Grundlegende Bildaufbereitung für die DSO-Galerie
...und andere Internet-Präsentationen

Autor: Jan-Geert Lukner. Alle Rechte am Text und an den Bildern liegen beim Autor. Stand: Dez 2010 / GIMP Version 2.6.11

Zum Ausdrucken bitte in der Druckvorschau unter "Seite einrichten" die Ränder auf max. 5mm beschränken und als Skalierung "Auf Seitengröße verkleinern" wählen. Dann sollte alles auf dem Papier ankommen. Das Drucken von Hintergründen bitte unterbinden. Alternativ ginge auch Querformat und "Auf Seitengröße verkleinern". Dafür werden aber drei Wälder mehr abgeholzt...

Bilder für die Galerie sollten in folgenden grundlegenden Punkten möglichst stimmig sein:

Es ist gar nicht so schwierig oder zeitaufwändig, das hinzubekommen.

Die Kapitel:

  1. An wen richtet sich dieser Artikel?
  2. Start aller Dinge: Die Kamera
  3. Kommen wir zur Sache: Das Bildbearbeitungsprogramm
  4. Ein Workflow mit dem kostenlosem Programm GIMP
  5. Entscheidung nötig: RAW oder JPEG?
  6. Es gibt auch andere Programme
  7. Nützliche Ergänzungen

1. An wen richtet sich dieser Artikel?

Dieser Text soll all jenen helfen, die mit Bildbearbeitung nichts am Hut haben. Besser sollte ich sagen "hatten", denn ganz ohne geht es nicht. Allerdings soll dieser Text niemanden erschlagen und vor allem für den Einsteiger verständlich bleiben. Und Einsteiger gibt es viele unter den unermüdlichen Galerie-Einstellern und denen, die es werden möchten. So möchte ich junge Leute am Anfang der Schaffensphase gleichermaßen ansprechen wie erfahrene Fotografen, die zwar Top-Fotos besitzen, für die die digitale Aufbereitung aber etwas völlig Neues ist.

2. Start aller Dinge: Die Kamera

Immer wieder wird im Fotoforum gefragt, welche Kamera denn für Eisenbahnfotos geeignet ist. Da es hier um Bildaufbereitung geht, nur soviel: Für Eisenbahnfotografie reicht eine relativ minimalistische Kamera. Sie muss manuelle Einstellmöglichkeiten mindestens für die Belichtungszeit besitzen, darf keine Auslöseverzögerung haben, und wenn sie eine höhere Anzahl Bilder pro Sekunde schafft, so ist das sicher nicht verkehrt. Viel wichtiger sind die Linsen. Ein hochwertiges Objektiv macht die guten Bilder, nicht die Kamera mit extra-Gimmick. Gerade bei den für die Eisenbahnfotografie nötigen kurzen Verschlusszeiten sollte das Objektiv einigermaßen lichtstark sein oder von so hoher Qualität, dass es bereits bei Offenblende scharfe Fotos macht.

Ich wage allerdings die Behauptung, dass es nicht gerade einer Spitzenausrüstung bedarf, um im Internet gescheite Bilder zu zeigen. Im Internet herrschen Bildgrößen von rund 1000 pixel Breite vor. Jede Einsteigerkamera liefert heute aber schon Bilder von meist über 4000 pixel Breite. Aus diesen Bildinformationen lassen sich mit gescheiter Nachbereitung definitiv für die 1000er-Breite geeignete Bilder generieren, wenn das Original im Großen und Ganzen sauber aufgenommen wurde und das Objektiv nicht gerade eine "bessere Glasscherbe" war. Man muss nur wissen wie. Dazu später mehr.

3. Kommen wir zur Sache: Das Bildbearbeitungsprogramm

Es gibt teure, es gibt kostenlose und es gibt beigepackte Programme. Was soll man nehmen? Außerdem ist natürlich entscheidend, ob man RAW fotografiert oder ob man nur JPEGs macht (zu dieser Frage mehr in Kapitel 6!). Während man JPEGs mit jedem Bildbearbeitungsprogramm bearbeiten kann, benötigt man für RAW-Dateien ein Programm, dass auch die RAW der speziellen Kamera (jede Kamera produziert andere RAWs!) lesen kann. Bei RAW-Dateien spricht man auch von "konvertieren", da man diese Dateien vor der Nutzung im Internet auf jeden Fall umwandeln muss. Einige Programme nennen sich sogar "RAW-Konverter" (z.B. die mit der Kamera mitgelieferten). Aber man kann auch mit einigen normalen Bildbetrachtungsprogrammen RAW-Dateien öffnen, z.B. mit IrfanView (Link siehe unten; Plugin, also Zusatztool erforderlich!).

