Stängt og innstilt - Skandinavien März 2026

Autor: Jan-Geert Lukner. Alle Rechte am Text und an den Bildern liegen beim Autor.

Zum Ausdrucken bitte in der Druckvorschau unter "Seite einrichten" die Ränder auf max. 5mm beschränken und als Skalierung "Auf Seitengröße verkleinern" wählen. Dann sollte alles auf dem Papier ankommen. Das Drucken von Hintergründen bitte unterbinden. Alternativ ginge auch Querformat und "Auf Seitengröße verkleinern".
Text zu breit für das Browserfenster? Der Text hat eine festgesetzte Breite von 1200 pixeln. Bei kleineren Monitorauflösungen kann mit gleichzeitigem Drücken der Tasten [Strg] und [-] die Darstellung verkleinert werden, so dass es passt.

✈ = Drohnenbild

Der Anlass dieser Tour war die Verabredung, dass mein Cousin Hendrik und ich seine Schwester Ingrid besuchen wollten, die im schwedischen Karlstad lebt. Die Terminfindung war äußerst anspruchsvoll, aber irgendwann hatten wir es. Hendrik fand einen günstigen, aber irre frühen Flug ab Düsseldorf via FRA nach Göteborg. Ich fand nichts, was mich angemacht hätte - jedenfalls nicht auf dem Luftweg. Stena zeigte sich allerdings nicht so furchtbar teuer, und eine Schifffahrt ist einem Flug unbedingt vorzuziehen. So war die Fähre bald gebucht. Nach dem gemeinsamen Verwandschaftsteil wollte ich noch paar Tage da oben dranhängen und Fotos machen. Für die Rückfahrt nahm ich mir ein umbuchbares Flexiticket, das Stena immerhin für nur 10€ mehr anbot.

Donnerstag, 19.03.2026

Bis Mittag konnte ich noch arbeiten, dann ging es mit ausreichend Sicherheitsmarge los. Die Winterjacke musste mit - das sagten die Wetterberichte einhellig. Den Weg den Wilstorfer Hügel runter zum Bahnhof durch frühlingshaften Sonnenschein nahm die Jacke allerdings zusammengequetscht im Koffer. In der S-Bahn nach Altona kamen sage und schreibe fünf Bettler durch, die teilweise sogar beleidigend wurden, wenn Fahrgäste auch nur eine gehobene Augenbraue zeigten. Zum Schluss nervten sie sich gegenseitig, weil zwei gleichzeitig durchkamen. Bei allem menschlichen Schicksal, das dahinterstecken mag, musste ich doch an den zurückliegenden London-Aufenthalt denken und daran, dass das bei dem vielen Personal dort in diesem Ausmaß kaum vorkommen könnte.

RE 22520: Hamburg-Altona 14:15 - Kiel Hbf 15:21

Wegen der Verbindungsbahnsperrung ging es in Altona los. Immerhin nicht erst in Pinneberg... Der rote Dosto-Wendezug war nur mäßig gefüllt, aber total verdreckt. In England käme ja auch mal zwischendurch jemand zum Reinigen durch... Ok, ich hör jetzt auf mit England...


Und schon ist der Schluss wieder drin. Aber die Bahnhofshalle des Kieler Hbf hat was.

Das Wetter hatte sich geändert. In Kiel empfing uns geschlossene Bewölkung und es war merklich kühler geworden. Auf dem Weg zur Fähre hätte ich zumindest eine leichte Jacke anhaben können. Aber die dicke mochte ich dann doch nicht aus dem Koffer holen.

Wider Erwarten war die Fahrt vollkommen pünktlich verlaufen, so dass ich meine Sicherheitsmarge oder zumindest eine Stunde davon nach dem Einchecken im Stena-Terminal abhängen konnte. Dort war noch gar nichts los. Die Halle, in der bereits fünf Leute warteten, lag ruhig da. Wirklich ruhig? Nein. Eine von den Fünfen war nämlich die kleine Sophia. Und die Arme hatte leider noch nicht lernen dürfen sich zu benehmen. Bzw ihre Mutter versuchte gerade, ihr ein wenig Erziehung zuteil werden zu lassen. Leider erfolglos. So schrie und tobte Sophia also die ganze Zeit herum, wälzte sich auf dem Boden und beglückte alle mit ihrer akustischen Omnipräsenz - in der ansonsten ruhigen Halle.

Der Ausblick auf die Förde war trotzdem schön. Und die Vorfreude. Um 16:30 begann das Boarding. Ich erhielt eine Kabine ganz oben in Deck 10. Die war gar nicht so einfach zu erreichen, da die meisten Treppenhäuser auf Deck 10 nur in irgendwelche "Crew only"-Bereiche führten. Egal, damit konnte man sich arrangieren. Die Stammleser meiner Reiseberichte warten sicher schon gespannt auf den Satz "Und nebenan zog natürlich Sophia mit ihrer Mutter ein". In diesem Punkt kann ich zum Glück enttäuschen. Aus den Nachbarkabinen ist auch eine Stunde nach Boarding noch kein Geschrei zu hören. Vielleicht suchen sie aber auch noch das richtige Treppenhaus.

Stena Germanica: Kiel 18:45-11 - Göteborg 9:15

Das große Fressen, also das Buffet, sollte bereits um 18:00 beginnen - eine Dreiviertelstunde vor Abfahrt. Viel los schien in dem Riesenkasten aber nicht zu sein. Nicht nur die Halle war leer geblieben, auch in den Autospuren hatte sich der Andrang in Grenzen gehalten. Kurz vor dem Buffet bin ich noch aufs Sonnendeck raus. Da war auch nicht viel los. Ziemlich ruhig. Ganz ruhig? Nein. Sophia war hier und beschimpfte und beleidigte gerade lauthals kreischend ihre Mutter. Ok, 18 Uhr, mein Tisch wartet. Und tschüss!


Gegen die Kabinengröße ist definitiv nichts zu sagen.

Ja, über das Buffet hüllen wir dann mal lieber den Mantel des Schweigens. Es hat mal wieder alles sehr großartig geschmeckt. Das war das Problem. Ich hab viel zu viel gefressen. Die beiden anderthalbstündigen Schichten zum Fräsen waren eingestampft worden, weil kaum was los war. Ich hätte also statt bis 19:30 bis 20:30 bleiben dürfen. Dummerweise lechtzte aber bereits um 19:30 alles in mir nach einem Deckspaziergang.


Es ist angerichtet.

Mittlerweile war es dunkel geworden. Und mit Verlassen der Förde gab es auch gar nicht mehr so viel zu sehen. Ich zog mir die dicke Jacke über und drehte paar Runden über die offenen Decks inklusive Sonnendeck. Das war alles sehr verschachtelt, man konnte treppauf- und -ab laufen. Einige Bereiche waren nur spärlich beleuchtet. Da ich hier komplett allein war, war das schon etwas gruselig. Wenn ich über Bord gegangen wäre, hätte das niemand bemerkt. Ein Fall für Kommissar Borowski...

Im Duty Free Shop gab es gekühlt nichtmal Bier. Man will wohl der Bar keine Konkurrenz machen. So nahm ich ein Ramlösa Citrus mit ins Abteil und machte es mir gemütlich. Da konnte man auch schön rausschauen und nichts sehen...

Freitag, 20.03.2026

Wider Erwarten habe ich trotz der Völlerei wunderbar geschlafen. Die See war ruhig und es war kaum etwas von der Bewegung des Schiffes zu spüren. Morgens hatte ich tatsächlich schon wieder Appetit auf das Frühstück. Ich bekam sogar wieder einen schönen Fensterplatz und konnte vor allem den Kaffee genießen. Zwei Tische weiter unterhielt sich eine Rentnergruppe laut auf Pfälzerdeutsch. Das ist aber 1000x besser als Sophia. Und einen Tisch weiter lästerte ein jüngeres Paar über das Pfälzerdeutsch. Hier war was los!...


Einlaufen in Göteborg.

