Autor: Jan-Geert Lukner. Alle Rechte am Text und an den Bildern liegen beim Autor.
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✈ = Drohnenbild
Der Juliurlaub war lange Zeit mit nix und mit niemandem verplant. Meine Hauptlust lag darauf, nochmal an die Märztour nach Skandinavien anzuknüpfen, und zwar auch wieder im Bereich der blauen Züge. Ich liebäugelte damit, einfach mit dem Auto via Fähre Hirtshals - Kristiansand in die wunderschöne Felsenwelt von Jæren zu fahren. Allerdings wollte ich ganz kurzfristig buchen. Das war auch gut so, weil ich meinen Urlaub dann aus beruflichen Gründen um eine Woche schieben musste. Dummerweise sollte die Jærbahn zwischen Egersund und Stavanger baubedingt am Anfang meines neuen Urlaubstermins Sa-Di gesperrt sein.
Als in der Vorwoche bei den Langfrist-Wetteraussichten ziemlich gutes Wetter orakelt wurde, buchte ich mir eine Ferienwohnung bei Varhaug und Plätze auf der Fähre. Bei den Fähren war auch schon viel ausgebucht, und für den Preis hin und zurück hätte ich wohl auch fast (!) Flug und Leihwagen bekommen. Na ja, zumindest eines von beiden... Aber jedenfalls nicht die Flexibilität. Denn ich wählte gegen Aufpreis den Tarif, den ich auch stornieren oder umbuchen konnte. Und die Fewo war bis zwei Tage vorher auch stornierbar. Somit hatte ich mich noch nicht festgelegt. Da sich die gute Vorhersage bis Sonntagmorgen hielt, ging es aber wie erhofft los.
Um 7:20 saß ich im Auto. Der Zeitpunkt war so gewählt, weil dann noch die leidliche Chance bestand, ohne Stau durch den Elbtunnel zu kommen. Und wenn mich die Wolkenfelder in Ruhe ließen, könnte ich in Padenstedt im Rahmen eines kleinen Abstechers von der Autobahn noch zwei interessante Nordfahrer fotografieren: Snälltåget und den København-Talgo. Die Wolkenfelder ließen mich in Ruhe. So konnte ich es angehen. Der Talgo ließ mich auch in Ruhe. Man hatte sich kurzfristig für Ausfall entschieden. Aber der Snälltåget klappte gut.

Na ja, konnte man am Wegesrand mitnehmen: Snälltåget D 304 von Innsbruck nach Kolding (baubedingt war dort Schluss) bei Padenstedt.
Mittlerweile hatte sich die Autobahn gut gefüllt. In dichtem Verkehr, aber ohne größere Stockungen, ging es über die Grenze bis Vejle. Dort verließ ich die stark frequentierte E45 in den Norden, denn ich wollte noch ein Zwischenziel im Nordwesten einbauen. Erst noch auf Autobahn bis Herning, dann auf teils schnurgeraden Landstraßen via Skive und Thisted ging es gut vorwärts. Die Straße querte zwei Arme des Limfjords. Dazwischen gab es von der einen oder anderen Erhebung tolle Ausblicke auf die verzweigte Wasserwelt. Die ausgeprägten Hügel dazwischen hatten schon was von Mittelgebirge. Na ja, ansatzweise... So gelangte ich mit einem kleinen Schlenker via Kiltmøller und durch eine sagenhafte Dünenlandschaft nach Hanstholm.
In Hanstholm wollte ich mir die Festungsanlagen aus dem zweiten Weltkrieg anschauen. Als ich an der Kasse des Museums fragte, ob der Eintritt für den Außenbereich hier zu entrichten sei, wurde mir beschieden, dass der Außenbereich nichts kosten würde. Wow, das war ja nicht schlecht. Natürlich interessierte mich auch die "Parkeisenbahn", die auf der Trasse der alten Munitionsbahn ihre Runden dreht. An einer Stelle konnte man die sogar gut mit Meer im Hintergrund fotografieren. Schade, für Frontlicht an der Stelle war ich wohl zwei Stunden zu spät. Hätte man das gewusst... Aber auch so war es nett. Nebenbei konnte man auf den weit verzweigten Pfaden vor Meereskulisse durch die Landschaft stromern und sich die ganzen Stellungen und Bunker anschauen. Mächtig gewaltig (ja, die Olsenbande war auch schon hier...).

Die Munitionsbahn der Festung Hanstholm dreht ihre Runden. Nach Ausfahrt aus dem Tunnel an der 4. Kanone zeigte sich das Züglein schön mit der Nordsee im Hintergrund.

Dort stand sie, die vierte Kanone. Der Bahntunnel verläuft hinter der Betonwand und hatte früher natürlich einen Abzweig in den Außengang des Betonkreises.

Der Zug verlässt mal wieder den einzigen Bahnhof. Wenn Feierabend ist, wird der Zug über das Gleis rechts in den Abstellbunker bei der dritten Kanone geschoben. Aber die wollten und wollten keinen Feierabend machen.

Nur mal so zur Doku: Hier kommt der Zug aus dem Verladebunker für die Munition hervorgerollt.
Die Eisenbahn sollte 15:30 letztmalig fahren, doch um 16 Uhr und 16:30 wurde auch nochmal gefahren. Leider führte das Gleis dort, wo der Zug nachmittags ins Licht fahren würde, durch tiefe Waldeinschnitte. Irgendwann hatte ich es gesehen und fuhr nach einem Eis nochmal an die einsamen Strandabschnitte südlich von Hanstholm. Gebadet werden darf dort nicht wegen der heftigen Strömung. Ich war dort vollkommen alleine und nahm wenigstens ein kleines Fußbad. Dabei hatte ich tatsächlich den Eindruck, dass das Wasser schnell tief wird und einen extremen Sog entwickelt. Beim Sitzen am Strand wurde es schnell frisch, doch nach Umzug in die Dünen war es wunderbar. Ich mochte mich gar nicht losreißen.

Was für ein Strand! Wir befinden uns südlich von Hanstholm.
Anderthalb Stunden hatte ich nun noch zu fahren. Kurz nach 18 Uhr verließ ich "meinen" Strand und machte mich auf den Weg nach Aalborg. Unterwegs fühlte ich mich in Skandinavien angekommen. Warum hat man immer ausgerechnet auf den Abschnitten, wo man immerhin 90 fahren darf, Schleicher vor sich, die sich nicht schneller als 70 trauen? Die an sich wären ja nicht das Problem. Da sich aber in Skandinavien niemand zu überholen traut, bildet sich hinter denen schnell ein langer Tross, der dann aus der fünften oder späteren Position kaum noch zu überholen ist. Gelegentlich hab ich es doch geschafft. Ich kam mir aber jedesmal vor wie ein Verbrecher...
Die Landschaft war schön. Erst wieder einige dieser "schroffen" Sandabhänge, später flaches Land direkt am Ufer des Limfjordes; teils sogar mitten durch Sundarme hindurch. In dieser sumpfigen oder von Binsen bestandenen Landschaft reihten sich die Vogelbeobachtungsstände und -Türme aneinander. - Irgendwann hatte ich es. Das gebuchte Prinsen Hotel lag mitten in der Stadt schräg gegenüber des Bahnhofs. Weit und breit kein freier Parkplatz. Irgendwo sollte ein "furchtbar enger" Hotelparkplatz (Zitat aus den Kritiken) sein. An der Prinsensgade (Hoteladresse) lag der schon mal nicht. Ich versuchte, die Straße auf der Gebäuderückseite zu gewinnen. Um den Block rum. Mist, Einbahnstraße falschrum, noch weiter ausholen. Nun Einbahnstraße richtigrum. Und siehe da, eine sehr enge Hofzufahrt war mit "P Prinsen Hotel" beschriftet.
Immerhin war auf dem kleinen Hof nur einer der 6-7 Parkplätze belegt. Allerdings durfte man sich dort nur hinstellen, wenn man an der Rezeption artig seine 100 DKK Parkgebühr abgedrückt hat. Das war nun etwas doof, weil die Rezeption sonntags schon ab 15 Uhr Feierabend hat. Da das alles nach wenig Andrang aussah, habe ich das Auto dort einfach hingestellt. Die übermittelten Türcodes funktionierten und schon war ich drin. Den in den Kritiken als Schmuckstück gepriesenen historischen Lift nahm ich angesichts der unbesetzten Rezeption lieber nicht.

Der Straßenzug Hjelmerstald in Aalborg.
Dann war erstmal Nahrungsbeschaffung angesagt. Ich nahm mir eine Pizza ins Hotel mit. Die war immerhin nicht ganz so furchtbar wie die vor einem Jahr in Kolding. Aber ich befürchte, das Schlusslicht in Sachen Pizza muss in Dänemark noch nicht ausgepustet werden. Danach drehte ich noch eine Runde durch die Stadt und an die Wasserfront. Die Stadt ist nicht unsympatisch und hat so ihre kleinen netten Ecken. Gegen 22 Uhr konnte ich nach Rückkehr ins Hotel nur noch konstatieren, dass ein langer und nicht ganz ereignisloser Tag hinter mir lag.
Beim Aufwachen zeigte sich Sonnenschein mit vielen Wolkenfeldern. Das war aber auch völlig egal. Ich hatte hier direkt ohnehin keine Fotoambitionen. Gumminasen unter noch nicht eingeschalteter Oberleitung reizten mich nicht und die Triebwagen weiter nördlich hatten auch keine hohe Prio. Hohe Prio hatte das inkludierte Frühstück, dass ich ab 8 Uhr genoss. Das war klein aber fein. Leckeres Brot. Ich fand alles, was ich brauchte. Nur das Rührei - nun ja, Instantpulver wohl.
So konnte ich gut gestärkt die letzten Kilometer in Angriff nehmen - nun wieder auf der Autobahn. Schon witzig; Während Fredrikshavn und Hirtshals auf der Schiene eher nebenbahnmäßig angebunden sind, spaltet sich die Autobahn hinter Aalborg und zu jedem der genannten Hafenorte führt eine eigene Autobahn. Die nach Hirtshals ist ab hier die E39, von der ich den gesamten Urlaub nicht groß loskommen werde. Hier am Ende Jütlands war nicht mehr viel Verkehr. Viele internationale Kennzeichen, vorrangig Norweger. Da ich noch relativ früh dran war, mir die hügelige Landschaft mit goldenen Kornfeldern und der Sonnenschein gefielen, fuhr ich kurz vor Hirtshals dann doch mal südlich des Hp Horne an einen gut erreichbaren BÜ. Motiv gefiel! Der Blick in den Fahrplan auch. In 20 Minuten sollte was kommen. So lange konnte ich ausharren.

Zug 1868 hat soeben den Hp Horne verlassen. Die Fahne am Haltepunkt wurde elektronisch ein wenig belebt.
Nun hatte ich noch acht Minuten zu fahren. Um 10:47 stand ich am Kassenhäuschen von Colorline und dann bald in der Wartespur. Da man dort wie erwartet in der prallen Sonne stand, war mein Abstecher nach Horne genau der richtige Zeitvertreib gewesen. Und wieder mal war ich überrascht über die kurze Wende. Erst um 11:15 legte der Dampfer an.
Vielleicht war das Schiffchen bei der Ankunft aber auch verspätet. Denn um 12:15 legten wir jedenfalls nicht ab. Erst eine knappe halbe Stunde später gingen die ersten Vibrationen durch das Schiff, die Schrauben wirbelten das Wasser auf und langsam stießen wir ab. Da das Schiff in Hirtshals durch die Bugklappe beladen worden war, gab es in dem kleinen Hafenbecken erstmal eine Wende.
Tja, und dann? Nun war Zeit für das große Fräsen des Buffets, bei dem man seinen Tisch sogar für die gesamte Überfahrt behalten durfte. Leider musste ich draußen bleiben. Bereits bei der Ticketbuchung eine Woche zuvor war kein Platz mehr für das Buffet verfügbar - weder auf dem Hin- noch auf dem Rückweg. Nun ja, lasst es euch schmecken, Leute. Ich hatte mich dick mit Sonnencreme eingeschmiert und hielt mich bei dem herrlichen Wetter die meiste Zeit draußen auf. Schon schön: Deutschland ächtzte unter der nächsten Hitzewelle, doch hier an Bord wehte ein herrlich kühler Wind, eine schöne Sommerbrise. Den einen oder anderen Rundgang durch das Schiff gab es natürlich auch. Da auch im SB-Restaurant dauerhaft kein Platz zu finden war, gab es lediglich ein Pølsebrød (wie es sich für eine Fähre gehört) und später noch ein kleines, schön gekühltes Obstschälchen auf die Hand. Für draußen natürlich. Ein richtiges Essen konnte ich mir heute Abend in der Hütte machen.

Einfahrt in den Sund nach Kristiansand mit dem Grønningen fyr.
Die Ankunft zog sich hin. Unser Autodeck war offenbar das letzte, das geleert wurde. Es ging erstmal nur wieder auf zahlreiche Wartespuren wie vor dem Boarding des Schiffes. Diesmal waren das natürlich die Wartespuren für die Einreise. Erstmal tat sich lange Zeit nichts. Dann ging es immer mal eine Länge vor. Irgendwann schien es so, als ob die Beamten Feierabend gemacht hätten. Der ganze Tross rollte nun in kontinuierlicher Langsamkeit vorwärts. Einen Pass- oder Zollbeamten konnte ich nicht entdecken. Grund für die jetzige Zögerlichkeit mochte sein, dass der zweispurig aus dem Terminal vordringende Verkehr in eine ganz normale Stadtstraße mit einer Spur für jede Richtung einfädeln musste.
Ich war am Hadern. Über dem norwegischen Festland hielten sich zwar paar größere Schleierwolken, doch irgendwie schien die Sonne doch noch kontinuierlich. Lust, noch einen Zug zu fotografieren, hätte ich ja schon gehabt. Hunger aber auch. Das Navi warf mir als Ankunftszeit an der gebuchten Hütte kurz vor Flekkefjord 18 Uhr aus. Einkaufen musste ich auch noch. Ein mit +42 gemeldeter Zug nach Stavanger war gerade während der Warterei im benachbarten Bahnhof gestartet. Der nächste würde um 18 Uhr fahren. Nee, das passte alles nicht zusammen. Die Variante "Essen" war die attraktivste.
So ging es die E39 weiter, die ich heute schon von Aalborg nach Hirtshals gefahren bin. Die ist bis Höhe Mandal sogar als vierspurige Autobahn durch die Landschaft geschneist. Danach wurde es bis auf einen als Autobahn ausgeführten Tunnel gemächlicher - entweder normale Landstraße oder immerhin gut ausgebaute (also auch durch die Landschaft geschneiste) Schnellstraße. Oft hatte man tolle Ausblicke auf Fjorde und Seen und natürlich auf die herrlich schroffe Felsenlandschaft. Mein Hüttenplatz Fosseland war Abgeschiedenheit pur. Von der E39 ging es einen langen Schotterweg tief runter. Da kam dann die kleine Hüttensiedlung, zu der allerdings auch paar größere Unterkunftshäuser gehörten, die jetzt aber offenbar nicht genutzt wurden. Der Platz war gerade von einer Niederländerin übernommen worden.
Nach dem Eruieren der Möglichkeiten, die die Küchenzeile der Hütte bot, ging es zum Einkauf nach Flekkefjord. Der dortige Bahnhof hatte von der Lage her etwas von Arendal. Unmittelbar vor dem Bahnhof ging es auch hier durch einen Tunnel. Jetzt konnte man immerhin die gesamte Strecke mit Schienenfahrrad abfahren. Als ich die Thai-Bruzzelbuzze neben dem Bahnhof sah, plante ich erstmal um. Dessen Essen mochte wohl besser schmecken als die Fertigsauce von Uncle Bens, die ich mir sonst mitgenommen hätte.