Fakt ist: Um ein Bild galerietauglich zu machen, kann sogar schon ein kostenloses Programm reichen. Wir erwarten keine bearbeitungstechnischen Doktorarbeiten. Wir möchten nur, dass wenigstens einige Grundsätzlichkeiten erfüllt werden wie hinreichende (aber nicht übertriebene!) Bildschärfe, möglichst gerade Ausrichtung, ausreichende Kontraste, um das Bild nicht zu flau wirken zu lassen. Zudem sollten Farben und Gesamthelligkeit natürlich passen.

Angesichts der vielen Bildbearbeitungsprogramme, die es gibt, ist es schwierig, mal einen vollständigen Beispiel-Workflow durchzuführen. Ich möchte allerdings auch zeigen, dass man zum Nulltarif an Programme herankommt, mit denen man die für die Galerie nötigen Bearbeitungsschritte durchführen kann. Deshalb werde ich den Beispiel-Workflow mit dem qualitativ sehr hochwertigen Freewareprogramm GIMP zeigen. In anderen Programmen findet man ähnliche Funktionen, vieles ist übertragbar.

4. Ein Workflow mit dem kostenlosem Programm GIMP

GNU Image Manipulation Program oder kurz GIMP ist ein Freewareprogramm, das an verschiedenen Stellen im Netz kostenlos heruntergeladen werden kann, z.B. hier: GIMP-Download bei Chip-Online. Auch ein Link zum deutschsprachigen Nutzerhandbuch findet sich dort.

Hinweis für Nutzer von RAW-Dateien: GIMP kann RAW-Dateien nur mit Plug-in (z.B. UFRaw) bearbeiten. Ansonsten sollte man das RAW-Bild mit dem RAW-Konverter eigener Wahl erstmal zumindest "grob" so gut wie möglich einstellen. Grobe Belichtungskorrekturen oder grobe Farbunstimmigkeiten wären so ein Fall. Je nach Möglichkeiten, die der genutzte RAW-Konverter bietet, natürlich auch alles andere wie gerade rücken oder Ausschnitt wählen. Je mehr man im Konverter durchführt, desto weniger Qualitätsverlust hat man insgesamt. Ein kostenloser empfohlener RAW-Konverter ist z.B. RAW-Therapie: Zum RAW-Therapie Download bei Chip-Online. Wer Geld investieren mag, hat mit Lightroom die Lösung von A bis Z. Zu meinem persönlichen Workflow mit Lightroom geht es hier lang.

Danach wird das Bild in eine TIFF-Datei (.tif) konvertiert und in GIMP wie unten beschrieben weiter bearbeitet, wobei vielleicht der eine oder andere Schritt entfallen kann, wenn der RAW-Konverter hier schon ganze Arbeit geleistet hat.

Vorbereitung für Nicht-RAW-Nutzer: Wir haben die Original-Bilddatei aus der Kamera ohne weitere Bearbeitung auf den Rechner kopiert. Über Datei -> Öffnen im Programm GIMP öffnen wir diese Datei. Als erstes wandeln wir die Datei in eine TIFF-Datei um, indem wir Datei -> Speichern unter wählen und dann beim Dateinamen am Ende statt ".jpg" ein ".tif" eintragen. Mit dieser TIFF-Datei arbeiten wir weiter, denn in TIFF können wir jeden Bearbeitungsschritt verlustfrei abspeichern.