So war bald Göteborg erreicht. Das Andocken der Gangway scheint tatsächlich eine ziemliche Wissenschaft zu sein, so lange wie zwei Mann da rumgedoktort und immer wieder bedenkliche Blicke in den Spalt geworfen haben. (Das war jetzt wieder eine Anspielung auf die zurückliegende GB-Tour, wo es am Ende nicht geklappt hatte.) Hier wurde doch noch alles gut und ich konnte über die lange Fußgängerbrücke (zu der man im Terminal nicht dem großen Exit-Wegweiser folgen darf) zur Straßenbahn laufen. Zu meiner Überraschung kam da sogar noch ein M29 angefahren. Im letzten Sommer hatten wir keinen gesehen; aber da waren wir auch nur am Wochenende in Göteborg. Da zwischen den Wolkenteppichen immer wieder Sonne durchkam, bin ich bereits vorm Centralbahnhof ausgestiegen und hab den Fotoapperat gezückt.


Wenigstens einen M29 bekomme ich zwischen Kungsportsplatsen und Brunnsparken vor die Linse.


An einer der vielen Haltestellen des Knotens Brunnsparken fährt ein M31 ein.

Aber bald zog es wieder zu und ich musste ohnehin zu meiner Verabredung mit Sixt. Dort wurde ich zweimal gefragt, ob ich nicht doch lieber ein Upgrade hätte, was ich zweimal verneint habe. So bekam ich das Upgrade auf einen VW Tayron ohne Aufpreis, denn der bestellte Golf war nicht verfügbar. Ich konnte in Ruhe alles vorbereiten (das wird bei modernen Autos immer komplizierter; zum Glück bin ich mit VW einigermaßen vertraut, aber es gab viele Unterschiede zu meinem) und dann zum Landvetter Airport fahren, wo Hendrik bereits wartete.

Tja, und dann ging es stramm nordwärts. Immer die E45 entlang. Mal war sie zweispurig je Richtung, dann kam man gut voran. Und wenn es einspurig wurde, hatte man immer Schleicher vor sich. In Trollhättan gab es einen Stopp bei Burger King, dann weiter. Nach Norden zu wurde es immer sonniger. Wenn man das gewusst hätte, hätte man noch nen kleinen Schlenker zum Holzzug bei Gunnita machen können, aber dafür fehlte nun eine halbe Stunde...

Im Best Western Savoy in Karlstad bekam ich ein schönes Zimmer. Das Hotel liegt direkt am Bahnhof, doch dazwischen die Straße war Großbaustelle. Immerhin war der Parkplatz offen. Um 17 Uhr trafen wir uns mit allemann am Hotel. Es gab eine kleine Runde durch die Stadt, einen ersten Drink an der Dachbar des Stadshotellet (im Freien! Da war man über die Winterjacke froh!) und später zum Abendessen beim Italiener Ll Amice eine leckere Pizza.


Großer Busknoten in Karlstad am Stora Torget.


Die Dachterrasse des Stadshotell war einer dieser Orte nach dem Motto "Kann die Welt schön sein!". Nebenan befand sich sogar ein rege genutzter dampfender Pool! Blick auf einen Arm des Klarälven.

Samstag, 21.03.2026

Heute gab es die große Runde durch Karlstad. Wir konnten im Heimatkundemuseum einen weißen Elch knutschen, sahen den sich ins Delta teilenden Klarälven mit dem schönen Sandgrundspark zwischen den Flussarmen und sind am Pråmkanalen zum Inre Hamn mit seiner Hafencity gelaufen.


Der noch vereist daliegende Pråmkanalen in Karlstad.

Danach gab es eine Autofahrt auf die vorgelagerte Insel Hammarö. An deren Südspitze konnten wir wunderschön spazieren gehen. Dort wurde der Wunsch erfüllt, einen so freien Blick auf den Vänern zu haben, dass man meint, man stände am Meer.


Nach einem Fußweg haben wir die Sydspets erreicht und das offene Meer liegt vor uns. Ein Meer voller Süßwasser! Der Vänern.


✈ Das Skage Fyr markiert hier die Südspitze der nur durch Flussarme des Klarälven-Deltas vom Festland abgetrennten Insel Hammarö.


✈ Der Vänern mit den vorgelagerten Skallholmarna.

Nach einigen weiteren Abstechern per Auto durch Skoghall, dessen Holzfabrik gelegentliches Ziel der Holzzüge von Torsby ist, ging es zurück nach Karlstad, wo wir den Abend der örtlichen Gastronomie widmeten.

Sonntag, 22.03.2026

Unser Hotel Best Western Savoy direkt in der Innenstadt und gegenüber vom Bahnhof Karlstad C gefiel uns. Auch das Frühstücksbuffet ließ nichts zu Wünschen übrig. Heute gab es eine Runde durch das Fryksdalen. Auf der Ostseite ging es über teils kleinere Straßen nordwärts mit Zwischenstopps an einer Fornborg, einer Fluchtburg auf einem kleinen Felsplateau. Nur dass von der Burg nichts mehr vorhanden war. Aber da stand mitten in der Wildnis ein erklärendes Schild. Die nächste Station war das Herrenhaus von Selma Lagerlöf, Mårbacka. Das hatte aber noch saisonstängt.


Hier gab es also mal eine Fornborg. Das muss man aber auch wissen...


Der Mårbacka herregård bei Sunne. Hier wurde die "Mutter" von Gösta Berling und Nils Holgersson geboren - Selma Lagerlöf.

Weiter ging es via Sunne hoch nach Torsby und auf der anderen Seite der Fryken-Seenkette auf der E45 wieder südwärts. Man war hier zu dieser Jahreszeit absolut noch nicht auf Touristen eingestellt. Weder hatte in Sunne ein Café geöffnet noch hatte der Rottneros Herregård offen, den wir mitsamt toller Parkanlage anschließend besichtigen wollten. Seit Mittag fuhren wir fast nur noch durch Sonne. Damit ich nicht zu sehr leiden musste, bat ich darum, den in Kürze anstehenden Triebwagen hier unterhalb fotografieren zu dürfen. Das klappte dann auch recht schön vom Golfplatz aus, den ich - der Nichtsaison sei Dank - für mich allein hatte.


✈ Mit der Kirche von Sunne im Hintergrund kommt R 8984 zwischen Kolsnäs und Rottneros am Ufer des Mellan Fryken angepoltert.


Auf dem Platz des Sunne Golfklubb ist noch kein Betrieb, als der Transitio-Triebwagen vorüberrollt. Transitio ist ein Fahrzeugpool, der von mehreren regionalen Betreibern geschaffen wurde, um gegen Fahrzeugengpässe gewappnet zu sein.

Irgendwie hatten wir es dann auch gesehen (oder eben nicht) und fuhren nach Karlstad zurück. Dort gab es einen schönen Abend mit Essen und Wein bei Ingrid zuhause.

Montag, 23.03.2026

Für heute war nochmal viel schönes Wetter angekündigt. Nach dem wieder mal vorzüglichen Frühstücksbuffet konnte ich immerhin eine Aufnahme von der Bahnhofsbrücke machen. Der Triebwagen aus Charlottenberg war freundlicherweise weit genug vorgezogen.


Wegen momentaner Sperrung des Bahnsteigtunnels in Karlstad C halten die Triebwagen schön weit am östlichen Bahnsteigende in der Nähe der frisch eröffneten Bahnsteigbrücke.

Heutiges Programm war eine etwas längere Autofahrt gen Südosten bis hinter Mariestad. Dort erhebt sich am Ufer des Vänern der ganz für sich stehende Tafelberg Kinnekulle aus der Landschaft, und zwar aus einer hübschen Landschaft mit altem Baumbestand und prächtigen Gutshöfen. Wir suchten verschiedene Aussichtspunkte auf, die einen grandiosen Blick über die Weite des Vänern ermöglichten. Leider war der Aussichtsturm mal wieder geschlossen mangels Saison, und plötzlich zog von Südwesten eine geschlossene Bewölkung herein.


Blick vom Hang des Kinnekulle auf den mit 5519 qkm viertgrößten Binnensee Europas oder auf den größten außerhalb von Rußland.


Blick vom Kinnekulle auf die Industrie von Hällekis und die Weite des Vänern.

