Autor: Jan-Geert Lukner. Alle Rechte am Text und an den Bildern liegen beim Autor.
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Eigentlich hatte ich immer gehofft, das "Gebirge mit drei Zügen" nochmal aufsuchen zu können. Paar Motive waren nach dem bisher einzigen Besuch in 2018 dort durchaus noch offen geblieben. Die Rede ist vom Maramureș-Gebirge und von der Bahnstrecke Salva - Sighetu Marmației. Die Strecke führt durch tolle Landschaft über viele imposante Viadukte. Doch genau die sind das Problem. Sie sind extrem überholungsbedürftig. Der früher hier alle paar Wochen verkehrende Holzzug darf die Strecke nicht mehr befahren. Und im Jahr 2024 gingen die Gerüchte hin und her zwischen Stilllegung der Strecke oder Umstellung der verbleibenden paar Züge auf leichte Triebwagen. Nachdem ab Fahrplanwechsel im Dezember 2024 die Strecke nicht mehr im Kursbuch enthalten war, dachte man "Schade, das war es nun".
Doch die paar CFR-Personenzüge, darunter der "Nachtzug", also ein Regio mit zwei durchgehenden Wagen auf einen Nachtzug nach Bukarest, fuhren weiter. Tag für Tag tauchten sie auch nach Planwechsel in der Online-Auskunft auf. Bald schien es klar: Sie fahren weiter. Irgendwo hieß es, man wolle sie fahren lassen, bis der Verkehr durch irgendeinen Betreiber mit leichten VTs übernommen werden kann. Und so wurde der Wunsch dringlicher und dringlicher, dass man dort nochmal hinfährt. Und weil die drei fotografierbaren Züge auf dem imposantesten Teil alle in Tagesrandlage verkehren, erschien eine Reise an den längsten Tagen des Jahres ratsam. So fingen Dennis und ich an, die Tour zu planen.
Tja, heute war seit langem mal wieder in Norddeutschland der zweite schöne Tag in Folge, aber man konnte es nicht nutzen. Wir konnten nur hoffen, dass das Wetter im Urlaub passen würde und wir tatsächlich das höchstpriorisierte Zielgebiet beackern können. Entspannt ging es mit der S-Bahn zum Flughafen, wo Einchecken und Sicherheit völlig unaufgeregt vonstatten gingen. Das wurde erstmal wieder mit dem obligatorischen Frühstück belohnt.
Ihr habt doch nicht erwartet, dass ich dieses Bild weglasse? ;-)
Der Flug eine Stunde zuvor war mit +60 veranschlagt, bei meinem startete das Boarding pünktlich.
Ich hatte die ganze Reihe für mich. Das war schon mal edel. Tatsächlich starteten wir auch pünktlich. Das ist ja auch nicht mehr so selbstverständlich. Nach einer kleinen Schleife hatten wir einen topp Ausblick auf den Hamburger Hafen. Da das absehbar war, hatte ich die Kamera schon in der Hand.
Da unten sind wir gestartet. Blick auf den Flughafen Fuhlsbüttel mit den markanten sich kreuzenden Landebahnen.
Blick über den Hamburger Hafen. Zu sehen sind alle vier größten Containerterminals.
Ansonsten war es einfach ein herrlich angenehmer Flug. In den kurzen wachen Momenten sah ich unten Munster, Salzgitter, Goslar und den beginnenden Harz, später mal Saalfeld (ich musste erst überlegen, aber die Bahnhofsanlage mit den Streckenverzweigungen und die Straßenbrücke waren eindeutig, Unterwellenborn war auch noch zu sehen). Später dann Kehlheim mit der markanten Mündung der Altmühl und dem Denkmal (das war es, was ich noch von meiner Zugfahrt nach Kehlheim in Erinnerung hatte; ist schon büschen her..., aber die Verifizierung per Karte ergab "true").
Hinter mir war ein Ehepaar, das den ganzen Flug mit ziemlich durchdringender Stimme am palavern war. Da kam selbst Powerwolf über Kopfhörer nicht immer gegen an, zumal die Kopfhörer beim Ausblenden der Umgebungsgeräusche mit durchdringenden Stimmen auch so ihre Probleme haben. Beim Landeanflug ging es über paar Baggerseen mit Badenden (Marzlinger Weiher, Stoibermühlsee). Sie fragte daraufhin ihn, ob das die bekannten bayrischen Seen wären...
12 Minuten kamen nun also zu meinem eh schon langen Aufenthalt hinzu. Ich zog schon mal zum Bereich der K-Gates, wo ich mich in einem leeren Gatebereich hinsetzen konnte. Um 13 Uhr war Dennis auch eingetroffen. Wir konnten schon mal Pläne schmieden, wie wir all die Motive mit den wenigen Zügen, vor allem mit dem abendlichen Nachtzug, umgesetzt bekämen. Da wir uns einig waren, dass die Maramureș-Eisenbahn höchste Prio genoss, buchten wir schon mal bis Mittwoch eine kleine Wohnung im Hanul Tentea, dem netten Gasthof auf der Passhöhe des Șetrefpasses zwischen Dealu Ștefăniței und Săcel. Dass man dort gut essen kann, ist mir ja bekannt.
Und wieder ging es ausgesucht pünktlich los. Faszinierend! Es geht also. Der Flieger war restlos ausgebucht. In der Reihe hinter mir muss es eine Doppelreservierung gegeben haben. Zwei Leute, die denselben Platz gebucht hatten. Dass sowas überhaupt möglich ist, hätte ich nicht gedacht. Irgendwo konnte Platzinhaber Nr2 dann aber doch noch untergebracht werden. Nach dem Start gab es einen schönen Blick über die Alpen und auf die Seen des Salzkammergutes. Später konnte man den Balaton in der Ferne ausmachen.
Ungarn ist auch aus der Luft laaaangweilig. Irgendwann tauchten in der Ferne die rumänischen Berge auf. Wir nahmen direkt Kurs auf Oradea. Ich lästerte, dass wir uns dann ja gleich vom Baufortschritt auf der Kreischtalbahn überzeugen könnten. Baufortschritt, haha! Wir sind auf dem Balkan! Die Strecke ist ja erst anderthalb Jahre geschlossen; was soll in dieser Zeit passiert sein? Bald sahen wir auf Aleșd zu das breite, hell leuchtende Band der Nationalstraße. Der kleine Strich in der Landschaft daneben musste wohl der Bahnkörper sein. Mittlerweile sicher völlig überwuchert.
Doch Moment! Warum sind da eigentlich gar keine Autos zu sehen? Und die Nationalstraße - die verläuft hier ja auf der anderen Seite des Sees! Das breite helle Band war doch glatt die neue Bahntrasse! Auch im weiteren Streckenverlauf durch das Kreischtal war es immer wieder mit Unterbrechungen zu sehen. Es könnte der Bahnhof Poieni gewesen sein, wo es so aussah, als ob da schon neue Mittelbahnsteige ständen. Auch auf der gewundenen Passquerung östlich Huedin leuchtete das helle Band des neuen Planums aus der grünen Landschaft hervor.
Nur mal eine Vergrößerung aus einem schlechten Handybild: Ja, das ist ganz klar Poieni da unten.
Diesmal hatten wir das Auto mal bei keinem der billigen Hinterhofkrauter gemietet, sondern über Check24 bei Avis. Das war total kurios. Bei den kleinen Krautern hätte man zum Teil für einstellige oder niedrige zweistellige Eurobeträge mieten können. Das war uns alles zu suspekt. Und auf die Nerverei mit dem Transfer hatten wir auch keine Lust. Gebucht hatten wir einen Dacia Duster Automatik.
Natürlich war die Avis-Buzze die am stärksten nachgefragte, und das dauert ja auch immer. Aber am Ende erhielten wir einen schönen Ford Kuga Hybrid, mit dem wir dann auf Reisen gehen konnten. Wir hatten natürlich einen kapitalen Fehler bei der Flugbuchung gemacht. Mit unserer Verbindung kamen wir rund zwei Stunden zu spät für das Abendprogramm auf der Zielpiste. Da hätte man wohl besser die frühe Verbindung genommen. Aber ich glaube, das wäre sehr früh ab Hamburg gewesen. Konnte ja auch keiner ahnen, dass ausgerechnet am Anreiseabend schönstes Wetter ist. Das war wieder mal typisch...
Der Nachtzug kam uns bei Salva unfotografiert entgegen. Da war kein Licht mehr. Wir sahen nun zu, dass wir zum Ziel kämen. Wir hatten uns sehr auf ein Abendessen in dem schönen Gasthof gefreut, aber 20 Uhr war schon durch und wir mussten langsam bibbern, ob man überhaupt noch etwas bekommt. Als wir gegen 20:45 eintrafen, wurden wir direkt gefragt, ob wir noch essen wollen und der Koch wurde nochmal mobilisiert. Das war schön. Wir aßen sogar draußen, obwohl es nun ganz schön frisch wurde.
Piept de Pui unter lecker Gorgonzolasauße mit gegrilltem Gemüse auf der Veranda des Hanul Tentea. Wir sind angekommen!
Erst nach dem Essen bezogen wir unsere "Wohnung". Da waren wir nun leider mega ernüchtert. Es waren lediglich zwei Schlafzimmer. Kein Kühlschrank, kein Kaffeekocher und abgesehen von einem Holzschemel nichtmal eine Sitzgelegenheit. WLAN war ebenfalls Fehlanzeige. Dafür gab es Dauerbeschallung mit dem Gedudel aus dem Restaurant und einen für rumänische Verhältnisse gesalzenen Preis. Wieder mal bestätigte es sich, dass man erstmal maximal zwei Nächte buchen sollte, wenn man den Laden nicht kennt. Neeervig!
Rechtzeitig zum Nachtzug klingelte der Wecker. Als wir noch vor sieben Uhr das Haus verließen, geschah das durch das Fenster der Gaststube. Unser Zimmerschlüssel passte bei allen drei Außentüren zwar ins Schloss, ließ sich aber in keinem drehen. Wie die sich das wohl im Brandfall vorstellen? Mal sehen, ob wir dafür heute Abend noch nen Spruch bekommen, denn das Fenster konnten wir von außen natürlich nicht komplett schließen.
An dieser Stelle möchte ich die Strecke, die unser Haupt-Wunschziel ist, nochmal etwas näher skizzieren. Eine Kartenskizze hatte ich 2018 bereits angefertigt: Karte. Die KBS 409 Salva - Sighetu Marmației besteht aus mehreren, völlig unterschiedlichen Entwicklungsabschnitten. Ziel war immer die Anbindung des Maramureș-Becken mit der 33-tsd Einwohnerstadt Sighetu Marmației. Die ursprüngliche Anbindung fand durch das Theißtal in einem Bogen um die nordwestlichsten rumänischen Karpatenausläufer herum statt. Aufgrund der Grenzveränderungen nach den Weltkriegen führt besagter Bogen heute nun über ukrainisches Staatsgebiet, so dass man sich entschloss, eine Anbindung über das Gebirge hinüber zu bauen.