Die Datei ist jetzt geöffnet. Das sollte ungefähr so aussehen (alle Screenshots lassen sich vergrößern!):



Einige Dinge, die im Foto bereinigt werden müssen, fallen sofort auf: Rechts ist das angeschnittene Sperrsignal äußerst unglücklich, außerdem ist das Bild etwas nach links geneigt. Mangelnde Kontraste sorgen für eine gewisse Flauheit. Damit fangen wir an:

Schritt 1: Helligkeit und Kontrast

Ob bei der Helligkeit etwas geht, zeigt das Histogramm. GIMP bietet dabei sehr komfortable Eingriffsmöglichkeiten an. Wir öffnen über Farben -> Kurven das Histogramm mit der Gradationskurve, die man hier direkt beeinflussen kann. HALT! Weiterlesen! Das sind zwar exotisch klingende Fachbegriffe, die Bedienung ist aber total einfach:



Das Histogramm sind die grauen "Ausschläge" der Kurve im Hintergrund. Jedem Helligkeitswert von 0 (schwarz, ganz links) bis 255 (weiß, ganz rechts) ist hier durch den Ausschlag der Kurve nach oben zugeordnet, wie hoch der Anteil des jeweiligen Helligkeitswertes im Bild ist. Die Kurve erzählt uns also, dass gerade in den hellen Partien die darstellerischen Möglichkeiten nicht voll ausgeschöpft wurden, denn die Ausschläge der Kurve enden ca bei Wert 240 und damit deutlich vor dem rechten Bildrand (Endwert 255). Schnee und Himmel machen den größten Anteil im Bild aus, besitzen ungefähr die gleichen Helligkeitswerte und führen deshalb im Bereich der Farbwerte ca 170-195 zu dem starken Ausschlag.

Die Gradations"kurve" ist zunächst nur eine gerade Linie, die diagonal durch das Bild verläuft. Über das Verschieben einzelner Punkte dieser Linie kann man nun Helligkeitseinstellungen wie bei einem normalen Helligkeitsregler vornehmen. Der Unterschied zu normalen Helligkeitsreglern ist allerdings, dass man genau sieht, in welchem Helligkeitsbereich man das Bild "angreift". Klickt man weiter rechts mit linker Maustaste auf die Linie und verschiebt diese nach oben oder unten, verändert sich die Helligkeit nur in den hellen Bildbereichen. Greift man mit der linken Maustaste weiter links zu, so beeinflusst man die dunklen Bildpartien. Hier kann man an beliebiger Stelle etwas rumspielen und ausprobieren.

Ich tu' bei diesem Bild folgendes: Da keine Helligkeitswerte zwischen ca 240 und 255 vorhanden sind, verschiebe ich einfach das Ende der Kurve (in den Kreis am Ende klicken und nach links ziehen) über den Bereich, wo die Kurve endet:



Bestätigung natürlich mit ok unter dem Diagramm. Damit haben wir die Belichtungswerte etwas gespreizt und nutzen somit das ganze Feld der darstellbaren Kontraste. Der Erfolg ist im Bild sichtbar, das "Mumpfige", der gräuliche Schleier über dem Bild, ist zu einem Teil einer freundlicher wirkenden Helligkeit gewichen. Achtung! So einfach geht das nicht immer - oft darf man die Tonwerte nicht ganz so stark spreizen, z.B. um Stimmungen zu erhalten. Deshalb bitte immer im Bild das Ergebnis prüfen und ggf abmildern!

Wir öffnen das Histogramm erneut über Farben -> Kurven. Der Ausschlag im Histogramm zeigt, dass wir nun alle Helligkeitswerte im Bild nutzen. Das sieht so aus:



Wir müssen noch mehr mit der Gradationskurve (die ja noch immer eine Gerade ist) machen. Um den Kontrast etwas zu erhöhen und das Bild damit etwas "peppiger" zu machen, ziehen wir zunächst die "Höhen", also die helleren Bildbestandteile noch etwas nach oben, und dann die Tiefen etwas nach unten. Dazu klicken wir zunächst auf einen Punkt der "Kurve" im helleren Bereich und ziehen diesen bei gedrückter Maustaste vorsichtig nach oben. Beobachtung des Resultats im Bild. Wenn Teile heller Flächen an Zeichnung verlieren, war's zuviel. Dann einen Punkt in der "dunklen" Hälfte der Gradationskurve leicht nach unten ziehen, Resultat beobachten (Durchzeichnungen im schattigen Bereich, z.B. Fahrwerk, sollten nicht vollkommen "absaufen"), mit ok bestätigen.



Damit würde ich es von den Helligkeiten und vom Kontrast her erstmal bewenden lassen. Je nachdem, wieviel Zeit man für die Materie aufwenden will, bietet die Gradationskurve natürlich noch zahlreiche Möglichkeiten der Feinjustierung. Man kann auch die Helligkeitswerte der einzelnen Farbkanäle anfassen (Auswahl in dem Histogrammbild mit dem Drop-down-Menü Kanal. Hier lassen sich allerfeinste Justierungen der Farben anfertigen.