Dennoch liefen wir anschließend eine Runde durch das Munkängarnas Naturreservat mit seinen licht stehenden Laubbäumen und einem markanten Felsgrat. Zum Abschluss ging es an den Vänern, und zwar an der herzallerliebsten kleinen Siedlung Råbäcks hamn.


Die Felsen im Munkängarnas Naturreservat.


Stillgelegter Kalksteinbruch mit dem Kinnekulle im Hintergrund.


Råbäcks hamn.


Da lagen sogar Schienen. Der Steinmetzbetrieb in dem roten Haus war noch aktiv.

Da wir dringend tanken mussten, fuhren wir zurück einen Bogen über Götene, wo es neben Sprit auch lecker Köttbullar gab. Um kurz nach 18 Uhr waren wir zurück in Karlstad.

Dienstag, 24.03.2026

Das war dann auch schon wieder der verwandschaftliche Teil. Ich brachte Hendrik um 8 Uhr zum Zug nach Göteborg und plante mein weiteres Vorgehen. Ich hätte mir sehr gut vorstellen können, hier in der Gegend noch paar Zugfotos einzuschieben, doch das Wetter hatte natürlich jetzt erstmal auf mindestens zwei Tage Dauergrau mit Regen umgeswitcht. Das war ja wieder typisch. Ein alternatives Interessensgebiet hatte geringfügig besser bewertetes Wetter: Die Sørlandsbahn in Norwegen. Dort wollte ich mal hin, bevor GoAhead da nicht mehr ahead fährt. Ich beschloss, dort mal vorbeizuschauen. Vielleicht würde das Wetter ja doch besser als angesagt werden.

So verließ ich das Hotel und Karlstad um kurz nach 10, nachdem ich an der Unterkunftssituation rund um Arendal etwas verzweifelt war und erstmal nichts gebucht, wohl aber zwei Unterkünfte in die engere Wahl genommen hatte. Ich brauchte ja praktisch nur in Karlstad auf die E18 und im Zielgebiet wieder runter. Also alles an einer Straße. Nur deren Schlenker über Oslo wollte ich nicht mitmachen, sondern durch den Oslofjord-Tunnel abkürzen. Eigentlich. Die Fahrt durch Schweden und bis Norwegen rein war sehr angenehm, aber landschaftlich natürlich auch eintönig.


Kleiner Unterwegshalt im Regen.

In Norwegen begann sogar bald die Autobahn. Irgendwie hatte das Navi allerdings unbemerkt von mir entschieden, dass ich die Fähre Moss - Horten nehmen soll. Als ich das merkte, wäre der Tunnel ein zu großer Umweg gewesen. Also weiter nach Moss! Bei der Fähre gab es sogar noch einen menschlich bedienten Schalter. Ich war etwas verwundert, weil 2021 im Norden die Fähren alle per Kennzeichenerkennung über das Mautsystem abgerechnet wurden. Vielleicht hätte ich einfach die Epass-Spuren nutzen können, denn den Mietwagen hatte ich natürlich wieder in meinem Epass-Account registriert.

Der Betrieb dieser stark frequentierten Fähre war beeindruckend. Wenn eine Fähre ablegte, näherte sich die nächste schon wieder dem Anleger. Und es handelte sich um eine Hotdog-Fähre. So hatte ich 2021 bei meiner Fährentour die Fähren genannt, auf denen man in der Cafeteria ordnungsgemäß ein Pølsebrød erwerben konnte. Auf dem Oslofjord herrschte eine Mischung aus Nebel und diffusem Sonnenschein. Und das Schiff wurde ordentlich durchgeschaukelt.


Die Gegenfähre auf dem Oslofjord.

Google Maps ist echt komisch. Vielleicht sollte man denen mal schreiben, dass Moss - Horten keine Brücke, sondern eine Fähre ist. Jedenfalls hatte Google nach Ankunft in Horten die Ankunftszeit am Ziel um 25min nach hinten korrigiert. Da wäre der Tunnel wohl schneller gewesen. Und viel billiger... Aber ich war verwundert, dass nur noch gute zwei Stunden Fahrt vor mir lagen. Es ging auf die E18 (wieder mal), die bis hinter Larvik durchgehend Autobahn ist. Danach ist sie Baustelle. Vielfach jedenfalls. Es tut sich was. Die Ölmilliarden wollen gut angelegt werden.

Zwischenzeitlich hatte ich mich bezüglich der Unterkunft festgelegt und gebucht. In Arendal gefiel mir irgendwie alles nicht. Ein schön abseits in Froland Verk gelegenes Häuschen mit tollem Blick auf einen See, das recht günstig war, hätte mich zwar angelacht, aber es hatte vernichtendste Kritiken. Das musste ich mir dann auch nicht geben. Die Hotels in der Stadt erklärten einhellig, dass man einen öffentlichen Parkplatz mit Kosten von um die 30€ am Tag nehmen müsse. Darauf hatte ich mal gar keine Lust. Ein Apartment in Twedestrand sah ganz nett aus und hatte gute Kritiken, rief aber einen Preis von 130€/Nacht auf.

Als ich auf der booking.com Karte schaute, wie man von dort an die Sørlandsbahn kommt, fiel mir eine Preisangabe, die nur die Hälfte von dem Preis in Twedestrand betrug, unweit von Nelaug auf, wo ich definitiv mit keiner Unterkunft gerechnet hätte. Das war eine nette kleine Wohnung direkt am Fluss, allerdings völlig am Mors der Welt zwischen Simonstad und Åmli. Bis Åmli sollten es acht Kilometer sein, und dort sollte es wohl alles geben, was man so braucht. Der Haken (oder auch nicht) an dieser Hütte war, dass es noch gar keine Bewertungen gab. Erst überlegte ich noch, dass man im Winter vielleicht doch etwas mehr Zivilisation um sich haben möchte, aber angesichts des Preisunterschieds buchte ich Åmli / Simonstad.

Auf der E18 tauchten nordwestlich immer wieder blaue Abschnitte am Himmel auf. Aber da lag jeweils nichts, was einen Abzweig gelohnt hätte. Andererseits musste ich ja nicht unbedingt schon vor 17 Uhr in der Unterkunft sein. Als vor Gjerstad auch wieder blauer Himmel zu sehen war, bog ich dorthin ab. Die Abendperspektive auf den großen Viadukt am Stadtrand fehlte mir noch. Im Angesicht der Bahnstrecke erstmal ein Schock: Die Oberleitung wurde gerade umgebaut, die chromeglänzenden H-Trägermasten standen schon. Was nervig - genau das hatten wir an der Sørlandsbahn schon mal - vor 12 Jahren nördlich von Egersund... Ich konnte nur hoffen, dass die Motive, um die es mir hauptsächlich geht, wenigstens keine Doppelbemastung (alt und neu) haben. Der Viadukt von Gjerstad war zum Glück nicht betroffen. Dort konnte ich tatsächlich einen Bm73 mit Sonne fotografieren, obwohl das Licht ständig zwischen an und aus wechselte.


Rt 713 quert vor Gjerstad die "Bru over Gjerstadselva". Das schmucke, aber sehr dunkle Blau von GoAhead Nordic gibt es nur auf der Sørlandsbane und ihrer Nebenbahn Arendalbane zu sehen.

Von Gjerstad ging es nun auf (zu) direktem Wege gen Unterkunft. Google jagte mich das erste Stück über eine Gruspiste mit Matsche und Schlaglöchern. Später, als man wieder Asphalt unter den Rädern hatte, war es gutes Fahren. An den wenigen Stellen mit Bahnblick konnte man erkennen, dass auf Nelaug zu die neue Oberleitung in Betrieb und die alten Masten weg waren. Immerhin keine Mastendopplung. Das ließ auf meine Hauptmotive für die Folgetage hoffen. Dafür war nun beim anderen Verkehrsmittel Baustelle: Rund um Simonstad wurde die Straße neu gebaut. Für wen??? Na ja, immerhin lag meine Unterkunft nicht neben der Straßenbaustelle - noch jedenfalls nicht. Es war wunderschön dort, die Lage war traumhaft. Das Anwesen lag völlig einsam für sich, war von der schwach befahrenen Landstraße durch einen kleinen Felsgrat getrennt und bestand aus einer großen Wohnung und vermutlich zwei oder drei kleinen, von denen eine meine war. Daneben stand auf einem Felsen eine kleine Sauna mit Panoramablick auf den Fluss. Außer mir war niemand da. Der Schlüssel sollte stecken - und das tat er auch.