Wenn man heute von Salva kommt, geht es stramm aufwärts. Hinter Telciu befährt man den besagten verbindenden "Neubauabschnitt" mit zahlreichen Tunnels und Viadukten, der 1949 eröffnet wurde. Höchster Punkt ist der 2388m lange Passtunnel auf etwa 700m Höhe unter dem Șetrefpass. In Vișeu de Jos endet der Neubauabschnitt. Man hat hier die ehemals nur über das Theißtal angebundene Stichstrecke Valea Vișeului – Borșa erreicht, die heute zwischen Vișeu de Jos und Borșa stillgelegt ist. Auf dieser geht es nun nordwärts bis ins Theißtal nach Valea Vișeului, wo die Theißtalbahn Sighetu Marmației – Iwano-Frankiwsk erreicht ist. Der Fluss Tisa / Theiß bildet heute die Grenze zur Ukraine. Die Bahn im Theißtal ist entsprechend breitspurig, zwischen Valea Vișeului und Sighetu Marmației (und ungenutzt weiter bis Câmpulung la Tisa) allerdings als Vierschienengleis ausgelegt. Die Breitspur wurde auch vor dem Ukrainekrieg auf diesem Abschnitt schon nicht mehr genutzt. Die Züge der KBS 409 müssen alle in Valea Vișeului die Fahrtrichtung wechseln, da es geradeaus bald in die Ukraine ginge. Durch das Theißtal wird in westlicher Richtung Sighetu Marmației erreicht.
Der Zugverkehr ist äußerst dünn. Von Salva bis Vișeu de Jos verkehren zwei Zugpaare, von denen ein Zug mitten in der Nacht rollt. Von Vișeu de Jos bis Sighetu Marmației kommen zwei, an Schultagen drei Zugpaare hinzu, von denen allerdings nur ein Paar (anderthalb an Schultagen) bei Tageslicht verkehrt.
Da wir noch nicht groß zum Kundschaften gekommen waren, stand ein bekanntes Motiv an: Der große Viadukt von Romuli. Ich hatte ihn 2018 schon topp bekommen, Dennis war hingegen nicht so zufrieden, weil er bei seiner Tour in 2019 nur einen Einwagenzug bekommen hatte. Zunächst versuchten wir den von damals bekannten Zugang von der Hauptstraße und über das Gleis. Bis zum Gleis kamen wir auch. Doch dahinter befand sich ein massiver hoher Zaun mit Stacheldrahtkrone. Da fand man unrumänischerweise auch kein Loch.
Somit ging es wieder runter und mit dem Auto rum ins Seitental. Hier waren vor dem Fotohang halt nur Privatgrundstücke. Schwierige Lage. Ein Grundstück war immerhin nicht mit der hier sonst üblichen Mauer gegen den Rest der Welt abgeschirmt. Da liefen wir mal rein, kamen aber bald zum Wohnhaus. Zahlreiche Hundestimmen hatten uns schon deutlichst angekündigt. Zum Glück war da dann auch jemand, den wir fragen konnten, nachdem er uns darüber aufgeklärt hatte, dass wir uns auf seinem Grund befänden. Er war ganz nett, verstand auch sofort, was wir wollten und beklagte sich darüber, dass andere Fotografen ihn nicht vorher fragen würden. Uns wies er den Weg über einen niedrigen Elektrozaun hoch zum Hang. Das war dann auch alles sehr schön da. Ich fand sogar noch eine andere, seitlichere Perspektive als vor acht Jahren. Interessant fand ich, wieviel sich auch hier oben im Laufe der Jahre verändert hat. Der Funkmast, den wir damals gerade so hinterm rechten Bildrand ausblenden konnten, war verschwunden (und damit wohl auch der Zugang vom Gleis zur Wiese). Der Zug, der erst noch pünktlich ins Tal aufgebrochen war, machte es dann mächtig spannend. Er hatte bei uns bestimmt +10.
Der große Viadukt von Romuli. Den Zug, den wir hier 2018 fotografiert hatten, gibt es nicht mehr. Aber der R 4112 mit den Nachtzug-Kurswagen aus Bukarest, der damals unfotografierbar früh (ca 4 Uhr) hier entlang kam, liegt heute etwa eine Stunde vor dem damals fotografierten Zug.
Das war ja schon mal schön. Nach dem Abstieg und dem Abschied von den diversen Hunden ging es dem Zug hinterher, allerdings nicht für den Zug selbst, sondern für dessen Gegenzug in der Ausfahrt Leordina.
Die Ausfahrt für R 4112 steht im Hintergrund noch, während R 4652 nach Vișeu de Jos den Bahnhof Leordina verlässt. Die Holzverladeanlage links ist komplett verwaist.
Wir versuchten eine kleine Verfolgung, aber da wir an den diversen BÜs immer wieder den Zug vorlassen mussten, wollte das Konzept nicht so recht glücken. In der Einfahrt Vișeu de Jos fehlte uns nur eine Minute; wir trafen zeitgleich zum Zug ein. Eigentlich hatten wir das auch gar nicht so auf dem Zettel, weil zur Ankunft des Zuges absolutes Spitzlicht herrscht. Aber in der Einfahrt dreht die Strecke etwas; das hätte uns gereicht.
Nun denn, es ist ja wie es ist. Der vormittägliche Zugverkehr war nun beendet. Wir beschlossen etwas zu kundschaften. Dafür ging es nach Valea Vișeului, wo gerade das ganze Dorf in festlicher Kleidung, teils sogar in Trachten, zur Kirche strebte. Am Wegesrand wurde diese oder jene Fotomöglichkeit im Geiste abgespeichert. Der schöne Blick auf die doppelten Einfahrsignale von Sighet vom Hang aus hatte sich relativ unproblematisch finden lassen. Das hatte den Wunsch geweckt, heute ausnahmsweise auch einmal den Hochlichtexpress zu fotografieren und an dieser Stelle mitzunehmen. Ausnahmsweise, hahaha... :-)
Bis dahin war noch viel Zeit. Allerdings würde man nun keine so ausgedehnte Mittagspause machen können. Da wir kein Frühstück hatten, sollte es aber irgendwas zu Mittag geben. An der Straße von Petrova nach Sighet fanden wir ein nettes kleines Waldlokal, wo wir auch um 11:30 schon Gegrilltes mit Pommes bekommen konnten. Das tat gut. Rechtzeitig zum Hochlichtzug kehrten wir ins Vișeutal zurück und erwarteten den Zug zunächst in Bistra.
Am Ortsrand von Bistra quert R 4655 die Vișeu. Der Bahnübergang wird von einem Posten an der Straße nach Petrova gekurbelt.
Dann suchten wir das Motiv in der Ausfahrt von Valea Vișeului nach Sighet auf. Im Dorf überholten wir die festlich gekleideten Leute auf ihrem Rückweg von der Kirche. Paar ganz in rosa gewandete ältere Damen beäugten uns etwas misstrauisch, als wir gerade parkten, störten sich dann aber nicht weiter an uns. Weiter oben auf der sicherlich auch in irgendeiner Form privaten Wiese standen wir ungestört. Tja, und drüben auf der anderen Seite der Theiß? Es sah alles so friedlich aus. Man mochte es kaum glauben, dass hinter dem Fluss ein Land im Kriegszustand lag.
Einfahrt in den Bahnhof Valea Vișeului. In den Bahnhöfen liegen Normalspur- und Breitspurgleise separat und werden erst zur Strecke hin zum Vierschienengleis verschlungen. Die Gleise ganz rechts sind die Breitspur. Sie sehen noch recht frisch aus, weil man 2022 in einer Presseveranstaltung aus Solidarität mit der Ukraine den Schienen-Grenzübergang von Valea Vișeului ostwärts wieder in Betrieb genommen hatte. Wikipedia zufolge soll dann tatsächlich ein regelmäßiger Verkehr über die Grenze im ersten Quartal 2023 stattgefunden haben, dann aber bald wieder eingestellt worden sein.
Trotz des Hochlichtes habe ich mich über das nun folgende Bild sehr gefreut, denn das Motiv mit den Esigs stand schon sehr hoch auf meiner Wunschliste. Und nur dafür würde man ganz sicher nicht extra nochmal an kürzeren Tagen herkommen. Tatsächlich haben wir dort etwas ganz Besonderes hinbekommen. Die Sonne stand 65,5° hoch. Das ist der absolut höchste Lichtstand, der in diesem Abschnitt des Theißtales möglich ist. An keinem anderen Tag im Jahr und zu keiner anderen Minute des Tages wird ein höherer Wert erreicht! Das ist doch lustig. Und was soll ich sagen - das Bild gefällt mir trotzdem, denn die Zugseite leuchtet hervorragend und - hey! - das ist das Licht des Sommers! ;-)
Nach Fahrtrichtungswechsel verlässt R 4655 den Bahnhof Valea Vișeului auf dem Vierschienengleis der Theißtalbahn. Vor der Brücke sind die Einfahrsignale des Bahnhofs zu sehen. Das hohe gilt für die Normalspur und das niedrige für die Breitspur. Die Häuser drüben am anderen Talhang gehören zur Ukraine.
Und nun? Weiter kundschaften. Das war dann auch unsere hauptsächliche Nachmittagsbeschäftigung. Ja da ging schon einiges. Wir konnten nur hoffen, dass uns die Wolken vor allem abends in Ruhe lassen. Letztendlich setzten wir uns an einem Viadukt zwischen Săcel und dem Șetrefpass ins Gras. Bis zum Nachtzug waren es nur noch zwei Stunden...
Zum Glück fiel uns ein, dass wir noch paar Sachen besorgen wollten. Also sind wir nochmal runter von unserer Wiese und nach Săcel reingefahren. Und wieder zurück zur Wiese. Dort hab ich mich lang ausgestreckt, wobei das so im Schatten bald bissele frisch wurde. Man befand sich hier immerhin auf knapp 800m Höhe. Etwas nervös machten uns fette Linsenwolken, die über der Ukraine waberten und immer mal wieder in unsere Richtung zogen. Aber als der Zug endlich angebrummelt kam, waren die schon wieder verpufft und wir hatten schönes Licht. Ein perfektes Bild bekam ich trotzdem nicht zustande. Ich weiß, dass bei mir der Versuch, Kamera und Drohne gleichzeitig auszulösen, nur schief gehen kann. Und er ging schief. Und zwar mit beiden Kameras. Wie blöd kann einer allein bloß sein? (Nachtrag: Die Bilder waren noch vollwertig rettbar, aber eben nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte...).
✈ Ein kleines Waldtal wird zwischen Săcel und dem Șetrefpass auf einem Viadukt auf Baumkronenhöhe gequert.
Wir kletterten von unserem Hang runter und fuhren über den Pass rüber nach Dealu Ștefăniței. Dort hatte der Nachtzug nämlich einen großzügig bemessenen zwanzigminütigen Kreuzungsaufenthalt, so dass wir dort noch das bekannte Motiv in der Ausfahrt umsetzen konnten. Dort standen wir auch tatsächlich nicht allein, sondern zusammen mit noch drei anderen Fotografen. Der Gegenzug, mit dem der Nachtzug kreuzt, fährt allerdings sonntags gar nicht. So kündete bereits zwei Minuten vor Plan ein Tröt von der Abfahrt des Nachtzuges. Another Hauptmotiv was in the Box.
Der "Nachtzug", also R 4116 mit den Kurswagen nach Bukarest, verlässt den Bahnhof Dealu Ștefăniței.
Tja, das war es schon mit dem heutigen Zugprogramm. Auch die stark erhofften Schulungsfahrten mit 628ern für den künftigen Betrieb hier - wie auch immer er aussehen mag - waren zumindest heute nicht gefahren. Vielleicht in den nächsten Tagen? Paar schöne Motive hatten ja heute durchaus geklappt, und so konnten wir uns auf das Abendessen im Lichte der untergehenden Sonne auf dem Șetrefpass, auf der Veranda unserer Unterkunft, freuen. Mir reichte mal wieder das Piept de Pui mit grilled vegetables. Paar Pfannküchlein mit Fineti, einer Nuss-Nougat-Chreme, gingen hinterher aber noch. Ich musste schwer kämpfen, keine Papanași zu bestellen...