Tja, und weshalb haben wir nicht einfach den normalen Schieberegler für die Helligkeit angewandt? Ganz einfach: In der Regel weiß man ja nichtmal, in welchem Teil der Gradationskurve der Schieberegler zugreift. Meist ist es im mittleren Bereich, so dass diese feine Unterscheidung zwischen Höhen und Tiefen gar nicht möglich ist. Und - mal ehrlich: Ob ich den Dialog Helligkeit und Kontrast öffne und dort die Regler betätige oder ob ich die Kurven öffne und dort die Gradationskurve an den Stellen verschiebe, die ich für nötig halte - das ist vom Arbeitsaufwand nicht "schlimmer" (außer dass man drüber nachdenken muss, wo man die Kurve am besten anfasst).

Schritt 2: Die Farben

Dies ist ein sehr gefährliches Thema. Man kann viel verbessern, man kann aber auch viel verschlimmbessern - das weiß ich aus eigener Erfahrung. Dass man über die Gradationskurven die Farben beeinflussen kann, habe ich schon gesagt. Ist aber etwas für Fortgeschrittene. Die simpelste Einstellungsmöglichkeit, die GIMP bietet, ist unter Farben -> Farbabgleich zu finden. Durch Betätigung der Regler unter Farbwerte anpassen kann man am besten Farbstiche beseitigen.

Beim vorliegenden Bild glaube ich einen leichten rötlichen Stich zu erkennen, und der dunstige Winterhimmel könnte auch etwas bläulicher sein. Oder auch nicht. Man muss jetzt etwas hin und herprobieren. Dabei bitte beachten, dass man die Farben für Schatten (dunkle Bildbereiche), Mitten und Lichter (helle Bildbereiche) separat einstellt!



Viel wichtiger als auf die nuancielle Einstellung dieses Bildes einzugehen, ist mir im Hinblick auf die Galerie, Tipps für das Erkennen von grundlegenden Farbstichen zu geben. Das ist gar nicht so einfach und kann - salopp gesagt - schon mal von der eigenen Tagesform abhängen.

Bei grundlegenderen Farbstichen durch falsche Kameraeinstellungen u.ä. sollte man mal horchen, ob sich aus dem Bekanntenkreis immer wieder Kritik an bestimmten Farbstichen der eigenen Aufnahmen wiederholt. Dies wäre dann bei der Bildbearbeitung zu beachten. Gewisse Grundeinstellungen, die sich immer wiederholen, können in GIMP ja auch abgespeichert werden. Die andere Variante ist es, ein Bild mal auf verschiedene Weisen farblich aufzuarbeiten und sich selbt im direkten Vergleich der Bilder mal zu fragen, was einem persönlich am meisten zusagt bzw was am natürlichsten wirkt. Dabei empfehle ich auch, etwas zeitlichen Abstand zu halten. Wenn ich längere Zeit Bilder bearbeitet habe, sehe ich irgendwann nur noch Farbstiche. Vielleicht die Testbilder mal ein Stündchen liegen lassen und dann nochmal betrachten. Und nach einem Tag vielleicht nochmal betrachten. Oder mal Freunde befragen, Bilder von Freunden von derselben Fototour direkt mit den eigenen vergleichen. So bekommt man Grund in die Farben rein. Nun können feinere Justagen beginnen. Aber die sind jetzt nicht Thema dieser Ausführungen.

Schritt 3: Die Schräglage beseitigen

Nun wollen wir endlich mal der Schräglage zuleibe rücken. Als erstes blenden wir die Rasterlinien ein, denn die sind für das Folgende sehr hilfreich: Ansicht -> Raster anzeigen. Über Bild -> Raster konfigurieren können wir den Abstand der Rasterlinien modifizieren. Links ist bei GIMP der Werkzeugkasten eingeblendet. Dort wählen wir das Werkzeug Drehen. In dem Fenster, das unter dem Werkzeugkasten entsteht, muss unter Beschneidung der Punkt Auf Ergebnis beschneiden ausgewählt werden. Danach klicken wir auf das Bild, so dass sich eine Eingabemaske für das Drehen öffnet. Entweder durch ziehen der Maus im Bild bei gedrückter linker Taste oder durch Eingabe eines Winkel-Wertes in der Eingabemaske kann das Bild nun gedreht werden. Ich wähle einen Winkel von 0,5°.