Bei dem Ausblick aus meiner "Hütte" sollen sich die folgenden drei Tage wohl aushalten lassen...

Nach dem Abladen des Koffers ging es nach Åmli, wo ich tanken und im Supermarkt einkaufen konnte. Eine Cafeteria und einen Imbiss gibt es dort auch sogar - falls die nächsten Tage Frustfressen angesagt ist... Heute musste ich nach der Rückkunft erstmal mit der Heizung kämpfen - leider ohne Erfolg. Sie konnte 17 Grad, doch mehr wollte sie nicht. Ich schrieb das mal dem Vermieter Håkon und bereitete mir mein Chicken Tikka Masala zu. Beim Essen war es mir warm genug. Als ich abgewaschen hatte und draußen das Gelände inspizierte, kam Håkon mit einem elektrischen Heizer. Er versprach, dass sich morgen jemand die Heizung ansieht. Und mit dem Radiator war es definitiv warm genug.

Mittwoch, 25.03.2026

Wie angekündigt wachte ich bei bewölktem Himmel und sogar Regen auf. So konnte ich erstmal bei direktem Blick auf Fluss und Stromschnelle frühstücken. Sah man sogar Tiere drüben auf der Halbinsel? Nein, das waren wohl Steine. Aber ich blieb wachsam... Die Temperatur im Bereich der Veranda war auf lauschige 20° gestiegen. Ich schrieb Håkon eine Entwarnungsnachricht.


Blick von der Veranda vor meiner Wohnung auf den Nidelven.

Im Laufe der Zeit wurde es heller und heller. Durch die dünne Wolkenschicht kam mehr und mehr Licht hervor. Da musste das Zeitunglesen warten. Ich beschloss, einfach mal zu "meinen" Wasserfällen zu fahren, wegen denen ich eigentlich hauptsächlich hier war. Dort konnte man sich auch schön ungestört an den Rand stellen und Zeitung lesen. So fuhr ich mal los. Die Straßen hier in der Gegend sind traumhaft leer und machen Spaß zu fahren. Es waren allerdings auch einige Ausbaumaßnahmen im Gang.

A pro pos Ausbaumaßnahmen. Als ich in Hynnekleiv wieder die Bahn erreichte, sah ich das Elend: Hier herrschte wieder Parallelität der Masten! Helle chromglänzende Masten trugen schon die Erdungskabel, während die Holzmasten noch den Fahrdraht trugen. Na super! Damit waren hier in der Gegend praktisch alle Normalmotive unbrauchbar. Ich konnte nur auf die Brücken über "meine" Wasserfälle hoffen, dass es da vielleicht ähnlich wie gestern in Gjerstad wäre. Am Ende war es so: Über den Herefoss führten die neuen Kabel rüber, über den Hanefoss war es dagegen so wie gestern in Gjerstad.

Ich lief erkundenderweise etwas rum. Beim Blick von einem Felsen stellte ich fest, dass der Zug nach Oslo bald kommen müsste und dass die Sonne schon recht ordentlich rauskam. Da ich die Kamera gar nicht mitgenommen hatte, musste ich eben ein Handybild machen...


Eine überraschende Aufhellung erfasst Rt 706 bei der Querung des Hanefossen.

Beim Gegenzug schmodderte es wieder stärker. Egal, es war schön hier. Für heute war ja nur gegen Ende des Tages Sonne angekündigt gewesen. Insofern war jedes Bild ein Bonus. Leider sollten heute auch viele Züge ausfallen, unter anderem alle auf der Arendalbahn (die an den Vortagen noch gefahren war). Hab dann nochmal nachgelesen: Die vielen morgendlichen Ausfälle waren geplanten Bauarbeiten geschuldet, aber der Ausfall eines Umlaufs auf der Sørlandsbahn und der Ausfall des Arendalbahn-Umlaufs wurden mit Fahrzeugstörungen begründet.

Über Mittag war der Schlonz komplett abgezogen, hatte aber Platz für kompakte "ehrliche" Wolken gemacht. So blieb es zu den Zugdurchfahrten spannend. Die Fahrten der 13-Uhr-Kreuzung in Nelaug klappten netterweise beide mit Sonne. Zum Glück kreuzten die Personenzüge wegen der Verspätung des Ostfahrers bereits in Helldalsmo. Sonst wäre nämlich die Frage gewesen, ob die den bald folgenden Onrail Güterzug noch bis Herefoss durchgenommen hätten oder nicht.


✈ Zwei Stunden später ist volle Sonne da. Rt 708 quert ebenfalls den Hanefoss, wird aber jetzt seitlicher von der Drohne beobachtet.


✈ Ein Zugpaar fährt tagsüber lokbespannt. Rt 709 quert den Herefoss kurz nach Verlassen des gleichnamigen Bahnhofs.

Aber so blieb es bei der planmäßigen Kreuzung des westfahrenden Pz mit dem Güterzug in Fidjetun. Da musste ich mich beeilen, denn den Güterzug wollte ich gern nochmal oben vom Felsen machen, wo ich vorhin den Bm73 mit dem Handy gemacht hatte. Schnell hochgehechtet und hingestellt. Als die Zuggeräusche zu hören waren, schob sich erstmal eine Wolke vor die Sonne. Doch bis der Zug am Auslösepunkt war, war zumindest das Hauptmotiv wieder komplett in der Sonne.


Onrail Containerzug 5910 quert den Hanefoss.

Nun war etwas Pause. Ich saß schön am Rande des Hanefoss und genoss den Tag. Aber ich musste auch etwas aufpassen, denn aus beiden Richtungen näherten sich CargoNet-Züge. Und der lokbespannte Rt aus Stavanger kam noch vor dem ostfahrenden Güterzug. Irgendwie sammelten Rt und westfahrender Güterzug schon wieder Verspätung. Eigentlich hatte ich gedacht, dass die in Fidjetun kreuzen, aber bald war klar, dass das den Personenzug verbiegen würde. Und noch balder war klar, dass der Gütermann in Herefoss an die Seite gegangen war. Mich störte es nicht, denn die Standpunkte für die beiden Züge lagen nur 10m auseinander. Trotz etwas zunehmender Wolkendichte klappten beide Züge topp.


Von unten kommt der Wasserfall noch eindrucksvoller. Rt 710 quert den Hanefoss.


Aus der Gegenrichtung kommt eine El16 mit dem Zug 5801. (Der Lanfer-Container hinter der Lok hat seine zwei folgenden Brüder erst nachträglich am Rechner bekommen).

Erst als der Güterzug westwärts weitergefahren war, wurde ich gewahr, dass die nächste Wolke dann auch das Ende der Sonnenfreuden markierte. Von Westen zog nun wieder dicke, geschlossen aussehende Bewölkung heran. Da nutzte es auch nichts, dass der westfahrende Cargonet bereits in Fidjetun mit dem ostfahrenden Cargonet kreuzte. Der war zwar besser beladen, hatte aber eine langweilige Railpool 185 vor und kam ohne Licht.

Es war jetzt erst 15 Uhr durch. Auch wenn langsam Ahnungen von Hüngerchen aufkamen, musste ich noch nicht in die Hütte zurück fahren. Ohnehin hatte ich vor, am Herefoss entlang in die Höhe zu steigen, um zu schauen, ob man da etwas mit den zur Zeit imposanten Wassermassen machen könnte. Aber einen besseren Ausblick als von der Brücke des Fahrwegs war wegen des Uferbewuchses nicht drin. Auf dem Fahrweg etwas höher stehend - das wäre es gewesen. Na gut, dann wusste ich das jetzt auch. Mit dem Auto gab es dann noch einen Abstecher zur Staumauer oberhalb des Hanefossen, wo ich einmal über die Mauer schlendern konnte. Und wieder zurück.