Der schönste Tag sollte gestern gewesen sein. Und vorgestern natürlich. Für heute wurde ziemlicher Schlonzbefall angekündigt. Mal schauen, was das wird. Der morgendliche Blick aus dem Fenster fiel noch auf schön klaren blauen Himmel. Das ließ jedenfalls für das Morgenprogramm hoffen. Heute mussten wir dem Nachtzug nicht entgegen-, sondern ein Stück voraus fahren. Somit brauchten wir eigentlich erst 7:30 los, wobei wir bereits 7:15 startklar waren. Heute an einem Werktag und nach 7 Uhr lebte es auch schon durchaus in der Gaststube und wir konnten das Haus durch die Tür verlassen. Auf der Fahrt sah man tatsächlich den Schlonz - zum Glück aber noch weit im Westen.
Es ging nach Iza, zu dem Viadukt in der Nordeinfahrt. Wir hatten uns gestern schon angeschaut, dass man den topp seitlich nehmen kann und dass man da auch ziemlich ungestört stehen kann. Das Auto konnte man neben dem Eingangstor zum Grundstück einer Pension parken, die höher am Hang lag. Rechtzeitig liefen wir den Hang hoch. Der Standpunkt war an einer kleinen Geländekante, wo man mit dem Rücken zu einer wunderschönen wilden Streuobstwiese stand, die mit Elektrodraht abgesperrt war. Auf dieser Wiese lebten ein Reh und zwei junge Rinder. Das Reh war kein Problem. Die Rinder waren aber sehr neugierig. Bald hatten wir sie unmittelbar hinter uns. Immerhin bekamen wir die Hörner nicht zu spüren, die rauhen Zungen an den Händen aber schon. Na gut, hab denen auch die Hand hingehalten... Zum Glück waren wir so rechtzeitig da gewesen, dass deren Interesse vor Zugabfahrt wieder erloschen war und man nicht mehr mit einem Schubs oder einer nassen Zunge von hinten rechnen musste.
Der Morgen beginnt wieder mit dem "Nachtzug" R 4112. Unweit des Ortes Săliștea de Sus verlässt der Zug den nicht mehr besetzten ex-Bf Iza, der nicht nach dem Ort, sondern nach dem Fluss benannt ist, über einen der zahlreichen Viadukte.
Das hatte schon mal schön geklappt. Das Konzept war, dem Zug zu folgen, wenn er einen Kutter vor hätte. Hatte er aber nicht. Dafür konnten wir nun unserem Hauptkonzept folgen, die Einfahrt des Bummelzuges von Sighet in Vișeu de Jos aufzunehmen. Diese noch intakt wirkende Menge an Formsignalen ist irgendwie auch ein Wahrzeichen der Strecke. Jegliche Ambitionen, dem Zug für ein weiteres Bild entgegen zu fahren, sparten wir uns nach den gestrigen Erfahrungen lieber. So konnten wir uns im Bahnhof aufbauen und in Ruhe der Dinge harren, die da kommen mochten.
Und das waren so einige. Die Schranke war schon zu und das Esig gezogen, da kam ein Herr entlang der Gleise auf uns zugelaufen. Unproblematisch, der war bald durch. Dann aber das völlig Unerwartete: Es näherten sich ganz eindeutig von hinten Rollgeräusche eines Schienenfahrzeugs! Kam da tatsächlich der 628 auf Schulungsfahrt? Nein es näherte sich nur eine ganze Gleisrotte, von denen Einer einen schienengebundenen Handwagen schob, der mit zwei Holzschwellen beladen war. Wollen die etwa...? Sie kamen näher und näher. Erst direkt hinter uns wurde geparkt und die Stützen ausgefahren. Die Rotte kam zum Stillstand. Puuuh, Glück gehabt! Nun tobte ein anderer Bahnfotograf in unserem Bildausschnitt rum. Da lief Dennis schnell noch hin und bat ihn, sich Stück weiter aufzustellen. Zwei tschechische Fotografen tauchten bei uns auf und stellten sich dazu. Dann kam der Zug.
Der Bahnhof Vișeu de Jos ist der größte der Strecke mit einer Menge Formsignale. R 4652 erreicht seinen Endbahnhof.
Als der Zug eingefahren war, wurden die Stützen des Schienenwägelchens wieder eingefahren und die gesamte Rotte zog weiter. Die hatten echt nur darauf gewartet, dass wir das Foto machen konnten. Wie nett war das denn? Wir hatten allerdings auch bei anderen Gelegenheiten ein ganz kleines bischen das Gefühl, dass sich das Personal hier an Bahnfotografen gewöhnt hat und deren Interesse sogar mit einer gewissen Freude aufnahm. Nun gab es noch ein Bild von der umsetzenden Lok.
Die umsetzende Lok.
Das war schon wieder das Frühprogramm. Jetzt schon zurück in die Pension und faulenzen? Och nö. Also noch etwas kundschaften. Richtung Salva oder Sighet? Salva! Nach einer eleganten Stauumfahrung in Vișeu de Sus und mit bischen Schauen rechts und links gelangten wir abwärts. Die Zufahrt zum Bahnhof Fiad war von der Natur zurückerobert worden. Wir hatten schon gelesen, dass der Bahnhof nicht mehr besetzt sei. Telciu und Coșbuc waren hingegen noch besetzt, wobei in Coșbuc nur noch das durchgehende Hauptgleis befahrbar aussah. Von Salva aus ging es noch durch Năsăud, einem immer wieder erstaunlich großen Ort hier in der Pampa. Vor Rebrișoara hatte Dennis einen netten BÜ ausgekundschaftet. Hochlichtexpress des Tages war IR 1832 auf seiner Reise von Cluj-Napoca nach Galați.
IR 1832 zwischen Năsăud und Rebrișoara. Es sollte das einzige Bild des Urlaubs mit Strippe werden! Aber das wussten wir jetzt noch nicht.
Dieser Hochlichtexpress hatte gut VOR der Mittagspause gepasst. Das bedeutete, mjam, schmatz, schleck und schlürf: Mittagessen! Wir hatten uns auf der Hinfahrt schon ein geeignet erscheinendes Etablissement am Wegesrand ausgeschaut, wo wir nun direkt hinfuhren. Es befand sich in Fiezel. Das war dann auch alles sehr schön - trotz oder gerade wegen eines Missverständnisses. Wir fragten auf englisch nach dem menu, und sie kam einfach mit der Karte nicht rüber. Irgendwann lief ich rein, wo mir die etwas verwundert dreinschauende Kellnerin zwei Karten übergab. Während wir noch so am schauen waren, kam sie mit zwei großen Schalen Suppe an. Hätten wir denn nicht das Menu, also das Tagesmenu, haben wollen? Nun, die Bohnensuppe war hervorragend, das Brot dazu topp, und die Hähnchenkeulen mit Gemüsereis als Hauptgang waren auch prima. Insofern: Alles gut! Etwas komisch war es auch bei der Bezahlung. Wegen Kartenzahlung sollte ich reinkommen, doch drinnen wurde ich gefragt, ob ich nicht doch bar zahlen könnte. Das klappte dann gerade noch mit den 80 Lei, die ich von zuhause mitgebracht hatte. Nun war meine Barreserve aber weg. Etwas verwundert war sie, als ich trotz allem noch um 5 Lei aufgerundet habe. Das war ihr wohl alles etwas unangenehm gewesen... Um 14 Uhr waren wir zurück am Șetrefpass in der Pension, wo wir uns erstmal etwas hingelegt haben.
Nach einem kleinen Nickerchen machten wir uns um 15:50 wieder auf den Weg. Mit etwas Kundschaft am ex Bahnhof, jetzt Haltepunkt Săcel mit durchkreuzten Signalen und mit einem Getränkeeinkauf ging es ganz hoch nach Bistra. Die Spuren des legendären Holzzuges sind übrigens sowohl in Săcel als auch in Leordina beseitigt; die Verladeplätze werden gerade massiv von der Natur zurückerobert. Am Himmel gab es mittlerweile einen Wechsel aus Panzerschlonze und blauen Abschnitten. Das Konzept lautete deshalb, dass man den Nachtzug an drei Stellen probieren will, die wir gern noch haben wollten, und dass man das jetzt jeden Abend probiert, bis es hoffentlich mal irgendwann geklappt hätte. Denn auch wenn wir im volkstümlichen Sinne weiterhin "schönes Wetter" haben sollten, war leider auch weiterhin einiges an Schlonz und Quellwolken angekündigt.
Irgendwie hatten wir am Ende gar nicht mehr so viel Zeit. Als wir durch Petrova fuhren, sollte der Nachtzug bereits in Valea Wendebahnhof abgefahren sein. Zum Glück hatte der Schrankenposten in Bistra noch nicht seine Latten unten gehabt. Das wäre echt ärgerlich gewesen. Bei den Posten scheint es ein Novum zu geben. Während früher bei Abmeldung vom vorhergehenden Bahnhof geschlossen werden musste, was zu irren Schrankenschließzeiten geführt hat, scheint man jetzt einen Weg gefunden zu haben, dass erst kurz vor der Zugfahrt die Schranke gesenkt wird. Ob die Posten dazu eine technische Hilfe (zB Anrückmelder) bekommen haben, entzieht sich meiner Kenntnis. Wir mussten noch durch den Ort durch, dann konnten wir das Auto auf einem Nebenweg parken. Da mussten wir doch noch zehn Minuten warten. Erfreulicherweise befand man sich hier gerade in einer größeren schlonzfreien Zone. Der Zug passte, was nicht ganz sicher gewesen war, komplett ins Motiv. Wir konnten einen dicken Haken an die Stelle machen.
R 4116 erreicht aus Richtung Theißtal den Ort Bistra im engen Vișeutal.
Plangemäß ging es nun wieder eine Stunde zurück. Wir mussten nichts opfern, um das von mir gestern so verkorkste Brückenmotiv zwischen Săcel und dem Șetrefpass nochmal zu probieren. Dennis konnte dort noch variieren. Tja, dort kamen wir zwar bei Sonne an, aber in den fünfzehn Minuten bis zum Zug wurde es kontinuierlich dunkler. Na gut - dies war mir das unwichtigste Motiv unseres Tripels. Das nächste war mir hingegen extrem wichtig: Der Friedhofsblick in Romuli. Dort hatten wir ein Wechselspiel aus mehr oder weniger Sonne. Und freundlicherweise kam der Zug, als die Sonne gerade mal für wenige Minuten voll rausgekommen war und sowohl Motiv als auch Vordergrund satt beleuchtete. Yess!
Nun rollt R 4116 über den "Friedhofsviadukt" von Romuli.
Mal sehen. Wenn es passt, kann man an den nächsten Tagen nochmal eine andere Perspektive auf den schönen "Friedhofsviadukt" versuchen - müssen tut man es aber nicht. Somit hatten wir heute ja wieder einige schicke Motive umsetzen können. Wir waren zufrieden und beschlossen, nicht noch zu warten, ob der 628 auf Schulungsfahrt im Blockabstand folgt. Statt dessen konnten wir uns das Abendessen auf der Veranda unserer Klause auf dem Șetrefpass doppelt gut schmecken lassen.
Unser Wirtshaus auf dem Șetrefpass. Allein wegen der wunderschönen Lage und den weiten Ausblicken beim Abendessen war das schon eine tolle Unterkunft. Die "einfachen" Zimmer hat man eh mehr oder weniger nur zum Schlafen genutzt.