Bahnhof Flekkefjord. Die Strecke kann fast komplett abgefahren werden. In der Hauptsaison wird um 8, 12 und 16 Uhr gestartet.
Zurück auf dem Platz war prompt wieder die herrliche Ruhe da. Nur die Hühner gackerten vor sich hin. Das dauerte genau, bis ich mit dem Essen begann. Dann fuhren die nächsten Gäste vor, eine Familie mit zwei Kindern. Und die konnten richtig gut schreien. Fortan herrsche "Leben" auf dem Platz. Wohl bekomms! Na ja, irgendwann war wieder Ruhe. Als Verdauungsspaziergang gab es noch einen kleinen Bummel runter an einen See. Dort gab es eine historische Brücke zu bestaunen vom Gamle Vestlandske Hovedvei, dem ersten Erschließungsweg hier in der Gegend. Der Breite nach handelte es sich bestenfalls um einen Karrenweg. Als Kontrast wurde der See ein Stück weiter von einem hohen Viadukt der heutigen E39 überschwungen.
Heute sollte die Strecke nördlich von Egersund noch gesperrt sein. So wollte ich mich mal um den Abschnitt bis dorthin kümmern, auf dem wir bei unserer letzten Tour 2014 auch einige Möglichkeiten entdeckt hatten. Leider waren auch östlich Egersund einige Züge gestrichen. Die Güterzüge sowieso, aber auch einige Personenzüge. Die Zuverlässigkeit der Sørlandsbane ist kein Stück besser als wir es aus Deutschland kennen.
Wegen einiger dieser Ausfälle, die allerdings geplante Sommerinnstillinger waren, gab es vormittags ein großes Loch an Zügen. Wenn man nicht bis nach 10 mit dem ersten Bild warten wollte, musste man sich wenigstens um den Zug 8:25 ab Sira kümmern. Irgendwo in der Nähe der Hütte. Leider war dies der Abschnitt, wo die Bahn durch die langen Tunnel fährt und nur immer mal in einem Quertal ans Tageslicht kommt. Und ich kannte mich hier überhaupt nicht aus. Auf dem Luftbild lokalisierte ich eine Stelle mit möglichem Ersatzpunkt in einem nahegelegenen Ausweichbahnhof.
Aus dem gemütlichen Hüttenfrühstück wurde nun nichts. Schnell Hütte aufgeräumt und um 7:40 losgefaren. Erst ein Stück E39, dann wurden die Straßen immer kleiner. Das war so richtiges Eindringen in die Bergeinsamkeit, die Straßen schlängelten sich zwischen Felsen und Seen dahin. Am Ende war es dann eine Gruspiste und ganz am Ende die Zufahrt zum letzten Gehöft.
Doch dort sah ich schon das Elend: Entlang des Bahnkörpers wucherten die Birken in die Höhe. Das war nichts. Mein Ersatzpunkt, der Betriebsbahnhof Bjørkevoll, war hoch eingezäunt und durch Tore versperrt. Na toll. Eine Ersatzersatzmöglichkeit hatte ich noch im nächsten Tal, in das man über eine längere Gruspiste in der verfügbaren Zeit den Bahntunnel umfahren konnte. Davon versprach ich mir allerdings genau gar nichts. Trotzdem versuchen! Dort war die Situation wie erwartet: Die Bahn hoch oberhalb der Straße, dazwischen das Birkendickicht. Eine etwas lichtere Stelle wollte mir auffallen. Auto hingestellt und bald lag das Surren der Drohne über dem vollkommen still ruhenden Tal. Ja, da ging immerhin mehr als nichts.

✈ Irgendwo in einem einsamen Waldtal zwischen Bjørkevoll und Gyland. Rt 706 auf der Fahrt nach Oslo.
Nun trat wie gesagt die große Zugpause ein. Da ich das komplette für heute Morgen besorgte Hüttenfrühstück mithatte, suchte ich mir nun ein schönes Plätzchen an einem See und schmierte mir meine Brötchen. Das Frühstück am plätschernden Bächlein konnte gefallen. Digital hätte ich dafür volle fünf Sterne vergeben...

Die hübschen Bauernhöfe von Klungland.
Nun aber auf nach Egersund! Gemütlich ging es zur E39 zurück und auf dieser nordwärts - erst noch parallel zu der in einer tiefen Schlucht verlaufenden Flekkefjordbahn, dann stieß man auf die Hauptstrecke. Ich kannte die Fjordbucht von Tronvik ja schon und hatte dort 2014 auch ein Foto gemacht. Aber die sah so dermaßen nett aus und schien aus so vielfältigen Blickwinkeln umsetzbar zu sein, dass ich direkt anhalten musste. Zumindest den Bm73 nach Egersund konnte man dort als Nachschuss erledigen. Die zunächst noch vorhandene astreine Spiegelung war "natürlich" bald Geschichte, wozu auch ein Motorboot beitrug, dass in der Bucht irgendwelche Fahrten zu absolvieren hatte.

Rt 705 an einer Bucht des Lundevatn zwischen Sira und Moi.
Danach war ich drauf und dran, zu den Motiven vor Egersund weiterzufahren, doch irgendwie haderte ich noch. Kundschaftenderweise lief ich mal die hier beginnende historische Passstraße Tronåsvegen hoch, fand aber zunächst nichts. Um ein ruhiges Plätzchen zu suchen, fuhr ich nun mit dem Auto noch ein ganzes Stück weiter in die Höhe. Und siehe da, bald hatte man topp Panoramablicke vor sich! Hatte ich eigentlich gedacht, den Lokbespannten ganz banal in größer von unten zu machen, entschied ich mich nun zugunsten des Blickes von oben.

Der lokbespannte Rt 710 taucht aus Richtung Moi auf.
Da ich mit beiden Objektiven hantieren wollte, hatte ich das Tele drauf und das 24-70 schon mal auf einem Felsen in einer kleinen Delle bereitgelegt. Dort lag es dann auch fest. Lange? Nein, plötzlich und unerwartet fing es an zu kullern und rollte vom Stein runter. Ach du sch... In diesem Moment wurde ich gewahr, dass ich den Urlaub weitestgehend abhaken kann, wenn das Objektiv kaputt ist. Im Geiste ging ich schon die Möglichkeiten durch, in Egersund (hahaha!) oder Stavanger ein qualifiziertes Fotogeschäft zu finden. Zum Glück waren keine Schäden festzustellen und ein kurzer Check ergab keine Funktionseinschränkungen. Wollen wir hoffen, dass da nicht irgendein kleiner Haarriss entstanden ist, der nun wie ein Geschwür größer und größer wird... (Nachtrag: Zum Glück blieb alles gut; Schwein gehabt!)

Irgendwie musste ich bei diesem Ausblick an einen Brummkreisel denken: Rt 710 bei Tronvik.
Nun ging es nach Heskestad. Da hatte ich von 2014 noch die Rechnung mit einem hübschen Ortsblick offen, für den uns damals der passende Zug fehlte. Nach Überbrücken der Wartezeit im Schatten des EG des Bf Heskestad, der sich aber in Eide befindet, zog ich vor ins Motiv. Trotz sich nähernder Wolkenfelder klappte das Motiv nun ganz passabel.

Durch die Höfe von Heskestad kommt Rt 712 angerollt. Ein rotes Etwas über der Zugspitze wurde elektronisch beseitigt.
Hatte ich am Vormittag von einem "Loch" in Sachen Zugpause gesprochen? Das war gefühlt noch garnichts gegenüber dem Nachmittagsloch, das nun kam. Irgendwie muss da planmäßig eine Vierstundenlücke nach Oslo sein. Und von Oslo fiel nun ausgerechnet der Lokbespannte aus. Und weil der in Egersund auf den Nachtzug wenden sollte, fiel der Nachtzug mal gleich mit aus. Ok, so hatte ich nun massig Zeit für Kundschaft. Die nutzte ich auch. Es hatte sich gegenüber 2014 viel verändert. Nicht nur die Oberleitung war erneuert (das war mir bekannt), sondern man hatte auch zahlreiche BÜs durch Brücken oder (leider mehrheitlich) Tunnel ersetzt. Und die Strecke war nicht gar so heftig verbuscht wie leider 2014. Am Ende schaute ich kurz in Egersund am Bahnhof vorbei, wo eine Menge Bm73 abgestellt waren.
Ich hatte immer noch viel Zeit. An der E39 gab es bei Skjerpe einen Kro, wo ich auf einen Tee und Apfelstrudel mit Softeis eingekehrt bin. Nebenbei konnte ich mir die Karten legen. Ein Zugpaar wäre realistisch noch zu fotografieren. Und es ist ja klar, dass sich beide Züge hier in der Gegend treffen. So musste ich mir ganz genau die Karten legen bzw darauf hoffen, dass der Ostfahrer pünktlich wäre und der Westfahrer von Oslo gern etwas verspätet. Leider sah es anders aus. Der von Oslo lief mega pünktlich. Nun musste man sehen, wie der andere aus Egersund weg käme...
Alles wurde gut! Der von Egersund kam planmäßig weg und konnte sogar sechs Minuten durch einen ausgefallenen Kreuzungsaufenthalt in Helleland wett machen. Ich konnte mein Programm wie geplant durchziehen. So ganz tat ich das dann aber doch nicht. Zunächst kundschaftete ich auf einer Kuhweide bei Refsland mit wunderschönem Seeblick. Das war jetzt zwar viel freier als 2014, doch nervte hier ein blöder Wildschutzzaun, der praktisch nichts zuließ. Als ich in Heskestad (Dorf) auf die Nebenstraße abbog, um zur geplanten Feldwegbrücke zu gelangen, stellte ich fest, dass der Blick von der E39-Brücke ja viel besser war, weil man da seitlicher stehen konnte. Man konnte unten an der Nebenstraße parken. Dann lief ich kurz vorm Zug mit Warnweste bekleidet hoch, da dort oben wohl auch niemand mit Fußgängern rechnen dürfte.

Der Bm73 001 macht Werbung für das norwegische Buchungsportal "Strawberry" und erreicht das Dorf Heskestad und etwas später auch den gleichnamigen Bahnhof, der aber erst im nächsten Ort Eide liegt.
Um 17:39 war der "Rote" im Kasten. Der Gegenzug konnte in Heskestad (Bahnhof) frühestens 17:46 fahren. So kraxelte ich schnell zum Auto runter und fuhr bis hinter Helleland - zu einem Motiv, wo wir 2014 den "richtigen Roten" mit El18 und roten Wagen super bekommen hatten. An der Stelle bei Hestvik angekommen fand ich zum Glück bald eine Stelle, wo der zu querende Zaun keinen Stacheldraht hatte und konnte das Motiv wiederholen. Welcher Zug schöner war, der von 2014 oder der jetzt, sei mal dahingestellt...

Offenbar war dies der Abend der Ganzwerbungen. Triebzug Bm73 012 macht Werbung für die Stavanger Oilers, einen Eishockey Club.
Feierabend. Ich hatte nun für vier Nächte eine Ferienwohnung bei Varhaug gebucht. Ich beschloss, den acht Minuten längeren Weg über Egersund und Sirevåg zu nehmen, der mich schon mal als Einstimmung durch die traumhafte Felsenlandschaft führte. Die Wohnung befand sich in einem Hof etwas außerhalb von Varhaug. Hinter den Wiesen konnte ich sogar das Meer sehen! Das gefiel.
Der Supermarkt war auch nicht weit weg. Und wieder hat er weniger als geplant an mir verdient, weil direkt nebenan mal wieder eine Thai-Bruzzelstube lag. Große Lust auf Kochen hatte ich nicht mehr... Auf dem Supermarktparkplatz muss ich in ein Kaugummi getreten sein. Wi-der-lich. Man bekommt das ja nicht von der Sohle ab. Nach dem Essen konnte ich mich sogar noch zu einer kleinen Erkundungstour aufraffen. Falls man morgen früh den Nachtzug machen möchte. Falls der überhaupt fährt...
Das Programm des heutigen Tages sah vor allem die Aufhebung der Sperrung Egersund - Stavanger vor. Das war das Wichtigste! Aber der Nachmittagsumlauf mit El18 (Rt 709 hin und Nachzug zurück) war wieder im Ausfall. Ist das Blöde! Aber egal - man muss das Beste draus machen. Und der El18-Morgenumlauf war immerhin eingeplant: Nachtzug hin und Rt 710 zurück. Für Letzteren hatte ich paar Musthave-Motive inpetto!
Als der Wecker für den Nachtzug um 5:30 bimmelte, herrschte draußen eine fette Waschküche. Ich stellte ihn aus und döste noch ne Runde weiter. Irgendwann um 7 war die Lage zwar unverändert, aber man konnte ja mal aufstehen. So so, das war also der als schönster Tag angesagte Mittwoch.
Beim Frühstück reflektierte plötzlich irgendwo an der Wand ein Sonnenspot. Spaßeshalber schaute ich nun mal, ob der Nachtzug überhaupt gefahren ist. Tja, gut, dass ich nicht um 6 Hals über Kopf losgedüst bin! Der Zug rollte mit rund +130 durch die Gegend! Dies in Verbindung mit den zunehmenden Aufhellungen am Himmel draußen mochte zwischenzeitlich aufgekommene Frustgedanken zum Schweigen bringen. Ich konnte noch in Ruhe zuende frühstücken und machte dann mal langsam los.
Auf der Fahrt zu der gestern erkundeten Feldwegbrücke ging es erstmal wieder in geschlossene Benebelung hinein. Egal, was anderes blieb mir gar nicht übrig. Zum Glück gab es direkt hinter der Brücke eine Haltebucht, wo ich im Auto der Dinge harren konnte. Und immerhin begannen auch hier bald erste Aufhellungen. Zwei S-Bahnen gingen noch im Dunkeln. Dann saß man auch mal länger in der Sonne. Aber immer wieder zogen auch Wolkenschwaden durch oder waberten im Motiv herum. Würde es für den Nachtzug reichen? Nun ja... Zwei Mastfelder zu früh hatte er Licht... Bei der nachfolgenden S-Bahn klappte es besser.

Der Nachtzug Rt 725 hat mit +130 Nærbø hinter sich gelassen.

Die S-Bahn Lt 3017 (Lt steht für Lokaltog, Rt für Regiontog) hat auch Nærbø verlassen - allerdings nicht ganz so verspätet.
Jetzt musste ich auch ein wenig auf die Uhr schauen. Denn nun sollte es in mein "Hauptmotiv" gehen, das ganz oben auf meiner Wunschliste stand - ein Ausblick am Søra Krogavatn im Felsenparadies zwischen Sirevåg und Hellvik. Da brauchte ich etwas Vorlauf, weil man da ein Stück ins Gelände kraxeln musste. Außerdem wusste ich nicht, in wie weit man die Privatstraße eines Steinbruchs befahren durfte, die man zuletzt reinfahren musste. Das war dann aber kein Problem; ein Schild verkündete lediglich, dass der Werksverkehr Vorrang habe und man nicht die Ausweichen zuparken solle. Ansonsten sei man durchaus Willkommen! Das stand da wirklich so. Ich fand eine unbedenkliche Parkmöglichkeit und lief rein. Der erste Felsen war es nicht, der zweite zeichnete sich aber für den schönen Vormittagsblick zuständig. Perfekt! Der Nebel hatte sich hier auch aufgelöst. Mögen die Spiele beginnen!

Onrail Zug 5910 kommt neben den Lokalzügen als erstes am Søra Krogavatn vorbei. Ganz hinten sieht man übrigens nicht das Meer, sondern die Nebeldecke, die sich den ganzen Tag über dem Meer hielt.
Paar Wolkenschleier machten es spannend. Aber im Großen und Ganzen war es einfach mal wieder herrlich, dort auf dem Felsen zu sitzen. Immerhin waren jetzt auch neben dem lokbespannten Blauen zwei Güterzüge orakelt. Wer es spannend machte, war natürlich der Blaue. Es war die Wendung aus dem stark verspäteten Nachtzug. Da konnte man ja froh sein, dass sie den nicht vorzeitig gewendet haben. Zunächst war er mit einer Verspätungsprognose von 40min im System. Zum Glück war hinsichtlich des richtigen Sonnenstandes etwas Luft. Endlich verabschiedete er sich mit +50 aus Stavanger. Der CargoNet Zug war so nett, den Reisezug trotz Verspätung vorzulassen. Bei den S-Bahnen hoffte ich auf Abwechslung durch irgendeine schöne Ganzwerbung. Und es kam tatsächlich Abwechslung: Ein fettes Graffito gleich vorne rechts. Die Ansaldos sind gut in die Jahre gekommen und wirken mittlerweile ziemlich abgerockt.