Es war zwar immer noch früh, aber langsam wurde das Hüngerchen stärker. Und die Hütte ist ja auch schön. So rollte ich gut gelaunt mit Filmmusik aus der Serie "Lilyhammer" durch die Wälder zurück. Erst nach Åmli Downtown, wo es paar ergänzende Besorgungen gab, und dann ins Häuschen. Dort hatte man sich erst noch um Drohnen-Backup und die Akkus zu kümmern, so dass die Uhr schon wieder 6 zeigte, als das Essen auf dem Tisch stand. Die Bude war nun - auch ohne den Radiator - mollig warm.


Das Anwesen mit meiner Wohnung am Nidelven.

Nach dem Essen gab es noch nen schönen Spaziergang am Fluss entlang und über Felsen in den Fluss. Håkon war auch hier und frequentierte die Sauna oben auf dem Felsen. Später telefonierte er lange in der Nachbarwohnung. Das war alles sehr hellhörig. Aber man hat ja Kopfhörer dabei.

Donnerstag, 26.03.2026

Das Morgenprogramm hing ganz eindeutig vom Gebotenen ab: Wie wäre das Wetter in der Frühe? Würde nach Arendal wieder etwas fahren? Die konnten doch nicht tagelang eine Nebenstrecke stilllegen, weil ein Triebwagen kaputt war? Was das Wetter angeht, so war die Vorhersage insbesondere für die erste Tageshälfte massiv eingebrochen. Vermutlich rechneten sie mit Hochnebel. Das gestern wirkte auch schon so. Also war jedenfalls kein Gewaltstart nötig...


Ausblick von der Terrasse mit den ersten Sonnenstrahlen.

Tatsächlich waberten morgens riesige Wolkenteppiche am Himmel, zwischen denen allerdings auch immer wieder hübsch die Sonne durchkam. Auf der Arendalbahn wurde wieder gefahren. Den Gewaltstart zum 7-Uhr-Zug schenkte ich mir allerdings. Ich peilte den 9-Uhr-Zug im Ortsbereich Flaten an. So konnte ich wieder schön entspannt mit Flussblick frühstücken. Um 8:30 saß ich im Auto und konnte auch eine ganze Weile durch Sonne fahren. Erst auf der Nebenstraße nach Flaten tauchte ich in ein Wolkenfeld ein, hoffte aber, dass es sich mit mir südwärts verschob. Irgendwie zog es aber gar nicht. Der Bm69 kam ohne Sonne angefahren.

Die Züge des 11- und 13-Uhr-Knotens wollte ich nochmal in Herefoss machen. Das passte gut; die Fahrzeit betrug genau eine Stunde. Auf der Fahrt hatte man ununterbrochen das endlose Blau vor sich. Die Hoffnung war gegeben, dass man bis Herefoss unterm Wolkenfeld hervor gekommen wäre oder dass es zumindest rechtzeitig zu den 11-Uhr-Zügen abzieht. Wobei von den beiden Zügen nur noch der nach Stavanger übrig geblieben war. Der nach Oslo war mit +30 in Kristiansand angekommen ab dort innstilt...

Aber das konnte (zumindest mir) auch egal sein, denn das Wolkenfeld war in Herefoss natürlich noch nicht zuende und bewegte sich praktisch gar nicht. Auf dem Satellitenbild konnte man gut erkennen, dass man sich mitten in einem Wolkenkeil befand, der nicht zog, sondern sich immer irgendwie umbildete - und zwar auf für mich eher ungünstige Weise. Auch ein Umzug an die Arendalbahn hätte nicht viel Sinn gehabt. Neeeervig. Da hatte man vom am schönsten angekündigten Tag definitiv mehr erwartet... Der 13-Uhr Knoten verging auch, ohne dass irgendeine Hoffnung auf Sonne bestanden hätte.

Zwar waren im Osten und von Norden her einiges Blau am Himmel, aber die Zuggeschwindigkeit der Wolken hatte etwas entschleunigtes. Nun sollten noch paar Güterzüge kommen. Als erstes der Onrail ostwärts und dann der CargoNet westwärts. Die Wolkendecke bröselte ein wenig. Wenn man schon mal hier war, konnte man es versuchen. Für den Onrail probierte ich es am Hanefossen, doch da war nur ein Hauch von Licht.


✈ Auch heute kommt Onrail Zug 5910 vorüber. Als er den Hanefoss querte, gab es erstes zaghaftes Sonnenlicht.

Nun schnell zum Herefossen für den CargoNet. Hatte man den Onrail nun in Herefoss für die Kreuzung stehen gelassen oder musste CargoNet in Helldalsmo warten? Beide hatten am jeweiligen Bahnhof gleichzeitig geschrieben, aber ich konnte nicht sehen, bei welchem Zug es sich nur um eine Ankunftsmeldung handelte. Das nicht zu wissen, war schon blöd bei einem Motiv mit null Vorwarnung und Drohne in der Luft. Drohne? Zum Glück kam mir die Idee, dass die Drohne ja mal in den Bahnhof schauen konnte, ob der Onrail da noch steht. Der Bahnhof war leer, ich konnte erstmal wieder runterkommen. Zwanzig Minuten später klappte mein Wunschmotiv mit dem Cargonet dann wunderbar - sogar mit Sonne!


✈ CargoNet Zug 5801 hat heute eine Traxx vor und quert die Brücke oberhalb des Herefoss.

Nun war es auch gar nicht mehr so lange hin bis zum lokbespannten Rt nach Oslo. Der war am Herefossen nichts, aber am Hanefossen konnte ich ihn nochmal aus anderer Perspektive mitnehmen. Mittlerweile überwog am Himmel das Blau, was natürlich wunderschön war. Auch der Zug klappte bei bestem skandinavischen Licht!


✈ Den lokbespannten Rt 710 gibt es am Hanefossen nochmal in der etwas weiträumigeren Drohnenperspektive.

Gut, dass der Zug pünktlich gewesen war. So passte es prima, nun für das Spätnachmittagsprogramm an die Arendalbahn zu fahren. Meine Hoffnung war, dass sich die Wolken jetzt überall auflösten. Ich wählte nicht den direkten Weg per Matschpiste über den Berg, sondern den nördlichen Bogen und konnte mir in Messel, zwischen Blakstad und Rise, gerade noch ein passendes Motiv suchen. Auf der Fahrt waren im Osten dicke Wolken zu sehen gewesen, doch an der Bahn stand man unter tiefblauestem Himmel. War das schön!


Unterwegs gab es in Gauslå diese Scheune mit hervorschauendem Schmuckstück zu bewundern.


Lt 2071 passiert auf der Arendalbane südlich von Blakstad die Häuschen von Messel.

Für den Gegenzug passte der hübsche Bahnhof Rise. Ok, ist bekannt, aber so viele Möglichkeiten gibt es für Nordfahrer auch nicht, und es ist einfach nett dort. Ein Vater brachte sein Sohn zum Zug und parkte blöd vorm EG, stellte sein Auto auf meine Bitte hin aber woanders hin. Auf dem Fahrweg rechts musste natürlich im allerletzten Moment ein Auto angefahren kommen, das aber bei einer frühen Auslösung vielleicht noch nicht störend im Ausschnitt ist. Also alles gut!


✈ Noch immer ist im Bahnhof Rise, wo früher der Streckenzweig nach Grimstad abzweigte, der alte Bm86 heimisch.


Bm69 653 gesellt sich als Lt 2072 kurz dazu.

Für den Zug um 17:20 von Nelaug wollte ich mir mal anschauen, wie frei ein anderes Toppmotiv der Strecke ist: Die Kirche von Froland nebst Flussbrücke. Das sah dann auch alles wunderhübsch aus. Und ich vermutete, dass das Licht noch lange genug ins Tal kommen würde. Etwas Sorgen bereitete mir eine zehnminütige Verspätung des Zuges von Oslo, auf den sicher in Nelaug gewartet würde. Hier im Tal eine gute Stunde vor Sonnenuntergang kam es auf jede Minute an. Eigenartigerweise kam auf balise.no eine Abfahrtmeldung mit +1. Später dann eine mit +5. Aber erst bei der mit +9 kam der Hinweis, dass der Zug nach Arendal Nelaug "passiert" habe. Es passte alles noch gut. Mehr als fünf Minuten später hätte er nicht kommen dürfen - dann wäre zumindest die Brücke in den Schatten gewandert.