Wie erkenne ich überhaupt, dass mein Bild schief ist? Mitten in der Natur kann das ganz schön schwierig sein. In der Zivilisation hat man in der Regel aber genügend Anhaltspunkte. Dran denken: Fahrleitungsmasten und Signale, Verkehrsschilder und Lampenmasten können auch schief stehen. Das sicherste sind noch Häuser, bei denen man ja doch zumeist davon ausgehen kann, dass sie gerade gebaut wurden. Gern nehme ich auch senkrechte Linien in Zugseiten, z.B. Container oder Türen (nur bei Fahrzeugen mit senkrechter Außenwand!). Das geht natürlich nur, wenn sich der Zug nicht gerade in eine Kurve legt. Oft muss man sich ein Gesamtbild aus mehreren Faktoren bilden.

Bei allen senkrechten Linien ist aber die Flucht zu bedenken. Da man die Kamera meist minimal aufwärts richtet, "stürzen" senkrechte Linien ja mehr oder weniger intensiv. Hier besteht die Aufgabe darin, das Bild so zu drehen, dass senkrechte Linien rechts und links sich im gleichen Maße neigen. Natürlich kann man auch "stürzende Linien" abmildern (auch mit GIMP!), aber das ist nicht zwingend nötig und gehört nicht in diesen Einsteigerkurs. Nicht vergessen: Über Ansicht -> Raster anzeigen beseitigen wir den Haken vor Raster anzeigen und damit auch die Einblendung der Hilfslinien.

Schritt 4: Wahl des Ausschnittes

Wie oben schon gesagt, sollte das angeschnittene Sperrsignal rechts möglichst ganz aus dem Bild verschwinden. Unten und oben könnte man zudem auch noch etwas beschneiden. Im Werkzeugkasten wählen wir nun das Symbol "Rechteckige Auswahl" und ziehen dann mit der gedrückten linken Maustaste den Ausschnitt, wie wir ihn haben wollen. Danach müsste es so aussehen:



Nach erfolgter Ausschnittswahl wollen wir das Bild auf diesen Ausschnitt zuschneiden. Dafür gehen wir auf Bild -> Auf Auswahl zuschneiden. Fertig.

Schritt 5: Bild verkleinern und schärfen

Das Bild hat jetzt immer noch die Originalgröße, wie es aus der Kamera kam (abzüglich der weggeschnittenen Ränder). Das ist gut zum Bearbeiten, aber zum Vorzeigen im Internet natürlich viel zu groß. Spätestens hier sollte man sich das bearbeitete Bild mal abspeichern (einfach Datei -> Speichern oder über Datei -> Speichern unter diesen Bearbeitungsstand unter einem anderen Namen speichern). Über Bild -> Bild skalieren gelangt man zum jetzt benötigten Fenster, um die Größe zu ändern. Wir geben bei der Breite die gewünschten 1024 pixel an. Bei Weiterspringen mit der Tabulator-Taste oder Anklicken eines beliebigen anderen Feldes fügt das Programm automatisch die richtige Höhe ein, damit das Bild weiterhin das richtige Seitenverhältnis hat.



Nach Betätigung der Skalieren Schaltfläche erscheint das Bild winzig klein auf dem Monitor. Bisher war das Bild ja immer vom Programm verkleinert dargestellt worden, weil es sonst nicht komplett auf den Monitor gepasst hätte. Jetzt haben wir es aber so stark verkleinert, dass wir es uns vom Programm in Originalgröße anzeigen lassen können. Dazu wählen wir unter Ansicht -> Vergrößerung die 100%-Ansicht aus.

Die Schärfe eines Bildes lässt sich nur in der 100%-Ansicht vernünftig beurteilen. Wenn ich mir das vorliegende Bild so ansehe, so hat GIMP bei der Verkleinerung offenbar gute Dienste geleistet. Ein Nachschärfen ist gar nicht mehr zwingend erforderlich. Wir probieren aber trotzdem mal, wieviel Schärfe noch geht. Über Filter -> Verbessern -> Schärfen öffnen wir die Schärfe-Maske. Hier können wir einfach mal am Regler ziehen und im Vorschaubild schauen, wie die Verbesserung ist, oder ob es sich schon um eine Verschlimmbesserung handelt.