Eine saubere S-Bahn kam aber auch vorbei: Lt 3028 am Søra Krogavatn.

Der "Lokbespannte Blaue", Rt 710 nach Oslo, führt am Anfang sogar einen Schlafwagen. Den muss er mitnehmen, weil heute Abend der Nachtzug ausfallen sollte.

Einen Lokaltog gibt es noch etwas seitlicher.
Der um diese Zeit anstehende Blaue nach Stavanger, Rt 705, glänzte mal wieder durch Ausfall. Im Daglig Grafen war er noch enthalten gewesen. Der Cargonet war bis auf einen allerersten Anstoß einer Abfahrt vom Terminal Orstad nicht weiter im System. Er hatte also definitiv nicht nur den Blauen vorgelassen. Ich gab ihm noch paar Minuten, doch dann wollte ich für den nächsten Fernverkehrstakt zum "Klassiker", dem Mittagsfelsen am Nordra Krogavatn, auf dem ich ja schon mehrmals gewesen bin. Gerade bevor ich zum Auto zurück lief, bekam Cargonet einen neuen Anstoß von Orstad. Ok, los jetzt! Der käme von dem Klassikerfelsen absolut topp!
Tja, ist es eine Entschuldigung, dass mein letzter Besuch hier zwölf Jahre her ist? Von zwei möglichen Zufahrtswegen zu Hüttenparkplätzen wählte ich zielgerichtet den falschen. Der brachte mich direkt - zum falschen Felsen! Ich musste aber erstmal mühsam draufkraxeln, um das festzustellen. Dabei hatte ich den Aufstieg vom Parkplatz als total easy und kurz in Erinnerung. Der CargoNet war absolut fotogen, Doppel-Traxx und voll beladen. Ich konnte ihn beobachten, als ich noch am herumirren war. So schnell hatte es heute noch kein Zug hierher geschafft. Mist!
Als ich dann auch den richtigen Felsen und einen relativ einfachen Einstieg gefunden hatte, blieben mir immerhin noch die beiden nächsten Bm73, von denen der eine sogar die Erdbeere sein musste. Das mit dem Güterzug war doppelt ärgerlich, weil man hier planmäßig sonst keinen zum passenden Lichtstand hat. Eigentlich war der auch sommerinnstillt, aber wegen der Sperrung an den letzten Tagen hatte man ihn heute eingelegt. Da hatte ich diese einmalige Gelegenheit ja schick vergeigt! Nun ja, Wetter war gut, mir kam es vor allem auf die GoAhead-Züge an, also Ärger ausknipsen! Was das Wetter angeht, so war es auch heftig warm geworden. Die hohe Luftfeuchtigkeit wurde immerhin schön durch eine frische Brise ausgeglichen, die vom Meer über die Felsen wehte.

Bm73 004 hat gerade Sirevåg durchfahren und kommt als Rt 712 am Nordre Krogavatn angefahren.

Der Nachschuss.

Aus der anderen Richtung kommt mal wieder die "Erdbeere" vorbei, Bm73 001 als Rt 707.
Für paar weitere Einstellungen mit den Felsen beehrte mich natürlich wieder die Schmier-S-Bahn. Aber als ausgleichende Gerechtigkeit setzte jetzt unverhofft der nachmittägliche Halbstundentakt ein, so dass ich nicht zu lange auf "Ersatzlieferung" warten musste.

Man kann hier in den Felsen viel variieren und herumspielen. Dafür kommen die S-Bahnen mit ihrer dichten Frequenz genau richtig. Lt 3038 zwischen Sirevåg und Hellvik.

Von Egersund kommt Lt 3045.

Von weiter unten gibt es Lt 3042 auf dem kleinen Damm bei Vatnamot.
Fernzüge betreffend setzte nun wieder das große Loch ein. Der Lokbespannte nach Oslo hatte ja den Schlafwagen wieder mit zurück genommen, denn auch heute sollte der nachmittägliche El18-Umlauf (Rt 709 hin und Nachtzug zurück) ausfallen. Ob so viele El18 Schrott sind? An Bauarbeiten liegt es anscheinend nicht. Irgendwie zogen sich meine "Spielereien mit S-Bahn" etwas in die Länge, so dass mir das Wasser langsam ausging. So zog es mich nach 15:30 dann doch mal langsam zum Auto zurück.
Erst hatte ich noch überlegt, für eine kleine Siesta in die Bude zu fahren. Aber die Ruhezeit wäre doch schon wieder überschaubar geworden. Und irgendwie musste ich die ganze Zeit an Apfelstrudel mit Softeis denken... Der Gedanke dauerte genau so lange, bis ich zwecks Wasserbeschaffung den Coop in Hellvik betrat und mich gekühlte Wassermelonenscheiben anlachten. Das war genau der Snack, den ich jetzt brauchte! Leider war ich mit meinem Konzept für die beiden Fernzüge nachher noch nicht ganz durch. Die Idee, dass ja der rotbeklebte Bm73 zurückkäme und dass der doch sehr gut nochmal vom Mittagsfelsen mit Blick auf die Kurve von Vatnamot käme, kam mir erst, während ich am Bf Hellvik die Melone verputzte. Aber immerhin kam mir die Idee, und zeitlich war noch alles tiefenentspannt.
Ich hatte bestenfalls eine S-Bahn verpasst. So ging es schnurstracks zu den Felsen zurück. Diesmal wählte ich die andere Zuwegung. Da kam die (offene) Schranke schon ziemlich früh. Und der Parkplatz davor fasste nur fünf Autos. Und die standen schon da. Ich parke ja immer ungern hinter Schranken. Auch wenn die Wahrscheinlichkeit, dass die geschlossen wird, in der Realität gegen null gehen dürfte, so möchte ich diese Eventualität einfach ausschließen. Ich brauchte das Auto schließlich noch. So parkte ich das Auto an derselben Stelle wie vorhin und lief nun den schönen Spazierweg um den ersten Felsen herum zum zweiten Felsen. Dort harrte ich zusammen mit einer noch (!) gekühlten Flasche Farris der Dinge, die da kommen mochten.
Die Tiefenentspannung da oben auf dem Felsen sorgte allerdings auch dafür, dass man schon mal von Zügen überrascht wurde. Während ich mit dem von Sirevåg rechnete, tauchte plötzlich der von Hellvik auf. Ächtz, Halbstundentakt in Norwegen ist Überforderung pur! Nun sollte bald der Rote von Sirevåg kommen, doch erstmal musste nun noch die mittlerweile +17 laufende S-Bahn voraus. Der Fernzug setzte zu. Kein Zug kam so schnell durch wie der CargoNet vorhin. Die verspätete S-Bahn war natürlich wieder der Graffitischaden. Wolkenfelder machten es jetzt echt spannend. Kaum war die S-Bahn entschwunden, hörte man hinter den Felsen die Erdbeere schon aus Ogna ausfahren. Mal wurde es dunkler, dann wieder heller. Bald hörte und sah man den Zug durch Sirevåg fahren. Landschaft war hell. Der Zug klappte wunschgemäß!

Die rote "Strawberry"-Garnitur macht sich als Rt 716 gut auf dem Damm bei Vatnamot. Was für eine ungewöhnliche Landschaft!
Mit den S-Bahnen blieb es aber schwierig. Die nächste von Sirevåg war zwar sauber, aber die ging nun bei Wolke. Auf die nächste von Egersund brauchte ich nicht zu warten; das wäre wieder die beschmierte. Aber - dies kann ich vorweg nehmen: Im Laufe des Urlaubs sollte ich das Graffito nie wieder sehen. Und für den Blauen nach Stavanger wollte ich nochmal in die Bauernlandschaft bei Nærbø. Viel wichtiger war mir, unweit der Feldwegbrücke von heute Morgen nochmal den Weitblick von den Torland-Höfen mit den Steinmäuerchen umzusetzen, was 2014 daran gescheitert war, dass immer irgendein Motivbestandteil im Wolkenschatten lag. Diesmal klappte es, wobei die Höfe hinten vielleicht kein volles Licht mehr hatten.

Das "Normalste" im Fernverkehr sind hier die blauen Bm73. Rt 711 zwischen Nærbø und Bryne bei Torland.

Lt 3057 mit den Mäuerchen bei Torland.
Beim Warten in Torland erregte man direkt vor den Bauernhöfen stehend natürlich Aufmerksamkeit. Ein Auto hält neben mir, Fenster runter, ein Typ mit Mickymäusen auf den Ohren glotzt mich wortlos an. Da habe ich natürlich wortlos zurückgeglotzt. Dann fragte er auf Norwegisch, was mich denn nach Norwegen getrieben hätte. Meine Antwort auf Norwegisch verstand er erst, als er die Kopfhörer abnahm. Aber Züge fotografieren war offenbar harmlos und er fuhr weiter. Und der nächste CargoNet-Containerzug überraschte mich von hinten. Irgendwie hatte ich im Hinterkopf, dass bis auf den Onrail-Zug heute Morgen alle Güterzüge nur nachts fahren würden (beide CargoNet-Tageszüge waren wie gesagt sommerinnstillt). Aber die Nacht begann wohl jetzt langsam... Egal, war eh kein volles Licht mehr.
Es war nun 19 Uhr, und es reichte. Es ging ja durchaus bischen was - vor allem der lokbespannte Blaue heute Mittag. Mein Tourziel, paar Blaue hier in den Felsen zu fotografieren, hatte also schon mal geklappt. Ärgerlich sind die Rahmenumstände aber schon mit den vielen Zugausfällen - insbesondere mit dem zweiten El18-Umlauf. Mit dem Rt 709 hätte man nachmittags auch einige Toppmotive umsetzen können. Diesmal ging es nicht zum Thai, sondern es gab Kjøttkaker mit Kartoffelbrei aus dem Supermarkt. Das Essen war ok, sprach aber die Sprache, dass man die restlichen Abende gut nochmal thailändisch speisen kann. Man ist nach so einem Tag ja auch froh, wenn man nicht noch mit Pötten rumhantieren und hinterher auch noch abwaschen muss.
Beim Sitzen auf der Veranda glaubte ich, noch zweimal einen Güterzug vorbeifahren zu hören. Laut Bildblatt sollte es aber nur einer gewesen sein. Egal! Der Blick über die Wiesen auf das Meer, auf dem sich übrigens den ganzen Tag über eine fette Nebelbank gehalten hatte, war mal wieder schön. Vielleicht sollte ich morgen mal das Badezeug ins Auto legen. Auf der Karte hatte ich einen nett aussehenden Badestrand entdeckt.
Der Bildfahrplan des Tages verhieß für heute etwas mehr Personenzüge als für gestern. Sogar der Nachmittagsumlauf der El18 sollte verkehren. Der Wetterbericht war gestern für heute fast minütlich zwischen Vollbewölkung und Sonne gewechselt. Der Grund dürfte in der Vollschlonze gelegen haben, die heute den Himmel beherrschte. Also "schönes Wetter" für Otto Normalbürger, nicht aber das, was man sich als Fotograf wünscht. Paar Dinge wollte ich heute angehen, vor allem den lokbespannten Verkehr, aber ansonsten auch mal was anderes.
Los ging es aber tatsächlich um 6:10. Der Nachtzug näherte sich pünktlich und ich wollte ihn nochmal von der Feldwegbrücke Torland versuchen. Trotz der Schlonzerei schien das goldene Morgenlicht sehr kontinuierlich. Und so klappten dort immerhin eine S-Bahn und dann der Nachtzug - diesmal am beabsichtigten Auslösepunkt.

Diesmal ist Nachtzug Rt 725 pünktlich und wurde nochmal in Torland von der schönen Feldwegbrücke umgesetzt.
Dann ging es zurück in die Hütte zum Frühstück. Nach 8 Uhr brach ich auf, weil ich erkunden wollte, ob der Morgenblick von den Felsen bei Vatnamot noch geht. Bei dem Blick hat man den Bahndamm der alten Schmalspurtrasse im Vordergrund, an dem auch 2014 schon die Birken hochwucherten. Ich parkte beim letzten Bauernhof und lief hinein. Ein netter Weg führt durch mehrere Schafsgatter und dann über die Bahn. Den Felsen musste man sich natürlich wieder erklettern. Von der allerhöchsten Stelle ging tatsächlich noch was - das hatte von unten gar nicht so ausgesehen. Aber die zur Verfügung stehende S-Bahn kam natürlich bei Fastgarkeinlicht. Dann wusste man das jetzt auch. Sollte es noch einen erfreulicheren Morgen geben, würde ich das sicher nochmal versuchen.
Die nächsten Programmpunkte waren Onrail-Güterzug und der lokbespannte Blaue bei den Felsen östlich von Egersund. Ganz billig von der Straße. Der Güterzug hatte nun nur schwächliches Licht. Der Personenzug hatte feinstes skandinavisches Licht. Kleiner Schechtz. Bei dem war nichts zu wollen.

Onrail 5910 vor den Felsen östlich Sleveland, zwischen den Bahnhöfen Egersund und Helleland.
Das waren nun die Sachen, die ich noch versuchen wollte. Der Himmel war jetzt nahezu komplett zugeschlonzt. Die Sonne schien zwar stetig, leuchtete aber nur ziemlich schwach. Zeit für einen kleinen Strandspaziergang! Ich hatte mir den Strandabschnitt zwischen Ogna und Sirevåg ausgeschaut. Dort konnte man sogar eine kleine Runde über Spazierwege drehen. Erst suchte ich in Sirevåg nach einer Parkmöglichkeit, aber das war irgendwie alles nichts. Dann also Angriff von der anderen Seite. Vor Ogna an der Mündung des Ognaelven ist ein kleiner Wanderparkplatz. Der war zwar schon belegt, aber nebenan gab es noch eine Overflow-Fläche.
Von dort konnte man einen hübschen Weg durch die Dünen zur Mündung des Ognaelven in die Nordsee gehen. Am Flussstrand lagen zwischen einigen Felsen Rinder. Ein wunderschönes Bild, wenn vernünftiges Wetter gewesen wäre! Irgendwo in der Mitte des Strandes war ich schön für mich allein und ging ins Wasser. So waaahnsinnig lang hab ich das da aber nicht ausgehalten. Das Wasser war noch erstaunlich frisch. Und irgendwie war sonst auch niemand in Sichtweite im Wasser. Als Stück weiter dann aber doch paar Jugendliche reingingen und das dort offenbar auch gut aushielten, dachte ich mir, das kann nicht alles gewesen sein, und bin nochmal rein. Mit der Zeit war es richtig angenehm, so dass ich bestimmt eine halbe Stunde drin geblieben bin.

"Mein" Strand zwischen Ogna und Sirevåg.
Danach setzte ich den Rundgang fort. Am Strand bis zum Ortsrand von Sirevåg, dann durch die Dünen zurück. Als nächstes fuhr ich nochmal nach Sirevåg, wo es am Hafen ein Fischrestaurant gab. Hüngerchen hatte ich nach dem Bad durchaus. Aber als vermutlich einzige Futterstelle in dem Touriort war das Restaurant bisken arg voll. Auf der Karte entdeckte ich südlich des Ortes ein Netz von Wanderwegen durch die schöne Felsenlandschaft. Da gab es auch einen Parkplatz mit freien Kapazitäten. Und was ist da, wenn ein dichtes Netz von Spazierwegen durch die Wildnis auf der Karte verzeichnet ist? Es handelte sich mal wieder um ein Küstenfort aus dem zweiten Weltkrieg. Sirevåg war da ziemlich gesichert, auch bei meinem Strand hatte es Geschossstellungen gegeben. Aber das eigentliche Sirevåg kystfort lag wunderschön auf den Felsen über dem Ort.

