünktlich los.
Über dem Kvarner herrschte wieder feinster Sonnenschein. Tja, hätte man das vorher gewusst, hätte ich den Abendflug nach Hamburg genommen. Aber ich hatte nunmal jetzt die Verbindung mit Leander via Stuttgart gebucht. Irgendwie hatte ich keine Lust, erst mitten in der Nacht zuhause zu sein. Der Flug war toll. Zunächst ging es über Krk, dann Istrien (Kanfanar war klar zu erkennen), dann sah man in der Ferne Venedig. Besonders imposant war der Flug über die Alpen. Man konnte irre weit schauen. Faszinierend fand ich, wie in diesem Hochgebirge einige Berggruppen nochmal extra herausragen. Unten sah man Bozen, Landeck und später Biberach und zum Schluss Plochingen.

Ganz links sehen wir Meran.

Blick Inntal aufwärts in Richtung Landeck und Arlberg.
Der Stuttgarter Flughafen ist von der Gastroseite extrem enttäuschend. Insgesamt fand ich nur drei Fressbuden und kein einziges Restaurant. Da hat selbst unser Dorfflughafen in Hamburg ja deutlich mehr! Nun ja, dann gibt es halt erst zuhause wieder was. Für den Anschlussflug wurde schon eine Viertelstunde plus gehandelt. Es sollte noch deutlich mehr werden.
Wir kamen auch noch auf einer Außenposition an. Der Bustransfer dauerte und das mit den Koffern dauerte nochmal viel länger. Letztendlich bekam ich die S-Bahn um 14:42; tolle Wurst. Aber das war noch nicht des Dramas letzter Akt. In Berliner Tot war wieder bahnsteiggleiches Umsteigen angesagt. Der eingleisige Abschnitt für die Wende in Berliner Tor beginnt auf halbem Wege zwischen Landwehr und Berliner Tor. Wir standen ewig am Haltepunkt Landwehr. Direkt vor meinem Fenster lag eine Taube auf dem Bahnsteig, der es wohl nicht so gut ging. Vermutlich hatte sie was falsches gegessen. Sie lag quasi in ihrem eigenen Saft. War das eklig. Dann kam auch noch jemand, der rücksichtslos mit seinem Rollkoffer fast über sie rübergefahren wäre. Vor lauter Schreck sprudelte wieder ein größerer Schwall Glibber aus ihr raus. Ich kann ja keine Tiere leiden sehen, auch Tauben nicht... Der mit dem Rollkoffer hat dafür jetzt Taubenglibber an seinen Rädern; es sei ihm gegönnt.
Bald kam eine Gegenbahn und wir durften abfahren. In den eingleisigen Bereich hinein? Natürlich nicht! Davor standen wir auch nochmal mindestens fünf Minuten, bis eine weitere Gegenbahn kam. Immerhin haben die Durchsagen der S-Bahn Hamburg mit "Moin moin liebe Fahrgäste..." einen gewissen Charme und erklären, was Sache ist. Ok, Umsteigen Berliner Tor klappte gut. Danach konnte ich beobachten, wie eine S-Bahn im Gegengleis nach Hammerbrook ausfuhr. Hmmm, ist das gut? Die Antwort erhielt ich am Hbf drüben an Gleis 3/4. Auf der Harburger S-Bahn war leider ein Zug liegengeblieben. Da fuhr erstmal nichts. Man wendete in Hammerbrook oder Bergedorf...
Gerade hatte ich mir einen ICE mit Halt in Harburg ausgesucht, da fuhr eine S-Bahn mit Ziel Harburg ein. Über Lautsprecher wurde bekanntgegeben, dass der Zug tatsächlich nach Harburg führe; der liegengebliebene Zug sei weg. Da der ICE erst in einer Viertelstunde fahren würde, stieg ich in die S-Bahn. Die fuhr dann auch. Irgendwo hinter Hammerbrook ging allerdings die Lüftung aus. Hmmm. Der Zug rollte in den Hp Elbbrücken und es kam die Durchsage, dass der Schadzug doch noch da irgendwo stände und dass dort Personen in den Gleisen rumlaufen. Deshalb sei der Strom ausgeschaltet worden.