In den "gefährlichen" Bereich kommen wir, wenn diagonale Linien Stufenbildung zeigen, oder wenn um dunkle Linien vor einfarbigem Hintergrund (z.B. Himmel) eine Art von Heiligenschein, also eine helle Corona, entsteht. Ich schiebe den Regler bis 20 und kann keine negativen Auswirkungen feststellen. Das reicht dann aber auch definitiv.

Im Zuge der Recherche für diesen Text habe ich auch mal von verschiedenen Galerie-Einstellern Bilder erbeten, die mir von der Schärfe her nicht optimal erschienen. Meine Versuche mit GIMP brachten nun folgendes zutage: In kritischen Bereichen, also insbesondere bei diagonalen Linien, überschreitet GIMP leider schnell die kritische Grenze. Was oben bei dem Bild als angenehm rüber kommt, nämlich dass die Schärfe nach dem Verkleinern schon top ist, erweist sich bei kritischen Bildern als eklatanter Nachteil. Sie werden mit der Verkleinerung überschärft. Ich habe es mal mit einem eigenen Bild ausprobiert:



So kann man das Bild nicht einstellen. Im Bereich der an sich geraden Dachkante erzeugt die Stufenbildung Sägezahnlinien. Die Streben zwischen den Fenstern im Oberstock der Wagen sind praktisch nur noch Strichellinien. Ich finde es schade, dass ein Programm, das so hervorragende Schärfe-Funktionen wie z.B. Unscharf maskieren anbietet, bei der Skalierungsfunktion die Bilder derartig überschärft. Wat nu? Leider muss man jetzt in den sauren Apfel beißen und sich für die Verkleinerung ein anderes Programm suchen. Also in GIMP die TIFF-Datei abspeichern und z.B. mit IrfanView öffnen. Das ist ein kostenloser Bildbetrachter, der auch ganz brauchbar skalieren kann (Download z.B. hier). Mit Strg+R kann man nun das Bild verkleinern. Die Funktion "Schärfen nach Resample" lasse ich dabei bewusst ausgeschaltet, denn nachschärfen kann man immer noch. So kommt das Bild also vielleicht einen Tick zu unscharf raus (was nach Größenveränderung durchaus normal ist). Das Bild muss ohnehin jetzt mit IrfanView in TIFF abgespeichert und kann mit GIMP für die weitere Bearbeitung wieder geöffnet werden. Ich wähle nun in GIMP Filter -> Verbessern -> Unscharf maskieren und schaue, ob man mit dieser sehr feinen Schärfe-Funktion noch etwas rausholen kann. Ich wähle Radius 0,3 (sollte nie groß verstellt werden), Menge 0,15 und lasse Schwellwert 0. Das Ergebnis sieht nun so aus:



Hundertprozentig kann man die Stufen bei solch stark verkleinerten Bildern zwar nicht eliminieren, aber es gilt, einen Kompromiss zu finden zwischen Gesamtschärfe und Sägezahnlinien. -- Eine andere Möglichkeit mit GIMP-Erweiterungen zur Umgehung dieses Problems wird auf der Schweizer Seite Shutter Speed (Externer Link!) beschrieben.

Von Kristian Scharf kam der Hinweis, dass man mit GIMP die Stufenbildung beim Skalieren minimieren kann, indem man den Skalierungsmodus auf Sinc (Lanczos 3) einstellt.

Schritt 6: Einblendung des Namens

In der Galerie kann man zwar beim Bildupload seinen Namen in das Bild prägen lassen, aber das führt zu oft sichtbaren Qualitätseinbußen bei erneuter Komprimierung. Und jeder möchte seine Bilder doch in der optimalsten Form präsentieren, oder? Also betätigen wir mit der Maus jetzt noch im Werkzeugkasten Fenster das fette A und erhalten die Texteingabemaske. Im unteren Bereich des Werkzeugkastens kann Schriftart, -größe, -farbe usw ausgewählt werden. Nun ziehen wir einen Rahmen an der gewünschten Stelle im Bild (der sich hinterher auch noch verschieben lässt) und geben den gewünschten Namen ein.