✈ Nach dem Bedarfshalt in Froland quert Lt 2073 den Nidelven bei der Froland kirke.

Meine App meinte, dass Sonnenuntergang um 18:54 sei. Im Flachland jedenfalls. Ob der Zug, der um ca 18:25 hier durchs Tal rollt, noch irgendwo Sonne abbekäme? Ich fuhr nochmal die einschlägigen Stellen hier unten rund um Blakstad ab. Am ehesten gab ich der Kurve nördlich Blakstad eine Chance. Sie kam im gleißenden skandinavischen Abendlicht einfach wunderbar. Realistisch betrachtet gab ich der Sache keine Chance, auch wenn der nächste Höhenzug im Westen weit weg und niedrig war. Aber wenn ich jetzt aufgebrochen wäre, hätte ich mich die ganze Zeit gefragt, ob ich nicht irgendwas Sensationelles verpasst hätte...

Um 18:07 war klar: Das Licht geht aus. Ich war erlöst und konnte über die einsamen Waldstraßen der Telemark die Heimreise antreten - erst nach Åmli zum Dorfhöker und dann in die Hütte. Und - yippieh - der Parkplatz war leer und ich konnte das Haus in aller Stille genießen. Einfach unglaublich, wie sich der Tag noch gewendet hatte. Neben den Motivvarianten an den Brücken freute mich besonders, dass ich endlich auch mal Fotos von einem der blauen Bm69 auf der Arendalbahn hab machen können.

Freitag, 27.03.2026

Für heute war für die frühen Morgenstunden noch etwas Sonne angekündigt und dann gar nicht mehr. Jedenfalls war heute der Auszug aus der schönen Hütte geplant. Da ich aber erst morgen Nachmittag in Göteborg sein musste, hatte ich Zeit. Zuuuu viel Zeit aber auch wieder nicht, denn der Himmel war bis auf paar kleine Schleier noch genauso tiefblau wie gestern Abend. Daran änderte sich auch während des Frühstücks nichts. So erinnerte ich mich an eine offene Rechnung in Flaten und fuhr da mal direkt hin. Im Westen war jetzt die große Bewölkung zu sehen, aber der 9-Uhr-Triebwagen klappte noch topp.


✈ Lt 2065 passiert den Wasserturm von Flaten...


...und kurze Zeit später den Haltepunkt.

Die Stille hier in Flaten war der Hammer. Gelegentlich hörte man Wasservögel, ansonsten herrschte die totale Ruhe. Weil das Wetter noch so schön war, entschloss ich mich zu einem kleinen Erkundungsspaziergang zum Flatefossen. Mit dem Auto darf man da offiziell nicht reinfahren. Paar "Nice to have"s konnte ich mir notieren. Aber der Gewaltstart für den 7-Uhr-Zug hierher hätte sicher genau gar nichts gebracht, da im Osten einige Höhenzüge bestimmt noch Schatten gespendet hätten.

Um diese Erkenntnisse reicher schlenderte ich zum Auto zurück. Hatte ich erst gedacht, nun bei Nelaug etwas zu machen, ging ich dann doch erstmal in Warteposition, denn die Wolkengrenze rückte näher und dürfte Nelaug bald erreicht haben. So konnte ich noch etwas die Stille genießen, während ich die Wolken beobachtete. Nebenbei gab es zwei Tiere zu beobachten. Die entpuppten sich bei näherem Hinsehen als Katzen, aber riesige Viecher! Hab mal gegoogelt: Das waren vermutlich Norwegische Waldkatzen. Prächtige Tiere!


Leider habe ich mich recht schwer getan, die beiden Norwegischen Waldkatzen zu fotografieren. Hier "er" etwas teilverborgen.


Und hier "sie" anders teilverborgen ;-) Prächtige Tiere. Waldkatzen können durchaus domestiziert sein.

Bevor sich auf der Schiene etwas tat, war die Bewölkung auch in Flaten angekommen. Die eheste Sonnenchance rechnete ich mir noch unten bei Blakstad aus. Dorthin musste ich einen riesigen Bogen fahren, da der direkte Fahrweg Flaten - Bøylefoss bekanntlich für öffentlichen Verkehr gesperrt ist und man auf Schildern mit geschlossenen Schranken droht. Auf diesem Bogen befährt man auch die einspurige Straße Nes Verk - Bøylefossen. Eine der abenteuerlichsten Straßen, die ich kenne, mit ihren ganzen uneinsehbaren Kuppen und Kurven. Seit sie asphaltiert ist, wird dort aber ordentlich geheizt! Leider waren in Blakstad auch schon die Wolken. Aber am Bahnhof Arendal erwischte ich den Zug nochmal in einer kleinen Wolkenlücke.


Lt 2067 ist im Endbahnhof Arendal angekommen und wird schon bald nach Nelaug zurückkehren.

Ok, das war es dann wohl hier in der Gegend. Schön wars mal wieder. Ich setzte mich auf die E18 und fuhr nordwärts. Die Straße ist recht spannend und abwechslungsreich. Mal ist sie vierspurige Autobahn, mal Schnellstraße mit Überholabschnitten und teilweise auch ausgebaute Landstraße. Und immer wieder wird gebaut; die Autobahnabschnitte werden immer mehr. Irgendwo in den weiten Wäldern standen plötzlich Menschenansammlungen auf den Brücken über die E18. Einige schwenkten Norwegen-Fähnchen. Kommt jetzt der König entgegen? Nein, plötzlich tauchte in der Gegenrichtung ein endloser Tross von LKWs, Traktoren und anderen Nutzfahrzeugen auf. Oh Mann, die hätte ich nicht vor mir haben wollen... Kurz vor Porsgrunn fand ich den netten Veikro "Telemarkswingen" am Wegesrand, wo es mit Saltkjøtt, Rüben-Möhren-Püree und relativ festen Klößen, deren Zusammensetzung mir nicht ganz klar war (Gries vielleicht?) und die mit zwei-drei Speckstückchen gefüllt waren, richtig gute norwegische Hausmannskost gab. Schade, sowas hätte man die Tage mal mehr haben wollen.


Saltkjøtt im Veikro Telemarkswingen.

Nebenbei buchte ich mir eine Unterkunft in Sarpsborg. Und ich recherchierte mal, ob man bei der Fähre Horten - Moss nun einfach die Epass-Spuren nehmen könnte und über das Nummernschild abgerechnet wird. Die Google KI wollte wissen, dass es so sei. Bei allen anderen Quellen war aber immer von einem Chip die Rede, den man haben müsse. Dies wurde mir auch an der Kasse der Fähre, wo ich lieber die Spur mit Kassenhäuschen gewählt hatte, bestätigt. Ich kam gerade noch als vorletztes Auto mit. Draußen auf dem Oslofjord kreuzte die Color Magic unseren Weg. Mit der wäre ich einen Tag früher in Kiel.


Unsere Fähre "Bastø VI" hat es gerade noch vor der Color Magic quer über den Oslofjord geschafft.

Nachtrag: Die Nutzung der Fähre brachte noch ein Nachspiel mit sich. Es ging damit los, dass Sixt nach der im Voraus bezahlten Ausleihe eine Nachforderung in Höhe von 175 Euro einzog. Der Betrag war in der Rechnung als "Express Maut" erklärt. Ich hatte in Verdacht, dass mich irgendein Blitzer erwischt hätte, aber dann sollte das da auch stehen. Die wie immer äußerst hilfreiche Kundenbetreuung von Sixt brachte die Erläuterung: Es handelt sich um die norwegischen Mautgebühren! Hmmm, dazu hatte ich den Mietwagen doch bei Epass24 registriert! Die Abrechnungen für diesen Zeitraum hätten direkt über mich erfolgen müssen. Zu einem kleinen Teil war das auch der Fall, aber diese 175 Euro (darin enthalten natürlich anteilige Bearbeitungsgebühr von Sixt) eben nicht. Nächste Frage: Wie kann man es schaffen, in vier Tagen 175 Euro Maut zusammenzufahren? Das geht selbst in Norwegen nicht! Jedenfalls nicht bei den kurzen Distanzen, die ich gefahren bin... Sixt war so freundlich, einen Screenshot von deren Abrechnung mit zu schicken.