Direkt am Gasthof führt auch die Telegrafenleitung der Bahnstrecke vorüber. Das Gleis dazu liegt ca 100m unter uns im Passtunnel.
Für den Tagesstart war nun gar kein gutes Wetter angesagt. Wir waren darauf eingestellt, das Morgenprogramm wegzulassen. Andererseits waren durchaus Aufrisse in der Wolkendecke erkennbar. So fuhren wir doch mal so rechtzeitig los, dass man den Nachtzug ggf bei Bistra bekommen könnte. Einen Kaffee gab es an einer Tankstelle in Săliștea de Sus. In Leordina versuchten wir uns zudem noch mit einem Geldautomaten an einer Filiale der CEC-Bank, um eine kleine Bar-Reserve zu haben, doch irgendwie konnte der Apperat nur Geldtransfer...
In Bistra gab es dann tatsächlich nur ein Beobachten des Zuges, obwohl paar Sonnenflecken in der Gegend waren. Egal, versuchen konnte man es mal. Der Zug war übrigens gut besetzt, der Sitzwagen aus Bukarest sogar sehr stark. In den Schlafwagen konnte man nicht so gut hinein schauen. - Wir fuhren nun wie geplant nach Sighetu Marmarției, wo wir bischen kundschaften wollten. Bei der Gelegenheit warteten wir auch den Nachtzug nochmal an einem Schrankenposten zwischen Bocicoi und Crăciunești ab. Die blauen Flächen am Himmel waren nun größer geworden, doch ein Sonnenbild gelang nicht.
Schade, so bischen diesen Abschnitt mit dem Vierschienengleis dokumentieren wollte man ja doch gern mal. Nun denn. Anschließend ging es nach Sighet an den Bahnhof. Dabei kamen wir auch am vorgelagerten Bahnhof Cămara Sighet vorbei, in dem Breitspur- und Normalspurgleise getrennt voneinander führen. Auch hier waren alle Signale durchkreuzt, der Bahnhof also nicht mehr besetzt. Unsere Hoffnung war, im Endbahnhof nach Lokumlauf ein schönes Bild vom Nachtzug mit dem Licht zu machen. Doch irgendwann fragten wir uns, ob wir ernsthaft glaubten, dass der Nachtzug in einem "bedeutenden" rumänischen Bahnhof wirklich einfach so am Bahnsteig stehen bleibt, und fuhren mal direkt an den Bahnhof.
Der "Nachtzug" R 4116 hat sein Ziel Sighetu Marmației erreicht.
Natürlich blieb der Zug nicht stehen. Mit Lok weiterhin am Westende wurde in die westliche Ausfahrt vorgezogen und dann in ein sehr hinteres Gleis zurück gedrückt. Da gab es ein ziemlich trostlos aussehendes Wagenbehandlungsgleis. Tja, schade, denn jetzt war gerade ganz gut Sonne. Mit Schlenker zur Ostausfahrt fuhren wir in die Innenstadt. Anliegen waren nochmal Geldautomat für etwas Bargeld als Rückfallebene und Essen gehen. Das war alles sehr mühsam. Der Stadtverkehr stand praktisch und Parkplätze waren erst recht Mangelware. Aktion Geldautomat klappte, doch zum Essen fuhren wir ein kleines Stück in eine Vorstadt raus. Da fanden wir eine schöne Pizzeria, wo man nett sitzen und dem Treiben auf der Straße zuschauen konnte. Pizza war mal was anderes als immer nur gegrilltes Huhn.
Danach fuhren wir wieder an den Bahnhof. Die Nachtzugwagen standen nun wieder am Bahnsteig, aber noch etwas abseits des EG. Die 64er stand hingegen dort, wo eine Lok in solch einem wichtigen Bahnhof hingehört, nämlich im Bw. Ein 628 auf Schulungsfahrt war auch noch nicht eingetroffen. Wir stellten uns an einer verwunschenen Zufahrt an die Bahnhofsrückseite und konnten dort ungestört Siesta machen. Rechtzeitig zum Hochlichtexpress wechselten wir zur Bahnhofseinfahrt. Die war mit den Doppelsignalen einfach ein Musthave und schattentechnisch sicherlich nur im Hochlicht umsetzbar.
Man erlebt ja echt Sachen... Eine alte, vornüber gebeugte Frau mit einer Stange, die ihr als Stock diente, begann mit Trippelschritten den Bahnübergang zu queren. Dabei hatte sie sichtlich Schwierigkeiten vorwärts zu kommen. Die Einfahrt stand schon. Wir rechneten mit dem Zug in fünf Minuten. Sie hatte das Gleis erreicht. Da war irgendeine Unebenheit. Ihr rechtes Bein zuckte immer zum Weitergehen, es bewegte sich aber nicht. Sie stand auf dem Gleis! Das haben wir uns zwei-drei Minuten angeschaut, dann sind wir hin zu ihr. Zwei Mann, zwei Ecken... Haha, nein. Wir mussten sie nicht tragen. Sie auf beiden Seiten zu stützen reichte vollkommen. Sie nahm die Hilfe dankbar an. Zwar hätte der Zug definitiv noch rechtzeitig vor ihr anhalten können, aber als Eisenbahner kann man so eine Situation ja nicht tatenlos mit ansehen. Vorbeugendes Notfallmanagement. Der Zug kam nun leider nicht im Hochlicht, sondern im Garkeinlicht. Blöde; hinter uns im Bahnhof war Sonne. Deshalb topften wir uns mal direkt an die Westausfahrt um, wo wir wenigstens die Lok beim Umsetzen ins Bw in Sonne bekamen.
Der Weichenwärter hatte die Schranke runtergekurbelt und schwang sich dann dynamisch auf sein Dienstfahrrad, um hinter uns nach Vorbeifahrt der Lok eine Weiche zu stellen. Das Gleis zwischen den Hauptsignalen ist das Breitspurgleis. Dementsprechend gilt das linke Ausfahrtsignal für die Breitspur und das rechte für die Normalspur. Auf der Normalspur kam man zuletzt bis Câmpulung la Tisa, vor Sowjetzeiten natürlich überallhin. Heute ist westlich von Sighet aber gar kein Verkehr mehr.
Das war es hier gewesen. Da wir nicht wieder durch die verstopfte Innenstadt wollten, wählten wir nicht den direkten Weg nach Bogdan Vodă, sondern fuhren wieder die altbekannte Route via Petrova. So trafen wir gegen 16 Uhr erstmal wieder in der Pension ein. Allerdings nicht für lange. Eigentlich wartet man hier den ganzen Tag nur auf das Abendprogramm. Und dafür mussten wir gegen 17 Uhr starten, weil wir auch noch etwas kundschaften wollten. Im Bereich Romuli galt es sowohl für den Berg- als auch für den Talfahrer Standpunkte für zwei Viadukte am Gegenhang zu finden. Erst schien es, dass auch hier wieder nahtlos ein eingezäuntes Grundstück an das andere grenzen würde und damit der ganze Hang abgesperrt sei. Dann fanden wir neben einem verwilderten Grundstück doch noch eine diskrete Einstiegsmöglichkeit in den Hang.
Ok, dann wussten wir das jetzt auch. Diese Kenntnis war wichtig, weil wir gleich im Zuge einer Verfolgung den Hang hoch mussten. Den Bergfahrer und damit den dritten Zug des Gebirges bei Licht neben den beiden Nachtzügen wollten wir nämlich als erstes in Telciu nehmen. Da der Zug +20 hatte, konnten wir uns erstmal noch im Ort in die Ecke stellen, bevor wir zum Bahnhof vorrückten. Um 18:30 erschien der freundliche Weichenwärter und zog das Signal. Das war das Zeichen. Mögen die Spiele beginnen. Jetzt musste bei uns jeder Handgriff sitzen. Jetzt war Erfahrung gefragt!
Ihn hatten wir noch gar nicht: R 4114 verlässt mit sechzehnminütiger Verspätung den Bahnhof Telciu.
Und 50m weiter mit Ausfahrsignal und Schranke.
Fürs Protokoll ist noch anzumerken, dass sich die Quellwolken so ziemlich aufgelöst hatten. Wir waren voller Hoffnung in den Abend gestartet, dass wir uns um das Thema keinen Kopf mehr machen müssen. Schnell das Auto gestartet und nach Romuli gefahren. Wir rechneten uns eine brauchbare Chance aus, dort noch den Hang hochzukommen. Auch wenn vor uns ein langsamer Depp immer weiter nach links abdriftete, als ich überholen wollte, so dass ich den Überholvorgang abbrechen musste, und später in den Kurven auch ein eher nicht so schnelles Wesen vor uns her trieb, klappte dank unserer vorherigen Ortskunde alles. Beim Hang-Hochhetzen ging es wie im Western von Busch zu Busch, wobei wir bei jedem freien Blick rückwärts blickend gecheckt haben, ob der Zug sich schon irgendwo bemerkbar macht, bevor wir weiter aufwärts erstmal kein freies Schussfeld auf den Viadukt mehr hätten. Als wir völlig außer Puste oben angekommen waren, tauchte der Zug --- auch noch nicht auf. Wir mussten noch fünf bis zehn Minuten auf den Zug warten. Warum hatten wir uns nochmal beeilt? Fast wollte Panik aufkommen, dass man in Fiad doch noch kreuzen kann und die erst den Nachtzug runter schicken... Aber alles wurde gut!
Nun hat R 4114 den Friedhofsviadukt von Romuli erreicht.
Bevor der Zug in Romuli hält, quert er noch einen weiteren Viadukt.
Das hatte wunderbar geklappt. Entspannt konnten wir den schönen Wiesenhang wieder hinunter steigen. In Dealu Ștefăniței war nun Kreuzung mit dem Nachtzug. Für den konnten wir sogar auf den Gegenhang hochfahren und uns noch ganz in Ruhe die passende Perspektive zurechtlegen. Der letzte Wolkenküddel am Himmel bzw dessen Schatten lief dann noch kurz den Hang runter auf das Viadukt zu und sorgte für Adrenalin, kam aber nie am Viadukt an. Er hatte sich unterwegs aufgelöst. So will man das! Der Zug kam prima!
Da isser wieder, der "Nachtzug" R 4116. Wir sehen ihn tatsächlich nochmal auf dem Friedhofsviadukt - diesmal aber von weiter oben.
✈ Dennis wagte auch nochmal den Drohnenflug zum Viadukt.
Auf der Rückfahrt auf unseren Pass kam in Romuli plötzlich ein Ball aus einer Toreinfahrt auf die Straße geschossen. Ich hatte keine Chance zu bremsen und hab den Ball irgendwie bös erwischt. Anschließend rollte er aber noch, Auto fuhr auch noch, das zuständige Kind kam nicht hinterher gesprungen, also alles nochmal gut gegangen.
Diese Abendmotive waren mein Hauptanliegen hier gewesen, und so war ich wirklich hoch erfreut über diesen Abend, der tagsüber in dieser Klarheit nicht absehbar gewesen war. Da schmeckte das Abendessen auf der Veranda unseres Gasthofes doch direkt mal wieder doppelt gut!
Auch wenn es sicher noch die eine oder andere nette Stelle gegeben hätte, so waren wir uns einig, dass wir hier ganz ordentlich was geschafft haben und morgen auschecken und die Gegend wechseln können. Das Früh-, vielleicht auch das Mittagsprogramm sollten noch probiert werden, dann sollte es nochmal bischen anderes geben.