Im Sirevåg kystfort hat der Boden manchmal Löcher.

Der Ausblick auf den Ort ist auch sehr hübsch.
Ich hatte mich da oben einfach mal auf den Felsen ausgestreckt. Es wehte ein super angenehmer Wind, der das schwüle Wetter gut aushalten ließ. Sehr gefährlich für Sonnenbrand, denn wie ich so da lag, hatte ich das Gefühl, dass die Sonne wieder intensiver wurde. Fast machte ich mir ja schon Hoffnung auf den Lokbespannten nachher. Erstmal gab es aber noch ausgedehnte Tunnelsysteme zu erkunden, die mir vor Augen führten, wie schwach doch die Handy-Taschenlampe ist. Besonders gruselig wurde es, als ich vor mir Schritte in der Finsternis hörte, die sich näherten. Ich bin mal lieber wieder umgedreht...

Einer der Eingänge ins verzweigte Tunnelsystem.

Kanonenstellung mit Meerblick.
Rechtzeitig zum lokbespannten Blauen fand ich mich auf der Brücke über die Bahnhofsausfahrt Hellvik ein. Der Sonnenstand passte perfekt. Erstmal gab es eine S-Bahn zu fotografieren, die in Ogna mit der verspäteten Gegen-S-Bahn kreuzen würde. Und wenn die hier wäre, könnte der Blaue ausfahren. Einige Felsen im Hintergrund wurden bereits vor planmäßiger Durchfahrzeit dunkel. Und dann war plötzlich alles dunkel. Satz mit x. Drei Minuten hinter dem Blauen kam die Sonne wieder gut raus.

Lt 3049 verlässt den Bahnhof Hellvik.
Der Rest des Tages ging so weiter. Nicht bezüglich Fotos, denn da waren die Messen gesungen. Ich wollte jetzt nur noch was essen. Dabei habe ich ignoriert, dass es von Süden so richtig aufklarte. Aber so richtig die interessanten Züge kämen ja auch nicht mehr. Oder? Nun, bisher war ich den Bm73 keineswegs abgeneigt gewesen, und davon wären noch drei gekommen (ein Vierter war im Ausfall). Und der Güterzug. Ok, aber ich hatte Hunger. Irgendwie schmeckte das dann aber alles nicht, denn draußen herrschte nur noch Sonnenschein. Für den Güterzug raus? Oh, was rauscht denn da auf der Bahn? Der Güterzug! Schade! Dann war ich noch am hadern, ob ich für die zwei Bm73, die um 20:15 in Ogna kreuzen, dorthin fahren sollte. Aber der eine war der Ausfall und der andere der mit der komischen Oilers-Folierung. Och nö. Dafür konnte ich nun kaum auf der Veranda sitzen, weil die Sonne da so draufbrezelte. Sie wollte einfach nicht hinter der Baumreihe, die den Garten im Norden abschloss, verschwinden.
Was mich aber am meisten runtergezogen hat, waren die Wetteraussichten. Die nächsten zwei Tage sollte kaum mit Sonne zu rechnen sein. Warum kann sich denn nicht auch mal eine gute Vorhersage stabil halten? Wobei sich die Wetterlügis auch komplett widersprachen. Ich schaue meistens nur bei Meteoblue. Und Meteoblue orakelte mit seiner Negativmeinung fast konträr zu yr.no, die ich dann auch mal konsultierte und die sogar recht positiv orakelten. Kachelmann neigte eher zu yr.no. Vermutlich ging es bei den Unterschieden nur darum, ab welcher Schlonzdicke ein Himmel als bewölkt angesehen wird. Ätzend! Auf paar Bilder mehr gerade von den Lokbespannten hätte ich ja schon gehofft... Nervkram! Ich hör jetzt lieber auf...
Der Daglig Graf hielt keine Überraschungen bereit. Es sollten wieder beide lokbespannte Umläufe fahren. Wettertechnisch ging der Punkt für den Morgen ganz klar an die Schweiz, an Meteoblue. Es war komplett bewölkt. Wo hatten die anderen Wetterdienste die Sonne gesehen? In der Nacht muss es sogar geregnet haben; die Veranda war nass. So konnte ich es jedenfalls ruhig angehen lassen. Und da das alles hier doch mühsamer war als erhofft, verlängerte ich die Bude direkt bis Montag. Anderswo im Land sah es für die nächsten Tage auch nicht eklatant besser aus. Nach einem entspannten Frühstück, bei dem ich die Zeit auch überhaupt nicht im Blick gehabt hatte, wurde es draußen plötzlich heller! Und der Blick in Richtung Süden fiel sogar auf komplett sonnige Abschnitte!
Neun Uhr war durch; da konnte man sich für den Onrail Güterzug mal langsam in Bewegung setzen. Es ging dann auch wohlgemuts durch viel Sonne. Die absolut wolkenfreie Zone hielt sich allerdings auf der See. Im Landesinnern waren zu mindestens 50% einige Wolkenfelder unterwegs. Egal, den Versuch war es jedenfalls wert. Es zog mich nochmal an die Felsen östlich von Egersund, wo ich es gestern bereits versucht hatte. Leider war der Himmel hier wieder deutlich bewölkter, nachdem man zuvor länger durch Sonne gefahren war. Der Güterzug kam sogar in einem sonnigen Moment, doch zu den Personenzügen von vorn und hinten war die Sonne schon wieder mega gedämpft.

Zug in Sonne, Felsen nicht. Na gut, besser als andersrum. Onrail Zug 5910 sieht heute aufgrund der Railpool-185 eher nach Cargonet aus, ist es aber nicht.

Der ging sogar noch: Rt 705 nach Stavanger war der einzige Zug, den ich mal mit Bm73-Doppel gesehen habe. Laut balise.no hat er die zweite Garnitur in Marnardal, einem kleinen Unterwegsbahnhof, dazu bekommen. Vielleicht hatte die dort gestern Abend ne Panne?
Irgendwie hatte es den Anschein, dass es von Osten auch wieder zuziehen würde. Schade eigentlich. Da es westwärts noch viel blauer aussah, überlegte ich, ob man über Mittag nicht einfach wieder den Felsen zwischen Sirevåg und Vatnamot aufsucht. Doch bei der Durchfahrt durch die schöne Felsenlandschaft herrschte auch hier der Schatten. So fuhr ich direkt wieder zum Strandparkplatz vor Ogna, lief von dort erstmal den Pfad durch den Jernbaneskogn und dann direkt durch die Dünen an den Strand.

Pfade durch die Dünen...

...und parallel zum Strand.
Eben bei den Fotos war es ordentlich warm gewesen, doch hier am Meer wehte ein ziemlich frischer Wind. Das Meer hatte eine nette Brandung, aber für ein Bad war es mir zu kühl. Selbst das Sitzen in den Dünen wurde irgendwann etwas frisch. Ich stand auf und inspizierte bisken die Felsen an der Mündung des Ognaelven. Hier war auch der einzige belebtere Bereich des Strandes. Dort konnte man quasi wählen, ob man mehr Salz- oder Süßwasser zum Baden haben wollte.

Die Felsen an der Mündung des Ognaelven.
In Sachen Hunger wollte ich heute mal ein neues Konzept ausprobieren. Es war jetzt nach 14 Uhr und ich konnte bereits jetzt gut was essen. Reis hatte ich noch. Dazu besorgte ich nochmal die wirklich guten Kjøttkaker von Gilde und Erbsen und Möhrchen aus der Dose. Dazu mal die Jägersauße, die mir dann auch deutlich besser schmeckte als all die anderen Salzsaußen von Torro. Das wurde dann auch ein richtig lecker Mahl.
Mittlerweile hatte es sich komplett zugezogen. Dennoch habe ich das Verdauungsschläfchen auf dem Sofa nicht begonnen, ohne mir den Wecker auf 16 Uhr zu stellen. Das war für mich jetzt Gesetz: Die blauen Lokbespannten werden an den Wunschmotiven so lange versucht, bis sie klappen. Und hatte ich wichtigeres vor? Nö. Autochen war immer für ne Fahrt zu haben, und mit Mike Oldfield aus den Lautsprechern ging es südwärts - wenn auch nur mal zum Schauen. Unterwegs regnete es sogar mal.
Bei Ogna waren dann sogar paar blaue Abschnitte so links voraus zu sehen. War das Losfahren vielleicht doch nicht so verrückt gewesen? In Hellvik Dorf schien diffuses Licht durch die Wolken. Am Bahnhof war die ganze Umgebung eigentlich ziemlich sonnig. Krass! Da waren jetzt einige blaue Abschnitte am Himmel. Erstmal kreuzten wieder die Bummelzüge. Leicht verspätet. Der Schnellzug stand schon in Egersund. Aber nun wurde es erstmal wieder dunkler. Na gut, vier Minuten hin, vier Minuten zurück, da konnte das Licht sich ja vielleicht noch erholen. Tat es auch. Aber noch viel zu früh! Der Blaue konnte frühestens in drei Minuten hier sein! Eine Zugrichtung der Wolkenfelder war unmöglich erkennbar. Mal wurde das Licht etwas gedimmt, dann kam es wieder. Die errechnete Zeit war vorüber. Als ich gerade mal wieder dachte "so wolle er doch jetzt endlich kommen", fingen die Schienen zu säuseln an. Das Licht hielt. Der Blaue war im Kasten!

Völlig überraschend gelingt heute ein Sonnenbild von Rt 709 in der Ausfahrt aus dem Bf Hellvik.
Danach wurde es auch recht bald wieder dunkler. Angesichts der Wettersituation vorhin in Varhaug in der Bude war das jetzt schon echt krass gewesen. Freude! Wahnsinn! Die nachfolgende Kreuzung der Lokalzüge im Bahnhof Hellvik schaute ich mir auch noch an. Ich finde es immer faszinierend, wie das mit den höhengleichen Bahnsteigzugängen in anderen Ländern klappt. Da ist ein Warnschild, und da müssen die Leute selbst aufpassen. Wobei tatsächlich die Zugbegleiterin des zuerst ins hintere Gleis eingefahrenen Zuges den Überweg bewachte, den der kreuzende Zug nun bei der Einfahrt befuhr. Völlig überraschend kam bei der Kreuzung sogar die Sonne raus, aber ich hatte nur das Handy griffbereit.

Kreuzung in Hellvik.
Nun fuhr ich nochmal zur Brücke der Bahn über den Ognaelven. Hier wollte ich mir die Möglichkeit von einem nahen Felsen (der auch schon wieder Relikte aus dem zweiten Weltkrieg beherbergte) anschauen. In der Umgebung war die Landschaft partiell sogar von der Sonne beschienen. Vielleicht würde ja noch einer der zahlreichen Bummelzüge gehen. Die Sonnenflächen zogen aber von dannen und es sah so aus, als ob aus den Bergen sogar Regen im Anmarsch sei. So ging es bald zum Auto zurück. Entlang der Küste gab es noch das eine oder andere Labi (Landschaftsbild), wenn doch noch ein Sonnenspot auftauchte, aber da jetzt auch noch Hochnebel aufzog, war es das bald. In der Bude wartete noch eine Viertelmelone auf mich - das reichte.
Und welcher Wetterbericht hatte nun gewonnen? Ich glaube, die pessimistischen Schweizer. Dass mal die Sonne durchkäme, hatten sie ja nicht ausgeschlossen. Aber viel Sonnenschein war es am Ende nicht gewesen. Von der Bettkante konnte ich noch einen größeren Dampfer auf dem Meer vorüberfahren sehen, dann ging es in die Waagerechte.
Was war heute angesagt? Der Daglig Graf musste leider vermelden, dass der lokbespannte Blaue nach Oslo heute nicht fahren würde. Er war im Orangeton der Sommerinnstillinger gekennzeichnet. Davon hatte ich bei GoAhead aber im Kapitel "Sommerinnstillinger" nichts gelesen. Immerhin sollte der Gegenzug kommen. Gütermäßig sollte es wie fast immer den Onrail geben. Das war aber zunächst eh alles egal, denn draußen herrschte komplett der Hochnebel. So gab es ein entspanntes Frühstück, während dessen ich mich nur wunderte, dass laut allen drei Wetterberichten in Egersund vormittags die Sonne scheinen sollte.
Der Blick auf das Satellitenbild verschaffte Klarheit. Die Wolkengrenze lag unmittelbar vor Egersund. Dann konnte ich ja mal losfahren. Tatsächlich war bei Ogna im fernen Osten ein heller Schein auszumachen und Egersund lag in der Sonne. Für einen Schnellzug nach Oslo, der die Tage zuvor nie gefahren war und den ich gar nicht auf der Rechnung hatte, gab es immerhin noch eine Schnellverarztung in Sleveland. Für den Güterzug war ich am hadern. Nochmal dasselbe wie gestern, aber mit angeleuchteten Felsen? Oder doch was anderes. Ich entschied mich für die Flussbrücke über den Gyadalselven, auch wenn es vielleicht etwas kompromissbehafteter war.

Der nur am Wochenende fahrende Rt 708 rollt zwischen Egersund und Helleland durch die Höfe von Sleveland.

Ein Stück weiter quert Gt 5910 den Gyadalselven.
Weiter westlich schien sich der Nebel auch aufzulösen. Da jetzt erstmal nur S-Bahnen fahren würden (der Lokbespannte Rt 710 hätte jetzt wunderbar gepasst, wuaaaah!), beschloss ich, nochmal auf den schönen Vormittagsfelsen bei Hellvik zu steigen. Jaaa, das war mal wieder Urlaub dort! Wer braucht hier schon blaue Züge? Die S-Bahnen werden sicher auch in absehbarer Zeit auf finstere anthrazit-grüne Flirts umgestellt... Frisch war es aber. Gut, dass ich heute mal die lange Hose angezogen hatte.

Lt 3024 zwischen Sirevåg und Hellvik, beobachtet von der Steinbruch-Werkstraße.

Lt 3029 mal wieder auf dem Damm beim Vormittagsfelsen.
Fernverkehrsmäßig trudelte die nächste traurige Botschaft ein. Der Mittags-Rt von Oslo, der wie immer aus der roten Erdbeere bestehen sollte, war in Kongsberg pünktlich angekommen, hatte es aber mit +159 verlassen. Ob da der Inder im Empfangsgebäude schon offen hatte? Hmm, bekomme ich schon wieder Hunger? Kann doch gar nicht. Jedenfalls würde der Zug nun im Blockabstand vor dem 709, dem Lokbespannten, kommen. Oder ihn auch noch großzügig verbiegen. Es bleibt alles ein wenig schwierig...

✈ Lt 3033 wurde von oben beobachtet. Wir blicken über den Søra Krogavatn, sehen hinten auch den Nordre Krogavatn und ganz hinten die Nordsee.

Der erste hier auftauchende Blaue ist Rt 712. Am Himmel quillt es nur so; Teile der Landschaft werden beschattet.
Es quoll am Himmel. Als auch bei mir die ersten Wolkenfelder auftauchten, trat ich den Rückzug an. Weiter ostwärts war der Himmel schon komplett dicht. Aber es hatte sich schon wieder über zwei Stunden lang gut aushalten lassen. Jetzt hatte ich Appetit auf nen Hamburger. Dabei setzte ich auf die Bruzzelbude "Swingen Grill" am Parkplatz am Ognaelven, doch die wollte erst um 15 Uhr öffnen. Aber Stück weiter, in Ogna, war neben dem Supermarkt ein weiterer Imbiss. Den äußerst guten Hamburger habe ich mir irgendwo in den Felsen schmecken lassen. Dabei wurde ich die ganze Zeit von einem kleinen Vogel ausgeschimpft.
Nächster Programmpunkt war, dass ich mal nach Möglichkeiten nordwestlich von Brusand, also im Agrarland, schauen wollte. Das Wetter sah so aus, als ob die Gewitterzelle oder was das da von Osten war, nicht so recht weiter kommen wollte. In den Felsengärten östlich von Sirevåg wäre ich genau an der Wolkengrenze gewesen. Großes Risiko! Deshalb schaute ich mir hinter Brusand direkt ein Ersatzmotiv aus, wo ich auch direkt mal eine S-Bahn mitnehmen konnte.