Zu guter Letzt, wenn wir wirklich nichts mehr ändern wollen, speichern wir unser Meisterwerk ab. Dazu wählen wir Datei -> Speichern unter. In dem sich öffnenden Dialog müssen wir allerdings die Endung ".tif" abändern in ".jpg":



Nach dem Klick auf Speichern kommt noch die Abfrage Als JPEG speichern. Hier kann man den Komprimierungsgrad festlegen. Wenn man das Feld Vorschau im Bildfenster anklickt wird einem sogar die entstehende Dateigröße angezeigt. Ein Bild darf in der Galerie durchaus an die 500 KB besitzen, so dass hier die bestmöglichste Qualität gewählt werden sollte, solange die 500 KB nicht überschritten werden. Wenn die Frage auftaucht, ob das Bild nach JPEG exportiert werden soll, so kann das einfach bejaht werden.

Können wir zufrieden sein? Hier kommen nochmal die unbearbeitete und bearbeitete Fassung hintereinander. Zuerst das unbearbeitete Bild, das lediglich auf 1024 pixel Breite skaliert wurde:



Und hier folgt die bearbeitete Version:



6. Entscheidung nötig: RAW oder JPEG?

Die Vorteile von JPEGs scheinen auf der Hand zu liegen. Mit den richtigen Einstellungen bekommt man die Bilder anscheinend fertig aus der Kamera und sie verbrauchen nicht viel Speicherplatz. Man kann sie gleich ins Web stellen. - Kann man das wirklich? Am Bildschirm zuhause sieht man in der Regel einiges mehr an Ungemach als bei der Aufnahme. Nun sind JPEG-Dateien allerdings gegenüber Nachbearbeitungen ziemlich empfindlich.

Für die Belange des Internets reicht es oftmals, wie oben beschrieben eine JPEG-Datei in eine TIFF umzuwandeln und dann nach obigem Muster zu bearbeiten. Solange keine grobe Fehlbelichtung vorlag, wird man auch eine (ex-JPEG-)TIFF-Datei gut aufbereiten können. Bitte nicht im JPEG-Format bearbeiten, denn eine Bearbeitung bringt ja normalerweise doch die eine oder andere Speicherung mit sich, und jede Speicherung führt durch die JPEG-Komprimierung zu Verlusten!

Allerdings sollte man sich in den heutigen Zeiten des billigen Speicherplatzes mal fragen, ob man denn wirklich nicht die Vorteile von RAW-Dateien für sich in Anspruch nehmen möchte. Mir als Fotograf ist es schon sehr wichtig zu wissen, dass da immer eine Rohdatei vorhanden ist, die immer das zeigen wird, was und wie ich es fotografiert habe. Alle Nachbearbeitungen an der RAW-Datei werden nämlich von den meisten Programmen nicht in der RAW-Datei selbst, sondern in einer begleitenden XMP-Datei gespeichert oder in einem programmeigenen Katalog hinterlegt. Nur in den aus der Rohdatei plus Nachbearbeitungen "gewonnenen" JPEG- und TIFF-Dateien sind die Veränderungen dann natürlich fest "eingebaut".

Außerdem: Was man hat, das hat man. JPEG nehmen längst nicht die Vielzahl an Farbinformationen auf wie RAW- oder TIFF-Dateien. Wer weiß, vielleicht möchte man ja doch später mal von der einen oder anderen Aufnahme einen hochwertigen Ausdruck anfertigen lassen? Da bringt die größere Farbtiefe dem Bild vielleicht den letzten Kick?

RAW-Dateien sind auch viel offener für Veränderungen. In einer RAW-Datei werden so viele Bildinformationen gespeichert, das man locker auch mal gröbere Belichtungsschnitzer ausmerzen kann. Hier zeige ich als überzogenes Beispiel zur Verdeutlichung ein vollkommen falsch belichtetes Foto. Der Vordergrund ist praktisch unkenntlich geraten:



Als erstes habe ich nun das Original in eine JPEG-Datei konvertiert und diese nachbearbeitet. So hell, dass man den Vordergrund erkennen kann, bekam ich die JPEG-Datei durchaus. Was jedoch ganz und gar nicht rettbar war, das waren die dunklen Partien, z.B. das Fahrwerk der Lok, das sich als einziger schwarzer Klumpen präsentiert. Und die Farbübergänge wirken nicht mehr besonders natürlich, weil bei der JPEG-Bearbeitung viel weniger Farben (Zwischentöne) zur Verfügung stehen:



Nun habe ich mal die RAW-Datei aufbereitet. Es kommen wesentlich mehr Details zum Vorschein und die Farben sind besser nuanciert (nach Bearbeitung Export nach JPEG):



Bei Bedarf könnte man durch lokale Bearbeitung (weitere Aufhellung von Schatten) sicherlich noch mehr herausholen. Darauf habe ich hier bewusst verzichtet.