Und nun kommt die Fähre ins Spiel! Zusätzlich zum Ticket am Kassenhäuschen waren die 304 NOK auf der Hinfahrt viermal (!) per Nummernschilderkennung und auf der Rückfahrt einmal abgerechnet worden. Ich habe also hin und zurück 5x 304 NOK zu viel bezahlt... Derzeitiger Stand ist, dass ich jetzt die Fährgesellschaft angeschrieben habe. Mal sehen, wie bürokratisch die sich anstellen... Aber hey - damit ist die Frage geklärt: Die Nummernschilderkennung klappt doch bei der Fähre! ;-)

Da es noch relativ früh am Tag war, cruiste ich auf dem Weg nach Sarpsburg mal entlang der Østfoldbane, die wir 2009 ausführlich beackert hatten. Der Wiedererkennungswert war reichlich vorhanden. Ich kam auch an der "wichtigen Kreuzung" vorbei (siehe Reisebericht von 2009...). In Sarpsborg findet gerade ein großer Test statt. Kann eine Stadt ohne Supermarkt auskommen? Ich bin wirklich kreuz und quer durch die Stadt gefahren, aber es gab außer im Einkaufszentrum in der Innenstadt, wo ich nicht extra rein wollte, einfach nix. Erst nach langer Zeit entdeckte ich einen Extra-Markt, dessen Zufahrt als Baustellenzufahrt getarnt war. Ha, da will sich wohl ein Supermarkt heimlich dem großen Test entziehen? ;-)

Ich besorgte mir paar Getränke und suchte das Hotel auf. Das lag in einem Park und war schon recht edel. Es handelte sich um den historischen Borregaard hovedgård, der vom 11. bis ins 14. Jahrhundert sogar der norwegische Königshof war und danach als Herrenhaus genutzt wurde. An den Wänden hängen viele alte Gemälde; die Einrichtung ist sehr edel. Die Dame von der Rezeption verpasste mir erstmal eine kleine Führung durch das Haus. Wie kam ich dazu, in solch einem Haus zu buchen? Nun ja, da war das Frühlingsangebot. Das Einzelzimmer kostete "nur" 90€, was für Norwegen eher günstig ist.


Im Borregaard herregård.


Das Herrenhaus von außen.


Und die Scheune, in der jetzt eine Bar und Veranstaltungsräume sind.

Da ich nach dem leckeren Essen im Veikro auch noch das obligatorische Pølsebrød auf der Fähre hatte, fiel das Abendessen heute aus - vielleicht mal abgesehen von der Tüte Chips, die ich noch hatte. Morgen sollte es nochmal ganz schönes Wetter geben. Ich schaute mal, was man in der Umgebung am Vormittag so anfangen könnte. Das war ernüchternd. Der durchaus zahlreiche Gesamtverkehr zur Personenbeförderung sollte ausschließlich mit Bm74 bestritten werden, die in ihrer graugrünen Farbgebung einfach nur unattraktiv sind. An Güterverkehr war im daglig graf lediglich ein einziger Zug von Norden bis Sarpsborg aufgeführt, der sich "natürlich" mit dem Frühstück biss, das ab 8 serviert werden sollte. Mein System kannte den eh noch nicht...

Samstag, 28.03.2026

Beim Aufwachen war es draußen neblig. Kein Grund zur Hetze. Da konnte ich erstmal um 8 Uhr das Frühstück warnehmen, das von einem sehr aufmerksamen Kellner serviert wurde. Etwas ärgerlich war es aber schon, dass einige Gäste mit ihrem Frühstück schon fast fertig waren, als ich reinkam. Da war das mit 8 Uhr wohl eine Fehlinfo gewesen. Tja, würde das noch eine Rolle spielen?

Vor dem Frühstück hatte ich gesehen, dass der Güterzug tatsächlich rollte - und zwar planmäßig. Dass er durch Wegfall von Kreuzungen etwas vor Plan durchs Motiv kommen könnte, hatte ich mir schon ausgerechnet. Nach dem Frühstück musste ich aber leider feststellen, dass er auch einen Überholaufenthalt in Moss nicht wahrgenommen hatte. Der überholende RE hatte +6, na toll. Ok, es war eh alles grau in grau draußen; der Nebel war einer Art Hochnebel gewichen. Dennoch bummelte ich nicht groß rum und saß um 8:40 im Auto. Unterwegs gab es durchaus schon die eine oder andere Aufhellung. An der "wichtigen Kreuzung", die inzwischen ihren schönen alten Metall-Wegweiser in alle vier Richtungen verloren hat, durfte ich wieder nicht abbiegen - schade.

Als ich am Motiv angekommen war, muss der Güterzug vor fünf Minuten durchgefahren sein. Da höchstens mal winzige Sonnenspots durch die Gegend zogen, würde ich die Wahrscheinlichkeit, dass er super sonnig durchs Motiv gefahren ist, als eher unwahrscheinlich bezeichnen. Aber wer weiß? Immerhin kam der nachfolgende RE, der mit den +6, in einem Sonnenspot durchgefahren. Das war ja was!


Der NSB-Nachfolger Vy betreibt den RE-Verkehr auf der Østfoldbane zwischen Oslo und Halden mit einzelnen Verlängerungen bis Göteborg und sogar Malmö. Rt 107 hat den Betriebsbahnhof Onsøy durchfahren und wird gleich Fredrikstad erreichen.

Als nächstes wollte ich mal einen Blick von der hohen Straßenbrücke über die Glomma in Fredrikstad werfen. Dort hatten wir 2009 mal einen von Halden einfahrenden Triebwagen gemacht. Ich parkte wieder in dem Wohngebiet am nördlichen Brückenkopf. Doch wie wir damals das Bild von der Einfahrt gemacht haben, ist mir schleierhaft, denn auf der Ostseite war (jetzt) gar kein Gehweg (mehr). Und auf dieser sicherlich kameraüberwachten Hochbrücke über irgendwelche Geländer zu klettern, um vom Fußweg auf die andere Seite zu gelangen, fiel mir nicht im Traum ein. Ich hab auch zugesehen, nicht zu lange da rumzustehen, sonst meldet mich noch irgendsoein Gutmensch aus dem Auto als Selbstmörder. Der Blick auf der Westseite runter war auch gar nicht verkehrt. Man musste sich auch noch hinhocken, weil man nur unten die Kamera durchs Geländer stecken konnte. Oben drüber hatten sie jetzt einen engmaschigen Zaun gesetzt.


Rt 152 mit der Stadtkulisse von Fredrikstad.

Es war Kreuzung. Der Nachschuss hatte ja durchaus geklappt, aber es durfte gern der Vorschuss sein. Doch bei der Ausfahrt nach Halden legte sich exakt zum Zug der Schatten einer winzig kleinen Wolkenfluse über das Motiv. Grrr. Erst noch überlegt, ob man das eine Stunde später nochmal probiert, doch irgendwie zogen von Westen her die Wolken schon wieder massiv auf. Das und das hier eingesetzte Zugmaterial war das Warten definitiv nicht wert. Laut Satbild sollte es in Schweden noch sonniger sein. Ich überlegte, einen kleinen Schlenker über Vänersborg einzubauen. Das war es mal wieder mit Norwegen...