Lt 3045 verlässt Brusand, während der Osthimmel komplett zugequollen ist.
Danach wollte ich das mit den Felsen und der Wettergrenze aber doch nochmal austesten. Ich musste mir "nur" ein Ultimo setzen. Es sah konstant so aus, als ob das Zeug nicht näher kommen würde. Vor den dicken Wolken war halt so ein Schleierring, von denen mal einzelne Fetzen der Sonne näher kamen. Dann war das Ultimo vorbei. Ich konnte nicht mehr wechseln. Kam der Schleierring jetzt doch wieder gefährlich näher? Ich mochte nicht mehr hoch schauen. Irgendwann musste ich mich auch auf die Züge konzentrieren, denn "natürlich" konnte der nächste Local nach Egersund ab Ogna genau zu der Minute fahren, zu der der Schnellzug ab Hellvik fahren könnte. Es war ja völlig klar, dass die die S-Bahn haben vorfahren lassen.
Und die Wolken drohten. Die S-Bahn war aber fix und zügig bei mir vorbei. Ich ließ die Drohne trotz des heftigen Windes in der Luft stehen, wo sie war. Bald kam die erlösende Meldung "709 har passert Hellvik". Das Licht hielt, auch in der Umgebung war noch kein Dimmen zu erkennen. Der Blaue kam und machte sich vor der finsteren Wolkenkulisse schon recht gut!

Beim Wetterpokern gewonnen: Rt 709 auf dem Damm bei Vatnamot am Nordre Krogavatn.

✈ Nun hat der Zug fast Sirevåg erreicht, wo er aber nicht halten wird.
Ach ja, fehlte da nicht ein Zug? Wo war die Erdbeere abgeblieben? Die war entgegen meiner ersten Annahme nie vor dem lokbespannten 709 her gefahren. Der 709 hatte heute (wegen Bauarbeiten?) in Bø begonnen und war noch vor der Erdbeere dort weg gekommen. Er hatte wohl in Bø aus dem Nachtzug gewendet, denn der Schlafwagen war auch wieder mit von der Partie. Sicher sehr angenehm, den Nachtzug um 5:10 in Bø zu verlassen. Aber zurück zur Erdbeere. Die folgte also dem 709. Ich hatte gehofft, dass ich für die nochmal schnell an meine Ersatzstelle hinter Brusand wechseln könnte. Aber zum Glück schaute ich vor Verlassen des Felsens, wo die Erdbeere gerade steckte. Oh, Egersund ab! Schnell wieder alles ausgepackt. Für eine S-Bahn fuhr ich nochmal zu der Stelle bei Brusand.

✈ Die Erdbeere hatten wir ja schon auf dem Vatnamot-Damm. Dort hatte sie jetzt auch kein volles Licht mehr, wohl aber an der Stelle, wo meine zweite Kamera in der Luft stand.

Lt 3057 gibt es nochmal westlich Brusand - diesmal etwas spitzer.
Da die Sonne nun kontinuierlich am Sinken war, entfernte sie sich deutlichst von den Wolken, die aber immer noch finster und stationär in den Bergen hingen. Der Westhimmel war völlig klar, so dass es ein schöner Abend zu werden versprach. Was sagte denn das Programmheftchen dazu? Lokaltog, Lokaltog, Lokaltog, ah ja, spannend! Die Rückleistung der Erdbeere, die vorhin mit +189 den Nordre Krogavatn passiert hatte, fiel selbstverständlich aus. Nach Kristiansand führt ja schließlich auch eine Straße. Das muss reichen.
Einziger greifbarer Fernzug sollte der 713 aus Oslo sein, der 20:07 in Egersund wäre. Der lief sogar pünktlich. Bei so einem schönen Abend muss man alles mitnehmen. Ich beschloss, den Abend einfach gemütlich auf dem Kanonenfelsen am Ognaelven auszusitzen. Sehr praktisch ist auch der bereits erwähnte "Swingen Grill", der am zuständigen Parkplatz steht. Ich beschloss heute mal einen Hamburger-Contest "Best Burger of Ogna" und beschaffte mir dort direkt den Proviant für den Kanonenhügel. Der Burger war sogar noch besser, was aber auch daran gelegen haben mag, dass es die 250g-Variante war...
Während ich vor der Bruzzelbude auf den Burger wartete, säuselten plötzlich die Schienen, obwohl sie gar nicht hätten säuseln dürfen (ja, ich hatte genau nach Güterzügen geschaut!). Es kam --- Spannung! --- die Erdbeere als Leertriebzug. Der war natürlich in keinem Daglig Graf enthalten, aber auch nicht auf der Togkart. Dennoch ging es bestens gelaunt auf den Felsen. In der Dünenmulde nebenan nervte leider irgendwelches gelegentlich schreiendes und kreischendes Partyvolk, das da zeltete; ansonsten wurde es aber ein richtig schöner Abend. Nur der Blaue, auf den ich es ja insbesondere abgesehen hatte, war die längste Zeit pünktlich gewesen. Irgendwie hat er es zwischen Kristiansand und Egersund geschafft, sich von plan auf +32 hochzuarbeiten. Egal, Licht hielt und irgendwann kam er endlich...

Lt 3061 auf der Brücke über den Ognaelven, wo man die faszinierende Felsenwelt im Hintergrund hat. Sogleich wird er links in Ogna halten.

Später folgt Rt 713.

Nordseeküste im Abendlicht bei Vigrestad.
Mit paar Abstechern zu möglichen Labi-Motiven ging es heimwärts. Das Licht wurde nun schwächer; da reizte mich das alles nicht mehr so. Und der Tag war lang genug gewesen. So, jetzt sollte ich es kapiert haben. Das Wetter in Egersund ist nicht das Wetter in Brusand oder gar Varhaug. Das war ja heute vollkommen konträr! Morgens in Egersund schön und Varhaug komplett dicht, nachmittags dann genau umgekehrt. Morgens war es im Westen der Hochnebel, nachmittags im Osten die Gewitterzelle, die sich über Mittag rasend schnell gebildet hatte. Vor diesem Hintergrund blieb es spannend, was die kommenden Tage so bringen.
Die Wetterberichte sind nur noch zum Totlachen. Meteoblue sagt für heute komplettes Mistwetter mit null Sonnenstunden für Egersund voraus, das einheimische yr.no sagt einen komplett sonnigen Tag voraus. Auch Kachelmann (sitzt der eigentlich noch?) ist sehr positiv gestimmt. Wir werden es erfahren, wer recht hat. Vielleicht geht ja auch wieder die Wettergrenze genau durch Egersund und der eine Dienst hat seine Messstation auf der einen Seite und die anderen auf der anderen Seite des Ortes.
Das Bildblatt sieht null Güterverkehr, der 710 soll rollen, der 709 hingegen nicht. In der Vergangenen Nacht müssen zwei Rt-Parks mit El18 in Stavanger übernachtet haben. In den anderen Nächten, wenn der Nachtzug fährt, übernachtet garkeine El18 dort. Außerdem beginnt sonntags der Verkehr erst nach 9 Uhr. Das war schon sehr schade, weil jetzt ausgerechnet die Sonne nur so vom Himmel lachte. Letzte Wolken hatten sich bis 8 Uhr verzogen. Hier in Varhaug jedenfalls...

Nordseeküste im Morgenlicht bei Vigrestad.
Das Bild änderte sich schlagartig, als ich den Hof verließ und ich freien Blick in Richtung Südosten hatte. Dort hing nämlich alles voller Wolken. Leider war das genau die Gegend, in die ich wollte. Ich fuhr trotzdem mal los. Und kurioserweise kurvte man beim Näherkommen immer irgendwie um die Wolken rum. Der erste Schatten fiel auf die Straße, als ich gerade zum Hof Vatnamot abbog. Nach ein wenig Beobachtung der Wolken, die hier auch noch recht kleinteilig waren, beschloss ich, es zu versuchen - auch wenn das jetzt eigentlich mindestens eine Stunde zu spät war. Aber was will man machen, wenn vorher nichts fährt? Die Dame vom Hof Vatnamot saß auf der Terrasse und sah mich sicher kommen, nahm aber weiter keine Notiz von mir, als ich das Auto parkte und drüben auf der anderen Bahnseite auf die Morgenfelsen hoch lief.

✈ Den Sonntagsverkehr eröffnet Lt 3021 von Egersund, für den ich die Drohne noch etwas seitlicher stelle.

In Ogna wurde gekreuzt und noch vor der ersten S-Bahn von Stavanger kommt der Fernverkehr in Form von Rt 708.

Es folgt hier am Morgenfelsen bei Vatnamot Lt 3020.
Immerhin hatten alle drei Fahrten mit Sonne geklappt; die Wolken zogen sich offenbar etwas zurück. Die Betonung liegt auf "etwas". Ich musste nun zwingend nach Egersund zum Tanken. Auf der Fahrt dorthin war klar, dass der nächste Programmpunkt, der dritte Versuch, den Lokbespannten Rt 710 hinten bei den Felsen zu machen, ziemlich schwierig werden würde. Oder vielleicht doch nicht schwierig, sondern ziemlich unmöglich. Der Himmel war dort quasi zu. Da es bis zum Zug auch nicht mehr sooo ewig hin war, hatte ich nur die Chance, es bei Hellvik vom Vormittagsfelsen zu probieren, wo ich ihn schon hatte. Aber man kann da ja variieren. Also auf dorthin. Als dort nun aber auch ein riesiger Wolkenklopper über Hellvik und am Motiv hing, wurde es mir zu bunt. Dann konnte ich auch zum geplanten Felsenmotiv fahren. Also volle Kehrtwende!

Den Gegenzug Rt 705 nehme ich schon mal "im Vorbeifahren" mit Sonnenspot an den ersten Häusern von Egersund mit.
Nun war im Bereich des gewünschten Motivs sogar eine größere blaue Fläche am Himmel! Zwar absolut nicht störungsfrei, aber doch immerhin eine Chance! Erst war es wieder so, dass das Motiv in der Sonne, die Felsen aber ständig im Dunkeln lagen. Dann kamen von irgendwo wieder Schatten - irgendwie aus der gegenläufigen Richtung als der bisher beobachteten Zugrichtung der Wolken. Zug musste jetzt ab Egersund fahren. Geschätzte Fahrzeit bis ins Motiv 6 Minuten. Das da oben war nur eine kleine Wolkenkette. Die löste sich dann auch irgendwann auf. Ich stand in der Sonne. Ins System geschaut. Der Zug war jetzt erst in Egersund angekommen! Boah, ich brauch diese Spannung nicht. Fünf Minuten später. Immer noch alles sonnig. So möge er doch kommen! Nix. Zwei Minuten später war endlich in der Ferne das Scheinwerferlicht zu erkennen. Warum wird das denn da jetzt genau am Auslösepunkt wieder dunkler? Das darf doch nicht war sein, nur eine kleine Fluse. Der Zug raste heran. Am Ende war die Fluse wohl im allerletzten Moment nach hinten verschwunden.

Rt 710 hat tatsächlich Sonne an den Felsen östlich von Sleveland! Und der Schlafwagen ist auch wieder da...
Nach intensivem Schöngucken konnte ich konstatieren, dass die Aufnahme als Erfolg zu verbuchen war. Das war wie beim Video-Schiedsrichter, der am Ende sein Urteil fällt. Vielleicht hätte ich dem Tf die Geste mit dem Bildschirm zeigen sollen, dann hätte er gewusst, dass noch nicht entschieden ist, ob seine Vorbeifahrt zählte. Ich fand bloß nach dem Schöngucken keinen Lautsprecher, auf den ich mich zur Verkündung des Urteils hätte draufschalten können.
Die Uhr näherte sich schon wieder in großen Schritten dem Mittag. Ich hatte nur wenig gefrühstückt, und Stück weiter an der E39 war doch dieses Vertshus. Endlich mal norwegische Hausmannskost. Am Ende wurden das zwar "nur" Kjøttkaker, aber immerhin mit authentischem Erbsenpüree. Eigentlich hatte ich jetzt gedacht an den Strand zu fahren. Aber man könnte natürlich eben noch die beiden Mittags-Rts oben kurz vor Ualand am See mit der Drohne fotografieren. Da waren zwar viele Wolken, aber einen Versuch war es wert.
Während ich da oben bei Refsland wartete, erledigte ich etwas Bürokratie. Wozu sollte ich Montag (also morgen!) schon nach hause fahren? In Deutschland war auch kein so tolles Wetter zu erwarten. Bahnfotomäßig würde sich hier zwar vieles wiederholen (solange Wetter ist), aber ich sah das unter dem Urlaubsaspekt. So versuchte ich also, die Rückfahrt meines Flexitickets auf der Colorline-Website zu stornieren. Die Fähren waren Dienstag bis Donnerstag deutlich günstiger (weshalb hatte ich nochmal den Montag gebucht?) und bei Umbuchung hätte es die Differenz lt Colorline-Website nicht zurückgegeben. Laut Google KI hingegen schon. Ich habe schon an anderer Stelle gesagt, was ich von der KI halte...
Ok, also auf der Website eingeloggt und auf Stornieren gedrückt. Das ging nun gar nicht. Mit einem Vorlauf von unter sieben Tagen bitte nur telefonisch. Also die angegebene Nummer angerufen und von einem Tonband erfahren, dass ich außerhalb der Geschäftszeiten anrufe. Ich solle es bitte mit dem Chat probieren. Ok, also wieder die Website aufgerufen und mich beim Chat mit der Buchungsnummer eingeloggt. Deutsch war gerade niemand verfügbar, aber ich hatte dann ein gewisses Anneken am anderen Ende sitzen, von dem oder der ich meinen Wunsch sehr nett auf englisch erfüllt bekam. Daraufhin buchte ich direkt für Donnerstag die Abendfähre. Das allerbeste war, dass ich auf der auch noch einen Platz im Buffet buchen konnte! Die Sonne ging auf, das Leben war noch eine Spur lebenswerter geworden!

✈ Rt 707 rollt westlich von Ualand am Teksevatn entlang. Aus dem Zugende wird mir zugeblinzelt ;-)
Nachdem die beiden Mittagszüge mit mehr oder weniger Licht, aber nicht an der eigentlich gewollten Stelle, durchgekommen waren, ging es westwärts. Westlich Egersund war das Wetter wieder mal viel besser - fast wolkenlos. Ich war nun etwas am hadern. Wirklich während des schönsten Nachmittagslichtes an den Strand fahren? Oder doch mal paar neue Perspektiven in den Felsen suchen? Für ein Lokalzugpaar fuhr ich nochmal die Werkstraße zum Steinbruch hoch und nahm die Züge billig von der Brücke.

Schon bei meinem allerersten Besuch am 18.07.2005, also fast auf den Tag genau 21 Jahre zuvor, hatte ich hier, westlich von Hellvik diesen vorbereiteten Anschlag auf die Bahn entdeckt, doch offenbar hat sich noch niemand getraut, den Stein ins Rollen zu bringen. Lt 3041 passiert unversehrt.
Dann wollte ich mal testen, wie man auf die Halbinsel kommt, die sich westlich des Mittagsfelsens anschließt - also schon kurz vor Sirevåg. Auf der stehen nämlich keine Ferienhäuschen; die scheint recht unerschlossen zu sein. Ich musste dann auch über ein Schafsgatter klettern, viele Schafe aufschrecken und ein ganzes Stück reinlaufen. Das ging ziemlich querbeet; bestenfalls war mal eine Spur erahnbar. Zum Glück waren die sumpfigen Flächen zwischen den Felsen weitestgehend trocken, so dass man sich recht frei bewegen konnte.
Und irgendwann hatte ich tatsächlich den richtigen Felsen gefunden, von dem sich ein topp Panoramablick auftat. Man konnte hier in den Abschnitt fotografieren, auf dem die Züge am längsten Seitenlicht haben. Da ließ ich mich direkt mal nieder. Das war jetzt natürlich genau die Zeit für den Lokbespannten Rt 709, der hier perfekt gekommen wäre. Wenn er sonntags fahren würde... Da muss ich wohl morgen nochmal herkommen. Aber paar S-Bahnen und immerhin ein Blauer gingen hier, während der herrlich erfrischende Wind vom Meer zum Ende hin gar etwas kühl wurde.