Die Idee mit dem extrem frühen Aufbruch wäre ja nie von mir gekommen, entbehrte aber nicht einer gewissen Sinnhaftigkeit. Dennis orakelte, dass es morgens erstmal klar sein würde und das doch eine super Gelegenheit für ein Foto von der Ausfahrt des Frühzuges ab Sighet wäre. Öhm, nun ja. Ächtz. Wann müssen wir los? 5:45. Schöne Zeit. Darin enthalten 20min Sicherheitsmarge wegen der Baustelle auf der direkten Einfallstraße nach Sighet, die wohl auch für das gestrige Verkehrschaos schuld gewesen war. Abends hatten wir noch geklärt, wie wir raus kämen. An der Hintertür sollte der Schlüssel von innen stecken. Das klappte auch alles.
Um 5:40 saßen wir im Auto. Die direkte Straße nach Sighet war angenehm zu fahren. Natürlich führte sie durch endlose Straßendörfer, aber in Rumänien fährt man deshalb ja noch lange nicht überall 50... Die Baustelle in der Einfahrt nach Sighet war noch gar nicht aktiv. Und so standen wir um 5 vor 7 am Motiv. Nicht geplant waren nun allerdings die Wolkenfelder, die den Himmel auf unangenehme Weise bevölkerten. Das sah schon wieder alles gar nicht so aussichtsreich aus. Zwei Minuten vor Abfahrt fing die Landschaft dann doch wieder aus Richtung Bahnhof zu leuchten an. Als der Zug langsam lostuckerte, lag auch noch alles in der Sonne. Doch die Berge im Hintergrund wurden schon wieder dunkler. Und der Zug war nicht schnell. Also so gar nicht. Zwei Autos mussten auch noch über den BÜ, tasteten sich langsam vor, standen uns sowas von voll im Bild - und fuhren dann im Angesicht des nun doch näher gekommenen Zuges noch schnell rüber. So ein bischen mag ich die rumänische Fahrweise... Der Zug klappte mit Sonne und ohne Autoschaden!
Es ist noch früh in Sighetu Marmației, als R 4652 den Bahnhof auf dem Vierschienengleis verließ. Typisch für die Abschnitte mit Vierschienengleis sind die doppelt ausgeführten Signale: Das große für die Normalspur und das kleine für die Breitspur. Wir stehen auf einem stillgelegten in die Büsche führenden Gleis.
Dunkel wurde es eigentlich erst zehn Sekunden später. Was hatten wir ein Glück! Da hatte sich das frühe Aufstehen ja wenigstens gelohnt. Nun ging es wieder auf die andere Seite der Berge, wo es der Bummelzug nochmal in Leordina und der Nachtzug in Bistra sein sollten. Am Motiv für den Bummelzug in der Einfahrt Leordina werkelte natürlich gerade eine Rotte herum. Das passte ja wieder. So stellten wir uns im Bahnhof auf, wo wir dann auch immerhin auf Sonne warten konnten. Da der Nachtzug mit +45 im Zulauf war und man offenbar nicht vorhatte, die Kreuzung zu verlegen, hatten wir genügend Zeit.
Nun hat R 4652 in Leordina Platz genommen, um auf den verspäteten Gegenzug zu warten.
Für den Nachtzug fuhren wir in unser Motiv nach Bistra. Unterwegs kam uns die Borderpolice entgegen. Gefühlt würde ich sagen, dass die hier auch schon mal präsenter war. So viele "Illegale" werden momentan aus naheliegenden Gründen wohl nicht aus der Ukraine erwartet. In Bistra zogen allerdings nur kurze sonnige Abschnitte durch die Landschaft. Einer näherte sich gerade, als der Nachtzug kam. Doch der Zug blieb dunkel. Satz mit X. Somit ging es nun wieder auf die Westseite der Berge, wo wir den Nachtzug nochmal an dem BÜ-Posten zwischen Bocicoi und Crăciunești abwarteten. Da war zwar mehr Licht als gestern, aber mehr als ein "Doku-Bild" wurde es nicht.
Ein letztes Mal erwarten wir den "Nachtzug" zwischen Bocicoi und Crăciunești auf dem Vierschienengleis.
Unser Plan war, auch den Hochlicht-Express nochmal in Sighet an der Einfahrt zu probieren. Dazu hatten wir nun ordentlich Zeit. Wir wollten mal den Rest der Straße ostwärts fahren, bis auf rumänischer Seite nur noch die Bahn durch das Theißtal führt. Die Straße geht noch bis Lunca la Tisa. Unterwegs kam man am Bahnhof Bocicoi vorüber, der sogar noch besetzt war und über das gesamte Sammelsurium an Signalen verfügte. Interessanterweise lagen vor dem EG das normalspurige Durchgangsgleis und als Gleis 2 das Breitspurgleis, während das normalspurige Ausweichgleis straßenseitig und bahnsteiglos um das EG herum geführt wurde.
Im Bahnhof Bocicoi führt das normalspurige Ausweichgleis über den "Bahnhofsvorplatz".
Am Ortseingang von Lunca la Tisa gab es schon wieder einen Schrankenposten. Man befand sich hier hinten teilweise unmittelbar an der Theiß und damit direkt an der ukrainischen Grenze. Das ist momentan ein eigenartiges Gefühl. Da drüben wirkte alles so friedlich und normal.
Die restliche Zeit bis Mittag überbrückten wir auf einer Anhöhe oberhalb von Crăciunești. Gegen 12 fuhren wir vor einem nahegelegenen Restaurant mit schöner Terrasse vor. Verfügbare Sprachen waren hier rumänisch und italienisch. Zu unserer Grillplatte kamen wir auch so. Ein Bestandteil waren lecker gegrillte Chickenwings. Das kannte ich so noch nicht.
Während unserer Restaurant-Session war der Himmel fast komplett dicht. Wir überlegten schon, gar nicht mehr auf den Hochlichtexpress zu warten. Nach der Mahlzeit (ja, wir hatten alles aufgegessen!) war schon wieder mehr Blau am Himmel. Daher suchten wir noch kurz unseren Siestaplatz an der Bahnhofsrückseite auf. Dort wollte ich mal nach dem Zustand der Breitspurgleise schauen. Aber da man ohne Maßband gar nicht erkennt, was Breitspur ist, war das kein so einfaches Unterfangen. Man kann aber wohl davon ausgehen, dass die Breitspurgleise mächtig zugewuchert sind. Rechtzeitig zum Hochlichtexpress bezogen wir Position an den Einfahrsignalen. Und diesmal kam der Zug sogar mit voller Sonne und ohne störende Autos.
Über dieses Bild freuten wir uns besonders, hatte man hier doch zwei Doppelsignalpaare im Bild. R 4655 bekommt Normalspureinfahrt in den Endbahnhof. Im Hintergrund stehen die Vorsignale des Bf Cămara Sighet. Erfreulicherweise fürs Foto sind sie nicht durchkreuzt, obwohl der Bahnhof nicht mehr besetzt und dessen Hauptsignale durchkreuzt sind.
Das war ein wirklich toller Abschluss, denn dieses Motiv dokumentiert schön das Nebeneinander von Normal- und Breitspur. Happy konnte nun der Ortswechsel vollzogen werden. Unser Ziel war Șărmășag. Ich wäre ja jetzt über den Pass nach Baia Mare gefahren und dann irgendwie weiter "querdurch". Das Navi wollte uns aber viel weiter westlich sehen und gebot uns eine interessante Route. Erst ging es nordwestwärts immer an der Theiß entlang. Drüben in der Ukraine waren immer wieder größere Siedlungen bzw kleine Städte zu sehen. Aber ich glaube, deren Namen hat man noch nicht in den Nachrichten hören müssen. Dann kurvte die Straße südwärts. Über einen waldigen Pass ging es nach Negrești-Oaș. Dieser äußerste Nordwestzipfel Rumäniens scheint von ziemlich dünner Besiedlung geprägt zu sein.
Es ging weiter nach Livada, wo auch diesmal (wie 2019 schon) ein Güterzug im Bahnhof stand. Da das dort alles schwierig zu fotografieren ist und wir auch nicht so arg viel Zeit hatten, ersparten wir uns Bilder. Allerdings sollten wir den Zug heute nochmal sehen! Über die super ausgebaute vierspurige Ortsumgehung flutschten wir nur so an Satu Mare vorbei, und erreichten mit einigen Kundschaftsabstechern Șărmășag. Glücklicherweise stand kein Güterzug im Bahnhof abgestellt, so dass wir den Umleiter IR Brașov - Budapest schön im Bahnhof abwarten konnten. Leider zog im letzten Moment ein (immerhin sauberer!) Desiro vor das EG, so dass dieses als Motiv ausschied. Aber wir konnten den IR schön bei der Einfahrt und nach einem Sprint bei 36°C (ja, von der angenehmen Kühle des Gebirges musste man sich nun verabschieden) auch nochmal mit Wasserturm aufnehmen.
Noch befindet sich der Desiro im Bahnhof Șărmășag auf seinem Abstellplatz, wird aber leider gleich vors EG vorziehen.
Wegen der baubedingten Streckensperrung Cluj-Napoca - Oradea durch das Kreischtal fährt IR 366 Brașov - Budapest momentan einen nördlichen Schlenker via Jibou und Carei. Hier fährt der Zug gerade nach Șărmășag ein.
Ein weiteres Bild ging bei der Ausfahrt mit Wasserturm.
Etwas Angst hatten wir gehabt, dass von hinten ein Güterzug käme, aber den hatten sie wohl schon in Tășnad stehen gelassen. Wir warteten weiter nördlich mal kurz, ob er käme, aber dann mussten wir zum nächsten Programmpunkt weiter. Über Tășnad und viele kleine herrlich zu befahrende Straßen ohne Verkehr ging es nach Valea lui Mihai (ganz ohne Sonderzeichen, danke!). Dort habe ich noch nie fotografiert, aber der Bahnhof ist einfach klasse mit seinen vielen Formsignalen und stand ganz oben auf meiner Wunschliste. Gerade jetzt mit den Kreischtal-Umleitern sollte hier ordentlich Verkehr sein. Wir trafen hier auf zwei alte Bekannte: Den IR nach Budapest und den Güterzug aus Livada.
Wir nähern uns dem legendären Bahnhof Valea lui Mihai von der Bahnhofsrücksteite.
An dieser Strecke fotografieren wir übrigens nicht erstmalig in diesem Urlaub. Historisch betrachtet befinden wir uns (noch immer) an der Strecke Debrecen (heute HU) - Satu Mare (heute RO) - Halmeu (heute RO) - Korolevo (heute UA) - Sighetu Marmației (heute RO).
Während zwei Personenzüge auf den hinteren Gleisen warten, brettert Gz 60714 von Livada zwischen ihnen und dem Empfangsgebäude durch den Bahnhof.
IR 366 hat nun die ungarische Lok vor und beschleunigt in Richtung Debrecen.