Nun mag man ja sagen, dass ein derartig fehlbelichtetes Bild wohl die Ausnahme ist. Ok, zugegeben. So wurde auch dieses Bild extra für diesen Artikel angefertigt. Aber manchmal sind es ja schon die Details von nur minimal fehlbelichteten Aufnahmen, die durch RAW zu retten sind: An jenem Abend war das Licht zwar noch klar, aber die Helligkeit hatte schon nachgelassen, was ich leider vor Ort nicht richtig bei der Belichtung berücksichtigt hatte. Da kam dann sowas raus:



Als erstes habe ich wieder die Originaldatei nach JPEG konvertiert und dann bearbeitet. Das Ergebnis ist grundsätzlich ok, aber aus den Schatten war nichts mehr herauszuholen:



Und hier die Bearbeitung in RAW mit denselben Einstellungen (erst nach der Bearbeitung in Lightroom nach JPEG konvertiert). Schaut mal, was da noch alles in den Schatten drinsteckte:



Auf diesen Seiten gibt es wesentlich bessere und genauere Vergleiche zwischen JPEG und RAW (externe Links!): Traumflieger, Color-Impressions.

6. Es gibt auch andere Programme

Wie schon vor dem Workflow gesagt: Die einzelnen Schritte lassen sich irgendwie mehr oder weniger auch auf andere Programme übertragen. Das bekannteste Bildbearbeitungsprogramm ist sicherlich Adobe Photoshop. Einsteigern würde ich es bestenfalls mit einem dicken Begleitbuch "Photoshop für Einsteiger" empfehlen, denn sonst eröffnet sich nur ein Zehntel der Programmvielfalt und es besteht akute Gefahr, dass man vor Verzweiflung seinen Rechner aus dem Fenster schmeißt!

Da ich selbst in RAW fotografiere, schwöre ich auf Lightroom von Adobe. Das Programm kostet zwar 260 Euro, ist mit all seinen Funktionen das Geld aber auch wert. Lightroom vereinigt RAW-Konvertierung, Archivierung, Bildbearbeitung und Aufbereitung für Druck und Web in einem. Dabei ist es von der Bedienung äußerst komfortabel und schnell zu bedienen. Unterrichtende, Schüler und Studenten bekommen Lightroom übrigens schon für 80 Euro! Das sollte vielleicht als Weihnachtsgeschenk drin sein? ;-) Meinen ganz persönlichen Workflow mit Lightroom habe ich hier beschrieben.

Außerdem möchte ich noch paar Worte über IrfanView verlieren, das wir oben schon zum Skalieren herangezogen haben. Das Programm ist kostenlos hier herunterzuladen. Für die Bildbearbeitung bietet IrfanView leider nur grundlegende Möglichkeiten. Aber als Bildbetrachter ist das Programm sehr empfehlenswert. Ob Einzelbildbetrachtung oder Serien, ob Diashow auf dem Monitor oder per Beamer, ob mit automatischem Durchlauf oder mit manuellem Weiterklicken, ob mit Überblendung oder ohne - IrfanView beherrscht das alles perfekt und bietet zur Bildbetrachtung viele Einstellmöglichkeiten. Sicherlich gibt es noch andere gute Bildbetrachter, aber wer noch immer die Windows-Bildanzeige verwendet, sollte schleunigst an einen Umstieg denken...

7. Nützliche Ergänzungen

Das sollen von mir jetzt mal die Grundlagen gewesen sein. Nützliche Hinweise und Ergänzungen werde ich gern im Anschluss an diesen Text mit Angabe des Spenders nennen. Vorher möchte ich allerdings noch paar ergänzende Links zum Thema nennen:

Zur Drehscheibe-Galerie . Zum Studio der Eisenbahnfotografie