Auch auf dieser unerschlossenen Halbinsel gibt es Steine... Lt 3049 rollt entlang des Nordre Krogavatn und erreicht sogleich Sirevåg.

Mit anderen Steinen gibt es Rt 716...

...und Lt 3053.
Die Schafe hier waren viel zutraulicher als anderswo. Sie schnupperten sogar an meiner Hand oder blieben einfach cool liegen, wenn man vorbei ging. Irgendwie fand ich den Weg zum Eingangstor zurück und fuhr erstmal zum Bahnhof Ogna, wo ich in Warteposition ging. Beim nächsten Motiv stand man mit dem Auto blöd in einer Feldzufahrt. Deshalb wollte ich da so kurz wie möglich stehen. Auf dem Bahnsteig kam eine unverständliche Durchsage. Komisch, eine S-Bahn stand gerade gar nicht an. Und plötzlich kam der Bm69 von der Arendalbahn durchgebraust. Hmmm, auch diese Leerfahrt war weder im Daglig Graf noch in der Togkart zu sehen gewesen. Mit dem hätte man schön etwas anfangen können. Den nächsten Blauen gab es wie geplant hinter Brusand, wobei ich mal die Drohne wählte.

✈ Das wäre auch eine schöne Stelle für den 709. Da muss sie sich aber hinten anstellen. Deshalb gibt es erstmal mit Rt 711 nur einen loklosen Blauen. Hinter dem Zug liegt vor Beginn der Felsenwelt der Bjårvatn. Salzwasser gibt es auch zu sehen: Ganz rechts liegt der Strand an der Ognabukta mit dem Campingplatz, der mit seinen neuen Hütten immer weiter den Berg hoch wächst.
Diesmal war ich vorbereitet! Ja, ich habe trotz des Sonntags im Bildfahrplan nach dem Abendgüterzug geschaut. Und siehe da: Zug 5814 fuhr auch sonntags. Für den ziemlich aus dem Licht laufenden Zug hatte ich keine bessere Idee als nochmal zur Brücke über den Ognaelven zu fahren, wo ich gestern schon so lange gestanden hatte. Um den Güterzug nicht anzuschneiden, musste ich ganz schön winkeln. Aber immerhin war auch dieser Zug topp ausgelastet. Unter zwei Zugloks scheint hier bei Cargonet nichts mehr zu gehen.

Cargonet Zug 5814 quert hinter dem Bahnhof Ogna den Ognaelven.
Das reichte mir dann auch im kühler werdenden Wind mit kurzer Hose und T-Shirt. Der Joker in Ogna hatte auch sonntags geöffnet, so dass ich mir noch Brot fürs Frühstück besorgen konnte. Eigentlich wollte ich ganz banal Polarbrød haben, aber die waren ziemlich ausverkauft. Dafür nahm ich mal Kjempekaker mit, das als "echtes jærener Backwerk" bepriesen wurde.
In Varhaug ging es ein letztes Mal zu dem Thai. Es ging jetzt auf 20 Uhr zu und ich hatte schon wieder gut Hunger. Nebenan im Bahnhof fuhr derweil ein Bm73 südwärts aus. Auch dieser tauchte in keinem Fahrplan auf... Nach dem Essen musste ich schon mal bischen Sachen zusammenpacken. Leider konnte ich diese Bude nicht nochmal verlängern. Ich hatte mir für die verbleibenden drei Nächte eine Ferienwohnung in Egersund gebucht.
Der Blick in den Daglig Graf war wieder mal höchst spannend. Würden beide lokbespannte Blaue fahren? Ja, sollten sie. Dafür aber kein Onrail-Güterzug und CargoNet immerhin abends. An Ausfällen im Personenverkehr waren erstmal nur die Sommerinnstillinger drin. Aber mal sehen, was sich GoAhead im Laufe des Tages noch so ausdenkt...
Als mein Blick nach dem Aufwachen auf wolkenlosen Himmel fiel, war der erste Gedanke "Mist, verschlafen!" Hatte eigentlich vor, ab 7:30 nochmal auf dem Morgenfelsen in Vatnamot zu stehen, und vergessen, mir den Wecker zu stellen. Nun war es 7. Ich stand trotzdem auf. Heute hätten die Büros von Meteoblue und yr.no in meiner Wohnung gewesen sein können. Yr.no hätte auf der Westseite rausgeschaut und nur Sonne gesehen. Meteoblue hätte die Büros auf der Ostseite gehabt und nur Wolken gesehen. So kehrte ich alsbald in den Entspannungsmodus zurück und machte erstmal in Ruhe Frühstück. Leider waren die Kjempekaker ekelhaft süß. Als Brotersatz taugten die kleinen Fladen jedenfalls genau garnichts.
Ein von früher bekanntes Morgenmotiv lag fast um die Ecke bei Vigrestad. Ich peilte dafür mal die S-Bahn Kreuzung um 9:40 an. Die Wolken hatten sich kurzzeitig zurückgezogen, aber plötzlich war massiver Hochnebel aufgekommen. Aber bis 9:30 war der auch schon wieder Geschichte. Ich fand sogar noch ein anderes Motiv unweit der Varhaug kirke. Leider hatte man zwischen beiden Zügen kaum die Möglichkeit zu wechseln.

Lt 3021 zwischen Vigrestad und Varhaug mit der Nordsee im Hintergrund.
Dann ging es weiter. In Hellvik gab es einen kurzen Stop am Supermarkt, um das Leergut wegzubringen. Dann war die Überlegung für den Lokbespannten nach Oslo: Entweder vom Vormittagsfelsen bei Hellvik in etwas anderer Perspektive als neulich oder in dem bekannten Abschnitt mit den Hintergrundfelsen zwischen Sleveland und Klungland. Für den Vormittagsfelsen drohte eine komische Bewölkung, die von Nordwesten reinzog.

An der Nordseeküste. Irgendwie fühlt man sich in der Zeit zurückversetzt, wenn man da hinten einen Großsegler über das Meer gleiten sieht. Es war natürlich "nur" die Alexander von Humboldt II, erkennbar an den grünen Segeln. Man ist auf dem Weg von Bremerhaven nach Stavanger, wo in diesen Tagen ein Teil der STI Tall Ships Races stattfinden wird.
Da es voraus auch sehr gut aussah und man bei den Hintergrundfelsen noch einige deutlichere Variationen hätte, fuhr ich dorthin weiter. Tja, der Himmel sah dort im Prinzip auch gut aus. Nur dieses eine recht massive Wolkenfeld war nicht gut. Es verdunkelte komplett diesen ca 2km langen Bereich. Neeervig! Und fünf Minuten vor Zugabfahrt in Egersund war auch nicht zu erwarten, dass es wegziehen würde. So wählte ich Plan C: Den Seeblick von gestern Mittag kurz vor Ualand mit der Drohne. Doch dort hingen nun einige niedliche kleine Cumuli oder "Schönwetterwölkchen" über dem Tal. Der Zug kam bei Dunkelheit durchgefahren.
Komisch war, dass der wieder einen Schlafwagen mitführte. Da wuchs ja schon wieder der Verdacht, dass da irgendwas (also der Nachmittagsumlauf mit El18) ausfallen würde. Ein Blick auf balise.no vermochte in dieser Hinsicht erstmal zu beruhigen: Der 709 war mit El18 von Oslo her unterwegs. Für mich gab es derweil erstmal wieder die Mittagsrast in dem Kro in Skjerpe. Diesmal war es Nackenbraten mit Weißkohl.

In "Bens Café" in Skjerpe gibt es norwegische Hausmannskost.
Und nun? Ich müsste dringend mal das Auto abspritzen. Aber bewusst habe ich in Norwegen noch kein einziges Self-Spalatorie gesehen. So heißen diese Selbstwaschboxen, die in Rumänien wie die Pilze aus dem Boden geschossen sind. Die digitale Suche ergab, dass "meine" CircleK-Tankstelle in Egersund sowas haben sollte, doch real gab es dort nur eine normale Autowäsche. Egal, weiter. Für die Mittagsblauen bezog ich nochmal Position auf dem Vormittagsfelsen bzw auf der Straßenbrücke zum Steinbruch. Die Reste des riesigen Wolkenfeldes, wegen dem ich vorhin nicht zum Lokbespannten hier geblieben bin, verdunkelten teils die Sonne, lösten sich vor den Zügen aber rapide auf.

Rt 712 gibt es nochmal vom Vormittagsfelsen vor Hellvik. Diesmal mit ausgeleuchteter Landschaft.

Aus der Gegenrichtung nähert sich Rt 707. Auch für den kommt der Stein nicht ins Rollen.

✈ Mit der Drohne geht es Stück weiter rum. Lt 3041 quert den Damm. Oben ist der Steinbruch zu erkennen.
Das war mein bisher kürzester Aufenthalt dort. Ab 15 Uhr konnte ich meine neue Wohnung in der Altstadt von Egersund beziehen. Egersund besitzt ja ein richtig schnuckeliges Holzhausviertel. Faszinierend. Das wird man sich die nächsten Tage mal anschauen. Die Wohnung war unerwarteterweise mal wieder so eine Privatwohnung, die offenbar während Abwesenheit der Besitzer vermietet wird. Finde ich immer etwas "komisch". Andererseits bietet das natürlich auch viele Annehmlichkeiten. Bücher waren jedenfalls genug da. Aber ob ich mir Jo Nesbø auf Norwegisch antun muss, weiß ich nicht.
Ich habe schnell die Lebensmittel in den Kühlschrank gestellt und bin wieder los. Irgendwie sind die Tage völlig kurz, die Zeit rennt. Jetzt wurde es Zeit für den Abendfelsen, von dem ich ja auch nochmal die El18 machen wollte. So fuhr ich mal wieder die schöne Straße bis kurz vor Sirevåg, parkte in einer Parkbucht, kletterte über das Schafsgatter und lief in die Wildnis. Jetzt wusste ich ja, wo ich hinwollte. Auf dem Felsen erfrischte wieder eine kühle Brise, während es im Windschatten gut warm war. Auf dem Felsen hatte ich Musikbeschallung, denn in Sirevåg fand irgendein Happening - vermutlich auch im Zusammenhang mit den STI Races - statt. Das Segelschulschiff Sørlandet lag sogar im Hafen. Die S-Bahn hatte heute wieder Halbstundentakt, so dass ich mich auch mit der Drohne gut austoben konnte.

Zunächst parkt man am Stemmavatn.

Nach paar S-Bahnen kommt auch schon Rt 709 angerollt, der lokbespannte Blaue.

✈ Ein Stück weiter geht es über einen kleinen Damm. Und der Schlafwagen ist auch wieder dabei...

✈ Mit Lt 3051 gibt es nochmal eine andere Drohnenperspektive.

✈ Rt 716 lässt Sirevåg hinter sich. Im Hafen des kleinen Dörfchens liegt die "Sørlandet", ein weiterer Großsegler. Dahinter erstreckt sich die Ognabukta mit ihren schönen Sandstränden.

Für die S-Bahnen lassen sich immer wieder neue Perspektiven finden. Lt 3053 mit dem Felsmassiv Hettua, das sich oberhalb von Vatnamot erstreckt.

Der Rückweg über die Schafsweide - nunmehr wieder am Stemmavatn.
Danach gab es erstmal paar Labis und nur noch einen zugtechnischen Programmpunkt. Ja, ich hatte dran gedacht! Auch heute wollte CargoNet seinen 5814 fahren. Da der ziemlich aus dem Licht kommt, bestieg ich mal den Mittagsfelsen und zweckentfremdete ihn für eine abendliche Streiflichtaufnahme. Der lange Zug kam hier schon sehr sehr höbsch!

Küstenlandschaft zwischen Sirevåg und Hellvik mit den Höfen von Kalvshagen. Den Leuchtturm konnte ich auf der Karte leider nicht finden.

Cargonet Zug 5814 rollt am Nordre Krogavatn entlang. Hinten im Hafen von Sirevåg sieht man sogar noch die Masten der "Sørlandet" aufragen.
Das sollte es gewesen sein. Ich kraxelte wieder runter und setzte mich ins Auto. Diesmal also nach Egersund! Dort gibt es sogar einen Inder, den ich mir heute auch vermutlich verdient gehabt hätte. Aber mir stand dann doch eher der Sinn nach einem schnellen Tiefkühl-Pfannengericht in der Bude. Einkaufen musste ich ja eh noch. Das tat ich auch direkt am Wegesrand in Hellvik. Mehr als die Pfannengerichte machte mich nun ein Fischgratin an. Ok, ist ne Geschichte für den Ofen und würde länger dauern, aber da hatte ich Lust drauf.
So traf ich um kurz nach 8 wieder in der Bude ein. Die Parkplatzzufahrt war aber ganz schön schmal! Aber dieses ganze Viertel und auch "mein" Häuschen machten schon einen sehr schnuckeligen Eindruck! Das Fischgratin war relativ geschmacklos und enttäuschend.
Der Daglig Graf hatte keine Überraschungen bereitgehalten. Der Wetterbericht hingegen schon. Man war sich sicher, dass die Wettergrenze diesmal östlich von Egersund läge. Egersund war nicht so toll angesagt, Moi und Sira hingegen absolut topp! Morgen und übermorgen soll ziemlicher Sturm sein. Hoffentlich Donnerstag für meine Heimreise per Fähre nicht mehr so...
So richtig das Stressprogramm sollte es heute nicht geben. Eigentlich interessierten mich erst der Gz und der Lokbespannte nach 11 Uhr hinter Moi. Aber wenn man um 7 wach wird und auf wolkenlosen blauen Himmel blickt, überlegt man ja schon weitere Optionen. Da war immerhin der Blaue um 7:40 ab Egersund gen Oslo. Für den würde sich vor den Toren der Stadt jedenfalls etwas finden lassen. Dann konnte man immer noch frühstücken. So fiel an den Höfen von Sleveland bald ein deutsches Auto auf, dessen Fahrer mit Kamera um den Hals auf der Bahnbrücke stand.
Das nahegelegenste Haus lag am Hang und hatte riesige Panoramafenster zu mir hin. Daraus wurde ich auch immer mal beobachtet. Aber vor allem konnte ich das komplette Morgenprogramm der Familie spannen, denn die saßen so dermaßen auf dem Präsentierteller. Erst war die Mammy in der Küche zugange. Als der Zug durch war, saß man beim Frühstück und die Eltern mussten wohl schon dreimal beantworten "Was macht der komische Mann da?". Ohne dass sie es erklären konnten.

Der komische Mann fotografierte derweil Rt 706. Das "Haus der Beobachtung" blieb aber mal lieber außerhalb des Bildausschnittes.
Zurück in the heart of Egersund gab es erstmal Frühstück und dann paar Labis von der Stadt.

Das schmucke Grand Hotell in der Storgate.

Parallel dazu verläuft die Strandgate. Und hinten im Hafen liegt ein Kreuzfahrer.
Dann konnte man aber auch so langsam mal ostwärts fahren. Ich hatte nach dem Überholen zweier dänischer Schleicher (davon 1x LKW) einen hervorragenden Slot. Alle fuhren ihre 80, und so lief der Verkehr. Hinter Moi am Lundevatn fuhr ich direkt die alte Passstraße hoch und stellte mich an meinen Ausblick. Sinn des Ganzen war, das Motiv nochmal mit einem helleren und längeren Güterzug zu machen. Dabei war der nun anstehende Onrail-Zug gar nicht so ideal, da er eigentlich zu früh war und die schwarze Lok auch nicht gerade gut aus der Ferne sichtbar ist. Ideal wäre hier der Cargonet-Zug 5804, der hinter dem lokbespannten Blauen führe, wenn er denn nicht sommerinnstillt wäre. Den lokbespannten Blauen gab es aber näher von unten; den hatte ich ja schon von oben.