Auch das hatte nun alles schön geklappt (wobei ich mich mit diesem Bahnhof mal länger beschäftigen könnte). Es war nun 20 Uhr und man konnte langsam in den Endspurt gehen. Den Weg kannten wir schon. Wir hatten eine Pension in Tășnad gebucht. Etwas Sorgen machte uns, dass sich im Nachmittagsverlauf niemand gemeldet hatte, wie es sonst bei Privatunterkünften meist der Fall ist. Wer weiß, ob die unsere Bestellung gesehen haben. Aber am Ende wurde alles gut. Casa Paula war ein recht großer und professionell wirkender Pensionsbetrieb. Zwar sprach man kein Englisch, aber mit Hilfe anderer Gäste war bald das wichtigste geklärt. Wir erhielten zwei Einzelzimmer, hatten dabei aber unseren eigenen Hauseingang und Flur, in dem sogar ein Esstisch zur gemeinsamen Nutzung stand. Das war perfekt! Man musste sich beim Essen nur immer viel bewegen, da das Licht in dem Flur sonst ausging... Abendessen waren paar Sandwichs von der Tanke und schön kaltes Urșus. Mehr ging heute nicht mehr. Aber wir fühlten uns hier wohl und baten direkt um eine Verlängerung bis Samstag. Die Aktion fand mit freundlicher Unterstützung von Google Translate statt. Damit ging ein ereignisreicher Tag zuende, an dem die uns wichtigsten Motive mit Sonne geklappt hatten. Sehr schön!
In unserem neuen Einsatzgebiet, das ich mal grob mit "Kreischtal-Umleiter" beschreiben würde, sollte der heutige Tag nochmal sehr schön werden. Aber leider nur noch der heutige Tag. Na, mal sehen. Wir verabredeten uns zum Aufbruch um 6:30, wobei das Programm noch nicht ganz klar war. Das würde erstmal nämlich eher von den verfügbaren Güterzügen abhängen. Und die entfernten sich irgendwie gerade alle beim morgendlichen Blick ins System. Besonders ärgerlich: Ein Güterzug, wie ich später erfuhr ein Salzzug, fuhr just in diesem Moment durch Tășnad nordwärts. Jibbet ja nich! Lediglich ein Nordfahrer von Oradea war günstig unterwegs und stand gerade in Biharia. Schnell in der Gemeinschaftsküche einen Kaffee gemacht und los ging es.
Der Bahnhof Valea lui Mihai war ziemlich leer. Der Güterzug sollte unverändert in Biharia stehen. Wir vermuteten, dass er erst hinterm Regio abgelassen wird, den wir um 8:57 für die Einfahrt in Valea lui Grenzbahnhof eingeplant hatten. Somit wollten wir schon ins Auto steigen und dem ganzen Gerödel entgegen fahren. Zum Glück schaute ich vorm Einstieg nochmal ins System. Nun war der Güterzug bereits in Săcueni durch! Da liefen wir doch direkt wieder zum Bahnsteig zurück. Erfreulich war, dass man zwar von den vielen anwesenden Eisenbahnern inklusive Cheffe zur Kenntnis genommen wurde, dass sich aber niemand am Tun störte. Der Güterzug klappte gut. Der nachfolgende Regio erwies sich leider als Desiro. Puuuh, was gut, dass wir dem nicht entgegen gefahren sind und dabei womöglich den Güterzug verpasst hätten...
Beim erwarteten Güterzug handelte es sich um einen Walter-Zug von Oradea nach Deutschland. In Rumänien werden die Züge vom EVU Foxrail befördert. Soeben fährt man nach Valea lui Mihai ein.
Das hätte jetzt nicht sein müssen. Der überall topp ins Licht rollende Morgenbummelzug R 4333 von Oradea ist ein Desiro.
Schade, viel mehr tat sich hier nicht. Da man in Valea lui Mihai auf dem Weg zum Bahnhof und zurück jedes Mal mitten durch die Innenstadt musste, konnten wir auch direkt Geld ziehen. Die Vermieterin wollte Bares sehen für die dritte, nicht über booking verlängerte Nacht. Hier gab es wieder eine Filiale der CEC-Bank mit Geldautomat. Und wieder kamen da nur Funktionen zum Geldtransfer. Man konnte zwar auf Deutsch umstellen, aber dann sollte man etwas scannen oder manuell eine Transaktionsnummer eingeben. Grrrr! Stück weiter in der Banca Transilvania gab es wenigstens einen normalen Geldautomaten, der allerdings keine freie Betragseingabe und schon gar keine Stückelung nach Wunsch ermöglichte. Natürlich gab es wieder nur große Scheine. Neeeervig!
Bemerkenswert fanden wir das Radwegenetz, das sich die Kommune Valea lui Mihai in die Stadt gestellt hat. Entlang der Straßen führten aufgepflasterte rote Fahrradwege, die zur Straße hin durch Pflöcke begrenzt werden, damit niemand auf ihnen parkt. Wo die Straßen zu schmal für die Fahrradstreifen waren, hat man einfach die Fahrbahn der Autos verschmälert und Einbahnstraßen-Regelungen geschaffen. Die Radfahrer haben hingegen ihre roten Wege in beiden Richtungen.
Dann suchten wir endlich das nächste Motiv auf. Dennis kannte eine nette Prärielandschaft mit leichten Erhöhungen bei Curtuișeni. Dort konnte man sich um die beiden bald anstehenden internationalen Züge kümmern. Man stand dort herrlich ungestört. Die Hitze stand flimmernd über der goldgelben Hügellandschaft und das Gezwitscher der Feldlerche lag in der Luft - für mich das unbedingte Geräusch eines Sommertages in sonnigen Kornfeldern.
Aber ich entschied mich dann doch gegen ein Bild vom Westfahrer zugunsten eines zweiten Bildes vom Ostfahrer bei der Einfahrt in Valea lui Mihai. Dort machte ich mir etwas Sorgen wegen der anwesenden Grenzpolizisten. Zur Probe stolzierte ich ein wenig mit umgehängter Kamera vor deren Nase über den Bahnsteig und nahm an meinem Motiv immer mal demonstrativ Maß. Da hätten sie mich ansprechen können. Aber das interessierte sie alles nicht. Der kleine Grenzverkehr mit seinen zwei Wagen passte dann auch topp ins Bild.
Die ungarische Lok bringt den zwei Wagen umfassenden R 6822 nach Valea lui Mihai. Es handelt sich um einen internationalen Nahverkehrszug von Debrecen nach Satu Mare.
Gleichzeitig nähert sich aus Richtung Nordosten der IR 687 Baia Mare - Budapest bei Curtuișeni.
Dann ging es zurück nach Curtuișeni zu Dennis. Wie gesagt - es war nett dort, aber wir waren uns beide nicht sicher, wie hoch der Zug ist. Ich hab dann auch noch am ausgestreckten Arm fotografiert, doch gefallen hat es mir am Ende nicht so gut, weil die Lok "natürlich" wieder ziemlich die Höhe des Horizontes hatte. Man hätte sich seitlicher hinstellen sollen, da wäre das alles kein Problem gewesen.
Mit einer rumänischen 60er geht es für R 6822 weiter. Gerade hat der Zug Curtuișeni verlassen.
Für einen weiteren Güterzug von Oradea fuhren wir direkt nochmal nach Valea lui Mihai. Allmählich füllte sich der Bahnhof. Eigentlich war jetzt Hochlicht. Aber wenn schon ein Zug kommt... Und dann war es ja auch gar nicht mehr so lange hin bis zum IR nach Brașov. Für den ging es nochmal nach Curtuișeni für die seitliche Perspektive. Ja ok, also das Hochlicht war da. Wir könnten auch langsam mal gut Essen gehen. Aber man stand dort ja so schön...
Mein Gott, schon wieder Walter!
Hochlichtexpress des Tages ist IR 367 von Budapest nach Brașov - nochmal bei Curtuișeni.
Dann sollte es aber wirklich was für den Magen geben. Wir hatten schon im Vorbeifahren ein Restaurant mit Terrasse im Hof ausgemacht, Restaurant Ovidiu. Die Polizei saß dort mit sechs Mann beim Mittagstisch - eine klare Empfehlung! Und das Essen war auch hervorragend: Erst eine Fischsuppe und dann mal wieder Piept de Pui.
Hatte ich erwähnt, dass die 30°-Marke längst schon wieder überschritten war? Die Klimaanlage im Auto leistete aber Großartiges. So gab es eine kleine Kundschaftsrunde bis südlich Săcueni. Zurück am Bahnhof Săcueni entdeckte ich im System, dass in Valea lui Mihai der Gegen-Salzzug via Carei - Tășnad - Zalau in Richtung Dej gestartet war. Wir fuhren in die Felder nördlich von Santău, wo wir uns passenden Lichtstand an einem völlig JWD gelegenen BÜ erhofften, der nur über eine lange Rumpelpiste erreichbar war. Gerade parkten wir das Auto, da nahmen wir in der Ferne eine Bewegung wahr. Der Zug kam schon! Zum Glück sind rumänische Züge nicht so schnell...
Blick von einem BÜ überall in Rumänien. Gz 60707 wäre wohl eher was für die Drohne gewesen.
Jetzt hatten wir Zeit. Einzige Programmpunkte hier in der Gegend waren einer der hier im Nahverkehr eingesetzten Desiros und der Umleiter-IR. Dazwischen war noch ganz schön viel Zeit. Aber wir waren ja in Tășnad "zuhause". Somit konnten wir zwischen den Zügen immer mal was besorgen und in die Pension bringen. Dort lief der Kühlschrank auf Hochtouren! Den Desiro nahmen wir im Bahnhof Tășnad.
Bestreiten hier normalerweise praktisch den Gesamtverkehr: Desiros. Ein solcher verlässt den Bahnhof Tășnad in Richtung Carei.
Für den IR, dessen Verspätung immer größer wurde, suchten wir einen Punkt am Rande von Santău auf. Den hatten wir vorhin nach dem Güterzug entdeckt. Da hatte man die sich markant auf einem Hügelrücken in der Ferne aus der Ebene erhebende Stadt Tășnad im Hintergrund. Ein markanter Blickfang in dieser unaufregenden Landschaft! Ich probierte hier nochmal den parallelen Drohneneinsatz. Da die Auslösungen nicht ganz an derselben Stelle stattfinden mussten, klappte das sogar...
✈ Weit ist das Land in der "westlichen Ebene" Rumäniens. Wie ein Fremdkörper erhebt sich in der Ferne Trestenburg aus der Flachheit. Trestenburg klingt irgendwie "würdiger" als die heutige Bezeichnung "Tășnad".
Abwechslung bringt wieder mal der Kreischtal-Umleiter IR 366 - hier am Ortsrand von Santău.
Wir folgten dem Zug nochmal in die Prärielandschaft bei Curtuișeni. Da der Zug auch weiterhin zusetzte und die Bahn den Umweg über Carei macht, klappte das problemlos. Wir warteten auch direkt den Gegenzug ab, den IR von Budapest nach Baia Mare, also quasi auch ein "Umleiter", den es vor der Kreischtal-Umleitung nicht gegeben hatte. Zu unserer Überraschung hatte der Zug eine 60 in neuer Lackierung vor.
IR 366 nördlich von Curtuișeni...
✈ ...in der schönen Prärielandschaft.
✈ Aus der Gegenrichtung kommt IR 686 Budapest - Baia Mare. Und es gibt tatsächlich noch einen roten rumänischen Wagen! Ist das jetzt Retro oder ist der beim Umlackieren vergessen worden?
Straßenverkehr gab es auf dem BÜ natürlich auch.
Es war nun 20 Uhr. Irre, wie die Zeit vergeht! Das Konzept mit dem reichlichen Mittagessen ging voll auf. Zurück in der Bude gab es noch paar Tomätchen und Salami - das reichte! - Heute war vom Wetter her nochmal ein topp Tag gewesen, und ich finde, dass wir ihn schön genutzt haben. Wir haben aber auch gelernt, dass das Thema "Kreischtalumleiter" kein besonders großes Betätigungsfeld ist. So richtig ideal ist da nur der Nachmittags-IR. An Güterzügen hatte man ja tagsüber schon immer wenig im Kreischtal. Naheliegenderweise ploppen nun nicht die Massen an Umleiter-Gz auf...