Ok, das konnte dauern. Ich wollte nur noch nach hause und sah, dass unweit der Station ein Miles-Auto stand. Ich habe es kurzerhand reserviert und bin damit los. Da musste ich wegen Sperrungen auch noch zwei blöde Umwege fahren und war echt ein kleines bischen in Brass. Sollte man beim Autofahren nicht sein. Da kam nämlich dieser Abschnitt, wo alle achtzig fahren, weil man da achtzig fahren darf. Alle? Nein, die beiden rechten Spuren, die in einem Kilometer mal zur Seite weg abbiegen, sollen bitteschön nur mit 60 befahren werden! Da wurde als Andenken für diesen schönen Nachmittag auch noch ein Foto von mir angefertigt. Mal sehen, was Miles da noch aufschlägt...
So kam ich grummelnd auf meinem Wilstorfer Hügel an, auf dem Miles auch noch einen Parkzuschlag von 3€ eingeführt hat, weil der so abseits liegt. Der Laden kann sich künftig auch gehackt legen. Ich glaube, ein sonniger Tag am Kvarner wäre heute definitiv die bessere Alternative gewesen. Andererseits war ich wirklich froh zuhause zu sein...
Nun hatten wir fast zwei Wochen "schönes Wetter", wie es der Volksmund sagen würde. Das war grundsätzlich schon mal schön, zumal an den Tagen mit mehr Wolken doch noch einiges ging. Dafür hatten wir an schönen Tagen aber auch paar ärgerliche gezielte Wolkentreffer. Und so würde ich das Fazit ziehen: Auf dieser Tour lagen Höhen und Tiefen sehr dicht beieinander. An einigen Stellen hatten wir ja schon ziemlich blödes Pech; ich glaube, mindestens dreimal haben wir es geschafft, dass der gewünschte Zug in dem Moment kam, wo wir aus dem Auto stiegen. Die Baureihe 342 in Slowenien zog entweder beschmierte Wagen oder die Wolken an. Das war vielleicht das enttäuschendste Thema. Etwas schade war auch, dass wir in Dalmatien nur einen einzigen Tag mit Güterverkehr hatten. Und die dortigen Nachtzüge mochten mich hinsichtlich Lokstellung mal wieder gar nicht. Denn man hat schon mehr von den reinkommenden Nachtzügen morgens.
ABER: Der Urlaub hatte auch einige Aspekte, die besonders gut gelaufen sind. An der Koperbahn kam es mir vor allem um (hauptsächlich Drohnen-)Motive in Podpeć an. Wie häufig hatte ich auf vorherigen Touren dort mal gestanden und mich gefragt, wie man denn diese geniale Ortskulisse umsetzen könnte. Ich weiß nicht, ob es das Bushäuschen noch nicht so lange gibt oder ob man einfach so "artig" war, nie auf den Gedanken gekommen zu sein, dort hochzusteigen. Mit den 4-5 Bildern von Podpeć bin ich nun sehr zufrieden. Besonders der Abend mit den drei passend kommenden fotogenen Güterzügen hat mich einen dicken Haken an das Motiv machen lassen, auch wenn der Wunsch da wäre, dort nochmal mehr zu machen. Aber das könnte schwierig werden, wenn tatsächlich nächstes Jahr nur noch Abwärtsfahrer vorbei kommen... Aber wie gesagt: Man hat es jetzt!
Weiterhin deutlich positiv hervorzuheben ist, dass unser "heimliches Tourziel", der Olimpik-Ekspres im Unatal, an den dafür idealen Tagen Freitag und Samstag so topp aufgegangen ist. Das Wetter hat gepasst und paar schöne Motive hat man der zugekrauteten Piste ja doch abluchsen können. Und als dritten positiven Höhepunkt möchte ich den einzigen Tag mit Güterverkehr in Dalmatien hervorheben. Dass der Güterzug nur einmal kam, machte er durch eine zeitlich absolute Topp-Lage wett, so dass wir eine ganze Reihe hervorragender Bilder von dem schönen rotweißblauen Lokdoppel mit seinen sauberen (!) Zementwagen machen konnten. Ebenfalls richtig Glück war, dass wir zufällig die letzte Woche des planmäßigen Verkehrens von lokbespannten ICs Split - Zagreb erleben konnten und dass uns gerade am Sonntag die Züge 522 und 523 mit richtig gedrehter Lok beglückt haben. Und dann noch der letzte Tag in Istrien; der war ja auch unbedingt auf der Habenseite zu verbuchen.
Ok, ein Absatz negativ, zwei Positiv ;-), ich glaube, wir können mit der Tour und mit den vielen Haken an verschiedene Wunschaspekte hochzufrieden sein. Und ich glaube, ich habe selten eine Balkanrunde derartig abwechslungsreich empfunden. Danke an Leander fürs sichere Kutschieren! Und mehrmals für den Šopskasalat :-)