Onrail Zug 5910 taucht aus Richtung Moi auf.

Nun ist der Güterzug im "Brummkreisel" von Tronvik. Durch massive Aufhellung der Lok und etwas Aufhellung des Zuganfangs konnte halbwegs das erhoffte Ergebnis hergestellt werden - aber eben nur mit Pfuscherei. Keine Pfuscherei ist hingegen die Vordergrundvegetation. Als ich vor genau einer Woche hier war, wuchs rechts neben dem kahlen Stamm noch ein grünes Bäumchen in die Höhe. Und irgendwelches spirriges Zeug am unteren Bildrand war auch aufgeräumt worden. Kurios!

Von unten gibt es nochmal den lokbespannten Blauen, den Rt 710. Einen Teil Straße habe ich mit Laub überdeckt.
Den nächsten Zug nach Oslo wollte ich ein drittes Mal mit dem Seeblick Refsland probieren. Heute war es wolkenlos; da sollte doch wohl etwas gehen? Leider war der Abstand zwischen den Zügen jetzt so blöd, dass ich dort zwar noch ewig warten musste, dass ein eingeschobenes Essen im Kro von Skjerpe aber eine ziemliche Hetzerei werden würde. So stellte ich mich wieder mal in die Wiesenzufahrt und wartete.

✈ Rt 712 am Teksevatn kurz vor Ualand. Irgendwie alles nicht ganz optimal; den hohen Zaun im hinteren Bereich des Zuges hatte ich auf dem Display nicht sehen können.
Der Mittagszug von Oslo hatte ordentlich Verspätung. Da ich eh nochmal in Sleveland für den Lokbespannten nach Stavanger schauen wollte, konnte ich da auch gleich den verspäteten Triebzug abpassen. Das war allerdings etwas anspruchsvoller. Man stand auf einer Schotterstraße, und jedes vorüberkommende Auto wirbelte eine mega Staubwolke auf. Das dritte Auto kam, als ich den Zug schon im Geiste um die Kurve kommen sah. Es fuhr sehr langsam. Das war zwar einerseits noch nervenaufreibender, aber andererseits wirbelte es dadurch kaum Staub auf. Der Zug kam erst, als sich der Staub gelegt hatte.

Stark verspätet rollt Rt 707 durch die Kurve von Sleveland. Die Brücke ist definitiv ein Neubau; 2014 gab es sie noch nicht.
Weshalb kundschaftete ich hier für den Lokbespannten, wo es doch weiter westlich so viele Toppmotive gegeben hätte? Ich sag' nur: Wettergrenze. Westlich von Egersund hing den ganzen Tag die dicke Suppe! So sah man bei der Einfahrt nach Egersund die dicke Pampe auch drohend am westlichen Himmel stehen. Schon sehr eindrucksvoll, diese lokalen Wetterlagen. Was bin ich froh, dass ich meine Felsmotive die letzten Tage wirklich ausreichend beackert hatte. Zurück in Egersund bekam Autochen erstmal eine Wäsche spendiert. Der Staub juckte mich ja nicht, aber es hatte sich auch einiges an Vogelkot angesammelt. Wie gesagt - ein Self Spalatorie wäre es jetzt gewesen. Statt dessen zahlte man für die Standardwäsche 25 Euro...

Die Unterkunft befand sich mitten im Holzhausviertel. Es war das Haus hinter dem vordergründigen Haus. Das Haus vorne fand ich aber so richtig lovely mit der kleinen Laube rechts.
Der Lokbespannte wurde auch mit einer halben Stunde Verspätung erwartet. So konnte ich erstmal bisken einkaufen und die Sachen in die Wohnung bringen. Da es kein Mittag gegeben hatte, gab es dort zumindest ein (!) Polarbrød mit Tubenkäse. Dann schaute ich mir den Zuglauf vom 709 an. Äääh, wieso ist denn da oben ein Bm73 abgebildet? Ich wollte ja schon lästern, dass dies der erste Tag werden konnte, an dem ich mehr als eine El18 vor die Linse bekomme. Da war wohl einer mal wieder zu optimistisch...
Der Plan war eigentlich, nur noch den 709 mitzunehmen, dann ein wenig durch die Stadt zu schlendern und mir beim Inder etwas mitzunehmen. Ich hatte mir sogar schon ein Gericht ausgesucht. Aber vielleicht kann man sich das Zugbild auch komplett schenken? Wobei ich noch ein wenig zweifelte, denn der Nachtzug als Folgeleistung war noch im System und den Schlafwagen hatte man heute ja auch mal in Stavanger stehen gelassen. Also doch mal los!
Mir kommt es mittlerweile total unwirklich vor: Hatte ich wirklich gedacht, heute zwei El18 fotografieren zu können? Der Faktor, dass da jetzt ein Triebzug als Ersatz käme, war ja der unwahrscheinlichere. Der wahrscheinlichere trat nämlich jetzt auf den Plan: Die Hochnebelsuppe verlagerte sich plötzlich und mit aller Macht ostwärts. Zwar hielt sich unmittelbar westlich von Sleveland konstant ein Wolkenloch, aber es zog nicht zum Motiv. Und so kam er im Schatten vorbeigefahren, der Bm73. So musste man sich nicht ärgern...
Der Abstecher war ja zum Glück nicht weit gewesen, und so konnte ich das Auto bald wieder im Hinterhof der Bude abstellen. Es ging auf 17:30 zu und ich konnte jetzt gut etwas essen. Das Lille India war gar nicht weit weg von meiner Wohnung. Ich wollte etwas zum Mitnehmen bestellen. Das Restaurant machte einen sehr guten Eindruck und war auch gut besucht. Lamm war leider aus, aber Chicken tat es auch. Ich sollte das Essen in einer halben Stunde abholen.
Die Zeit nutzte ich zu einer Runde durch die Stadt. Leider war die Sonne ja nun Geschichte; es wurde trübe und fast bischen kalt für T-Shirt und kurze Hose. Aber die Stadt ist wunderschön. Viele lange Straßenzüge mit vollständiger Holzhausbebauung, wobei die Häuser schon einen recht alten Eindruck machen. Sie waren oft liebevoll lackiert und zwischen den Häusern fiel der Blick auf verwunschene Hinterhofgärten. Aber die halbe Stunde reichte auch, um das Wesentliche gesehen zu haben. Das Essen war sehr gut und eine Riesenportion. Zum Glück hatte ich kein Naanbrot dazu bestellt...
Durch den Bm73 als Rt709 heute Nachmittag muss ja nun irgendwas durcheinander sein. Ob das GoAhead-Betriebswerk in Stavanger so "mal eben" einen Ersatz-Nachtzug auf die Beine stellen kann? Ich glaubte, die Antwort ziemlich eindeutig zu wissen. Aber noch war der Nachtzug auf balise.no mit Traktion durch El18 angezeigt.
Der letzte volle Tag... Heute muss ich all das machen, was ich bisher nicht geschafft hatte... Nun ja. Wie gestern sollte das Wetter tendenziell ostwärts besser sein als westwärts. Und eher nachmittags als vormittags. Der Bildfahrplan hielt keine Überraschungen bereit. Aber für die sorgt GoAhead dann sicher noch im Laufe des Tages. Die Nachtzüge waren jedenfalls beide ordnungegemäß mit El18 und Wagenzügen gefahren. Der 710 nachher nach Oslo sollte ebenfalls wie geplant lokbespannt fahren. Eigenartig...
Somit hatte ich natürlich auch für heute Morgen keinen Wecker gestellt und rechnete auch nicht damit, zum Morgenzug nach Oslo raus zu "müssen", obwohl ich für den noch eine schöne Stelle vor den Toren der Stadt gefunden hatte. Da war ich doch etwas überrascht, dass beim Aufwachen einiger blauer Himmel zu sehen war. Aber gerade nordostwärts hing der Hochnebel ziemlich dicke drin. Ich sparte mir die Hetzerei.
Um 9 zog ich aber mal los. Es hatte sich nun ziemlich zugezogen. Die große Frage war wieder mal: Versucht man es in Hellvik auf dem Vormittagsfelsen nochmal mit anderen Varianten oder fährt man zu den Hintergrundfelsen östlich von Egersund? Das Satbild sah für beide Bereiche ähnlich dürftig aus. Mehr Lust hatte ich auf die schöne Felsenlandschaft bei Hellvik. Am Abschlusstag muss es einfach nochmal etwas Schönes sein.
So fuhr ich erstmal nach Hellvik bzw später noch auf eine Anhöhe mit guter Rundumsicht bei Vatnamot. Dort stand man genau an der Wettergrenze. Westwärts war alles blau. Aber was nutzt das, wenn die Sonne noch im Osten steht? Allerdings schien es so, dass sich die Pampe laaaangsam von Westen her auflöst oder sich zumindest nach Osten verschiebt. Also die Steinbruchstraße reingefahren. Der Steinbruch muss wohl Betriebsferien haben; angenehmerweise habe ich all die Tage keinen LKW dort oben gesehen. Nach dem Parken erstmal wegen des kalten Windes lange Sachen angezogen, dann reingelaufen. Am Himmel sah es gut aus! Ich rechnete jeden Moment damit, dass das große Blau die Sonne erreicht. Und der Onrail-Gütermann näherte sich strammen Schrittes.
Als ich in Position stand, war auch bald der Moment gekommen, wo die Landschaft sonnig wurde. Nur noch einzelne Störungen verdunkelten hie und da die Landschaft. Irgendwann war der Zug zu hören. Alles sonnig, auch in der Richtung, aus der die Wolkenschatten ggf zu erwarten waren. Zug wurde lauter. Es klang, als ob er jeden Moment in Vatnamot um die Ecke käme. Alles sonnig. Zug noch lauter. Wo bleibt der denn? Der Felsen, aus dessen Richtung die Schatten wanderten, wurde dunkel. Zug noch lauter. Er kam um die Ecke! Gib alles. Nun wurde erstmal nach und nach der ganze Hintergrund dunkel. Zug kurz vorm Motivdamm. Noch volle Sonne am Auslösepunkt. Zug auf dem Motivdamm. Der Damm wird dunkel. Danke für nichts...

Wenn der Güterzug nicht will, müsst ihr euch halt eine S-Bahn anschauen.
Ich blieb trotz des kalten Windes sitzen. Im Prinzip sah es hier wolkentechnisch gar nicht so schlecht aus. Der lokbespannte Blaue durfte dann auch gern noch hier genommen werden. Obwohl oben jetzt das Blau überwog, saß man doch immer wieder im Schatten. Es blieb spannend... Und dann nahm die Pampe da oben auch wieder zu. Das wurde jetzt so eine 50/50-Geschichte. Ich schaute da gar nicht mehr hin. Als der Zug kommen sollte, stellte ich mich wie geplant hin. Aus dem Augenwinkel nahm ich wahr, dass immer irgendwo irgendwas in der Landschaft dunkel war. Der Zug kam hinten um die Kurve. Der Damm war voll ausgeleuchtet. Der Zug kam näher. Das Licht flackerte, blieb aber an. Zug hat geklappt! Sogar ohne Video-Schiri.

Das Licht hält. Der lokbespannte Blaue nochmal am Vormittagsfelsen vor Hellvik. Der Schlafwagen ist übrigens auch wieder dabei - diesmal aber hinten...
Ob das wohl die Laune anheben konnte? Nun wanderte ich mal auf die andere Seite des Damms. Der kleine, kaum erkennbare Pfad, den man das erste Stück zum Vormittagsfelsen reinläuft, führte um die Seebucht herum. Allerdings machte sich von drüben der Bewuchs am Damm deutlich negativer bemerkbar. Und der Blaue kam mit ohne Sonne.
Nun hatte ich allerdings einen ganz anderen Programmpunkt. Auf der Karte hatte ich gesehen, dass der Vestlanske Hovedvei, also die historische erste Straße der Gegend, ein ganzes Stück oberhalb (zumindest auf der Karte oberhalb, also nördlich) der Bahn durch die Felsenlandschaft führen soll. Es hatte mich schon immer gereizt, den mal ein Stück zu gehen. Ich hatte nur keine Lust, den Weg hin und zurück zu laufen. Eine Richtung mit der S-Bahn wäre vielleicht gegangen, wobei man dann in Hellvik sehr weit die Straße hätte laufen müssen. Da fehlte mir die Lust zu.
Nun hatte ich aber gesehen, dass es von hier, wo ich war, also von der Steinbruchstraße, einen Verbindungsweg hoch zum Vestlanske Hovedvei geben soll und weiter östlich einen solchen zurück. Dazwischen konnte man wenigstens ein kurzes Stück die historische Straße laufen. Diese Runde ging ich nun an. Erwartungsgemäß ging es als erstes steil aufwärts. Bis zum Hovedvei waren nun allerdings zwei massive Felsketten zu queren, zwischen denen es auch mal wieder ordentlich abwärts ging. Aber was man da an Landschaft zu sehen bekam, war wirklich der Hammer. Dieses Felsenmeer hat ungeahnte Ausmaße. Von den Anhöhen hatte man einen wunderbaren Überblick über diese einzigartige Landschaft. Eigentlich könnte man das als Nationalpark verkaufen. Da die Sonne regelmäßig zur Stelle war, konnte ich das alles ausführlich fotografieren.

Von nun an gehts (erstmal) bergauf. Der Weg ist gut ausgetreten und mit hellblauen Markierungen versehen.

Den Berg Rubben haben wir rechts liegen gelassen und überblicken eine kleine Hochfläche.

Der Hellviksbolten ist eine Felskugel, die in einem Spalt feststeckt.

Oberhalb des Hellviksbolten stehend sieht man in der Ferne schon wieder das Meer.

Die Ausblicke werden immer besser.

Der Weg ist immer noch gut.

Und nochmal der Weitblick.

Nun neigt sich der Weg abwärts zum Vestlanske Hovedvei.
Das Gruselige war, dass ich dort komplett allein unterwegs war. Auf dem Pfad habe ich keinen anderen Menschen getroffen. Erst auf dem Hovedvei begegneten mir zwei radelnde Paare. Der Hovedvei war richtig gut ausgebaut, landschaftlich aber eher unspektakulär gegenüber dem Weg, den ich nun hinter mir hatte.

Der Vestlanske Hovedvei war ja geradezu eine Autobahn. Kein Vergleich zum Weg eben.

Wie kann man Radfahrer am besten ärgern? ;-)
Doch nach nur ca 15min Fußweg auf dem Hovedvei musste ich schon wieder abbiegen. Dieser Pfad wieder runter an die Bahn hatte nicht die großen Höhenunterschiede und war landschaftlich längst nicht so spektakulär wie der erste Weg. Zudem war er schlechter ausgeprägt wie der erste. Zwar gab es auch hier die hellblauen Markierungen, aber oftmals musste man sie suchen. Es gab auch viel moorigen Untergrund, wo man lange nach den Markierungen suchen musste.

Der Weg zurück zur Bahn ist nicht so gut ausgetreten, führt aber nett zwischen den Felsen hindurch.

Hier war schon etwas mehr Pfadfindergeist erforderlich.
Insofern war ich froh, als ich wieder unten war und den Wanderweg parallel zur Bahn zum Auto zurücklaufen konnte. Aufgrund des ersten Teils war die Wanderung eine ganz großartige Sache gewesen. Nun konnte ich hier nochmal direkt die Drohne steigen lassen, denn vom Wanderweg hatte ich ein freies Stück gesehen, bei dem man vielleicht einen See im Hintergrund haben konnte.

✈ Nach der Wanderung ergibt sich per Drohne nochmal ein schöner Überblick über die Landschaft, die ich gerade durchwandert habe. Lt 3043 hat gerade den Bahnhof Hellvik verlassen.
Dann fuhr ich rum - erst nach Vatnamot, dann aber noch weiter zum östlichen Weg zum Nachmittagsfelsen. Wie immer parkte ich deutlich vor der Schranke. Und die war diesmal sogar zu, wenn auch wohl nicht verschlossen. Ich wollte gern ein Drohnenfoto vom Damm bei Vatnamot haben und die Frage war hauptsächlich, von wo ich am ungestörtesten starten konnte. Das klappte dann auch ganz gut, wobei ich es trotz dichtem S-Bahntakt bei dem einen Bild beließ. Es war ein heftiger Sturm aufgekommen. Auf dem Meer gab es hohe Wellen. Die Drohne bewältigte den Sturm zwar gewohnt lässig, aber man muss da nicht mehr als nötig über irgendwelchen Seen herumfliegen.