Das unbeschwerte Wetter sollte zuende sein. Eine ordentliche Sonnenchance wurde zwar für heute noch orakelt, aber nebenbei sollten auch alle verfügbaren Arten von Wolken im Spiel sein. Die Verabredung war, heute genauer hinzuschauen, ob wieder der Salzzug um kurz nach 6:30 durch Tășnad kommen würde. Dann könnte man sich für den schon mal aufstellen. Der Wecker stand also wieder auf 6.
Ok, der Salzzug hatte 5:48 Șărmășag geschrieben. Der rollte. Schnell das Notdürftigste erledigt, Kaffee gekocht und ab auf die Landstraße. Der Plan war der Blick von der Brücke der Ortsumgehung Carei. Da wir oben auf der Umgehungsstraße sicher nicht parken konnten, suchten wir unten einen Zugangsweg, der aber geradewegs auf einen großen Hof zuführte. Würden wir uns da erstmal erklären müssen? Würde ein Rudel Hunde über uns herfallen? Im Näherkommen erkannten wir aber bald, dass der Hof komplett verwaist und aufgegeben war. Wir konnten bequem unten das Auto parken und etwas weniger bequem die Böschung auf den Straßendamm hochlaufen.
Zwei minder redselige Hobbykollegen aus Tschechien, die wir gestern schon paarmal gesehen bzw getroffen hatten, kamen nun unten auf dem Feldweg zum nahen BÜ angefahren und stellten ihr Auto genau in unser Motiv. Na super. Wir fragten uns auch, was die da unten wollen, wo doch ein erhöhter Standpunkt so nahe ist. Das fragten die beiden sich offensichtlich auch bald und kamen zum Glück auch zur Brücke. Die lange Schlange des Salzzuges war dabei schon die ganze Zeit in der Ferne zu sehen gewesen. Aber ich erwähnte wohl bereits, dass rumänische Güterzüge nicht so schnell sind...
Gz 60705 aus Dej Triaj steuert auf Carei zu.
Das war schon mal schön. Auf dem Rückweg zum Auto wurde ich dann doch noch von einem Hund angekläfft. Bald darauf tauchten zwei Romamädels auf, die nach Zigaretten fragten. Offenbar erfreute sich der anfangs so verlassen erschienene Hof mittlerweile einer Zweitnutzung... Da im gesamten Umkreis keine weiteren Güterzüge im Zulauf waren, suchten wir für den Bummelzug von Oradea nach Valea lui Mihai eine der gestern Mittag ausgekundschafteten Stellen südlich von Diosig auf. Dabei hatte man bereits die bevorstehende Wetteränderung vor Augen. Von Westen zog nun eine massive Wolkenfront heran. Als Morgenbummelzug von Oradea kam heute nichtmal ein Desiro, sondern ein beschmierter Desiro. Nun ja...
R 4333 mit paar schrägen Masten einige Minuten vor Diosig. Der bevorstehende Wetterwechsel lässt sich nicht negieren...
Kätzchen lässt sich derweil die Fliegen an unserem Auto schmecken. Mahlzeit!
Schade, wir hatten gestern ja gehofft, dass wir die 10:30-Geschichte nochmal besser in der Prärie erledigen könnten. Aber das schien aussichtslos. Egal, wir zogen unser Programm durch, schauten in Valea lui Mihai kurz an den Bahnhof, besorgten etwas Frühstück und fuhren trotzdem mal zur Prärie. Mit der aufziehenden Regenfront war es da zumindest ausgesprochen stimmungsvoll.
Unser Mietwagen vor der Ortskulisse Curtuișeni.
Wenn schon kein Zug kommt, dann gibt es wenigstens spektakuläre Mietwagenbilder.
Und man hatte seine Ruhe und konnte erstmal frühstücken. Die Feldlerche stand auch wieder am Himmel und zwitscherte ihren Gesang, als ob es kein schlechtes Wetter geben würde. Aber wir sollten nicht lange alleine bleiben. Die Tschechen fuhren auch bald wieder vor. Selbst in der Pampa ist man nicht allein... Die nun anstehenden Züge Baia Mare - Budapest und der kleine Grenzverkehr Debrecen - Satu Mare wurden wie erwartet mit der schmucken rotsilbernen 60 bespannt. An Sonne war aber nicht mehr zu denken. Den Bummelzug mussten wir sogar aus dem Auto fotografieren, weil es in Strömen regnete.
Die restliche Zeit bis Mittag blieben wir dort. In einer Regenpause streifte ich ein wenig durch die Umgebung und entdeckte noch einen schönen Ausblick. Für morgen sind die Wetteraussichten auch nicht toll, aber vielleicht könnte man es doch nochmal versuchen? Gegen 12 verlegten wir uns erstmal wieder ins Ovidiu. Schon den ganzen Vormittag hatte uns die Frage gequält, ob Suppe und Hauptgericht nicht etwas viel wären. Die Kellnerin löste das Problem, indem sie uns das Tagesmenu empfahl. Bohnensuppe und Chicken mit Reis - beides in nicht zu riesigen Portionen. Klang fast so wie das Tagesmenu neulich in Fiezel, war aber beim Hauptgericht diesmal Hähnchengeschnetzeltes in einer leckeren Rahmsauße. Das war uns doppelt lieb.
Der Himmel war bedeckt. Wir sahen erstmal zu in die Bude zu kommen. Es ging die bereits bestens bekannten Nebenstraßen dorthin. Ein kleines Nickerchen, anschließend Tee und Chremeschnittchen - das konnte etwas Kräfte wecken. Der Himmel war nun "mit Chance". Wir überlegten, dass man etwas Kundschaft mit eveeeeentueller Fotochance verbinden könnte. Es waren zwei Güterzüge auf die Nebenbahn Șărmășag - Săcueni nach Șimleu Silvaniei eingelegt.
Der erste war schon gefahren, aber der zweite Teil krauchte irgendwo bei Zalau herum. Wir fuhren einfach mal zu. Kurz vor Șărmășag checkten wir das System. Nun war der zweite Zug gerade auf die Nebenbahn abgebogen. Wir sahen zu, dass wir zum Bahnhof Șimleu Silvaniei kamen. Hier wurde die Landschaft schon wieder gut bergig. Kurz vorm Bahnhof konnte man erkennen, was hier Sache war. Ein großes Tanklager, sogar mit Werklok und voll mit Kesselwagen. Als wir am Bahnhof ankamen war dieser allerdings leer. Aber nur für etwa eine Minute. Nachdem der Regen vorhin eine ordentliche Abkühlung gebracht hatte, gab es jetzt eine fiese, stechende Hitze, als wir das Auto verließen. Wir konnten den eintreffenden zweiten Zugteil dank einer kleinen sonnigen Phase sogar fotografieren, auch wenn der Bahnhof vielleicht nicht die ganz große Schönheit gewesen sein mag.
Kesselzug 663604 erreicht seinen Zielbahnhof Șimleu Silvaniei.
Fortan wurde der Zug vom Wachdienst des Tanklagers bewacht. Gegen Fotos hatten die aber nichts einzuwenden.
Na, das war ja schon mal was. Ich checkte mal im System, was denn überhaupt hier so an Güterzügen geht. Dabei fiel auf, dass der meiste Güterverkehr - allerdings auf niedrigem Niveau - sogar noch weiter bis Suplacu de Barcău geht. Und ganz wenig noch weiter bis Marghita, was immerhin über zwei Drittel der Strecke ausmacht. Es zog wieder zu und wir rechneten uns kaum Sonnenchancen für den Umleiter-IR aus. Deshalb beschlossen wir, uns die weitere Strecke und vor allem die Güterzielbahnhöfe mal anzuschauen. Parallel zur Strecke ging es weiter. Über kleine Anhöhen wurde immer mal das Tal gewechselt.
Etwas überraschend war dann der Ausblick von einer Anhöhe bei Suplacu de Barcău. Vor uns lag New Vanango! Das Reich des Ölprinzen. Auf mehreren Quadratkilometern Fläche erstreckten sich Ölpumpen, Bohrtürme und ein unübersichtliches Geflecht aus Rohrleitungen. Einige Teile der Anlage waren offensichtlich in Betrieb, andere wirkten völlig verwahrlost. Alles in allem sah das nach einem riesigen industriellen lostplacigen Abenteuerspielplatz aus.
Bildstock am Rande der Ölfelder von New Vanango...
...das in Wirklichkeit Suplacu de Barcău heißt.
Der Bahnhof konnte ordentlich Züge fassen. Die Masse an Ausfahrsignalen erinnerte an Viseu de Jos. - Für uns ging es weiter nach Marghita. Dazu wählten wir aber nicht den direkten Weg, sondern den Bogen über Popești. Bis hier sollte laut Karte nämlich eine Stichstrecke von Marghita her führen. Als wir die Strecke querten, waren die Schienen allerdings zugeteert und der Bahnkörper völlig überwuchert. In Marghita standen im Bahnhof allerdings auch paar Kesselwagen.
Ein Triebfahrzeug in Form einer schnuckeligen Draisine...
...stand immerhin im Bahnhof Marghita.
Nun mussten wir die Weichen stellen. Es war nun 18 Uhr durch. Fahren wir zu einem zeitigen Abendessen direkt nach Tășnad oder wollen wir unser Glück nochmal in Valea lui Grenzbahnhof versuchen? Am Westhimmel überwog eindeutig die Helligkeit - wenn auch durchzogen von Wolken und Schlonz. Wir entschieden uns für einen Versuch in Valea lui Mihai, verbunden mit dem festen Vorsatz, dann eben dort auch Essen zu gehen. Es gab dort am Ortsausgang ein weiteres Lokal, das wir dann mal testen konnten.
Aber vor der Kür kommt die Pflicht. In Valea lui Mihai stand einiges im Bahnhof. Die teils furchtbar stationär festhängenden Wolken erlaubten zwar nicht von jeder Fahrzeugbewegung ein Bild, aber das Wesentliche ging sich aus. Heute erschien auch der erste saubere 628, den wir im Urlaub sahen, auf der Bildfläche. Die bisherigen waren alle beschmiert. Die Ausfahrt des IR nach Budapest gab es in leichter Variation ebenfalls wieder. Am Ende freuten wir uns, den schönen Bahnhof nochmal ausführlicher festgehalten zu haben.
Wie gestern, aber etwas günstiger, stand auch heute in Valea lui Mihai eine Regio-Garnitur fotogen auf Gleis 1 abgestellt.
Der Bahnhof ist gut voll. Die ungarische Lok hatte gerade IR 686 angebracht und läuft nun um, um IR 366 nach Ungarn befördern zu können. Dass hier ein Walter steht, ist wohl auch normal.
R 10610 verlässt den Bahnhof nach einer Kurzwende.
IR 366 startet in Richtung Grenze.
Mit hübschen Silowagen rundet Gz 60714 die Parade der abendlichen Züge ab. Signaltechnisch fand ich interessant, dass der absolut krumm durch die Weichen fahrende Zug Hp1 bekam, während der schnurgerade fahrende IR eben auf Hp2 ausfahren musste.