Drüben in Schweden war von Aufhellungen aber auch nicht viel zu bemerken. So beschloss ich das ganz entspannte Programm und aß kurz vor Munkedalen erstmal zu Mittag. Danach schaute ich mir den Bf Munkedalen an. Laut Aushang war die Strecke nach Strömstad "mal eben" von August 2025 bis Dezember 2026 gesperrt. Oh ha, da müssen die sich jetzt aber ranhalten, denn zumindest der Bf Munkedalen befand sich im verlodderten Altzustand. Weiter nördlich hatte ich schon gesehen, dass die Oberleitung abgebaut war. Zu einer kleinen Siesta mit schönem Blick auf einen Sund und vorgelagerte Inseln stellte ich mich dann noch bei Strandskogen auf eine halbe Stunde hin.

Dann ging es in den Endspurt. Eine Stunde noch bis Göteborg. Google wollte mich zum Centralbahnhof ständig von der E6 runterlotsen auf irgendwelche anderen Straßen. Ich ignorierte das und fand auch die richtigen Abfahrten und Abzweigungen zur Tankstelle kurz vor dem Bahnhof und dann zum Bahnhof selbst. Während ich das Auto ausräumte, kam richtig klares Sonnenlicht raus und schaffte skandinavische Stimmungen.


Autochen hat gute Dienste geleistet.

Als ich mich mit Sack und Pack auf einem Bahnsteig an Zugaufnahmen versuchte, war aber gerade wieder Wolke. Kaum stand ich an der Straßenbahn, schien wieder die Sonne - diesmal war der blaue Abschnitt sogar richtig groß. Ich betätigte mich kurzerhand an einigen Straßenbahnaufnahmen. Schade war nur, dass die alten Einzelwagen wohl wirklich am Wochenende nicht fahren. Aber die Fahrzeugvielfalt ist schon eine Show - genau so wie die Verkehrsabwicklung an der großen Kreuzung unweit des Hbf mit zig Abzweigungen und Parallelfahrmöglichkeiten.


Auf dem Platz vor Göteborg Centralstation beobachte ich einfach mal das Treiben der Straßenbahnen und drücke ab, wenn mir gerade mal kein Passant vor die Linse läuft...


Das schöne Gebäude im Hintergrund (hier rechts) ist das Hotel Post, während der Hauptbahnhof leider gerade in Folie eingepackt ist (hier links).


Begegnung zweier M31. Die Kehre auf dem Bahnhofsvorplatz wird wegen Bauarbeiten ausnahmsweise von Planzügen genutzt.


M31 in der Kehre.


M31 und M34.


M33 in der Kehre.


M33 und M32.

Mit einer 9 ging es nun zum Chapmans Torg unweit des Fährterminals. Unterwegs überlegte ich noch, ob ich für Fotos unterbrechen sollte, aber ein größerer Wolkenschleier, der nun das Licht trübte, half mir bei der Entscheidung es nicht zu tun. Auf der Brücke des Fußwegs von der Straßenbahn fiel bereits auf, dass die Stena Germanica heute nicht direkt vorm Terminal abfahren würde, sondern aus "Gleis 1b", wohl einem Ersatzliegeplatz. Wir hatten schon die Nachricht bekommen, dass wir per Bus zum Schiff gebracht werden. Beim Check in wurde mir auch sogleich beschieden, dass ich sofort umdrehen und mich einer Gruppe Fahrgäste anschließen dürfe, die dabei war, mit dem Fahrstuhl nach unten zu fahren. Dort wartete der Bus, der uns nun direkt vor die geöffnete Bugklappe fuhr.


"Meine Damen und Herren, Ihre Fähre fährt heute außerplanmäßig von Liege 1b".


Einstieg durch die Frontklappe.

Das Autodeck war noch ziemlich leer, so dass man bequem das Schiff entern konnte. Mit dem braunen Fahrstuhl ging es schön zügig nach Deck 10 hoch. Dann das Übliche: An Deck rumspaziert, die letzten Verladearbeiten und später das Ablegen beobachtet.

Stena Germanica: Göteborg 17:45+5 MEZ - Kiel 9:15 MESZ

Und um 18 Uhr begann wieder das große Fressen. Dies mit Blick auf das Meer und den Sonnenuntergang - besser geht es ja kaum. Das Schiff war heute gut besucht - kein Vergleich zur Hinfahrt. Die Buffet-Schicht um 18 Uhr war sogar ausgebucht. Demzufolge bildeten sich wieder mal lange Schlangen.


Das Auge aß hier definitiv mit...

Danach pendelte ich zwischen Deckspaziergängen, Kabinenaufenthalt (Reisebericht schreiben) und shoppen. Aber auch der Duty free Laden war sehr stark besucht (besonders die Alkohol-Abteilung...). Angesichts der kürzeren Nacht wegen Zeitumstellung (kann man davon auf einer Fähre überhaupt sprechen? Das Schiff wird dann ja sicher mit +60 ankommen) nutzte ich aber auch meine durchaus vorhandene Müdigkeit, um früh ins Bett zu gehen.

Sonntag, 29.03.2026

Das war jetzt kurios. Ich habe noch nie eine Zeitumstellung so wenig wahrgenommen wie dieses mal. Es gab keine einzige Durchsage, die auf die Zeitumstellung hingewiesen hätte - weder abends noch morgens. Aber das kuriosteste war, dass wir uns um kurz nach 8 Uhr schon in der Kieler Förde befanden. Von wegen eine Stunde Verspätung - da hatte ich wohl die einzige Schnellfahrt des Jahres mitgemacht. Und ja, ich hatte mich anhand meiner Kamerauhr davon überzeugt, dass die anderen Uhren sich umgestellt hatten.

Diesmal war es gut, dass ich kein Frühstück bestellt hatte. Auch wenn ich gut einen Kaffee hätte gebrauchen können, genoss ich nun im strahlenden Sonnenschein die Fahrt durch die Förde von Holtenau bis zum Anleger. Die AIDA prima lag auch in Kiel und konnte bei der Vorbeifahrt schön von Nahem betrachtet werden. Kaffee und lecker Brötchen würde ich mir dann gleich am Bahnhof besorgen können. Dachte ich.


Im Sonnenschein laufen wir in die Kieler Förde ein und begegnen der AIDA prima.

Das Andocken der Gangway dauerte wieder mal ewig, doch irgendwann konnten die erstaunlich zahlreichen Fußpassagiere das Schiff verlassen. Mit dabei waren allerdings auch die Fahrgäste zweier Reisebusse, die erst draußen in ihre Busse stiegen. Als ich um 9:43 am Bahnhof eintraf, war dort noch der RE um 9:37 mit neuer Abfahrtszeit 9:47 angeschlagen. Tja, will man Kaffee und Frühstück, dann aber mit einem sicher sehr voll werdenden 445 fahren, oder ohne Frühstück in einen roten Doppelstockzug einsteigen, der sicher noch schön viel Platz hätte? Da nicht nur die Gäste meiner Fähre, sondern die auch zum Bahnhof strömenden Gäste der AIDA prima den kurzen 10:05-RE stürmen würden, gab es da keine zwei Meinungen. Dank für die Verspätung an die alkoholisierte Frau, die bald von zwei Sicherheitsleuten aus dem Zug geführt wurde...

RE 70: Kiel Hbf 9:37+10 - Hamburg Hbf 10:51+20

Wieder mal war der Zug furchtbar dreckig und dazu die Scheiben halbblind. Sehr schade... Aber der Zug fuhr zügig durch die (soweit ich das erkennen konnte) sonnige Landschaft Holsteins - und das war das wichtigste. Man will nach so einer Reise ja auch irgendwann ankommen.

Fazit

Skandinavien per Fähre ist eine Sache, an die ich mich gewöhnen könnte. Eine schöne Woche liegt hinter mir. Der verwandschaftliche Teil sowieso, aber danach ging dann ja zumindest noch bischen. Auch wenn das Wetter natürlich rechtzeitig zum Fototeil mühsamer wurde, habe ich immerhin mein Anliegen, die Wasserfälle bei Herefoss noch mit GoAhead aufzunehmen, umsetzen können. Die neuen Oberleitungsmasten wirkten sich da immerhin noch nicht so störend aus. Und über die Bilder des blauen Bm69 habe ich mich auch gefreut. Ein Highlight waren in Norwegen auch die Unterkünfte, so dass der Urlaubscharakter gewahrt wurde.

Zum Eingang . Zum Archiv