✈ Lt 3042 auf dem Damm von Vatnamot.
Statt dessen bestieg ich mal den "falschen Mittagsfelsen", auf dem ich vor einer Woche den Cargonet 5804 verpasst hatte, der als Nachmittagsfelsen aber durchaus zu gebrauchen war, und nahm einen Local auf dem Vatnamot-Damm auf. Der Sturm fegte mich fast vom Felsen. Schade, dass sich auf dem Krogavatn noch keine Schaumkronen bildeten.

Derselbe Damm - andere Blickrichtung. Lt 3047 hat bei Vatnamot den Nordre Krogavatn erreicht.
Für den lokbespannten Blauen von Oslo, der heute wirklich mit El18 unterwegs war, schwebte mir das Motiv Ausgang Brusand vor, das ich ja schon mit anderen Zügen gemacht hatte. Und zwar sollte es ruhig die Drohnenperspektive werden - die war hier nunmal unschlagbar. Hier stürmte es nicht weniger und die Drohne hatte hörbar zu kämpfen, aber über einer Wiese und in geringer Entfernung zu mir ist mir das irgendwie beruhigender als weit weg über einem See.
Aber Halt mal! Was mache ich eigentlich hier? Ich will die El18 fotografieren? Hatte ich nicht heute schon eine? Reicht das denn nicht? Hmmm... Auch wenn der Himmel ziemlich (!) wolkenfrei geworden war, so zogen doch immer wieder einige Flusen vor der Sonne entlang. Noch war also alles möglich. Auch die Batterie meiner Drohne ging bei dem Sturm rasch zur Neige. Also: Was läuft? Nun ja, der Zug kam und klappte. Vielleicht habe ich einen Ticken zu spät ausgelöst. Der Auslösepunkt ist vollkommen ok, aber eine Nuance früher wäre vielleich NOCH schöner gewesen. Neee, aber alles gut. Heute haben mal zwei El18-Züge geklappt!

✈ Rt 709 hat das Felsenparadies hinter sich gelassen und taucht hinter Brusand ins Agrarland Jærens ein.
Und nun? Ich wollte gern eine Bahnhofsaufnahme in Ogna haben. Durch die Kurvenlage des Bahnhofs konnte man die vom Hausbahnsteig aus machen. Klassisch drüben auf der anderen Seite stehen ging auch hier nicht, weil das Bahnhofsgelände hoch eingezäunt war. Mit der eigentlich geplanten S-Bahn wurde das leider nichts, weil die Gegenbahn +4 hatte und die Kreuzung von Hellvik nach Ogna verlegt worden war. Die musste hier fast 10 Minuten warten, während der der Zugführer wieder den Reisendenüberweg bewachen musste. Mir stand sie blöd im Bild. Daher wartete ich noch auf den nachfolgenden Schnellzug.

Da kommen nochmal die Oilers um die Kurve. Leider mit ausgeschalteter Lichtorgel braust Bm73 012 als Rt 711 durch Ogna.
Zum Tagesabschluss zog es mich nochmal auf den Kanonenfelsen. Einfach, weil das nochmal ein schöner Abschied von den Felsen und von dem herrlichen Strand war. Und weil mir absolut nichts anderes für den Güterzug einfiel, der aber irgendwie noch verarztet werden musste. Da diesmal im Hintergrund keine Wolken am Himmel standen, konnte ich mehr vom Vordergrund ins Bild nehmen. Die Hochnebelflusen am Himmel nahmen wieder zu und machten es nochmal spannend, doch es klappte wunschgemäß.

Und zum Abschluss nochmal der Blick vom Kanonenfelsen mit Gt 5814 auf der Brücke über den Ognaelven.
Tja, das war es hier. Nun blieb noch die Fahrt auf der schönen Straße nach Egersund übrig, für die ich einen sehr guten Slot erhielt. Die durchfahrene Küstenlandschaft war im klaren Abendlicht nochmal wunderschön. Ich hatte bis auf ein Eis eben in Ogna und ein kleines Frühstück nichts gegessen, so dass ich mich richtig auf den Inder freute. Bei der Einfahrt Egersund bekam ich aber doch mehr Lust, das Tiefkühlsortiment des Supermarktes durchzuschauen. Irgendwie hatte ich auf der Tour genug Reis gegessen und große Lust auf die Wartezeit hatte ich auch nicht. So ist es eine große Nudelpfanne a la Carbonara geworden.
Dieses Datum stand auf meiner Fährbuchung. Ich musste um 15 Uhr in Kristiansand sein - das war fix. Auch heute wachte ich bei Sonnenschein auf. Den 7:40 Bm73 nach Oslo hätte ich wohl vor den Toren der Stadt machen können. Wobei - im Osten hingen auch noch einige Wolkenfelder. Egal jetzt, ich hatte gestern im Geiste mein Abschlussbild gemacht. Von der Bahn jedenfalls. Ich verputzte zum Frühstück nun einige Reste, aber paar Sachen muss man am Ende dann doch wegschmeißen.
Aber für heute hatte ich auch noch einen Plan. Die E39 in Richtung Moi konnte ich nicht mehr sehen. Deshalb sollte es bis Flekkefjord über die küstennähere Straße 44 gehen. Dann ein Stück E39 und dann einmal so einen richtig heftigen Touri-Hotspot aufsuchen. Aber eines nach dem anderen. Mittlerweile war von Westen eine richtig dicke Front aufgezogen. Um 9 Uhr saß ich im Auto. Noch schien hier die Sonne, aber gewiss nicht mehr lange.
Tja, was soll man zur durchfahrenen Landschaft sagen? Norwegisch halt, nie langweilig, Felsen, Seen, immer wieder Küstenblicke. Richtig spektakulär wurde es am Jøssingfjord. Dort tat sich vor der Straße ein Loch auf. Tief unten war der Fjord, eingerahmt von senkrechten Felswänden. Dort hinunter schraubte sich nun die Straße. Leider gab es auf der meist einspurigen Straße weiter oben nicht wirklich Haltemöglichkeiten. Deshalb gab es nur ein Foto von unten.

Jøssingfjord. Da oben hatte die Straße den Fjord erreicht.
Und die Bewölkung hing mir nun richtig im Nacken. Es ging jetzt wieder über Berge rüber und dann in Åna-Sira wieder ans Wasser runter. Dort mündet der Abfluss des Lundevatn, die Sira, in einen eng eingeschnittenen Fjord. Die malerischen Häuschen hätte ich schon gern fotografiert, aber nun hatte mich die Bewölkung eingeholt. Das war besonders für den nächsten Haupt-Touri-Pflichtprogrammpunkt etwas schade. Dort hätte ich gern noch Sonnenbilder gemacht.
Aber noch war ich auf der 44 unterwegs. Irgendwann am Ende lief ich auf einen italienischen Camper auf, der sich nicht überholen ließ und der in Flekkefjord dann auch genau vor mir her auf die E39 ostwärts fuhr. Als der da auch nicht mehr als 70 schaffte, nutzte ich die nächste Gelegenheit zum Überholen und hatte nun einen topp Slot auf dieser stark befahrenen Straße. Da war praktisch niemand vor mir. Dies war ein Abschnitt, wo die E39 als zweispurige (also einspurige je Richtung) Schnellstraße durch die Landschaft geschneist war. Es gab lange Tunnel - sogar mit unterirdischen Auffahrten - und kühn geschwungene Brücken. So weit hatte ich allerdings auch nicht auf der E39 zu fahren. Bald musste ich nach Lyngdal abzweigen, wo ein Tankstopp anstand.
Zuletzt war es wieder die ganze Zeit durch Sonne gegangen. Dabei kann man doch vor Wolken gar nicht fliehen. Deshalb wollte ich nun auch zügig ans Ziel kommen: Lindesnes fyr, der südlichste Punkt Norwegens oder zumindest des norwegischen Festlandes. Ein idyllisches Fleckchen Erde. Auf einem Felsen stehen ein schnuckeliger Leuchtturm und der Bau, in dem vorher mit Kohlenfeuern Leuchtsignale für die Schifffahrt gegeben wurden. Gerade hatte ich dort das Auto verlassen und die rund 15€ Eintritt abgedrückt, da legte sich der Schatten über die Anlage. Aber das war nur die Vorhut der geschlossenen Bewölkung, ein schmaler Wolkenstreifen als Warnung. Danach kam nochmal für rund 15 Minuten die Sonne voll durch. Das reichte. Ich konnte sogar noch kurz die Drohne starten, denn ohne Drohne fotografiert man Bauwerke auf Felsspitzen halt nur von unten...

Da die markante Wolkengrenze fast da ist, gibt es erstmal ein schnelles Bild von unten.

✈ Noch herrscht Sonnenschein über Kap Lindesnes. Aber nicht mehr lange.

✈ Und nochmal mit Tele.

Blick vom alten Leuchtfeuer gen Nordwesten.

Die Wolkengrenze ist schon ziemlich deutlich.
Da habe ich mich doch sehr gefreut. Beeindruckend war die klare Grenze, mit der das schlechte Wetter reindrückte. Und ich durfte die dritte Festungsanlage des zweiten Weltkrieges besichtigen. Der Felsen von Kap Lindesnes ist nämlich auch durchzogen von Tunneln zu den verschiedenen Gefechtsstellungen. Die waren sogar teilweise beleuchtet. Ansonsten konnte man einfach auf Felsen sitzen und die Landschaft genießen. Darin hatte ich ja im Laufe des Urlaubs Übung bekommen...
Nach rund anderthalb Stunden hatte ich es gesehen. Um meinen Parkplatz stritten sich sofort zwei andere Deutsche. Keine Ahnung, wie es ausgegangen ist. Ich hatte nun noch rund 75 Minuten bis Kristiansand zu fahren - den obligatorischen Stau in Mandal mitgerechnet; die Kreisel der Umgehungsstraße können den heutigen Verkehr nicht mehr aufnehmen. Die Verlängerung der Autobahn ist aber heftig im Bau.
So stand ich gegen 15 Uhr in Kristiansand in der Wartespur und tat das, was man in so einer Wartespur macht. Warten. Das Schiff war noch nichtmal in Sicht. Aber irgendwann tauchte es doch auf und legte genau um 15:30 an. Wir konnten pünktlich starten!
Da hier über das Heck beladen wird, über dem sich die Außendecks befinden, konnte man schön beim Sortieren der Fahrzeuge zuschauen. Es ist ein Wahnsinn, was da alles an Autos, Wohnwagen und LKWs in das Schiff hineinpassen. Als das Schiff ablegte, lief ich zum "Catch me if you can" Buffet und befriedigte meinen Appetit. Hervorheben darf ich den Lachs. Komischerweise wurde rings um mich herum gar nicht so gespachtelt, wie ich es erwartet hätte. Vermutlich hatten die ihr Pensum schon während der Beladung absolviert. Aber da dort auf dem wieder mal vollen Schiff jeder seinen Platz hatte, blieben alle dort sitzen. Das ist natürlich schade, denn man hätte sicher mindestens noch eine weitere Fräs-Schicht einschieben können. Aber mir sollte es recht sein. Praktisch war der feste Platz durchaus. Man konnte auch mal weggehen und wiederkommen.
Ich hatte wieder meinen Parkplatz auf Deck 6, das über eine Rampe erreicht wird, die erst in die Schräge gefahren werden kann, wenn darunter alle Autos weg sind. Ergo kamen wir wieder als letztes raus. Der Übergang vom Schiff auf die E39 klappte dann aber viel besser als hinwärts in Kristiansand und ohne jegliche Stockung. Um 20 Uhr war ich von der Fähre.
Bei der ursprünglichen Planung hatte ich an eine Übernachtung irgendwo hier oben gedacht, aber das war quatsch. Das würde mich morgen bloß in den fetten Hamburger Freitagsverkehr bringen. Ich fühlte mich absolut fit, hatte genügend Getränke an Bord und konnte fahren. Und es ist ja nicht so, dass man auf dänischen Autobahnen nicht vorwärts kommt. Meist darf man 130 fahren. Leider waren natürlich die ganzen großen Fahrzeuge wie LKW und Camper vor uns auf die Autobahn gelassen worden, und wenn dann ein Camper meinte, er müsse einen LKW überholen, gab es etwas Stockung. Aber das war nur mal punktuell der Fall. Ansonsten war es herrlichstes Fahren durch die weite hügelige Landschaft aus von der Abendsonne beleuchteten goldenen Kornfeldern.
Aalborg, Randers, Aarhus flogen nur so vorbei und bald war es nicht mehr weit bis Kolding. Bis hier war die Autobahn noch gut voll mit internationalen Kennzeichen, also vermutlich alle von unserer Fähre. Erst danach wurde es deutlich ruhiger und die Dunkelheit senkte sich über die E45. Da ich nicht sicher war, ob ich vor zuhause nochmal tanken müsste und die bedienten Tankstellen in Deutschland gern nachts zu machen, fuhr ich in Rødekro mal raus, füllte nach und brachte was anderes weg. Ich will in Deutschland auch diese praktischen Bezahlterminals an den Zapfsäulen!
Dann war auch bald Deutschland erreicht. Während in der anderen Richtung emsig von den Dänen kontrolliert wurde, konnten wir Südfahrer ohne Stopp die Grenze passieren. Ich war erstaunt, wieviel dann doch noch auf der Autobahn los war. Nicht, dass es Stockungen gegeben hätte, aber ich hatte mit deutlich weniger gerechnet. Richtig leer wurde es erst hinter Neumünster, wo man oft die dreispurige Piste für sich hatte und dann mal bisken weiter beschleunigen konnte... Um 0:55 traf ich wieder wohlbehalten auf meinem Wilstorfer Hügel ein, wo Autochen sich in der Garage ausruhen durfte. Und ich paar Etagen höher auch.
Nach dieser Tour weiß ich endlich, dass Norwegen von Hamburg aus gar nicht so weit weg ist. Noch nie war auf einer Norwegenreise das Distanzgefühl so gering wie dieses Mal. Ob nun die gemütliche Anreise oder die schnelle Rückreise - das hat mir alles sehr gefallen. Und in Norwegen habe ich definitiv genau die beabsichtigte Mischung aus Erholung und tollen Eisenbahnfotos hinbekommen. Stress kam bestenfalls bei so einigen mir wichtigen Zugvorbeifahrten ob der kleinräumigen Wolkensituation auf, aber im Großen und Ganzen habe ich viel viel Sonne gesehen. Ich gebe zu, anfangs etwas verzweifelt wegen Dunst und Schlonz gewesen zu sein. Das gab es wirklich schon, dass grundlegend widersprüchliche Wetterberichte ihren Grund in der Definition hatten, bis zu welchem Schlonzgrad man noch von Sonne sprechen kann. Aber dann erwies sich das als nicht zutreffend. Statt dessen gab es in der Gegend wirklich scharf gezogene Wettergrenzen, auf die man sich sehr gut einstellen konnte.
Landschaftlich haben die Felsengärten etwas paradiesisches. Und dass durch diese herrliche Gegend sogar eine Art S-Bahn in (für Norwegen) dichtem Takt fährt, lässt halt auch wunderbar viele Spielereien zu. Da wäre vermutlich noch viel mehr gegangen. Etwas schade waren die vielen Ausfälle und ganz besonders die Sommerpause der beiden Cargonet-Tagesgüterzüge, die überall topp im Licht gelaufen wären. Aber immerhin hat wirklich jeden Tag ein El18-Bild geklappt. Bei neun vollen Tagen da oben kam somit auch bischen was zusammen. Aber vielleicht muss ich da nochmal hin. Es gäbe schlimmeres. Ich würde es glatt tun :-)