Völlig verschwitzt ging es nun zum Restaurant Faház, das wir bisher für eine Truckerpinte gehalten hatten, das aber innen einen eher besseren Eindruck machte. Zur Belohnung des verdienten Tages und als Abschiedsabend(!)essen gab es die Fleischplatte für zwei. Am Nachbartisch wurde derweil gezeigt, wie man Kinder ruhigstellt. Der Lütte starrte ununterbrochen auf ein Smartphone, auf dem irgendein Filmchen lief, in dem Enten redeten und Schweinchen Lieder sangen, in deren Genuss wir natürlich auch kamen. Der phlegmatische starre Blick des Kleinkindes auf den Bildschirm fand null Unterbrechung, als ihm sein Essen in den Mund gestopft wurde...
Zum Abschlussabendessen gibt es die Grillplatte für zwei im Restaurant Faház vor den Toren von Valea lui Mihai.
Der Abschluss war nun wieder die Autofahrt auf den Nebenstraßen durch die goldenen Felder, die nun aber nicht mehr von der Sonne erfasst wurden. Es pressierte etwas, wie das halt mal so ist, wenn man gut gegessen hat. Es pressierte sogar sehr intensiv! Doch plötzlich waren wir umringt von einer riesigen Schafherde. Das waren sicher paar hundert Tiere. Und die waren auf der Straße in der gleichen Richtung wie wir unterwegs! Da haben wir erstmal zehn Minuten zugesetzt. Ich hab es dann aber noch rechtzeitig geschafft! ;-) Dennis konnte derweil noch die Nachzahlung bei der Wirtin vornehmen, so dass man das auch geklärt hatte.
Die Nacht war drückend warm und ohne einen Luftzug durchs Fenster gewesen, so dass man nicht so sensationell gut geschlafen hat. Heute Morgen rechneten wir nicht mit Wetter und hatten eigentlich auch nicht groß Programm. Deshalb hatten wir einen entspannten Start verabredet. Den ersten Kaffee gab es direkt in der Bude, dazu noch ein leckeres Chremeschnittchen... Fixpunkt war heute die Autoabgabe in Cluj-Napoca am Flughafen so um und bei 16 Uhr. Unser Wunsch war heute nochmal der kleine Grenzverkehr in der Prärie. Diesmal würde er wohl die 60 in Rumänien-Farbgebung vor haben.
Wir starteten um 8:30 und fuhren mal wieder die schönen kleinen Straßen in Richtung Valea lui Mihai, durch die großen Dörfer Santău und Andrid mit ihren vielen Storchennestern auf den Lampen- und Leitungsmasten, durch die Siedlung Chereușa, wo man immer paar Hemmschwellen umfahren konnte und durch eine Siedlung, die bei mir nur "Agrarknast" hieß, weil da eine riesige ziemlich massiv eingezäunte LPG war. Dazwischen herrlich zügiges Fahren durch die goldenen Hügel. Vor Valea lui Mihai bogen wir direkt nach Curtuișeni ab, wo wir uns plangemäß in der Prärie aufstellten. Hier wehte ein angenehmer kühlender Luftzug. Die Feldlerche war auch da, aber auch andere melodische Vogelstimmen. Nur die Sonne fehlte. Erst jedenfalls. Später wurde es etwas blauer am Himmel. Der kleine Grenzverkehr, der tatsächlich die Rumänienlok vor hatte, klappte mit ganz leidlicher Ausleuchtung.
Ok, die besondere Lok hätte man vielleicht größer fotografieren sollen, aber mir war dieses schöne Prärie-Landschaftsmotiv wichtiger. R 6822 mal wieder bei Curtuișeni.
Und derselbe Zug nochmal von näher betrachtet.
Das war es an Fotoprogramm. Wir warteten noch den Block ab, falls ein Güterzug in Valea lui Startbahnhof losfahren wollte, und stiegen dann ins Auto. Es ging direkten Weges via Tășnad, Zalau nach Cluj. Der Verkehr lief topp, und so konnten wir uns hinter Zalau in einem kleinen Dorf wunderbar Zeit für ein Mittagessen nehmen. Ich wollte zum Abschluss nochmal Mititei haben. Als Beilage wurde ein "Stew aus weißen Bohnen" angeboten. Das war richtig lecker und passte topp zu den Hackfleischröllchen. Ich glaube, da war ordentlich Knobi dran...
Auf der weiteren Fahrt konnte man sich immer wieder vom Baufortschritt der Autobahn überzeugen. Und als wir bei Nădășel auf die Kreischtalbahn trafen, konnten wir uns auch von deren Baufortschritt überzeugen. Dazu machten wir sogar einen kleinen Abstecher nach Gârbău.
Der Ausbau der Kreischtalbahn geht voran, hier östlich von Gârbău.
Und der Blick auf den Bahnhof Gârbău.
Dann ging es in den Endspurt. Wir waren zeitlich genau richtig dran. In Rumänien sind jetzt diese Self-Spalatories, also Autowäschen zum Selberwaschen, wie Pilze aus dem Boden geschossen. Eine solche frequentierten wir spaßeshalber auch mal direkt und spritzten das Auto zumindest gründlich mit dem Hochdruckstrahl ab. Kurz nach 16 Uhr trafen wir am Flughafen ein.
Der Mittelplatz blieb leer, und so war der Flug schön angenehm. Die Wolken hatten sich im Laufe des Tages ziemlich aufgelöst. Der Ausblick nach dem Start auf das Apusenigebirge mit seinen tief eingeschnittenen Tälern und Almwiesen auf den wenigen flacheren Hochflächen war eindrucksvoll. Da erstreckt sich eine ziemlich menschenleere Gegend. Aber auch später hatte man schöne Ausblicke auf das goldgrüne Schachbrettmuster der Korn- und Sonnenblumenfelder Ungarns. Weiter westlich gab es mehr Wolken. Aber Salzburg, Wasserburg und den Chiemsee konnte man wunderbar erkennen.
Der Flug war irre verfrüht in München angekommen. So hatte ich nicht nur viel Umsteigezeit, sondern irre viel. Na ja, so war Zeit für den leckeren Krustenbraten beim Käfer. Und nebenbei gab es wie immer genug zu schreiben. Etwas unerfreulich war eine Diskussion am Nachbartisch zwischen einer Frau und dem an sich netten Kellner, die zwar nicht laut wurde, aber immer "intensiver". Am Ende wurde sogar der Manager hinzugezogen, der, wie es kulanztechnisch heute wohl so üblich ist, der Frau Recht gab.
Der Flug war voll, aber sehr angenehm. Wer es nicht glaubt, dass im Norden die Sonne aufgeht, der hätte es auf diesem Flug gesehen. Nach dem Start war die Sonne eine etwa viertel rote Scheibe am Horizont. Im Laufe des Fluges wurde die rote Scheibe immer größer, bis sie schließlich ganz aufgegangen war. Sobald es dann aber wieder etwas tiefer ging, war das Schauspiel zuende.
Ich hatte heute aufgrund der späten Ankunftszeit ernsthaft drüber nachgedacht, mir mal ein Taxi vom Flughafen nach hause zu leisten. Als ich sah, dass die S-Bahn auch noch Bauarbeiten hätte, war die Sache klar. Topp zügig gelangten wir über die Elbe auf meinen Wilstorfer Hügel. Den Preis nenne ich jetzt aber nicht ;-) Es war aber weniger als erwartet. Und ich hab mich echt gefeiert für diese Entscheidung. Mittlerweile habe ich noch paar andere interessante Tipps bekommen, wie man mit Carsharing am günstigsten zum Flughafen kommt. Muss ja nicht immer sein, aber in extremer Tagesrandlage ist das einfach schick.
Auch wenn es wettertechnisch wieder mal so typisch war, dass man bei der Anreise einen Toppwettertag "sinnlos" verprasst und die eigentlichen Urlaubstage dann mehrheitlich eher viel an Bewölkung bereit hielten, so können wir uns nicht beschweren. Die Maramureș-Eisenbahn als unser Hauptanliegen, für das wir nötigenfalls wohl auch den gesamten Urlaub aufgewendet hätten, konnten wir immerhin nach dreieinhalb Tagen als so "abgehakt" betrachten, dass man sich nochmal einem anderen Thema zuwenden konnte. Dass das Thema "Kreischtalumleiter" im Prinzip nur aus einem schön im Licht fahrenden Zug bestand, war uns vielleicht nicht genügend bewusst gewesen, aber für mich brachte das Thema endlich mal Bilder vom herrlichen Formsignalbahnhof Valea lui Mihai mit sich, über die ich mich sehr freue. Und auch sonst hat man der Gegend ja paar nette Motive abgetrotzt. Insofern freue ich mich insgesamt über unsere Ausbeute.
Richtig erfreulich fand ich auf dieser Tour, dass sich die Eisenbahner uns Fotografen gegenüber so aufgeschlossen zeigten. Nirgends wurde gemeckert; im Gegenteil - fast immer wurde freundlich geschaut oder gegrüßt. Der überraschende Höhepunkt war in dieser Hinsicht jedenfalls der Bahnhof Valea lui Mihai. Die Einheimischen queren ohnehin rege die Gleise auf mehreren inoffiziellen Wegen, so dass wir es ihnen nachmachen konnten. Aber auch die Kameras haben niemanden auf den Plan gerufen. Vor der Reise hatte ich mir extra eine CFR-Seite gespeichert, aus der hervor geht, dass deren Züge nur zu professionellen oder Werbezwecken nicht ohne Erlaubnis fotografiert werden dürfen. Aber zum Glück mussten wir niemanden überzeugen. Vielleicht hätten wir spaßeshalber mal zum Bahnhof General Gh Avramescu fahren sollen ;-) - siehe Reisebericht 2019.
Bleiben wir beim Thema Personal. Auf zurückliegenden Touren hatten wir uns immer mal wieder gefragt, wie die CFR wohl den Generationswechsel hinbekommen will, sah man doch als Weichenwärter oder Schrankenposten zumeist sehr "altgedientes" Personal. Und die CFR hat ja nun wirklich noch eine Masse an Posten zu besetzen. Auf der zurückliegenden Tour gab es dazu zumindest eine Teilantwort. Erstmals fielen bei den Posten mehrere jüngere bis mittelalte Mitarbeiter auf, die allem Anachronismus zum Trotz sichtlich mit Spaß auf ihren Diensträdern durch die Gegend flitzten. Allerdings werden viele Stellen offenbar auch nicht neu besetzt. Gerade auf der Maramureșbahn wurde das deutlich, wo gegenüber 2018 von den Bahnhöfen Fiad, Săcel und Iza das Personal abgezogen worden war. Trotzdem ist die Strecke immer noch ein mega personalintensiver Betrieb, und es ist ein Jammer, dass all diese Menschen ihre Schichten für so wenige Fahrten absolvieren.
Teuer ist es geworden, dieses Rumänien. Natürlich ist es für uns immer noch sehr günstig, aber wenn ich mir ältere Reiseberichte durchlese, so sind da Übernachtungspreise aufgeführt, die man so beiweitem nicht mehr antrifft. Eine gewisse Angleichung an mitteleuropäische Preise täten dem EU-Land grundsätzlich ja auch gut. Und wieder mal konnte man erfreulich feststellen, wie das Land seine Infrastruktur immer besser herausputzt. Vor elf Jahren fanden wir bei der ersten Rumänientour ein Land der Schlaglochpisten vor. Von denen hatten wir dieses Jahr keine einzige mehr. Statt dessen entstehen Umgehungsstraßen, Autobahnen und es wird sogar eine Bahnstrecke grundmodernisiert. Oder eine Kommune wie Valea lui Mihai leistet sich ein fesches Radwegenetz in der Stadt.
Ja, Rumänien bleibt spannend!